scheint täglich, x, Au-nahm- der Woxiu* und geier» nge. Bierteljährl. zeiugepreis ,hne Bringerlohn ,nd Bestellgeld in i »ulda und au?’
järtsIM.bvPs.
Znsemre: Die em- spalt. Garmond’ -eile oder Detur Raum 15 Pf., Re» Namen die Petit, teile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Radntt gewährt
25. JahrgMk»
Iuc-a, Donnerstag, den 10. November 1898.
Jli 257.
Druck und Verla« der Fuldaer Acnendrucker» peter»gaS« llr. i (Barmonie)
mit Unterhaltungs-Anlage „Iklustrirte Sonntags-Zeitung"
Noch immer
kann die ,Fuldaer Zeitung' bei der Expedition und allen Postanstalten für 1 Mark auf die Monate Ilovemver und Dezemöer bestellt werden.
Nur keine Vertrauensseligkeit!
Aus Berlin wird der,Köln. Volkszeitung' das Folgende geschrieben: Die,Post' meint angesichts der Kaiferreise nach Jerusalem, es habe sich dabei herausgestellt, daß die von „ultramontanen Heißspornen" genährten Besorgnisse der Katholiken, als ob sie „jemals von der evangelischen Mehrheit unseres Vater- .landes in irgend einem Pun kte vergewaltigt werden könnten, gänzlich leer und nichtig seien." Hat denn wirklich die,Post' sich innerlich so umgekrempelt, daß aus dem Saulus ein Paulus geworden wäre? Es ist noch nicht lange her, da war die,Post' die eifrigste Befürworterin der „Vergewaltigung der Katholiken". Den freikonservativen Fuchs in der Kutte, der so salbungsvoll zu reden weiß, möchten wir nur an die Rede des Superintendenten Meyer (Zwickau) auf der jüngsten Generalversammlung des Evangelischen Bundes erinnern, der unter dem donnernden Beifall der Versammlung ausrief: „Der Kulturkampf kommt wieder!"
Wenn die Katholiken solche „Zeichen der Zeit" vertrauensduselig übersähen, so verdienten sie die -Charakteristik, die Herr v. Miquel seiner Zeit den Konservativen für den Fall widmete, daß sie dem russischen Handelsverträge zustimmten. Stets in Wandelung ist der Himmelsbogen! Die Katholikenhetze ist zur Zeit nicht mehr modern; aber wie Ebbe und Fluch sich folgt, so werden auch die Bestrebungen wiederkehren, welche vor einem Vierteljahrhundert den größten Theil des protestantischen Deutschland in fanatischem Haffe gegen die katholische Kirche vereinten. Nur die Kurzsichtigen sehen das nicht ein, dieselben, welche damals meinten, der Kulturkampf werde niemals ein Ende nehmen, und die jetzt glauben, der kirchen-politische Himmel werde ewig mit neapolitanischer Bläue sein. Superintendent Mayer hat Recht: „der Kulturkampf kommt wieder!", -freilich nicht morgen oder übermorgen, jedenfalls aber, wenn eine neue Generation auskommt, die „nichts weiß von Pharao" — d. h. in unserem Falle: von den Erfahrungen und Lehren des Kulturkampfes. Heute wird man auch wegen der sozialdemokratifchen Gefahr und der Verwickelungen der internationalen Lage nicht so leicht daran denken, einen Krieg gegen die Katholiken vom Zaune zu brechen. Es sind | dem Schreiber dieser Zeilen aus dem Lager ein» j flußreicher Freunde des Evangelischen Bundes auch wiederholt Aeußerungen zu Ohren gekommen, 1 die etwa in folgenden Gedanken gipfelten: „Einen
Kulturkampf können wir erst wieder machen, wenn
Der letzte Trlev.
Kriminal-Roman von Max Benno.
। 17 ------- (Nachdruck verboten.)
Am folgenden Tage fand die feierliche Beisetzung der sterblichen Hülle des Grafen Ferdinand von Waldheim statt. Aus Nah und Fern erschienen Leidtragende, besonders aber aus Waldheim, wo der Verblichene sich durch seine Wohl- . thaten ein bleibendes Denkmal gesetzt hatte. Die । bittersten Thränen um den lieben Tobten ver- 1 goß Senzchen, aber auch Freihofer, Ottilie und Anna trauerten tief um den allzu früh aus dem | Leben geschiedenen wohlwollenden Herrn. Die Gruft nahm den reichgeschmückten Sarg auf. | Das Todtenamt wurde der vielen Theilnehmer wegen nicht in der kleinen Schloßkapelle, sondern in der Stadtpsarrkirche gehalten. Dann zerstreuten die Andächtigen sich.
