Einzelbild herunterladen
 

irfaetnt täglich, m. Ausnahme der Sonn» und Feier­tage. BirrteljShrl.

A»,»preis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. üv Pf.

FuldaerMZeitung

Inserate: Die em- spalt. Garmond- »eile oder der« Raum 15 Pf., Re- Namen dir Petit» »eile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Verotttwortli»: Für die Redaktion Jo(. Sa«*, iür Illi erste 2. Parzelle» in Flllda.

mit Unterhaltungs-Beilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitungs pdtregage Nr. i Cbarmonie).

M 253.

Jutöa, Samstag, den 5. November 1898.

25. Jahrgang.

Grftes Mcttt.

L Die Ergebnisse der preußischen Landtags-Wahlen

lassen sich nunmehr ziemlich klar übersehen, wenig­stens so Kar, daß man mit Bestimmtheit folgendes sagen kann: die Konservativen haben keine Mehrheit in sich. Vielmehr sind die beiden konservativen Parteien zusammen um mindestens 7 Sitze schwächer im neuen als im alten preußi­schen Abgeordnetenhaus^ Die National- liberalen haben eine Einbuße von vermuth- lich 6, vielleicht sogar 7 Mandaten, die Polen verlieren deren 5. Das sind zusammen 18 ver» lorene Mandate. Von diesen 18 verlorenen Mandaten fallen als neuer Gewinn zu dem Centrum 5, der Freisinnigen Vereinigung 4 und der Freisinnigen Volkspartei 10 Mandate. Das Gesammtergebniß entspricht demnach den muthmaßlichen Berechnungen, die am Tage nach den Urwahlen an dieser Stelle über die Zusammensetzung des neuen Abgeord­netenhauses angestellt wurden.

Nach einer Mittheilung des Wolff'schen Bureaus stellt sich die Stärke der einzelnen Parteien wie folgt: 147 Konservative, 57 Freikonservative, 100 Centrum, 1 Deutsche Reformpartei, 73 Natio­nalliberale, 10 freisinnige Vereinigung, 24 frei­sinnige Volkspartei, 1 Demokrat, 3 Bund der Landwirthe, 14 Polen, 2 Dänen, 1 fraktionslos.

Vor allen Dingen interesfirt uns der Ge­winn des Centrums. Dieser ist dadurch entstanden, daß die Provinz Schlesien dem Centrum allein drei neue Mandate zuführt. Zwei dieser Mandate stammen aus dem Wahlkreise Ratibor, der vom Centrum ganz selbstständig neu erobert worden ist. Das dritte Mandat hat der Wahlkreis Schweidnitz-Striegau ge­liefert. Dort haben die Konservativen durch Kompromiß mit dem Centrum freiwillig ein Mandat an das Centrum abgetreten. Für das Centrum ist dort Erzpriester Hoheisel aus Schweid­nitz gewählt worden. Das vierte Gewinn-Mandat des Centrums stammt aus dem Wahlkreise Lingen-Bentheim, den die Konservativen an das Centrum verloren haben. Endlich ist noch im Wahlkreise Hamm-Soest ein neuer Sitz für die Centrumspartei erobert worden. Dort hatten Konservative und Centrum ein Bündniß geschlossen, und dieses Bündniß hat gesiegt. Es wurden gewählt Graf Plettenberg als Cen­trumsmitglied und ein Konservativer. Das Cen­trum hat somit im ganzen fünf neue Sitze für das Abgeordnetenhaus gewonnen und verfügt in demselben nunmehr über genau ein­hundert Sitze.

Die Freisinnige Volkspartei wird im neuen Abgeordnetenhause über 25 Sitze verfügen, wenn man zwei Hospitanten dazu rechnet, näm­lich den demokratischen Prediger Sänger aus Frankfurt a. M. und den Gutsbesitzer Dommas für Thorn. Im alten Abgeordnetenhause hatte diese Partei 14 Sitze inne. Die Freisinnige

Der Letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Begreiflicher Weise blieb die schöne Tochter des Schwertwirths bei den jungen Männern nicht unbemerkt. Die Gäste in dem „Schwert" mehrten sich auffallender Weise von Tag zu Tag. Selbst von auswärts trafen sie ein. Allen aber, welche sich gewisse Hoffnungen gemacht hatten, stand eine große Enttäuschung bevor. In der Regel zeigte Senzchen sich gar nicht in den Wirthschafts- räumen, sondern sie beschäftigte sich gemeinschaftlich mit Tante Anna, die mit unbeschreiblicher Zärt­lichkeit an ihr hing, mit Haushaltungsarbeiten. Wenn ihre Unterstützung in der Wirtschaft noth- wendig wurde, begegnete sie allen Gästen mit der gleich wohlthuenden Herzlichkeit, aber ihren hoheitsvollen Blicken gegenüber fehlte sogar dem Kecksten auch nur zu einer vertraulichen Be­merkung der Muth.

