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mit Unterhattungs-Meitage „Mustrirte Konntags-Zeitungi' Velerogalle Nr. 2 lDarmonie».

M 255.

JuLöa, Dienstag, den 8. November 1898.

25. JahrgMg.

einer

♦ Zur Kaiser-Reise.

Kaiser Wilhelm und seine erlauchte Gemahlin befinden sich am^Ende ihrer Reise, gegenwärtig in Damaskus; und nicht mehr lange wird es dauern, bis sie wieder nach Berlin zurückkehren. Ganz abenteuerliche Gerüchte haben diese Reise begleitet Als Wilyelm der Eroberer sollte der Kaiser nach dem Orient ziehen, wenn man den unsinnigen Erfindungen englischer, französi­scher, russischer und leider auch deutscher Blätter hätte Glauben schenken wollen; aber als ein rechter Herrscher des Fritdens hat der Kaiser seine Reise gemacht. Nach einigen dieser abenteuerlichen Ge- rüchtete trachtete der Kaiser nach der Abtretung einer Landschaft in Kleinasien. Nach anderen Behauptungen wollte der Kaiser für Deutschland ein Handelsmonopol verlangen, oder aber er sollte den Bau einer deutschen Eisenbahn von der syrischen Küste aus durch Syrien und Mesopota­mien bis zum persischen Meerbusen betreiben — und nach der neuesten dieser albernen Erfindungen handelte es sich angeblich um die Errichtung einer deutschen Kolonie großen Stils in Tripolis. Nicht nur Sensations- und Winkelblätter haben sich zur Verbreitung von derlei Unsinn hergegeben; auch große Blätter, die ernst genommen sein wollen, haben sich solche Bären aufbinden lassen. Aber Lügen haben zum Glücke kurze Beine; und wenn es auch gelungen ist, durch diese mehr oder wenigen plumpen Erfindungen hier und da Miß­stimmungen gegen die Kaiserreise zu erzeugen, so braucht niemand die Besorgniß zu hegen, daß solche Mißstimmungen sich festsetzen und von Dauer sein könnten.

Namentlich ist es lächerlich, wenn hier und da als eine muthmaßliche Folge der Kaiserreise eine Verstimmung in Rußland bezeichnet wird. Zunächst wird ganz neuerdings zur Entkräftung solcher Besorgnisse berichtet, daß der Orientfahrt des Kaisers eine eingehende Besprechung mit dem russischen Botschafter in Berlin vorausgegangen ist, und aller Wahrschein­lichkeit nach hat man es als eine günstige Folge der Kaiserreise zu betrachten, daß endlich und endlich einmal die kretische Gouverneur- Frage ihre Erledigung findet durch die Ein­setzung des Prinzen Georg von Griechen- land als Gouverneur der Insel Kreta. Das aber ist eine Verwirklichung russischer Wünsche, und in Petersburg hat man darum nur allen Grund, mit den Erfolgen der Orientfahrt Kaiser Wilhelms zufrieden zu sein, nicht die geringste Veranlassung aber, ihr zu grollen. Und bei unfern westlichen Nachbarn in Frankreich ist man weit entfernt davon, dem Kaiser es übel zu nehmen, daß er das gute Recht, die Schutzherrschaft über die deutschen Katholiken im Orient auSzuüben, dem Deutschen Reiche gewahrt hat. Wie wenig daran zu denken ist, das geht aus der Haltung hervor, die die französische Presse Deutsch­land gegenüber einnimmt. Diese Haltung ist

Durch ein Versehen der Setzerei ist in unserer Erzählung in der letzten Samstagsnummer ein größeres Stück (der Schluß des dritten Kapitels) überschlagen morden. Wir tragen hier das ausgelassene Stück nach und wiederholen dann — des Zusammenhanges wegen — den kleinen Abschnitt des 4. Kapitels, den wir schon am Samstag zum Abdruck gebracht haben. D. Red.

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

„Hier sind wir versammelt zum löblichen Thun", erschallte es zuerst aus den jugendlichen Kehlen durch den festlichen Raum, dann folgten Rundgesänge, Tischreden, Toaste und was eben zu einem richtigen Kommers gehört. Senzchen sand Gefallen an dem fröhlichen Treiben, das sie zum ersten Male hörte und sah, und auch Tante Anna hatte Freude daran.

