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25. Jahrgang.
IuLöa, Samstag, den 12. November 1898
J5 259
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
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TSÄKSÄ* mit Mnterhallungs-Meilage „Zllusirirte Sonntags-Zeitung'.' pet-rsg-ö- Nr. 2 (Sarmonit).
Wsche«-Rundschau.
(Rachdruck verboten.)
X Fulda, 12. November.
Die Abgeordneten-Wahlen vom 3. Novbr. haben, wie vorauszusehen war, im Allgemeinen das Ergebniß der Urwahlen vom 27. Oktober bestätigt. Allerdings hat es auch einige Ueberraschungen gegeben, die wir um so weniger zu beklagen haben, als sie dem Centrum ganz unerwartet zwei weitere Mandate einbrachten: in dem westfälischen Wahlkreise Hamm- Soest und in dem Hannoverschen Kreise Bentheim-Lingen, in denen das Centrum einer, wenn auch nicht sehr großen protestantischen Mehrheit gegenübersteht und deshalb sonst nie mit seinem Kandidaten durchdringen konnte. Diesmal aber hatten sich die protestantischen Gegner entzweit, ein Theil davon stimmte in beiden Kreisen für die Kandidaten des Centrums, die in Folge dessen gewählt wurden. Auch in dem westpreußischen Wahlbezirke Konitz-Tuchel würde ein Centruniskandidat gewählt worden sein, wenn die dem Bunde der Landwirthe angehörigen Wahlmänner ihr Wort gehalten hätten. Das Centrum hatte mit ihnen ein Bündniß dahin abgeschlossen, daß beide Theile einen Kandidaten stellen sollten. Nachdem aber das Centrum dem Kandidaten des Bundes zum Siege verhalfen hatte, fielen einige Bündler ab und stimmten anstatt für den Centrums-, für den konservativen Kandidaten, der dann auch gewählt lvurde. Das nennt man ostelbische Bundes-Treue! Man wird sich das merken.
Im Uebrigen ist das Centrum die einzige Partei, die keine Verluste, sondern nur Gewinne zu verzeichnen hat. Jnsgesammt fünf Sitze hat es erobert, zwei in Ratibor und je einen in Schweidnitz-Strigau, Lingen und Hamm-Soest, und es wird rund 100 Mann hoch, als zweitstärkste Fraktion, in den neuen Landtag einziehen. Dazu kommt noch, daß seine Kandidaten meist mit höheren Stimmenzahlen, als bei der vorhergegangenen Wahl, gewählt wurden, und daß es bis auf drei der neu gewonnenen Mandate, Alles aus eigener Kraft geleistet hat, was keine andere Partei von sich sagen kann; alle bedurften mehr oder weniger fremder Krücken, um einen Theil ihres Besitzstandes zu behaupten.
Eine konservative Mehrheit ist, wie schon in der vorigen Rundschau betont, glücklich verhindert worden. Die Konservativen beider Richtungen haben insgesammt sieben Sitze verloren, so daß sie von 433 Mandaten jetzt nur 207, die Gegner aber 226 besitzen. Den größten Theil der Sitze (15), welche die Freisinnigen eroberten, haben sie den Nationalliberalen entrissen, die überhaupt die größten Verluste erlitten haben und von 85 auf 74 Mandate zurückgegangen sind. Bei dieser Zusammensetzung des neuen Abgeordnetenhauses haben Gesetzentwürfe, welche auf eine weitere Beschränkung der politischen Rechte abzielen, noch weniger Aussicht auf Annahme, als im vorigen Landtag. Wenn es daher richtig ist, was ein offiziöses Organ berichtete, daß die Regierung nicht beabsichtige, den 1897 abgelehnten Vereinsgesetzentwurf wieder einzubringen, überhaupt das Einbringen einer derartigen Vorlage vom Ausfall der Landtagswahlen abhängig mache, so wäre das sehr vorsichtig und weise gehandelt. Die Regierung könnte dadurch am besten sich vor Niederlagen bewahren.
Die „Scharfmacher" sind immer an der Arbeit,
Uorrr Untergange gerettet.
