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mit Z-Orhattungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs pctcrrgajle Ur. 2 Cbcrmonie).

M 251.

. Mit einer Beilage.^

G Spanien und Amerika.

Lange Zeit hindurch lag über den Friedens­verhandlungen, die in Paris zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika geführt werden, ein geheimnißvolles Dunkel. Andeutungen in amerikanischen Blättern wollten die Anschauung erwecken, als sei !an der lang­samen Entwickelung dieser Verhandlungen Spanien schuld; jetzt aber sieht man klar, daß es die Vereinigten Staaten von Nordamerika selbst waren, die mit irgend etwas im Hinterhalte lagen und noch so ihre besonderen Absichten hatten. Diese Absichten liegen nunmehr klar zu Tage: die Amerikaner streben nach dem unbeschränkten Besitze der Philippinen-Inseln.

In dem vorläufigen Friedensabkommen, das im August zwischen den beiden Krieg führenden Mächten abgeschlossen wurde, steht die Bedingung, daß über die endgiltige Regelung der Philippinen- Frage in Paris entschieden werden sollte. Da­mals waren die führenden Geister in Nord­amerika wohl selbst noch nicht klar darüber, was mit den Philippinen nach ihrer Ansicht werden sollte. Jetzt aber haben die amerikanischen Ver­treter in der Pariser Friedens-Konferenz rund und klar die volle Abtretung der Philippinen an die Vereinigten Staaten von Nordamerika ver­langt, und damit haben diese letzteren ihre An­sprüche aus dem für sie glücklich verlaufenen Kriege mit Spanien so hoch gestellt, wie sie sie nur überhaupt stellen konnten.

Wenn Amerika bei dieser Forderung bleibt, was kann Spanien zur Abwehr derselben da­gegen thun? Die Forderung der Amerikaner ist so ungerecht, wie der ganze von ihnen ange­fangene Krieg. Denn thatsächlich ist die Haupt­stadt der Philippinen, Manila, gar nicht während des Krieges selbst in die Hände der Amerikaner gefallen; und eigentlich sind es auch mehr die Aufständischen auf den Philippinen gewesen, als die Amerikaner» die die Stadt zum Falle gebracht haben. Aber wenn die Amerikaner sich ernstlich auf den uneingeschränkten Besitz der Philippinen versteifen, was können die Spanier jetzt noch gegen eine solche Forderung thun? Von neuem die Waffen erheben? Im Ernste ist davon gar nicht zu reden. Und sonst gibt es kein Mittel, um sich vor der Beutegier der Aankees zu schützen. Gegen die ernsthafte Forderung Nord­amerikas gibt es keinen Schutz, wenn nicht etwa in den Vereinigten Staaten selbst ein Umschwung der Meinungen sich vollziehen sollte. Am 8. No­vember werden in den Vereinigten Staaten die allgemeinen Neuwahlen vollzogen. Sollte wider Erwarten an diesem Tage der Erfolg bei den Demokraten sein, dann könnte ein solcher Um­schwung der Meinungen im Bereiche der Möglich­keiten liegen. Die Demokraten sind keine Freunde einer Weltpolitik der Vereinigten Staaten, und dann würden sie auf eine Besitzergreifung der gesammten Philippinen-Gruppe vermuthlich wenig Werth legen. Aber gegenwärtig ist die Mehr-

Der letzte Triel».

Kriminal-Roman von Max Benno.

12 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Winter ging vorüber und der Frühling zog mit aller Pracht in das Land.

Dagegen kehrte auf dem Schlöffe Waldheim ein schlimmer Gast ein: Ein anfangs kaum be­achtetes Gichtleiden bannte den Grafen ins Zimmer, was er bei seinem lebhaften Geiste um so pein­licher empfand. Namentlich die gewohnten Gänge in das Sädtchen vermißte er schwer, wenn ihm auch dadurch einiger Ersatz zu Theil wurde, daß ihn Senzchen auf seinen besonderen Wunsch täg­lich besuchte und abwechslungsweise auch der Stadtpfarrer Fceihofer oder der Bürgermeister bei ihm eintrafen. Allmählich stellte sich einige Besserung ein, aber ganz verschwand die Krank­heit doch nicht.

