FuUmerWZertung
25. JahrgMs
Iutöa, Samstag, den 12. November 1898.
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Eine Bekehrung auf dem Sterbekette.
Ein katholischer Arzt zu Dijon in Frankreich, welcher sich ebensosehr durch seine wissenschaftliche mnd praktische Tüchtigkeit in seinem Fache, wie durch seine aufrichtige Religiösität und Frömmigkeit auszeichnete, schildert in einem seiner Werke einen wunderbaren Zug der göttlichen Barmherzigkeit, welche sich an einem hervorragenden Revolutionär aus der französischen Revolutionszeit geoffenbart hat.
Um die Mitte des Jahres 1826, so erzählt der Arzt, wurde ich zu einem 60jährigen Restaurateur gerufen, welcher in der Straße St. Jacques Nr. 215 ein kleines Hotel besaß. Derselbe hatte ein Leberleiden. Die bedeutendsten Aerzte waren schon konsultirt worden, allein sein Hebet hatte mit den Jahren und unter den üblen Einwirkungen heftiger Zornesausbrüche, denen er sich überließ, immer mehr zugenommen. Schon bei meinem ersten Besuche war mir klar, daß der Mann nicht lange mehr leben könne. Mit Hilfe einiger narkotischer Mittel linderte ich die heftigen Schmerzen, unter denen erlitt, und erhalte, wie seit langer Zeit nicht mehr, eine ruhige Nacht. Am andern Morgen schüttelte er mir in seiner Freude herzlich die Hand, nannte mich seinen Reiter und versprach mir, alle meine Anordnungen pünktlich befolgen zu wollen. Indessen eröffnete ich der Familie, daß sie sich durch den augenblicklichen Zustand des Kranken nicht täuschen lassen und die Augenblicke seines Wohlbefindens dazu benutzen möge, dafür zu sorgen, daß der Kranke alle seine Angelegenheiten in Ordnung bringe. Abends gegen 6 Hhr ließ man mich eiligst rufen, aber nicht zu dem Manne, sondern zu seiner Frau, welcher er in seinem Zorn ein irdenes Gefäß an den Kopf geworfen hatte. Nachdem ich die arme Frau verbunden, schickte ich mich an, fortzugehen, ohne dem Manne ein Wort gesagt zu haben. Dieser aber hielt mich an meinem Rocke fest und sagte wehmüthig: „Aber, Herr Doktor, wollen Sie denn gehen, ohne mir etwas zu sagen?"
„Warum soll ich mich denn lange mit einem Kranken aufhalten, den zu trösten ich gekommen war, der aber alles Mögliche thut, um meine Anstrengungen fruchtlos zu machen? Uebrigens, mein Herr, habe ich gehört, daß Sie Ihre früheren Aerzte sehr grob beleidigt haben und daß der Doktor Partöl Sie nicht würde verlassen haben, wenn Sie sich nicht so weit vergessen hätten, die Hand gegen ihn zu erheben. Zu allen diesen Ge-
Steinau. Unter den Schafen in Steinau, Hintersteinau und Soden — Kreis Schlüchtern — ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
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walt-Akten kommt nun noch die Brutalität hinzu, deren Sie sich gegen Ihre Frau schuldig gemacht haben, und nun können Sie selbst beurtheilen, ob ich noch Bedenken tragen soll, meine Sorge um Sie daranzugeben."
„Ihre Vorwürfe sind nur zu begründet," entgegnete der Kranke; „es war sehr unrecht, daß ich meine Frau so mißhandelte. Aber wenn Sie auch wüßten, was sie von mir verlangte! Denken Sie sich, sie verlangte von mit, ich solle mir einen Geistlichen kommen lassen, und sie weiß doch, daß ich alle Geistlichen hasse."
„Die Absicht Ihrer Frau war eine im höchsten Grade lobenswerthe. Indem Ihre Frau Sie veranlaßte, Ihr Gewißen in Ordnung zu bringen, hat sie Ihnen einen neuen Beweis ihrer Liebe gegeben, und wenn das mit Ihren Begriffen nicht harmonirte, so mußten Sie sich einfach darauf beschränken, sie in Ihrem Sinne zu bescheiden, ohne sie jedoch zu mißhandeln."
„Ja, Herr Doktor, Sie sind ein gebildeter Mann; nur sagen Sie mir, was würden Sie thun, wenn Sie an meiner Stelle wären und man Ihnen einer, solchen Vorschlag machte?"
„Ich? Ich würde mich keinen Augenblick bedenken, meine Gewissens-Angelegenheiten sofort in Ordnung zu bringen, einmal aus Heberzeugung, sodann aber auch, weil die Ruhe des Gewissens die Schmerzen viel erträglicher macht und auch zur körperlichen Besserung viel beitragt."
