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.verantwortlich: Siir !>ie Redaktion 3of. Baum, für Inserate I. parzeller in Lulda.

mit Ilnterhattnngs-Aeilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" peterogaike Hr. 2 (Larmonie).

25. Jahrgang.

IuLöcr, Montag, den 21. November 1898.

M 265.

L Der lippesche Streitfall

ist ganz gewiß kein angenehmes Thema für Er­örterungen in der Presse. Aber ob man nun will oder nicht, man muß sich mit ihm beschäf­tigen, nachdem er nun einmal in die breite Oeffentlichkeit hineingezerrt ist, und wenn man zehnmal von dem Wunsche beseelt ist, die uner­quickliche Sache möchte der Oeffentlichkeit so viel als möglich entzogen bleiben. Man kann einigen ; Blättern, die in derlei Angelegenheiten auf Winke von Berlin hin vorzugehen pflegen, den Vorwurf nicht ersparen, daß sie einen großen Theil der Schuld daran tragen, daß die öffentliche Erörterung dieses unerquicklichen Streites kein Ende finden kann. An der Spitze dieser Blätter steht die ,Kölnische Zeitung'; und auch im kon­servativen Parteilager erhebt sich nunmehr eine Stimme nach der andern, um mit Entrüstung Widerspruch zu erheben gegen die Art und Weise, wie der Kampf von jener Seite geführt wird. „Am allerhäßlichsten — so schreibt die .Deutsche Tageszeitung' — wird der Kampf ge­führt von der .Kölnischen Zeitung', die das unbestreitbare Verdienst hat, zu der Verschärfung des Streites das denkbar meiste beige­tragen zu haben."

So wie die Dinge liegen, ist es gar nicht unwahrscheinlich, daß auch der lippesche Streit­fall die beschleunigte Rückkehr des Kai­sers herbeigeführt hat. In diesem Sinne äußert sich eine Berliner Zuschrift der .Münchener All­gemeinen Zeitung', die bekanntlich in guter Füh­lung zu Berliner Regierungskreisen steht. Danach soll „die Veröffentlichung der Denkschrift des Graf-Regenten von Lippe in hohem Maße dazu beigetragen haben, im Kaiser den Wunsch, daheim zu sein, in ein lebhaftes Verlangen zu verwandeln". Denn die Mißstimmung, welche diese Veröffent­lichung erregt habe, werde am schnellsten und am besten durch das persönliche Eingreifen des Kaisers beseitigt werden.

Daß der Graf-Regent in keiner Be­ziehung zu dieser Veröffentlichung steht, wird immer klarer. Die ganz bestimmte, in amtlicher Form erlassene Erklärung darüber, die das lip­pesche Staatsministerium erlassen hat, ist an sich hinreichend, alle Zweifel in diesem Sinne zu zer­streuen. Inzwischen ist ein Ereigniß hinzuge­treten, das mit aller Wahrscheinlichkeit in dem­selben Sinne zu deuten ist: der Graf-Regent ist nach Wien gereist, und sehr nahe liegt die Vermuthung, daß er persönlich die geeigneten Schritte thun will, um festzustellen, durch wen das ,Neue Wiener Tagblatt' in die Lage verseht worden ist, die Denkschrift des Grafen an die Bundesfürsten zu veröffentlichen.

Nach der Rückkehr des Kaisers, so wird an­genommen, wird sich der Bundesrath mit der Sache beschäftigen. Ohne Zweifel hat in einigen Kreisen des Bundesrathes die Absicht bestanden, den lippe'schen Fall zu verschleppen, etwa ebenso, wie es mit den Ausnahme-Bestimmungen gegen die Jesuiten beliebt wird. Aber die neuesten Ereignisse drängen so mächtig zu schleuniger Er­ledigung, daß wohl auch den verschleppungs­lustigen Bundesraths-Politikern die Einsicht ge­kommen ist, es gehe nicht an, die Sache noch

Der Letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

25 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ich glaube Dir," sagte der Vater, „es ist eben jenes furchtbare Verhängniß, die Rache der Schuld, welcher schon hienieden Niemand ent­geht. O Sohn, Sohn, Du ahnst nicht, welch' gräßliche Qual meine Seele zerreißt. Du wirst nun das Opfer für Verbrechen, die Dir unbekannt sind. Doch verliere auch bei dieser schweren Heimsuchung den Muth nicht. Vertraue auf den barmherzigen, auf den gerechten Vater im Himmel, welcher der Unschuld noch immer zum Siege ver­half." Der Staatsanwalt hatte sich rücksichts­voll, den Beiden seinen Rücken zukehrend, ans Fenster gestellt. Gleichwohl war die Entfernung nicht so groß, daß ihm auch nur eines der ge­sprochenen Worte entging.

