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25. Jahrganx.

Iutöa, Montag, den 7. November 1898.

254.

“ÄSU™ mit Ztnterhattu«gs-Meicage „Zssustrirte Somlags-ZeUungi' peteregaAe fif. 2 (iMrmoHit).

rauscht mit dieser dunklen Lini; an mir vorüber! Wie wird unmerklich die Ferae dem geistigen Auge näher gerückt! Wie vermählt sich mir unbewußt die Vergangenheit mit der Gegenwart und entfacht die Erinnerung an ferne, glückliche Zeiten, an Heimath und Elternhaus! So zieht die Phantasie ihre geheimnißvollen Zauberkreise um mich und scheucht die Bilder des Augen­blickes in das Niroana wohlthuender Vergessen- eit. — Auch die Person des hier dienstthuenden Bahnwärters beschäftigt oft meine Gedanken.

Wir haben kaum einige Worte miteinander gewechselt, aber wir kennen uns, verstehen uns. Aus dem gesunden und wettergebräunten Antlitz blicken kluge, blaue Augen freundlich in die Welt hinaus, kräftig und elastisch sind die Bewegungen seines noch jugendfrischen Körpers, während be­reits schneeweißes Haar in üppiger Fülle sein eindrucksvolles Haupt umrahmt. Ist es ein silbernes Diadem, mit welchem die Zeit seine Stirn geschmückt hat? Oder war es ein unerbetenes Geschenk einer einzigen bangen Schreckensstunde?

Herbstmorgen!

Balsamische Lüfte tragen von den hundert­jährigen Thürmen der Stadt den stimmungs­reichen Klang der Feiertagsglocken zu mir her­über, einen weichen Widerhall jener Andacht in meinem Innern weckend, wie sie mich unter den pfeilertragenden Gewölben dämmeriger Gottes­häuser bei Orgelton und Lobgesang aus Menschen­brust ergreift.

Auch der Alte hält seine kurze Andacht: er

liest eifrig in einem alten Buche, welches aufge­schlagen in seinem Schooße ruht und in welchem ich eine Handpostille deutlich erkenne.

Auch auf das Erbauungsbuch erstreckte sich unsere Unterhaltung, wobei ich eine leise Aeuße- rung von neugieriger Verwunderung nicht zu unterdrücken vermag.

„Das hat seine Gründe", meinte er, und eine Wolke glitt über sein sinnendes Gesicht.

„Eine traurige Geschichte?" werfe ich theil- nehmend ein.

„Ein kurzes, inhaltschweres Erlebniß", er­widert er und erzählt: „Es war vor ungefähr zehn Jahren. Ich versah damals meinen Dienst an derselben Stelle, an der Sie mich heute sehen. Es war an einem trüben Nooembernachmittage, als ich mich auf meinen Posten begab, um den von der Station N. abgelassenen Schnellzug Nr. 7 passiren zu lassen. Nachdem ich die Barriören geschlossen hatte, stand ich in vor­schriftsmäßiger Haltung vor meinem Wärter­häuschen, in der einen Hand die zusammenge­rollte Flagge haltend, die andere leicht auf den Griff des Weichenhebels gelehnt, so die Vorbei­fahrt des bereits sichtbaren Schnellzuges er­wartend.

Da plötzlich — als der Zug nur noch etwa 200 Meter von meinem Standorte entfernt ist — zeigt mir ein flüchtiger Blick nach der ent­gegengesetzten Richtung auf den Schienen einen Gegenstand, deffen Wahrnehmung mir die Haare sträuben macht. Mein Kind, mein einziges Kind,

hat sich in einem unbewachten Augenblicke spielend von mir entfernt und liegt in einer Entfernung von kaum 100 Metern quer über das Geleise gebeugt da, Kiesstückchen in seinen kleinen Holz­eimer sammelnd — auf demselben Geleise, welches der Zug passtrt.