„Nun, Herr Doktor, ich muß gestehen, das ist doch sonderbar, daß Sie nach allen Ihren Studien solche Grundsätze haben."
„Im Gegentheil, meine religiösen Heberzeugungen sind zum größten Theile gerade die Frucht meiner Studien."
„Gut denn," sagte endlich der Kranke, „dann mag man einen Priester kommen lassen; ich habe freilich schon seit langer Zeit gar manches auf dem Herzen."
Glücklich über diese unverhoffte Entschließung ließ die arme grau sofort einen Pfarrgeistlichen kommen. Kaum war derselbe eingetreten und hatte sich dem Kranken genähert, als der Greis mit zitternder Stimme sagte: „Warten Sie einen Augenblick, mein Herr, und nehmen Sie das Messer fort, das sich unter meinem Kopfkissen befindet."
„Wie unvorsichtig Sie doch sind," bemerkte der Geistliche; „Sie konnten sich ja mit diesem Messer schwer verwunden."
„Ja, mein Herr," antwortete der Kranke, „ich hatte mich mit diesem Messer bewaffnet, um Sie damit zu durchbohren, falls Sie wider meinen Willen hierhergekommen wären. Denn," fügte er in Gegenwart seiner ganzen Familie hinzu, „im September 1793 habe ich siebenzehn Geistliche umgebracht, und es fehlte wenig, so wären
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Vermischtes.
* Die Beseitigung des Lokomotivenrauches soll nach einem im Verein' für Eisenbahnkunde vom Eisenbahndirektor Garbe gehaltenen Vortrage wirklich in Aussicht stehen. Was dieser Fortschritt zum Wohle der Eisenbahnreisenden bedeuten würde, braucht man Niemandem zu sagen, und wenn außerdem sich auch die neue Verbindung der Eisenbahnschienen, durch die das Stoßen der Wagen gänzlich aufgehoben werden soll, bewährt, so wird das Eisenbahnfähren künftig in der That der beiden Unannehmlichkeiten entkleidet sein, die sich am Lästigsten fühlbar machen. Die Entwicklung von Rauch zeugt immer von unvollkommener Verbrennung, und eine unvollkommene Verbrennung hängt stets zusammen mit einer unvollkommenen Luftzufuhr zu der Feuerung. Bei der Heizung der Lokomotiven wird die Luft den brennenden Kohlen nur durch die Spalten des Rostes von unten her zugeführt. Diese Luftzufuhr aber wird durch die Schlackenbildung stark beeinflußt, indem sich die Spalten des Rostes verstopfen, sodaß der Zutritt der Luft vielfach gestört und vermindert wird. Bei den Lokomotiven kommt außerdem noch die Saugwirkung des ausgestoßenen Dampfes hinzu. Vor einiger Zeit bereits, wie wir auch damals mitgetheilt haben, erfand der österreichische Ingenieur Langer eine Vorrichtung, die dem Lokomotivfeuer zu dem Luftstrome von unten her noch eine ergänzende Oberluft derart zuführte, daß das Feuer stets eine gleiche Menge von Luft erhält. Bei einer geordneten Bedienung des Feuers kann auf diese Weise jeder sichtbare Rauch vollständig vermieden werden. Ein Berliner Ingenieur Namens Marcoty hat die ursprüngliche Erfindung Langers noch wesentlich vereinfacht und durchgearbeitet. Es wurden daraufhin auf den deutschen Eisenbahnen bereits Versuche in ziemlich großem Umfange mit dieser neuen Art der Feuerung an Lokomotiven gemacht, und die Ergebnisse sind so zufriedenstellend, daß wenigstens eine wesentliche Verminderung der Rauchplage Seitens der Lokomotiven als sichergestellt betrachtet und schon für die nächste Zukunft erwartet werden kann.
* Entweder — oder. Hausherr: „Bevor Sie einziehen, muß ich Ihnen bemerken, daß ich es liebe, wenn der Zins pünktlich bezahlt wird!" — Studiosus: „Ist auch mein Prinzip — lieber gar nicht als unpünktlich!"
* Verunglücktes Beispiel. Gatte: „Ah, ich merke schon, weswegen Sie so häufig zu uns kommen, Sie wollen gewiß unsere Else heirathen!" — Gattm (em- wendend): „Aber Heinrich, wer wird denn gleich so direkt den Ochsen bei den Hörnern packen!" _
* Bereitwillig. Chef: „Sie gefallen mir soweit aanz gut — aber ich ziehe doch einen verheiratheten Mann für den Posten vor!" — Kommis: „Na, dazu kann Rath werden — haben Sie nicht eine Tochter?
• Schlechtes Gewissen. Papa (beim Abendessen): „Der Schweizerkäfe hat heute gar große Löcher!" — Fritzchen (weinerlich): „Ich bin's aber gewiß nicht Qctvcfcn!"
