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FuldaerMIeitung

Druck und Verlag der Fuldaer Rcnendrucke«r

petersgaste klr. 2 (Harmonie).

25. JahrgM^

IuLöa, Mittwoch, den 26. Oktober 1898.

M 245.

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war, einschneidende sanitäre Bestimmungen, von denen in erster Linie die amerikanische Einfuhr betroffen würde. Von dieser Seite richtet man sich bereits auf Gegenmaßregeln em für den Fall, daß der Entwurf die Genehmigung des Bundesrathes und des Reichstages erhalteu sollte. Auf amerikanischer Seite befürchtet man nämlich, daß durch die vorgesehenen Kontrollmaß­regeln die Einfuhr von Büchsenfleisch und Wurst- waaren so erschwert würde, daß die Einfuhr nahezu unmöglich gemacht würde. Es soll nun, wie von drüben gemeldet wird, bei der ameri­kanischen Regierung die Absicht bestehen, gegebenen­falls ebenso scharfe Bestimmungen zu treffen in Bezug auf die Einfuhr deutscher Waare, Spiel- und Wollwaaren und Erzeugnissen der chemischen Industrie. In Amerika klage man schon lange über Weinverfälschungen und über die Verwen­dung gesundheitsschädlicher Farben bei der Her­stellung verschiedener Gebrauchsgegenstände. Wir galten diese Ankündigungen für Schreckschüsse, würden aber nichts einwenden, wenn die ameri­kanische Regierung zu den besagten Sicherheits- Maßnahmen überginge, falls ihre Bedenken be- ründet wären, was wir nicht unterfuchen können, luf deutscher Seite wird man sich dadurch ge­wiß nicht verhindern lassen, das anzuordnen, was im deutschen Interesse geboten ist. Zunächst wird man einmal den Entwurf des Fleischschaugesetzes

’elbft abzuwarten haben.

Z- Im Königreiche Sachsen ist während der letzten Jahre die Landwirthschaft zurück- gegangen. Das vom sächsischen Ministerium des Innern herausgegebeue Statistische Jahrbuch zieht ans Grund des amtlichen Materials einen Vergleich zwischen 1880 und jetzt und gelangt zu der Thatsache, daß inzwischen der Landwirth- chaft im Königreich Sachsen eine Betriebsfläche im Umfange von 1 6 52/3 Quadratkilometern verloren gegangen ist. Im Jahre 1880 stand der Londwirthschaft noch eine Anbaufläche von 1,015,218 Hektaren zur Verfügung, im Jahre 1895 aber betrug diese Fläche nur noch 998.652 Hektare. Die verlorene Fläche ist von der In­dustrie und von der Vergrößerung der Städte in Anspruch genommen worden.

X Es konnte nicht ausbleiben, daß in der Presse mannigfache Betrachtungen angestellt werden über die ablehnende Antwort des preußischen Handelsministers in Sachen einer Erhebung über die Lage des KteiuHauders. Von Dresden aus wird zunächst festgestellt, daß Sachsen bereit war und ist, eine solche Erhebung anzu­stellen. Es würde recht wünschenswerlh sein, daß man auch aus den anderen Bundesstaaten erführe, wie die Regierungen die Sache betrachten; ob auch sie der Ansicht sind, daß eine solche all­gemeine Erhebung nicht statlftnden könne, weil die Gewerbesteuer-Verhältnisse ver­schieden seien in den verschiedenen Bundesstaaten. Die Vermuthung liegt doch recht nahe, daß dies nur zum Vorwande genommen wurde, um die Ablehnung scheinbar zu begründen; daß aber die wahren Gründe der Ablehnung ganz andere

bischöflichen Palais aufgebahrt worden. Die Beisetzung im Dome soll Mittwoch früh statt- sinden.

