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FuldaerMIeitung

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mit Zlnterhaltungs-Meitage „Zlkuflrirle Sonntags-Ieitung"

Juköa, Freitag, dm 11. November 1898.

jK 258.

bevor, ein Ereigniß ersten Ranges für jeden Bayer in der Stadt und auf dem Lande.

Auch von den WaldHeimern pilgerten all­jährlich, wer Halbwegs abkommen konnte, nach der fröhlichen Jsarstadt, um an dem großartigen Feste theilzunehmen und nebenbei an der Hof­bräuhausquelle zu trinken, deren vortrefflicher Stoff sich unter allen Zonen und Nationen un­sterblichen Ruhmes erfreut.

Für den Bürgermeister Erdmann bestand in diesem Jahre für die Theilnahme an dem Feste noch ein besonderer Grund. Er war in den landwirthschaftlichen Ausschuß und zum Preis­richter gewählt worden. Raimund sprach sofort die Absicht aus, ihn zu begleiten, und durch diesen wurden auch Oskar, sowie Freihofer, dem sich Senzchen und Tante Anna anschloffen, zur Fahrt nach München bestimmt.

Bon diesem Vorhaben hatte der junge Graf den Kastellan Hauber ungefähr eine Stunde vor dem Eintreffen Leonhards im Schlosse in Kennt- niß gesetzt. ,___

Leonhard schien in ganz besonders guter Laune zu sein. Sein Gesicht strahlte.

„Jetzt kann's nicht mehr fehlen, Onkel," be­gann er ohne Einleitung nach kurzem Gruß, „nun schicken wir gleich morgen den ersten Brief ab. Ich weiß nämlich sicher, daß das zarte Ver- hältniß, welches wir brauchen, gerade so weit, als nothwendig, hergestellt ist. Ich erfuhr es heute früh von Kathi, die meiner Anweisung gemäß, den Leutchen ein bischen aufgepaßt hat. Die Tante sagte es dem Mälchen geradezu ms Gesicht, daß sie in Raimund verschoffen sei,

troffen habe — nun, diese Versicherung wird wohl nicht ganz wörtlich zu nehmen sein. Haben wir doch soeben gesehen, daß gerade umgekehrt die Presse, auch die kriegerisch gesinnte, über die Geheimnißthuerei der britischen Regierung sich beschwerte! Man kann diesen kleinen Meinungs­streit indeffen ganz ruhig auf sich beruhen laffen, die Hauptsache ist die, daß nach den Versicherungen des leitenden englischen Staatsmannes von einer Aufrollung der egyptischen Frage jetzt nicht die Rede sein kann. Die Noth- wendigkeit für Kriegsrüstungen ist nunmehr nach Lord Salisbury's Versicherung vorüber, und in Egypten bleibt alles, wie es ist. „Einige sagen — so sührte Lord Salisbury aus — England wolle Syrien und Kreta für sich nehmen, oder sein Protektorat über Egypten erklären. Aber ich bedauere, mich dazu nicht auf­schwingen zu können . . . England ist mit dem jetzigen Zustande vollkommen zufrieden und hegt keinen Wunsch, ihn zu ändern." Der Minister schloß mit dem Ausdrucke der Hoffnung, das England nicht gezwungen werden würde, seine Stellung in Eg' pten irgendwie zu ändern, denn er sei Überzeugt, daß alsdann die Welt nicht in Frieden bleiben würde. . . Wer sollte wohl England dazu zwingen? Niemand denkt daran; und Lord Salisbury hat diese Rede­wendung wohl nur gewählt zu dem Zwecke, um vor der Welt seinen und Englands Rückzug zu decken.

Diejenigen haben zunächst recht behalten, die die englischen Kriegsvorbereitungen für Mobil­machungs-Spielerei hielten, und sich davon nicht ins Bockshorn jagen ließen. Aber darüber darf man sich auch nicht täuschen, daß es an Zünd­stoff an allen Ecken und Enden nicht fehlt. In dem Festzuge, der in üblicher Weise am Mitt­woch dem Lord Major's Bankett voranging, ver­herrlichte unter dem lauten Jubel der schaulustigen Menge ein Festwagen die englisch-ameri­kanische Verbrüderung. Gerade der Ge­danke dieser Verbrüderung trägt so viel Heraus- sorderndes in sich, daß er allein hinreicht, um die ganze Weltlage nicht in allzu rosigem Lichte erscheinen zu lassen. Sicherlich war eine allge­meine Friedens-Konferenz niemals nothwendiger, als eben jetzt. Möchte diese Konferenz nicht ganz ohne handgreifliche Folgen bleiben!