* Das beste Mittel. A.: „Wissen Sie, das ist ja skandalös, das sollte man veröffentlichen!'' — B.: „Sie haben recht; ich werde es gleich — meiner Frau
Sie der achtzehnte geworden. Allein, seien Sie ohne Sorge, Gott hat Mitleid mit mir gehabt, ein Strahl seiner Gnade hat mich erleuchtet."
Der Geistliche legte das Meffer bei Seite, bat die Umstehenden, ihn eine Weile mit dem Kranken allein zu lassen, und nahm dann dessen reumüthige Beichte entgegen. Schon war er im Begriffe, sich zu entfernen, um der Familie mit« zutheilen, daß er dem Kranken die Sterbesakramente bringen wolle, als dieser mit einer vom Schluchzen erstickten Stimme rief: „Lieber Herr, kommen Sie doch bald, recht bald wieder, ich bedarf Ihrer Tröstungen; allein ich beschwöre Sie, doch noch nicht jetzt den Heiland auf meine Lippen zu legen, da ich seinen Namen noch eben gelästert habe, ich bin eines solchen Glückes völlig unwürdig."
. „Gott ist von großer Erbarmung," sagte der Geistliche gerührt. „Der Mensch macht seine Fehler wieder gut, wenn er sie in der Bitterkeit seines Herzens bereut, und Ihre Reue scheint mir zu aufrichtig zu sein, als daß ich Bedenken tragen könnte. Ihnen die heiligen Sakramente, welche Sie in Ihrer gegenwärtigen traurigen Sage recht sehr bedürfen, zu spenden.''
„So will ich sie denn empfangen, weil Sie es mir befehlen," antwortete der Neubekehrte, „aber erst dann, nachdem ich vor denjenigen, welchen ich vordem durch meine Hebelthaten Aergerniß gegeben, Abbitte gethan habe." Alsbald ließ er zwei Nachbarn, feine ehemaligen Kameraden, kommen und bat sie um Verzeihung wegen all' der schlechten Beispiele, welche er ihnen gegeben habe. Hierauf empfing er knieend und mit erbaulicher Andacht die hl. Wegzehrung. Sein Beichtvater wünschte, daß er sich ruhig zu Bette legen und auf seine Schwäche Rücksicht nehmen möge; allein er wollte durchaus knieen bleiben; an das Kopfkissen des Bettes fein Haupt lehnend, verharrte er lange in stillem Gebete. Da der Priester ihn nochmals veranlassen wollte, sich hinzulegen, was der Zustand seiner Schwäche durchaus zu fordern schien, antwortete der Kranke: „Ich fühle, daß ich nur noch kurze Zeit zu leben habe; ich kann Gott dem Herrn nicht anders ausopfern, als mein Gebet und meine Thränen. Lassen Sie mir wenigstens den Trost, auf den Knieen zu sterben; das ist doch wenig genug, um mein Verbrechen in etwa zu sühnen." Gegen Mitternacht stieß er einen tiefen Seufzer aus und entschlief faust im Herrn, immer noch auf den Knieen und feine Lippen auf ein Kruzifix heftend, welches von seinen Thränen benetzt war. Himmlischer Friede, die Frucht jenes reinen oder durch die Reue wieder gereinigten Gewissens, ruhte auf dem Angesichte des mit Gott versöhnten Büßers.
Fulda. Die Maul- n. Klauenseuche ist ausgebrochen zu Eckarts, Speicherts, Bezirksamt Brückenau, Wiesen, Bezirksamt Lohr, Gersfeld, Langenbieber, Kreis Fulda, Niedermittlau, Bernbach, Oberndorf, Lobrhaupten, Kreis Gelnhausen, und sind die Sperrmaß- rcgeln verhängt worden._____________
Langenbieber. Unter dem Rind- viehbestande des Bauern Johannes Sauer ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und ist daher über dessen Gehöft die Gehöftsperre angeordnet worden. Ferner ist die Ein-, Aus- und Durchfuhr von Wiederkäuern und Schweinen (auch zu Wagen, in Körben, Kisten und dergl verpackt) verboten, sowie das Ein- und Ausladen von Klauenvieh aus der Haltestelle Langenbieber untersagt.______________
WeyherS. In der Testamentssache des lidigen früheren Dicnst- knechts Johannes Hofmann von Teuselstein ist Termin zur Eröffnung des Testaments aus den 17. November 1898, Vormittags 10 Uhr bestimmt.
Königliches Amtsgericht.
Weyhers. Die Gerichtstage in Gersfeld während des Geschäftsjahres 1899 werden an den nachfolgenden Tagen, und zwar: Mittwoch den 11. Januar, 8. Februar, 8. März, 5. April, 3. Mai, 7. Juni, 5. Juli, 20. September, 18. Oktober, 15. November, 13. Dezember im Gasthaus „zumStern" daselbst abgehalten werden.
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