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* Hrtenöerg, 8. Noo. Der sogenannte „kalte Markt", der in der abgelaufenen Woche hier abgehalten wurde, erfreute sich diesmal eines sehr starken Besuches. Nahezu 1100 Pferde und Fohlen, darunter prächtige Acker- und Reitpferde, waren aufgetrieben. Es wurde bezahlt je nach der Qualität für Fohlen bis 400 Mark, für Pferde bis 900 Mark. Ferner waren etwa 1800 Stück Rindvieh und gegen 1100 Schweine aufgetrieben, welche größtentheils abgesetzt wurden und durch­schnittlich gute Preise erzielten. Je nach Qualität kosteten junge Rinder bis 120 Mark, zweijährige Rinder 150 bis 200 Mark und frischmelkende Kühe 300 bis 400 Mark; Ferkel wurden bis 60 Mark das Paar, Läufer bis 80 Mark per Stück verkauft. Auch Der Krämermarkt war außerordentlich besucht.

Vermischtes.

• Aök«, 8. Nov. Wegen unlauteren Wett­bewerbs verurtheilte das hiesige Schöffengericht eine bedeutende Firma zu 1000 Mk. Geldstrafe, weil sie einen Ausverkauf 'zu ermäßigten Preisen dadurch gefälscht hatte, daß sie während des Ausverkaufs noch fortwährend neue Maaren bezog. Der Charakter des Ausverkaufs war also damit hinfällig geworden.

(*) Klein« Wachrichten. Dortmund. Bonden auf der Zeche Borussia schwer verletzten Bergleuten sind noch vier gestorben, im Ganzen haben nun sieben durch die Explosion das Leben eingebüßt. — Mainz. Hier wurde ein angeblicher Amerikaner ver­haftet, der einen schwunghaften Mädchenhandel nach dem Auslande betrieben haben soll. Der angebliche Amerikaner soll aus Bayern stammen; er hat sich früher unter dem Namen Laber in Süddeutschland umherge­trieben. (Neueren Meldungen zufolge wurde Laber wieder freigelassen). —Weißstein. Ein Motorwagen der elektrischen Straßen bahn fuhr auf den vollbesetzten Hinterperron eines Sommer-Anhängewagens. Zwölf Personen wurden verletzt, zum Theil schwer. — Petersburg. JnBrand geriethenaufdemDnjepr zwei mit Petroleum beladene Fahrzeuge. Zwei Per­sonen sind in den Flammen umgekommen, drei haben schwere Brandwunden erlitten. — Ostende. Bei dichtem Nebel stürzte ein Wagen mit vier Personen, welche einen Ausflug machen wollten, in's Meer. Drer Personen sind ertrunken, nur ein junges Mädchen konnte gerettet werden. — Marseille. Der Bene­diktiner-Pater Ganthey, Oberer des Klosters der Benediktiner in Marseille, wurde von einem Italiener, Namens Antonii durch zwei Stiche mit einem Stockdegen ermordet. Der Thäler wurde verhaftet. Er ist 36 Jahre alt und erst seit 14 Tagen in Marseille anwesend. Man glaubt es mit einem Irrsinnigen zu thun zu haben. — Augsburg. Daß man beim Bleistiftspitzen vorsichtig sein muß, beweist wiederum nachstehender Fall: Der Gymnasial - Schüler Friedrich Stocker von hier hatte sich beim Bleistiftspitzen in den Daumen der rechten Hand geschnitten, dabei aber auch zu gleicher Zeit etwas Graphit in die Wunde gebracht. In Folge dessen trat Blutvergiftung ein und jetzt mußte dem Knaben der Daumen abgenommen werden. — Iserlohn. Als ein Fabrikant eine Weinflasche entkorken wollte, zersprang die Flasche und die Scherben bohrten sich dem Manne derart in die linke Hand ein, daß diese voll­ständig zerfleischt wurde. An vier Fingern wurden