Aus Oskar hatte dcr unerwartete Verlust ! einen sichtbaren Eindruck gemacht. Er war ernster geworden. Freilich traten nun Pflichten an ihn । heran, an welche er bis jetzt noch gar nicht I gedacht hatte. Er war nunmehr Majoraisherr und im Besitze nicht nur von Schloß und Gut Waldheim, sondern auch noch von einigen anderen .Herrschaftsgütern mit großem Komplex. Er fand sich auf diesem neuem Gebiete häufig kaum zurecht, und es erfüllte ihn mit großer Genug- thuung, daß ihm der Kastellan Anton Hauber, der als ein im Dienste ergrauter Mann so ziemlich in alle Verhältnisse eingeweiht war, mit । Rath und Thal an die Hand ging. Der Alte
wir uns alle sonstigen Bedrängnisse vom Halse geschafft haben, und das wäre nur der Fall nach einem siegreichen Kriege. Dann erst wäre es uns möglich, die Sozialdemokratie mit Gewalt niederzuschlagen und unsere Angelegenheiten mit der katholischen Kirche zu ordnen ohne ängstliche Seitenblicke auf Oesterreich, Frankreich oder den Papst." Vorher mit der katholischen Kirche Streit anzufangen, sei Wahnsinn.
Das ist die Logik in den Kreisen unserer Gegner, d. h. nicht bei den Wald- und Wiesen- Kulturkämpfern ä la Paul v. Hoensbroech u. s. w, die lieber heute als morgen anfingen, sondern bei denen, die mehr „staatsmännisch" denken und empfinden. Das ist nach unserer Ansicht die wahre Lage der Dinge, so daß wir auf den Gebrauch der Opium-Pulver der Post gern verzichten. Nur das eine wissen wir, daß man augenblicklich keinen Kulturkampf beginnen wird, weil, wie ein plattdeutsches Sprichwort sagt, der „Knüppel beim Hunde liegt". Weite Kreise möchten schon, aber man kann nicht.
Deutsches Deich.
Berlin, 9. November.
+ Weil das kaiserliche Aaar, wie schon berichtet, auf dem Seewege über Cadiz nach Deutschland zurückkehren wird, hat der spanische Botschafter am Berliner Hofe sich nach Cadiz begeben und der spanische Admiral Camara wird mit seinem Geschwader zum Empfange des kaiserlichen Paares dort eintreffen. Nachher soll die Fahrt durch den Atlantischen Ozean und die Nordsee gehen, so daß das kaiserliche Paar voraussichtlich gegen Ende dieses Monats wieder in Deutschland ein treffen wird.
0 Herr Reichsgerichtsrath Späh« ist, wie bekannt, in Aachen zum Mitglieds des preußischen Abgeordnetenhauses wiedergewählt worden, obwohl er mitgetheilt hatte, daß er keinen Urlaub bekommen werde, um dieses Mandat auszuüben. Nach vollzogener Wahl hat Herr Reichsgerichtsrath Spahn das Gesuch um Urlaub erneuert, ist aber wiederum abschlägig beschieden worden. Dagegen, daß Herr Reichsgerichtsrath Spahn ein Mandat zum Reichstage annehme, Jjat niemand etwas einzuwenden gehabt. Herr Spahn könnte also, da er als Mitglied des Reichstages während der Tagung des preußischen Landtages, oder doch jedenfalls während des größten Theiles derselben, ohnehin in Berlin weilt, auch ohne besondern Urlaub an den Berathungen des preußischen Abgeordnetenhauses theilnehmen. Deswegen erscheint die Urlaubsverweigerung als eine recht kleinliche. Maßregel. Aber sie entspricht der bisherigen Gepflogenheit, einem Mitglieds des Reichsgerichtes keinen Urlaub zu gewähren für die Ausübung eines Mandates in einem Einzellandtage. Auch Graf Caprivi soll — so lheitt ein Leipziger Blatt mit — einem Mitgliede des Reichsgerichtes erklärt haben, das sich in einen Landtag wählen lassen wollte, er werde zu diesem Zwecke niemals Urlaub ertheilen. Hier in diesem Falle erscheint die Verweigerung trotz all-r bureaukratischen Ueberlieferungen außerordentlich kleinlich; denn was macht es für das Reichsgerichts aus, wenn ein Mitglied desselben mit Urlaub für den
wurde für ihn geradezu unentbehrlich und er verkehrte täglich in vertraulichster Weise mit ihm.
