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Der letzte Triel,.

Kriminal-Roman von Max Benno.

H ------ (Nachdruck verboten.)

Die Aufregungen und Ueberraschungen hotten für die Wald Heimer nicht auf. Einige Tage später verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nach­richt: Ottilie Mundorff habe sich mit Theodor Freihoser verlobt. Wie das so unerwartet und schnell gekommen, hätte Jedermann gerne ge­wußt; aber man erfuhr nur Einzelheiten, so daß ein weiter Spielraum für allerlei Vermulhungen blieb.

Freihofer hatte mit dem blondköpfigen Mädchen «inen Besuch im Pfarrhofe gemacht und mit dem alten geistlichen Herrn ein Gespräch unter vier Augen geführt. Dann war die Schwester des Pfarrherrn fortgegangen und hatte Ottilien und Aennchen geholt. Als Letztere wieder heimkamen, erfuhr die nicht wenig erstaunte Tante von Ottilien, daß Freihofer um ihre Hand angehalten habe und daß ihm das Jawort von ihr ertheilt worden sei.

Dieses Wenige blieb auch der Oeffentlichkeit nicht verborgen. Nach und nach wurde verschiedenes andere bekannt, das nicht wenig zur Vermehrung des Respekts vor dem Fremden beitrug, der für bie Rettung eines Mitmenschen vom Feuertode das eigene Leben gewagt hatte. Die Kaussange- legenheit war durch diese Wendung gegenstands­los geworden und auch zu einem Prozesse kam eS natürlich nicht, wie schon von verschiedenen Seiten prophezeiht worden war. Dagegen wurden sämmtliche Gläubiger durch Freihofer befrüdigt, der die Absicht aussprach, den Wiederaufbau des

25. Jahrgans

Iuköa, Donnerstag, den 27. Oktober 1898.

M 246.

Dagegen ließ der Kastellan Anton Hauber sich nur noch selten sehen, und wenn er je ein­sprach, blieb er einsilbig und ging bald wieder fort. Zwischen ihm und dem Bürgermeister Erd­mann war eine Entfremdung eingetreten, die an­fangs zu allerlei anzüglichen Bemerkungen und Vermuthungen Veranlassung gab. Früher hatte man die Beiden fast täglich bei einander gesehen. Jetzt aber wichen sie sich absichtlich aus und wenn sich ein persönlicher Verkehr gar nicht umgehen ließ, blieb Rede und Gegenrede auf das Noth- wendigste beschränkt. Allmählich gewöhnten sich die Leute daran, und man sprach nicht mehr davon.

Auf dem gräflichen Schlosse hatte es eine große Veränderung gegeben. Der Besitzer war nach kurzem Krankenlager gestorben, und von Gerichtswegen war ein Kurator bestellt worden, da der Erbe und Rechtsnachfolger des Verblichenen, der Bruder Ferdinand von Waldheim, nichts von sich hören ließ.

Ueber diesen gingen die abenteuerlichsten Ge­rüchte und wurden, wie dies in der Regel zu geschehen pflegt, auch ohne Beweise geglaubt. Er sollte sich nach dem Tode seiner standesgemäßen ersten Gattin mit einer ganz ungebildeten, weit unter ihm stehenden Person verbunden haben und mit dieser in der ganzen Welt herumgereist sein. Man hielt dies um so eher für möglich, als er schon in seiner Jugendzeit etwas eigen gewesen war und sich nicht viel um das Her­kömmliche bekümmert hatte. Er war immer seine besonderen Wege gegangen und hatte sich mit Vorliebe unter das Volk gemischt, für dessen Sitten und Gebräuche er augenscheinlich hohes Interesse empfand.

▲ Faschoda.

Die Zwistigkeiten zwischen England und Frankreich über afrikanische Fragen stammen nicht von gestern oder vorgestern her. In afrikanischen Sachen sind Engländer und Franzosen gar nicht hold. Es gilt zu theilen, und wo es etwas zu theilen gibt, gibt es ge­wöhnlich auch etwas zu zanken. Das haben wir vor einem Jahre gesehen, als Engländer und Franzosen sich einander im westafrikanischen Niger - lande die Zähne wiesen; und wenn man damals hätte den englischen und französischen Zeitungen ■glauben wollen, so hätte man annehmen müssen, daß Engländer und Franzosen demnächst im Nigergebiete hätten zu den Waffen gegeneinander greifen müssen. Aber es ist zu keinem Blutver­gießen gekommen; und ein Jahr später war die ganze Sache durch die diplomatische Nigerkon- Ferenz beigelegt, die in Paris tagte.