die Sehnen vollständig zerschnitten, so daß zwei Aerzte mehrere Stunden beschäftigt waren die nöthigen Opera­tionen vorzunehmen, ehe der schreckliche Schmerzen aus­stehende Herr in seine Wohnung gebracht werden konnte Augenscheinlich war die Flasche gesprungen, bevor sie geöffnet wurde: wiederum eine Mahnung, beim Ent­korken der Flaschen recht vorsichtig zu sein. — Ham­burg. Als verschollen gilt derStahldampser„Char­les Steels", Kapitän Peet, welcher am 16. Oktober d. I. mit 1500 Tons Kohlen von Leith nach Hamburg abging und bisher hier nicht eingetroffen ist. Der Dampfer ist zweifelsohne mit seiner ganzen Besatzung (20 Mann) den Oktober - Stürmen in der Nordsee zum Opfer gefallen. — Raboldshausen (Kreis Homberg). Das dreijäh­rige Söhnchen eines Maurers zu Mühlbach stach sich mit einem Messer, das man ihm gelassen hatte, so un­glücklich in den Kopf, daß es an den Verletzungen st a r b.

* Der «eugewähtte preußische Landtag wird hoffentlich des Humors bei seinen Sitzungen nicht ganz entbehren. Findet sich doch ein Schelm in der Menge, der durchaus nicht Ernst sein Will, und den Hesse, den Boehm, denKosack und Mohr gern aufs Korn nimmt. Er greift in der Hitze von Mücken um­schwärmt, gern zum Seidel, und man hört ihn allerlei Munkeln über den Ring der Hofmänner und die Repräsentanten der Landwirthschaft, den Feldmann und den Neubauer, den Weidenhofer, den Hirt und Fischer. Das Handwerk vertreten ein Schneider von Roeren, ein Schmidt, der auch Dietriche fertigt, was ihn mit dem Richter und dem Stock­mann in unangenehme Berührung bringt, se ner ein Sattler und ein Beinhauer, der Knochen zu H o r n fachen verarbeitet. Neben den C h r i st e n begegnen wir auch einem Heyden, der sogar seinen Götzen mitgebracht, als Gegensatz dazu, der besonderen Weihe halber, selbst einen Engelmann, der keine Schuld hat, wenn trotzdem das Opfergeld recht Knapp ist und nur aus einem Schilling und einem Dreyer besteht. Zwei Krieger und ein Hauptmann mit ihren De gen folgen dem Heereman, wie einst dem Pappen- heim seine Dragoner. Die Wissenschaft ist nur durch ein einziges Buch repräsentirt, die Literatur durch einen Arndt, Gleim, Lewald u. s.w. Vertreterderedlen Kunst des Gesanges sind ein Liedermann und ein Sänger, die im Zweifel sind ob der Kritiker ihrem Schall ein Lobmann oder ein böser Geisler sein wird. Ein Krämer, dessen Geschäft den Krebsgang geht, vertritt den Handel, ein Schaffner den Verkehr, ein H a u s m a n n das Dienstpersonal. Zwei Seher eröffnen uns den Ausblick in die Znkunft und lassen hoffen, daß der neue Landtag verstehen wird, was dem Volke frommt und es verschonen wird mit einer Kuhr a la Eisenbart.

* (Stn angenehmer Wiekher. In der,Elbinger Zeitung' entdeckte die.Tägliche Rundschau' das folgende prachtvolle Inserat: „Sofort bei guter Preiszahlung gesucht ein möblirtes Zimmer, mit oder ohne Pension, wenn möglich in der Nähe der K'schen Fabrik. Bedingungen: Der gesummte Verkehr mit den Wirths- leute erstreckt sich auf das Wünschen der Tageszeit und die nothwendigsten Worte, welche mit den Wohnungs­verhältnissen in direktem Zusammenhänge stehen. Weitere Annäherung resp. Belästigung und widerlich an­schmeichelnde Titulatur und Namensverdrehung werden durchaus verbeten."

