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Fuldaer MZeituna

OerantwortUch: Siir di« Redaktion Jof. Sann, für Inserate I. parzeller in Snlda.

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mit Anlerßaklungs-Meilage „Mustrirle Sonntags-Zeitung" plierrgaAe Nr. - (Harmonie).

JuLöcl, Mittwoch, den 9. November 1898.

25. Jahraank*

Millionen Mark Mehrausgaben zu rechnen sein."

X In vollkommenem,Widerspruche stehen die Meldungen zu einander über die Frage, ob in den Kreisen der verbündeten Regierungen der Gedanke eines neuen Ausnahmegesetzes gegen Nmstnrz-ZKestrevnnge» im Ernste erwogen werde oder nicht. Von Baden her wird behauptet, es sei so; von einer halbamtlichen Seite in Berlin wird das Gegentheil als wahr angegeben, und nach der nationalliberalen ,National-Zeitung' soll „innerhalb der Regierung von keinem anderen gesetzgeberischen Plane die Rede gewesen sein, als von der Verschärfung der Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung zum Schutze der Arbeits­willigen gegen Streik-Terrorismus". Diese letzte Angabe könnte zutreffen, ohne daß jene andere Behauptung falsch zu sein brauchte. Denn es würde auch die Möglichkeit vor­liegen, daß man an die Ausarbeitung eines eigentlichen Entwurfes für ein neues Ausnahme­gesetz noch nicht herangegangen ist, daß aber die Absicht besteht, derlei doch noch zu unternehmen. Immerhin ist es schwer zu glauben, daß die ver­bündeten Regierungen sich in einer Täuschung be­finden sollten über die Aussichtslosigkeit eines solchen Gesetzentwurfes; und vor allen Dingen würde man doch die Ergebniffe der Konferenz gegen den Anarchismus abwarten wollen, ehe man an die Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage in diesem Sinne heranginge, wenn man solche Absichten wirklich hegen sollte.

0 Die Novelle znnr Zuvakidiläls- ««d AtterverstHeruugs-chesetze hat wieder einmal einen unerquicklichen Streit hervorgerufen zwischen Berliner und Münchener Offiziösen; und auch in diesem Falle muß man leider, wie auch früher schon, die unliebsame Thatsache verzeichnen, daß ein Berliner Offiziosus gegen einen Bayern sich einer Anmaßung in der Tonart bediente, die durchaus zu tadeln und zu bedauern ist. In der Berliner Militärischen und Politischen Korre- spondenz' wurde berichtet, Bayern sei dieser No­velle sehr wenig geneigt; und so wurde hinzu­gefügt, die „bayerische Handhabung der sozialpolitischen Gesetze könnte näher untersucht" werden, wenn die „Münchener Regierung es sich einfallen lasse, den Re­formbestrebungen des Staatssekretärs Graf Posadowsky ernstlichen Widerstand ent­gegen zu stellen." In Bayern ist man natürlich die Antwort nicht schuldig geblieben. Die mini­sterielle ,Ausburger Abendztg/ erwidert, die An­zapfung der genannten Berliner Korrespondenz sei albern und unverständig; albern, weil Bayern sich nicht ins Bockshorn jagen lasse, und unverständig, weil ja das Reich es ist, das auf die pflichtmäßige Handhabung der sozialpolitischen Gesetze achten muß. Sachlich interessant sind alsdann einige Mittheilungen der .Augsburger Abendztg/. Danach ist die Novelle erst vor drei Wochen dem Bundesrathe zugegangen. Dieselbe müßte aber einer sehr genauen Prüfung unter­zogen werden, denn die Berechnungen, die der Novelle zu Grunde liegen, sind dem Bundes­rathe erst am 4. November zugegangen, und diese Berechnungen stammen von demselben Beamten, der vor 10 Jahren die entsprechenden Berech­

nungen für das jetzt giltige Hauptgesetz gemacht hatte. Die Erfahrungen haben nun aber gezeigt, daß diese Berechnungen in wesentlichen Punkten wenig zutreffend waren, und somit zieht die ,Augsb. Abendztg/ den sehr richtigen Schluß, daß den neuen Berechnungen gegenüber erhöhte Vor­sicht geboten ist. Bayern, so bemerkt die,Augsb. Abendztg/, wird erst seine acht Versicherungs­anstalten hören, ehe es über seine Stellung zu der neuen Novelle Beschluß faßt.

