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mit Jlntechattungs-Meitage „ZLuffrirte Sonntags-Zeilungi'
M 249.
Wegen des Festes Allerheiligen wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Mittwoch ausgegeben.
Z Allerheiligen und Allerseelen.
Raschelnd fährt der rauhe Herbstwind durch Baum und Strauch, streift das welke Laub ab und wirbelt es umher, bis es matt zu Boden fällt, eine Beute der Verwesung. Es geht wie eine bange Todesklage durch die ganze Natur: memento mori, gedenke des Todes! — so ruft sie uns auf Schritt und Tritt entgegen. Wenige Wochen noch, so wird sie starr und kalt daliegen, von einem weiten, weißen Leichenkleide bedeckt. Um diese Zeit feiert die Kirche Allerheiligen und Allerseelen, diese sinnigen, so tief das Gemüth berührenden Feste, an denen sie uns erinnert an die Vergänglichkeit aller irdischen, zugleich aber auch an eine höhere und ewige, an die himmlische Herrlichkeit. Ein Hauch der Ewigkeit weht hier in unsere Zeitlichkeit hinein, streng mahnend und doch auch liebevoll tröstend, jedenfalls aufs neue uns befestigend in dem Glauben an die Unsterblichkeit unserer Seelen.
Gehen wir hinaus auf unsere Kirchhöfe, wo die Liebe die Gräber reich bekränzt und Glaube und Hoffnung Lichter auf ihnen aufflammen läßt, die an das ewige Licht und an ein Wiedersehen in seiner Glorie ernst und freundlich gemahnen. Da kniet die Wittwe, die erst vor wenigen Monden den treuen Gatten, hier der Mann, der sein liebes Weib verloren, dort die Mutter, die ihr Kind zu Grabe getragen, hier die armen Kinder, denen ihre Eltern und Ernährer jäh entrissen wurden. Gewiß, herber Schmerz durchschneidet aufs neue ihre Herzen; aber eines erbaut, eines tröstet sich am anderen, und sie alle wissen sich von einem Gedanken beseelt: „Da droben, so hoffen wir zu Gott, werden wir uns wiedersehen, in der beseligenden Anschauung unseres Herrn und Schöpfers, die er auch bald in seiner unendlichen Barmherzigkeit gewähren möge — das ist unser Gebet, unser Trost und unsere Hoffnung."
O wie schön ist doch der Glaube der katholischen Kirche, der uns gestattet, für unsere Hingeschiedenen zu beten und so dem innersten Drange unseres Herzens Genüge zu thun! Fühlen nicht auch die Andersgläubigen diesen elementaren Drang, der von Natur in unsere Seele gelegt ist? Müßten sie sich da nicht sagen, daß das furchtbare Entweder-oder, Himmel oder Hölle, kein drittes, auch vor dem jüngsten Tage nicht — falsch, weil naturwidrig, ist?
Keineswegs wird durch den kathol. Glauben an das purgatorium, an den Reinigungsort, der Gedanke an die himmlische Glorie, der Eifer, sie zu erringen, in uns abgeschwächt. Haben wir doch die herrlichen Beispiele und Vorbilder der Heiligen stets vor Augen, welchen nachzueifern die Kirche fort und fort uns mahnt, nicht zum wenigsten auch in dem schönen Feste Allerheiligen, das sie sinnig mit Allerseelen verbindet. In Allerheiligen stellt sie uns das erhabene Ziel vor Augen, dem wir nachstreben müssen, und wenn wir dann verzagen möchten, es zu erreichen im Bewußtsein unserer Schwachheit und Unwürdigkeit, dann reicht
Für Allerheiligen «nd Allerseelen.
Auf Wiedersehen!
Im Westen taucht des Tages Licht in Gluth, Gibt sterbend uns sein Schönstes noch zu schauen; Und dann erblaßt der Lohe Aetherfluth, Von Osten zieht herauf ein dämmernd Grauen. Die dunkeln Schleier breitet kühl und sacht Wett über Berg und Thäler aus die Nacht.
Da naht, uns hold gesinnt, der Englein Heer, Und Licht auf Licht flammt auf am Himmelsbogen. Doch schau: sind wohl von seinem Sternenmeer Thautropsen ohne Zahl herabgeflogen?
Wie strahlen sie — des ew'gen Lichtes Spur! — Zurück, empor aus nächt'ger Erdenflur.
