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sür Inserat« I. parzetler «L""- mit Zlnterhaklungs-Meikage „Illustrirte Sonntags-Zeitung" ptltreflaff« Nr. 1 lLarmonic).
JK 259.
JuLöa, Samstag, den 12. November 1898.
25. Jahrgang.
L Die Heidelberger Konferenz.
Im allgemeinen wenig Beachtung hat eine Zusammenkunft gefunden, die am letzten Sonntag in Heidelberg abgehalten worden ist. Dorthin waren die süddeutschen nationalliberalen Mitglieder des Reichstages eingeladen worden, und es war ein sehr bekannter Großindustrieller, der Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, der als Ein- berufer auftrat. Nicht mit Unrecht nennt ihn ein Blatt den süddeutschen Stumm; denn beide Männer, Freiherr v. Heyl und Frhr. v. Stumm, erinnern in "sehr vielen Stücken an einander. Beide Männer besitzen industrielle Anlagen in außerordentlicher Ausdehnung. Beide Männer gehören zu den grundsätzlichen Freunden von Ausnahme-Bestimmungen gegen Umstürzler, und bei beiden Männern entspringen vermuthlich diese übereinstimmenden Grundsätze auch gleichen Beweggründen: nämlich dem Wunsche, so viele Waffen wie möglich in der Hand zu haben, um ihre Arbeiterschaaren nach jeder Richtung hin möglichst nachhaltig „regieren" zu können.
Die süddeutsche nationalliberale Presse that sehr unschuldig in der Beurtheilung besagter Heidelberger Zusammenkunft: die zum Theil neu gewählten Mitglieder des Reichstages sollten „einander kennen lernen". Nun, so viele national- liberale Herren sind doch wahrhaftig nicht neu in den Reichstag gewählt worden. Die Zahl derer, die von der Bildfläche verschwunden sind, ist größer als die Zahl der Neugewählten; und wenn es sich um das Kennenlernen gehandelt Härte zu demZwecke schnellerer und besserer parlamentarischer Arbeit im Reichstage, dann hätte das „Kennenlernen" allgemein sein und sich auf die norddeutschen Nationalliberalen ebenso wie auf die süddeutschen erstrecken müssen. Damit ist es also nichts. Die Wahrheit wird vielmehr die sein, daß die süddeutschen Nationalliberalen unter sich sein wollten, um über etwas zu berathen, das ihnen ganz besonders eigenthümlich ist, und sie unterscheiden sich ja, wie man längst und allgemein weiß, in vielen Punkten von der Mehrzahl ihrer norddeutschen Parteigenossen. Sie neigen mehr zu den Anschauungen der preußischen Konservativen hin, und namentlich in einem Punkte dürften die Herzenswünsche der süddeutschen Nationalliberalen und der preußischen Konservativen übereinstimmen: in der Sehnsucht nach einem neuen Ausnahmegesetze gegen Umsturz- Bestrebungen.
Allgemein ist die Schärfe bemerkt worden, mit der in der „Süddeutschen Reichskorrespondenz" die Behauptung sich breit machte, daß dem neuen Reichstage „Eindämmungs- Maßregeln gegen die sozialdemokratisch e Hoch flut h" vorgeschlagen werden sollten; und wenn man nun weiter erfährt, daß zwischen der genannten Zeitungs-Korrespondenz und dem Veranstalter jener Heidelberger Zusammenkunft eben dem Freiherrn Heyl zu Herrnsheim, sehr
Der letzte Trlrb.
Kriminal-Roman von Max Benno. 19 ------ (Nachdruck verboten.)
„Nun, wie lautet denn Deine Glücksverheißung," rief Oskar Raimund zu, „sie scheint nicht nach Deinem Geschmacke zu sein, denn Du machst ja ein ganz bitterböses Gesicht! Da sieh her, was mir und Senzchen von der kleinen Fee bescheert worden ist. Senzchen wird eine Gräfin und mir ist sogar der Himmel schon auf dieser Welt in Aussicht gestellt."
Er hielt dem Freund die beiden Zettelchen vor die Augen, welche dieser aber nur oberflächlich durchlas. Es waren keine Verse, aber der Inhalt entsprach neben anderen Ueber- schwänglichkeiten, so ziemlich dem, was Oskar gesagt hatte.
