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Fuldaer W Zeitung

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JK 263.

L. Air SeuedlKtiou der ersten Aedtiffin der Srnrdiktinrriunkn-Abjei ;u Fulda.

Fulda, 18. November.

Die herrlich geschmückte Kirche der Benedik­tinerinnen war gestern die Stätte eines denkwür­digen Aktes, derHochw. Bischof Adalbertus benedizirte die erste Aebtissin der neu errich­teten Abtei, die hochw. Frau Benedikta Reinhardt, und brachte so das Werk des großen Fürstabtes Johann Bernhard nach 270 Jahren zum Abschluffe. Schwere Tage hat das Kloster bestehen müssen, ehe es zu diesem Ziele gelangte, und während sonst die Erhebung eines Priorates zur Abtei schon nach wenigen Jahren erfolgt, hat das Kloster zu Fulda fast drei Jahrhunderte auf jenen Tag geharrt. Bereits im Jahre 1640 hatte der päpstliche Nuntius Chigi dem Fürstabte Hermann Georg den Vorschlag gemacht, dem Kloster eine Aebtissin zu geben; die Ungunst der Zeiten vereitelte indessen den Plan, seine Aus­führung blieb besseren Tagen vorbehalten, das Kloster sollte zuvor seine Entwickelung nach innen und außen vollenden.

Die Benediktion einer Aebtissin nach dem römischen Pontifikate ist mit sehr schönen und sinnreichen Ceremonien verbunden; die zahlreich erschienenen Gläubigen hatten wieder einmal Ge­legenheit, die erhabenen Formen des katholischen Kultus zu bewundern. Um die wichtigeren Akte zu erwähnen, so wurden zunächst, nachdem der Bischof die Epistel der hl. Messe beendet, vom Regens Dr. Schmitt zwei Schreiben in deutscher Sprache verlesen, das Gesuch des Generalabtes der Benediktiner an den heiligen Vater um Er­richtung der Abtei und die Gewährung der Bitte. Hierauf trat die Aebtissin, welche mit zwei älteren Schwestern im Chore der Kirche Platz genommen hatte, vor den Altar und legte in die Hände des Bischoffs ein versiegeltes Schreiben, welches dieser öffnete und der Aebtissin wieder überreichte; die­selbe verlas nun mit lauter Stimme das Schreiben, es war der Eid der Treue und des Gehorsams gegen den Bischof von Fulda. Hierauf betete dieser die Litanei von allen Heiligen für die Erwählte und begann die Beneoiktion. Be­sonders ergreifend war das Gebet, welches der Bischof im Präfationstone sang, während seine Hände zeitweise auf dem Haupte der Aebtissin ruhten, er brachte in herrlichen Worten die Tugenden einer guten Oberin zum Ausdruck. Am Schluffe der Gebete gab der Bischof der Aebtissin die Regel des hl. Vaters Benedikt als die Norm, nach der sie das Kloster leiten und behüten müsse. Hierauf setzte der Bischof die hl. Messe fort und nahm bei der Opferung das Opfer der Aebtissin, zwei große und prächtige Kerzen, entgegen. Vor dem letzten Segen fand die Inthronisation statt. Der Bischof überreichte der Aebtissin den Stab, führte sie an den für sie bereiteten Platz und er- theilte ihr die volle Gewalt einer Aebtissin. Während hierauf das Te Deum gesungen wurde, begab sich die Aebtissin in das Chor der Nonnen um die Huldigung ihrer Schwestern entgegenzu­nehmen, und kehrte dann wieder vor den Altar zurück, wo der Bischof mit dem feierlichen Segen die Handlung schloß.

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

Mit verstörtem Gesichte kam Erdmann gleich wieder zurück. „Ich begreife nicht," stammelte er mit bebenden Lippen, „das Bett ist unberührt und die Kleider sind fort." Um den Mund des Be­amten spielte ein überlegenes Lächeln.

„Das kommt Ihnen doch etwas sonderbar vor, Herr Bürgermeister, nicht wahr," warf er leicht hin, „mir auch; insbesondere deshalb, weil er sich gerade heute Nacht, wo das Haberfeld­treiben statlfand, vom Hause sernhielt. Oder kamen bei dem jungen Herrn etwa früher schon Ausschreitungen vor?"