Nach einer Stunde ungefähr wurde eine Pause gemacht. Jeder sprach und that nun, was ihm gefiel.

Auch der Präsident legte Säbel und Helm ab. Ohne besondere Absicht ging er die Treppe hinab. Da sah er, wie im gleichen Augenblicke der Kastellan Anton Hauber den Hausflur betrat. Sein Muthwille kam abermals zum Durchbruch und er trat auf ihn zu. „Heda, altes Haus," rief er, „Sie kommen mir gerade recht. Sind ja einst auch ein flotter Bursche gewesen, der sich auf den Komment versteht. Gehen Sie mit mir in den Saal, da ist es mfidel!"

Hauber schien widersprechen zu wollen, besann ch er sof ort eines andern. Er warf einen

nämlich freundlicher als je, und mehrere große Pariser Blätter vom letzten Sonntag em­pfehlen ganz offen und rückhaltlos ein Bündniß mit Deutschland als das beste und vielleicht einzige Mittel, erfolgreichen Widerstand leisten zu können gegen die englischen Anmaßungen und Herausforderungen. Heißt es doch schon, der englische Ministerpräsident werde dem­nächst öffentlich ankündigen, daß Eng- and die Schutzherrschaft über Egypten in aller Form antreten will; und wenn Frankreich auch wirklich glatt hinweggleitet über das „Bischen Faschoda", so ist es doch sehr fraglich, ob es ebenso ruhig bei der Ausrollung der großen ägyptischen Frage bleiben würde. So ganz ohne Kampf wird aller Voraus­sicht nach die französische Deputirtenkammer auch den Rückzug des Kabinets Dupuy in der Faschoda- Frage nicht gutheißen.

Auch andere Anzeichen sprechen dafür, daß die allgemeine politische Lage nicht ge­kennzeichnet wird durch eine Verschlechter­ung des Verhältnisses zwischen Rußland, Deutsch­land und Frankreich. Denn auch in der Philip­pinen-Frage herrscht augenscheinlich gerade zwischen diesen drei Mächten bestes Einver­nehmen. Dies geht daraus hervor, daß die Königin-Regentin von Spanien am letzten Sonntag eine lange Unterredung über die Philippinen-Frage mit den Botschaftern von Rußland, Deutschland und Frankreich gehabt hat.

Die Orientfahrt des Kaisers trägt das Kenn­zeichen des Friedens aber nicht nur an sich für das Gebiet der großen auswärtigen Politik. Ebenso und vielleicht in noch höherem Grade hat sie eine Bedeutung in dem Sinne des religiösen Friedens, des friedlichen Zusammenlebens der beiden christlichen Bekenntnisse bei uns in Deutsch­land. Die Erwerbung und Schenkung der „Dormitiou de la Sainte Vierge", des Sterbehauses — oder doch der Stätte desselben — der hl. Jungfrau an die deutschen Katholiken ist ein so sinniger und großherziger Zug au Kaiser Wilhelm, und die Schenkung wurde in so liebenswürdiger und offensichtlich herzlicher Weise vollzogen, daß niemand mehr bei katholikenfeind­lichen Maßnahmen einer Staatsregierung an­nehmen wird, diese seien nach dem Willen und nach dem Geschmacks des Kaisers; und dessen freuen sich die deutschen Katholiken am aller­meisten.

Im übrigen aber bedeutet die Kaiserfahrt in ihren Folgen eine ganz wesentliche Stärkung des deutschen Einflusses imOrient,und diese Stälkung wird deutschem Handel und Wandel dort ohne Zweifel in hervorragendem Maße zu gute kommen. Sie kann noch nachträglich gute Früchte tragen, ohne daß wir diese schon ijeute ooraussehen können, während nicht zu be­fürchten steht, daß schlimme Folgen irgendwelcher Art nachkommen könnten. Diejenigen haben unrecht behalten, die in der Kaiserfahrt eine „romantische Wallfahrt" erblicken wollten und die Fahrt danach auch behandelten, bespöttelten oder unmittelbar tadelten Wir gehörten von Anfang an zu diesen nicht; und wir freuen uns aufrichtig, daß wir damit recht gehabt haben.

lauernden Blick auf den Studenten und schritt mit ihm die Treppe hinauf.