„Jetzt zeige auch Dein Orakel," forderte Oskar, „das Du überdies noch gratis bekamst."
Raimund war ärgerlich darüber, daß er sich hatte verstimmen lassen und noch mehr, daß dies von Oskar bemerkt worden war.
„Ich warf den dummen Wisch weg", brummle er, „und kann überhaupt nicht begreifen, daß ich mich mit diesem Unsinn abgab." "
Freihofer und Anna gesellten sich zu der Gruppe, und neue Eindrücke lenkten die Aufmerksamkeit von diesem Gegenstände ab. Die gute Laune Raimunds kehrte jedoch nicht mehr zurück. Ec war einsilbig und mischte sich nur selten in das Gespräch. Dagegen beobachtete er wiederholt unwillkürlich den Freund und Senz- -chen, und was er früher nicht im mindesten auf-
enge Beziehungen bestehen, gewinnt immer mehr Wahrfcheinlichkeit die Annahme, daß es sich bei dieser Berathung um eine kleine Scharfmacher- Verschwörung gehandelt hat.
In Heidelberg war es im Frühjahr 1884, wo unter der Führung des damaligen Oberbürgermeisters von Frankfurt, Johannes von Miquel, die Nationalliberalen aus dem südlichen und südwestlichen Deutschland ein neues Programm aufstellten, das sie den Konservativen um einen tüchtigen Schritt näher brachte. Am letzten Sonntag also haben sich die Herren auf klassischem Boden befunden, wenn sie nun unter der Führung des Freiherrn v. Heyl von neuem zu ähnlichen Thaten den „Aufschwung" zu nehmen suchten.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. November.
0 Das kaiserliche 2Paar ist Freitag gegen Abend in Beirut angekommen und hat damit die Reihe der Ausflüge in Kleinasien und Syrien beendet. Samstag früh 6 Uhr sollte mit der Kaiseryacht „Hohenzollern" von Beirut aus die Heimreise auf dem Seewege angetreten werden. Bis jetzt ist bekannt, daß das kaiferliche Paar zu kurzem Aufenthalte in Cagliari und an der spanischen Küste in Cadiz und in Cartagena an Land gehen will. Es steht indessen noch nicht fest, ob in einem dieser letztgenannten beiden Häfen nicht etwa nur Kohlen eingenommen werden sollen. In Spanien sowohl als auch in Frankreich hat man sich mit Erwägungen darüber beschäftigt, wie man wohl den Kaiser zu ehren oder zu begrüßen habe. Namentlich die Pariser Regierung wollte den Kaiser, wenn er den Hafen eines Nachbarlandes anführe, etwa Cagliari oder Genua durch eine Geschwader- Dfvisior der französischen Kriegsflotte begrüßen, die aus fünf großen Fahrzeugen bestehen sollte. Halbamtlich wird indessen darauf hingewiesen, daß die Rückreise im strengsten Inkognito erfolge, allein aus Gesundheitsrücksichten, und somit dürfte die Ausführung dieser liebenswürdigen Absichten kaum möglich fein.
O „Das Kohnlacheu des Staatssekretärs vo« Aükow" meinten die Monsignori im Vatikan gehört zu haben, als sie das Telegramm lasen, indem Kaiser Wilhelm dem Papste die Anzeige machte von der Erwerbung und Schenkung der Stätte, auf dem das Sterbehaus der hl. Jungfrau stand ... so läßt sich die konservative ,Kreuz-Zeitung'aus Rom berichten. Nach dieser Darstellung sollte nämlich der ganze hochherzige Schenkungs-Akt des deutschen Kaisers nichts weiter fein als ein Schachzug gegen den Vatikan und die vatikanische Politik im Orient, und im Vatikan soll man „außerordentlich erbittert und bekümmert" fein über die Vorgänge bei der Kaiserreise im Orient. ... Es lohnt sich nicht, ausführlicher auf diesen boshaften Unsinn einzugehen. Das ganze Geschreibsel trägt den Stempel der vollkommenen Unwahrheit gar zu deutlich an der Stirne. Aber die Konservativen und namentlich das genannte leitende Parteiblatt der Konservativen sollten doch vorsichtiger sein mit solchen Dingen; oder hat
fällig gefunden, das erschien ihm nun auf einmal in ganz anderem Lichte. Senzchen und Oskar standen von jeher zu einander auf einer Art Kriegsfuß. Sie mcften sich bei jeder Gelegenheit, scherzten und lachten, aber das hatte Raimund nicht nur nie verdrossen, sondern ihm sogar Freude gemacht. Jetzt war er plötzlich ganz anders und die unbefangene Fröhlichkeit der Beiden that im fast weh.