Es war ein eigenthümlicher Anblick, der sich den Männern des Gesetzes darbot: ein betrunkener Mann mit struppigem Haar und aufgedunsenem Antlitz wurde auf die Polizeistation gebracht. Ein fünfjähriger Knabe hielt die Hand des Ätannes fest umklammert. Er war anscheinend der Sohn des Betrunkenen. „Warum wurde dieser Mann hierher gebracht?" frug der Polizei-Sergeant.
„Ec hat auf öffentlicher Straße gelärmt, Steine geworfen, geflucht und Skandal gemacht," laufite die Antwort.
„Eine Nacht in dunkler Zelle wird ihm nichts schaden. Schließt ihn ein. Aber halt! Was will der kleine Bursche da?"
Der kleine Bursche, wie der Sergeant ihn nannte, war ein auffallend schöner Knabe. Seine tiefblauen Augen blickten so traurig drein, daß der Sergeant, der durchaus nicht weichherzig war, gerührt wurde. Die Gesichtsfarbe des Knaben, obwohl von Thränen und Schmutz entstellt, war gesund und rosig. Seine wohlgeformte Stirn war von einer reichen Fülle brauner Locken umrahmt.
„Vater und Kind haben früher bessere Tage gesehen," sprach der Sergeant zu sich selbst. „Komm, mein Junge," wandte er sich an den Knaben, „Dein Vater muß in die Zelle. Wir werden schon irgendwo eine Schlafstelle für Dich finden."
„Nein, nein!" rief der Knabe mit zitternden Stimme. „Ich gehe mit meinem Vater. O, bitte, lassen Sie mich bei ihm bleiben!"
„Nein, das geht nicht. Es ist wider die Ordnung. Polizeidiener Colbert, nimm den Jungen weg."
auch wenn man's an der Oberfläche nicht merkt. Zwei Mittheilungen aber, die vor wenigen Tagen in offiziösen Blättern erschienen, legen Zeugniß ab von der stillen Thätigkeit dieser gefährlichen Volksfeinde. Nach der einen dieser Mittheilungen sollte die Absicht bestehen, die jetzt geltenden Vorschriften über das Vereins- und Versammlungsrecht und über die Preßflei. heit zu beschränken — um den Anarchismus erfolgreicher bekämpfen zu können. Der Berliner Polizeipräsident hat nämlich, gegen die gesetzlichen Bestimmungen, eine angekündigte anarchistische Versammlung im Voraus verboten; und um nun ein solches Verbot gesetzlich möglich zu machen, sollen die betreffenden Paragraphen des Strafgesetzbuches entsprechend abgeändert und gleichzeitig dann auch das Preßgesetz verschärft werden. Natürlich soll hier der Anarchismus nur als willkommener Vorwand dienen, um die bürgerlichen Rechte überhaupt zu knebeln. Demselben Zwecke dient die andere offiziöse Notiz, die direkt ein neues Sozialistengesetz verlangt, wie es die Großindustriellen Stumm und Genossen seit Jahren fordern. Diese Leute müssen mit Blindheit geschlagen sein, daß sie trotz der verhängnißvollen Folgen, welche das erste Sozialisten-Gesetz gehabt hat, eine Wiederholung des gefährlichen Experiments empfehlen können. Gerade unter dem Drucke des Sozialistengesetzes hat die Sozialdemokratie sich zu der Macht entwickelt, die sie seitdem darstellt, und da soll sie durch ein neues Gesetz noch weiter gefördert werden! Ist das nicht geradezu wahnwitzig?! Wenn die Regierung wirklich auf solche verkehrte Wege sich locken ließe und dem Drängen der „Scharfmacher" nach einem neuen Ausnahmegesetze nachgeben wollte, hätte sie auch die volle Verantwortung für die unheilvollen Folgen zu tragen. Einstweilen möchten wir nicht glauben, daß die Regierung die gefährliche Bahn betreten werde.