O Friede.

Die Lage fing an kritisch zu werden. Die englischen Rüstungen wollten noch immer nicht aufhören. Viele Millionen Patronen wurden bestellt, in den Arsenalen wurde fieberhaft ge­arbeitet, die Küstenvertheidigung in England und Schottland wurde besichtigt, ob sie in guter Ord­nung wäre, die Kriegsschiffe durften sich nicht außer Signalweite vom Lande entfernen, und selbst nach Kanada erging der Befehl, die kana­dische Miliz in Bereitschaft zu stellen und die Vertheidigung von Kanada zu verstärken. Das fing auch der englischen Preffe ungemüthlich zu werden an. Sehr deutlich kam dieses ungemüth- liche Gefühl zum Ausdrucke in einer Kundgebung der .Daily Mail', die deswegen bemerkenswerth ist, weil dieses Blatt mehr als andere Londoner Blätter das Jingothum herauskehrt, das heißt also eine Politik der Herausforderung und der Welt­macht-Politik um jeden Preis, also die „Vorwärts- Politik" vertritt. Sogar die .Daily Mail' also beschwerte sich über die Geheimnißthuerei der englischen Regierung und über deren „Mobrli- sirungs-Spielerei", wie sie sich ausdrückte. Gleichzeitig aber traten einige konservative englische Blätter mit der Ansicht hervor, es sei die Zeit gekommen, die Stellung Englands in Egypten endgiltig zu regeln und die Schutzherrschaft Englands über Egypten in aller Form zu erklären. . .

Zum Glück aber theilt das konservative Mnn- sterium desLordSalisbury diese Anschauung nicht. Lord Salisbury hat am Abend des letzten Mittwoch selbst zuverlässigen Aufschluß darüber gegeben. Die Gelegenheit dazu gab ihm das Bankett, welches, wie alljährlich, zuEhren des Lord-Mayors, also des Oberbürgermeisters von London, in der riesigen Guild-Halle Mittwoch Abend stattgefunden hat. Dieses Gast­mahl wird von jeher zu politischen Kundgebungen ersten Ranges benutzt, und natürlich war man unter den gegenwärtigen Umständen besonders ge­spannt darauf, was der leitende Minister diesmal zu sagen haben würde. Krieg oder Frieden, konnte man beinahe sagen, hielt er in seiner Hand — die ausgegebene Losung lautet: Friede.

Großes Lob zollte Lord Salisbury wiederum der französischen Regierung für die ver­ständige Mäßigung, die diese in der Faschoda- Frage und in deren Behandlung erwiesen hat. „Wir haben ganz kürzlich — so sagt Lord Salis­bury — die Frage eines europäischen Krieges zu erwähnen gehabt . . Einen Augenblick lang schien kein anderer Ausweg möglich. Aber die große Besonnenheit und der gesunde Verstand der französischen Regierung in ungewöhnlicher Schwierigkeit haben Europa von dem drohenden Sturme bewahrt." Nach der Versicherung des englischen Ministerpräsidenten soll es die kriegerische Haltung der Presse hüben und drüben gewesen sein, unter deren Druck die englische Regierung Kriegsvorbereitungen ge-

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

„Das Gleiche gilt auch von dem Schloß," belehrte ihn der Onkel, „deshalb ist es noth­wendig, daß Du mich immer erst Abends, wenn es dunkelt besuchst, und jede Nacht nach dem Dorfe zurückkehist. Ich denke, wir geben den Leutchen noch acht Tage Frist, aber dann fangen wir an und dann muß dafür gesorgt werden, daß alles Schlag auf Schlag geht."

Er schloß einen Schrank auf und entnahm demselben ein beschriebener Bogen Papier.

