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M 252. JuL-a, Freitag, den 4. November 1898. 25. Jahrgang
▲ Eide und Meineide.
Dem Reichstag soll, wie bereits berichtet, alsbald nach seiner Eröffnung, jedenfalls noch im Laufe der ersten Tagung, eine Vorlage zugehen, die bezweckt, im Civil- und Strafverfahren für die Zeugenvernehmungen den Nacheid an die Stelle des jetzt üblichen Voreides zu fetzen. Danach würde also ein Zeuge seinen Eid erst zu leisten haben, nachdem er seine Aussagen vor Gericht gemacht hat, nicht vorher, wie es jetzt vorgeschrieben ist. Daß die verbündeten Regierungen mit einer solchen Vorlage den Beifall weiterer Kreise erzielen würden, ist unzweifelhaft. Schon im letzten Reichstage fand der Gedanke, den Nacheid an die Stelle des Voreides zu setzen, allgemeine Zustimmung.
Im allgemeinen nimmt man an, daß die Zahl der geleisteten Meineide fortgesetzt zunehme; und man gründet diese Annahme auf die fortgesetzte Herabminderung der Achtung und Ehrfurcht des Volkes vor dem Eide und seiner Heiligkeit. Das ist indessen eine Annahme, die sich leider schwer durch Thatsachen begründen läßt. Ein ganz sicherer Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme würde nur dann erbracht sein, wenn man die Zahlen der während der letzten Jahre geschworenen Eide fortlaufend vergleichen könnte mit der Zahl der Meineide, die geschworen, oder doch derjenigen, die entdeckt worden und zur Bestrafung gelangt sind. Ein ganz klares Bild über diese Verhältnisse würde man auch nur dann erlangen, wenn man mindestens die entsprechenden Ziffern der letzten 25 Jahre vor sich sähe — kurz und gut, wenn man sich nur ein ganz klein wenig in dieses Thema vertieft, dann gelangt man sehr schnell zu der Entdeckung, daß man solche thatsächliche, ziffermäßige Beweise gar nicht erbringen kann.
Dennoch besteht eine Statistik, die ein kleines Licht auf diese Frage wirft. Man weiß nämlich, wie das Verhältniß sich stellt zwischen der Zahl der strafmündigen Personen im Deutschen Reiche und der Zahl der Verurtheilungen wegen Verletzungen der Eidespflicht; und dieses Verhältniß hat sich während der letzten Jahre so wenig verändert, daß man getrost sagen kann, es sei ein ziemlich feststehendes. Auf 100 000 Personen der strafmündigen Civilbevölkemng betrug die Verhältnißziffer der wegen Eidesoer- letzung bestraften Personen in den Jahren von 1892—1896 immer etwas mehr als vier, nämlich 4,4 in 1892, und in den folgenden Jahren 4,7 — 4,3 — 4,8 — 4,1; das heißt also, es wurden alljährlich im ganzen Deutschen Reiche im Durchschnitte 1500 bis 1600 von 100000 strafmündigen Personen der Civilbevölkerung wegen Verletzung der Eidespflicht bestraft.
Mit Unrecht wird gegen diese Statistik der Einwand erhoben, daß sie keinen Aufschluß gebe über die Zahl der wirklich geleisteten Meineide. Denn man muß annehmen, daß das Verhältniß der entdeckten Meineide zu der Gesammt-
Der lrtzte Trteb.
Kriminal-Roman von Max Benno.
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Konrad verließ alsdann die Stube und kehrte nach einer Weile wieder zurück. Er ging aber an Leonhard vorbei, als kenne er ihn gar nicht, und setzte sich zu den Bauern an den vorderen Tisch- _,
Der Zitherspieler ging bei den Gästen herum und nahm von den Bauern ein Paar Pfennige in Empfang, während Konrad ihm etliche Nickel zuwarf. Die Musikanten hatten offenbar eine Aufforderung zum Weiterspielen erwartet, als diese aber nicht erfolgte, packten sie ihre Instrumente ein und gingen fort. Auch von den Bauern entfernte sich der eine nach dem andern, um nur Konrad und Leonhard blieben zurück.