+ Zu den Vorlagen, die dem Reichstage im Laufe seiner ersten Tagung zugehen werden, soll bekanntlich ein Gesetzentwurf über den Schutz der Angestellten im Kandeksgewerve ge­hören. Es wurde bereits angedeutet, daß die Vorlage weder Bestimmungen enthalten werde über eine einheitliche Stunde des Ladenschlusfes, noch auch Anordnungen über die höchstens zu­lässige Arbeitszeit an einem Tage. Nicht unberechtigt war die Frage, welcher Art denn nun eigentlich der Schutz sein solle, der den An­gestellten im Handelsgewerbe zu gewähren sei. Scha­blonenhaft kann sicherlich nicht vorgegangen werden; aber jene Andeutungen darüber, was der Ent­wurf nicht enthalten solle, klangen doch gar zu dürftig. Jetzt berichtet die ,Nationalliberale Korrespondenz', daß die Vorlage vor allen Dingen gegen die ordnungswidrige Aus­beutung der Angestellten Vorkehrungen und namentlich Schutzbestimmungen enthalten soll für die jugendlichen und weiblichen Arbeiter im Handelsgewerbe. Aber einen richtigen Begriff von dem beabsichtigten G setzentwurfe erhält man auch dadurch noch nicht.

X Bemerkenswerth ist eine Berliner Meldung eines Hamburger Blat!es, des ,Hamburger Korrespondenten', über die Stellung des Reichs­kanzlers Fürsten zu Hohenlohe zu der Frage der Nereins-chesetzgeömg. Darin wird die Vermuthung ausgesprochen, daß Fürst zu Hohen­lohe persönlich nicht auf dem Standpunkte der vorjährigen Vereinsrechts-Novelle des Ministers v. d. Recke stehe, und namentlich nicht durch die Einbringung dieser Vorlage sein dem Reichs­tage gegebenes Versprechen über die Auf­hebung des Verbindungsverbotes für politische Vereine erfüllt habe. „Vielleicht — so äußert sich die Meldung des genannten Hamburger Blattes — entschließt sich der Bundesrath noch dazu, die Frage endgiltig für das ganze Reichs­gebiet durch ein Reichsgesetz zu regeln. Wenn wir nicht irren, liegt in dem Bundesrathe der letzte dahingehende Beschluß des Reichs­tages noch vor; wenigstens ist von seiner Ab­lehnung nichts bekannt worden." Gemeint ist der Be­schluß des Reichstages vom 20. Mai 1897. Damals nahm der Reichstag entgegen der Vorlage des Ministers v. d. Recke im preußischen Landtage einen aus der Mitte des Hauses eingebrachten Antrag an, wonach „inländische Vereine jeder Art miteinander in Verbindung treten dürfen. Entgegenstehende landesgesetzliche Be­stimmungen sind aufgehoben". Jene Mittheilung des ,Hamb. Korr/ macht den Eindruck, als ent­stamme sie Berliner Regierungskreisen; und sehr mit Recht macht gleichzeitig die freisinnige,Voss. Ztg/ die Bemerkung, der beste Weg für den Reichskanzler, sein Versprechen einzulösen, würde

'M 256.

G Neuwahlen in den Vereinigten Staaten.

Der 8. November hat diesmal für die Ver­einigten Staaten von Nordamerika eine ganz be­sondere Bedeutung. An diesem Tage mußten Neu­wahlen in großem Umfange vorgenommen werden. Erstens galt die Neuwahl sämmtlicher Mit­glieder des Repräsentanten-Hauses, d. h. der"zweiten Kammer in der gemeinsamen parla­mentarischen Volksvertretung der Vereinigten Staaten'in Washington. Zweitens mußte in 33 von den 45 Staaten das kleine Parlament frisch gewählt werden, das jeder Staat für sich besonders hat, ebenso etwa wie bei uns in Deutschland jeder^Buudesstaat^'seinen eigenen Landtag hat. Von "düsen Einzelparlamenten werden alsdann die Mitglieder des Senats gestellt, also der ersten Kammer in der gemeinsamen parlamentarischen Volksvertretung der Vereinigten Staaten. Und endlich drittens hatten 14 der 45 Staaten neue Gouverneure^ zu^wählen.