* Das Glück ist blind. Ein Gewinn von 50000 Mark ist in der jetzt stattfindenden Ziehung der preußi­schen Klasfenlotterie einem Schöneberger — Millionär zugefallen, und zwar dem Schlächtermeister H., der ein Vermögen über 10 Millionen Mark besitzen soll. H. ist besonders in Alt-Schöneberg eine allgemein be­kannte Persönlichkeit, denn täglich kann man ihn mit

der weißen Schlächterschürze vor seinem Geschäft stehen sehen, während seine jFrau die Kunden eigenhändig mit bedient.

• (Sitte eigenartige Weberraschung hatte der Badewärter einer Hamburger Badeanstalt. Als er Abends gegen 11 Uhr die Badewannen nachsah, um zu schließen, fand er in der einen Wanne einen Mann im Wasser aufrecht sitzend und laut schnarchend vor. Der Betreff sende war Nachmittags gegen 2 Uhr in die Badeanstalt gekommen und hatte wegen „schwerer Erkältung" ein recht heißes Bad gewünscht. Als der Wärter den Schla­fenden weckte, bestellte dieser schlaftrunken „noch 'ne Runde". Der Wärter wußte nun sofort, was dem Gast fehlte; er animirte ihn, das kalt gewordene Bao schleu­nigst zu verlassen, und war ihm dann beim Ankleiden behilflich. Die „schwere" Erkältung war die Folge eines ausgedehnten Frühschoppens.

* Mei« Aut. Man schreibt dem ,Berl. Tagebl.': Gestern las ich, auf einer einzigen preußischen Eisen- bahnsirecke seien in einem Jahre tausendHütevonPasfa- giren gefunden worden. Ob sie alle vergessen waren? Es gibt nämlich auch eine Spezies Hüte, das ist der „liegen lassen gewordene Hut". Es ist ein Hut, der auf der Reise dermaßen altersschwach geworden ist, der so „mitgenommen" ist, daß man ihn selbst nicht mehr mit­nehmen will. Aber die Möglichkeit, daß sich unter jenen tausend Hüten auch eben diese Abart in vielen Exemplaren vorfindet, ist nicht groß. Denn einen solchen Hut bekommt man immer wieder. Gleich einem treuen Hunde findet er die Fährte des Herrn und heftet sich an seine Sohlen, wie man ihn auch mißhandeln und verleugnen mag. Es war in diesem Herbst in Kopen­hagen, der letzten Station einer größeren Reise. Ich machte Inventur: kein Geld mehr, ramponirte Sachen, darunter außer einer Reisemütze, die den Strapazen noch am besten getrotzt hatte und sich noch in guter Kondition zeigte, noch eine zweite Kopfbedeckung, ein einst weiß gewesener und nun in Ehren grau gewor­dener Hut. „Ich fahr' ab," sagte ich, „Du aber kannst hier im Hotel bleiben. Leb wohl!" Ich legte ihn, da­mit er wenigstens recht weich liege, auf das Sopha des Hotelzimmers und ging zur Droschke, um zum Bahnhof zu fahren. „Hüh!" sagte der Kutscher, „Halt!" schrie der Hotelpiccolo, „der Herr haben etwas vergessen!" Keuchend kam das Zimmermädchen mit dem Hut; ich nahm ihn und gab ihr dann noch dreißig Oere Vielleicht hat der Droschkenkutscher einen Jungen mit meiner Kopfweite — den Hut lass' ich im Wagen und mach' den Mann glücklich. Wie ich dann im Koupeejsitze, stürzt der Mann, mit Schweiß übergossen und den'Hut wie eine Fahne schwenkend heran: „Hier, hier!" schreit er und fügt eine längere Rede in Dänisch bei, die ich nicht verstehe, von der ich aber genau weiß, daß das Wort Finderlohn darin vorkommt. Mit Zähneknirschen nehm' ich das Ding', werfe es in das Gepäcknetz und sage: „Da bleibst Du liegen bis Du schwarz wirst. Ich steige in Gjedser aus, Du nicht!" — Soll ich Ihnen noch mehr erzählen? In Gjedser wurde mir das Mon­strum in das Zollbüreau nachgeschleppt, so daß die Zoll­beamten mich mißtrauisch ansahen, ob ich den Hut, der irgend welcher Schmuggelwaare zur Attrape diente, nicht mit Absicht ihren Augen hätte entziehen wollen. Ich nahm den Hut und warf ihn auf die Landungs­brücke, eh' ich das Schiff nach Warnemünde bestieg. Es war Nacht, als diese zweistündige Seereise vor stch ging. Ich stieg in die Kajüte und schlief ein, als eine dröh­nende Stimme mich weckte, ob einer der Herrn vielleicht beim Besteigen des Schiffes seinen Hut verloren hätte. Ich wollte thun, als ob ich von nichts wüßte; da sagte einer der Mitreisenden, der im Zollbüreau neben mir gestanden hatte: „Aber natürlich, dem Herrn da gehört er!" Da hatte ich ihn wieder, den lieben Hut. In Warnemünde brachte man ihn mir aus dem Bahnhofs­

