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Jt2 267.
Iuröa, Mittwoch, den 23. November 1898.
25. Jahrgang.
Wahlurne bringen, der würde die kleine Buße einfach bezahlen und nach wie vor nicht wählen kommen, und auch damit würde dann der gewünschte Zweck nicht erreicht sein. Große Geldstrafen kann man aber unmöglich für die 93er« säumniß einer Wahlpflicht einführen; und somit ist nicht recht einzusehen, wie man auf solchem Wege das gewünschte Ziel erreichen könnte. Man müßte denn die Geldstrafe nach derHöhe der Steuer bemessen, die der säumige Wähler zahlt, so daß die Geldstrafe des Reichen erheblich höher ausfüllen würde als die Geldstrafe des Unbemittelten.
Eine empfindlichere Strafe würde schon die Entziehung aller aktiven und passiven Wahl- und Bürgerrechte sein. Aber damit müßte man schon außerordentlich vorsichtig vorgehen, und wenn man so schwere Strafen über die Wahlsäumigen verhängen wollte, müßte man auch sehr peinlich und umständlich dabei zu Werke gehen. Wahrscheinlich würden daraus ganz entsetzlich umständliche und schwierige Verhandlungen in vielen Fällen entstehen, um darüber zu entscheiden, ob denn der Einzelne wirklich als Wahlsäumiger zu bestrafen oder aber als entschuldigt für sein Fernbleiben von der Wahl anzusehen sei.
Die Einführung eines Zwanges wird aber unter allen Umständen bei einem sehr großen Theile unserer Bevölkerung auf Widerspruch stoßen, mag er nun geartet sein, wie er will; und damit würde also in weiten Volkskreisen neue Unzufriedenheit hervorgerufen werden — eine recht bedenkliche Sache! Wir haben schon „Reichsverdrossenheit" genug und brauchen von diesem unerwünschten Artikel nicht noch mehr.
Und endlich kommt noch ein Punkt, der sicherlich ganz besonders zu beachten ist: niemals sollte man an die Einführung einer Wahlpflicht dort denken wollen, wo die Ausübung des Wahlrechtes nicht durch vollkommenes Wahlgeheimniß geschützt ist. In Verbindung zum Beispiel mit dem preußischen Landtags-Wahlrechte und seiner öffentlichen Stimmabgabe würde die Einführung eines Wahlzwanges eineHärteundUngerech- tigkeit ersten Ranges sein.
Im allgemeinen darf man wohl annehmen, daß die Wahlsäumigen auf alle Stände und Berufsarten sich ziemlich 'gleichmäßig vertheilen, so daß auch durch die Einführung eines Wahlzwanges wenig an der Parteizusammensetzung unserer Parlamente geändert werden würde.
L Wahlrecht oder Wahlpflicht?
Seit Jahren schon beschäftigt man sich mit der Frage, ob aus dem Wahlrechte bei uns nicht ein Wahlpflicht zu machen sei, so daß jeder, der nach dem Gesetze berechtigt zur Wahl ist, auch zwangsweise von diesem Rechte Gebrauch machen müßte. Die schwache Betheiligung an den Wahlen, namentlich an den Wahlen zum preußischen Landtage, hat diese Erörterungen neu aufleben lassen. Es kommt hinzu, daß dem braunschweigischen Landtage ein neues Wahlgesetz vorgelegt worden ist, und daß in diesem Gesetzentwürfe mäßige Geldbußen festgesetzt sind als Strafen für diejenigen, die der Wahl zum braunschweigischen Landtage fern bleiben. Die Betheiligung an den preußischen 'Landtagswahlen ist immer schwach gewesen und noch viel schwächer geworden, seitdem es einen deutschen Reichstag gibt. Aber auch die Betheiligung an den Wahlen zum Reichstage ist im allgemeinen im Abnehmen begriffen. Im Jahre 1893 haben im allgemeinen Durchschnitte 72,21 vom Hundert aller Wahlberechtigten von ihrem Wahlrechte zum Reichstage Gebrauch gemacht; diesmal, i. I. 1898, ist diese DurchschnittsMer auf 67,76 gesunken.
