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mit Nnterhattungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'

M 250.

JuLöcl, Mittwoch, den 2. November 1898.

25. Jahrgang

I1E GrSes Waft-Ifl

Zur IX. Jahrhundertfeier des Allerseelentages

hat der hl. Vater Leo XIII. folgendes Breve erlassen:

Leo P. P. XIII.

Allen Christgläubigen, welche diesen Brief sehen, Gruß und apostolischen Segen.

Da mit dem kommenden November das neunte Jahrhundert schließt, seitdem auf göttliche Ein­gebung der hl. Odilo, Abt von Clugny, unter Bestimmung und Gutheißung des Papstes in der ganzen katholischen Kirche die Abhaltung gehöriger Todtenfeiern für die Seelen der verstorbenen Christen zuerst einführte, haben Wir, auf die Vermehrung der Frömmigkeit der Gläubigen und des Heiles der Seelen aus den Gnadenschätzen der Kirche in frommer Liebe bedacht, allen Christ gläubigen beiderlei Geschlechts, die mit wahrer Reue gebeichtet und die hl. Kommunion empfangen haben und an einem Tage des Monats November irgend eine ihrer Wahl über- laffene Kirche, wo eine solche Jahrhundertfeier stattfindet, in frommer Meinung besucht und dort für die Eintracht der christlichen Fürsten, die Aus­rottung der Häresien, die Bekehrung der Sünder und die Erhöhung unser Mutter der hl. Kirche andächtig zu Gott gebeten haben, einen voll­kommenen Ablaß verliehen, der auch den im Fegfeuer schmachtenden Seelen der Gläubigen durch Fürbitte zugewandt werden kann. Wir bestimmen auch, daß den Exemplaren dieses Briefes, welche copirt oder auch durch Druck ver- fältigt sind, sofern sie die Unterschrift eines öffent­lichen Notars tragen und mit dem Siegel einer ein kirchliches Amt bekleidenden Person versehen sind, dieselbe Glaubwürdigkeit beigemessen werde, wie wenn das vorliegende öffentlich bekannt ge­geben oder vorgezeigt würde.

Gegeben zu Rom bei St. Peter unter dem Fischerringe am 17. Oktober 1898 im 21. Jahre Unseres Pontifikats.

Für den Kard. Macchi Nikolaus Marini, Substitut.

Ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II. an die deutschen Katholiken.

Der Vorstand des deutschen Vereins vom heiligen Lande hat am Sonntag zu Händen des Herrn Landrath Janssen (Aachen) folgende Depesche des deutschen Kaisers aus Je­rusalem erhalten:

„Seine Majestät der Sultan haben Mir das Grund­stück Dormition übereignet und Ich habe beschlossen, dasselbe dem deutschen Verein vom heiligen Lande zur fr ei enNutznießungimJnteresse verdeutschen Katholiken zu überweisen. Ich freue Mich, damit einen dringenden Wunsch meiner katholischen Unter- thanen erfüllen zu können. Dieselben mögen hierin einen neuen Beweis Meiner landesväterlichen Fürsorge er­blicken, mit welcher Ich, obwohl anderer Konfession, stets bestrebt bin, über ihre religiösen Interessen zu wachen.

Wilhelm. I. R.

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

Hauber hatte sich während des ganzen Vor­gangs nicht von der Stelle gerührt, als ginge es ihn gar nichts an. Ein eigenthümlicher Blitz zuckte, als er die ungewöhnliche Zärtlichkeit und Theilnahme des Grafen für die Kleine wahr­nahm, unter seinen Brauen hervor. Nach einer Weile verließ er seinen Platz am Fenster und schritt in dem Raume auf und ab. „Etwas wäre das beinahe gewesen," murmelte er, „drei Leichen auf einmal — ha, ha! Aber noch lange nicht genug. Es hätte tief verwundet, aber keine Verzweiflung gebracht. Verzweifeln aber sollen sie, Höllenqualen erdulden wie ich, während ich vor der Welt ein ruhiges Gemüth zeigen muß!

