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Erscheint täg.ich, ^.Ausnahme der gönn' und Feier­tage. Vierteljahr!, zejugspreis ohne Bringerlohn ttni) Bestellgeld in »ulda und auS- ^SrtslM.SOPf.

uldaerMZeitung

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zelle oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Fuldaer Lctiendruckeret petersgage Nr. i (ldarmouie).

mit Anterhattungs-Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

25. Jahrgang.

IuLöa, Samstag, den 5. November 1898.

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♦ Wer hat in Preußen die meisten Orden? In Bezug auf die Ordenszahl ist der Ober-Hof- und Hausmarschall Graf August zu Eulenburg allen an­deren Personen im preußischen Staate weit über. Nachdem ihm jetzt vom Sultan der Nischan-Jftechar- Orden in Brillanten verliehen worden ist, hat die Zahl seiner Orden, unter denen der ihm am 22. März 1897 gelegentlich der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelm I. verliehene Orden vom Schwarzen Adler die erste Stelle einnimmt, die hohe Ziffer von 63 erreicht. Selbst Fürst Bismarck und Generalfeld­marschall Graf Moltke hatten eine solche Zahl von Orden nicht zu verzeichnen, die bei ersterem 54, bei letzterem 44 betrug. Der dem Grafen Eulenburg an Auszeichnungen zunächst Stehende ist der Chef des

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(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 5. November.

Die Spannung ist gelöst, die Aufregung, die in weiten Kreisen mit dem Näherrücken des Wahltermins stieg, hat sich gelegt — die Wahlen sind vorüber, auch die Abgeordnetenwahlen, wenn diese Rundschau gedruckt vorliegt. Seit es Sitte ist, die Abgeordneten­kandidaturen schon vor den Urwahlen zu proklamiren — und es ist dies eine sehr löbliche politische Sitte, denn schon die Urwähler haben, wenn sie ihre Stimme abgeben, ein Recht darauf, daß ihnen gesagt werde, für wen sie ihr Wahlrecht ausüben sollen — seitdem also ist auch mit den Urwahlen das Hauptinteresse er­schöpft, weil sich schon auf Grund des Ergebnisses derselben im Großen und Ganzen ziemlich sicher sagen läßt, wie die Volksvertretung zusammengesetzt sein werde. Auch diesmal hatte man nach dem 27. Oktober einen ziemlich genauen Anhalt hiefür. Man wußte bald, daß das Schlimmste, was diese Wahlen bringen konnten, eine rein konservative Mehrheit, als ver­hindert angesehen werden durfte, wenn auch nur mit knapper Noth. Da man sich aber in dieser Hin­sicht keinen übertriebenen Erwartungen hingegeben hatte, war man schon zufrieden, das befürchtete Uebel überhaupt abgewendet zu haben. Die Gefahr war nicht gering, wenn man bedenkt, daß den vereinigten Konservativen schon im letzten Landtag nur sechs Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlten. Hätten sie also diese sechs Stimmen bei den eben stattgehabten Wahlen gewonnen, so wären sie in der Lage gewesen, unsägliches Unheil anzurichten, und würden dies zwei­fellos auch gethan haben: sie würden die wenigen politischen Rechte, welche die preußischen Staatsbürger besitzen, noch weiter beschnitten, würden insbesondere das Vereins- und Versammlungsrecht, dessen wir so schon vor anderen, kleineren Staaten uns geradezu schämen müssen, noch weiter eingeschränkt und ebenso das Recht der Staatsbürger auf alle Staatsämter er­heblich geschmälert haben.

Den größten Gewinn haben bei den Wahlen die Freisinnigen gemacht, die 12—15 Mandate ge­wonnen haben dürften. Genau läßt sich in diesem Augenblicke die Zahl noch nicht feststellen. Da beide Richtungen zusammen, die Richter'sche Volkspartei und die Rickcrt'sche Vereinigung, im letzten Landtage nur 20 Sitze innehatten, haben sie umso mehr Grund, mit dem erzielten Resultate zufrieden zu sein, als eine radikale Aenderung in der Zusammensetzung des Ab­geordnetenhauses bei diesen Wahlen nicht zu erwarten war. Einen Theil der eroberten Mandate, stark ein halbes Dutzend, haben siedenNationalliberalen abgenommen. Es ist nicht zu bedauern, daß diese

unverbesserlichen Kulturkämpfer etwas geschwächt worden sind.