* Freiburg. 25. Okt. Erzbischof Thomas hat sein Verhältniß zu den A r b e i t e r - V e r e i n e n der Erzdiözese in einer Ansprache dargelegt, mit der er in einer ihm zu Ehren vom kathol. Arbeiter- Verein in Freiburg veranstalteten Feier die Be­grüßung des Diözesan-Präsesder Arbeiter-Vereine, Dom-Kapitulars Dr. Gutmann, beantwortete. Er stelle sich ganz auf den Standpunkt der Apostel, die zuerst zu den Arbeitern gegangen seien. Die Arbeiterbevölkerung müffe dem Herzen des Bischofs am nächsten gelegen sein; sie sei auch die Klasse der Menschheit, in der die Wirksamkeit des Bi­schofs am dankbarsten ausgenommen werde und am fruchtbarsten ist. Der Arbeiter-Verein sei der richtige Boden für di- christlichen Arbeiter, um ihren Beruf mit innerer Zufriedenheit zu erfüllen und jenes Maaß von Glück zu gewinnen, das überhaupt dem Menschen erreichbar ist. Gern werde er ihr Führer sein, durch Wachsamkeit über die Vereine, durch die Liebe, die er ihnen widme, und ganz besonders dadurch, daß er keine Gelegenheit versäumen wolle, seinem Klerus an s Herz zu legen, daß er sein Hauptarbeitsfeld bet den Arbeitern suche.

* München, 25. Okt. Das Befinden des erkrankten Herrn Generalvikars Dr. Furt er hat sich verschlimmert.

buschigen Brauen hervor.

Du bist ja eine gewaltige Spürnase, Bene­dikt," sagte er. „Diese Eigenschaft hätte ich hinter Dir nicht gesucht. Die Hauptsache ist natürlich, daß Du das Maul hieltest, wozu für Dich freilich alle Ursache vorlag. Du hast dabei ohne Zweifel an ein gewisfes Bneflern gedacht, und gehandelt wie ein vernünftiger Mensch. Da­mit dürfte die Sache erledigt fern, oder nicht-

Der herausfordernde Hohn und dre rzrechhert Haubers erbitterten den Bürgermeister maßlos. L.. ™ <<•* __mnHo »Y 1ICT) 0.111

von dem Wahlvorsteher aufgefordert wird, das Wahllokal zu verlassen. Das Ausharren ist noth wendig, denn es kann vorkommen, daß zu einer engeren Wahl oder zu einer Neuwahl geschritten werden muß. Durch zu frühzeitiges Verlassen des Lokales aber würde das Stimmenver- hältniß geändert. Die Partei hat die meiste Aus­sicht auf Sieg, welche zuerst das Wahllokal betritt und zuletzt dasselbe verläßt.

Kein Arbeitgeber darf seine Arbeitnehmer be­züglich der Theilnahme an der Wahl hindern, sondern seder Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, seinen Arbeitern zum Wahltermine freizugeben.

Hand. Ich werde das Gras ein bischen wachsen lassen, aber dann stelle ich mich wieder ein. Wir wollen doch sehen, ob das stolze Ding auch jetzt noch das eigensinnige Köpflein aufsetzt! Sie wird > hübsch zahm werden und der Kerl, welcher mich auf die Seite zu schieben versuchte, mag mit seinem (Selbe wieder dahin gehen, woher er ge­kommen ist."

Er wurde durch ein Pochen an der Thüre gestört. t „„ ...

Auf seine Einladung trat der Bürgermeister Erdmann in das Zimmer.

Die katzenartige Freundlichkeit, mit welcher der Kastellan diesen empfing, stimmte nicht recht zu den stürmischen Gebühren, mit dem er sich neulich aus dessen Amtszimmer entfernt halte.

„Freut rnick," grinste er und streckte dem Besucher die Hand hin, welche Erdmann jedoch nur flüchtig berührte, „ich sah dich schon eme Weile nicht mehr. Doch Du hattest wohl viel im Amte zu thun. Die Gerichtsherrn sind ja da­gewesen und haben nach dem Brandstifter ge­sucht. Damit machten sie natürlich schlechte Ge­schäfte, nicht wahr, Benedikt? fügte er mit bos­haftem Lachen hinzu. .

Der Bürgermeister warf Hauber einen Blick zu, den dieser nicht ertrug. „Deine Vermuthung fft richtig," sagte er dann. „Auch mich fragten sie, und ich erklärte ebenfalls, daß ich keinen . Verdacht hege, obgleich mir," fuhr er mit drohen­dem Ton fort, „der ruchlofe Mensch recht gut

Zur Landtagswahl.

Wahl-Kat echismus.