Er verstummte und schaute wieder zum Fenster hinaus. „Einen Faden," fuhr er fort, „gab das soeben Geschehene mir in die Hand, einen Faden, der vielleicht zum Strang werden kann. Der Graf hat mir zwar nichts zu Leide gethan, aber er ist ein Freund der Verhaßten, und er mag es sich selbst zuschreiben, wenn er sich mit diesen in den Maschen des Netzes ver­fängt. Er kehrt fast jeden Tag bei Freihofer ein und behandelt diesen wie ein Freund. Ge­radezu auffallend aber ist die außerordentliche Zärtlichkeit, welche ich ihn wiederholt schon für das Töchterchen des Schwertwirths an den Tag legen sah. Ein fremdes Kind behandelt ein Herr wie Graf Ferdinand nicht so, wie [er es heute gegenüber dem von Wasser triefenden Mädchen

Der Vorstand des Deutschen Vereins vom hl. Lande hat hierauf folgende Depesche nach Jerusalem gesandt:

„Sr. Majestät dem deutschen Kaiser, Jerusalem.

Eurer Majestät sprechen wir für die huldreichste Ueberweisung der Dormition an die deutschen Katholiken den tiefgefühltesten Dank aus. Das für die ganze Christenheit hochbcdeutsame Grundstück ist für die katho­lische Welt eine höchst verehrungswürdige Stätte. Sein Besitz wird dem Deutschen Verein vom hl. Lande ein unschätzbares Mittel für immer sein, um im Orient katholische und deutsche Interessen zu fördern. In tiefster Ehrfurcht und dankbarster Liebe Eurer Majestät treu­gehorsamster Vorstand des Deutschen Vereins vom heil. Lande.

Kardinal Krementz, Erzbischof von Köln.

Weihbischof Dr. Schmitz. Landrath Janssen."

Wie der ,Reichsanzeiger“ meldet, hat der Kaiser gleich nach Erwerbung der Dormition de la Sainte Vierge an den Papst nachstehendes Telegramm gerichtet:

Ich bin glücklich, zur Kenntniß Eurer Heiligkeit bringen zu können, daß Ich, dank der Vermittelung Seiner Majestät des Sultans, der Mir bereitwillig diesen Beweis persönlicher Freundschaft gegeben hat, in Jerusalem das „Dormition de la Sainte Vierge“ ge­nannte Grundstück habe erwerben können. Ich habe beschlossen, dieses durch so viele fromme Erinnerungen geheiligte Grundstück Meinen katholischen Unterthanen und insbesondere dem deutschen katholischen Verein vom Heiligen Lande zur Verfügung zu stellen. Es hat Meinem Herzen wohlgethan, bei diesem Anlaß zu be­kunden, wie theuer Mir die religiösen Interessen der Katholiken sind, welche die göttliche Vorsehung Mir anvertraut hat. Ich bitte Eure Heiligkeit, die Versiche­rung Meiner aufrichtigen Zuneigung entgegenzunehmen.

Der hl. Vater hat hierauf telegraphisch Nachstehendes erwidert:

Wir sind sehr gerührt durch das gütige Telegramm, das Eure Majestät an Uns gerichtet haben, um Ihre Entschließung zu Unserer Kenntniß zu bringen, Ihren katholischen Unterthanen das „Dormition de la Sainte Vierge" genannte Grundstück in Jerusalem zu überweisen, welches Eure Majestät erworben haben. Indem Wir Unsere lebhafte Genugthuung bezeugen, sind Wir gewiß, daß die Katholiken dankerfüllt für Eure Majestät sein werden, und gern verbinden Wir unsere aufrichtigsten Danksagungen mit denen der Anderen.

Nach dem Hofberichte der,Karlsruher Ztg.“ sandte der Kaiser aus Jerusalem folgendes Tele­gramm an den Großherzog von Baden:

„Ich bin soeben von dem Besuche der Grabeskirche heim gekehrt. Der Gedanke, an der Stätte zu weilen, an welcher sich das größte Wunder vollzogen, die Er­lösung der Menschen durch das Sterben.unseres Heilandes, ist tief bewegend und erhebend. Biele liebe Landsleute sind hier und in gehobener Stimmung. Das Wetter ist prachtvoll. Der Sultan hat Mir die Aufmerksamkeit er­wiesen, Mich in den Besitz eines Territoriums zu setzen, auf welchem Ich unseren deutschen Katholiken erlaubt habe, mit Nießbrauch eine Kirche zu errichten. Meine katholischen Unterthanen mögen daraus ersehen, wie ernst Ich Mir den Schutz ihrer religiösen Interessen ange­legen sein lasse. Möge es Ihnen allen zur Freude werden und reicher Segen für sie darauf ruhen!"