restaurant nach an den Zug nach Berlin. Endlich machte ich glatten Tisch. Gegen Morgen, als wir uns Berlin näherten, warf ich ihn zum Kupeefenster hinaus. Nun flog er, Gott fei Dank, weit weg. Hohnlächelnd beugte ich mich Hinaus und sah ihm nach. Da kam ein Windstoß und riß mir meine schöne Reisemütze vom Kopf. . .

LirchenkalenLer.

Donnerstag, 10. Nov. AndreasAvellinus, Bekcnner. Der hl. Andreas war geboren zu Castro Nuovo in Unteritalien; er wurde Priester und trat später in den Theatiner-Orden ein, wo er sich durch strengen Bußeifer und Frömmigkeit auszeichnete, bis er hochbetagt im Jahre 1608 starb.

Grfchichtt-AMe«^

10. November.

1483 Martin Luther geboren.

1759 Friedrich v. Schiller geboren.

1859 Friede zu Zürich zwischen Frankreich und Oesterreich.

m Metter-Be«t»»cht«»ssK»

9. November.

Urmperatnr 6 llhr Abend?: 2,0° (Self., 1,6" Rdaum

, 71 /« „ Morg.: 0,0° „ 0,0 .

, 12 , Mittags: 4,5" , 8,6 .

Die höchste Temperatur deS gestrige« Tages betrug 7,50 Celsius (6,00 RSaumur).

Die niedrigste Temperatur in vergant-ene Nacht betrug —0,5 ° Celsius (—0,4° RSaumur).

Witterung-.Urderficht der Deutschen Keewartr ' m 8. November, mitgetheilt dem Deutschen ReichSanzeize

Das Hochdruckgebiet hat sich ostwärts nach dem westlichen Rußland verschoben, während über Irland das Barometer wieder stark gestiegen, im hohen Norden stark gefallen ist. Bei schwacher südöstlicher Luftströmung und nahezu normalen Wärmeverhältnissen ist das Wetter in Deutschland heiter und vielfach neblig, sonst trocken; an einzelnen Stationen haben Nachtfröste statt­gesunden, welche sich demnächst wiederholen dürften.

Barometerstand Mittags 12 vhr

am 8./11. am 9./11.

Sehr trocken Beständig

Schön Veränderlich

Regen (Wind) Biel Regen Sturm

770—fH 760—Üi

750—W 740—W 730—m 720__||| 710_JÜl

1 ±=—770

.760

750

.740

.730

.720

710

Muthmaßlichr Witterung für den 10. November: Trübe, kalt.

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Fulda, am 7.Novbr. 1898.

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Fulda, am 21. Oktob. 1898.

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