Jst's nicht, als tausche mit der Geisterwelt Des Himmels Grüße aus die Menschenseele? „Auf Wiederseh'n in Gottes Strahlenzelt, Ihr reinen Geister ohne Sünd' und Fehle. Und ihr, die ihr aus unseres Elends Nacht Emporgeschwebt zu ew'gen Glanzes Pracht!"
So ist's: auf Gräbern flammt der Sehnsucht Licht, Dem Himmel will die Erde sich vermählen, In Hoffnung sich die düstre Trauer bricht: Empor! — so ruft die Nacht von Allerseelen! Empor zu Gott! Zum Leben wird der Tod, Aus Grabes Nacht des ew'gen Morgens Roth.
E. H. K.
Der letzte Trieb.
Kriminal-Roman von Max Benno.
10 —— (Nachdruck verboten.)
Noch selten batte das,Schwert' an einem gewöhnlichen Werktag-Abende so viele Gäste gesehen, wie an diesem Tage. Graf Ferdinand hatte richtig vermuthet: die Wißbegierde der
' ■ Jul'öa, Montag, den 31. Oktober 1898.
die hl. Kirche in Allerseelen uns wieder den Trost, daß wir noch nicht verloren sind, wenn wir auch nicht sofort nach dieser Zeitlichkeit die Krone des ewigen Lebens erlangen, und daß wir daher auch für unsere Lieben, die uns vorangegangen, noch beten, noch etwas für sie thun können. So wird die Kirche den natürlichen Bedürfniffen unserer Seele nach jeder Richtung hin gerecht und damit zugleich dem Satze des apostolischen Bekenntnisses: Ich glaube an eine Gemeinschaft der Heiligen! Das heißt im edelsten Sinne des Wortes: an eine Gemeinschaft aller Glieder der großen Gottes-Familie, der streitenden, der leidenden und der triumphirenden Kirche.
Gerade für unsere Zeit liegt in diesem Doppel- feste mehr als eine bedeutsame Mahnung. Es zeigt, daß es (eine Gemeinschaft gibt, die weit hinausgeht über die engen Grenzen dieser sichtbaren, vergänglichen Welt; daß wir nicht dazu da sind, nur für des Leibes Nothdurft und des Leibes Lust zu sorgen, als wenn es nichts Anderes gäbe, sondern daß wir vor allem für das Heil unserer ewigen Seele wirken müssen, die kein Unglaube hinweg zu disputiren vermag; daß Gott selbst unser Ziel, die Ewigkeit unsere Heimath, die Verherrlichung der Allmacht unsere Bestimmung ist; daß dieser Glaube die standhaftesten Helden, die leuchtendsten Tugendvorbilder, die geistesmächtigsten Denker und zugleich die demüthigsten Bekenner und Büßer, die liebreichsten Freunde der Armen aller Art und die größten Wohltäter der Menschheit zu schaffen vermag — ein Glaube, der uns über Trennung und Tod, Kummer und Sorge, Prüfungen und Elend jeder Art, Gefahren und Verfolgung siegreich hinweghebt, uns stärkt und wappnet, alles zu tragen mit Geduld und ausdauernder Hoffnung, jedenfalls aber mit ruhiger Ergebung in Gottes Willen, der seinen getreuen Knechten um so glänzendere Kronen bewahrt, je mehr er sie hie- nteben prüft und Heimsucht. Dieser Glaube ist damit auch der starke Schild, der uns unversehrt hindurchgehen läßt durch die Kämpfe unserer Zeit, das Panier, dem wir allezeit mit ungebeugtem Muthe folgen werden, und das uns gleich den Heiligen, unserer geistiger Ahnen, stets sein und bleiben wird das Zeichen, in dem wir siegen, und das dereinst, wenn wir unsere Pflicht thun und auf Gottes Gnade bedacht sind, uns alle, die wir streiten, die noch leiden, mit jenen vereinen wird in ewiger Anschauung Gottes, in ewiger Glückseligkeit!
Deutsches Deich.
Berlin, 29. Oktober.