Unter dem Einflüsse der abwechslungsreichen Szenen ging der Tag schnell vorüber, und man kehrte wieder nach dem heimathlichen Städtchen zurück.
Ueber Nacht verflog die schlechte Laune Raimunds einigermaßen. Er schämte sich sogar ein bischen, weil er sich durch ein harmloses Verslern, das jedenfalls nur dem Zufalle entsprungen war, hatte hinreißen lassen.
Am folgenden Morgen brachte der Briefträger ihm ein Schreiben aus der Stadt. Die Handschrift der Adresse kannte er nicht.
Er öffnete das Kouvert und las den Brief. Der Widerschein peinlichster Ueberrafcbung erschien auf seinem Gesichte. Mit einer heftigen Geberde schleuderte er das Papier auf den Tisch und schritt stürmisch in dem Gemach aus und ab. Dann griff er wieder nach dem Briese tfhb heftete seine Augen auf den Inhalt.
„Sie sind doch ein gutmütiger Herr," hieß es, „der ruhig und gelassen zuschaut, wie man ihn an der Nase herumführt. Und dies geschieht vollends durch Leute, denen von Ihnen volles Vertrauen geschenkt wird. Der Schreiber dieses meint es gut"mit Ihnen. Er weiß, daß Sie einem gewissen Mädchen Ihr Herz geschenkt haben.
man aNf jener Seite das Gefühl verloren für die Brutalität, die solcher Schreiberei innewohnt und die nicht davor zurückschreckt, den Handlungen des Monarchen solche unlautere Beweggründe unterzuschieben? Und bei anderer Gelegenheit thun die Konservativen so, als wunderten sie sich, wenn die Katholiken ihnen ebenso wenig Vertrauen entgegenbringen, wie den Kulturkämpfern und Kirchenhaffern von der linken Seite!
0 Zur Beurtheilung des „Iatkes Spay«" ist es nothwendig zu roifjetk daß die Reichsregierung in einem entsprechenden Falle, wo es sich aber um einen Konservativen handelt, anders sich verhält. Außer Herrn Reichsgerichtsrath Dr. Spahn ist noch ein anderer Reichsbeamter in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden, nämlich Herr Dr. Kelch, Vortragender Rath im Reichsamt des Innern. Man hat aber noch nicht das Geringste davon vernommen, daß diesem der Urlaub zur Ausübung des Mandates verweigert werden soll; und Herr Dr. Kelch fitzt nicht im Reichstage, wie Herr Dr. Spahn, braucht also überhaupt erst parlamentarischen Urlaub zur Ausübung des Mandates, während Herr Dr. Spahn ohnehin zum Reichstage beurlaubt werden muß. Das ist eine Ungleichheit in der Behandlung gleichartiger Fälle, die unmöglich gutgeheißen werden kann.