Das gestaltete sich freilich ein wenig anders, als die Studenten Oskar und Raimund von München in die Ferien kam. Oskar wollte die Jugendgespielin ohne Weiteres wie früher in seiner stürmischen Weise begrüßen, aber auch er wurde durch ihr abweisendes Lächeln belehrt, daß sie keine Kinder mehr seien. Dagegen sägte ihm der erwärmende Strahl ihrer schönen Augen, daß sie die kindliche Zuneigung auch dem Jüng­ling bewahrt hatte und schon diese Erkenntniß war eine hohe Genugthuung für ihn.

In gleicher Weise wurde Raimund, der an­fangs eine schüchterne Zurückhaltung geübt hatte.

von Senzchen begrüßt, und bald war das trau­liche Verhältniß zwischen den drei jungen Leutchen wieder hergestellt, das durch die hemmenden Schranken nur eine noch anregendere Färbung erhielt.

Ein schärferer Beobachter hätte freilich entdeckt, daß das Wesen Senzchens dem sinnigen und stillen Raimund gegenüber allmählich eine bemerkbare Wandlung erlitt. Sie erglühte, wenn er erschien, und eine gewisse Unruhe drückte sich in ihrem Mienenspiel aus, während sie dem weit lebhafteren Oskar gegenüber trotz seiner oft recht tollen Ein­fälle ihre Unbefangenheit niemals verlor.

Senzchen hatte es im Institut zu einer ge­wissen Virtuosität im Klavierspiel gebracht. Rai­mund spielte die Violine und Oskar die Zither. Da gab es denn nicht selten ein recht hübsches Konzert. Die größte Freude aber wurde jedes Mal, namentlich dem alten Grafen bereitet, wenn Senzchen mit ihrer prächtigen glockenreinen Stimme, von den beiden Studenten begleitet, ein Liedchen vortrug. Eines hörte er besonders gern, welches das Mädchen ihm deshalb auch bei jeder Gelegenheit sang:

„Wie am holden Lenzesmorgen Wonnig strahlt das Himmelszelt, Blickt das blaue Menschenauge Froh und heiter in die Welt.

Ueberfluthend in der Freude, Düster grollend in dem Weh — Gleicht des dunklen Auges Tiefe Einem sturmbewegten See.

Schön sind beide: doch nun frage. Welchem Aug gebührt der Preis? Es ist eine heikle Frage, Die ich kaum zu lösen weiß.

Vereinigung gewinnt 4 Mandate, wird also im neuen Abgeordnetenhause über 10 Sitze ver­fügen. Neue Erscheinungen für das Abge­ordnetenhaus sind der Demokrat Sängerlaus Frankfurt a. M. und der Antisemit Werner, der im Wahlkreise Hersfeld-Rotenburg gewählt ist. Die Sozialdemokraten bleiben auch im neuen Abgeordnetenhause ohne Vertretung.

Im neuen wie int alten Abgeordnetenhause ist eine dreifache Mehrheitsbildung mög­lich: 1. Konservative und Centrum, oder 2. Konser­vative und Nationalliberale, oder 3. Centrum, Na­tionalliberale und Freisinnige. Es bleibt also so ziemlich alles beim alten.

Besondere Erwähnung verdient es, daß Herr Hosprediger a. D. Stöcker seinen Sitz im Ab­geordnetenhause verloren hat. Die Konser­vativen hatten ihn in seinem bisherigen Wahl­kreise Minden-Lübbecke nicht mehr ausgestellt. Der vom Bunde der Landwirthe empfohlene Herr Rehling hat Herrn Stöcker verdrängt. In B r e s l a u haben die freisinnigen Wahlbewerber nur mit sehr knapper Mehrheit gesiegt. Die vereinigten Parteien der Konservativen und des Centrums werden Widerspruch gegen die Wahl erheben, da bei derselben mehrfach Unregelmäßig­keiten vorgekommen sind. Die Zahl der Cen­trumswahlmänner war diesmal mehr als drei­mal so groß als im Jahre 1893.