„Nein, gewiß nicht," versicherte der Bürger­meister, „und namentlich in der letzten Zeit ver­ließ er selten das Haus. Er . ."

„Um so auffallender ist sein diesmaliges Weg­bleiben," fiel ihm der Beamte mit scharfer Be­tonung ins Wort, „und ich muß leider vermuthen, daß er dazu gute Gründe gehabt hat."

Erdmann erbleichte. „Sie glauben doch nicht," stieß er fast tonlos hervor.

Der Staatsanwalt schüttelte den Kopf. „Wir Kriminalisten," erklärte er, „geben uns mit dem „glauben" nicht ab, wir suchen nach den Be­weisen, und wenn wir diese in Händen haben, handeln wir, wie es die Pflicht von uns ver­langt. Es thut mir sehr leid, Ihnen, Herr Bürgermeister, so Etwas sagen zu müssen, aber ich befürchte, daß Ihnen eine bittere Erfahrung bevorsteht. Wo halten die zwei Gendarmen sich

IrrLöa, Freitag, den 18. November 1898.

Die hohe Würde, welche die Aebtissin mit diesem Tage erhalten, erkennt man schon aus den Ehren, welche mit derselben verbunden sind; die Aebtissin hat den Titel „Hochwürdigste" (rereren- disaima), sie trägt nach uralter Sitte Stab, Pektorale und Ring. Es ist doppelt erfreulich, daß dem Kloster der Stadt Fulda diese sAus- zeichnung zu Theil geworden ist, da die Stadt Fulda den Kindern des hl. Benedikt Gründung und Ruhm verdankt; Fulda hat jetzt wieder in seinen Mauern eine Abtei, es wird durch diese stets an seine Gründer und Helden erinnert und sicher auch manche Gnade vom Himmel erlangen.

Möge es der hochwürdigsten Aebtissin be- schieden sein, das hohe Amt mit ihrer mütter­lichen Liebe noch viele Jahre zu verwalten! Möge die erhabene Feier und die Anerkennung des heiligen Vaters die Schwestern trösten für manche schwere Stunde und sie stärken in ihrem erhabenen Berufe!

(Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß P. Leonhard Lemmens 0. Fr. M. eine Ge­schichte der Abtei nach den reichen Akten und Urkunden des Klosterarchives zum Andenken an den heutigen Tag verfaßt hat; der Druck der Schrift hat bereits in der Fuldaer Aktiendruckerei seinen Anfang genommen und dürfte bis Weih­nachten vollendet fein. Die Schrift wird manchen intereffanten Beitrag zur Geschichte der Stadt und des Bisthums Fulda liefern.)

Deutsches Deich.

Berlin, 17. November.

* Der Kaiser wird den neuesten Meldungen zufolge die Rückkehr nach Berlin beschleunigen. Das Wölfische Bureau meldet nämlich aus Malta: „Nachdem im südlichen Mittelmeer eine Abkühlung in der Temperatur eingetreten ist, welche eine direkte Rückkehr der Kaiserin in ge­sundheitlicher Beziehung weniger bedenklich er­scheinen läßt, wird der Kaiser, von dem Wunsche geleitet, baldmöglichst in die Heimath zurückzu­kehren, die Heimreise auf dem direkten Wege über Pola antreten." — Wie ein bisher noch nicht kontrollirbares Gerücht wissen will, soll der Kaiser zum 3. Dezember einen Besuch in München angesetzt haben, wo am nächstfolgenden Tage der Großherzog von Baden eintreffen soll.

* Der Zreichstzausyattselat für 1899 ist vom Bundesrath bereits zum großen Theile festgestellt worden, fo daß die Drucklegung der einzelnen Etats eingeleitet werden konnte. Es steht mithin zu erwarten, daß der Reichshaus­haltsetat dem Reichstage bei der Eröffnung vor­liegen wird.

* Vom 1. Januar 1899 ab erscheint all­wöchentlich in Tstntau eine neue Zeitung unter dem Titel „Deutsch Afiatische Warte, amt­licher Anzeiger des Kiautschou-Gebiets". Also ein deutsch-chinesisches Kreisblatt. Nun ist der Sieg der deutschen Kultur in China eine Thatsache.