Das deutsche Kaiserpaar hat mit Rücksicht auf die eben in Palästina herrschende große Hitze seinen Aufenthalt daselbst abgekürzt und am vergangenen Freitag Jerusalem verlassen, um sich nach Beirut und Damaskus in Syrien zu begeben. Vor seiner Abreise besuchte der Kaiser auch die deutschen katholischen Anstalten, insbesondere das Hospiz des Palästinavereins, wo er von dem geistlichen Direktor, dem P. Schmidt, mit einer herzlichen Ansprache empfangen wurde. Der Kaiser dankte und sicherte den katholischen Anstalten des hl. Landes seinen Schutz zu und verweilte dann einige Zeit im Hause. Auch stattete er, wie den beiden schismatischen, so auch dem römisch-katholischen Patriarchen einen Besuch ab. Eine merkwürdige Ironie des Schicksals ist es jedenfalls, daß P. Schmidt, den der Kaiser wiederholt auszeichnete, und dem er einen Orden verlieh, ein ausgewiesener Lazarist en-P ater ist, der in seiner deutschen Heimath nicht nach seiner Ordensregel leben dürfte! Was unsere Kulturkämpfer, die auch heute noch nicht das Jesuitengesetz preisgebcn wollen, dazu sagen mögen? Müssen sie sich nicht schämen angesichts dieser Ironie?!
Nachdem in Oesterreich die Pestgefahr glücklich beseitigt ist, hat man wieder Zeit, seine Aufmerksamkeit den Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn zuzuwenden, die sich wie eine langwierige, schleichende Krankheit dahinschleppen, nun schon wochenlang dauern und doch immer noch fast auf demselben Fleck stehen, wie beim Beginn der Reichsrathsverhandlungen. Allerdings hat sich die Lage der Regierung bedeutend gebessert, und ein vorläufiger Ausgleich mit Ungarn in der zwischen den beiden Ministerpräsidenten vereinbarten Form dürfte zu Stande kommen; ob mit oder ohne Zustimmung des Reichsraths, macht der Regierung kein Kopfzerbrechen mehr. Die deutsche Opposition ist nämlich uneinig geworden und auseinander gefallen, das Günstigste, was die Regierung sich wünschen konnte.
Das war aber leichter gesagt, als gethan. Der Knabe stieß ganz herzzerreißende Jammerlaute aus. Krampfhaft umschlang er seinen Vater und klammerte sich so fest an ihn an, daß Colbert, ein stämmiger Polizist mit tüchtigen Fäusten, ihn nicht wegzureißen vermochte.
Der Betrunkene hatte bis jetzt regungslos dagestanden. Endlich erwachte er aus seinem dumpfen Hinbrüten. Mit lallender Stimme sprach er: „Laßt doch meinen Jungen in Ruhe! Ihr seht ja, er will bei mir bleiben. Laßt ihn in Ruhe."
Der Sergeant wußte nicht recht, was er thun sollte. „Den armen Knaben, der nichts verbrochen hat, darf ich nicht in die Zelle sperren!" sprach er halblaut. „Aber ebensowenig kann ich sein Geschrei ertragen. Indessen ich weiß keinen anderen Rath. „Geh', Colbert, sperre sie beide zusammen."
Colbert that, wie ihm geheißen. Er führte Vater und Sohn in einen engen, finsteren Raum. Sobald er sich entfernt hatte, schmiegte sich das Kind dicht an seinen Vater und legte sein Köpfchen auf dessen Brust. Bald war der Trunkene und sein Sohn in einen tiefen Schlaf versunken.