Der junge Graf kehrte vorerst nicht mehr an die Hochschule nach München zurück. Dagegen reifte Raimund, da die Ferienzeit obgelaufen war, dahin ab. Er gedachte jedoch nur noch ein Semester zu bleiben, um sich dann im Vaterhause auf die erste Staatsprüfung vorzubereiten, welche im nächsten Herbste stattfinden sollte.
IV.
Schon mehr als einmal waren die Kränze und Blumen, welche Senzchen auf den Sarg des Grafen Ferdinand von Waldheim niedergelegt hatte, verwelkt. Die schmerzliche Wunde, welche ihr der Tod des alten Mannes geschlagen, begann zu vernarben und ihre Munterkeit kehrte allmählich zurück.
Auch Oskar, hatte seine frühere Lebhaftigkeit wieder gefunden, nachdem die Ordnung des Nach- laffes zu Stande gebracht war. Dies verdankte er nicht zum wenigsten der Beihilfe Haubers, und man brauchte sich nicht zu verwundern, daß die Aufopferung und Ergebenheit des alten Mannes bei ihm volle Würdigung fand. Der Kastellan hatte ihn auch auf den geheimen, in die Mauer eingelasfenen Schrank aufmerksam gemacht, dem er bis dahin noch nie Beachtung geschenkt hatte.
Da man den Schlüffe! nicht ausfinden konnte, mußte ein Schlosser den Schrank öffnen. Etwas besonderes enthielt er jedoch nicht. Einige alterthümliche Bilder, die nur für einen Sammler oder Liebhaber Werth haben mochten, einen Brillantring, in deffen Vertiefung sich eine blonde
Reichstag * ohnehin in Berlin weilt und dann auch an den Arbeiten des preußischen Landtages theilnimmt? Für das Reichs gericht kann das thatsächlich keine Bedeutung haben, denn fein Mitglied kann ohnehin während seines Urlaubes zum Reichstage an den Arbeiten des Reichsgerichtes nicht theilnehmen. Der Urlaub zum Reichstage muß aber gewährt werden, so bestimmt ganz unzweideutig die Reichsverfassung. Auch ist die in einigen Blättern aufgestellte Behauptung nicht richtig, es sei nicht üblich, daß Reichsgerichtsräthe parlamentarische Mandate annähmen und ausüben. Die Erfahrung lehrt das Gegentheil. Mindestens schon vier Mitglieder des Reichsgerichtes haben dem Reichstage angehört, oder das Mandat, das sie schon hatten, wieder nach ihrer Ernennung zum Reichsgerichtsräthe angenommen; und außerdem haben wir andere Räthe, die fortgesetzt Urlaub erhalten für die Ausübung eines Doppelmandates. Man braucht nur an den bekannten Geheimrath von Zedlitz zu erinnern. Diesem ist der Urlaub für seine beiden Mandate noch niemals in Frage gestellt worden. Man darf wohl mit Recht ver- muthen, daß Herr Spahn es verschmähen wird, ein Mandat auszuüben, wozu ihm der Urlaub fehlt. Aber damit wird hoffentlich dieser Fall noch nicht erledigt sein. Da die Regierung augenscheinlich hier nur zur Wahrung eines Grundsatzes Herrn Spahn den Urlaub zum preußischen Landtage verweigert, so mußte es ja der Regierung selbst nur angenehm sein, wenn dieser Fall auchimParlamenteeine ausgiebige grundsätzliche Beleuchtung erführe. Namentlich im Centrum ist sicherlich der Wunsch sehr lebhaft, ein so hervorragendes Mitglied wie Herrn Reichsgerichtsrath Spahn auch im preußischen Abgeordnetenhause in seiner Mitte zu sehen.