Jetzt zanken sich England und Frankreich um Faschoda. Man nennt es wenigstens so. Aber Faschoda selbst ist ein elendes schmutziges Dorf am oberen Nil, das neun Monate des Jahres hindurch, solange der Nil hohen Wasser- ■ftanb hat, in Sumpf und Schlamm steckt, und wenn man von Faschoda spricht, so meint man bas ganze Landgebiet am oberen Nil, dsffen Lage durch den armseligen Ort Faschoda geÄmnzeichnet wird. Und das Wichtige daran ist nicht etwa der Werth dieser Landstrecke an sich, sondern ihre Lage; und diese Sage ist gerät: ganz besonders bedeutungsvoll für Frankreich und für England. England träumt von einem britisch-afrikanischen Reiche, das vom Norden nach dem Süden durch ganz Afrika sich erstreckt; von Kairo bis zum Kap der guten Hoffnung. Frank reich will unter allen Umständen ein afrikanisches Gebiet sich unterwerfen, das das afrikanische Festland ebenso vollständig vom Westen nach dem Osten durchquert, vom Nigerlande her bis nach Abessynien und zum Rothen Meere hin, und unter solchen Umständen kann es gar nicht anders fein, als daß Engländer und Franzosen in ihren afrikanischen Ausdehnungsbestrebungen einander ikreuzweife über den Weg laufen.

Dort nun, wo das jetzt eingetreten ist, liegt das elende Nest Faschoda. Den Engländern fehlt zur "Verwirklichung ihres Wunsches von einem fortlaufenden britischen Einfluß- Gebiete von Kairo bis zum Kaplande nur noch bas Gebiet um Faschoda und das Gebitt von "Bahr el Ghasal; und deswegen waren sie ganz überrascht, als auf einmal Major Marchand mit -einer französischen Expedition in Faschoda ankam und die französische Flagge hißte. General Kit- chener eilte spornstreichs von Omdurman h»r, wo er die Derwische besiegt hatte, dorthin und ließ bie englische und egyplifche Flagge neben der fran­zösischen aufziehen, und nun begann der Zank um Faschoda.

Es ging und geht in der Londoner und Pariser Presse diesmal gerade so zu wie damals.

als es sich um das Niger-Gebiet handelte; manche der eifrigsten Zeitungen ließen sogar in ihrer Phantasie die französischen und eng­lischen Seehafen bereits in Kriegsbereitschaft setzen und wetzten das Schlachtmeffer mit einer Wuth, die saft gefährlich aussah. Aber es ist durchaus zu hoffen, daß die Sache lange nicht so gefährlich verlaufen wird, wie sie im Anfänge ausgesehen hat; und für Frankreich kommt als Mahnung zur Mäßigung sehr der Umstand in Betracht, daß König Menelik von Abessynien nicht, wie man vorher in Paris gehofft hatte, gemeinsame Sache mit den Franzosen machen kann. Ras Mangascha, der Unterkönig des abeffynischen Landes Tigre, hat sich gegen Menelik empört, und so hat nun dieser gerade genug mit sich selbst zu thun.

Diese Thatsache und einige andere Umstande tragen sehr dazu bei, das erhitzte Gemüth der Franzosen abzukühlen, und so kann man jetzt beobachten, daß die französische Regierung auf versöhnliche Bahnen einzulenken beginnt. Major Marchand — so äußerte Herr D e lc a sse, der französische Minister des Äeußern — sollte nur „ein Sendbote der Civilisation und des Friedens" gewesen fein, kein Herold der Erobe­rung und des Krieges; und ganz augenscheinlich auf Betreiben der französischen Regierung selbst hat alsdann der Pariser Gemeinderath einen Beschluß gefaßt, in dem „bie Regierung aufgefordert wird, alles aufzubieten, um einen schweren Konflikt mit England zu vermeiden". So hat die fran­zösische Regierung Hinterthürchen offen, durch die sie sich mit diplomatischem Anstand zurückziehen kann; und zum Glück gewinnt die Sachlage im allgemeinen fortgesetzt friedlichem Anschein.