* Ein wegen politischer Vergehen ver- urtheilter Sozialdemokrat Segnadigt — so was kann auch nur in Reuß vorkommen. Der Ex­pedient der ,Reußischen Volksztg/ in Greiz, Her­mann Schenderlein, der wegen Preßvergehens zu fünf Monaten Gesängniß verurtheilt war, ist, auf, welche von mir heute früh hierher geschickt worden sind?"

Erdmann kam noch mehr in Verwirrung. Er konnte keine Auskunst geben, da er sich ja erst seit ganz kurzer Zeit wieder in der Heimath befand.

Der Beamte bedurfte seiner Antwort auch nicht, denn soeben kamen die beiden Sicherheits­männer auf das Haus zu.

„Er ging ihnen entgegen. Nachdem sie einige mit gedämpfter Stimme gegebene. Weisungen angehört hatten, entfernten sie sich wieder. Der Staatsanwalt aber" begab sich auf das Telegraphenbureau, wo er mehrere Depeschen aufgab.

Die von den Haberern abgeschnittenen Drähte waren bereits wieder in Ordnung gebracht.

Der Kriminalbeamte kehrte nicht mehr in oaS Rathhaus zurück, sondern begab sich in eine Wlrthschaft, die so ziemlich außerhalb des Städt­chens lag.

Er ließ sich ein Zimmer geben, forderte Paprer und Schreibzeug und war bald in das Arbeiten vertieft.

Die beiden Gendarmen hatten sich auf dem Marktplatze getrennt.

Der eine schlug den Weg ein, welcher nach der nächsten Eisenbahnstation führte, während der andere in das an dem Baumgarten der Schwertwirthschaft vorbei führendeGäßchen einbog.

Mittlerweile hatte der vorher klare Himmel sich mit Wolken überzogen und ein bindfaden- artiger Regen rieselte auf die Erde herab.

Der Gendarm kümmerte sich nicht viel darum. Er schlug den Mantelkragen aufwärts und ver­folgte unbeirrt seinen Weg.

nachdem er drei Monate der Strafe verbüßt, vom Fürsten von Reuß begnadigt worden und wieder in Greiz eingetroffen.

* Heber das Iärve« der Wurst, sowie des Hack- und Schabefleisches hat das Reichsgesundheitsamt eine fünf Spalten im ,Reichsanzeiger' füllende Denkschrift aus­gearbeitet. Die Denkschrift faßt ihre Ansichten über das Färben zum Schluß in folgenden Aus­führungen zusammen: 1) Bei Verwendung ge­eigneten farbstoffreichen Fleisches und unter Be­obachtung der handwerksgerechten Sorgfalt und Reinlichkeit läßt sich eine gleichmäßig roth ge­färbte Dauerwurst ohne Benutzung künstlicher Färbemittel Herstellen; 2) der Zusatz von Farb­stoff ermöglicht es, einer aus minder geeignetem Material oder mit nicht genügender Sorgfalt hergestellten Wurst den Anschein einer besseren Beschaffenheit zu verleihen, mithin die Käufer über die wahre Beschaffenheit der Wurst zu täuschen; 3) im Einklang mit den von dem Reichsgericht ausgestellten Rechtsgrundsätzen nimmt die Mehrzahl der bisher mit der Frage befaßten Gerichte an, daß die in manchen Gegenden ein­geführte Färbung von Wurst vom Standpunkte des Nahrungsmittelgesetzes als ein berechtigter Geschäftsgebrauch nicht anzuerkennen ist; 4) bei Verwendung giftiger Farbstoffe vermag der Genuß damit gefärbter Wurst die menschliche Gesundheit zu schädigen; 5) aus frischgeschlachtetem Fleisch läßt sich ohne Anwendung von chemischen Kon- servirungsmittelu unter Beobachtung handwerks­gerechter Sauberkeit Hackfleisch Herstellen, das bei Aufbewahrung in niedriger Temperatur feine natürliche Farbe länger als 12 Stunden behält; 6) der Zusatz von schwefligsauren Salzen und solche Salze enthaltenen Konservirungsmitteln ist geeignet, die natürliche Färbung des Fleisches — aber nicht das Fleisch selbst — zu verbessern und länger haltbar zu machen; dem Hackfleisch kann mithin hierdurch der Anschein besserer Beschaffen­heit verliehen werden; 7) der regelmäßige Genuß von Hackfleisch, welches mit schwefligsauren Salzen versetzt ist, vermag die menschliche Gesundheit, namentlich von kranken und schwächlichen Per­sonen, zu schädigen.