„So'-, sagte Konrad, „jetzt können wir plaudern; die Wirthsleute sind nicht daheim, und Kathi wird uns, ohne daß wir etwas verlangen, nicht stören, sie hat in der Küche zu thun. Wie kamst Du denn nach diesem Neste?"
Leonhard drehte seinen blonden Schnurrbart. „Blos durch den Zufall", erklärte er, „denn in Rodenbach habe ich nichts zu thun. Mein Weg führt mich aber durch das Dorf und als ich vorhin vernahm, wie fidel es in diesem Wirths- hause zuging, kam ich herein. Du scheinst ja wieder ganz Oberwaffer gewonnen zu haben, weil Du Dir am Hellen Werktage zum Tanze aufspielen läßt."
Konrad fuhr mit der Hand durch sein struppiges Haar: „Den Teufel habe ich," fluchte er,
summe aller geleisteten Meineide im allgemeinen dasselbe bleiben wird. Aber ein anderer Einwand ist berechtigt, und das ist der, daß man aus dieser Statistik nicht entnehmen kann, ob die Ziffer aller geleisteten Eide in den angeführten Jahrgängen auch annähernd dieselbe geblieben ist. Angenommen zum Beispiel, diese Ziffer habe sich neuerdings verringert, so würden die angeführten Verhältnißzahlen dennoch in der That eine Verschlimmerung bedeuten. Endlich aber fehlt der Vergleich mit früheren Jahrgängen. Eine Statistik dieser Art, die sich nur über zehn oder zwölf Jahre erstreckt, ist allzu dürftig. Sie müßte sich, um ein wirklich anschauliches Bild zu geben, doch allermindestens auf ein Menschenalter erstrecken.
Alles in Allem genommen kann man also ganz gut die Behauptung aufstellen, daß uns die Statistik bei der Beurtheilung dieser Frage im Stiche läßt. Sie ist zu ungenügend, um uns ein klares Bild über die wahre Sachlage zu geben. Das allgemeine Gefühl aber geht dahin, daß die Achtung vor dem Eide in der Abnahme und die Neigung zu Meineiden in der Zunahme begriffen ist, und wenn es sich um so ernste und heilige Dinge wie um die Leistung von Eiden handelt, io muß man unbedingt jede Maßregel mit Freuden begrüßen, die dazu beitragen kann, eine so ernste Handlung vor Mißbrauch und weiterer Herabwürdigung zu schützen.
Eine solche Maßregel würde die Einsetzung des Voreides durch den Nacheid sein. Heute täuscht sich bei uns schwerlich noch Jemand bei ernsthafter und reichlicher Ueberlegung darüber, daß die allgemeine Einführung des Voreides bei uns keine glückliche Maßregel war. Außerdem aber würde es der Bedeutung, der Hochschätzung und Heilighaltung des Eides nur förderlich und ersprießlich sein, wenn die Zahl der Eide nach Möglichkeit vermindert würde. Oft müffen Eide geleistet werden über Dinge, die außerordentlich unbedeutend sind; und ohne Zweifel kann es die Bedeutung des Eides in den Augen des Volkes nicht heben, wenn er bei allen möglichen, auch noch so geringen Veranlassungen in Anwendung kommt.
Deutsches Reich-
Berlin, 3. November.
h Eine recht merkwürdige Meldung kommt aus Rom. Danach müßte die ganze Geschichte von einem Mordanschlage gegen den Kaiser Wilhelm in Alexandria oder Kairo--— Schwindel feinI Die Her
steller der Bomben sind nach dieser Meldung gar nicht entdeckt worden, und angeblich soll den in Alexandria verhafteten italienischen Anarchisten keinerlei Betheiligung an der Herstellung dieser Bomben nachgewiesen sein. Unmittelbar nach der Rückreise des Kaisers dürften die Verhafteten entlasten werden, obwohl sie „zu allem fähige Gesellen" seien. Sehr richtig bemerkt die ,Vossische Zeitung/ der diese Meldung aus Rom zugeht, die Geschichte wäre ein „Skandal ersten Ranges", wenn diese Meldungen sich bewahrheiten sollten. Und wirklich würde wohl noch niemals so zu sagen dermaßen
„aber wenn man sich jahraus jahrein wie ein Stück Vieh plagen muß, will man doch dann und wann einen lustigen Tag. Den mache ich mir jedesmal, wenn mir mein Vierteljahrslohn ausbezahlt wird. Ein solcher ist heute und da war mirs gerade recht, daß ich die Musikanten in dem Wirthshause antraf."