Sowohl dje enolische als auch bie französische Regierung haben ihren Parlamenten amtlich Aufschluß gegeben über die Entwickelung des ganzen Faschoda-Streites. Und wenn man auch auf beiden Seiten einer sehr nachdrücklichen Sprache gegen die andere Macht sich bedient, so kann man doch aus beiden Aktenbüchern ganz gut herauslesen, daß auf beiden Seiten Neigung zur gegenseitigen Verständigung vorhanden ist. Die Schwierigkeit besteht nur darin, daß Eng­land sich in die Forderung verrannt hat, Major Marchand müsse zuerst Faschoda verlassen, ehe es diplomatisch verhandelt, und wie man aus dieser Schwierigkeit herauskommen will, ist vor­läufig noch unklar.

dafür desto toller zugegangen. Diese Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in der französischen Deputirtenkammer ist wieder einmal kein Ruhmes­blatt in der Geschichte des Parlamentarismus; und sicherlich hat sich in dem Kehricht, das Mitt­woch früh der Sitzungssaal lieferte, mehr als ein Büschel Haare vorgefunden, das vordem das Haupt oder das Kinn eines der sehr ehrenwerthen Deputirten zierte. Namentlich die Neubou- langisten und die Sozialdemokraten haben Hervorragendes geleistet auf dem Gebiete des Faustkampfes, und es hat große Mühe gekostet, um die Ordnung so weit aufrecht zu erhalten, daß die Sitzung schließlich zu Ende geführt werden konnte. Unterbrochen mußte die Sitzung ohnehin werden.

Natürlich ist es die Dreyfus-Sache ge­wesen, über die das Kabinet Brisson gefallen ist. Zuerst schien es so, als sollte Herrn Briffon ein Sieg werden. Der Kriegsminister General Eh anoine gab, wie schon gemeldet, vor der Kammer die Erklärung ab, daß er in der Beur­teilung der Dreyfus-Angelegenheit mit feinen Vorgängern Zurlinden und Cavaignac überein« stimme, entgegen der Anschauungsweise der anderen Minister; und daß er darum öffentlich vor der Kammer sein Portefeuille niebertege —- fprach's und verließ unter bonnerähnlichen Beifallsrufen der Dreyfus-Gegner den Sitzungssaal. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde eine von Herrn Briffon gebilligte Resolution angenommen, die lautet: „Wir schenken der Armee Vertrauen und wollen nicht, daß man sie angteife. Alle Republikaner sind in diesem Punkte einig;" und ein Zusatzantrag des Abz, Berger wurde ab- gelehnt, wonach die Kammer der Regierung ihren Tadel ausspricht dafür, daß sie dem Heere nicht Respekt verschafft habe. Aber alsbqld wandte sich das Blättlein, und es wurde ein anderer, vom Abg. de Mahy eingebrachter Zusatzantrag angenommen, in dem die Regierung aufge­fordert wird, den Beleidigungen des Heeres ein Ende zu machen. Herr Brisson hatte auch diesen Zusatzantrag abgelehnt, und somit war sein Sturz entschieden, als der Antrag de Mahy's mit 296 gegen 243 Stimmen Annahme fand, ein anderer Antrag des Abg. Berteaux aber, der Re­gierung das Vertrauen der Kammer auszusprechen, mit 286 gegen 254 Stimmen abgelehnt wurde. Schließlich wurde die zuerst vorgeschlageneResolution mitdemZusatze de Mahy's mit ber Riesenmehrheit von 460 gegen 28 Stimmen angenommen.

Das rabikale Kabinet Brisson ist also gründlich geschlagen. Die nächste Folge davon muß unvermeidlich die sein, daß die Radikalen, die Freunde der Revision des Dreyfus-Prozessks, in den Hintergrund gedrängt werden. Soll nun wieder ein Ministerium ans Ruber gelangen, das aus gemäßigten Republikanern be­steht? So war das Ministerium des Herrn Möline zusammengesetzt, der vor Herrn Briffon am Ruber war. Aber auch Herr Meline konnte sich vor dieser Deputirtenkammer nicht halten. Was also soll nun kommen? Das ist schwer zu sagen; und jedenfalls ist die Lage verworrener als je. Und das will, auf Frankreich angewandt, gewiß viel sagen. _________________

Deutsches Deich»

Berlin, 26. Oktober.

0 Gegenwärtig beschäftigt die kippe'sche Grvfokgefrage die öffentliche Meinung wieder in hohem Maße. Es handelt sich zunächst, wie bekannt, um die Frage, ob der Bundesrath sich zuständig erklärt, über den Fall zu ver­handeln, oder nicht. Voraussichtlich wird er sich, wie ebenfalls bekannt, für zuständig erklären. Dann entsteht die andere Frage: Wird er den Wünschen von Schaumburg-Lippe entgegen dem jetzigen Regenten von Lippe-Detmold, dem Grafen Ernst zu Lippe-Biesterfeld, entsprechen? Und auf diese Frage läßt sich heute noch gar keine muchmaßende Antwort ertheilen. Der Antrag, den Schaumburg-Lippe an den Bundesrath hat gelangen lassen, zerfällt in zwei Theile: erstens beantragt Schaumburg-Lippe, daß der Streit um die Thronfolge in Lippe-Detmold durch den Bundesrath entschieden werde; zweitens be­antragt Schaumburg-Lippe, daß der Bundesrath für unverbindlich für Schaumburg-Lippe die Novelle zum lippe'schen Regentschastsgesetze er­klären soll, die für den Fall des Todes des gegenwärtigen Regenten von Lippe-Detmqld dessen ältesten Sohn zum Regenten bestimmt.

x Die neueste Meldung über den Tag ber Gröffnnng des Reichstages besagt, diese Er­öffnung solle am 29. November ftattfinben. Die Eröffnung solle durch den Kaiser im Weißen Saase des sihnignqen Schlosses vorgenDMM« werden; der Rückkehr des Kaisers könne man am 20. November entgegensetzen. Wie alle vor­aufgegangenen Meldungen derselben Art ist auch diese mit der geeigneten Vorsicht aufzunehmen^

0 Nach einer Drahimelduna ber Londoner ,$ime§' ist ein deutscher Forscher, bet Archäologe Prof. Aetck, im Bezirke von Van durch Schüsse türkischer Kavallerie ferner verwundet. Prof. Belck erforschte in privatem Auftrage den Sipan Dagh. Der britische Vize- konsul in Van, Herr Elliot, hat sich btr Sache mit Nachdruck angenommen, da Deutschland dort keinen Vertreter hat. Die deutsche Botschaft in Konstantinopel verlangt als erste Genugthuung die sofortige Abberufung des Befehlshabers der Kavallerie dort, Hussein Paschas.

ft Der KokoniakralH hat bekanntlich am Montag mit seine Berathungen begonnen. Die­selben finden im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitze des neuen Kolonialdirektors von Buchka statt. Wie bekannt, fällt dem Kolonialrathe namentlich die Vorberathung des Kolonialetats zu. Augenscheinlich hat es bisher bei den Be­rathungen kaum ernsthafte Meinungsverschieden­heiten gegeben. Den Vordergrund des Interesses nehmen die Pläne ein über den Bau neuer Eisenbahnen in den deutsch-afrikanischen Schutzgebieten und über andere Verkehrs­anlagen. Die Anlage eines Trockendockes in Dar es Salaam ist als unbedingt nothwendig bezeichnet worden, ebenso der Anbau der Usambara- Bahn auf Kosten des Reiches aus der Strecke Tanga- Muhesa. Bei der Berathung des Etats für Kamerun machte ber Vorsitzende Mittheilung davon, daß die deutsche Reichsregierung eine größere Ex­pedition nach dem Tschad-See plant. Ein-

So viel war sicher, daß er seine Stellung als Offizier bei einem Kavallerieregimente quiltirt, und sich dann mit einer sehr reichen und vornehmen Dame verheirathet hatte.