X Von verschiedenen Offiziösen wird übereinstimmend angedeutet, daß die große Kanal vorlage den preußischen Landtag schwerlich schon in dessen nächster Sitzungsperiode beschäftigen dürfte. Die ,Berl. Korresp.' ging mit dieser Andeutung voran; und nunmehr folgen ihr in demselben Sinne die ,Berl. Pol. Nachrichten'. Bemerkenswerth ist, daß im konservativen Lager Stimmen auftauchen, die die Parteigenossen zur vorsichtigen und versöhnlichen Behandlun g der Kan al angelegen- heiten auffordern. Dies that namentlich in
WaldHeimer Bürger war groß. Nicht weniger aber ihr Staunen, als Freihofer ihnen mittheilte, wen die Extrapost gebracht hatte. Von den verschiedenen Einzelheiten, welche den Gegenstand seiner Unterhaltung mit dem neuen Schloßherrn gebildet, sagte er begreiflicher Weise nur so viel, als nothwendig erschien, um die vielen Fragen wenigstens einigermaßen zu befriedigen, was auch allmählig gelang.
Gleichwohl hörten die Kirchenbesucher am folgenden Sonntag nicht so aufmerksam wie sonst auf die Predigt. In dem reservirten Kirchenstuhle war Graf Ferdinand von Waldheim mit seinem Söhnchen erschienen und nahm an dem Gottesdienste Theil. Aus dieser Thatsache und der erbaulichen Andacht der beiden schlossen die WaldHeimer, daß es mit dem „wilden Leben" des Heimgekehrten doch nicht so arg gewesen sein müsse, wie gerüchtweise früher in Umlauf gesetzt worden waren.
Nach Schuß des Hochamtes machten der Graf und Oskar in dem Pfarrhause einen Besuch und kehrten nachher int ,Schwert' ein. Die vielen daselbst anwesenden Gäste sahen sich jedoch in ihrer Erwartung, dieselben ins Herrenzimmer eintreten zu sehen getäuscht. Sie begaben sich in ein Gemach im oberen Stock, wo sich nach einer Weile auch der Bürgermeister Erdmann einfand.
Eine Woche verging von da an um die andere, ohne daß etwas Besonderes geschah. Die Alltäglichkeit des Lebens kam in Waldheim wieder zu ihrem Rechte. An den Wechsel auf dem Schlosse gewöhnte man sich nach und nach. Anfangs war es aufgefallen, daß Graf Ferdinand
jüngster Zeit der bekannte Abg. v. Puttkamer- Plauth in einer Wählerversammlung, indem er ganz richtig darauf hinwies, daß die Landwirth- schaft den erforderlichen Schutz für ihre Erzeugnisse durch eine geeignete Zoll- und Wirtschaftspolitik erhalten müsse, nicht aber durch die Verhinderung neuer Verkehrsmittel. Für die einzelnen Kanalpläne ist noch besonders zu beachten, daß neuerdings für den Großschifffahrtsweg von Stettin nach Berlin die östliche Linie mächtige Fürsprecher bei der Regierung gefunden ju' haben scheint.
Q Die Berliner Regierung liefert fortgesetzt unerfreuliche Beweise dafür, daß sie gegenwärtig wenig Sinn hat für ehrliche und zeitgemäße Bestrebungen auf dem Gebiete der Sozialreform, daß sie dafür desto eifriger bedacht ist darauf, daß kein unberufenes Auge hineinschaue in das Triebwerk der bureaukratischen Maschine. Der neueste Beweis jdasür ist die Antwort, die der preußischerer kehrsrn in ister Herr Thielen dem Verein'für Sozialpolitik zugehen ließ auf dessen Gesuch, die Eisenbahnbehörden möchten mitwirken bei der Erhebung, die der genannte Verein über Arbeits-, Lohn- und Lebensverhältnisse der Unterbeamten der Eisenbahn anzustellen beschlossen hat. Das Gesuch ist vom Minister rundweg abgelehnt worden und zwar mit der absonderlichen Begründung, es liege „fein sachliches Bedürsniß vor zu einer solchen Erhebung bei den preußischen Staatsbeamten"; in den alljährlichen Betriebsberichten sei hinreichendes Material enthalten für die Beurteilung dieser Verhältnisse. Dieses Letztere trifft aber gar nicht zu. Die „Soziale Praxis" macht aufmerksam auf diesen Widerspruch zwischen Behauptung und Thatsache und stellt in einer Zuschrift aus Eisenbahnkreisen fest, daß das bezeichnete Berichtsmaterial die gewünschten Angaben nur ganz summarisch enthalte und für einzelne Verhältnisse gar keine Fingerzeige gebe. Die österreichisch e Regierung hat dem Ansuchen des Vereins für Sozialpolitik entsprochen. In Oesterreich sind aber die Unterbeamten bei der Eisenbahn ungünstiger gestellt als in Preußen. Da nun dieses Letztere den Vergleich nicht zu scheuen braucht, ist die Weigerung doppelt bedauerlich und befremdlich.
+ Wo eine JleischnolH vorhanden ist, da sollte ohne Zweifel auch geholfen werden; oder aber man müßte doch wenigstens alle Anstrengungen machen, um Hilfe zu schaffen. Aber auf der andern Seite sollte man doch auch ja recht vorsichtig umgehen mit dem Worte „Fleisch- noth" und seiner Anwendung. Es wird denjenigen Verbrauchern, zu deren Vortheil von Fleffchnoth geschrieben und gesprochen werden soll, nicht genützt, sondern geschadet, wenn in den öffentlichen Darlegungen über Fleischnoth und verwandte Dinge Verstöße gegen die Wahrheit entdeckt werden. Herr Oekonomieraih Haus- b urg, Direktor des Berliner Schlacht- und Viehhofes, hat in seinem letzten Jahresberichte nun ebenfalls die Frage der Fleischnoth behandelt. Er hat den Fleischverbrauch in Berlin von 1897 von dem von 1896 verglichen, und er ist dabei zu dem Ergebnisse gelangt, daß dieser Verbrauch abgenommen hat; und diese Anbei seinen häufigen Besuchen im ,Schwert' niemals die unteren Wirtschaftsräume betrat, sondern sich immer in einem oberen Gemache aufhielt, wo dann und wann der Stadtpfarrer und der Bürgermeister sich einfanden; aber schließlich hielt sich darüber Niemand mehr aus.
Die Hochachtung und Verehrung für den neuen Schloßherrn wuchs überhaupt mit jedem Tage. Graf Ferdinand war trotz feiner Eigenheiten ein leutseliger Herr, der manchmal den gewöhnlichsten Mann mit herzlichen Worten auf der Straße ansprach, und wenn irgend eine be drängte Familie der Hilfe und Unterstützung bedürfen, so kam sie ganz bestimmt aus dem Schlosse.
So ging ein Jahr ums andere vorüber. Oskar besuchte die Waldheinrer Lareinschule zugleich mit Raimund, dem Sohne des Bürgermeisters, und die beiden Studentlein fanden so großen Gefallen aneinander, daß mit der Zeit zwischen ihnen eine anfrigtiche und innige Freundschaft entstand.
Die gleichen Gesinnungen hegten sie gegen Senzchen, das Töchterlein Freihofers, und es war jedesmal ein Freudentag für die lebhaften Jungen, wenn das Mädchen sich auf dem Schlöffe einfand, wo der prächtige Park mit feinen Baumalleen, den lauschigen Lauben, dem dichten Buschwerk, dem kleinen See und den hübschen Wald- parthien zu anregenden kindlichen Spielen reiche Gelegercheit bot. Nicht selten beteiligte sich daran Graf Ferdinand selbst der mit augenscheinlich hoher Freude die unter den jungen Leutchen herrschende Herzlichkeit sah.
Diese wurde auch von einem Zweiten bemerkt, rief aber in dem Gemüthe desselben ganz
25. Jahrgmrs.
gäbe ist von einigen Zeitungen auf die Einwirkung der teueren Preise zurückgeführt worden. Zunächst ist von anderen auf Grund des amtlichen Materials ausgerechnet worden, um wie viel der Fleischverbrauch in Berlin von 1896 auf 1897 abgenommen hak; und da hat sich herausgestellt, daß dieser ganze Unterschied n i ch t mehr als den hundertsten Theil eines Pfundes für den Tag auf den Kopf der Berliner Bevölkerung ausmacht. Herr Hausburg hat aber gar nicht daran gedacht, daß ja 1896 in Berlin die große Gewerbe-Ausstellung war. Da war der Fleischverbrauch natürlich ein wenig größer als sonst, und somit fällt die ganze Berechnung von der Abnahme des Fleischverbrauches der Berliner Bevölkerung in ein Nichts zusammen. Herr Oekonomierath Hausburg hat sich verrechnet; und er hätte darum klüger gethan, die ganze Frage der Fleischnoth in seinem Berichte unberührt gelassen. Uebrigens ist dabei zu erwähnen, daß die Stadt Berlin von ihrem Schlacht- und Viehhofe zuletzt eine Reinein- nahme von 800,000 Mk. in einem Jahre hatte. Damit ließe sich auch mancher Fleischnoth steuern, wenn es sich einmal um wirkliche Noth handeln sollte. Gegenwärtig werden bekanntlich allenthalben Erhebungen vorgenommen über Fleischpreise, Fleischzufuhr und alle verwandten Fragen, und somit wird man ja in absehbarer Zeit amtliches Material zur Beurtheilung dieser Dinge in Hülle und Fülle zur Hand haben.