Ich rufe mit der Kraft der Verzweiflung, doch meine Stimme verklingt in dem Dröhnen des erbarmungslos herankommenden Zuges, deffen unheilvolle Nähe den Erdboden erzittern macht. Das Kind liegt noch immer auf dem Geleise, die Gefahr nicht ahnend — spieleud am Rande seines Grabes! Hinrasen, es von dem Ort des Verderbens hinwegreißen, ehe es zu spät ist, wäre hier nur ein wahnwitziges Bemühen ge­wesen, denn der Zug ist schneller, als selbst die von der Verzweiflung beflügelten Schritte des Vaters.

Da — flüchtig und schelmenhaft — dämmert ein anderer Gedanke in mir auf, Gewähr bietend für die Rettung meines einzigen Kindes! Den in meiner Hand ruhenden Hebelgriff der Weiche niederdrücken und so den Vernichtung drohenden Zug auf das Nebengeleise lenken! Man würde einen Jrrthum vermuthen, den Zug zum Halten bringen. Zeit würde gewonnen werden, das Kind in Sicherheit zu bringen — solche Erwäh­nungen ziehen mit fieberhafter Hast durch mein gemartertes Hirn. Schon bin ich im Begriff den rettenden Griff auszuführen — da durchzuckt mich ein anderer schrecklicher Gedanke, welcher mein Blut in den Adern erstarren macht. Auf

Nachtrag zur preußischen Land­tagswahl.

einer

Ruhig, noch ruhiger als ihre Vorgängerinnen neuerer Zeit, ist die letzte Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause verlaufen. Die Gemüther hatten sich ausgelobt bei den Neuwahlen zum Reichstage, diesmal wie vor fünf Jahren; und da in diesem Jahre nicht einmal bei den Reichs­tagswahlen die Wogen der Erregung sehr hoch gingen, glichen die Wahlen zum preußischen Ab­geordnetenhause einem Karpfenteiche, in den ein muthwilliges Büblein einen mäßig großen Stein geworfen hat. Wer nicht hart daran saß am Wurfe, der merkte am Ende gar nichts von der ganzen Sache.

Man kann das beklagen, und man kann sich auch darüber freuen. Politisches Theilnahme- losigkeit des Volkes ist kein erfreuliches Zeichen. Aber noch unerfreulicher waren die Wahlen zur Zeit des „eisernen Kanzlers" mit ihrer aufs höchste getriebenen Leidenschaftlichkeit und mit ihrer „politischen Brunnenvergiftung". Ist es doch da­mals oft genug vorgekommen, daß Männer, die bisher gute Freunde gewesen waren, allein durch die Schürung der Parteileidenschaft auseinander getrieben wurden fürs ganze Leben; und Staats­beamte scheuten sich vielfach, mit einem Ange­hörigen einer Oppositions-Partei an einem öffent­lichen Orte sich zu zeigen. Daß das nicht mehr so ist, darüber kann man sich nur freuen.

Hätte man danach diese Wahlbewegung be- urtheilen wollen, wie die freisinnige und die sozialdemokratische Presse vorher sich anstellten, dann hätte man freilich etwas ganz Anderer er­warten müssen. Es handelte sich ja um die allererste Betheiligung der Sozialdemo­kraten an den preußischen Landtagswahlen, und manche Blätter nahmen eine Miene an, als gelte es einen Riesenkampf, als könnten wir es er­leben, daß das neue preußische Abgeordnetenhaus eine ganze stattliche Reihe sozialdemokratischer Mitglieder bekäme. Die Centrumspresse fast allein hat diese ganze Sache von Anfang an bis zu Ende sehr kühl behandelt; und der Erfolg zeigt, wie recht sie damit gehabt hat. Denn im neuen Abgeordnetenhause werden genau ebenso viele Sozialdemokraten sitzen, wie im alten: nämlich gar keine. Nur Herr Engen Richter und die Freisinnige Volkspartei sehen mit Genug- thuung die Zahl ihrer Getreuen in der neuen preußischen zweiten Kammer um zehn Mann verstärkt durch die Wahlthätigkeit der Sozial­demokratie.

Und darüber braucht namentlich der Cen­trumsmann keinen Kummer zu empfinden. Die Zusammensetzung der liberalen Elemente im preu­ßischen Abgeordnetenhause hat sich durch die Neuwahlen ein wenig nach links verschoben; und dadurch ist die Wirkung erzielt, daß in manchen Fragen eine zuverlässigere Mehrheit vorhanden sein wird gegen Gelüste, die der preußischen Re­gierung und den Konservativen gemeinsam zu sein pflegen.