Wer ist Urwähler? Urwähler ist Jeder, der das 24. Lebensjahr zurückgelegt hat, gleichviel nun, ob er Steuerzahler ist oder nicht. Zur Wahlberech­tigung ist dann noch erforderlich, daß man tm Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte ist, in der Gemeinde sechs Monate wohnt, und keine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln bezieht. I

Wann muß der Urwähler tm Wahllokal erscheinen? (Diese Frage ist von besonderer Wichtig­keit.) Punkt 11 Uhr Morgens, um welche Zett sofort mit dem Aufruf der Urwähler begonnen wird. Das pünktliche Erscheinen ist außerordent­lich wichtig, denn es kann Vorkommen, daß das neuerdings bedeutend abgekürzte Wahlgeschäft schon beendet ist, ehe der säumige Wähler erscheint. Sollte aber einer dennoch nach dem Aufruf „seines Namens eintreffen, bevor noch die Wahl geschlossen ist, so hat er sich sofort beim Wahlvorsteher zu melden. Durch pünktliches Erscheinen kann man am ehesten eine schnelle Abwickelung der Wahl er­zielen. , ...

Die Wahl dauert nicht den ganzen Tag, wie bet der Reichstagswahl und bei anderen Wahlen, sondern nur so lange, als noch Wähler der betreffenden Abtheilung im Wahllokal anwesend sind, welche ihre Stimme noch abgeben wollen. Die Wahl kann also unter Umständen schon in 10 Minuten beendet sein.

Die III. Klaffe wählt zuerst, dann folgt die IL, dann die I. Klasse. Jeder wird aufgerufen und muß die beiden Namen seiner Wahlmänner am Wahltische dem Wahlvorsteher nennen. Zur Vermeidung von Jrrthümern ist es anzurathen, die Namen der Wahlmänner von dem gedruckten Wahlzetel der Centrumspartei abzulesen.

Wie lange soll der Urwähler tm Wahl­lokale bleiben? So lange bis seine Abtheilung vollständig gewählt hat, die betreffenden Wahlmänner a(a bestimmt gewählt verkündigt sind und er

Ausland.

* »aris, 25. Okt. Heute wurde ein neues Gelbbuch veröffentlicht. Es enthält 19 Dokumente, betreffend die Vermittlung, die Frankreich zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten ausgeübt hat. Das Gelbbuch schließt mit einer Depesche Delcaffä's an die französischen Botschafter im Auslande, worin es heißt, Frankreich hoffe, das Ziel, das es sich gesetzt, erreicht zu haben, nämlich die erduldeten grausamen Leiden den Völkerschaften abzukürzen und den Friedensschluß zwischen zwei Mächten, denen Frankreich gleichmäßig Freund­schaft entgegenbringe, zu erleichtern.—Aus Anlaß der heutigen Eröffnung der Kammern sind auf dem Konkordienplatze und in der Umgebung des Palais Bourbon zahlreiche Kontingente von Schutz­leuten in Sicht. Die republikanische Garde rückt in starken Trupps zu Fuß und zu Pferde heran. Der Taileriengarten ist für das Publikum ge­sperrt; er birgt eine starke Abtheilung Kürassiere als Reserve für den etwaigen Bedarfsfall. Das Wetter ist wild und schön. Demonstranten sind bisher noch nicht sichtbar. Die Physiognomie der Straßen ist wie gewöhnlich. Nirgends sind Privat­häuser beflaggt. — Die Kammersitzung nahm einen sehr stürmischen Verlauf. Der neue Knegs- minister, General Chanoine, (anfangs von der Linken lebhaft begrüßt) erklärte: Ich wurde bet der Uebernahme des Ministeriums Gegenstand einer vielleicht unverdienten Unpopularität. Ich hatte nie etwas mit der Dreyfus-Affaire zu thun. Da ich aber hier öffentlich gereizt werde, fo er­kläre ich, daß ich einig mit meinen Kame­raden bin und daß ich auch deren An­schauung in derAfsaire Dreyfus theile. Und um darüber keinen Zweifel zu lassen, gebe ich hiermit meine Demission! (Furchtbare Aufregung herrscht im Haus, während General Chanoine unter Demonstrationen der Rechten den Saal verläßt.) Die Minister besprechen die Sage. Links entsteht wieder Zank zwischen Sozialisten und Nationalisten, die auf die Bänke springen und durch die Huissiers mühsam zurückgehalten werden. Endlich besteigt Brisson die Tribüne. Rechte und Centrum führen einen Höllenlärm auf; man ruft und singt schließlich zum Takt der Pultdeckel: Demission! Die Linke applaudirt leb­haft, bis endlich Brisson zum Wort kommt. Er I erklärt: General Chanoine hat im Ministerrath I der Entscheidung über die Revision beigewohnt, sowie allen späteren Berathungen, ohne jemals »u widersprechen. Gegenüber der unerwarteten Situation, die General Chanoine heute im Plenum der Kammer geschaffen hat, bedarf die Regierung Zeit zur Ueberlegung und bittet die Kammer um

Deutsches Deich.