Ein stürmisches Halloh empfing diesen, als er in Begleitung des alten korpulenten Mannes mit dem runzlichen Gesichte und dem struppigen Barte in dem Saale erschien. Der Jubel steigerte sich noch nach einer kurzen Ansprache, mit welcher er die Vorstellung seines Gefährten vollzog: „Meine Herren," rief er, nachdem er Stille ge­boten, und gab sich den Anschein, als trüge er eine Sache von der höchsten Wichtigkeit vor, „das Alter muß man ehren, das ist eine heilige Pflicht. Dieser Herr hier, unser wohledler Kastellan Anton Hauber, hat in feinen jungen Jahren auch die bunte Mütze sowie den Bierzipfel getragen und wie er mir wiederholt schon versicherte, eine gute Klinge geführt. Ich beantrage, daß er an meiner Stelle die Präsidentschaft einnimmt."

Jubelnder Beifall wurde diesem Vorschläge gezollt. Man stülpte dem Alten den Helm auf den Kopf, gürtete ihm den Säbel um und führte ihn auf seinen Platz. Er ließ alles ohne Wider­rede geschehen und lachte nur heimlich dazu. Das Gleiche thaten auch die Studenten und zwar aus vollem Halse. Sie tranken dem Kastellan, der genau wie ein unifotmitier Asse im Cirkus aus­sah, zu und stießen mit ihm an. Sogar Schmolle wurde auf den Antrag Oskars mit ihm ge­trunken , dann fing der Kommers wieder an. Hauber hatte die Regeln noch gut im Kopfe; er machte feine Sache flott und erntete reichen Beifall.

Im Uebrign aber wurde ihm von den fröh­lichen Zechern wenig Beachtung geschenkt, sonst hätten sie sehen müssen, wie der Herr Präsident neben Ausübung seines Amtes noch Zeit genug

▲ Englische Kriegsrüstuugen beschästigen seit Wochen die Presse. Für die­jenigen Blätter, die es als ihre Hauptaufgabe betrachten, ihre Leser stets in einem mehr oder weniger angenehmen Zustande gekitzelter Nerven zu erhalten, sind diese wirklichen oder angeblichen Rüstungen natürlich eine willkommene Gelegenheit, fortgesetzt in höchster Sensation zu arbeiten, als ob ein neuer Krieg unmittelbar beoorstände.

Aber im Ernste hat wohl niemand an einen Krieg gedacht, auch in England selbst nicht; und nun ist es mit der Faschoda-Frage ganz genau so gekommen, wie es zu wünschen und zu hoffen war, und wie es eigentlich auch kommen mußte: Frankreich hat in aller Form nachgegeben, Major Marchand mit seinem Zuge ist aus dem „elenden Neste Faschoda" ab berufen, und Aegypten und England werden nächstdem allein ihre Flaggen dort wehen sehen. In diesem Sinne hat der fran­zösische Ministerrath in aller Form be­schlossen, und der englische leitende Minister Lord Salisbury, hat die Gelegenheit eines Festmahles zu Ehren des Generals Kitchener, des Besiegers der Machdisten, in der Nacht von Freitag zu Samstag benützt, um mitzutheilen, in London sei soeben die amtliche Benachrichti­gung eingetroffen, daß Frankreich Faschoda auf« gebe,weil dasselbe für Frankreich keinen Werth habe.

Ob bamh auch alle Streitfragen zwischen England und Frankreich über die Sage der Dinge iux Gebiete des obern Nil aus der Welt ge­schafft sind, steht freilich auf einem andern Blatte; denn es ist nicht anzunehmen, daß Frankreich so ohne weiteres auf alle feine Pläne verzichten wird. Und namentlich ist ja auch die eigentliche ägyptische Frage im engem Sinne noch ungelöst, die Frage, ob England denn immer ganz allein der eigentliche Herr in Aegypten bleiben soll oder nicht. Aber vorläufig und wohl auch auf ab­fehbare Zeit hinaus ist an kriegerische Verwick­lungen zwischen England und Frankreich nicht zu denken; und auch die Lage in China ist, wie von London aus halbamtlich durch das Reuter'sche Telegraphenbureau versichert wird, durchaus friedlich.