In den Vereinigten Staaten handelt es sich bekanntlich int großen und ganzen um den Kampf zwischen Republikanerwund Demokraten. Die Republikaner, denen'auch der gegen­wärtige Präsident Mac Kinley angehört, haben jetzt auf ihrem Programm stehen hoheSchutz- zölle und eine Weltpolitik für den Handel und für den Kolonialbesitz der Vereinigten Staaten, demgemäß auch für alle Sachen, die dazu ge­hören, als da sind Verstärkung des stehenden Heeres und Ausbau der Kriegsflotte. Die Demokraten wollen nur mäßige Schutzzölle und sind keine Freunde der Weltmacht-Politik der Repu­blikaner. Die übrigen Gegensätze, die ehedem hauptsächlich den Unterschied ausmachten zwischen den beiden großen Parteien und die auf wirth- schaftlichem Gebiete liegen, namentlich in der Währungsfrage, sind bei dieser neuesten Wahl­bewegung ziemlich int Hintergründe geblieben.

Die Sache der Republikaner stand sehr gut, als der erste Siegesrausch seinen Zauber auf das Volk der Vereinigten jStaaten ausübte. Hatten die Neuwahlen in jenen Tagen stattfinden können, dann würden die Republikaner ohneZweifel einen Riesensieg über die Demokraten davongetragen und ihre gegenwärtige Mehrheit von 56 Mit­gliedern int Repräsentantenhause ganz bedeutend verstärkt haben. Aber auf den Rausch des Sieges ist ein tüchtiger Katzenjammer gefolgt, als näm­lich eine Entdeckung der andern folgte von elender Heeresverwaltung, von miserabler Verpflegung der Soldaten, von Bestechung und Cliquenwirth- schaft; und zunächst hatte man gar kein Urtheil darüber, welcher von beiden Parteien die Mehr­heit des nordamerikanischen Volkes zuneigte.

Im Allgemeinen hat man angenommen, daß die Republikaner die Mehrheit auch int neuen Repräsentantenhause behalten werden. Aber Ueber- raschnngen sind in Nordamerika niemals ausge­schlossen bei diesen Neuwahlen, die alle zwei Jahre stattfinden; und zur Verstärkung des Eindruckes hat sich schließlich Herr Mac Kinley, der Präsi­dent der Vereinigten Staaten, selbst auf die Agi­tationsreise begeben. Ohne Zweifel hoffen die Republikaner, daß auch die neu erhobenen An­sprüche auf den ausschließlichen Besitz der Philip-

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

16 ------ (Nachdruck verboten.)

Ottilie, Anna und Senzcheu meinten heiße Thräuen, und selbst dem starkmüthigeu Freihofer rollte das Wasser über die Wangen herab.

Dem fröhlichen Treiben der Studenten war mit einem Schlage ein Ende gemacht, und nament­lich Raimund empfand eine tiefe und innige Trauer über den unerwartet schnellen Hingang des guten Schloßherrn.

Er begleitete den Schwertwirth, Senzcheu und Anna, als diese gleich nachher den Weg nach dem Schlosse einschlugen, und stand mit ihnen nach einer Weile neben dem weinenden Freunde vor dem Lager des Todten, um das eine Anzahl brennender Wachskerzen aufgestellt war. Der Verstorbene schien in ruhigem Schlummer zu liegen. Man hatte die Blutspuren entfernt. Sein Gesicht war nicht im Geringsten entstellt.

Die Anwesenden knieten nieder und beteten inbrünstig für die Ruhe des Geschiedenen. Bei allem Leid blieb ihnen der Trost, daß derselbe im Jenseits einen gnädigen Richter gefunden. Er war ja gestorben als ein gottergebener und gläubiger Christ.

Anna und Senzcheu ließen es sich nicht nehmen, die erste Todtenwache bei dem Heimgegangenen zu halten und bis gegen Morgen blieben auch Oskar, Freihofer und Raimund. Senzcheu war ganz untröstlich. Kein Wunder! Sie hatte den Verstorbenen wie einen Vater geliebt.

Der Kastellan war eine Zeit lang auch in dem

pmen-Jnfeln eine gute Wahl-Reklame für sie ge­wesen ist, eine Reklame für ihre „imperialistische" Politik, wie man sie genannt hat, für ihre Welt­macht-Politik.