Diesen gab er Leonhard. „Hier ist das Proto­koll," bemerkte er; schreib es sauber ab nach der Dir übersandten Handschrift, die Du indeffen ge­nügend studirt haben wirst. Es stehen wie Du findest, recht hübsche Sächlein darin. Meinen ge­heimen Beobachtungen kommen mir hier trefflich zu statten, daß Leuten, die nach dem Schein zu urtheilen gewohnt sind, manches sogar recht wahr­scheinlich vorkommt. Besprich die Sache mit Kaller, der sicher noch weitere bei solchen Gelegenheiten übliche Krastsprüche kennt, die Du dann einfügen kannst. Uebermorgen Abend bringst Du die Reinschrift zu mir."

Leonhard vertauschte den Studentenanzug mit seiner eigenen Kleidung, verbarg ersteren in den Koffer und verließ nach einer Weile das Schloß.

Indessen bildete sich im ,Schwert' schnell wieder jenes traulich herzliche Verhältniß zwischen Senzchen, Oskar und Raimund, wie es bestanden hatte bis zu dem Abend, wo jedes derselben

Deutsches R^ch.

Berlin, 10. November.

* Auch in der syrischen Stadt Beirut soll ein anarchistischer Wordanschkag gegen Kaiser Wilhelm im Werke gewesen aber ebenso wie derjenige in Aegypten noch zur rechten Zeit entdeckt und vereitelt worden sein. Die Meldung stammt aus englischer Quelle und bedarf wohl sehr der Bestätigung.

+ Daß ein Theil der Pariser Preffe gegen­wärtig den Gedanken einer Annäherung Iranst reichs an Dentschkand erörtert, ist bekannt, wenn auch nicht besonders bedeutungsvoll. Denn zunächst handelt es sich dabei augenscheinlich nur um das freie Spiel eigener Gedanken. Aber neu ist die Meldung, daß auch Kaiser Wilhelm eine Annäherung an Frankreich suche, um--

durch den so plötzlichen Hingang in so tiefe Trauer versetzt worden war.

Das verschiedene Verhalten des Mädchens den jungen ehemaligen Spielkameraden gegenüber, welches bis zu einem gewissen Grade schon früher bemerkbar geworden, trat allmählich noch schärfer hervor und ließ bei der lieblichen Jungfrau jene Herzenswandlung ahnen, dieZ sich früher oder später vollzieht. 5J 8®

Das Gleiche war augenscheinlich bei Raimund der Fall. Gerade seine Zurückhaltung und das ängstliche Bestreben, seine Empfindungen für das schöne Mädchen zu verbergen, ließen deutlich ge­nug erkennen, wie es in seinem Innern auSsah. Er verstand sich eben auf die Verstellungskunst nicht.

Gleichwohl schien Oskar diesen Vorgängen keine Beachtung zu schenken, oder er gab sich wenigstens den Anschein, als bemerke er nichts.

Dagegen hatte die früher geistig so wenig entwickelte Tante Anna in dieser Hinsicht ein schärferes Auge, schien aber durch ihre Wahr­nehmung in freudige Aufregung versetzt worden zu sein.

Sie brachte es auch nicht über sich, zu schweigen und die nächste Gelegenheit wurde von ihr zu einer zarten Anspielung benützt. Das Erglühen ihres Lieblings gab ihr Gewißheit. Sie erhielt von Senzchen keine Antwort. In holder Ver­wirrung eilte diese davon. In ihrer Hast be­merkte sie nicht, wie die Kellnerin Kathi, welche augenscheinlich gelauscht hatte, von der Thüre wegschlich.

Das Münchener Oktoberfest stand unmittelbar

sich an deffen Seite zu stellen in Frankreichs Streit gegen England. Das ist freilich eine überraschend ausschweifende Phantasie, die diese Riesenente gebar! Sie gleicht in ihrer Abenteuerlichkeit etwa der andern, daß nämlich die Philippinen- Inseln neutrales Gebiet werden sollten und Prinz Heinrich von Preußen ihr Gou­verneur. Man sieht, auch in der ernsten Politik dieser Tage fehlt es bisweilen nicht an lachendem Humor!