Deswegen wird nun wohl auch England nicht mehr das Bedürfniß fühlen, die Welt durch Renommir - Rüstungen zu reizen und sensations­lüsternen Blättern Stoff zu allerhand pulverduf­tenden Betrachtungen zu liefern. Auch in Eng­land wird man, wenn man klug ist, mit dem er­zielten Erfolge sich zunächst begnüg n. Sonst könnte sich schließlich noch Rußland mehr für diese britischen Rüstungs-Uebungen interessiren, als den Engländern selbst angenehm ist. Daran ist kaum zu zweifeln, daß zwischen Rußland und England gegenwärtig Verhandlungen besonderer Art schweben; und die Vermuthung, daß dieselben mit den Dingen in Ostasien in Verbindung stehen, liegt so außerordentlich nahe, daß sie sich eigentlich von selbst versteht.

Deutsches Deich*

Berlin, 7. November.

* Auch an den Großherzog von Wei­mar ist ein Telegramm des Kaisers aus

fand, dem Wirthstöchterchen, Oskar und Raimund einige Aufmerksamkeit zu widmen, die auf eine besondere Absicht hinwies. Kein Blick, der zwischen den jungen Leutchen gewechselt wurde, entging ihm, jedes Wort fing er auf, während er dabei selbst keine Miene verzog.

Er schien mit dem Resultate seiner Beob­achtungen zufrieden zu sein, denn um seinen Mund zuckte jenes unqualifizirbare Grinsen, welches sich jedesmal zeigte, wenn ein Vorgang seiner Erwartung entsprach.

Nach einer kleinen Weile erklärte er, müde zu sein, und trotz Drängens der Studenten, den Vorsitz noch länger zu führen, legte er die In­signien ab und verließ seinen Platz. Er setzte sich auch nicht an bie Tafel, sondern an ein kleines Tischchen im Hintergründe. Hier blieb er noch eine Zeit lang und schlich sich bann, ohne Abschied zu nehmen, davon.

Er betrat die unteren Räume nicht mehr, sondern schlug den Weg nach dem Schlosse ein.

Unterwegs sprach er, seiner Gewohnheit ge­mäß, halblaut mit sich selbst. „Es macht sich, es macht sich," zischte er, „wieder ein paar prächtige Fäden zu meinem Netze. Sie brennen Beide lichterloh für das schöne Senzchen, was ich übrigens schon lange kommen sah, und so ift's recht. Die Leutchen sind freilich noch etwas blind und sich Über die Natur dieses Hangens und Bangens selber nicht klar, aber man wird schon dafür sorgen, daß ihnen die Augen auf­gehen, und damit bin ich dann m-inem Ziele um einen recht hübschen Schritt näher gerückt."

Er hatte den Schloßpark erreicht und schritt langsam den weichen Sand weg entlang.

Jerusalem eingetroffen, in welchem der Kaiser seine Freude kundgibt, sowohl über den bisher so glücklichen Verlauf der Fahrt, als auch über die glänzende Aufnahme in den türkischen Ländern. Zum Schluffe des Telegramms betont der Kaiser seine Genugthuuug darüber, daß auch Weimar bei der so erhebenden Einweihungsseier der Er­löserkirche in Jerusalem vertreten war. Die beiden sachsen-weimarischen Vertreter sind Exzellenz v. Pawel, Chef des Kultusdepartements, und Hofprediger Dilthey.