In Spanien hatte man sich Hoffnung ge­macht darauf, daß ein Wahlsieg der Demokraten in Nordamerika ihnen günstigere Friedensbedin­gungen bringen könnte. Und ohne Zweifel war die Frist, die Spanien verlangte, um über den amerikanischen Anspruch auf die gesummten Philippinen-Inseln nachzudenken, in der Haupt­sache darauf berechnet, erst die amerikanischen Wahlen herankommen zu lassen und zu sehen, was diese bringen werden. Aber da wenig Hoffnung besteht auf einen Wahlsieg der Demo­kraten, besteht auch wenig Aussicht für Spanien, auf bessere Friedensbedingungen.

Deutsches Deich.

Berlin, 8. November.

0 Jetzt erst ist nach Berichten aus Rom das Akten-Material über den IKorda«- schlag gegen de« Kaiser an die italienische Regierung gelangt. Der italienische Konsul hält, wie berichtet wird, in seinem amtlichen Gutachten entschieden daran fest, daß eine anarchistische Verschwörung gegen Kaiser Wilhelm bestand, und er gibt seine Meinung dahin ab, daß diese Verschwörung einen sehr gefährlichen Charakter gehabt habe. — Man sieht, daß hier Meldung gegen Meldung steht; und somit ist man noch gerade so klug wie zuvor.

* Die Reform des Mikilärpenstonswesens wird, wie wir bereits berichtet haben, vom Reichs­tage in feiner ersten Tagung erledigt werden, lieber den Inhalt des Gesetzes hat die ,National- liberate Korrespondenz' folgendes erfahren: Ins­besondere ist eine Erhöhung der Sätze für die Militärrelikten in Vorbereitung. Diese Sätze sind feit 1871 stehen geblieben, trotzdem seither die Kosten der Lebenshaltung sich so sehr gesteigert haben. Nach dem Gesetze von 1871 sind für die Wittwen der im letzten Feldzuge ge­fallenen Angehörigen der Militärunterklassen die Pensionsverhältnisse in der Weife geregelt worden, daß die Feldwebelswittwe 324 Mk., die Unter« offizierswittwe 252 Mk. und eine einfache Sol- datenwittwe 180 Mk. jährlich erhielt. Für vor­handene Kinder wurden bis zum vollendeten 15. Lebensjahre je 126 Mk. ausgeworfen, die für den Fall des Todes der Mutter sich auf 150 Mk. erhöhten. Da diese letzteren Zahlungen von selbst seit 1886 aufhörten, so kommen jetzt nur noch die Wittweupensionen in Frage, und daß hier im Vergleich zu andern Ländern eine Sparsam­keit geübt worden, die fast beschämend ist, wird kaum geleugnet werden können. Weiterhin soll die Belassung der Militärpension neben dem Civil-Diensteinkommen oder der Civilpension einheitlicher geregelt werden. Bisher finden je nach der Anstellung der Beamten im Reichs- und Staatsdienste oder im Kommunal­dienste Unterscheidungen statt, die zu vielen Klagen Anlaß gegeben. Freilich wird die Durchführung dieser Neuerungen nicht unerhebliche Mittel be­anspruchen; vorläufig wird etwa auf sechs

Todtenzimmer geblieben und wußte sich den An­schein zu geben, als sei er durch den Todesfall in tiefe Trauer versetzt. Nach Mitternacht aber zog er sich in fein Schlafzimmer zurück. Er dachte jedoch gar nicht daran, die Ruhe zu suchen. Mit hastigen Schritten ging er vielmehr in dem Raum auf und ab.

Dann verriegelte er die Thüre, zog die Gardinen fest zu und fetzte sich an den Tisch. Er griff in feine Tasche und brachte die braune Schreibmappe aus derselben hervor. Mit glühenden Augen be­trachtete er sie eine Weile, dann drückte er mit zitternder Hand auf das Schloß. Der Inhalt lag offen vor ihm.

Zuoberst fand er eine Art Broschüre mit altmodischem Druck auf vergilbtem Papier. Sie trug den Titel: „Das Haberfeldtreiben in Bayern, fein Ursprung und feine Bedeutung nebst einer genauen Beschreibung des ersten Triebs."

Das hatte der Kastellan augenscheinlich nicht gesucht. Achtlos schob er das Büchlein zur Seite und nahm das Manuskript in die Hand, durch welches fein Interesse schon während der Her­stellung durch den Grafen im höchsten Grade ge­weckt worden war.