ff Mit Recht haben wir an dieser Stelle die Mittheilung als bestätigungsbedürftig bezeichnet, daß in Danzig bereits die Vorbereitungen getroffen würden zur Errichtung eines Kriegs- Hafens. Augenscheinlich auf Anregung von amtlicher Stells hin wird dieser Mittheilung widersprochen: dieselbe sei nicht richtig, oder doch mindestens sehr verfrüht. Daß für eine spätere Zeit derlei Pläne in Erwägung gezogen wurden, ist aber gar nichts Neues mehr.
h Die Amerikaner fühlen sich schon wieder einmal durch ein deutsches Kriegsschiff beleidigt. Der deutsche Kreuzer „Irene" soll am letzten Sonntag bei seiner Einfahrt in den Hafen der Philippinen-Hauptstadt Manila das Schiff des Admirals Dewey nicht salutirt haben. Angeblich soll die Regierung der Vereinigten Staaten amtliche Schritte in dieser Sache ergreifen wollen. Vermuthlich wird aber der ganze Fall sich schließlich ebenso in Wohlgefallen auflösen wie der voraufgegangene ähnliche Fall.
x Aus industriellen Kreisen war die Annahme laut geworden, daß „die Reichsregierung nicht daran denke, sich und den Wirthschast- Üchen Ausschuß in der nächsten Zeit mit der Aufstellung eines ankonomen Zolltarifs zu beschäftigen". Diese Annahme ist nach einer halbamtlichen Mfitheilung Der ,Nordd. Allgern. Ztg.' durchaus irrthümlich. Die Rcichs- ressorts und die Bundesregierungen sind vielmehr, Haarlocke befand und eine nicht unbedeutende Summe in Gold.
In dem „Schwert" verkehrte Oskar fast täglich, hielt sich aber nie lange auf. Es fehlte ihm an paffender Unterhaltung. Raimund befand sich immer noch in München und Senzchen auf Besuch bei einer Freundin, die mit ihr längere Zeit bei den frommen Schwestern im Kloster zugebracht hatte.
Eines Tages machte er sich wieder von dem Albeitszimmer Haubers aus, mit dem er eine Viertelstunde geplaudert, auf den Weg nach dem „Schwert".
Der Kastellan schaute ihm nach, bis feine schlanke Gestalt zwischen den mit frischem Grün bedeckten Lauben verschwand.
Dann öffnete er ein Fach seines Schreibtisches und nahm einen Schlüssel heraus.
Er betrachtete ihn.
„Leonhard ist doch ein ganzer Kerl," murmelte er, „hat mir da ein Werkzeugchen angefertigt, das, obgleich ich ihm nur einen Wachsabdruck sandte, genau seinem Zwecke entspricht. Wie ich soeben von dem Herrn Grafen erfuhr, kommt Raimund nach vierzehn Tagen hierher zurück und geht vorerst nicht mehr fort. Nun ist es Zeit. Nun wollen wir das Netz auslegen und ich bin sicher, daß keiner seinen Maschen entrinnt."
Er begab sich nach oben. Vorsichtig schaute er sich um. Dann trat er auf den Zehenspitzen zu einer Thüre, brachte den Schlüffel zum Vorschein und öffnete. Hastig schlich er in den Raum und druckte fast geräuschlos die Thüre ins Schloß.
Er befand sich in einem hübsch ausgestatteten Zimmer, lieber den gewöhnlichen Möbeln hingen
dem genannten oberosfiziösen Blatte zufolge, „in lebhafter, mit Nachdruck geförderter Erörterung über den bereits ausgearbeiteten Entwurf zu einem Tarifschema begriffen, und es läßt sich hoffen, daß das Gutachten des Wirth- schaftlichen Ausschusses in nicht ferner Zeit wird eingeholt werden können".