0 Herr Reichsgerichtsrath und Reichstagsabg. Ar. Späh« erhält den erbetenen Urlaub für den preußischen Landtag nicht. Die offiziöse,Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt: „Wie wir erfahren, hat der Herr Reichskanzler sich außer Stande erklärt, dem Reichsgerichtsrath Dr. Spahn den nach der Wahl in Aachen er­betenen Urlaub für die nächste Landtags-Sesfion zu ertheilen, und hat Herrn Dr. Spahn hiervon — im Uebrigen unter bereitwilliger An­erkennung seiner verdienstvollen parla­mentarischen Wirksamkeit — Kenntniß gegeben". Der Präsident des Reichsgerichtes, Dr. von Oehlschläger, hatte sich „im Interesse des Reichsgerichtes" gegen bie Beurlaubung aus­gesprochen. Und nunmehr ist gleichzeitig an diesen ein allgemeiner Erlaß ergangen, der darauf hinweist, daß „seit der Errichtung des Reichs­gerichtes . . . ausnahmelos . . . daran festge« ballen worden ist, daß Rücksichten auf die un­gestörte Thätizkeit des Reichsgerichtes eine Be­theiligung seiner Mitglieder an den Arbeiten der einzelstaatlichen Landtage verbieten." Der Reichs­kanzler sagt dann weiter in dem Erlasse, daß er an dieser „seitherigen Auffaffung auch für die Zukunft festzuhalten gedenke". Er müsse „zur Zeit auf dem gedachten Standpunkte umsomehr verbleiben, als das Reichsgericht bekanntermaßen aller seiner Kräfte bedarf und als die bevor­stehende Umgestaltung unseres Bürgerlichen Rechtes den Gerichtshof mit einer großen Aufgabe neu belastet". Diesen letztem Grund muß man ja seinem Grundsätze nach als richtig anerkennen, auch wenn man der Ansicht ist, daß jedem Be­amten die Ausübung jedes parlamentarischen Mandates gestattet sein sollte. Aber in der Praxis ist hier in diesem Falle auch dieser Grund nicht stichhaltig; denn Herr Dr. Spahn wird sich während des größten Theils der Tagung des preußischen Landtages mit Urlaub zur Aus­übung seines Reichstags-Mandates ohnehin in Berlin aufhalten. Für die Arbeiten des Reichs­gerichtes also ist es in diesem einzelnen Falle gleichgiltig, ob Herr Dr. Spahn auch noch für den preußischen Landtag Urlaub erhält oder nicht. Daß die verdienstvolle parlamentarische Wirksam­keit des Herrn Dr. Spahn auch vom Reichs­kanzler anerkannt wird, ist erfreulich. Um so unerfreulicher ist es, daß diese verdienstvolle Thätizkeit nunmehr dem preußischen Landtage entzogen werden soll.

4- Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' übernimmt eine Meldung der ,Berl. Pol. Nachr.', wonach die Ikegeknng des kommnnake« Wahlrechtes in Preußen zuerst und allein vorgenommen werden soll, obwohl „Gründe dafür sprächen, die Reform des Kommunal-Wahlrechtes mit einer Revision des Landtagswahlrechtes zu verbinden."

__________ 25. Jahrgang

Nach dieser Notiz soll die Frage „noch nid/ einmal spruchreif sein, ob überhaupt und inwieweit das politische Wahlrecht einer Aende- rang bedarf". Das zeugt von einem ungewöhn­lich hohen Grade von Gleichmuth gegen schreiende Uebelstände, von einem so ungewöhnlich hohen Grade, daß man fast annehmen möchte, der Herausgeber der,Berl. Pol. Nachr.' habe sich bei seinem letzten Empfange im Finanzministerium verhört.

* Gegen Ende dieses Monats wird in Ber­lin eine Aerathnng von chüerpokdireklore« und von Post - und Telegraphendirektoren stattfinden, um über verschiedene Verwaltungs­und Betriebsmaßnahmen zu berathen.

0 Einem Berliner Fachblatte zufolge soll bei den Verhandlungen über die Aestenerrmg der Maarenhänser für diese als Maßstab der Geschäfts-Umsatz in Aussicht genommen fein soll und zwar soll eine Veranlagung zur Steuer bis zur Höhe von 4 vom Hundert des Umsatzes geplant werden. Diese Waarenhaus- Steuer würde alle Detailgeschäfte treffen, deren Umsatz eine gewisse Höhe überschreitet.