„Du bist wohl im Dienste hier?" fragte Leonhard.
Ein Zornesblitz zuckte aus den Augen Konrads hervor. „Ja, im Dienste," knirschte er, „ein lumpiger Bauernknecht, den man jährlich mit etlichen Thalern abspeist, ich, der ehemalige flotte Dragoner, der Sohn eines Hofbauern, der jetzt ein gemachter Mann sein könnte, hätte man ihn nicht mit Gewalt um Hab und Gut und ins Zuchthaus gebracht. Wenn ich daran denke, läuft mir jedesmal die Galle ins Blut, und ich könnte sie alle erwürgen, die daran schuld sind, besonders den scheinheiligen Wald- heimer Bürgermeister, der nicht nachließ, bis ich wegen betrügerischen Bankerotts gefaßt wurde und in den Brummkasten kam. Was würde es denn geschadet haben, wenn man ein Auge zugedrückt hätte? Die Juden wären freilich um ihr Guthaben gekommen, aber diese Blutsauger machten sich schon vorher mit dem bezahlt, um was sie mich betrogen haben. Doch — so wahr ich Konrad Kaller heiße, ich tränke es diesem Burschen noch ein, der auch bei dem Verkauf der Schwertwirthschnft und der nachherigen Ver- heirathung Ottiliens, die eigentlich mir gehörte, die Hand im Spiele gehabt hat. Ich habe Dir ja diese heillosen Geschichten schon erzählt. Ich kann mir schon denken, was Du im Sinne hast.
insDetail gelogen worden seinwiediesmal, wenn das alles nur eine Erfindung und eine Anzettelung von Polizeispitzeln sein sollte. Der Schwindel würde einzig dastehen an Abgefeimtheit und Frechheit — man erinnere sich nur, daß die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/ eine Darstellung der anarchistischen Verschwörung gegen die kaiserlichen Majestäten brachte, die nach ihrer Angabe aus amtlicher Quelle geschöpft war. Zunächst wird man das Weitere abzuwarten haben, bevor man daran glaubt, daß das alles wirklich nichts weiter gewesen sein soll als ein Theaterstückchen der politischen Polizei. Auch ist es schwierig einzusehen, warum dieses Spektakelstück erfunden und aufgeführt worden sein sollte.
* Der designirte preußische Gesandte beim Vatikan Wolfram Freiherr v. IlotenHau ist am 20. April 1845 geboren. Er war Ende der siebziger Jahre Konsulatsverweser in Bukarest, wurde 1880 Botschaftssekretär in Petersburg, 1882 Legationssekretär bei der Gesandtschaft in Rom, 1884 Botschaftssekretär in Paris und ging Ende des Jahres nach Buenos Aires, von wo er 1890 nach Berlin zurückkehrte, um Unter» staatssikcetär in Auswärtigen Amt zu werden. In dieser Stellung blieb er bis Anfang Dezember 1897. Seit dem 2. April 1895 ist Herr v. Rotenhan Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat Exzellenz. Frhr. v. Rotenhan ist geborener Bayer und evangelischen Bekenntnisses. Bis jetzt sind alle preußischen Gesandten beim hl. Stuhle, von Niebuhr bis zu dem jüngst abberufenen Herrn von Bülow, Protestanten gewesen.
0 Die Stadt Berlin erhält einen seltenen Besuch: Dr. Aameso«, bekannt durch seinen verunglückten Fceibeuterzug gegen die Buren von Transvaal, befindet sich auf der Reise nach Berlin. Die Frage liegt nahe, ob dieser Besuch in Zusammenhang steht mit den gegenwärtig schwebenden Verhandlungen über die Ausdehnung des englischen Einflusses in Südafrika.
0 Die .Norddeutsche Allgem. Ztg/ versichert in halbamllicher Tonart, daß die Meldung von dem Rücktritte des Leiters der Kolonial- abtheilung. Geh. Legationsrathes vo« Muchka, unbegründet sei; ebenso sei es unrichtig, daß der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Generalmajor Siebert, nicht nach Ostafrika zurückkehren wolle und zum Nachfolger des Herrn von Buchka ausersehen sei. Herr Generalmajor Liebert werde nach Ostafrika auf seinen Posten zurückkehren, und Herr von Buchka sei mit dem Kolonialrathe über alle wichtigen Fragen zu vollkommenem Einverständnisse gelangt. — An dieser Stelle ist das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritte des Herrn von Buchka auch als Gerücht verzeichnet worden. Im übrigen ist es gar nicht so vollkommen „unbegreiflich" — wie die ,Nordd. Allgem. Ztg/ sich ausdrückt — daß dieses Gerücht entstehen konnte. Die Ernennung des Herrn von Buchka zum Leiter der Kolonial- abtheilung hat seinerzeit in weiten Kreisen lieber- raschung hervorgerufen. Warum sollte es so vollkommen „unbegreiflich" sein, daß Herr von Buchka für seine hervorragende Arbeitskraft sich lieber ein Arbeitsfeld wünschte, auf dem seine Erfahrungen umfassender sind als auf dem Ge-
Du machst in Schloß Waldheim einen Besuch bei Deinem Onkel, den Du anzapfen willst. Nun, dem schadet es nichts, wenn er Dir eine Handvoll Goldfüchse gibt. Er soll Geld haben wie Heu. Es wird allerdings auch so sein, ging er ja in seinem Angebot damals, wie mir der Vater sagte, für die Schwertwirthschast über die Hundertausend hinauf. Was treibst Du denn sonst?
Wieder strich Leonhard seinen Bart. „Nicht viel," entgegnete er, „führe aber ein ganz leidliches Leben dabei. Ich bin nämlich Mitglied einer Akrobatengesellschaft und ziehe mit derselben in aller Herren Länder umher. Reiche Leute werden wir nicht, aber das verlangen wir auch nicht. Wir verdienen immer so viel, als noth- wendig ist, essen und trinken, was uns schmeckt, und zu arbeiten brauchen wir mit Ausnahme der etlichen Stunden wöchentlicher Vorstellungen nichts. Manchmal geht das Geschäft allerdings ein bischen flau, und da dies gerade jetzt wied er der Fall ist, habe ich die Gelegenheit für ein en Abstecher zu meinem Onkel benützt."
Mit düsterem Blicke starrte Konrad vor sich hin. „Du hast's freilich gut," sagte er dann, „und bist ein Herr, mir aber ist dieses Hundeleben manchmal so verleidet, daß ich davonlaufen könnte. Ich habe auch schon manchmal an etwas Anderes gedacht. Du erzähltest mir, warum man Dich damals eingesteckt hat. Ich meine, immer werde man bei solchen Sächlein doch nicht erwischt, und wenns gut geht, macht man ein famoses Geschäft. Wir erdachten und besprachen manches derartige Plänchen. Ich wüßte ein paar ganz geschickte Gelegenheiten, was meinst Du dazu ?"
biete der Kolonialverwaltung? Sonst aber wird es jeden ehrlichen Deutschen freuen, wenn das deutsche Kolonialwesen einer gedeihlichen Entwickelung sich erfreut; fei dies nun unter der Leitung des Herrn von Buchka, oder unter einer andern Leitung.
X „Ein unumgängliches Gebot der Zeit" soll nach einer von Berlin aus in ein Provinzblatt gebrachten Notiz ein Ausnahme- Gesetz sein gegen den „Wißvranch derWer- fammkrmgsfreiHett «nd der Preßfreiheit". Vater dieses Gedankens ist, wie man sich ohne weiteres denken kann, der preußische Minister des Innern, Herr Freiherr v. d. Recke von der Horst. Vor einigen Tagen wurde in halbamtlichen Notizen ausdrücklich die längst bestehende Annahme bestätigt, daß dem preußischen Landtage auch eine neue Novelle zum Vereinsgesetze zugehen werde, denn Reichskanzler und Ministerpräsident Fürst Hohenlohe fühle sich nach wie vor an sein Versprechen gebunden, das er vor zwei Jahren im Reichstage gegeben habe. Stellt man nun diese beiden Nachrichten zusammen, so kommt man auf die Vermuthung, daß die neue „lex Recke" der alten so ähnlich sein werde wie ein Ei dem andern: als „Kompensation", als Ausgleich für die Aufhebung des Verbindungsverbotes für politische Vereine Ausnahme - Bestimmungen gegen sogenannten Mißbrauch der Versammlungs- und Presse-Freiheit. Aus einer so flüchtigen Notiz kann man natürlich nicht ersehen, was der Herr Minister unter einem solchen Mißbrauch sich vorstellt. Es gibt ja ohne Zweifel Mißbräuche der Presse-Freiheit. Dieselben liegen auf dem Gebiete der öffentlichen Moral und der guten Sitte — genauer ausgedrückt, auf dem Gegentheil davon; und wenn z. B. Herr von der Recke einen Vorstoß unternehmen wollte gegen die vielen offenen und versteckten Unsittlich keiten, die von einem Theile unserer Presse begangen und gefördert werden, so würde er sich dadurch den ungetheilten Beifall weiter Volkskreise erwerben. Aber gerade für solche Bestrebungen, die sicher mehr als alle anderen „ein unumgängliches Gebot der Zeit" genannt werden müssen, ist ja in Berliner Regierungskreisen recht wenig Stimmung vorhanden; das beweist das Schicksal der sogenannten „lex Heintze". Man wird also, die Richtigkeit der vorher gekennzeichneten Zeitungsmeldungen vorausgesetzt, anzunehmen haben, daß Herr von der Recke sich selbst zu über» tjreffen und einen Gesetzentwurf ein jubrin gen gedenkt, der noch schärfer als sein Vorgänger „den Polizeistock schwingen soll gegen die bestehenden bürgerlichen und Presse-Freiheiten überhaupt; und für solche Bestrebungen wird der Herr Minister sehr wenig günstige Stimmung im Lande vor finden. Solange das preußische Abgeordnetenhaus nicht unter der Herrschaft einer in sich geschloffenen konservativen Mehrheit steht, wird er auch beim preußischen Landtage vergeblich anklopfen; und das ist ein guter Trost gegen die Reaktions-Gespenster des Frhrn. v. d. Recke.
* Die Ileichskommisfio« für AtSetter- galistik soll, wie früher schon berichtet, am 17. November wiederum eine Sitzung beginnen. Man nimmt an, daß dieselbe etwa vier Tage in Anspruch nehmen werde. Namentlich soll Sorgfalt
Leonhard lachte. „Kommt Zeit, kommt Rath," sagte er, an mir fehlt es selbstverständlich nicht, wenn irgendwo etwas zu holen ist, ohne daß man viel riskirt. Ich bin deshalb auch immer gesattelt."
Damit ergriff er in feine innere Rocktasche und brachte ein Päckchen mit lederner Umhüllung hervor. Diese entfernte er und breitete vor Konrad mehrere Werkzeuge aus: eine kleine Metallsäge, zwei Feilen, eine Anzahl Dietriche und Anderes.
Konrad betrachtete die Sachen und nickte befriedigt. Ehe er jedoch zum Worte kam, fuhr Leonhard fort, indem er die Gegenstände wieder einpachte und in seiner Tasche verbarg: „Das ist für den Nothfall, vorerst liegt ein solcher nicht vor, denn ich zweifle nicht daran, daß sich die milde Hand des Onkels aufthut. Dann komme ich wieder hierher zurück und Du sollst auch Deinen Theil haben. Leidensbrüder, wie wir, lassen sich nicht im Stiche. Ueberhaupt wollen wir einander von nun an im Auge behalten, man kann nicht wissen, für was es gut ist. Du, Konrad, bist ein ebenso brauchbarer Bursche wie ich, und wenn wir fest zusammenhalten, gibt es ein Stück. Wir wollen den Leuten beweisen, daß der Brummkasten eine bessere Schule ist, als mancher Hörsaal, wo man den Herren Studenten ihre Weisheit einpaukt."
Die beiden blieben noch einige Stunden beisammen, und ein Krug um den andern wurde geleert. Endlich aber — es war schon gegen Abend — wurde das Gelage beendet, und Leonhard machte sich, nachdem er versprochen hatte, bald wieder zu kommen, nach Waldheim aus den Weg.