-f- Die schlesische Landwirthschaftskammer hatte sich kürzlich in einer Erklärung dahin ausgesprochen, daß die Uereiuiguug des ge- sammleu Wasseröauwesens in Preußen in einer Hand ein dringendes Bsdürfniß sei. Die genannte Körperschaft hatte als dis allein richtige Lösung die Angliederung des Wafferbauwesens an das Ministerium der Landwirthschaft empfohlen und sich damit ebenfalls an d«r lebhaften Auseinandersetzung beteiligt, die die öffentliche Meinung schon seit längerer Zeit beschäftigt. Mehrere kaufmännische Körperschaften, so nämlich die „Aeltesten der Kaufmannschaft" in Berlin, sind mit Erklärungen gegen den Anschluß des Wasserbauwesens an das landwirth- schastliche Ministerium hervorgetreten. Im Der« wichenen Sommer hat sich auch das preußische Staatsministerium in einer langen Sitzung mit dieser Frage beschäftigt; aber damals hieß es dann, diese Sitzung habe nicht zu bestimmten Ergebnissen geführt. Inzwischen scheinen sich auch innerhalb der preußischen StaatsregierungdieAnsichten geklärt zu haben. Wenigstens vertheidigt die oberoffiziöse ,Nordd. Allg. Ztg.' die Forderung der schlesischen Landwirthschaftskammer gegen die Angriffe der linksliberalen Preffe als einen „ruhigen, maßvollen und vom Standpunkte der berechtigten Interessenvertretungen vollauf erklärlichen Ausdruck der Landwirthe". lieber die Frage selbst bemerkt das genannte Regierungsblatt, daß diese den preußischen Landtag „vermuthlich in gewissem Zusammenhangs mit der zu erwartenden großen K a n a l v o r l a g e" beschäftigen werde, wobei „es sich dann Herausstellen dürfte, inwieweit die Regierung die Auffassung der Landwirthe theilt". Die Ansichten der Regierung über diesen Punkt erfährt man also noch nicht. Vielleicht ist der Schluß nicht unberechtigt, daß auch innerhalb der Regierung noch nicht alles über die Behandlung dieser Frage feststeht. Die große Kanalvorlage soll ja auch den preußischen Landtag nach den letzten halbamtlichen Mittheilungen darüber in seiner nächsten Tagung aller Wahrscheinlichkeit nach noch gar nicht beschäftigen.
□ Eine besondere Aefleueruug der Waareuyäuser gehört zu den Fragen, die gegenwärtig in ganz Deutschland lebhaft erörtert werden. Im preußischen Abgeordnetenhause hat sich im letzten Frühjahre, wie man ja weiß, eine große Mehrheit für eine solche besondere Besteuerung ausgesprochen, und die meisten Redner aus den Reihen der Konservativen und des Centrums traten dabei für eine Besteuerung durch den Staat, wenn nicht gar für eine einheitliche Besteuerung durch das Reich ein. Herr Minister v. Miquel war von jeher anderer Ansicht darüber. Dieser will die Besteuerung der Waarenhäuser usw. den Kommunen überlassen wissen. Jetzt scheint man einen Mittelweg beschreiten zu wollen, der beiden Anforderungen gerecht ein paar Dutzend Photographien von Studenten an den Wänden umher, etliche lange Pfeifen, ein Cereviskäppchen und im Hintergründe war ein Bücherschrank ausgestellt.
Auf diesen ging Hauber zu und musterte ihn. Er zog eine Schublade und schaute hinein. Jenes scharfe Zischen kam zwischen den bärtigen Lippen hervor, das er regelmäßig ausstteß, wenn er sich in befriedigter Stimmung befand. Der Behälter war fast bis an den Rand mit Briefen gefüllt.
Der Kastellan nahm einige heraus. Nach wenigen Sekunden hielt er das, was er suchte, schon in der Hand. Es war ein Schreiben aus München mit neuestem Datum. Hauber zog den Briefbogen aus dem Couvert und schaute nach der Unterschrift: Sie mußte seiner Erwartung entsprechen, denn er schob den Brief in die Tasche, legte die übrigen wieder an ihren vorherigen Platz und kehrte ebenso vorsichtig und geräuschlos, wir er gekommen, in fein Zimmer zurück.
Hier setzte er sich und begann zu schreiben. D,e Feder flog über das Papier; alle vier Seiten des Bogens wurden gefüllt.
Dann verschloß er seinen Brief und denjenigen, welchen er der Schublade entnommen, in ein Couvert und setzte unter der Bezeichnung „Einschreiben" die Adresse darauf: Leonhard Bräuning per Adresse Isidor Munkwitz. Akrobat in München, Marien platz.
Er trug den Brief selber zur Post, nahm den Schein in Empfang und schlug wieder den Weg nach dem Schlosse ein.
Zur gleichen Zeil befand sich der Adressat dieser augenscheinlich wichtigen und eiligen Sen-