0 Nach der amtlichen Unfast Statistik d-r dratsche« Kisenöahueu (mit Ausnahme der bayerischen) sind während des Monats September 27 Entgleisungen vorgekommen, davon 7 auf freier Bahn und 30 in Stationen, 14 Zusammen­stöße, davon 1 auf freier Bahn, und außerdem 176 andere Betriebsunfälle. Im ganzen ge­nommen wurden dabei 67 Personen getödtet, davon 7 Reisende, und 145 verletzt, davon 26 Reisende.

x Mit dem Einzuge des Prinzen Georg vonGriechenlandals Gouverneur nach Kreta hat es doch noch gute Weile. Zunächst begleitet er den König Christian von Dänemark nach Gmun­den, und von dort aus wird er erst nach Wien reisen, ehe an die Ausführung des Planes zu denken ist. Bis zum 15. November soll inzwischen auf der Insel Kreta sowohl mit den türkischen Truppen als auch mit der türkischen Flagge auf­geräumt werden.

* Stuttgart, 10. Nov. In der letzten Sitzung der württembergischen Centrumsfraktwn gedachte der Vorsitzende Gröber in bewegten Worten des verstorbenen Bischofs v. Linsen- mann, des ehemaligen Kollegen und Fraktions­genoffen. Wie es uns gefreut hat, so führte er nach dem .Deutschen Volksblatt' aus, daß Dom­kapitular von Linsenmann aus der Mitte der Fraktion zum Bischof erwählt wurde, so schwer hat uns der Schlag getroffen, als der Tod ihn dem Bisthum entriß. Was er als Kollege tm Landtag gearbeitet hat, das wird seitens des Präsidenten im Plenum gewürdigt werden. Uns war er mehr als Kollege; uns war er ein Frecknd. Für uns war es von besonderer Be­deutung, daß er als Vertreter des Domkapitels sich von Anfang an dem Centrum anschloß und zwar von ganzem Herzen. Er Hal mit ganzer Seele mitgearbeitet, sich mit einer Wärme, einem Eifer, einer Entschlossenheit und Raschheit in das Gebiet der politischen Fragen eingearbeitet, die staunenswerth waren, er hat mit einer Selbst­losigkeit an den Arbeiten der Fraktion theüge- nommen, die uns ein Beispiel sein kann. Wi^ls und diese widersprach nicht. Also vorwärts! Morgen ..."

„Nein," fiel ihm Hauber ms Wort, „es ist noch zu früh. Soeben kam mir ein neuer Ein­fall, und überdies ist die Zeit nicht geschickt, da Erdmann mit seinem Sohne, dem Grafen, Frei- Hofer und deffen Tochter übermorgen zum Oktober­feste reist. Du mußt auch dahin und zwar aus einem sehr wichtigen Grunde."

Er näherte seinen Mund dem Ohre Leonhards und raunte ihm einige Sätze zu. ,

Dieser lachte laut auf. „Du bist doch em Schlaumeier ohne Gleichen, Onkel," meinte er, „gegen den der weise Salomon als der reinste Pfuscher erscheint; das wird freilich eine köstliche Einleitung geben und für sie zu sorgen ist gar keine Kunst. Wenn mir der Zufall einen Strich durch die Rechnung machen sollte, bann schadet s auch nichts. Aber ich will sie schon in unsere Bude hineinbringen, die ohnehin auf die Aus­wärtigen eine große Anziehungskraft übt und das Weitere ergibt sich von selbst. Aber dann dürfen wir nicht mehr zögern. Kaller erklärte mir, wenn s nicht bald losgehe, stehe er für seine Kerle nicht mehr/'

Hauber versprach, daß dieser Wunsch erfüllt werden solle, und der Neffe ging wieder fort.

Freihofer mit Anna und Senzchen, der Bürger­meister, Oskar und Raimund, welche zur Fahrt nach der Bahn einen Wagen benützt hatten, trafen mit dem Morgenzuge in der bayerischen Residenz ein. Erdmann mußte seinen Ver­pflichtungen obliegen. Die übrige Gesellschaft aber begab sich nach der Thrrefienwiese, wohin sich bereits eine wahre Völkerwanderung in Be­wegung gesetzt hatte.