Er hatte jedoch von dem Bürgermeister augen­scheinlich etwas ganz Anderes erwartet, denn sein Mienenspiel drückte Ungeduld und Un­willen aus.

Da im gleichen Augenblicke der bestellte Wagen vorfuhr, wandte er sich um und mahnte den Bürgermeister zum Rückzüge.

Noch einmal umarmte dieser den Sohn, dann ging er fort.

Einige Minuten nachher bestiegen der Staats­anwalt und Raimund das Innere des Wagens, während der Gendarm auf dem Bock bei dem Kutscher Platz nahm.

Das Fuhrwerk rollte davon. Indem Städtchen hatte sich schnell die Kunde von der Verhaftung

weiterhin auf die lange Bank zu schieben. Was will nun der Bundesrath thun? Will er den Spruch des Schiedsgerichtes, das unter dem Vorsitze des Königs von Sachsen getagt hat, einer Revision unterziehen? Schon die konser­vative ,Kreuz-Ztg.' hatte vor einiger Zeit ihre Meinung dahin geäußert, daß das einer „schweren Mißachtung des Schiedsspruches" gleich kommen würde. Was man in Sachsen darüber denkt, das kann man aus einer Aeußerung des Dresdener ,Vaterland' entnehmen, des erklärten Partei-Organs der sächsischen Konservativen. „Sollte — so läßt sich das.Vaterland' vernehmen — dem Bundes- rathe nochmals die Prüfung der Ebenbürtigkeit des Hauses Lippe-Biesterfield übertragen werden, so läge. . . ., da beide Parteien sich im vor­aus zur Anerkennung dieses Spruches verpflichtet hatten, eine gew isse Unlauter!eit, und das Rechtsgefühl im deutschen Volke erhielte einen empfindlichen Stoß . . . .Inden deutschen Bundesstaaten ist unter dem. . .Re­giment des großen Kaisers Wilhelm I. ein Ver­trauen in die Selbstlosigkeit und Unparteilichkeit des Reichsoberhauptes erwachsen, das jeden Ge­danken an die Wiederaufnahme der Hauspolitik, welche Preußen auf Kosten seiner Nachbaren in den zwei letzten Jahrhunderten eingeschlagen hat, im Keime erstickte. Dieses Vertrauen hat den Partikularismus der Stämme niedergehalten . . . Wir können nicht glauben, daß es nunmehr anders werden soll."

Das Dresdener Blatt ttifft, so dünkt uns, den rechten Ton. Zunächst kann man nicht recht glauben, daß diese und ähnliche Anrufe ungehört verhallen sollten. Und so ist nichts dringender zu wünschen, als daß dieBemerkung der Münchener Allgem. Ztg.' recht bald zur Wahrheit werden und die erregte Mißstimmung so schnell als mög­lich durch das persönliche Eingreifen des Kaisers beseitigt werden möge.

Deutsches Deich.

Berlin, 19. November.

* Das kaiserliche Aaar wird, wie schon mitgetheilt, über Divacea, Udine, Franzensfeste, Innsbruck nach Berlin zurückkehren. Stach einer Meldung der Magdeb. Ztg.' werden die Maje­stäten in der Reichshauptstadt etwa am 23. oder 24. November wieder eintreffen. Da der private Charakter der Rückreise bis zum letzten Augen­blicke bewahrt bleiben soll, wird Wien voraus­sichtlich auf der Fahrt von Pola nach Berlin nicht berührt werden. Auf besonderen Wunsch des deutschen Kaisers unterbleibt jeder offizielle Empfang desselben auf österreichischem Boden. Es dürste daher auch in Pola keine besondere Empfangsfeier stattfinden, wiewohl gemeldet wird, daß dortselbst zu diesem Behufe bereits alle Vor­bereitungen getroffen sind. Der Sonderzug, welcher die kaiserlichen Majestäten von Pola ab­holen wird, ist am Freitag Vormittag 10'/* Uhr von Potsdam abgegangen. — Das Gefolge des Kaisers, soweit es sich nicht auf der „Hohen- zollern" befindet, sondern von Beirut aus direkt nach Berlin abgereist ist, trifft heute Abend in Berlin ein, unter andern Frbr. von Mirbach und Hofmarschall v. Li ncker. Kultusminister Bosse

Raimunds verbreitet, sowie von der schweren An­klage, welche man gegen denselben erhob.