Wenn man die Frage, ob an die Stelle des einfachen Wahlrechtes eine Wahlpflicht zu setzen sei, sachlich prüfen will, so muß man sich zunächst ganz und gar davor hüten, diese Frage danach beurteilen zu wollen, wem etwa die Einführung einer Wahlpflicht Nutzen bringen könnte. Einige Zeitungen haben in jüngster Zeit die Einführung einer Wahlpflicht namentlich deswegen empfohlen, weil sie der Ansicht sind, daß nach der Einführung eines Wahlzwanges durch starke Mehrheiten gegen die Sozialdemokratie ein großer Theil der sozialdemokratischen Abgeordneten aus dem Reichstage verschwinden würde. Die Annahme, daß das so kommen würde, mag richtig sein; denn leider ist die Theilnahmslosigkeit gegen die Wahlen in erster Reihe bei dem deutschen Bürger thum und bei der ländlichen Bevölkerung zu finden. Aber einseitige parteipolitische Gesichtspunkte sollten bei der Beurtheilung dieser Frage doch so viel wie möglich im Hintergründe bleiben. Zeiten und Verhältnisse ändern sich. Und was heute zum Vortheil der Einen ausschlägt, kann später einmal ganz anderen Leuten zu Gute kommen.
Wollte man eine Wahlpflicht einsühren, so müßte man doch unbedingt auch eine Strafe setzen auf die Versäumniß solcher Wahlpflichten. Ohne die Einführung einer Strafe würde die ganze Maßregel ein Schlag ins Wasser sein. Was für Strafen könnten das fein? Man hat bisher als Strafe Geldbußen oder aber Entziehung des Wahlrechtes vorgeschlagen. Es ist schwer einzusehen, wie die Entziehung des Wahlrechtes eine Strafe fein sollte für Diejenigen, die gar nicht zur Wahl kommen wollen. Wenn man solchen Leuten für die Zukunft oder für eine bestimmte Zeitdauer das Wählen verbietet, so thut man ihnen ja den größten Gefallen. Und Geldstrafen? Der kleine Mann würde Geldstrafen fürchten. Geringe Geldstrafen aber würden den Wohlhabenden auch nicht an die
!X»-ntiv»rtlich: gir Mt Redaktion Jof. Bau», für gerate 0v-»zeller tn Fulda.
Der letzte Trieb.
Kriminal-Roman von Max Benno.
27 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Graf ließ sich von Hauber alle Einzelheiten des Falles nochmals erzählen, und es erfüllte ihn mit einer gewissen Genugtuung, daß auch Hauber kein unbedingtes Verdammungs- urtheil über Raimund aussprach. Der Alte ließ vielmehr die Frage offen, ob schuldig oder nicht, betonte aber, daß der richterliche Spruch den erwiesenen Thatsachen gegenüber nicht anders habe ausfallen können, als es geschehen sei.
Hauber kam einer Frage Oskars dadurch zuvor, daß er von den Verhältnissen im „Schwert" zu sprechen begann.
@r teilte mit, wie die schöne Tochter Frei- Hofers in Folge der abscheulichen Anschuldigungen der Haberer krank geworden und wie nach ihrem leidenden Aussehen zu schließen ihre Lebensfreude iurt die bittere Erfahrung für immer getrübt fei.
Der Kastellan bemerkte recht gut die peinlichen Empfindungen, welche durch feine Worte in dem Gemüthe Oskars geweckt wurden, aber er gab sich den Anschein, als merke er nichts und walte das trostlose Bild nur noch weiter aus, so daß der Graf, welcher feine Gefühle kaum mehr beherrschen konnte, in grenzenloser Bestürzung schließlich das Zimmer verließ
Am Nachmittage begab Oskar sich in das Städtchen hinab und besuchte das „Schwert".
Er sand die Beschreibung Haubers von dem Zustande Senzchens bestätigt. Das Mädchen sah recht niedergeschlagen und kummervoll aus. Sie
(.) Zu Ehren des fünfzigjährigen gtegierttngs • Iuvikänms des Kaisers von Hester.eich wird am 2. Dezember in d<r Hedwigskirche zu Berlin ein feierliches Hochamt mit Tedeum stattfinden.
ti Nach einer Zeitungsmeldung war die Kinvernfnngs - Hrdre für den Il-»chstag dem Kaiser zur Unterschrift nach Malta gesandt worden. Es waren dabei drei Zeitpunkte für die Eröffnung des Reichstages zur Wahl gestellt: 29. November, 30. November oder 1. Dezember. Auch am heutigen Dienstag hat der .Reichsanzeiger' die Einberufungs-Ordre noch nicht veröffentlicht.