Wilhelm.

Die Dormition ist ein das Cönaculum (Abend­mahlsaal) umgebender größerer Platz, auf welchem der Ueberlieferung nach das Haus stand, in welchem die Mutter Gottes nach der Auferstehung des Erlösers mit dem hl. Johannes gelebt hat, und wo sie gestorben ist. Auf diesem Platze stand die älteste Kirche der Christenheit; ihr erster Name war Apostelkirche; dann heißt sie Marienkirche oder Sionskirche, auch kurz die heilige Sion. Im vierten Jahrhundert wurde die Sionskirche durch eine Basilika ersetzt. Die Kreuzfahrer fanden nur

gethan hat. Auch ist dieses, was wahrscheinlich außer mir noch keinem Menschen auffiel, für das Kind eines gewöhnlichen Mannes zu zart. Da liegt ein Geheimniß, dessen Enthüllung mich viel­leicht mit einem Schlag ans Ziel brächte —- aber wie ziehe ich den Schleier hinweg!"

Wieder schwieg er eine Weile und nahm erst nach einigen Gängen durch das Gemach sein Selbstgespräch wieder auf. „Ja", fuhr er fort, „wenn ich einen Blick in die Schriftstücke werfen könnte, welche der Graf'fast täglich durchmustert und ergänzt, unv die für ihn offenbar von der höchsten Wichtigkeit sind. Nicht umsonst darf ich ihm niemals nahe kommen, wenn sie vor ihm auf dem Tische liegen, und nicht umsonst verwahrt er sie in dem besonderen eisernen Schranke. Das fand meine Schlauheit trotz seiner Vorsicht den­noch heraus.

Hauber verließ das Schlafzimmer und be­gab sich in sein Arbeitsgemach.

Kaum hatte er sich gesetzt, als an die Thüre gepocht wurde und auf sein „Herein" ein etwa zwanzigjähriger junger Mann vor ihn trat.

Dieser trug in der Hand einen mächtigen Schlapphut von ziemlich zweifelhafter Form, einen langen, stark mitgenommenen Ueberrock und ein Paar Stiefel, deren Aussehen auf wenig Eitel­keit des Trägers hinwies.

Er erfreute sich auch von Seiten Haubers keines sonderlich freundlichen Empfangs, obgleich er sich mit den höflichen Worten: „Grüß Gott, lieber Onkel," vorgestellt hatte.

Mit stechendem Blicke schaute der Kastellan ihm in das bartlose Gesicht.

„Du bist's Leonhard," knurrte er, „hättest

noch Ruinen; sie bauten eine neue Kirche, welche im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts zerstört wurde. Im vierzehnten Jahrhundert errichteten die Franziskaner eine Unter- und Ober-Kirche, von welcher die beiden noch erhaltenen Räume heute als Cönaculum gezeichnet werden.

Die jetzt dem deutschen Verein vom hl. Lande überwiesene Dormition ist somit die Stätte, welche seit den ältesten Zeiten als ein höchst verehrungs­würdiges Heillgthum geschätzt wurde. Es haben sich auf dieser Stätte die großen Thatsachen der Fußwaschung, der Einsetzung des hl. Abendmahles, die Erscheinung des Auferstandenen, die Sendung des hl. Geistes, der Tod der hl. Jungfrau als auf einem unvergleichlichen historischen Schauplatz vollzogen.

Der Platz neben dem Cönaculum, den der Kaiser in Konstantinopel kaufte und dem deutschen Vereine vom hl. Lande im Interesse der deutschen Katholiken zur freien Nutznießung übergab, war bisher in muhamedanischem Privatbesitz. Die früheren Verhandlungen wegen Erwerbes des Platzes für den genannten Verein waren erfolglos.

Die deutschen Katholiken und mit ihnen alle Katholiken der Welt find dem Kaiser für seine sinnige und hochherzige Gabe von Herzen dank­bar. (Siehe „Neueste Post".)

Deutsches Deich.

Berlin, 31. Oktober.

