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sä» Inserate I. parzeller Ä'"’ mit Nnterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonnlags-Zeitung" p<ttreg«6e Nr. 2 (Harmonie).
M 248.
Die Ergebnisse der preußischen Landtagswahlen
werden sich klar erst nach den Abgeordnetenwahlen übersehen lassen, die bekanntlich am 3. November stattfinden werden. Immerhin kann man schon heute sagen, daß eine Mehrheit der Konservativen an sich im neuen preußischen Abgeordnetenhause ausgeschlossen ist. Die Konservativen hatten ja auch die Hoffnung darauf bereits aufgegeben.
Nach den Meldungen, die bisher vorliegen, kann man mit einiger Sicherheit annehmen, daß die Zahl der Freisinnigen im neuen Abgeordnetenhause ein wenig stärker sein wird als im alten. In Hagen ist Herr Eugen Richter wieder gewählt worden, während 1893 der Wahlkreis den Freisinnigen verloren ging. Nordhausen haben die Freisinnigen wiedergewonnen, in Königsberg ist das eine bisher konservative Mandat den Freisinnigen zugefallen, in Berlin werden ohne allen Zweifel wiederum 9 freisinnige Abgeordnete gewählt werden, in der Stadt Posen wird der Sieg durch die Polen der freisinnigen Volkspartei zufallen, wahrscheinlich haben die Freisinnigen auch den Wahlkreis Görlitz-Lauban zurückerobert, vermuthlich wird ihnen auch Breslau bleiben, Bromberg ist für sie neu gewonnen — kurz und gut, die Freisinnigen haben augenscheinlich allen Grund, mit dem Wahlausfall zufrieden zu sein.
Aber angenommen, die Freisinnigen würden im neuen Abgeordnetenhause über zehn Sitze mehr verfügen, als im alten, so will dies im allgemeinen wenig bedeuten. Dann haben sie etwa 30 Mandate inne, anstatt wie bisher 20, und abgesehen von dem erfreulichen Umstande, daß dadurch eine konservative Mehrheitsbildung an sich ganz sicher für alle Fälle ausgeschlossen ist, wird diese Verstärkung der Freisinnigen wenig und nichts an ,i)ent allgemeinen Gange der Ge schäfte im Abgeordnetenhause ändern. Die Vermehrung ihrer Sitze verdanken ja auch die Freisinnigen nicht etwa dem Umstande, daß ihre Partei plötzlich wieder einen Aufschwung genommen hätte. Vielmehr ist dies nur der Unterstützung zuzuschreiben, die sie von anderen Parteien erfahren haben, so namentlich von den Sozialdemokraten auf der einen und von Nationalliberalen und von Centrumswählern auf der andern Seite. Von einem Aufschwünge der Freisinnigen an sich kann keine Rede sein. Nur der allgemeine Wunsch, eine in sich geschlossene konservative Mehrheit unmöglich zu machen, hat den Freisinnigen diese Unterstützung zugesührt; auch nicht etwa ein Wachs thum an Ansehen und Sympathien, das die Freisinnigen für sich bei anderen Parteien zu verzeichnen hätten. Und die Konservativen mit ihrer immer schroffer hervortretenden Politik der materiellen Interessen und ihrer immer unerträglicher werdenden Anmaßung sind es im Grunde genommen, die den Freisinnigen diesen Erfolg auf Umwegen verschafft haben.
Der letzte Trlev.
Kriminal-Roman von Max Benno.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Graf schaute sinnend einige Sekunden lang vor sich hin. „Ich freue mich," sagte er dann, „die Kleine wieder zu sehen, die, wie ich erfuhr, prächtig gedeiht. Ich bin nämlich über die hiesigen Verhältnisse bereits so ziemlich auf dem Laufenden, da ich gestern den Notar in der Kreisstadt besuchte, der ja auch ein Mitglied des Kuratoriums ist. Er erzählte mir die ungewöhnlichen Ereignisse, welche sich nach Deiner Ankunft hier abspielten. Deine Verheirathung mit der Tochter des Schwertwirths und alles Andere, was nachher geschah. Aus dem, was ich gehört habe, schloß ich zu meiner nicht geringen Genug- thung, daß Du ein glücklicher Mann bist.
„Das bin ich", bestätigte der Wirth, „denn ich fand in Ottilien alle jene Eigenschaften, auf denen das wahre Glück der Ehe beruht. Gott hat unsere Arbeit gesegnet und es ist mir ein Leichtes, die Summe zurück zu bezahlen welche..."
„Still davon," gebot der Graf und legte Freihofer die Hand auf den Mund. „Von einer Rückerstattung kann gar keine Rede sein, da ich Dir den Betrag nicht als Anlehen gab, sondern als Mittel zu dem von mir beabsichtigten Zweck, den Du in so anerkennenswerther Weise erreicht hast. Du bist mir nicht einmal Dank schuldig, sondern ich Dir. Du hast opferbereit meine erste Bitte erfüllt und das Vermächtniß einer mir theueren Person in Deine Obhut genommen und nachher verließest Du die liebgewordene
Irrtöa, Samstag, den 29. Oktober 1898.
Denn die ganze Wahlbewegung stand unter dem Zeichen des Strebens, eine konservative Mehrheit zu Hintertreiben, verursacht durch die eigensüchtige Politik der preußischen Landtags- Konservativen. Und der Erfolg dieses Strebens war eine stärkere Unterstützung der freisinnigen Wahlmänner durch die Wahlmänner anderer Parteien und wird eine Vermehrung der freisinnigen Sitze im neuen Abgeordnetenhause sein.
Das Centrum wird aller Voraussicht nach in alter Stärke in das neue Haus einziehen. Eher spricht die Wahrscheinlichkeit für eine kleine Vermehrung seiner Sitze als für das Gegentheil.
Bei den Nationalliberalen ist eine Verschiebung eingetreten: diese verlieren einige Mandate an die Freisinnigen, werden aber voraussichtlich ebenso viele Sitze von den Konservativen gewinnen. In beiderlei Sinn handelt es sich auch hier um einige wenige Sitze. Je zwei Mandate verlieren sie an die Freisinnigen in Frankfurt a. Main und in Hagen, je eines in Kiel und in Görlitz-Lauban. Von den Konservativen geht je ein Sitz an die Nationalliberalen über in den Wahlkreisen Siegen, Flensburg und Mörs, und durch Wahlverrinbarung ebenfalls von den Freikonservativen bezw. Konservativen je ein Mandat in Sangerhausen und in Hoyerswerda.
Ob die Sozialdemokratie auch nur einen einzigen Abgeordneten in den Landtag hineinbringt, ist fraglich. Eigene Wahlmänner hatte sie aufgestellt in Breslau, in Altona, in Halle und in Linden bei Hannover. In Breslau können die Sozialdemokraten nur den Ausschlag geben für die freisinnige Volkspartei. In Halle haben sie auf keinen Erfolg zu rechnen. In Altona haben sie die zweitstärkste Anzahl von Wahlmännern, aber nur deswegen, weil dort die Nationalliberalen sich gespalten hatten für die Urwahl. Bei der Hauptwahl werden sie sich wohl wieder zusammenthun. Es könnte nur Linden übrig bleiben, um einen ersten „Hecht in den Karpfenteich" zu liefern.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Oktober.
x Glücklich und wohlbehalten ist das Kaiser!. Paar an den Gestaden des gelobten Landes angelangt; und auch in diesem Falle ist das vielgerühmte „Kaiserwetter" nicht ausgeblieben. Aber freilich hat dies zur Folge, daß eine glühende Hitze das Herrscherpaar empfängt. Von Interesse ist ein Vorgang, der sich nach der Landung in Haifa abspielte. Das Kaiser!. Paar wurde dort der Reihe nach begrüßt von den Vertretern der deutschen Kolonie, der protestantischen Kirchengemeinde und der deutschen katholischen Niederlassung in Taghba. Im Namen dieser letzteren brachte Pater Biever dem Kaisers. Paar den Willkommens - Gruß dar. Dieser sagte u. A.: Er spreche dem Kaiser den „tiefgefühltesten Dank aus für den majestätischen und wirksamen Schutz, den sowohl unsere Anstalten in Palästina als auch die daselbst wohnenden deutschen Katholiken unter dem Szepter der glorreichen Majestät des Kaisers genießen". Der Kaiser entgegnete: „Ihre patriotische An-
Scholle, um mir abermals einen Dienst zu erweisen, der größer ist, als Du ahnst. Doch wie verlorst Du Deine erste Gattin Martha? Sie sah doch, als ich Dich in Monnt Forest besuchte so kräftig und gesund aus?"
Ein Schatten legte sich auf Freihofers Gesicht. „Das Unheil kam fast über Nacht," berichtete er. „Das Scharlachfieber brach in der Gegend aus und griff um sich. Diese Krankheit ergreift in Amcrcka auch Erwachsene und nimmt nicht selten einen schlimmen Verlauf. Dies war auch bei meiner armen Martha der Fall. Nach nur sechstägigem Krankenlager starb sie. Es war für mich ein harter Schlag, denn nun stand ich mit dem kleinen Kreszenzchen allein in der Welt. Ich empfand deshalb auch eine freudige Ueberraschung, als ich Ihr Schreiben mit der Jnlage und dem Auftrage erhielt. Ich traf sofort die nöthigen Schritte, verkaufte mrinen Besitz mit allem Land und reiste mit Senzchen über das Meer. Glücklich erreichten wir Deutschland, und nun legte ich mich auf Kundschaft über die Verhältnisse in der Umgegend und erfuhr nach einiger Zeit, daß der öffentliche Verkauf der Schwertwirthschaft in Waldheim bevorstand. Das ist etwas für Dich, dachte ich. Das Wirthschaften hatte ich da drüben gelernt und für den übrigen Betrieb fanden sich schon zuverlässige Leute. In aller Stille traf ich meine Anstalten und begab mich mehrmals nach Waldheim, wo ich das Anwesen, wenn auch nur oberflächlich, in Augenschein nahm. Es gefiel mir. Ganz besonders aber wurde ich durch einen Zwischenfall zum Ankauf bestimmt. Ich betrat eines Abends mit Senzchen, das mich nach Waldheim begleitet hatte die Kirche. Da
spräche hat mich mit hoher Freude erfüllt und ich danke Ihnen sehr dafür. In Erwiderung ergreife ich gern die Gelegenheit, ein für allemal auszusprechen, daß die katholischenUnterthanen, wo und wann sie desselben bedürfen sollten, meines Kaiser!. Schutzes stets sicher sein werden." Hierauf reichte der Kaiser dem Pater Biever die Hand. — Am Freitag ist das Kaiser!. Paar in Jaffa eingetroffen. Die Ankunft in Jerusalem erfolgt voraussichtlich Samstag Mittag 12 Uhr.
* Das preußische Staatsministerin« hat heute (Freitag) unter dem Vorsitze des Fürsten zu Hohenlohe eine mehrstündige Sitzung abgehalten.
ft Dem amtlichen Berichte zufolge hat der Bundesrath in seiner Sitzung am letzten Donnerstag „die Vorlage von Lippe vom 18. Oktober 1898 betr. die kippesche Wrousokge- Irage den zuständigen Ausschüssen überwiesen". Man kann daraus nicht ersehen, um welche Vorlage es sich handelt. Der Antrag von Schaumburg-Lippe ist älteren Datums. Vermuthlich handelt es sich dabei nur um die von Lippe- Detmold ausgesprochene Bitte, die Entscheidung über den schaumburgischen Antrag noch so lange zu verschieben, jbis das Gutachten des Münchener Staatsrechts-Profesfors von Seyd el den Bundesregierungen mitgetheilt sein werde.
0 Nach einem Petersburger Berichte der Kreuz-Zeitung liegen nunmehr die Antworten sämmtlicher Regierungen vor auf die Note des Grafen Murawzew über die Abhaltung einer Avrüstnngs-Kouf-renz. Die Antworten lauten nach dieser Meldung ohne Ausnahme durchaus zustimmend. Jede Regierung soll, wie bereits an dieser Stelle berichtet, drei Vertreter entsenden, nicht nur Diplomaten, sondern auch Militärs. Somit wird die Konferenz die Gestalt eines Weltkongresses annehmen, wie bisher noch keiner stattgefunden hat.
* In den Kriegervereme« gährt's ganz gewaltig. Die Mehrzahl der alten Kriegsveteranen, die die letzten Feldzüge mitgemacht haben, weigern sich, die Erklärung zu unterschreiben, die jetzt jedem einzelnen Mitgliede eines Kriegervereins zugesandt worden ist. Der Wortlaut dieser Erklärung ist folgender: „Ich, der Unterzeichnete, Mitglied des Vereins ...... erkläre hiermit nach Kenntnißnahme des mir gleichzeitig übersandten Zirkulars nebst Anlage, daß, wie ich bei meiner Aufnahme in den Verein bereits erklärt habe, sich meine Gesinnung auch jetzt noch im Einklang mit dem § 1 unserer Satzungen befindet, und es mein Bestreben bisher war und weiter sein wird, die in diesem Paragraphen zum Ausdruck gebrachten Grundsätze der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland, sowie die Pflege treuer nationaler Gesinnung und echter Kameradschaft im bürgerlichen Leben, soweit es in meinen Kräften steht, zu be- thätigen und, wo es nöthig, öffentlich zu bezeugen. Zugleich erkläre ich mich ausdrücklich damit einverstanden, daß, wenn Gegenteiliges von mir bekannt wird, meine Ausscheidung aus dem Verein angeordnet werden kann." — Zahlreiche Mitglieder haben diese Erklärung ohne Unterschrift zurückgeschickt, andere ließen sie ganz unbeachtet, wurde meine Aufmerksamkeit durch ein bitterliches Weinen geweckt. Ich trat ein wenig hinter dem mich verbergenden Pfeiler hervor und sah zwei Mädchen vor dem Altar der schmerzhaften Mutter Gottes fnieen. Die Größere betete laut. Es war ein rührender Erguß von Gottvertrauen und frommer Ergebung, aber auch der Hilferuf eines Herzens, das von schwerem Leid niedergedrückt wird. Es wurde mir dabei ganz seltsam ums Herz und nur mit Gewalt drückte ich meine Thränen zurück. Nachher erfuhr ich, daß die Beiden die Töchter des verstorbenen Schwertwirths Mundorff gewesen, und auch den Grund ihrer Traurigkeit. Schon damals regte sich in mir für die herrliche Jungfrau Ottilie jenes Gefühl, das eine greifbare Gestalt freilich erst später — nach dem Brande — bekam. Ich ging zu dem alten, würdigen Pfarrherrn, der jetzt leider nicht mehr unter den Lebenden weilt und schüttete mein Herz vor ihm aus. Ich fand an ihm einen väterlichen Freund, der meinen Entschluß mit Freuden vernahm. Ottiliens Herz vollends hatte ich schon durch den ihrem Schwesterchen erwiesenen Dienst gewonnen, und gerne gab sie mir ihr Jawort. Sie hörten vielleicht auch schon davon, daß es außer mir nur einen ernstlichen Liebhaber gab, der Kastellan Anton Hauber, der, wie ich später erfuhr, ernstliche Absichten auf die Hand Ottiliens hegte. Der Mann ist mir Anfangs augenscheinlich böse gewesen, scheint aber allmählig seinen Groll verwunden zu haben, denn er kehrt dann und wann bei uns ein. Er spricht freilich nicht viel, aber von einer feindseligen Gesinnung bemerkt man nichts m-g-r."
Der Graf lachte. „Dann muß er sich freilich
25. Jahrgang.
O Seit zwei Jahren etwa beschäftigt man sich bei uns in Deutschland mit der Frage, ob es sich empfehle, auch bei uns die Strafe der Dervarmrmg einzuführen, oder der „Deportation", wie man sich in Deutschland mit Vorliebe auszudrücken pflegt. Von Anfang an neigten sich die Meinungen dahin, daß es sich nicht empfehle, diese Strafe auch bei uns einzuführen. Theils waren diese Bedenken sentimentaler Art, theils aber waren sie auch praktischen Ursprungs, und namentlich wurden Bedenken erhoben in dem Sinne, daß Strafarbeit in unseren afrikanischen Schutzgebieten so ziemlich gleichbedeutend sein würde mit einem Todesmtheil, weil die Deutschen diese Arbeit nun einmal nicht aushalten wegen des Klimas dort. Um nun die Ansichten kennen zu lernen, die darüber an Ort und Stelle herrschen, hat die Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes eine Umfrage veranstaltet bei den Gouverneuren unserer Kolonien. Es ist die Frage gestellt worden, in wie weit die Gouverneure es für zulässig, finanziell durchführbar und int Interesse der Kolonien sowohl, als auch der Sträflinge liegend halten, wenn man die Verbannung in gewissen Grenzen in das deutsche Strafsystem einführen wollte. Aber die Antworten der Gouverneure find ohne Ausnahme verneinend ausgefallen. Diese Antworten gehen einstimmig dahin, daß man Gefangene zur Strafarbeit nicht dorthin bringen könne, ohne sie ernsten Lebensgefahren oder doch langwierigen Krankheiten auszusetzen; außerdem würde die Autorität der weißen Bevölkerung leiden, wenn man weiße Strafgefangene nach den Kolonien bringen wollte. Namentlich der Gouverneur von Kamerun hat sich sehr scharf gegen die Verschickung von Strafgefangenen ausgesprochen: das würde, meint er, nichts anderes bedeuten, als die Verwandlung der Kolonie in ein einziges großes Krankenhaus. Das mögen sich vor allen Dingen auch diejenigen merken, die noch immer nicht von der Anschauung abzubringen sind, unsere afrikanischen Schutzgebiete könnten für uns auch Bedeutung gewinnen durch die Besiedelung mit deutschen bäuerlichen Bevölkerungs-Elementen. Daß davon keine Rede sein kann, beweisen deutlich die Gutachten der Gouverneure.
(Weitere politische Nachrichten befinden fich im zweiten Blatte.)
Ausland.
-f- Wie«, 28. Oft. Die Pestfälle waren gestern der Gegenstand weiterer lebhafter Debatten im österreichischen Abgeordnetenhause. Dieselben haben von neuem klar gezeigt, wie unge- rechtfertigt es war, den katholischenfAbgeordneten vorwerfen zu wollen, daß sie grundsätzliche Gegner wissenschaftlicher Forschungen seien. Namentlich Abg. Dr. Lueger verbreitete sich in ausführlicher Weise über dieses Thema und widerlegte diesen albernen Vorwurf von Grund aus. Aber das schließt natürlich nicht aus, daß man Mißbräuchen entgegentritt und diese überall bekämpft, wo sie sich bemerkbar machen; und ohne Zweifel haben diese bedauerlichen Fälle in Wien recht klar dar- gethan, daß in der Art und Weise, wie die stark verändert haben," meinte er, „denn früher stand fein Mund den ganzen Tag so wenig still, als ein Mühlrad. Ich erinnere mich noch recht gut an ihn. Er diente schon meinem Vater als Schreiber und ich suchte ihn häufig auf, da er mich mit allerlei Schnurren und Schnacken und insbesondere durch lustige Schwänke aus seinem Studentenleben gut zu unterhalten verstand. Er hatte nämlich die Rechte studirt, es aber zu keinem Examen gebracht. Gerüchtweise verlautete auch, man habe ihn wegen schlimmer Streiche von der Hochschule entfernt. Dabei war er aber em äußerst brauchbarer Mensch und mein Vater hielt große Stücke auf ihn. Von seiner Kauflust sprach schon der Notar, der jedoch meinte, er habe im Auftrage meines Bruders gehandelt, was nicht unmöglich ist. Unter allen Umständen ist es bester, daß Dir nicht nur die Erwerbung des schönen Anwesens, sondern auch der Gewinn Deines Frauchens gelang. Doch komm, wir wollen uns setzen. Es plaudert sich beffer und ich bin Dir noch einige Aufklärungen schuldig mit denen cs nicht so schnell geht." ,
Er ließ sich auf einen Stuhl nieder und Freihofer folgte feinem Beispiel. ,
„Daß mir meine erste Gemahlin Adelheid m Düsseldorf starb, theilte ich Dir mit und ebenso, daß ich unser Söhnchen Oskar in einem guten Hause zur Erziehung untergebracht hatte. Davon aber, daß ich mich wieder vermählte, sagte ich Dir damals nichts. Bei meinem Besuche auf Samoa lernte ich ein Mädchen kennen, deren wunderbare Schönheit mich mit unwiderstehlichem Zauber hinriß. Sie war Christin, aber eben dennoch ein Natmkind, dem höhere Bildung