x Das führende Blatt der konservativen Partei, die,Kreuz-Ztg.', äußert sich nunmehr auch über die Infammensetznng des Ileichs- iags-Arästdmms. Die konservativen Parteien, so the,lt das genannte Blatt mit, haben sich entschlossen, aus ihrer in den letzten Sessionen geübten Zurückhaltung hervorzutreten und einen Sitz im Präsidium des neugewählten Reichstages in Anspruch zu nehmen. „Der Freisinn — so schreibt die ,Kreuz-Ztg.' — wird also auf die Besetzung der ersten Vizepräsidenten-Stelle verzichten und dieselbe den Konservativen überlassen müssen." Die Wahl eines Sozialdemokraten in das Präsidium wird nach der Ansicht der Konservativen „schwerlich in Erwägung gezogen werden können, auch wenn darauf (von den Sozialdemokraten) Anspruch gemacht werden sollte"; die zweite Vizepräsidentenstelle wollen die Konservativen durch einen Nationalliberalen besetzt sehen. Sehr richtig bemerkt die ,Kre, z.Z g.', daß zunächst kein Partei-Organ in der Sage fein dürfte, authentisch über Personenfragen zu berichten, über die erst in den beteiligten neu zusammentretenden Fraktionen entschieden werden soll." Doch wollen die Konservativen für die erste Vize- präpdenten-Stelle einen Preußen präsentiren, wenn das Centrum etwa einen Süddeutschen für den Präsidenten-Posten vorschlagen sollte. Die von anderen konservativen Blättern genannten Herren (Graf Stolberg und Dr. v. Frege) sollen es aber nicht fein, namentlich auch nicht Herr v. Levehow, der frühere erste Präsident des Reichstages Sollte das Centrum einen Preußen als ersten Präsidenten Vorschlägen, so wollen die Konservativen einen Sachsen als zweiten Vizepräsidenten aufstellen.
* Die Ktalsflärke des deutsche« Keeres erfährt in dem neuen Reichshaushaltsetat eine Verstärkung um 54 Offiziere und 40 Unteroffiziere. Dagegen vermindert sich die Zahl der Zahlmeister um 34 und diejenige der Büchsenmacher und Waffenmeister um 17. Bekanntlich "md in dieser Etatsaufstellung die Aenderungen durch die neue Militärvorlage noch nicht berücksichtigt. Gegenüber dem Jahre 1898 sind in Preußen und Bayern hauptsächlich Etatsänderungen auf Kosten der Truppentheile zu Gunsten der Bekleidungsämtcr, außerdem geringe Osftziers- erhöhungen bei der preußischen Infanterie, den besonderen Formationen und den nichtregimentirten Offizieren, der bayerischen Fußartillerie, den bayerischen besonderen Formationen, den sächsischen Bezirkskommandos und den bayerischen, sächsischen nahm er eine Prise und schaute dem Grafen voll in's Gesicht.
„Sie haben mich," begann er, „schon wiederholt durch Inanspruchnahme meines Rathes beehrt und ich darf mir schmeicheln, daß die Befolgung desselben noch jedesmal zu Ihrer Befriedigung und Ihrem Vortheil ausschlug. Sie sind ein reicher und unabhängiger Herr. Sie geben auch nicht viel um die Vorurtheile, welche man bei Ihren Standesgenoffen häufig antrifft. Sie haben ein gutes, ein mitleidiges, ein zartfühlendes Herz, wie Ihre Theilnahme für die arme Jugendgefpielin leweist. Sie wollen ihr helfen. Gut, das wird -eine allzu große Kunst fein. Senzchen ist wunder- )übsch, so schön, wie man in ihren Verhältnissen eiten ein Mädchen antreffen wird; sie ist verstän- >ig und brav, und jeden Mann muß man glück- ich preisen, der sie einst heimführen darf — bezweifeln Sie, Herr Graf, daß Sie auch einem gräflichen Schlöffe anstehen würde, vielleicht mehr , 6^ eine Andere, die ihre Ahnen nach Dutzenden
Er verstummte und beobachtete mit einem . lauernden Blicke den Eindruck, welchen seine Worte auf den jungen Herrn gemacht hatten.