Der Patient befand sich häufig in einer Stimmung, die für seine Umgebung nicht besonders angenehm war und nur gegen Senzchen zeigte er sich immer zärtlich und gut. Sogar Oskar be­kam manches rauhe Wort zu hören, wenn er bei seinem Treiben zu wenig Rückficht auf den Lei­denden nahm.

Dieser schlich sich dann regelmäßig davon und suchte den Kastellan auf, der eine ganz be­sondere Vorliebe für das Bürschchen gefaßt zu haben schien. Diesem gegenüber war er nicht wortkarg und mürrisch, sondern wußte sich das Ansehen eines schnurrigen Kautzes zu geben. Neben­bei erzählte er allerlei lustige Geschichten und Späße. Das gefiel dem lebhaften Knaben, der

IsuLöa, Donnerstag, den 3. November 1898.

25. Jahrgang

heit der anderen Partei im nordamerikanischen Parlament, der Republikaner, so groß, daß kaum mit einem Wahlsiege der Demokraten zu rechnen ist.

Wenn die Vereinigten Staaten Besitz er­greifen von den westindischen Inseln, die bisher Spanien gehörten, so bleiben sie damit noch immer nicht im Rahmen einer amerikanischen Politik; und dieses Letztere wünschen die Demo­kraten. Bleiben aber, wie vorauszusehen ist, die Republikaner am Ruder, so bleiben auch deren Ansichten über auswärtige Politik maßgebend, und diese Ansichten laufen auf eine Welt- und Handelspolitik in großem Stile hinaus. Dann bleiben die Vereinigten Staaten bei ihren Ansprüchen auf die ganze Philippinen-Gruppe, einerlei ob sie damit auf dem Boden des Rechtes sich fühlen oder nicht; und damit würden die Nordamerikaner zum ersten mal als Wettbe­werber auftreten auf dem weiten Schauplatz der Weltpolitik. Dieser Frage wohnt also noch eine andere Bedeutung inne, als nur die, ob die Philippinen fortan den Spaniern oder den Amerikanern gehören sollen. Dazu kommt, daß die Lage der Philippinen diesen einen ganz hervorragenden Werth verleiht: diese In­seln beherrschen die natürliche Verkehrsstraße von Ostasien nach Europa, und deswegen sollte man eigentlich annehmen, daß auch die europäischen Mächte im Allgemeinen sehr eingehend für diese Angelegenheit sich interessiren.

Die Ein geborenen der Philippinen selbst sind den Amerikanern so wenig hold wie den Spaniern; das beweisen die Kämpfe, die ganz neuerdings zwischen beiden stattgesunden haben. Vermuthlich würden die Amerikaner auch dann noch manche Kämpfe zu bestehen haben, ehe die Inseln ihnen ganz gehören, auch wenn sonst Nie­mand Einspruch erheben sollte. Aber zunächst muß abgewartet werden, ob keine europäische Macht hindernd den Amerikanern in den Weg tritt.

Deutsches Deich.

Berlin, 2. November.

x Welche große Bedeutung der Kaiser der Erwerbung und Schenkung des Grundstückes beilegt, auf dem dasHans der Gottesmutter stand, also ber „Donnition de laSainte Vierge“, geht aus der ganzen Art und Weise hervor, mit der diese Schenkung vollzogen worden ist. Der Kaiser machte davon nicht nur dem Vorsitzenden des Vereins vom Heiligen Lande selbst Mitthei­lung, sondern um zu beweisen, daß er die Schen­kung auch als ein Kennzeichen aufgefaßt wiffen will für seine ganze Stellung den Katho­liken gegenüber, melvete der Kaiser die Er­werbung und Schenkung auf dem Drahtwege dem Papste, bemGroßherzog von Baden und dem Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau. Außerdem begab er sich am Montag unmittelbar nach vollzogener Einweihung der protestantischen Erlöserkirche in Jerusalem auf den Berg Zion, wo das neu erworbene Grund­stück liegt, um der Hiffung der deutschen neben der türkischen Flagge dort beizuwohnen; und am Nachmittage desselben Tages fand bei Anwesen-

von den Absichten, welche sich hinter dieser katzenartigen Freundlichkeit verbargen, begreif­licher Weise keine Ahnung besaß.

