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Fuldaer M Zeitung

JK 264

Jutta, Samstag, den 19. November 1898.

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Erscheint täglich, tu. Ausnahme der Sonn- und Feier- tage. Bierteljährl.

K»tugapreir ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. SO Pf.

Wir theilen bei dieser Gelegenheit mit, daß Prinz Anton v. Arenberg 1OOO Mk., Prinz Franz v. Arenberg, Mitglied des Reichstags und des preußischen Landtags, 500 Mk., Prinzessin Pauline v. Arenberg 400 Mk. zum Bau der Marienkirche gespendet haben. Die Geschäftsstelle der,Fuldaer Zeitung' ist bereit, weitere Gaben zur Weiter­beförderung in Empfang zu nehmen.

Inserate: Dieem- spalt. Garmond» zerle oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit- zeilr 25 Pf.; bei Wiedcrhotungen wird entsprechens. Rabatt gewährt.

tempel auf Sion in der nächsten Zukunft herrlich zu erbauen. Die Mitglieder des Komitee's sind bereit, die Gaben in Empfang zu nehmen; das Komitee regt aber auch hiermit an, es mögen weitere Organisationen zum Zweck der Sammlung von Gaben sich bilden. Besonders richtet sich dieser Wunsch auch an die katholische deutsche Presse. Das Kölner Katholiken-Komitee (Adresse: Rechtsanwalt Justizrath Custodis, Köln) hat sich bereits für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Sämmtliche Gaben werden von uns dem Deut­schen Verein vom hl. Lande übergeben.

So möge denn die begeisterte Liebe sich mächtig bethätigen zur Verherrlichung Mariens auf Sion, zur Ehre des Namens der deutschen Katholiken!

Frankfurt, den 17. November 1898.

Das Komitee für die General Mersamm- kunge« der Katholiken Deutschlands.

Graf Clemens Droste zu Vischering Erb- d roste zu Darfeld bei Münster i. W., Vorsitzender.

angeblichen Erfolgen der Sozialdemokratie bei den Landtagswahlen eine besondere Bedeutung bei­zulegen. Die Obergenoffen weisen indeffen ihren alten Parteiveteranen mit groben Worten zurecht, und dieser Tage erst hat der sozialdemokratische Abg. Fischer beinahe eine ganze Vortragsstunde damit aissgefüllt, dem alten Liebknecht den Text zu lesen. Nach dem „Genossen" Fischer hat die Partei „fast immer" einen anderen Standpunkt eingenommen, als Liebknecht ihn verfochten hat; und wenn man die Situation nach den Worten des Herrn Fischer beurtheilen wollte, so könnte man auf den Gedanken kommen, daß die sozial­demokratische Partei Herrn Liebknecht am liebsten überhaupt kalt stellen möchte.

Herr Fischer also trat in seinem Vortrage als eifriger Verfechter der Wahlbetheiligung auf. Aber in der Versammlung, in der er sprach, hat er augenscheinlich wenig Stimmung für seine An­sichten gemacht. Mehrere Redner sprachen in der Diskussion, die dem Vortrage folgte, gegen Herrn Fischer, und einer dieser Redner machte das so drastisch, daß er die Vermuthung aufstellte, viele der Obergenossen, die für die Betheiligung an der Landtagswahl in Preußen sind, seien nur be­gierig aus die 15 Mark Tagegelder, die es für die Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses gibt. Die Redaktion des.Vorwärts' aber mag gedacht haben, auf einen groben Klotz gehöre ein grober Keil; und sie nennt diese Verdächtigung der Obergenossen eine „ dreckige Insinuation". V-rmuthlich ist damit dieser liebliche Streit noch nicht beendet. Denn die Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswablen soll in wei­teren Versammlungen desselben, nämlich des vierten Berliner Wahlkreises, noch genauer er­örtert werden. Zunächst soll Herr Singer über das Thema reden, der, wie man ja weiß, ein Gegner der Wahlbetheiligung ist.