□ Krefeld, 17. Nov. Der Steno­graphische Bericht über die 45. General- Versammlung der Katholiken Deutsch­lands ist soeben vollendet worden; es wird in den nächsten Tagen mit dem Versandt an die Mitglieder des Katholikentages begonnen werden. Der Bericht umfaßt 424 und 80 Seiten und bietetein sehr anschauliches Bild der überaus reich­haltigen Verhandlungen der diesmaligen Tagung. Die Reden und Beschlüsse, welche diesmal viel­leicht mehr als je in einem innigen Zusammen­hang stehen, sind eine wahre Fundgrube für alle, welche sich für das öffentliche Leben auf reli­giösem, politischem, sozialem, charitativem, wirth- schaftlichem, wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete intereffiren. Der Stenographische Bericht ist auch durch den Buchhandel zu beziehen.

* Aon«, 17. Nov. Am Montag starb Hier­selbst Herr Philipp Freiherr v. Boefelager, Ehrenritter des deutschen Ordens. Als Präsident der in den Mauern Roms im Jahre 1881 tagenden Katholikenversammlung dürfte er, so

Er hatte ungefähr die Mitte des Sträßchens zwischen der Stadt und dem Walde erreicht, als er eine männliche Gestalt aus Letzterem heraus- treten sah.

Sie trug eine Studentenmütze und einen Mantel, besaß jedoch trotz des starken Regens keinen Schirm.

„Da kommt er ja," flüsterte der Gendarm.

Ec trat dem nach wenigen Sekunden Heran- gekommenen in den Weg.

„Sie sind der Sohn des Bürgermeisters Erd­mann in Waldheim, Raimund Erdmann, nicht wahr?" fragte er in gemessenem Tone.

Der Student hob den Kopf.

Seine Gesichtszüge waren verstört, die Wangen bleich und in den Augen brannte ein düsteres Feuer. „Ja, der bin ich," antwortete er kurz und mit rauher Stimme, „aber was geht das Sie an?"

Er wollte weiterschreiten, doch der Sicher­heitsbeamte hielt ihn auf.

Er nahm feine Waffe vorschriftsmäßig zur Hand und rief: „Im Namen des Gesetzes ver­hafte ich Sie!"

Raimund zuckte zusammen wie unter einem tödtlicheu Schlage. Mit bebenden Lippen stieß er hervor: „Verhaften, mich? Herr, wie kommen Sie dazu?"

„Das werden Sie gleich nachher erfahren," erklärte der Gendarm gleichmüthig, „vorerst aber gehen Sie mit mir."

Das Blut schoß dem jungen Manne ins Gesicht. Eine maßlose Entrüstung drückte sich in seinem Mienenspiele aus.

„Ja, auch das noch," keuchte er, ich rathe

25. Jahrgang.

schreibt die ,Deutsche Reichsztg.', auch weiteren Kreisen bekannt fein, wie er denn stets auch dort zu finden war, wo es die Vertheidigung der Rechte der katholischen Kirche galt. Deshalb hat der Name Boefelager in katholischen Kreisen einen guten Klang Philipp v. Boefelager zeichnete sich aus durch ein großes umfassendes Wissen; Ge­schichte, Naturwissenschaften und Exegese be­herrschte er in einem für Laien seltenen Grade. In der Unterhaltung außerordentlich geistreich, zeichnete er sich aus durch groß- Schlagfertig­keit. Dabei war er beherrscht von einem groß­artigen Edelrnuthe; seine Herzensgüte kannte keine Grenzen. In seinem Umgänge war er ein Edel­mann in des Wortes wahrer Bedeutung. In religiöser Beziehung war er musterhaft, die Kirche durfte ihn zu ihren treuesten Söhnen zählen. Er erfüllte feine Pflicht so gut auf der Bresche der Porta via in Rom wie daheim in der stillen Hauskapelle. — Er starb im 53. Lebensjahre nach schwerem Leiden, wohl vorbereitet durch den Empfang aller heiligen Sakramente mit voller Ergebung in den hl. Willen Gottes. R. I. P.