Deutsches Deich.

Berlin, 4. November.

* In einer Besprechung der Bakästmareise des deulfche« Kaisers sagt das Wiener ,Fremdenblatt': „Es wäre verfehlt, ein politisches Programm in die Reise hineinzulegen. Wenn sie trotzdem eine in das Politische hinüberspielende Kontroverse und in Bezug darauf eine strenge Präzisirung des deutschen Standpunktes zur Folge hatte, so ist der Anstoß dazu nicht von Deutsch­land gekommen. Kaiser Wilhelm hatte sich über­haupt angelegen sein laffen, einer einheit­lichen konfessionellen Auslegung seines Erscheinens im hl. Lande vorzubeugen." Das Blatt konstatirt, daß der lebhafte Dank des Kardinals Kopp an den Kaiser für die Abtretung des Grundstückes „Dormition de la Sainte Vierge“ an die Katholiken gezeigt habe, wie die Katholiken Deutschlands dieses Geschenk würdigen. Dieser Vor- gangzeige,daßdieJnteressenderdeutschenKatholiken in den Händen des Kaisers gut aufgehoben seien. Hoffentlich werde dies auch eine dauernde günstige Wirkung auf das Verhältniß beider Konfessionen in Deutschland haben, wodurch der Aufenthalt des Kaisers in Jerusalem eine Bedeutung für das innere Leben Deutschlands erlangen könne. Wenn man an die Politik anläßlich des Auf­enthaltes des Kaisers in Jerusalem denken wolle, so sei sein dort ausgesprochener Wunsch: „Friede sei auf Erden", gewiß das schönste politische Wort, das der Kaiser gesprochen, sprechen konnte. Das, V a t e r l a n d' sagt: „Die offenbar auf eine Spannung zwischen Berlin und dem Vatikan und auf eine Trübung des Verhältnisses der deutschen Katholiken zu Kaiser und Reich ab­zielenden Prophezeiungen und Wünsche einer ge-

wiffen Richtung haben sich nicht erfüllt. Die von vornherein gar nicht anzuzweifelnde edle Ge­sinnung Kaiser Wilhelms, sowie der gleichfalls vorauszusetzende Takt der in Betracht kommenden katholischen Faktoren haben alle Hoffnungen der Uebelwollenden zu Schanden gemacht und alle etwaigen Besorgniffe auf der anderen Seite zer­streut." Das Blatt erinnert an die Begrüßung des Kaisers, als er den heiligen Boden betrat und an den Empfang des Kaiserpaares bei der Kirche des heiligen Grabes, welcher den Katho­liken eine wahre Befriedigung bieten konnte, und konstatirt, daß der Kaiser in Jerusalem einen großherzigen Akt vollzogen habe, der aufs Neue von seinem Wohlwollen gegen die deutschen Katholiken Zeugniß ablegt und auch die Katholiken anderer Länder mit Genugthuung zu erfüllen ge­eignet sei. So sei denn zu hoffen, daß der Be­such des deutschen Kaisers in Jerusalem und im heiligen Lande der katholischen Sache nicht nur keinen Nachtheil bringen, sondern durch Festigung des guten Verhältniffes zwischen eacerdotium und Imperium jene vielmehr fördern werde.

* Den Einzug des Kaisers i« Jerusalem wird auf höheren Wunsch der Genremaler Friedrich Perlberg-Nürnberg im Gemälde darstellen. Der Künstler befindet sich in Jerusalem und wird den größten Theil des Gemäldes an Ort und Stelle fertig stellen.

* Reichskanzler Iürst Kohenlohe wird erst am Montag, anstatt wie anfänglich angenommen schon am Samstag, nach Berlin zurückkehren. Auf den Wunsch des Großherzogs von Baden wird sich der Kanzler am Samstag zu einer Besprechung mit dem Großherzog nach Baden-Baden begeben.