Im Allgemeinen also wird der neue Landtag gegen den letzten kein sehr verändertes Aussehen haben; er wird aber, was sehr wichtig ist, wie der vorige, eine Mehrheit für ein christliches Volksschulgesetz aufweisen, wenn dieKonservativen ernstlich gewillt sind, ein solches zu machen und die Regierung zur Einbringung eines solchen zu bestimmen, was wir aber, auf Grund der gemachten Erfahrungen, bezweifeln müssen. Ein spezifisch protestan­tisches Schulgesetz möchten sie wohl machen, nicht aber ein solches, das auch u n s e r n Forderungen gerecht wird. Das läßt ihre Abneigung gegen den Katholi­zismus nicht zu.

Der Reichstag soll, wie nunmehr berichtet wird, am 29. November eröffnet werden, am selben Tage, an welchem er auch im vorigen Jahre zusammentrat. Da der Kaiser, der ihn selbst eröffnen will, gegen den 20. Novbr. von seiner Reise zurückkehren soll, würde somit der Eröffnung am 29. ein Hinderniß nicht ent­gegenstehen. Viel kann der Reichstag vor den Weih­nachtsserien nicht erledigen, da ihm bis dahin kaum drei Wochen zur Verfügung stehen. Nach den Weih­nachtsferien beginnt dann gleich wieder die Misere des Zusammentagens von Reichstag und Landtag, die ein stets zunehmendes Hinderniß für die prompte Er­ledigung der parlamentarischen Arbeiten ist.

Das deutsche Kaiserpaar ist auf seiner Orientreise am vorigen Samstag in Jerusalem angekommen und dort ebenso, wie schon bei seiner Landung in Haifa und Jaffa, von der eingeborenen Bevölkerung wie von den deutschen Kolonisten unter Entfaltung möglichsten Glanzes empfangen worden. Am Eingang zu der Grabeskirche wurden sie von der römisch-katholischen, der griechischen und der armenischen Geistlichkeit em­pfangen. An der Spitze der katholischen Geistlichkeit hielt der lateinische Patriarch eine bemerkenswerthe Ansprache, die sich natürlich lediglich auf die religiöse Seite der Reise bezog und Anerkennung aussprach für die Huldigung, die das Kaiserpaar dem Erlöser dar­zubringen gekommen sei. Am Montag fand dann die Eröffnung der protestantischen „Erlöserkirche" statt. Der Kaiser hat das neben dem Abendmahlssaale ge­legene Grundstück, auf welchem das Haus stand, in welchem die allerseligste Gottesmutter nach Christi Himmelfahrt bis zu ihrem seligen Ende lebte, dem deutschen Verein vom hl. Lande zur freien Benutzung im Interesse der deutschen Katholiken überwiesen. Während seines Aufenthaltes in Konstantinopel hatte er dort das Grundstück erworben. Daraufhin hat der Hochw. Herr Kardinal-Erzbischof Dr. Krementz von Köln, als Vorsitzender des Vereins vom hl. Lande, dem Kaiser telegraphisch seinen Dank ausgesprochen, ebenso der Papst, dem der Kaiser vor der Schenkung Anzeige erstattet hat.

In Wien hat die Pest zwar nicht weiter um sich gegriffen, aber die eine der erkrankten Wärterinnen, die den zuerst verstorbenen Wärter gepflegt hatten, ist der Seuche am Sonntag ebenfalls erlegen; die andere

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Wärterin soll zwar nicht in Lebensgefahr sein, aber es ist doch immerhin noch zweifelhaft, ob sie davon­kommen wird. Bei den übrigen unter Beobachtung gestellten Personen sollen sich keinerlei Anzeichen der Pest gezeigt haben, so daß diese nunmehr entlassen werden sollen. Auch ist der Verkehr im allgemeinen Krankenhause wieder freigegeben worden, da keinerlei Ansteckungsgefahr mehr bestehen soll.

Die französische Ministerkrisis ist beendigt, an die Stelle des radikalen Kabinets Brisson ist ein ge­mäßigtes Ministeriums Dupuy getreten. Letzterer tritt bereits zum dritten Male an die Spitze eines Kabinets. Dupuy gehört der Richtung des vorletzten Ministeriums, unter Meline, an, das bis jetzt am längsten im Amte war, über zwei Jahre, und wohl auch bald wieder an's Ruder kommen dürfte. Für Land und Volk wäre dies das Beste, weil Meline in der That mit Erfolg die Versöhnung der verschiedenen politischen Richtungen betrieb und von dem gehässigen Kampf gegen die Kirche nichts wissen wollte. Dupuy kann also als sein Platzhalter betrachtet werden. Der neue Ministerpräsident gilt zwar nicht als ein An­hänger der Revision des Dreyfus-Prozesses, allein da die Angelegenheit eben vor dem höchsten Gerichtshöfe schwebt, wird die Regierung sich jeder Einwirkung auf dieselbe enthalten.