* Irankfnrt a. M., 17. Nov. Das Cen­tralkomitee für die Generalversamm­lungen derKatholikenDeutschlands hielt heute, wie bereits angekündigt, hier eine Ver­sammlung ab. Graf Droste-Erbdroste zu V i f ch e r i n g Schloß Darfeld in Westfalen wurde zum Vorsitzenden des Komitees gewählt. Be­züglich der nächsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wurde der dringende Wunsch geäußert, daß dieselbe in Neisse statt- finben möge, und demgemäß beschlossen, in weitere Verhandlungen einzutreten, um die Schwierigkeiten, welche in Neisse der Abhaltung der Generalver­sammlung int Wege stehen, zu beseitigen. Sodann beschloß das Komitee einen Ausruf an die Katholiken Deutschlands zu Beiträgen für den Bau einer Marienkirche auf dem Berge Sion in Jerusalem auf dem Grundstücke der Dormition, welches der Kaiser den Katho­liken Deutschlands jüngst geschenkt hat.

* München, 17. Nov. Der Delegirten- tag der bayerischen Centrumspartei findet am 28. Dezember d. I. in München statt. Damit ist die Frage, ob ein allgemeiner bayeri­scher Katholikentag abgehalten werden solle, end- giltig erledigt. In den leitenden politischen Kreisen hat man sich allerdings kaum ernsthaft mit einem solchen Gedanken getragen. Dem Selegirtentag der Centrumspartri wird es hoffent­lich gelingen, die in Bayern so nöthige Klärung der politischen Lage zu beschleunigen und so auch den Befürwortern des Katholikentages entgegen­zukommen. — Endlich ist die bayerische Akademie der Wissenschaften auch den hohen wissenschaftlichen Fähigkeiten eines Ge­lehrten und Historikers gerecht geworden, der in den Augen der liberalen und „aufgeklärten Welt" nur den einen Fehler hat, daß er ein guter Katholik und „Ultramontaner" ist, ja sogar auf deutschen Katholikenversammlungen ohne Scheu als Redner auftritt. Professor Dr. Her­mann Grauert ist, wie die ,Augsb. Postztg/ mittheilt, von der Akademie als außerordent­liches Mitglied der historischen Klasse

Ihnen, mich in Ruhe zu taffen, denn spafien darf man mit mir nicht. Gehen Sie lieber den Gaunern und Banditen nach, wozu es Ihnen in dieser schönen Gegend wahrlich nicht an Gelegen­heit fehlt."

Wieder schickte er sich an, weiter zu gehen, aber der unverkennbare Spott, welcher durch die letzten Worte des Studenten geklungen, hatte auch den Gendarmen in Harnisch gebracht.

Mit raschem Griff holte er eine Schließkette aus seiner Manteltasche hervor und ergriff Rai­munds Arm. Mit Gewalt riß dieser sich los und maß den Sicherheitsbeamten mit ehern drohenden Blick. Dieser zog sein Seitengewehr.

„Wenn Sie jetzt noch ein Wort sagen und nicht gutwillig folgen, steche ich Sie zusammen," rief er zornig, und ehe der durch den Anblick der blanken Waffe in grenzenlose Verwirrung ge­ratene Raimund sich's versah, waren seine Hände durch die Feffel zusammengeschnürt.

Er schäumte vor Scham und Wuth, fügte sich aber doch schließlich in das Unvermeidliche und ging, der Aufforderung des Sicherheitsbeamten entsprechend, einige Schritte voraus.

Letzterer war trotz feiner Gereiztheit so rück­sichtsvoll, daß er feinen Häftling nicht durch die Stadt führte, sondern einen hinter den Häusern hemm führenden Weg durch die Gärten einschlug und zwar nach dem Wirthshause, wo der Staats­anwalt sich befand.

Dieser hatte die Beiden gegen das Haus herankommen sehen und stand zur Empfangnahme des Arrestanten bereit.

„Lasten Sie uns allein, Werner," befahl er dem Gendarmen, „halten Sie sich aber in der