Bei den Einen rief sie Entrüstung, bei An­deren Bedauern und bei Vielen ungläubiges Kopf­schütteln hervor.

In ungeheurer Aufregung befand man sich über diese unerwartete Wendung im „Schwert". Unter der Wirkung des ersten Eindrucks zeigten Freihofer, Ottilie und sogar Tante Anna sich zu dem Glauben an die Schuld des jungen Mannes geneigt. Das unerklärliche Wegbleiben desselben von der Wirthschaft, die plötzliche Entfremdung zwischen ihm und Oskar hatten begreiflicher Weise vorher schon allerlei Vermuthungen in ihnen geweckt, und die Möglichkeit, daß der Student, wie behauptet wurde, sich durch die Eifer­sucht zu der schmählichen Handlungsweise habe hinreißen lassen, lag wenigstens vor. Allmählich aber stiegen doch Zweifel in ihnen auf und sie zählten zu denjenigen, welche sich der Hoffnung Hin­gaben, die eingeleitete Untersuchung werde den Be­weis erbringen, daß der Verhaftete nicht schuldig sei.

Darüber hatte Senzchen trotz aller gegen- theiligen Behauptungen von Anfang an nicht den leisesten Zweifel gehegt.

Sie war von ihrer Krankheit wieder genesen und Anna hatte sie, da es besser war, wenn sie die Sache durch die eigenen Leute, als durch Fremde erfuhr, in das Geheimntß der schrecklichen Nacht eingeweiht. Sie war anfangs heftig er­schrocken, gleich nachher aber wurde ihr lieb­liches Gesicht von eintzm sonnigen Lächeln, von dem Widerschein eines unverkennbaren Glückes verklärt.

Jetzt wußte sie auf einmal, warum Raimund

hat in Neapel kurzen Aufenthalt genommen, u. A. besichtigte er die dortige biologische Station. Von Neapel begibt er sich nach Rom zu mehrtägigem Aufenthalte, und erst Ende nächster Woche wird er hierher zurückkehren. — Die Prinzessin Heinrich wurde bei ihrer gestrigen Ankunft in Neapel vom Kultusminister Dr. Bosse empfangen und zu Wagen durch die Stadt begleitet.

-j- Eine vereinzelte Zeitungs-Notiz meldet, Herr Freiherr v. Kertking solle, nachdem er fünf Jahre Präsident des Reichstages gewesen sein würde, bayerischer Kultusminister werden, da „er von den in Bayern maßgebenden Stellen schon längst für diesen Posten ausersehen" sei. Diese Mittheilung soll „auf so sicherer Quelle beruhen, daß ein Zweifel an ihrer Richtigkeit ausgeschlossen" erscheine. Es ist gut für den Be­richterstatter, daß er sich dieses schöne Zeugniß für seine Meldung selbst ausstellt; andere Leute werden weniger bereit dazu sein. Aber wenige Zeilen vorher muß der Berichterstatter selbst sagen, daß „es noch nicht sicher ist, ob das Centrum sich für Freiherrn v. Hertling oder Graf Balle­strem entscheidet . . . und das ist das einzig Richtige an dieser Meldung des ,Berl:ner Lokal- Anzeigers', die angeblich „auf so tadellos sicherer Quelle beruht". (Ihre Zuverlässigkeit gleicht dem entsetzlichen Deutsch, in dem sie vorgebracht ist; hat man schon jemals gehört, daß ein Ding „auf einer Quelle beruhen" könne? Die Red.)

h Herr Ireiherr v. Key! zu Herrnsheim ersucht nun auch die .Germania' festzustellen, daß in der besprochenenZusammenkunft von süddeutschen nationalliberalen Abgeordneten in Heidelberg „nicht mit einem Worte über die Umsturz-Vor­lage oder verwandte Fragen oder darauf bezüg­liche Vorlagen verhandelt wurde". Noch er­freulicher würde es gewesen sein, wenn Herr Freiherr v. Heyl versichern könnte, daß solche Bestrebungen überhaupt nicht vorhanden seien. Aber das kann er leider nicht. In der Berich­tigung ist von „der Umsturz-Vorlage" die Rede. Welche Vorlage mag Herr v. Hcyl meinen?