Ueber fein nachheriges Thun und Lassen aber lag etwas Bestimmtes nicht vor, da er auf Reisen gegangen war und keine Verbindung mehr zwischen ihm und der Heimath bestand.

Nach dem Tode des Majoratsherrn hatte man einen öffentlichen Aufruf an ihn erlassen, aber während mehr als zwei Jahren kam kein Lebens­zeichen von ihm.

Man sprach in dem Städtchen über diesen Fall allerlei, aber ohne besonderes Interesse, da der nunmehrige Herr von Waldheim eine ben Meisten unbekannte Persönlichkeit war, und nur in dem „Schwert" bildete der Vermißte wieder­holt den Gegenstand eines Gesprächs zwischen Freihoser und Ottilien, wenn sie allein waren, aus dem hervorging, daß Ersterer wärmere Ge­fühle für den Grafen Ferdinand hegte und daß er die vergeblichen Nachforschungen nach demselben peinlich empfand.

Ein Zeitungsblatt, das einen abermaligen Aufruf an den Verschollenen enthielt, in der Hand haltend, saß Freihofer am Tisch. Da wurde seine Aufmerksamkeit durch die schmetternden Klänge eines Posthorns geweckt.

Er erhob sich und schaute durchs Fenster. Eine Extrapost rollte gegen das Gasthaus heran.

Der Postillon sprang, als die Pferde still standen, vom Bock, öffnete ben Wagenschlag und half einem Herrn in den fünfziger Jahren mit dichtem, schon etwas ergrauendem Vollbart heraus.

O Ministersturz in Frankreich.

Der rasende See hat sein Opfer gefordert. Am Dienstag Abend hat die französische Deputirtenkammer ihre Sitzungen wieder ausgenommen; und in derselben Nacht hat auch schon die Kammer das Ministerium Brisson niederge stimm t. Umfangreiche Vorbereitungen waren getroffen worden, um auf dem Eintrachtsplatze vor dem Parla­mentsgebäude Unruhen und Balgereien zu verhüten. Ein großes Aufgebot von Polizei und Gensdarmerie hielt den Platz besetzt; und in der That ist es diesem Machtaufgebote so ziemlich gelungen, die äußere Ruhe aufrecht zu erhalten.

Im Parlamentsgebäude selbst ist es niedergebrannten Anwesens sofort in Angriff zu nehmen. Bis nach Ablauf der Trauerzeit um den verstorbenen Vater der Braut konnte derselbe vollendet sein. Die gleiche Zeit wurde für die eheliche Verbindung bestimmt.

Diese Nachrichten drangen auch zu den Ohren des Kastellans Hauber. Mit scheinbarem Gleich- muth nahm er sie auf. Wer aber nachher seine Verwünschungen und Flüche, seine Drohungen und entsetzlichen Haffesausbrüche gehört hätte, der würde aeglaubt haben, es stehe ein Auswürfling der Hölle vor ihm.

II.

Jahre waren vorübergegangen. In dem Städt­chen Waldheim hatte sich im allgemeinen nicht viel verändert und nur jene Wechsel und Neugestaltungen waren zu verzeichnen, die der natürliche Lauf der Zeit mit sich bringt.

Das „Schwert" stand so ziemlich wieder in seiner früheren Gestalt da. Freihofer und seine Ottilie besorgten die Wirlhschaft und wurden durch die noch immer rüstige Salome unterstützt. Aennchen war zur Jungfrau herangewachsen und schien auch geistig reifer geworden zu fein, der Liebling des ganzen Hauses aber und aller Gäste warCrescentia, oder Senzchen, wie man sie hieß, das liebliche Mädchen, welches Freihoser in die Ehe gebracht hatte.

Ottilie liebte das Kind, als wäre es ihr eigenes und zwar mit um so größerer Zärtlichkeit, als der Kindersegen ihr selbst versagt blieb.

Der Bürgermeister Erdmann verkehrte häufig im „Schwert" und das Glück, das daselbst seine bleibende Heimstätte aufgeschlagen zu haben schien, war augenscheinlich eine große Genugthuung für ihn.