ff- „Zuverlässig" sollte nach einer Berliner Korrespondenz „aus konservativen Kreisen" verlauten, daß die konservative Partei in der bevorstehenden Sitzungsperiode des preußischen Landtages eine „umfassende parlamentarische Aktion behufs Erlaffes eines affflemetttett WokKsschukgesetzes einleiten und nöthigenfalls einen Gesetzentwurf als Initiativantrag einbringen werde". Das offizielle konservative Parteiorgan, die Kons. Korr.' stellt dagegen fest, daß Niemand in den leitenden konservativen Kreisen etwas von einer solchen Absicht weiß. Jene „zuverlässige" Verlautbarung scheint also ein wenig geflunkert gewesen zu sein; oder aber man htt wieder einmal das alte Versuchsballspielen probirt, um zu sehen, was konservative und vielleicht auch Centrumsblätter aus diese Behauptung zu sagen haben würden. Aber dazu war der Zeitpunkt sehr ungeschickt gewählt. Mindestens hätte man die Eröffnung des Reichstages dazu abwarten müssen, wo dann wenigstens schon einige der Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses beisammen waren. Jetzt kann jeder Berichterstatter die sonderbarsten „Verlautbarungen" in die Welt hinausposaunen, ohne daß er einen ernstlichen „Hereinfall" zu befürchten braucht. Bemerkenswerth ist diesmal bei der Sache nur etwas, nämlich die unentschiedene Art und Weise, in der die freikonseroative ,Post' sich dazu stellt. Ehedem gehörten bekanntlich auch die Freikonservativen zu den entschiedenen Gegnern eines Volksschulgefitzes auf christlich- konfessioneller Grundlage. Jetzt drückt sich die freikonservative,Post' so unklar und gewunden aus, daß die nationalliberale ,Nationalzeitung" wüthend schreibt: „Die Behauptung (nämlich eben der ,Post'), daß im Abgeordnetenhause die Kon-
und daß Sie sich der süßesten Hoffnung hingeben; aber Sie täuschen sich gewaltig, denn Ihre Angebetete will höher hinaus und hat dazu auch alle Aussicht. Während Sie schwärmen iftib träumen, faßt dieser Höhere, den Sie auch noch Ihren Freund nennen, das Leben und Sieben schon etwas praktischer auf. Sollten Sie etwa diese Andeutungen bezweifeln, so brauchen Sie nur einmal spät Abends z. B. heute Nacht um 11 Uhr den Weg am Garten der Schwertwirthschaft vorbei einzuschlagen und Ihr Augenmerk auf die Jasminlaube zu richten, dann erhalten Sie den Beweis."
Eine Unterschrift trug der Brief nicht.
Raimund war eine von jenen tief angelegten Naturen und Seelen, welchen in ihrem unbegrenzten Vertrauen ein Verrath geradezu unmöglich erscheint. Gerade bei solchen Menschen findet die thörichte Eifersucht am leichtesten Eingang.
Schon die Vorgänge auf dem Oktoberfeste hatten eine peinliche Wirkung auf ihn geübt; durch das Schreiben aber wurde fein Gemüth in einen alle Schranken durchbrechenden Aufruhr versetzt. Erst jetzt kam es ihm so recht zum Bewußtsein, wie innig sein Herz an Senzchen hing und wie er sich ein Glück auf dieser Welt gar nicht denken konnte, wen» er die Hoffnung, sie einst die ©einige zu nennen, verlor. Und diese Hoffnung lag Angesichts der Mittheilung, die ihm soeben gemacht worden war, in Trümmern vor ihm.
Ein unnennbares Weh überkam den jungen Mann. Er setzte sich an den Tisch, verhüllte das Gesicht mit den Händen und heiße Thränen brachen aus seinen Augen hervor.
Allmählich wurde er ruhiger. Sein Vertrauen begann roch einmal den Kampf mit dem Dämon
ftillation für ein reaktionäres Schulgesetz durch die jüngsten Neuwahlen günstiger geworden sei, ist eitel F lunferei . . . Günstiger als 1892 könnte die Sage im Abgeordnetenhause in dem bezeichneten Sinne insofern allerdings fein, als die meisten Freikonservativen sich seitdem mit großer Geschwindigkeit nach rechts entwickelt haben . .
ff- Wie falsch die stets von neuem wiederholte Behauptung der Hakatisten ist, daß das AenlschtHnm im Hflen der preußischen Monarchie ständig zurückgehe und das Polen- thum dem entsprechende Fortschritte mache, zeigt sich wiederum aus einem Vergleiche der Art und Weise der Schulbildung der Rekruten jetzt und vor zwanzig Jahren. Im Ersatzjahre 1897/98 wurden für das Sandheer und die Marine im Bereiche bei preußischen Monarchie msgesammt 151,832 Mannschaften aus gehoben, und es hatten von diesen Schulbildung in der deutschen Sprache 151,398, nur in der nicht deutschen Muttersprache 2ß4, während 170 — 0,11 vom Hundert ohne Schulbildung waren. Diese beiden letzten Ziffern sind gegen früher ganz erheblich zurückgegangen, so daß man der Wahrhett gemäß sagen muß, die deutsche Schulbildung hat im Saufe der letzten 20 Jahre ganz erhebliche Fortschritte in den östlichen preußischen Sandes- theilen gemacht.