Die Ko st en haben die Freikonservativen und die Nationalliberalen zu tragen und

darüber wird sich der Centrumsmann zu aller­letzt ärgern. Denn gerade in den Reihen dieser beiden Parteien fitzen die Männer, die nicht aufhören^ können die Kulturpauke zu schlagen. Die Freikonservattven haben 6 Mandate ver­loren, die Nationalliberalen 11, während den Konservativen nur ein Sitz — im Ganzen ge­nommen — verloren gegangen ist. Ein Ver­gleich zwischen der Stärke der Parteien im alten und int neuen Abgeordnetenhause stellt sich wie

folgt:

Deutschkonservative Freikonservative Nationalliberale

Vorher Jetzt

143 142

70 64

83 72

Centrum 95 100

Polen 17 13

Dänen * 2 2

Antisemiten — 1

Demokraten — 1

Freisinnige Volkspartei 14 24

Freisinnige Vereinigung 6 12

Keiner Partei angehörig 3 2

Von diesen Parteiziffern kann die eine oder andere noch um eine Kleinigkeit sich ändern; denn von manchen neu gewählten Abgeordneten kennt man die Parteistellung noch nicht ganz genau. So wird z. B. der im Wahlkreise Mörs neu gewählte Kommerzienrath Vorster von den einen den Konservativen, von anderen aber den National­liberalen zugezählt.

Das Centrum hat allen Grund, mit dem Ausfälle der Wahlen zufrieden zu fein; verdankt es doch zwei der neu gewonnenen Mandate ganz allein seiner eigenen Kraft und Thätigkeit, näm­lich die beiden Mandate des oberschlesischen Wahl­kreises Ratibor. Zwei andere sind ihm zugefallen durch Vereinbarung mit den Konservativen, näm­lich in Schweidnitz-Striegau und in Hamm-Soest. Und das fünfte der neuen Mandate, nämlich in Lingen-Bentheim, haben dem Centrum überraschen­der Weise die Nationalliberalen besorgt, ohne daß das Centrum irgendwie zu Gegenleistungen verpflichtet wurde. Die Nationalliberalen wollten auf jeden Fall verhindern, daß der Nationalsoziale gewählt würde; und so boten sie dem Centrum ihre Unterstützung an, die natürlich angenommen wurde, da besondere Verpflichtungen mit dieser Annahme nicht verbunden waren.

G Preußischer Städtetag.

Am Samstag war bekanntlich in Berlin der Vorstand des preußischen Städtetages zu einer Sitzung zusammengetreten. Es geschieht dies auf eine Berliner Anregung hin. Wie bekannt, war in Berlin aus Mitgliedern des Magistrates und der Stadtverordneten-Versammlung eine ge­mischte Kommission — „Deputation" sagt man int Berliner Kommunalwesen — eingesetzt worden, um über die Frage der Vertheuerung des Fleisches zu berathen. Das Ergebniß dieser Berathungen ist folgendes: man will dem Bundes- rathe schleunigst eine Denkschrift überreichen über die Fleischtheuerung, und außerdem hat man den erwähnten Antrag gestellt, den preußischen Städtetag einzuberufen und auch in diesem über dasselbe Thema zu berathen. Der Vor­stand dieses Städteverbandes ist sofort auf diese Anregung eingegangen, und somit be­findet sich auf der Tagesordnung dieser Vor­

stands-Sitzung u.A. auch der nachfolgende Punkt: „Was hat zu geschehen, um die in Folge der Grenzsperre gegen die Vieh-Einfuhr eingetretene Vertheuerung des Fleisches zu be­seitigen?" Man sieht, der Vorstand des preußi­schen Städtetages ist nicht nur in der Form, son­dern auch in den Grundsätzen und Begründungen der Berliner Anregung gefolgt; denn aus der Formulirung des hier angeführten Punktes der Tagesordnung scheint hervorzugehen, daß der Vor­stand des preußischen Städtetages es als selbst­verständlich ansieht, daß eine Fleischtheuerung entstanden ist in Folge der Sperrung verschiedener Grenzen des deutschen Reiches gegen die Einfuhr lebenden Schlachtviehes.