X In der Preffe wird aufmerksam gemacht auf verschiedene ärztliche Experimente, welche einen recht bedenklichen Charakter nicht verleugnen können. Die Wiener Pestfälle haben die Anregung zur Besprechung dieser Experimente gegeben. So wird namentlich darauf aufmerksam gemacht, daß ein Dr. Kol le, Assistent am königlichen Institut für Infektions-Krankheiten in Berlin, selbst in einem öffentlichen Vortrage berichtet hat über Versuche, die er mit Pestbazillen an Menschen angestellt hat. Die Bazillen stammten aus einer sogen. Reinkultur, und „Fieber, Unbehagen, Appetitlosigkeit, sowie ein schmerzhaftes Infiltrat an der Jnjektions - Stelle" stellte Dr. Kolle nach vorgenommener Einspritzung mit der Bazillenmaffe unter der Haut fest. Im Februar 1897 hielt Dr. Kolle in der Berliner medizinischen Gesellschaft öffentlich feinen Vortrag. Ob wohl derlei heute auch noch vorkommt? Anfrage darüber und Aufschluß in einer parlamentarischen Körperschaft würden sicherlich von der öffentlichen Meinung recht willkommen geheißen werden. Man weiß ohnehin, daß von manchen Aerzten das „klinische Material", d. h. die armen Kranken in den Krankenhäusern, die kein Pflegegeid vezahlen können, mitunter zu ganz unverantwortlichen Dingen gemißbraucht wird. Noch in aller Erinnerung sind die Versuche der Krebs-Impfung in der Klinik des Prof. v. Bergmann in Berlin, wegen deren der Genannte vom damaligen preußischen Kultusminister, Grafen v. Zedlitz-Trützschler, zur Rechenschaft gezogen wurde; und noch manche andere Thatsachen ließen sich in diesem Sinne anführen, nicht minder bedauerlich. Eine Auseinandersetzung darüber würde ohne Zweifel von großem und bleibendem Nutzen fein.
andere Empfindungen hervor — von dem Kastellan Anton Hauber. So oft die Kinder in dem Parke spielten, begab er sich in sein Schlas- zimmer, das über der Parkmauer lag und schaute hinter den Gardinen versteckt dem' Thun und Treiben der Kleinen zu.
Seine Augen bekamen dann einen seltsamen Glanz und häufig kam ein Zischen gleich dem der gereizten Schlange zwischen den Zähnen hervor. Manchmal erschien auch der Ausdruck einer boshaften Freude auf seinem Gesichte und zwar namentlich dann, wenn, wie es ja bet lebhaften Knaben immer vorkommt, ein kleiner Streit zwischen Oskar und Raimund entstand.
Wieder einmal stand Hauber auf feinem Lauerposten an einem klaren Wintertage.
Aus der glatten Eisdecke des keinen See's tummelten sich Oskar, Raimund und Senzchen und haschten sich, mit ihren Schlittschuhen ver- verschlurgene Kreise beschreibend, in kindlicher Lust. Auf einmal ertönte vom See her ein gellender Schrei. Der Kastellan sah, wie das Mädchen einbrach und ihr Unterkörper zwischen dem Eise verschwand. Er bemerkte jedoch auch, wie Raimund rasch seine Jacke auszog und diese dem Mädchen zuwarf, wobei er auf' den Knien nach dem Bruchrande rutschte, während Oskar ihn an den Füßen sesthielt. Senzchen klammerte sich fest, und die kräftigen Jungen zogen sie mit vereinten Kräften aus dem Wasser heraus. Der Schreckensruf war nicht blos von dem Kastellan gehört worden, sondern auch von anderen Leuten. Der Gärtner und ein Bedienter eilten herbei. Ihnen folgte der Graf. In fein leichenblasses Gesicht kehrte, als er die Kleine in Sicherheit