Er schien mit dem Resultate zufrieden zu fein, i Oskar zeigte sich nicht im mindesten überrascht, ' ein Beweis, daß ein ähnlicher Gedanke sich schon । in ihm selbst geregt hatte. •
„Erheben Sie Senzchen zu Ihrer Gemahlin," ' fuhr Hauber fort. „Dadurch würden mit einem . Schlage die losen Mäuler der Leute verstopft und ‘ der Makel weggewischt, welcher andernfalls dem ' Mädchen voraussichtlich lebenslänglich anhaften I wird. Sie brauchen ja nicht in "Waldheim zu i
' und württembergischen nichtregimentirten Offi i zieren vorgesehen.
h Die Noftko«fere«zeu im Berliner : Reichspostamte sind nunmehr beendet. Eine hervorragende Rolle haben in diesen Berathungen ; Fragen der Personalreform gespielt, und es ist, wie berichtet wird, auf Grund der Vorschläge des Reichspostamtes eine brauchbare Unterlage geschaffen worden. Auch die Entlastung des Dienstes von unnötigem Schreibwerke ist zur Sprache gekommen.
-s- Kürzlich ist, wie bekannt, ein Organ der Ikeichspost - Verwaltung in's Leben gerufen worden, die,Neue Post'. Dieses Blatt ist den Postbeamten zum Lesen empfohlen worden, und gleichzeitig wurde das Halten des .Deutschen Postboten' bett Beamten untersagt. Dieses letztere Blatt bezeichnet sich als das Organ des Verbandes der Unterbeamten. Später sind mehrfach solchen Unterbeamten Verwarnungen zugegangen, die trotz des Verbotes den.Deutschen Postboten' dennoch lasen; und neuerdings hat man 19 Postunterbeamten in Hameln den Dienst gekündigt, nachdem diese auf Befragen zugegeben hatten, daß sie Mitglieder des Verbandes der Postunterbeam- ten sind und den verbotenen Deutschen Postboten' lesen. So wird berichtet. Es wird abzuwarten sein, ob die Aufkündigung des Dienstes allein aus dem angegebenen Grunde erfolgt ist, oder ob noch andere Gründe dabei mitgewirkt haben; und ebenso muß man abwarten, ob noch weitere Entlassungen aus denselben Gründen stattfinden werden. Nunmehr soll übrigens neben dem,Deutschen Postboten' noch ein anderes selbstständiges Organ gegründet werden: ,Die Deutsche Reichspost'.
* Das Ktatsjahr 1897/98 schließt nach einer halbamtlichen Meldung mit einem Überschuß von 25,375,431 Mark ab.
0 Die ,Berl. Pol. Nachr.', die gute Beziehungen zum preußischen Finanzministerium haben, widersprechen der Angabe, daß man sich für eine Umsatzsteuer als die beste Art der Ke- steueruug oer Kroßvazare entscheiden werde, und zwar deswegen nicht, weil „eine Umsatzsteuer an das System der preußischen Gewerbesteuer, namentlich nachdem diese den Kommunen überwiesen ist, in keiner Weise sich anpaffen würde und doch wohl anzunehmen ist, daß eine N o 1 veile zur bestehenden Gewerbesteuer nicht prinzipiell von ihren Grundlagen abweichen würde". Aisbann sagt der Osfiziosus, mit den reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Gewerbefreiheit lasse sich „eine Besteuerung nicht in Einklang bringen", die „den Zweck verfolge, kaufmännische Betriebe unmöglich zu machen". Es hat aber wohl noch kein Freund einer besonderen Besteuerung der Großbazare von dem Wunsche sich leiten (affen, diese Großbazare zu vernichten; nielmehr hat man doch nur daran gedacht, ausgleichende Gerechtigkeit zu üben und zu verhindern, daß durch die Ueberwucheruug der Großbazare andere kaufmännische Betriebe un-' möglich gemacht werden. Nach den ,Berl. Pol. Nachrichten' „steht einer einzelstaatlichen Lösung der Frage durch die Gewerbesteuer nichts im Wege". Aber über das Rezept, wie das gemacht werden soll, schweigt der Osfiziosus. Daß eine staatliche Lösung dieser Frage erwünscht ist, hat bleiben. Die Welt ist groß und ich bin überzeugt daß Sie Ihren Schritt niemals bereuen, wenn die herrliche Blume, von den verwundenden Dornen befreit, für Sie in neuer Schönheit erblüht."