© Als deutsche Mitglieder der Konferenz gegen den Anarchismus sind in Aussicht genommen Botschafter Freiherr von Saurma in Rom, Geheimrath von Philipsborn aus dem preußischen Ministerium des Innern, und Professor F. von Martitz von der Berliner Universität. Die Konferenz wird, wie bekannt, am 24. d. M. in Rom beginnen.
X Allen Ableugnungen zum Trotze erhält sich die Nachricht, daß gegenwärtig Verhandlungen und Erhebungen darüber stattfinden, ob die Kiufnhr keSeuder Schmeiue von Ungarn nach Deutschland auf dem Wege über Oberschlesien wieder zugelassen werden könne. Räche aus verschiedenen preußischen Ministerien haben am heutigen Freitag eine Reise von Wien nach Budapest an getreten, begleitet von dem Direktor des Berliner Schlacht- und Viehhofes, um in Ungarn selbst die Verhältniffe des Viehhandels und die Gesundheitsverhältniffe des Viehes kennen zu lernen. Danach kann also auch noch nicht entschieden fein über die Frage, ob die Einfuhr zuzulaffen sei oder nicht; und es bestätigen sich damit die Zweifel als berechtigt, die vor einigen Tagen an dieser Stelle ber gegenteiligen Meldung entgegengesetzt würben.
* In verschiedenen Zeitungen war die Meldung aufgetaucht, bas in Aussicht genommene Ikeisch- vefchau Kesetz sei bereits bem Bunbesrathe zugegangen. Diese Melbung wirb nunmehr von der,Nordd. Allgem. Ztg.' als unrichtig bezeichnet. Der Entwurf ist danach noch Gegenstand ber Berathung zwischen ben beteiligten Regierungen.
Ausland.
* Wie«, 11. Nov. Im Zeichen desSkan- bals unb bes parlamentarischen Duells steht augenblicklich bas österreichische Abgeorbneten- ber Eifersucht. Er bachte an bas unschulbsvolle, sinnige Wesen Senzchens, an ihr frommes Gemüth, an ihre füßen Taubenaugen, auS benen ihn schon so mancher Strahl beglückt hatte. Konnten sie lügen? Stein, nein und tausendmal nein! Und ber Freund? Der Jugendgespiele, an dem von ihm noch niemals ein Falsch entdeckt worben war. Auch er war einer Handlungsweise, wie sie ihm zugeschrieben wurde, nicht fähig — es konnte nicht fein!
Raimund "griff hastig nach dem Briefe, trug ihn, ohne noch einmal einen Blick auf den Inhalt zu werfen, in die Küche und warf ihn ins Herdfeuer hinein.
Er versuchte wieder zu arbeiten, aber er fühlte, daß es ihm unmöglich war; er verließ das Haus und schlug unwillkürlich den Weg nach dem „Schwert" ein.
Die große Wirtsstube fand er ganz leer. Kein Mensch zeigte sich. Dagegen vernahm er lebhafte Stimmen aus dem Nebenzimmer, dessen Thüre nur angelehnt war. Sie waren ihm recht gut bekannt.
Vorsichtig trat er näher und schaute durch den zwischen Thüre und Rahmen klaffenden Spalt.
Senzchen und Oskar saßen am Tische. Sie spielten Mühleziehen. Die Wangen des Mädchens glühten und auch das Gesicht des Freundes färbte ein höheres Roth.
Mit fast hörbar pochender Brust schaute Raimund den Spielenden zu. Sie befanden sich so im Eifer, daß sein Kommen von ihnen augenscheinlich ganz überhört worden war.
Er sah, wie Oskar Senzchen, wenn sie einen glücklichen Zug gemacht, einen neckischen Schlag