Es ist nicht überflüssig, bei dieser Gelegenheit einen Blick zu werfen auf die Entstehung des preußischen Städtetages »nd auf seine Organi­sation.

Der preußische Städtetag setzt sich namentlich zusammen aus Vertretern der Städte Preußens, die mehr als 25000 Einwohner haben. Außer­dem sind zugelassen je drei Vertreter der Provinzial- Städtetage ohne Rücksicht auf die Einwohnerzahl der einzelnen Städte. Man kann also sagen, daß der preußische Städtetag eine Körperschaft ist, die hauptsächlich die Interessen der großen Städte vertritt. Denn daß der Städtetag als In­teressenvertretung sich zusammengethar hat, nicht zur Verfolgung idealer Bestrebungen, bedarf keiner be­sonderen Erwähnung. Immerhin aber ist es nöthig hervorzuheben, daß die verschiedenen Städte ihre Vertreter int Städtetage nicht etwa wählen. Die kommunalen Körperschaften der einzelnen Städte ober gar deren Bürgerschaften haben also keine Bestimmung über die Zusammensetzung des preußischen Städtetages. Meist sind es die Ober­bürgermeister, die als Vertreter ihrer Städte ohne besonderes Mandat dieser letzteren dem Städtetage angehören, weswegen die,Freisinnige Zeitung' den preußischen Städtetag auch schon spöttisch den Oberbürgermeister.Tag ge­nannt hat.

Ursprünglich hatten die Väter der Idee einen deutschen Städte-Kongreß int Auge; und die Väter dieser Idee sind namentlich die Spitzen des bekannten Berliner Fortschritts-Ringes ge­wesen. Aber daraus wurde nichts. Und so wurde int Mai 1895 in einer „Versammlung aller Oberbürgermeister der preußischen Monarchie" der preußische Städtetag statt eines deutschen gegründet.

Ohne Zweifel kann Niemand den Städten das gute Recht bestreiten, sich zu einer solchen Körperschaft zusammenzuthun. Alle Städte haben gemeinsam bestimmte wirthschaftliche und gesetzgeberische Jntereffen, und wenn sie diese ge­meinsam vertreten und verfechten, so thun sie dasselbe, was beispielsweise der Bund der Land- wirthe oder der Westfälische oder Rheinische Bauernverein auch thun. Aber wie alle Freunde eines gerechten wirthschaftlichen und politischen Ausgleiches Widerspruch erheben dagegen, daß der Bund der Landwirthe oder eine andere land- wirthschastliche Körperschaft in der Verfechtung landwirthschaftlicher Jntereffen einseitig wird und verlangt, daß alle anderen Interessen der ihrigen sich unterordnen sollen, ebenso'müßte man in demselben Sinne gerechten Ausgleiches Ver­wahrung einlegen dagegen, wenn der preußische Städtetag ähnliches versuchen wollte. Und es

Furchtbares Crletmiß eines Kahn­wärters.

Die unscheinbare Eisenbahnstelle am Rande des Waldes, einige Kilometer von der Stadt ist das bevorzugte Ziel meiner Wanderungen. Nur für den Sonntagsverkehr bestimmt, zeigt diese kleine Aushülfsstelle von denkbar einfachster Art. Je eine Barriöre hüben und trüben, dann ein geräumiges Wärterhäuschen, welches zugleich als Stationsgebäube dient, eine Ruhebank daneben, ein todtes Geleise, eine Rangirweiche — das sind die einzelnen Merkmale, welche sie von dem monotonen Einerlei der nach beiben^ Seiten sich schnurgerabe behnenben Schienenstränge unter­scheiben.