x „Welches Wahlsystem immer bei der nächsten (preußischen) Landtagswahl bestehen mag, die gesammte Sozialdemokratie in Preußen wählt" — so schreibt Herr Abg. AeVek in der sozialdemokratischen Zeitschrift „Neue Zeit". Diese Sprache klingt so außer­ordentlich siegesgewiß schon auf ganze fünf Jahre hinaus, daß man es niemandem verdenken kann, wenn er auf den Gedanken kommt, Herr Bebel schreibe da etwas, worüber er sich zunächst selbst einreden will, daß es wirklich und ganz gewiß so sei, wie er sich ausdrückt. Deswegen nimmt Herr Bebel Ausflucht zu sehr kräftigen Aus­drücken: „selbst mit Hilfe des Teufels und seiner Großmutter" muß sich nach seiner Versicherung die Sozialdemokratie verbinden, um bei den preußischen Landtagswahlen Erfolge zu erzielen. Nun gibt es aber verschiedene Genossen und Obergenossen, die halten ein Bündniß mit Herrn Eugen Rechter und seinen Mannen für noch schlimmer als ein solches mit des Teufels Großmutter; und was will Herr Bebel mit diesen anfangen? Die Kanonade, die Herr Bebel.er­öffnet, ist ja sehr heftig. Aber auch mit der heftigsten Schießerei mit Worten vertuscht Herr

sich nicht mehr im Schwert gezeigt hatte, was ihr so unsäglich wehe gethan, warum er den Umgang mit Oskar gemieden, und diese Eikemtt- niß fand ein Echo in ihrem Herzen, vor dessen süßer Gewalt alles Andere in den Hintergrund trat. Aus den Anklagen und Verdächtigungen hörte sie nur das Eine heraus: „er liebt dich, er liebt dich" und das klang für ihr mit einem Schlag zum Bewußtsein seiner Empfindungen für den Jugendgespielen gekommenes Herz wie die schönste Musik.

Jeden Gedanken an seine Schuld wies sie entschieden von sich, und selbst wenn sie ge­zweifelt hätte — es wäre bitter für sie gewesen, aber die Allgewalt der Liebe hätte auch dann noch gesiegt. . .

Wie immer, wenn sie etwas bedrückte, nahm sie, wie einst die Mutter Ottilie, ihre Zuflucht zu der ® ebenebeiten und flehte sie um Hilfe und Fürbitte an, täglich begab sie sich für eine halbe Stunde in die Kirche und jedesmal kehrte sie voll Zuversicht und Vertrauen wieder zurück.

Diese Empfindungen theilte der Bürger­meister Erdmann nicht, der sich über das Schicksal seines hoffnungsvollen Sohnes in einer unbeschreiblichen Stimmung befand. Er zweifelte nicht an dessen Schuldlosigkeit, obgleich er die lange Reihe der Glieder an der Beweis­kette kannte, deren Gewicht den Unglücklichen in den Abgrund ziehen mußte, wenn nicht ein Wunder geschah.

Aber wenn der Sohn unschuldig war, dann mußte ein anderer im Hintergründe stehen, der über eine geradzu dämonische Macht verfügte und der mit allen Verhältnissen genau vertraut war.

Bebel die Thatsache nicht, daß die Sozialdemo­kratie mit ihrer Betheiligung an der preußischen Landtagswahl einen durchschlagenden Miß­erfolg erzielt hat. Oder will Herr Bebel int Ernste anderen und sich selbst weiß machen, daß die Verschiebung einiger weniger Mani bäte von den Nationalliberalen zu den Freisinnigen das Ziel fein soll, das die Sozialdemokraten mit ihrer Theilnahme an den preußischen Landtagswahlen erstrebt haben? Einer solchen politischen Heuchelei sollte Herr Bebel sich nicht schuldig machen!