0 Der Neisepkan des kaiserliche» Haares ist verändert worden. DieHitzeist fortgesetzt außerordentlich groß, so daß nur an dem Besuch von Beiruth und Damaskus festgehalten werden soll. Die Reise soll also abgekürzt werden; nach einer vereinzelten Meldung soll sogar nur noch von einem Besuche Damaskus die Rede sein. Eine Depesche des bekannten Londoner Tele­graphenbureaus Reuter will „europäische Ver­wickelungen" als Grund kennen für diese Ab­kürzung der Reise. Aber Glauben dafür wird das Londoner Bureau schwerlich finden bei ernst­haften Leuten. Erwähnt möge sein, daß nach einer Reuter-Meldung die Rückkehr des kaiser­lichen Paares schon für den 16. November in Aussicht genommen sein foll.

h Es ist eine alte Erfahrung, daß es mit den Staats- und Reichsfinanzen immer ganz vorzüglich bestellt ist, wenn «ette ZKikitärforderimgeu in Aussicht stehen. In ebenso entsetzliches Elend versinkt aber alle diese Finanzherrlichkeit, wenn die Regierung neue Steuern bewillt haben will. Im Reichstage stehen, wie bekannt, neue Militärforderungen be­vor. Natürlich werden demgemäß von den Offi­ziösen auch die Finanzen aufs glänzendste ge­schildert. Der Ueberschuß des laufenden Etats­jahres, so verkünden die miqueloffiziösen ,Berl. Polit. Nachr.“, wird den Ueberschuß des ver­gangenen Jahres mit 78 Millionen mindestens erreichen. „Die günstige Finanzlage — so heißt es da — wird in dem Reichstage auch den Mehrforderungen, die für die Stärkung unserer Landesvertheidigung unabweisbar sind, die Wege ebnen."

* Die Geschäftsräume des KerrenHaitses

fortbleiben können; ich hätte wahrhaftig nicht nach Dir geschickt. Mit Leuten Eurer Sorte ver­kehrt man nicht gern. Ich kann mir schon denken, warum Du mich aufgesucht hast. Geld willst Du natürlich. Hast Du Dir denn im Zuchthause während der zwei Jahre nichts erspart, weil Du so schäbig daherkommst?"

Der Gefragte hustete. „Du lieber Himmel," hielt er entgegen, „was kann denn da von dem miserabeln Verdienst erspart werden, wenn man ohnehin oft vor Hunger nicht weiß, was man anfangen soll. Zehn Pfennige wurden mir täg­lich gut geschrieben, die aber von mir für Milch, Obst und Brod verbraucht worden sind."

Wieder betrachtete Hauber den jungen Mann.

„Du bist natürlich jetzt ein Lump," stieß er giftig hervor, „der nichts ist und nichts kann, ein Kerl, der nur noch mit dem Bettelsacke um­zugehen versteht. Mit solchen Leuten will ich nichts zu schaffen haben. Ich kann überhaupt nicht begreifen, woher Du den Muth bekamst, in dieses Schloß einzudringen. Du magst ruhig wieder gehen; ich gebe Dir nichts!"

Diese schroffe Abweisung brachte den jungen Menschen nicht aus dem Konzept.

„Du brauchst mich nicht so abzukanzeln, Onkel," entgegnete er frech, „denn die größte Schuld an meinem Elende trägst ja doch Du. Ich bat Dich, als mir das Waffer an den Mund ging, um Hilfe, erhielt aber nicht einmal eine Antwort von Dir, obgleich Du Geld genug hast, und dann habe ich mir eben selbst zu helfen ge­sucht. Gleich beim ersten Male aber wurde ich erwischt und auf zwei Jahre in den Schatten gesetzt. Uebrigens bin ich gar nicht so übel daran,

sind nunmehr nach dem bisherigen Geschäfts­gebäude des Hauses der Abgeordneten, Leipziger­straße 75, verlegt worden. — Das Mitglied des Herrenhauses Karl Graf von Garnier, Majoratsbesitzer auf Turawa im Kreise Oppeln, ist gestorben.

* Der Direktor am Ileichstag, Geh. Regierungsrath Knack, dürfte beim Zusammen­tritt des Reichstags noch nicht sein Amt über­nehmen können. Er befindet sich nach der,Köln. Volksztg.“ in der Klinik des Prof. Sonnenburg, wo ihm vor mehreren Wochen der Fuß 30 Centi- meter unter dem Knie abgenommen worden ist.