Als das Dämmerlicht des folgenden Morgens durch die kleinen vergitterten Scheiben fiel, da erwachte der Mann. Er starrte um sich und begann seine Erinnerungen zu sammeln. Er sah sich in der nämlichen Zelle, die ihn schon so oft beherbergt hatte. Und warum war er hineingekommen? Auch dessen entsann er sich wohl. Er war in ein Wirthshaus gegangen und hatte ein Glas Branntwein hinuntergestürzt. Dies hatte er so oft gethan, bis er endlich ganz betrunken auf die Straße wankte. Wer hatte ihm seinen
Das neue französische Ministerium Dupuy hat unter sehr günstigen Aussichten seine Thätigkeit begonnen, und wenn dieser Anfang für seine fernere Wirksamkeit entscheidend sein sollte, müßte ihm eine längere Zukunft beschieden sein, als Ministerien in Frankreich zu haben pflegen. Nach einer nur allgemeine Redensarten enthaltenden Erklärung sprach die Kammer fast einstimmig ihm ihr Vertrauen aus, trotzdem Dupuy vorher erklärt hatte, daß die Regierung in der Dreyfus-Frage dem Urtheil der Justiz sich beugen werde, möge dasselbe lauten, wie es wolle. Ein Ministerium, das vor einigen Monaten eine derartige Erklärung abgegeben hätte, wäre unweigerlich gestürzt worden. So hat die Stimmung über den Fall Dreyfus sich in Frankreich geändert. Die von dem Kaffationshofe angeordnete neue Untersuchung in der Dreyfus-Angelegenheit hat bereits begonnen, und man nimmt an, daß Dreyfus zu seiner persönlichen Vernehmung vor der Untersuchungskommission von seinem Verbannungsorte, den Teufelsinseln, nach Paris gebracht werden wird. Daß er dann in die Verbannung wieder zurückkehren sollte, dürfte selbst in Frankreich Niemand glauben. Am wahrscheinlichsten aber ist, daß das Urtheil, welches die schwere Strafe über ihn verhängt, aufgehoben wird.
Die amerikauisch-fpauifchen Friedensverhand- luugen in Paris, die nur sehr langsam fortschreiten, bewahrheiten wieder das alte Wort: „Wehe den Besiegten!" Schmählich, wie im ganzen Kriege, benehmen die amerikanischen Handelsjuden sich auch jetzt noch den hilflosen Spaniern gegenüber. Gegen alles Recht verlangen sie jetzt b/e Philippinen als Eigenthum, wovon im Vorvertrag keine Rede war. Und das arme Spanien, das ganz verlassen dasteht, kann den gewissenlosen Beutejägern nicht widerstehen. Ein trauriges Schauspiel!
Vermischtes.
* Mas würde «ns ein Krieg Koste« ? Anläßlich der edeln Bestrebungen des Zaren um den Frieden dürfte es nicht uninteressant sein, einen Blick auf den Geldpunkt zu werfen, der bei einem demnächstigen Kriege in Frage kommen würde. Was bedeutet das kleine Häuflein gemünzten Metalls, das wir Deutsche so stolz den Reichskriegsschatz im Juliusthurme zu Spandau nennen, was sind diese 120 000000 Mark, wenn man bedenkt, daß nach vertrauenswürdigen Berechnungen allein die drei ersten Mobilmachungstage das Vierfache dieser Summe verschlingen würden, rund 500 Millionen Mark. Mehr als je zuvor besteht heute der bekannte Ausspruch zu Recht, daß drei Dinge in erster Linie zum Kriegführen gehören, nämlich 1. Geld, 2. Geld und zum 3. abermals Geld. Nach der ersten Mobilmachung des deutschen Heeres, so hat man ferner berechnet, kostet der vierte und jeder folgende Kriegstag rund 8 Millionen Mark, und auf die nebenher laufenden Ausgaben dürften noch weitere 100 Millionen Mark entfallen. Ein volles Kriegsjahr würde nach Voranschlägen militärischer Rechenkünstler nahezu genau so viel kosten, wie wir Frankreich 1870/71 an Kriegsentschädigung abgenommen haben: 5000 Millionen Mark. Das sind freilich tobte Zahlen, und sie erscheinen wohl arg übertrieben, wenn man in Rechnung zieht, daß der letzte große Krieg mit Frankreich uns Deutschen nur wenig über 1000 Millionen Mark in Baar gekostet hat. Es würde die Leser ermüden, wollten wir des weiteren und breiteren ausführen, welche „Faktoren" das Exempel von 1000 auf 5000 Millionen emporschnellen lassen. Im Jahre 1896 betrugen die Kriegskosten nur 282, int letzten Kriege genau 1024 Millionen Mark. Damals kam die Flotte, dies ist ein Hauptfaktor in dem Exempel, gar nicht in Betracht. Als weitere Hauptfaktoren kommen sodann die Verstärkung des gesummten Heeresaufgebots, die Erhöhung der Gehälter, der zu erwartende enorm höhere Verbrauch an Munition für unsere Schnellfeuerwaffen, die Ausgestaltung des Kriegssanitätswesens und was dergleichen mehr ist, in Betracht.