Die Verhandlungen über die Faschoda-Frage waren durch die französische Ministerkrisis ins Stocken gerathen, dürften aber jetzt wieder eifriger betrieben werden. Von französischer wie von englischer Seite wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es wegen dieser Frage nicht zum Kriege kommen möge; trotzdem aber rüsten beide Mächte, namentlich England, unter der Hand fortgesetzt Schiffe aus. Das setzt die Frie­denshoffnungen in eigenthümliche Beleuchtung. Frank­reich allein wird zwar einen Krieg mit England nicht riskiren, sondern nur dann, wenn es der russischen Unterstützung gewiß ist. Ob diese aber gewährt wird, ist schwer zu sagen, wenn gleich es keinem Zweifel unterliegt, daß die Russen gerne mit Rücksicht auf den Stand der Dinge in Ostasien, eine Nieder­lage der Engländer lebhaft begrüßen würden.

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Militärkabinets, Generaladjutant von Hahnke mi1 52 Orden, dem Prinz Albrecht von Preußen mi. 44 Orden folgt. Graf August zu Eulenburg steh übrigens erst im 60. Lebensjahre, und in der hohen Hofstellung, in welcher er sich befindet, dürfte ihm noch so manche Dekoration zufliegen, so daß man seinen Ordensschatz noch nicht als abgeschlossen erachten darf.

* Eine elektrische Riesenuhr, deren Zifferblatt einen Durchmesser von etwa 61/» Meter, und deren kleiner Zeiger ein Gewicht von nahezu 150 Pfd. hat, ist am Endpunkt der großen Ost-Eisenbahn in Lon­don aufgestellt worden. Mit derselben sind alle Uhren der 624 Bahnhöfe des Schienennetzes der großen Ost-Eisenbahn verbunden und werden durch sie im richtigen Gange erhalten; sie werden durch den nämlichen elektrischen Sttom regulirt und erhalten ihre Bewegung von dem nämlichen Apparat; dadurch wird erreicht, daß ihr Gang völlig gleichmäßig ist. Eine an dieser Riesenuhr angebrachte Zeigertafel zeigt die geringfügigsten Störungen im Gange der Uhr an, ebenso die kleinsten Abweichungen von der richtigen Zeit bis zu Bruchtheilen einer Sekunde und für jeden beliebigen Punkt des Eisenbahnnetzes.

* Ein frommer Diener als Neger. Ein Pflanzer hatte einen Neger zum Hausdiener, an dem er viel Gefallen fand. Am Tische mußte der Schwarze auf­warten und alle Winke seines Herrn wahrnehmen- Der Pflanzer aber mißbrauchte oft den Namen Gottes leichtsinniger Weise. So wenig er aber bedachte, was er aussprach, so feierlich beugte sich der Schwarze bei jeder Nennung des Namens. Gefragt, warum er das thue, sagte er: „Ach, so oft ich den heiligen Namen höre, erfüllt er meine Seele mit Ehrfurcht!" — Es war eine gute Lehre und sie half dem weißen Herrn. m

* Kannibalenfrühstück. Negerhäuptling: „Wo stammen unsere beiden neuen weißen Gefangenen eigentlich her?" — Frau des Häuptlings: „Der eine ist ein Preuße, wie er sagt, der andere ein Lim­burger." — Häuptling: „Dann bringe mir ein Stück Limburger."_________________

Gottesdien Kordrmng in Fulda.

Sonntag, 6.Nov. Dom. 5'/-, 6, 68/« u. 7'/»Uhr hl. Meffen, 6i/« Uhr Kommunion der Christenlehrschüler, 8 Uhr Kinder-Gottesdienst, 9 Uhr Umgang, Bischöfl. Amt mit Predigt, 12 Uhr hl. Messe, 1'/, Uhr Andackt, 3 Uhr Bischöfl. Vesper. Kirchweih-Dienstag. 8 Uhr Amt mit Predigt in der Todtenkapelle. — Stadtpsarrkirchr. ö'/«Uhr hl. Meffe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpfl. Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt. 9-/- ;Uhr Hochamt und Predigt, 2 Uhr Festpredigt und Andacht. Kirchweih- M ontag. 5*/i, 6, 6*2 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Seelenamt für die Verstorbenen der Stadtpfarrei. — Michael-Kirche. 10 Uhr Hochamt, 2 Uhr Andacht zum Trost der armen Seelen. — Pfarrkirche ptm hl. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. 5, 5*/« und 6*/a Uhr hl. Meffen, 8 Uhr Bruderschaftsmesse, 9 Uhr feiert. Amt, 2 Uhr Versamm­lung des UI. Ordens. _______________