Sieht man sich im Lande um, so braucht man gar nicht lange suchen, um gleich auf ein­mal eine ganze Reihe bitterböser Zwiste inner­halb hes sozialdemokratischen Parteilagers zu ent­decken; und überwiegend handelt es sich dabei um Widerstand und Aufruhr gegen den über­mächtigen Parteioorstand. In Dortmund ist der ehemalige Abgeordnete Dr. Lütgenau von dem Parteivorstande gemaßregelt und von der Redaktion der sozialdemokratischen Parteizeitung iu Dortmund entfernt worden. Aber Dr. Lüt­genau ist nicht so leicht abzuschütteln. Er hat einen starken Anhang in Dortmund gewonnen, augenscheinlich die Mehrheit der Parteigenossen dort, und diese nehmen nun ganz offen und ent­schieden Partei für Dr. Lütgenau und gegen den Berliner Hauptvorstand der Partei. Eine Ver­sammlung hat einen Beschluß angenommen, in )em es heißt: „Die Entlassung des Genossen Dr. Lütgenau ist nach den bisher bekannt gewor­denen Gründen ungerechtfertigt und gegen das Prinzip der Sozialdemokratie ver- toßend .." Man verwahrt sich gegen den „Berliner Parteiklüngel" und dagegen, daß die „Genoffen im Lande von diesem Klüngel als Marionetten retrachtet und behandelt werden". Jn Braun- chweig steht es ähnlich aus; auch dort handelte es sich um eine Zeitungsangelegenheit, und auch dort griff der Berliner Parteioorstand in diese

Derantwortlich: Für di- Redaktion Ios. 8-«m, für Inserate I. parzeller in Fulda.

[J An die Katholiken Deutschlands!

Die alljährlich wiederkehrenden General-Ver- ffammlungen der Katholiken Deutschlands haben ihre Sorge in hervorragendem Maße dem hl. - Lande zugewandt. In Berathungen, durch Be­lehrungen und durch Reden haben sie das Ver- ständniß für die hohe Bedeutung des hl. Landes in den weitesten Kreisen zu fördern und hohe Begeisterung für die dort zu lösenden Aufgaben von Seiten der Katholiken Deutschlands mächtig - anzuregen verstanden. Vor allem haben die General-Versammlungen der Katholiken Deutsch­lands alljährlich auf den Verein vom hl. Lande hingewiesen, durch Beschlüsse und Resolutionen zum Beitritt zu demselben aufgefordert und die besondere Förderung dieses Vereins allen Katho­liken Deutschlands an's Herz gelegt.

In der Geschichte der Fürsorge der Katho­liken Deutschlands für das hl. Land ist eine neue höchst bedeutungsvolle Epoche angebrochen. Se. Majestät der Kaiser und König Wilhelm II. gaben mit hochherzigem Sinne und warmem Wohlwollen für die Katholiken Deutschlands den Platz auf dem Berge Sion zu Jerusalem, welchen die Tradition der Jahrhunderte als die Stätte der Wohnung und des Todes der allerseligsten Jungfrau unter dem Namen „Dormition" be­zeichnet, dem Deutschen Vereine vom hl. Lande zur unbeschränkten Nutznießung überwiesen.

Die Herzen aller Katholiken sind hierüber vol Dank und hoher Freude. In dem Maße als dre Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands sich die Förderung der Interessen des hl. Landes zur Aufgabe gemacht haben, nehmen sie an ^diesem Danke und dieser Freude den innigsten

Mit der Besitzergreifung der Dormition treten auch neue Aufgaben an die Katholiken Deutsch­lands heran. Es gilt jetzt, auf Sion der aller- seligsten Jungfrau ein Heiligthum zu gründen, welches m dem goldenen Kranze der Mariendome der katholischen Welt eine leuchtende Perle werden muß, eine Stätte der innigsten Marienverehrung für alle Nationen der Erde, ein Ehrendenkmal der Gottesmutter, welches zu errichten der deutschen Katholiken Stolz und Ehre sein muß.