-r Im Laufe der nächsten Tage sollen die förmlichen Einladungen zur Theilnahme an der Aottfereuz gegen den Anarchismus versandt werden. Vom italienischen Minister des Aeußern Canevaro ist ein Programm ausgearbeitet worden, das der Einladung beigelegt werden soll. Die Konferenz soll nur auf eine Einigung über be­stimmte Anträge sich beschränken, so wird der ,Kreuz-Ztg/ aus Rom geschrieben; und diese An­träge sollen dann den einzelnen Regierungen zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Man hofft, daß die Beratungen nicht allzu lange Zeit in Anspruch nehmen werden.

0 In der kippe scheu Wronfokge-Irage nimmt nunmehr auch die konservative Presse Partei für den gegenwärtigen Regenten von Lippe- Detmold, den Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld. „Wir können — so schreibt die,Kreuz-Zeitung“ — nicht verschweigen, daß uns der Einspruch der schaumburg-lippeschen Regierung überrascht hat. Denn selbst wenn ihrem Wunsche gemäß der Bundesrath den Söhnen des Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld die Erbfolgefähigkeit absprechen würde, so würde der Fürst von Schaumburg- Lippe noch lange nicht der nächste An­wärter auf die Regentschaft im Fürstentum Lippe sein. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Die schiedsgerichtliche Entscheidung beruht auf dem Vordersätze, daß die Ehe des Ahnherrn des Grafen mit Modeste von Unruh ebenbürtig war. Damit ist nicht nur die Erbfolgefähigkeit des Grafen Ernst, sondern auch die seiner vollbürtigen Brüder und ihrer Söhne aus ebenbürtigen Ehen festgestellt . . . Selbst wenn diese sämmtlich gestorben sein sollten, so würde vor Lippe-Schaumburg noch erst die Linie Biesterfeld-Weißenfeld erbberechtigt fein . ." Selbst die hochkonservative ,Kreuz-Zeitung“ hat kein Verständniß dafür, wie man an der Eben­bürtigkeit des Graf-Regenten und seiner Söhne zweifeln kann. Der Bundesrath, so meint sie, könnte wohl die Ebenbürtigkeit der Modeste von Unruh von neuem prüfen. „Darin aber läge eine schwere Mißachtung des Schieds­gerichts-Spruches, und damit würde . . . der Streit um die lippesche Erbfolge verewigt werden . . ." Die Berliner Offiziösen und ihre Auftraggeber befinden sich nun­mehr mit ihrer gegenteiligen Auffassung der Sachlage fast ganz allein im ganzen Deutschen Reiche.

0 In Bestätigung voraufgegangener 23er« muthungen meldet die ,Lipp. Landeszeitung,“ daß es sich am letzten Donnerstag im Bund es - rat he thatsächlich nur um den Antrag von

wie Du meinst. Ich habe in den zwei Jahren gar vieles gelernt und mit einem Leidensbruder, einem Akrobaten, Freundschaft geschlossen, der wieder in München ein ganz hübsches Geschäft hat und mich anstellen will. Allerdrings brauche ich dazu einiges Geld, und ich kam hierher, um Dich um die kleine Summe zu bitten."

Hauber schaute stumm vor sich hin. Augen­scheinlich beschäftigte er sich mit einem Gedanken, der ohne Zweifel durch die Worte des Neffen in ihm angeregt worden war.

Er warf auf denselben einen lauernden Blick.

„Gelernt hast Du im Zuchthause," warf er nach einer Weile anscheinend gleichgiltig hin, „da bin ich denn doch begierig, worin Deine ge­sammelte Weisheit besteht?"

Leonhard hob mit einem gewiffen Selbst­bewußtsein den Kopf. „Die ersten Wochen", erklärte er, „wurde ich freilich nur zum Spinnen verwendet, nachher aber kam ich zur Schreinerei, zur Buchbinderei, wurde Schneider, Schlosser, und weil ich mich überall als brauchbarer Bursche erwies, verwendete man mich schließlich sogar auf der Schreibstube, aus welcher ich dann meine Entlassung bekam."

Hauber lachte boshaft. „Also ein Universal­genie," spottete er, „wenigstens wenn man Dich hört. In Wirklichkeit aber wird es mit Deiner Kunst wahrscheinlich nicht weit her sein."

Leonhard warf sich in die Brust. „Damit bist Du gewaltig auf dem Holzwege, Onkel," be­hauptete er, „ich gebe Dir die Versicherung, daß ich das, was der geschickteste Schlosser leistet, auch leisten kann, und wenn ich Dir einen Anzug machen soll, brauchst Du nur für den nöthigen