* Die internationale Konferenz zur Be­kämpfung des Anarchismus soll nach einer bisher vereinzelten Zeitungsmeldung am 24. No­vember in Rom zusammentreten.

x Ein Osfiziosus will wissen, daß dem Reichstage schon in der ersten Sitzungs­periode ein neues Sozialistengesetz vorgelegt werden soll. Es sollen „Eindämmungsmaß­regeln gegen die sozialdemokratische Hochfluth" getroffen werden; mit der bisherigen Taktik müffe endgiltig gebrochen werden. „Rücksichtslose Energie" müsse walten gegen die „Todfeinde aller göttlichen und menschlichen Ordnung". Die Lust zu solchen Dingen ist bei vielen Leuten vorhanden, die theils selbst den Regierungskreisen angehören, theils großen Einfluß auf diese aus­üben, das weiß man ja längst. Ob man aber im Ernste entschloffen ist dazu, mit solchen Vor­lagen an den Reichstag heranzutreten, scheint uns doch noch zweifelhaft zu sein. Ein Ausnahme- Gesetz gegen Anarchisten läge vorerst näher; aber auch daran ist wohl zunächst nicht zu denken. Mindestens wird man doch erst die Anarchisten- Konferenz in Rom und ihre Ergebnisse ab warten wollen.

0 Daß dem Reichstage eine Vorlage zu­gehen soll über Maßregeln zum Schutze der Angestellte« im Kaudelsgewerve, ist bereits bekannt. Nunmehr wird berichtet, daß in dem fertig gestellten Entwürfe dieser Vorlage die Ar­beitszeit ohne bestimmte Höchstgrenze und ohne einheitliche Zeit des Ladenschlusses geregelt ist.

Jenem Aug sei er verliehen. Wo in mild verklärtem Licht Durch der süßen Sterne Glühen Schuldlos rein die Seele spricht!" . . .

Uebrigens erschien Senzchen seit der Anwesen­heit Oskars nicht mehr so oft wie sonst aus dem Schloß, und auch dann immer nur in Begleitung der Tante Anna, niemals allein.

Der Graf schien ihre Beweggründe zu errathen. Er knüpfte keine Bemerkung daran.

Ueberhaupt begann er sich mehr und mehr an die Einsamkeit zu gewöhnen und die Ver­stimmung über sein Leiden ließ nach. Er las viel in Erbauungsbüchern, schrieb an seinem Tage­buche und empfing von Zeit zu Zeit den Pfarr­herrn. Er hatte, um für alle Fälle gerichtet zu sein, in den letzten Monaten wiederholt gebeichtet und kommunizirt.

"Selbst'die allzu häufige'Einkehr des lebhaften Oskar im Krankenzimmer sah er nicht gern. Dieser fühlte es und suchte Unterhaltung bei dem Kastellan Hauber, wo er sie auch in ausgiebigster Weise fand. Des Papageis war er zwar in München bald überdrüssig geworden und hatte ihn sammt Käfig dem Sohne seines Hausherrn geschenkt, aber darum hatte er den gefälligen Spender doch nicht vergessen, und das allein hatte Anton be­zweckt.

Die Ferien gingen zu Ende und der Tag, an welchem die Musensöhne wieder an die Hochschule abgehen mußten, rückte heran. Oskar und Rai­mund beschlossen, vorher noch ein kleines Fest mit Kommers zu veranstalten, wozu man mehrere Studenten aus der Umgebung einlud.

Der Saal des „Schwerts" wurde für die

0 Von Berlin aus ist in Posen Ministerial- Direktor v. Bitter mit zwei Geheimräthen ein­getroffen, um mit dem Oberprästdenten der Pro­vinz Posen und den beiden Regierungs-Präsiden­ten von Posen und Bromberg über die rvirtß- schaftliche Keöuug des Ästens zu berathen. Nach Zeitungs-Berichten hat man sich in diesen Berathungen zunächst mit der Frage beschäftigt, wie etwa der Roth an Arbeitern und Dienstboten zu steuern sei und wie man die Zulassung von Arbeitern aus Russisch-Polen regeln müsse. Auch über die Erweiterung des Bahnnetzes ist verhandelt worden. Wie aus Essen berichtet wird, hat die Firma Krupp in Posen ein Grundstück im Umfange von 14 Morgen angekauft. Ver- muthlich handelt es sich dabei um die Errichtung einer Filiale. In Danzig werden noch im Laufe dieses Monats verschiedene Vertreter der rheinisch­westfälischen Großindustrie erwartet, die sich an Ort und Stelle über die einschlägigen Verhält­nisse unterrichten wollen. Naturgemäß können alle diese vorläufigen Berathungen und Erkundigungen nicht sofort zu handgreiflichen Folgen führen.