Er begann zu lesen.

„Meinem Sohne Oskar," stand mit kräftigen Zügen auf der ersten Seite, „für den Fall, daß Gott mich unversehens aus diesem irdischen Leben abruft."

Seine Aufmerksamkeit wuchs.

Bei verschiedenen Stellen hielt er inne. Ein stürmischer Aufruhr schien in ihm zu toben. Staunen, Wuth, Haß und Rachgier glühten aus feinen Augen hervor. Auf einmal schnellte er auf

und rannte etliche Male wie befeffen in dem Gemach auf und ab.

Dann lachte er. Es war ein entsetzliches Lachen. „Endlich, endlich am Ziel," keuchte er, „das ist die letzte Masche zum Netze. Im Grunde ge­nommen ist es freilich keine besondere Ueberraschung für mich, denn ich ahnte es längst. Nun erst ge­staltet mein Werk sich fo, daß es sich der jahren- langen Mühe und Arbeit, des mich oft halb wahn­sinnig machenden Grübelns und Denkens, sowie der schlaflosen Nächte verlohnt. Es ist eine fürchter­liche Rache, aber ich führe sie durch. Mag ich auch selbst der Hölle verfallen, wenn es eine gibt. Nun habe ich Gewißheit, nun liegt der einzu­schlagende Weg in scharf gezeichneten Linien vor mir. Ja dieser Gras! Dieser Mann, der mir so wohlwollend gesinnt zu sein schien; er ist es ge­wesen, der zuerst meine Pläne durchkreuzt hat, er, der mich für mein ganzes Leben elend gemacht hat. Er schickte Freihofer hierher, er gab ihm zum Ankauf des Schwertgasthofes das Geld; er ist es, der mich um die schönste Hoffnung betrog. Ihn kann ich nicht mehr treffen, aber er hat einen Sohn, dieser soll die gleichen Höllenqualen em- ftnben wie ich, bann bin ich gerächt. Aber auch bie Anberen werbe ich nicht verschonen. Ich will ihnen zeigen, baß man ben Anton Hauber roeber reizen, noch mit ihm ein falsches Spiel treiben barf. Zahn um Zahn rufe ich nun auch Dir zu, Bürgermeisterchen; wir wollen sehen, wer zuletzt lacht!"

Er ftanb im Begriff, bie Broschüre wieder zu ben übrigen Papieren zu legen, da fiel fein Blick nochmals auf den Titel, und das biitjadige Aufleuchten feiner Augen bekundete, daß ein Ge­

danke in ihm erwacht war. „Das Büchlein fiel mir am Ende doch nicht umsonst in die Hände," murmelte er, „es gibt mir vielmehr einen Wink."

Er schlug es auf und las da und dort. Sein Mienenspiel drückte eine immer größere Genug- thuung aus.

„Ein Haberfeldtreiben," fuhr er fort, „das ist etwas für mich. Vorerst gibt es freilich noch vieles Andere zu thun, aber zum Schluffe soll es nach meiner Vorschrift in Szene gesetzt werden, damit es dem Fasse den Boden einschlägt. Leon­hard muß alles besorgen, er ist der richtige Mann."

Hauber verwahrte das Schreibbuch wieder in feiner Tasche.

Er blieb noch auf, bis der Morgen zu grauen begann und legte sich erst dann in das Bett.

Am folgenden Nachmittag stellte sich Leonhard ein. Hauber händigte ihm zehn Hundertmarknoten ein, worüber der Bursche in lauten Jubel aus­brach.

Der Onkel verschloß ihm den Mund mit der Hand. „Still," gebot er, „das paßt im Trauer­hause nicht." Dann fuhr er fort: „Ich deutete gestern an, daß ich wahrscheinlich weitere Be­schäftigung für Dich habe und kann nunmehr be­stätigen, daß es so ist. Weißt Du, wie es bei einem Haberseldtreiben zugeht?"

Leonhard verzog übermüthig den Mund. „Das versteht sich doch von selbst," erklärte er, „ich müßte ja sonst kein richtiger Bayer fein. Mitgemacht habe ich freilich den Rummel noch nie, aber mir desto mehr davon erzählen lassen und zwar von Einem, der schon verschiedene Male dabei war. Du kennst ihn wahrscheinlich, denn