Hut genommen? Wo war sein Rock geblieben? Er wußte es nicht. Jetzt fielen seine Blicke auf seinen schlummernden Knaben.
„Ach Gott, vergib mir, da ist mein kleiner Willy!"
Ja, es war der kleine Willy, dieses schöne, liebliche, unschuldige Kind, dieser Trost eines gebrochenen Mutterherzens. Und wo war der holde Knabe gewesen? Ach, er, der fünfjährige Sohn eines Trunkenboldes, hatte mit seinem Vater die letztvergangene Nacht in einer engen, dunklen Zelle der Polizeistation zugebracht.
Der Mann schlug an seine Brust. „Was wird mein armes Weib sagen, wenn sie dies erfährt? Gatte und Sohn im Gefängnisse! O, es ist gräßlich. Ach, Gott im Himmel, hilf mir, treibe den Dämon aus mir heraus!"
In diesem Augenblicke schlug der Knabe seine Augen auf. Staunend sah er sich um. „Wo bin ich?" fragte er. Aber kaum hatte er seinen Vater erblickt, da lagerte sich ein liebliches Lächeln um seine Lippen und er sprach: „Der große Mann dort draußen hat uns hier eingesperrt, Vater. Er wollte mich von Dir reißen, aber es gelang ihm nicht. Du weißt wohl nicht mehr, daß ich gestern Abend auf der Straße mit Dir zusammentraf? Du hattest Deinen Hut verloren — ich glaube, der Wind hat ihn abgeweht — und die Straßenjungen lachten alle. Du warst krank, nicht wahr, Vater? Und dann kam ein Polizist und brachte Dich hierher. Aber jetzt komm, Vater, wir wollen nach Hause gehen und der Mutter Alles erzählen."
Also plauderte das Kind. Und der Vater? Sein Herz war gerührt, wie nie zuvor. Aber er erkannte seine Sünde und fühlte die Last und Schwere derselben. Auf einmal sprach er feier«
X Die Gefährlichkeit des Alkohols ist selten so klassisch zu Tage getreten, wie kürzlich bei dem Ausbruch der Beulenpest in Wien. Der zuerst an der Pest verstorbene Laboratoriumsdiener Barisch war Quartalssäufer und kurz vor seinem Tode mehrere Male betrunken; nach dem Urtheile der Sachverständigen hat er aller Wahrscheinlichkeit nach die nöthige Vorsicht im Umgehen mit den Bazillen-Reinkulturen außer acht gelassen. Damit ist der unselige Alkohol nicht nur die Ursache des Todes dieses Trinkers selbst gewesen und der von ihm infizirten Personen, worunter der vielversprechende junge Gelehrte Dr. Müller, sondern auch die Ursache für die angstvolle Auflegung, welche Wien, ja ganz Oesterreich, ergriffen hat. Will man da immer noch die nöthigsten Schutzmaßregeln gegen den Alkohol und seine Opfer als überflüssig hinstellen? — Um dieselbe Zeit beschäftigt noch der Untergang des britischen Ozeandampfers „Mohegan" die Gemüther: 48 Menschen sind gerettet, 101—109 umgekommen. Die Ursache des Untergangs ist unbekannt, da kein Offizier am Leben geblieben ist. Zweifellos ist ein schwerer Navigationsfehler gemacht worden, die Geretteten meinen, der Schiffskurs sei ganz unerklärlich gewesen, und haben Verdacht, daß der Kapitän Griffiths, der den ganzen Tag einen gedrückten Eindruck machte, betrunken war. Es ist schon manches schöne Schiff durch keine andere Ursache zerschellt. Auch von der „Bourgogne" sagte einer der Ueberlebenden, ein italienischer Wirth, nach der Mailänder, ,Perseveranza^ aus, daß die gesammte Schiffsmannschaft am Abend vor dem Unglück das amerikanische Nationalfest durch maßloses Trinken gefeiert habe und darum dienstunfähig gewesen sei. Als dann der Zusammenstoß erfolgt sei, habe Niemand der Sache Bedeutung beigelegt, so stumpf mache eben der Trunk und der schwere Kopf danach!