Oskar mußte lächeln. Diese poetische Sprache aus dem Mund: des Alten war er nicht gewohnt. Aber war es denn ein Wunder, wenn Senzchen, deren unwiderstehliche Lieblichkeit und An- muth Jeden hinriß, selbst das Herz des vertrockneten Burschen zu gewinnen gewußt hatte?
Er reichte Hauber die Hand. „Sie haben recht, alter Freund," sagte er, „und ich will Ihnen nur gestehen, daß Ihr Vorschlag auch schon in meinen Gedanken eine hervorragende Rolle gespielt hat. Ich werde mein Glück versuchen, und zwar sofort, aber" — fügte er kleinlaut hinzu, „wenn Senzchen „Nein" sagt? Es wäre eine grenzenlose Enttäuschung für mich!" Vielleicht ohne daß der Kastellan es wußte, kam das bekannte Zischen zwischen dessen weißen Borsten hervor. Lebhaft stand er auf.
„Was fällt Ihnen ein, Herr Gras," hielt er entgegen, „daran denke ich gar nicht. Das Mädchen sperrt sich vielleicht anfangs ein bischen, denn es mag ja fein, daß ihr Herzchen, wie ich schon munkeln hörte, bis zu einem gewissen Grade an dem Verurtheilten hängt. Da aber unter den obwaltenden Umständen von einer Verbindung zwischen ihr und dem jungen Erdmann gar keine Rede sein kann, wird sie schließlich mit beiden Händen zugreifen und froh fein, wenn sie auf so glänzende Weife aus ihrem Elend herauskommt. Also nur frisch an's Werk, Herr Graf! Ich bringe Ihnen zum voraus meine herzlichsten Glückwünsche dar."
mit Ztnterhattungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung"
Deutsches Reich-
Berlin, 22. November.
x Das kaiserliche ^aar wird am Donnerstag in München einen Aufenthalt von nur P/2 Stunden nehmen und dann sofort nach Baden- Baden weiter reifen. In Baden-Baden wird das kaiserliche Paar bis Freitag Abend verweilen und alsdann nach Potsdam reifen, dort also am nächsten Samstag wieder an kommen. Der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam hat die Bewohner aufgefordert, zum Empfang des kaiserlichen Paares ihre Häuser zu schmücken.
grüßte ihn mit einem wehmüthigen^Lächeln, da sie aber die peinlichen Vorgänge mit keiner Silbe erwähnte, sprach auch er nicht davon.
schien im „Schwert" eine stillschweigende Vereinbarung getroffen worden zu sein, über diese schlimmen Dinge einen Schleier zu breiten, denn auch von den übrigen Angehörigen der Familie wurden sie nicht berührt. So gingen einige Tage vorüber.
Oskar, der auch den Vater Raimunds beuchte, verkehrte fast täglich im „Schwert".
Senzchen kam ihm immer freundlich entgegen, aber so wie früher gestaltete ffch das Verhältniß zwischen den Beiden nicht mehr. An die Stelle der harmlosen Zutraulichkeit des Mädchens war eine gewisse ängstliche Scheu getreten, und oft wich sie ihm geflissentlich aus.
Das that ihm weh, denn er empfand aufrichtige und innige Theilnahme für sie, und es schmerzte ihn lief, daß er wenigstens scheinbar an ihrem Kummer einige Schuld trug.
er ffch sonst Niemand anvertrauen mochte, so fluchtete er sich in feiner gedrückten Stimmung ju dem Kastellan Hauber, den er nach allem Vorausgegangenen für einen treuergebenen Mann hielt.
, . sprach mit ihm von seinen Sorgen und seiner Ralhlopgkeit, wie er Senzchen so gern ihr Herzeleid abnehmen möchte, wenn er nur ein Mittel hiezu wüßte; er wäre zu jedem Opfer bereit.
Ein rascher Blitz zuckte bei dieser Erklärung aus den Augen des Alten hervor. Er rutschte unruhig auf feinem Sessel hin und her, als fei in ihm ein plötzlicher Gedanke erwacht. Dann