Berlin, 25. Oktober.

h In den Berichten über die anarchikischen Hlmlrieve in Alexandria war bisher nichts darüber gesagt worden, wie man eigentlich zu der Entdeckung dieser Umtriebe gelangt war. Dieses Verschweigen eines wichtigen Umstandes ist mehrfach ausgenützt worden, um die ganze Sache als zweifelhaft und verdächtig hinzustellen. Jetzt wird der diplomatisch-offiziösen Wiener ,Polit. Korresp/ aus Kairo berichtet, die Ent­deckung sei dadurch erfolgt, daß man in den Kleidern eines von einem Franzosen ermordeten Italieners eine Brieftasche mit belastenden Schrift­stücken gefunden habe. Daraufhin habe bann eine Haussuchung bei dem Ermordeten statt- gefunden, und diese Haussuchung habe zur Ent­deckung geführt und gleichzeitig die Möglichkeit an die Hand gegeben, sämmtliche Theilnehmer der Verschwörung zu verhaften. — Ist der Be­acht der genannten Korrespondenz genau, dann kommt den Polizeileitern in Alexandria nur ein recht kleiner Theil des Verdienstes zu, die Aus­führung des Mordversuches verhütet zu haben. Am letzten Sonntag ist in Alexandria noch ein Mann verhastet woiden; von dem berichtet wird, daß er „ein in Spanien und Frankreich wohl 'bekannter Anarchist" sei. Der Mann kam von Italien und wollte nach Palästina weiter reifen.

* Der Kolomalrath setzte gestern Nach- miittag die Berathung des Etats für Ost- • .«frika fort und besprach namentlich die Frage der Schaffung einer Zentralbahn und die Ueber­nahme der Usambarabahn durch das Reich. Hierzu wurde ein Antrag Sachse angenommen, der die betriebsfähige Herstellung der Bahnlinie von Tanga ins Innere und deren Weiterführung, sowie auch die Erwerbung der Bahn aus Reichs­mitteln bill'gt. Ferner wurde ein Antrag des Herzog-Regenten von Mecklenburg-Schwerin an­genommen," welcher die Erwartung ausspricht, daß die Anlage von Docks bald in Angriff ge­nommen werben möge. Bei bem Etat für Kamerun hob v. Buchka hervor, daß seitens der Regierung eine größere Expedition nach dem Tschadsee geplant werde. Der Kolonialrath nahm hierzu einen Antrag des Konsuls Vohsen an, der die Hoffnung ausspricht, daß die Regierung gegenüber dem bekannt gewordenen englisch- französischen Abkommen die deutschen Interessen, zumal in Gonda und im Tschadsee-Becken, mit aller Energie vertheidigen werde. Heute findet die Weiterberalhung statt.

x Nicht 300, sondern sogar einen Kosten­aufwand von 400 Millionen Mark soll die große Kanalvorlage beanspruchen, die dem preußischen Landtage zugehen wird. Davon sollen entfallen 68 Millionen aus den Doctmund-Rhein- Kanal, 192 Millionen auf den Mittellani-Kanal, 40 Mill, auf den Großschifffahrtsweg Berlin- Stettin ufro. 50 Mill, sollen für Wasserbauten im Odergebiete gefordert werden (dabei auch Volkehrungen gegen Ueberschwemmungen).

* Der Entwurf eines Ikeischschaugcsetzes ist bekanntlich seit einiger Zeit ausgearbeitet und unterliegt augenblicklich der Berathung im Staats­ministerium. Derselbe enthält, wie zu erwarten

„Du machst wohl Spaß, guter Freund,' hielt er entgegen, „wenn Du wüßtest, wer die That beging, hättest Du doch sicher dessen Namen ge­nannt." .

„Nein, ich that es nicht," stieß der Bürger­meister hervor und seine Augen funkelten, „ich schwieg, und wenn Du mich angehört hast, wirst Du begreifen, wodurch ich zu dieser abermaligen Schlechtigkeit bestimmt worden bin. Ich machte in der Brandnacht einen Spaziergang und kehrte erst um elf Uhr etwa nach Hause zurück. Ich hörte wie der Hofhund der Schwertwirthschast laut bellte und schaute in den Garten .hinein. Da sah ich, wie ein Mensch gegen den Zaun herankroch und wie er durch eine Heckenluckc entfloh. Er eilte fast auf Greifweite an mir vorüber, gewahrte mich aber ,mcht.Um;o besser wurde er von mir erkannt. Dieser Mensch, Anton, ist der Verbrecher, der das Anwesen ,zurn Schwert niedergebrannt hat. , . _,r

Der Kastellan war wie unter einem Schlage zusammengeknickt. Er erholte sich jedoch schnell wieder und ein tückischer Blitz zuckte unter den

Der letzte Triev.