Oskar befand sich wieder in dem Arbeitszimmer des Kastellans, als ein Hausirer erschien, der in glänzenden Drahtkäfigen zwei Papageien feilbot. Es waren hübsche, buntfarbige Burschen, von denen einer sogar zu sprechen verstand. „Spitz­bube", kreischte er, sobald man die Hand gegen den Käfig erhob.

Hauber gerieth in augenscheinlichen Zorn und wollte den Händler abweisen, doch Oskar zeigte sich über den Vogel ganz entzückt. Er klatschte in die Hände, und je öfter ihm der Papagei das Schimpfwort zurief, desto mehr freute es ihn.

„Wie schade", meinte er, „daß Papa krank ist und kein Geräusch in feiner Umgebung aus- stehen kann, sonst müßte er mir den Vogel kaufen, das wäre etwas für mich."

Das Mienenspiel des Kastellans bekundete, daß eine plötzliche Idee in ihm aufgetaucht war.

„Was verlangt Ihr für den Vogel fammt Käfig," fragte er den Hausirer.

Dieser nannte den Preis.

„Gut", erklärte Hauber, „er ist verkauft. Er soll Dir gehören, Oskar," wandte er sich an diesen. „Wir hängen ihn hier auf, damit er Deinen Vater nicht stört und Du kannst mit ihm spielen, so oft Du Lust dazu hast." Er bezahlte den Mann und dieser ging. Der Käfig mit dem Vogel aber wurde ans Fenster gehängt.

Oskar blieb noch eine Zeit lang und fein herzliches Lachen that kund, welches Vergnügen ihm der Kastellan verschafft hatte; als es aber zu dämmern begann, eilte er davon mit der Er-

heit des Kaisers und der Kaiserin die Uebergabe des Grundstückes in einer feierlichen Weise an die römisch-katholische Geistlichkeit statt. Diese war vertreten durch den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Msg. Piavi, den Leiter des deutschen katholischen Hospizes, Pater Schmidt, und durch mehrere andere katholische Geistlichen. Dabei richtete der Kaiser eine Ansprache an die Anwesenden, in der er namentlich sagte: „Ich hoffe, daß diese Gabe, die der Ausdruck inniger Freundschaft und zu gleicher Zeit ein­gehenden Interesses für meine deutschen Untertanen ist, nunmehr in der Hand des deut­schen katholischen Palästina-Vereins zu einem Segen für meine katholischen Unter» thanen, speziell auch für die Bestrebungen im' $ eiligen Lande werden möge." Der Kaiser wünscht also den katholischen Be­strebungen im hl. Lande Segen. 'Herzlich dankte Pater Schmidt dem Kaiser auch bei dieser Ge­legenheit für die Schenkung. Wie der Berg Zion unerschütterlich steht und stehen soll, so „fest und stark soll stehen die Treue der katho­lischen Untertanen Ew. Majestät, sie soll immer und immer unerschüttert und feststehen" — so sprach Pater Schmidt. Und gern denken und sprechen ihm das die deutschen Katholiken in ihrer Gesammtheit nach.

0 Das kaiserliche Saar, so wird nun­mehr auch halbamtlich bestätigt, wird seinen Aufenthalt in Palästina nicht unerheblich ab- kürzen. Jerusalem wird bereits am 3. November anstatt, wie im Anfänge geplant, am 5. No­vember verlassen. Die Ausflüge nach Jericho und ans Todte Meer sind aufgegeben. Als Grund dafür wird die ungewöhnliche tropische Hitze angegeben. Daß die in einigen ausländischen Blättern ausgesprengten Gerüchte über „euro­päische Verwickelungen", die der Grund zu der Abkürzung der Reise fein sollen, falsch sind, wird auch in der halbamtlichen Notiz als durchaus falsch bezeichnet, und man darf das ohne wei­teres glauben.

* Srinzessm Keirrrich vo« Preuße« wird am 13. November von Darmstadt aus ihre Reife nach Kiautschou antreten. Sie wird von dort nach Genua fahren und in diesem Hafen den Lloyddampfer „Prinz Heinrich" besteigen.

+ Der ,Kreuz-Zeitung' folgen nun auch die ganz regierungsfreundlichen,Berl. Reuest. Nachr/ im Tadel der Haltung Preußens zur tippe'sche« Ghrovsolge-Irage. „Es ist — so schreibt das genannte Blatt — eine Pflicht der preußischen Regierung, ihrerseits auch nur den leisesten Anschein zu vermeiden, als ob Preußen in dieser rein persönlichen Angelegenheit von seinem Uebergewicht Gebrauch machen könnte.. Ein Beharren in einer falschen Richtung könnte ernste Folgen für das Reich heraufbeschwören . . ." Sehr richtig! Die Quelle, aus der die Köl­nische Zeitung' gespeist wurde mit Material für die Angriffe gegen den rechtmäßig eingesetzten Landesregenten von Lippe-Detmold, soll der Archivrath Berkemeier gewesen fehl, gegen den nunmehr, wie berichtet, gerichtliches und dis- ziplinirtes Strafverfahren eingeleitet worden ist — eine recht noble Quelle für das Welt­blatt am Rhein!

flärung, am folgenden Morgen wieder kommen zu wollen.

Hauber näherte sich dem Käfig und nahm eine Prise. „Spitzbube, Spitzbube," tönte es aus dem Schnabel des Vogels. Der Kastellan stieß eine Verwünschung hervor und erhob drohend die Faust. Diese Bewegung aber reizte den Papagei zu nur noch heftigerem Geschrei.

Hauber lachte mit boshaftem Ingrimm: „Da habe ich mir ja eine recht nette Unruhe eingethan," knurrte er. „Am liebsten drehte ich der verdammten Bestie den Hals um, aber ich muß mich fügen ans einem besonderen Grunde. Es ist nothwendig, daß ich auf das junge Herrlein möglichst viel Einfluß bekomme, das gehört zu meinem Plane."

Er öffnete einen Schrank und brachte ein schwarzes Tuch zum Vorschein. Mit diesem be­deckte er den Käfig. „Vielleicht vergeht dem Kerl auf diese Weise das Schreien," murmelte er, „und ich bekomme Ruhe." In der That verstummte der Vogel, nachdem der Kastellan nur noch während des Umhängens ein paar Mal das fatale Wort „Spitzbube" gehört hatte..........

Ein ungewöhnlich heißer Sommer folgte dem schönen Frühling.

Bei der hohen Temperatur empfand es Graf Ferdinand doppelt peinlich, daß er immer noch ins Zimmer gebannt war.

Obgleich ihm in diesem Zustand der Verkehr mit Senzchen fast zur Nothwendigkeit geworden war, widersprach er doch nicht der Ausführung eines Planes, den er gemeinschaftlich mit Freihofer und dessen Frau schon früher gefaßt hatte. Das Mädchen sollte in der Schule der barmherzigen Schwestern eine bessere Ausbildung bekommen,

+ Amtsmüde soll Herr v. Attchka fein' der neue Leiter der Kolonialabtheilung des aus­wärtigen Reichsamtes. Die „Afrikaner", so wird berichtet, sind unzufrieden damit, daß dieser Posten einem Juristen anstatt einem Fachmanne anver­traut wurde, und jetzt soll es sich um eine Neu­besetzung dieses wichtigen Postens handeln, und zwar mit einem Manne von praktischer kolonialer Erfahrung. Diese letztere fehlt allerdings Herrn v. Buchka vollkommen, und da die Meldung von seinem Rücktritte gerade jetzt nach der Sitzung des deutschen Kolonialrathes auftaucht, könnte es wohl fein, daß sie tatsächlichen Hintergrund hat. Als Nachfolger des Herrn v. Buchka wird Herr Generalmajor Lieb er t genannt, jetzt bekanntlich Gouverneur von Deutsch-Ost-Afrika. An der hin­reichenden praktischen Kolonialerfahrung fehlt es diesem ja nun sicherlich nicht. — Als Führer für die geplante deutsche Expedition nach dem Tschad-See soll Herr von Wißmann von der Regierung ausersehen sein. Es ist aber noch nicht bekannt, ob derselbe geneigt ist, diesem Rufe zu folgen.

x Im neuesten Hefte der .Deutschen Juristenzeitung' wird eine anderweit aufgetauchte Meldung bestätigt, daß nämlich an die preußische« Alichler vom Justizminister eine Umfrage ergangen ist in dem Sinne, wie lange jeder von ihnen täglich arbeite. Die Langsamkeit bei der richterlichen Arbeit ist bekanntlich schon mehrfach beklagt worden, und schon oft genug wurde dagegen der Wunsch nach einer Entlastung des Richterstandes durch weitere Vermehrung der Richterstellen laut. Dieses Vorgehen des Justiz­ministers verdient also volle Anerkennung. Hoffentlich bleibt es nicht ohne praktische Folgen.

0 Nach der Meldung eines Berichterstatters wird gegenwärtig innerhalb der Bundesregierungen eine Gesetzesvorlageberathen,diebeim Civil- und Strafverfahren den Wacheid an die Stelle des Voreides fetzen soll. Diese Vorlage solle dem Reichstage noch in seiner bevorstehenden Tagung zugehen. Wenn die Nachricht zutrifft, so kann man sie nur als eine erfreuliche be­zeichnen. Im Reichstag ist schon mehrfach als wünschenswerth bezeichnet worden, daß der Zeuge nach feiner Aussage vereidigt werde und nicht vor derselben; und bekanntlich hatte der konser­vative Abg. von Salisch im letzten Reichstage in der Form eines Antrages einen ganzen Ge­setzentwurf fertig eingebracht, der dieselbe Aende- rung anftrebte. Das Plenum des Reichstages stimmte im Grundsätze dem Anträge zu; und auch Vertreter der verbündeten Regierungen haben das gethan. Wenn nun der Bundesrath mit einem Gesetzentwurf in diesem Sinne an den Reichstag herantritt, so kann er im allge­meinen einer sympathischen Aufnahme desselben sicher fein.

0 Die auch an dieser Stelle verzeichnete Mel­dung, nächstens werde die KivfttHr rmgarischer tchweine nach größeren Städten mit öffentlichen chlachthäusern wieder gestattet werden, wird von anderer Seite als „erfunden" bezeichnet. Eine Gewähr für ihre Richtigkeit hat weder die eine noch die andere Meldung aufzuweifen. Aber im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit würde es liegen, wenn darauf Bedacht genommen würde, und die Zeit zum Eintritt in diese Anstalt war nunmehr da. Mit schwerem Herzen trennte der Gras sich von ihr, aber er bezwang sich dem leib­lichen und geistigen Wohle des Kindes zu lieb.

Da auch Oskar und Raymund im Herbste an das Gymnasium nach München abgingen, wurde es sehr ruhig auf dem Schlosse Waldheim, wo der Graf sich so oft an dem fröhlichen Treiben der drei Kinder erfreut hatte.

Oskar vergaß beim Abgänge feinen Papagel nicht. Er nahm ihn mit nach München, und der Kastellan rieb sich mit häßlichem Grinsen die Hände. „Es macht sich, es macht sich," flüsterte er, „das Bürschlein wird mich nicht vergessen; der Vogel sorgt schon dafür."

Ein einsamer Wanderer schritt dem Dorfe Rodenbach zu. Er trug -eine kleine Reisetasche und einen Schirm, der ihm zugleich als Stock diente. Seine Kleidung war etwas verschoffen, aber immer noch elegant.

Ec blieb stehen, holte eine Cigarette aus der Tasche hervor und zündete sie an.

„Nun wäre ich bei diesem Neste," sprach er halblaut vor sich hin, „von wo aus, wie man mir sagte, Waldheim in einer Stunde leicht erreicht werden kann. Ich werde mich ein bischen restau- riren und bann auf den Weg machen. Onkel Hauber hat jedenfalls eine riesige Freude, wenn er feinen lieben Neffen Leonhard Bräuning so unverhofft wieder sieht. Er ist ja wie ein um­gekehrter Handschuh. Früher benahm er sich mir gegenüber wie der leibhaftige Satan, feit meinem letzten Besuche aber bin ich geradezu sein Irebes Kmd, und ich erhielt sogar ein paar recht liebens-