Dennoch liebe ich es, bort sinnenb auf bet Bank zu weilen, um bem dampfbeflügelten Räderwerk meine Aufmerksamkeit zu zollen, wie es fast in unabsehbarer Ferne dämmerig auf­taucht, krause Rauchwolken an den einförmigen Telegraphendrähten hinbläst, ächzend näher und näher kommt, nun blitzschnell, dröhnend und schnaubend an mir vorübersaust und an der anderen Seite allmählig im Ungewissen ver­schwindet, wie es kam, keine sichtbare Spur hinterlaffend, nur die Einbildungskraft zu liebe­vollen Schaffen weckend.

Welch eine Welt non Gegensätzen int Menschen- dasein, welch' eine Fülle von Bangen und Hoff­nung, von Arbeitsmüdigkeit und Schaffenslust, von Trennungsschmerz und Wiedersehensfteude

klingt verdächtig, wenn z. B. ein freisinnige Organ dadurch für die von Berlin aus ang - regte neue Städtetag-Bersammlung die richtige Stimmung zu machen sucht, daß es schreibt: „Die Sperrung der Grenzen gegen Vieheinfuhr wird bei uns in einer Weise behandelt, als ob die gesammte Staatsverwaltung nur dazu da wäre, den Großgrundbesitzern gute Viehpreise zu beschaffen."

Diese Auffaffung der ohne Zweifel wichtigen Frage ist so einseitig und so schroff, daß man ihr unbedingt entgegentreten muß. Aber sie ist nicht nur das, sondern beruht auch auf vollkom­men falschen Voraussetzungen, wie Jedermann weiß, der die Erscheinungen, die hier in Frage kommen, in jüngster Zeit genauer verfolgt hat. Die Landwirthschaft hat wenig Vortheil von den gegenwärtigen Preisen des Fle^ches int Klein­verkauf. Den Hauptvortheil hat ber vermittelnde Handel, das ist durch zuverlässige Berichte aus mehreren großen Städten dargethan worden und zwar durch demokratische und sozialdemokratische Blätter, die doch keine Spur von liebevollem Sonderinteresse für den Großgrundbesitz haben. Und manche Städte selbst, wie Berlin, verdienen an ihren Schlachthöfen außerordentlich große Summen; in Berlin sind das z. B. rund 800 OOO Mark jährlich.

Will der preußische Städtetag einen Achtungs­erfolg erringen mit feinen Berathungen über die Frage der Fleischpreise und die Absperrung der Grenzen gegen die Gefahr ber Einschleppung der Maul- unb Klauenseuche unb anberer Viehseuchen, so muß et sich vor allen Dingen bemühen, auf unparteiische und sachliche Grundlage sich zu stellen und sich vor dem Verlangen hüten, daß eine so wichtige wirthschaftliche Frage beurtheilt werden soll allein nach dem einseitigen Jnteressen-Standpunkte einer bestimmten einzelnen Klaffe der Bevölkerung.

Nachträglich hat der Vorstand des Städte­tages eine formelle Aenderung der Tagesordnung für die Berathungen beschlossen. Augenscheinlich hat die Erwägung Uebergewicht erhalten, daß es nothwendig sei, Wasser zu gießen in den Wein des Fleischvertheuerungs-Antrages der Berliner Antragsteller. Statt der Fassung: „Was hat zu geschehen, um die infolge der Grenz­sperre gegen die Vieheinfuhr eingetretene Vertheuerung des Fleisches zu beseitigen?" lautet nach dem Beschlüsse des Vorstandes dieser Punkt jetzt: „Fleischversorgung der Städte." Das klingt besser, und man kann den Vorstand des preußischen Städtetages zu dieser Aenderung nur beglückwünschen. Außerdem soll sich der Städtetag noch beschäftigen mit folgenden zwei Fragen: „Gesetzentwurf betr. die Rechtsverhält­nisse der Gemeindebeamten" und „Schutz des Kleingewerbes gegen die Waarenhäuser".

Deutsches Keich.

Berlin, 5. November.

* Das Kaiserliche Saar ist am Freitag von Jerusalem abgereist und hat damit die Rück­reise angetreten. Am Freitag Morgen um i/a9 Uhr begaben sich die Majestäten, und zwar der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin int Wagen, zum Bahnhofe in Jerusalem, wo das Gefolge, der deutsche Generalkonsul, der türkische Gouver-