* Schon wieder gehen neue Mittheilungen über den Inhalt der zu erwartenden Wikilär- vorkage durch die Presse. Im Wesentlichen be­stätigen sie die bisherigen Angaben; es sollen gefordert werden: neue Armeekorps (wahrschein­lich zwei), 23 neue Kavallerie-Regimenter, 5 neue Feldartillerieregimenter und drei neue Telegraphen­bataillone. Hebet die Mehreinstellung von Rekruten sei noch kein Beschluß gefaßt, die Angaben schwankten zwischen 15,000 und 40,000 Mann — eine Kleinig­keit ! Dann heißt es ausdrücklich: Als unabweisbar gelte u. a. auch die Ergänzung der im vorigen Jahre aus den Halbbataillonen gebildeten neuen Bataillonen auf den mittleren Etat und die da­durch bedingte Erhöhung der Friedens­präsenzstärke. Vor noch nicht Jahresfrist wurde seitens der Kriegsoerwaltung erklärt, daß eine derartige Ergänzung nicht beabsichtigt sei— heute „liest man anders"! Und vor einigen Tagen versuchte eine offiziöse Feder glauben zu machen, daß eine Vermehrung der Infanterie nicht geplant sei. Wem soll man nun glauben?

0 „Mit dem kindischen Grusekigmache« vor dem Kentrum sollte man dock endlich auf­hören" — so ruft die ,Deutsche Tageszeitung' aus angesichts des Jammergeschreis in national- liberalen Blättern darüber, daß im Wahlkreise Hamm-Soest bei den Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause ein evangelischer Pfarrer für den Centrumskandidaten gestimmt hat. „Wir können diese Angst vor dem „schwarzen Manne" nur lächerlich finden." Gut, wir wollen es uns merken, zu geeigneter Nutzanwendung bei paffender Gelegenheit.

* In den Kreisen der Srivatkeh.er ist der Wunsch nach einem Anschluß an die reichsgesetzliche Invalidenversicherung laut geworden. Die Novelle zum Jnvalidenversicherungsgesetze hat diesen Bestrebungen Rechnung getragen und sich für die Einführung des Verstcherungszwar.ges für Lehrer und Lehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen ent­schieden, der Versicherungspflicht sollen aber, wie in der Klasse der Betriebsbeamten, nur solche Lehrer unterworfen werdenderen Jahreseinkommen 2000 Mk. nicht übersteigt; denn nur für diese ist das Bedürfniß nach gesetzlicher Fürsorge an­zuerkennen. Aus gleichem Grunde sollen die Lehrer von der Versicherungspflicht bann fern bleiben, wenn sie an öffentlichen Schulen ober Anstalten angefteüt sinb unb in Folge biefer Anstellung eine Pensionsanwartschast haben, bei Anstellung an nichtöffentlichen Schulen ober Anstalten sollen sie unter ber gleichen Voraussetzung nach Prüfung der Verhältnisse von der Versicherungspflicht auf Antrag entbunden werden dürfen.

0 Im mecklenvurgische« Landtage hatten

"Unwillkürlich 0rängte"sich ihm der Name „Hauber" auf die Lippen, aber er gab diesem Argwohn nicht Raum. Vor Jahren vielleicht hätte er anders gedacht. Aber jetzt war der Kastellan ein alter Mann, der sich um die Welt und ihr Treiben nicht mehr viel zu bekümmern schien und dem er überhaupt auch bei seiner augenscheinlichen Gebrechlichkeit und Hinfälligkeit die Fähigkeit für ein solch teuflisches Werk nicht mehr zutraute, obgleich er hiervon aus früherer Zeit mehr als genug Proben besaß. Was hätte diesen bestimmen sollen, seinen Sohn unglücklich zu machen? Ohne besonderes In­teresse hatte Hauber noch nie etroaä gethan, ein solches aber lag nach seinem Dafürhalten für diesen nicht vor.

Aber wer war der verworfene Mensch? Ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden, zer­marterte der Bürgermeister seinen Kopf, um dann unter dem Bewußtsein fast zusammenzu­brechen, daß er durch seine Fehltritte das Straf­gericht heraufbeschworen, welches nun über den Sohn hereinbrach.

In ganz anderer Stimmung befand sich der Kastellan Hauber, dessen Gestalt allerdings mit dem zusammengeschrumpften Leibe dem runzligen Gesichte und dem weißen struppigen Barte äußer­lich dem vom Bürgermeister entworfenen Bilde entsprach, das frühere Feuer glühte aber immer noch aus den kleinen Aeuglein unter den er­grauten Brauen hervor.

Der Neffe Leonhard Bräuning war bei ihm gewesen und hatte über eine Stunde lang bei verschlossener Thüre mit ihm verkehrt.

Nachdem Leonhard fortgegangen, befand bet