Sorge und Ausführung liegt an erster Stelle dem Verein vom hl. Lande ob. Allein das ständige Komitee der General-Versammlungen der Katholiken Deutschlands, welches mit der Aus- -führung der Beschlüsse derselben betraut ist, kann sich der Aufgabe nicht entziehen, helfend einzu­treten und das Werk zu einem allgemeinen aller deutschen Katholiken zu machen. Daher wendet sich das unterzeichnete Komitee an alle deutschen Katholiken in unfern Vaterlande und wo immer sie über die Grenzen desselben hinaus die Gemeinsamkeit des Denkens und Fühlens mit ihren deutschen Brüdern im Vaterlande sich be­wahrt haben. Unsere Bitte geht dahin, daß Reich und Arm Gaben spenden mögen, um den Marien-

daß er im Banne einer überirdischen bösen Macht stehe, von der sein Verderben beschlossen sei. „Es ist meine Handschrift," räumte er mit dumpfer Resignation ein, „oder vielmehr, sie wurde so täuschend nachgemacht, daß sie der meinigen auf­fallend gleicht, denn fo wahr mir Gott helfe, von meiner Hand rührt der Inhalt dieses Schrift­stückes nicht her."

„Lassen Sie das Schwören," mahnte der Staatsanwalt, bei Angeklagten geben wir darum nichts. Ich bebaute Sie, junger Herr, und rathe Ihnen, durch Leugnen Ihre Sache nicht noch schlimmer zu machen, als sie schon ist. Man weiß, daß Sie auf den Grafen Oskar von Wald­heim eifersüchtig waren, der Ihnen bei der schönen Tochter des Schwertwirths in's Gehege gekommen ein soll. Das hat Sie zum Ausbieten des Volks- lerichts bestimmt. Man wird bei der Beurthei- ung des Falles diese Seelenstimmung, die be­kanntlich schon Manchen zu noch größeren Toll­heiten verführte, in Betracht ziehen und Sie pmmen wahrscheinlich mit einer verhältnißmäßig gelinden Strafe davon, wenn Sie aber verstockt Reiben, dann wird natürlich ein schärferes Ur- theil gefällt."

Erwartungsvoll schaute er dem Studenten in das entstellte Gesicht

Dieser rang vergeblich nach Fassung. Um einen Mundwinkel begann es zu zucken und heiße Thränen rollten über seine bleichen Wangen < lerab.

„Barmherziger Gott," schluchzte er, „ich kann mich doch nicht zu einem Verbrechen bekennen, das nicht nur nicht von mir verübt worden ist, andern das ich erst durch Sie erfuhr. Ich bin

Deutsches Deich.

Berlin, 18. November.

O In Potsdam bereiten die städtischen Behörden eine feierliche Kinhoknng des Kaiserlichen Haares nach beffen Rückkehr von Palästina vor. Der Potsbamer Magistrat hat bereits an mehrere Körperschaften bie Anfrage gerichtet, ob sie sich an ber Einholung betheiligen wollen. — Die Rückfahrt mit ber Bahn wird von dem österreichischen Hafen Pola aus nicht über Wien, sondern über den Brenner gehen. Nach den äußeren Anzeichen kann man darauf schließen, daß der Entschluß des Kaisers zur Aufgabe der Seereise plötzlich gefaßt worden ist.

* Die Prinzessin Keinrich von Frentzen hat am Donnerstag von Genua aus an Bord des.Norddeutschen Lloyddampfers„Prinz Heinrich" ihre Reise nach Kiautschou angetreten.

x Herr Abgeordneter Reichsgerichtsrath Dr. Späh« hat das Mandat zum preußischen Abgeordnetenhausesürden WahlkreisA a ch e n nicht angenommen, wie vorauszusehen war und als voraussichtlich auch an dieser Stelle seinerseits angedeutet wurde. Nunmehr ist Herr VolksschullehrerH.S i t t a rd als Centrumskandidat für Aachen in Aussicht genommen. Dieser ein­zelne Fall ist damit erledigt. Nicht aber trifft dies auf die Grundsätze zu, nach denen solche

nachzuweisen, haben Sie das hübsche Märchen von dem Ueberfall im Walde und der langen Ohnmacht erdacht. Allen Respekt vor Ihrer Phantasie, aber wenn Sie hofften, uns durch das erfundene Geschichtchen von Ihrer Unschuld über­zeugen zu können, dann haben Sie diesmal sehr schlecht spekulirt. Sie werden doch im Ernste nicht erwarten, daß Ihnen diesen Unsinn irgend ein Mensch glaubt. Oder sind Sie vielleicht auch beraubt worden? Davon sagten Sie bis jetzt noch nichts."

„Nein," erklärte der Gefragte, „um so unbe­greiflicher erscheint es mir!" . . .

„Stimmt," unterbrach der Beamte ihn kurz. „Emen Fall, daß Jemand nur so mir nichts dir nichts niedergeschlagen und betäubt wird, allen­falls zum Vergnügen, erlebte ich in meiner langen ^nxls noch nie. Sie mußten übrigens doch auch

Spuren von bet Geschichte tragen, aber man sieht nirgends etwas davon, weder an den Kleidern, noch an dem Kopf."

„Meine Kleider," entgegnete Raimund, „reinigte ch nach dem Aufstehen und der Regen hat die etzten Reste von Schmutz vollends verwischt; laß ich nicht einmal eine Beule davontrug, ist mir unerklärlich, denn ich empfand einen stechen­den Schmerz."

„Sie sagten," nahm der Staatsanwalt wieder das Wort, ohne an die letzte Aeußerung des Studenten eine Bemerkung zu knüpfen, „man habe Sie durch ein Schreiben in den Wald gelockt. Das tragen Sie ohne Zweifel bei sich?"

Der Student griff rasch in seine Rocktasche und brachte einige Papiere zum Vorschein, unter denen sich aber der gesuchte Brief nicht befand.

__________________ 25. Jahrgang.

Sache ein gegen den Redakteur zu Gunsten des Geschäftsführers, der in Streit mit dem Redakteur gekommen war. Die Mehrzahl der braun- schweiger Parteileute stellte sich aber auf die Seite des gemaßregelten Redakteurs. In Solingen gar ist die ganze Partei in zwei feindliche Lager gespalten, die sich bekanntlich foaar du*ch zwei verschiedene Kandidaten bei der Reichstagswahl bekämpft haben, fo daß der Wahlkreis der Sozial­demokratie verloren gegangen ist.

Trotz aller Streitigkeiten ist früher die Sozial­demokratie immer wieder einig geworden, wenn es sich um den gemeinsamen Kampf gegen bürger­liche Gegner handelte. In Solingen hat man gesehen, daß dies jetzt nicht immer mehr der Fall ist, und wenn in Dortmund die Dinge sich so weiter entwickeln, wie sie jetzt angefangen haben, so kann es dort bald ebenso sein wie in Solingen. Und auf Solingen und Dortmund werden andere Städte mit ähnlichen Vorgängen folgen; daran ist nicht zu zweifeln, vorausgesetzt, daß der Sozialdemokratie ihre freie Entwickelung nicht etwa durch neue Knebelungsgesetze gehemmt sondern ihr freie Bahn gelassen wird. In der Freiheit zeigt sich die Sozialdemokratie erst wirklich als das, was sie ist. In der Frei­heit allein kann ihre innerliche Hohlheit und Zerfahrenheit allmählich ihre zersetzende Wirkung auch äußerlich zum Ausdrucke bringen, aber unter dem gewaltsamen Drucke ernes neuen Knebelungs-Gesetzes würden bald wieder die Risse sich zusammen­schließen und die Sozialdemokratie sich wieder völlig einig fühlen in dem ge­meinsamen Kampfe gegen den Druck, der von außen her auf sie ausgeübt wird.

Wieder lächelte der Jnquirant. „Ich wußte es zum Voraus," behauptete er, „mit Ihrem Vorbringen ist's eben nichts. Uebrigens hälfe auch das Ihnen am Ende nicht viel, denn wir haben noch ganz andere Beweise zur Hand. Wir waren von dem bevorstehenden Treiben in Keimtniß gesetzt und die ganze Bande wurde dingfest gemacht. In den bis jetzt vorgenom­menen Verhören aber sagten bie Theilnehmer übereinftimmenb aus, baß durch Sie bas Haber- fklbtreiben veranstaltet unb auch jjeber einzelne persönlich aus Ihrer Hanb in ber Nähe bes Wirthshauses zum rothen Hahn in Robenbach mit einem Zwanzigmarkstück abgelohnt worben sei. Ober ist bas auch nicht wahr?"

Der junge Mann saß ba, wie vernichtet. Jenes beängstigenbe Gefühl kam roieber über ihn, welches bamals nach Empfang bes ersten ano­nymen Schreibens in ihm aufgetaucht war: bie Ahnung einer nahen, gräßlichen Gefahr. Er sah sich in ein Netz von Beschuldigungen und Anklagen verstrickt, aus dessen unheimlichen Maschen es am Ende kein Entrinnen mehr gab.

„Ich weiß von all dem nichts," hielt er fast tonlos entgegen, „ich wat schon seit vielen Wochen nicht mehr in Rodenbach und hatte mit Haber- seldtreibern niemals etwas zu thun!"

Der Beamte nahm einen Bogen Papier von dem Tisch — das Triebprotokoll. „Kennen Sie diese Handschrift?" forschte er unb hielt Raimunb bas Schriftstück vor bie Augen.

Diese öffneten sich weit unb ein dumpfes Stöhnen rang sich aus der Brust des jungen Mannes.

Abermals drängte der Gedanke sich ihm auf.

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

Raimunds Gesicht wurde noch bleicher, als es schon war. Ein Haberfeldtreiben gegen das „Schwert"! Senzchen, Oskar! Sein Herz krampfte sich schmerzlich zusammen, das trotz Allem an dem Mädchen mit allen Fasern immer noch hing. Der Hals war ihm wie zusammengeschnürt. Er brachte kein Wort zwischen den Lippen hervor. Der Beamte sah es und hielt diese Anzeichen für eine Aeußerung des Schuldbewußtseins.

„Ja, ein sogenanntes Volksgericht," fuhr er fort, „und der Anstifter dieses heillosen Unfugs gewesen zu sein, ist em junger Herr im höchsten Grade verdächtig, der sowohl zu ber Familie des Schwertwirths, als auch zum Grafen Oskar in sehr nahen und freundschaftlichen Beziehungen stand — um es kurz zu sagen: „Sie, Herr Rai­mund Erdmann, haben das Treiben in Szene gesetzt und die Volksrichter gedungen, gestehen Sie's nur!"

Dieser furchtbaren Anklage gegenüber saß Asimund einige Sekunden lang da, wie zur Bild­säule erstarrt. Er schnappte nach Luft. „Ich, ich," kam es endlich keuchend aus seinem Munde hervor, „um's Himmelswillen, Herr, wie kommen Sie zu diesem Verdachte?"

Der Staatsanwalt rückte seinen Stuhl näher an denjenigen Raimunds heran. „Ja, Sie," hielt er mit scharfer Betonung entgegen. „Sie konnten sich soweit vergeffen. Sie, ein wohler­zogener unb gebildeter Herr, unb um ein Alibi

Die „Genossen" unter einander.

Der Schützenfest-Stimmung bei den Sozial­demokraten ist ein kräftiger Katzenjammer gefolgt; und innerhalb ihrer Reihen sind sehr lebhafte Streitigkeiten ausgebrochen, die theilweise eine mehr als grobe Form annehmen.

Da ist zunächst das alte Thema von der preußischen Landtagswahl. Es ist un­möglich zu leugnen, daß die Sozialdemokraten trotz des bekannten „elendesten aller Wahlsysteme" sich mehr Erfolge versprochen haben von ihrer Betheiligung an den Landtagswahlen, als sie erzielt haben. Daß sie auch nicht einen einzigen „Genossen" in das Abgeordnetenhaus hinein- bringen und nur und lediglich nur dazu dienen würden, der Freisinnigen Volkspartei zu mehreren Mandaten mehr zu verhelfen, hatten sich die­jenigen Solialdemokraten schwerlich vorgestellt, die hauptsächlich für die Betheiligung an den Landtagswahlen arbeiteten; fönst würde ver- muthlich das Beispiel der Berliner Sozialdemo­kraten , sich jeglicher Betheiligung an diesen Wahlen zu enthalten, mehr Nachahmer gesunden haben. Natürlich aber gibt niemand von den Herren Genossen die Thatsache der erlittenen Mißerfolge zu, weder unmittelbar, noch mittelbar, unb bie Herren aus ber Hauptleitung ber Partei stellen sich an, als sei alles so sehr nach Wunsch gegangen, daß bie Betheiligung ber Sozialdemo- fratie auch an ben nächsten Lanbtaqswahlen selbstverständlich fei.

Ader es gibt auch offenherzige „Genossen", die keinen Hehl machen aus der Lage der Dinge. Zu diesen gehört der alte Liebknecht, und dieser hat nun wiederholt gewarnt davor, den

mit Ztnterhallungs-Aeitage „Musirirte Sonntags-Zeitung!' ="• ys.