+ Ganz auffällig sind die Pariser Preffe- Aenßerungen, die angesichts der gegenwärtigen Lage und vor allen Dingen dem fortgesetzt ver­dächtigen Verhalten Englands den Gedanken eines französisch denlsche« ZLirudmffes aufs Tapet bringen. Dies thun vereinzelt auch solche Blätter, die sonst hauptsächlich vom Revanche- Gedanken lebten, Deutschland sicherlich also nichts weniger als hold sind. In Uebereinstimmung mit dieser Aenderung in Pariser Anschauungen steht die Nachricht, daß Graf Murawjew, der russische Minister des Auswärtigen, unlängst bei seinem Aufenthalte in Paris Herrn Delcassö, dem französischen Minister des Aeußern erklärt haben soll: Rußland könne Frankreich in der Faschoda-Frage nicht gegen England unterstützen. Einige Pariser Blätter meinen, unter solchen Umständen könne den Franzosen ein Bündniß mit Rußland gar nichts nutzen. Daß diese Pariser Preffe-Aeußerungen nur dazu dienen können, ge­wisse Strömungen in der öffentlichen Meinung Frankreichs zu kennzeichnen, nicht aber schon als Vorbereitung auf bevorstehende wichtige poli­tische Ereignisse zu deuten sind, ist selbstverständ­lich. Nichtsdestoweniger sind diese Erscheinungen erfreulich als Kennzeichen für eine weitere Ab­nahme des Chauvinismus und ein ferneres Ver­blassen des Revanche-Gedankens in Frankreich.

* Die Nachricht, daß die Firma Krupp in Essen in dem Vororte Wilda bei Posen ein Grundstück angekauft habe, um dort eine Maschinen- fabrik zu errichten, bewahrheitet sich nicht. Augen­scheinlich wird es mit der künstlichen Verpflanzung von Industrie vom Westen nach dem Osten über­haupt nicht so rasch gehen, wie manche Leute anzunehmen scheinen.

-f- Auch in den Kreisen der Industrie selbst hegtman mancherlei Bedenken gegen die Pläne des Oberpräsidenten v. Goßler, künstlich Industrie von Westdeutschland nach öst­lichen preußischen Provinzen zu verpflanzen. Herr v. Goßler denkt dabei, wie an dieser Stelle seinerzeit berichtet worden ist, namentlich an die Textilindustrie. Aber „auch manche Textil- industrielle dürften nicht ohne Bedenken der Ver­wirklichung der Goßler'schen Pläne entgegensehen", so erklärt in einem beachtens werthen Aufsätze die Zeitschrift fstr die gesammte Textilindustrie'. Bei der großen Schwierigkeit für unsere Textilindustrie, neue Absatzgebiete zu gewinnen und die alten festzuhalten, würden nach dem genannten Fach­blatte „manche Industrielle mit Besorgniß auf eine im Osten ihnen neu erwachsende Kon­kurrenz blicken". Die Regierung als solche lehnt die Verantwortung für die Pläne des Herrn Oberpräsidenten v. Goßler ab. „Einzig und allein der Initiative des Herrn v. Goßler ver-

Da trat plötzlich eine männliche Gestalt hinter einem Baumstämme hervor.

Erschrocken prallte Hauber zurück. Er faßte sich jedoch schnell wieder, denn er hatte trotz der herrschenden Dunkelheit den Mann erkannt.

„Leonhard," knurrte er unwillig, „wozu treibst denn Du Dich bei Nacht im Parke um­her? Ich habe Dich doch nicht gerufen. Was willst Du von mir?"

„Das sage ich Dir nachher," erklärte der Gefragte, „wenn wir drinnen sind. Ich erfuhr, daß Du int Städtchen seiest, und weil ich Dich dort nicht aufsuchen mochte, wartete ich l)ier."

Hauber erwiderte nichts. Er ging weiter und Leonhard folgte ihm.

Kaum hatten die Beiden das Arbeitszimmer betreten und der Kastellan Licht gemacht, als ein schriller Glockenton durch den Raum drang.

„Der Herr lautet mir," stieß Hauber betroffen hervor, „da muß etwas Besonderes los sein, weil es um diese Zeit sonst niemals geschieht. Nimm Platz! Ich bin bald wieder da."

Er eilte aufwärts. Als er auf fein Pochen an die Thüre des Grafen keine Antwort bekam, trat er unaufgefordert in das Zimmer hinein.

Da bot sich ihm ein gräßlicher Anblick. Der Schloßherr lag am Boden auf dem Teppich mit blutüberströmten Kleidern und todtblaffem Gesicht. Er rührte sich nicht. Das Entsetzen lähmte für ein paar Sekunden fast den Kastellan, bann aber schöpfte er tief Äthern und die Farbe kehrte in feine erdfahl gewordenen Wangen zurück. Er ergriff eine Hand des Grasen. „Der Puls schlägt nicht mehr," flüsterte er, „todt. Da hilft kein Doktor und keine Arznei mehr."