* Neuartige Kundert und Gauseud-MarK- scheine werden demnächst in den Verkehr gelangen. Diese neuen Reichsbanknoten tragen das Datum l.Juli 1898 und weisen verschiedene Abweichungen von den alten Scheinen auf. So ist z. B. der Pflanzenfaserstreifen nicht rechts sondern links vom Datum gesetzt; bei den 100-Markscheinen ist er roth, bei den Scheinen zu 1000 Mark grün ge­färbt. Ferner haben die neuen Scheine noch ein zweites Wafferzeichen, welches abwechselnd einen großen Buchstaben des lateinischen Alphabets in sich birgt. An maßgebendster Stelle wurde der ,Germ.' hierzu mitgetheilt, daß das Datum für die Ausgabe noch nicht festgesetzt ist. Dieser Tag wird unter genauer Beschreibung der neuen Noten noch öffentlich bekannt gemacht werden.

* In der Novelle z«m Invaliditats- chesetz schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/: Die Anregung, die Altersgrenze für die Altersrente herabzufetzen, hat wegen ihrer großen finanziellen Tragweite unberücksichtigt bleiben müffen. Die Zahl der Altersrenten betrug am 1. Januar 1897 200492. Bei einer Herabsetzung der Alters­grenze von 70 Jahre auf 65 Jahre würde die Zahl sich um 199 329, bei einer Herabsetzung auf 60 Jahre sogar um 530189 vermehren. Die jährliche Ausgabe würde sich bei der Herab­setzung auf 65 Jahre um 30,28 Millionen Mark, auf 60 Jahre um 80,5 Millionen Mark steigern. Der in diesen Summen enthaltene Beitrag des Reiches würde für dieses eine jährliche Mehr­leistung von etwa 10 Millionen bezw. 26'/, Mill. Mark bedeuten. Gegenüber dieser Mehrbelastung konnte die Herabsetzung der Altersgrenze int Hin­blick auf die finanzielle Lage der ungünstig ge­stellten Anstalten nicht vorgeschlagen werden.

* Die allgemeine WeHzähluug int Bereiche der preußischen Monarchie, welche in den früheren Jahren am 1. November stattfand, wird in diesem Jahre erst am 1. Dezember vorgenommen werden. Schon im vorigen Jahre ist mit dieser Aufnahme des Viehbestandes zum ersten Male auch eine Zählung des Geflügels verbunden worden, was nun auch in diesem Jahre geschehen

Feier gewählt. Die Studenten mit ihren bunten Mützen und Bändern trafen schon Vormittags ein. Theilweise befanden sie sich in Wichs, trugen goldgestickte Cereviskäppchen, langöhrige Stiesel, Sammtröcke mit Schnüren und rauchten aus mächtigen Pfeifen. Arm in Arm durchzogen sie die Straßen der Stadt, wo man ihnen mit neu- gierigem Staunen nachsah.

Indessen ging die Ausschmückung des Saales vor sich. Oskar und Raimund leiteten sie, von Senzchen und Anna unterstützt. Kränze und Guir- landen wurden an den Wänden angebracht, da­zwischen Fähnchen und Wappen in den Farben der Verbindung. Ein riesiges, in Silber gefaßtes Trinkhorn hing von der Decke herab.

Gestern Abend sammelten sich sämmtltche Musensöhne int „Schwert". Oskar hatte kurz vorher einen Gang in den Hof gemacht, wo er den Hausknecht Martin mit dem Blankscheuern eines Schleppsäbels beschäftigt fand. Ein bereits abgestäubter Helm mit einem Busch von grünen, schwarzen und weißen Federn lag daneben auf einem Schranke.

Ein Gedanke erwachte in dem jungen Manne.

„Das ist etwas für uns, Martin," wandte er sich an den Knecht, „ein köstlicher Einfall. Als sichtbares Abzeichen feiner Würde schmückt das Präsidium fein Haupt mit dem Helm und gürtet das Schwert um."

Er wollte ohne weiteres zugreifen, aber der Knecht kam ihm zuvor. Mit beiden Händen sicherte er Säbel und Helm.

„Halt, Herr," hielt er entgegen, „das geht nicht! Da gäbe es von der Frau Wirthin einen schönen Wischer für mich. Die Sachen sind ein