* Zu spät. • Placidus und Sulma lustwandeln spät Abends im Stadtpark und lasien sich auf einer Bank nieder, — da bemerkt Sulma eine Tafel. „Placidus," haucht sie, „mache doch ein wenig Licht und lese!" — Und Placidus ergreift zwei schwedische Zündhölzer ohne Phosphor und Schwefel, entzündet sie, liest und spricht — bleich wie eine Leiche — dumpf und tonlos: „Frisch angestrichen!" — „D Sulma, Dein neues Kleid, — o Placidus, dein neuer Rock!"
* Aus der Kaserne. Hauptmann (zu einem bestraften Soldaten): „So — was ich Ihnen jetzt gesagt habe, das schreiben Sie sich hinter die Ohren!" — Feldwebel: „Entschuldigen der Herr Hauptmann — der Kerl kann gar nicht schreiben."
' Schön gesprochen. Arzt (zur Wärterin): „. . . Also nicht wahr: den Eisbeutel binde ich Ihnen auf die Seele und den Pricßnitz-Umschlag lege ich Ihnen an's Herz — auch das Fußbad, bitte ich Ste, im Kopfe zu behalten!"
Vottesdienstor-mrng in Fulda.
Sonntag, 13.9100. Dom. 5*/., 6, 6-/. u. 71/.Uhr hl. Meffen 6»/« Uhr Kommunion der Christenlehr-Jung- frauen, 9 Uhr Hochamt, Predigt und Te Deurn, 12 Uhr hl. Messe, VI» Uhr Anbackt, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Predigt und Andacht in der Marienkapelle. — Stnbtpfnrrktrdje. 51/« Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt. 9'/» Uhr Hochamt, Predigt und Te Denm, 11 und 1*/« Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. Bon Montag den 14. Nov. ab beginnt bte Pfarrmesse um 73/« Uhr. - Michael-Kirche. 10 Uhr Hochamt. - Pfarrkirche jnra HU «eiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — KodaliUit. l/»10 Uta. — Frauenberg. 5, 6*/» und 8 Uhr hl. Meffen, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feierliche Vesper.
lich, indem er seine Hand auf das Lockenhaupt seines Sohnes legte: „Willy, Du wirst mich niemals mehr in einem solchen Zustande erblicken, wie Du mich gestern Abend auf der Straße ge- fanden hast. Das gelobe ich hier feierlich vor Gott!"
Dann faßte der Mann die Hand des Kindes und verließ festen Schrittes die Zelle.
Draußen wartete sein Weib auf ihn. Die arme Frau hatte die ganze Nacht nach ihrem Gatten und Sohne gesucht. Kaum war sie des letzteren ansichtig geworden, so stürzte sie auf ihn zu, umschlang ihn mit beiden Armen und drückte ihn fest an sich. Dan sank sie von ihren Gefühlen überwältigt zu Boden und weinte und schluchzte laut.
Der Mann sagte nichts. Geduldig ließ er sich vor den Polizei-Richter führen, um sich wegen seines Vergehens, „Trunkenheit und Straßen- Skandal", zu verantworten. Gattin und Sohn folgten. r . .
Als sein Fall ausgerufen wurde, sprach der Mann: „Herr Richter, ich bekenne mich schuldig! Aber sehen Sie dies schluchzend Weib? Sehen Sie diesen Knaben? So wahr Ihre Augen letzt diese Beiden erblicken, so wahr bin ich heute zum letzten Male vor den Schranken Ihres Tribunals gewesen! Ich werde von jetzt an keinen Tropsen berauschenden Getränkes mehr trinken. Dieses gelobe ich vor dem Angesichte Gottes, bei dem kein Ding unmöglich ist."
Der Richter wurde seltsam bewegt. Er entließ den Mann ohne Strafe.
Willy's Vater hat sein Güübde gehalten und war gerettet.