Kriminal-Roman von Max Benno.

•7 ------ (Nachdruck verboten.)

Unter den Waldheirnern herrschte begreiflicher Weise über den Brandfall eine große Aufregung, und allgemein fragte man sich, wie wohl bas Feuer entstauben fein möge. Die Vermuthung der Mehrzahl lautete bahin, daß das Oekononne- gebäude absichtlich in Brand gesteckt worben fei. Ader durch wen? Darüber wagte Niemand einen Verdacht auszusprechen, der auch wirklich unter der Bürgerschaft gegen keinen Menschen bestand.

Angesichts biefer Thatsache lag auch für die Gerichtsbeamten, welche sich zur Untersuchung in Waldheim einsanden, keinerlei Anhaltspunkt vor.

Ottilie, Salome und das Gesinde wurden vernommen, aber sie konnten nur von dem grenzen­losen Schrecken erzählen, in welchen jeder einzelne, von dem Feuer überraschte Hausbewohner versetzt worden war.

Auch der Bürgermeister Erdmann, welcher als einer der Ersten auf dem Brandplatze er­schienen, schüttelte auf die Frage, ob er keinen Verdacht hege, verneinend den Kopf. Seine Worte aber tarnen mit so eigenthümlichem Klange aus dem Munbe hervor, baß es dem Beamten auffiel. Das Mienenspiel Erbmanns wies eben­falls auf einen inneren Kampf bin. Der Beamte, dem man gesagt hatte, baß ber Bürgermeister zu -er Familie des Schwertwirlhs in sehr freund­schaftlichen Beziehungen gestanben, schrieb jeboch diese Wahrnehmungen auf Rechnung derTheilnahme und Trauer und nahm davon keine weitere Notiz.

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sind.

0 Die Leiche des verstorbenen Bischofs Dr. Köliug von Osnabrück ist Montag Abend von Venedig in Osnabrück einaetroffen und im

Er wäre wohl auf andere Gedanken gekom­men, hätte er einen Blick in das Amtszimmer des Bürgermeisters werfen können, als dieser sich allein in demselben befand.

Er preßte beide Hände auf die Brust und stöhnte, als empfinde er einen unerträglichen Schmerz. Thränen brachen aus seinen Augen hervor. , ,

„Herrgott im Himmel!" stieß er mit beben« ber Stimme hervor, auch das noch, auch das . . . ! Nun bin ich vollends ein Meineidiger, ber sich aus Furcht vor den Folgen der Wahr­heit zu einer Lüge hinreißen ließ! Aber konnte ich denn anders? Ich hätte über mich selbst, meinen Namen und über meinen Sohn das ver­nichtende Unheil gefällt! Und an all dem trägt ber entsetzliche Mensch die Schuld, der sich meinen Freund nennen läßt. Er zieht mich durch seine Ruchlosigkeit immer tiefer in den Abgrund hinein. Doch jetzt ists genug. Jetzt habe ich auch gegen ihn eine Waffe, mit welcher ich die Bosheit und Niedertracht dieses Teufels in Menschengestalt im Schach halten kann."

Ec griff nach Hut und Stock, verließ das Haus und schlug den Weg nach dem gräfliche Schlosse ein.

Der Kastellan Anton Hauber saß an einem runden Tische. Auf diesem stand eine Wein­flasche neben einem Glase, das zur Hälfte mit bem golden funkelnden Inhalt gefüllt war.

„Es macht sich, es macht sich," murmelte er mit boshaftem Grinsen, „ich wußte eS ja. Die Geschichte war zwar kein Spaß und fast hätte mich der Hund am Kragen gepackt, aber sie ge­lang, doch nun find die Trümpfe in meiner

bekannt ist." „ ,

Der Kastellan erblaßte. Er lachte abermals, ÄTÄtt? Ä M. I «=‘i* MfS“ M'«"

sür Inserate I. Parzelle» in L-lda. mit Nnterhattungs-Weikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung