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M 244.
JuLöa, Dienstag, den 25. Oktober 1898.
25. JahrgM^.
Deutsches Reich»
Berlin, 24. Oktober.
* Das Kaiserliche Saar hat am Samstag Nachmittag nach herzlicher Verabschiedung vom Sultan die Stadt Konstantinopel verlassen und an Bord der Nacht „Hohenzollern" die Weiterreise nach Palästina angetreten.
* Für ein Pfarrhaus in Jerusalem und nicht für eine neue Kirche sind die vom G u st a v - Adolf-Verein anläßlich der Palästina-Reise des Kaisers gespendeten 35,000 M. bestimmt.
* Der KokoniatralH hat heute seine Sitzungen wieder ausgenommen. In der heutigen ersten Sitzung begrüßte zunächst der Vorsitzende, Kolonialdirektor von Buchka, den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, gedachte des Hinscheidens des Fürsten Bismarck, des früheren Kolonialdirektors Kayser, des Mitgliedes des Ko- lonialrathes v. Grimm und gab sodann eine Uebersicht über die Entwickelung der einzelnen Schutzgebiete. Hierauf begann die allgemeine Debatte über den Etat für Ostafrika.
* Zur Stenerverankagnng hat der Finanz- minister unter dem 18. Oktober einen Erlaß an den Vorsitzenden der Einkommensteuer-Berufungs- -kommissionen gerichtet, den der.Staats-Anzeiger' veröffentlicht. In demselben wird vom Minister angeordnet, „daß, bevor die förmliche „Beanstandung" einer Steuererklärung oder Vermögensanzeige ausgesprochen wird, fortan in allen geeigneten Fällen zunächst der Versuch zu machen ist, die obwaltenden Bedenken durch Einvernehmen mit dem Steuerpflichtigen zu beheben. Ob ausnahmsweise dieser Versuch nicht angezeigt erscheint, kann nur nach den Umständen des Einzelfalles beurtheilt werden und muß deshalb dem pflichtmäßigen Ermessen des Vorsitzenden überlassen bleiben. Von einem solchen Verständigungsversuche wird insbesondere abzusehen sein, wenn nach dem Ergebnisse früherer Verhandlungen oder aus anderen triftigen Gründen die Erzielung eines Einverständnisses mit dem Steuerpflichtigen von vornherein nicht zu erwarten ist, oder wenn es sich um offenbare Schreibfehler oder Verstöße gegen Veranlagungsvorschriften handelt, welche durch einfache Mittheilungen berichtigt werden können. Auch kann, namentlich in größeren Veranlagungsbezirken, unter Umständen die Unterlaffung des Versuchs durch Rücksichten der Geschäftslage gerechtfertigt sein. In den geeigneten Fällen verdient regelmäßig die Anberaumung einer mündlichen Verhandlung im Sinne des § 35 Abs. 5 des Einkommensteuergesetzes den Vorzug. Indessen ist auch der Versuch einer schriftlichen Verständigung nicht ausgeschloffen, vorausgesetzt, daß die zu erörternden Punkte sich so genau und klar angeben lassen, daß sie in Form einer oder doch weniger Rückfragen vorgelegt und vom Steuerpflichtigen ohne weitläufige Auseinandersetzung beantwortet werden können. Unter dieser Vor-
Der Letzte Trieb.
Kriminal-Roman von Max Benno.
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Der Bürgermeister verließ auch seinen Platz. Der Ausdruck tiefer Besorgniß lag auf seinem Gesichte. „Hauber," murmelte er, „der Kastellan! Er war es ich täuschte mich nicht, wenn er auch sein Gesicht5zim Theile durch den aufgeschlagenen Mantelkr aßn und die tief in die Stirne hereingedrückte Pelzmütze zu verdecken gesucht hat. Düsen Menschen würde ich aus Tausenden heraus erkennen und wäre er unter einer Maske versteckt. Aber was bezweckte er mit diesem nächtlichen Schleichgange? Etwas Gutes ist es sicherlich nicht, aber was, was? Ob es nicht am Ende mit seiner Drohung, sich zu rächen, im Zusammenhang steht? Das Schlimmste darf man ihm zutrauen, darüber besteht kein Zweifel bei mir!"
Er hatte inbtffen den Marktplatz erreicht und schritt seiner Wohnung zu, die er betrat.
Schlafen legte er sich noch nicht. Er fühlte kein Bedürfniß nach Ruhe, obgleich der vergangene Tag sehr aufregend für ihn gewesen war.
Seiner Gewohnheit gemäß wandelte er in dem Raume auf und ab.
Da schrak er plötzlich zusammen. Dumpfe Glockenschläge schallten vom Thurme.
Er eilte an's Fenster und schaute in das nächtliche Dunkel hinaus. Unmittelbar vor ihm war Alles schwarz, die gegenüberliegenden Häuser aber traten, von einem grellen Feuerscheine beleuchtet, aus der Finsterniß deutlich erkennbar hervor.
aussetzung wird der schriftliche Weg vornehmlich am Platze sein, um auswärtigen Steuerpflichtigen, zumal in minder erheblichen Fällen, die Reise nach dem Amtssitz der Vorsitzenden zu ersparen."
* Die prenßifch Hessische Iinanz- und SetrieöseifenvaHn - Gemeinschaft vereinnahmte im September aus dem Personenverkehr 31,662,000 M. (4- 1,492,000 Mark gegen das Vorjahr), aus dem Güterverkehr 71,422,000 M. (+ 3,981,000 M.), aus sämmtlichen Einnahmequellen 109,390,000 M. (+ 5,572,000 M), in der Zeit vom Beginn des Betriebsjchres aus dem Personenverkehr 196,730,000 M. (-[- 10,722,000 Mark), aus dem Güterverkehr 400,275,000 M. (4~ 24,907,000 M), aus sämmtlichen Einnahmequellen 634,839,000 Mark (+ 37,826,000 M.).
* Die Berliner Fleischer-Innung hat an den Reichskanzler das Ersuchen gerichtet, sämmt- lich größere SchkachtDiehmärkte Deutschlands durch Reichs-Kommissare besuchen und beobachten zu lassen, um über den Auftrieb des Schlachtviehes, was Quantität und Qualität betrifft, sich Bericht erstatten zu lassen. Die,Deutsche Tageszeitung' meint, das sei eine Mißtrauens-Kundgebung gegen die an der Berichterstattung bethei- ligtenGroßoiehhändler-Kommissionäre rc., begrüßt aber eine derartige Umfrage mit Freuden. Die Eingabe der Innung bemerkt, in der Arbeiter- Bevölkerung sei der Genuß trockenen Brodes und trockener Kartoffel, vielleicht mit amerikanischem Speck oder Schmalz, nicht geeignet, die Zuneigung zur Reichsregierung zu fördern. Entrüstet ruft die.Deutsche Tagesztg.' aus: „Mit solchen Ueber- treibungen zu arbeiten, war bisher nicht Brauch beim ehrlichen Handwerk." Allerdings, es war nur Brauch beim Bunde der Landwirthe.
* Zu den Erhebungen über die Ikeischpreise, die der LandwirthschaftsMinister angeordnet hat, schreibt die ,Schles. Ztg.': „Es soll eine die Zeit vom 1. Januar 1896 bis jetzt umfassende Ueb erficht über die an den Hauptmarkt ort en i m K l ei n h a n d e l für ein Kilogramm Rindfleisch, Schweinefleisch und Speck im monatlichen Durchschnitt gezahlten Preise sowie über die Marktpreise für lebendes Vieh aufgestellt werden. Außerdem aber wünscht der Minister noch einige Fragen, möglichst unter ziffermäßiger Begründung, näher erörtert zu sehen. Diese Fragen beziehen sich auf etwaige Verschiebungen in der Bevölkerung und auf Schwankungen des absoluten wie des relativen Fleischbedarfs, ferner auf den Stand und die Aussichten der inländischen Viehzucht, namentlich der Schweinezucht, sowie auf Vieh-Zu- und Ausfuhr, endlich auf die Preisgestaltung auf den Viehmärkten."
* ILrestan, 24. Okt. Wie für das Bismarck-Denkmal, welches hier errichtet werden soll, „freiwillige" Beiträge gesammelt werden, geht drastisch aus den in der .Schles. Ztg.' veröffentlichten Quittungen hervor: da marschiren hintereinander und einzeln beim Namen genannt auf: 7 Feldwebel mit je 1 M., 16 Unteroffiziere und Sergeanten mit je 50 Pfg., 27 Musketiere mit je 25 Pf. Es wäre interessant, zu erfahren, wie plötzlich 27 Musketiere auf den Gedanken gekommen sind, von ihrer Löhnung je 25 Pf. in den Opferstock zu werfen! — Noch bemerkenswerther ist eine Verfügung des Bres-
„Herrgott, es brennt," keuchte der Bürgermeister und stürmte hinaus.
Er sah den Himmel mit einer weithin sich erstreckenden Röthe gefärbt, aus dem Oekonomie- gebäude des ,Schwert' aber schlugen zwischen den schwarzgrauen Rauchwolken die lohenden Flammen hervor, welche der mittlerweile stärker gewordene Wind gegen das Wohngebäude und die Brauerei trieb.
„Das.Schwert' brennt," stöhnte Erdmann und rang die Hände, „allmächtiger Gott und die Feuerwehr ist noch nicht da! Hauber!" Mit entsetzendurchzitterter Stimme stieß er diesen Namen hervor. „Ha, nun weiß ich, warum der Unhold den Garten durchschlich!"
Auf den Straßen wurde es lebendig. Von allen Seiten eilten Männer und jammernde Frauen herbei. Mit rasender Schnelligkeit griff das Feuer um sich. Der Giebel des Waschhauses hatte bereits Feuer gefangen und die Flammen verbreiteten sich über das Dach.
Der Bürgermeister eilte mit einer Anzahl von Männern nach dem Rathhause und in wenigen Minuten war die Spritze herbeigeschafft. Sie wurde von hundert Händen bedient und andere schafften Wasser herbei.
Man richtete jedoch trotz aller Anstrengung nur wenig aus, denn Diejenigen, welche mit den Rettungsarbeiten vertraut waren, fehlten; sie befanden sich noch bei dem Feste.
Von panischem Schrecken ergriffen, hatten die Bewohner des Gasthauses, nur mit dem Nötigsten bekleidet, die Flucht aus dem brennenden Hause ergriffen, während Anfangs einige beherztere Männer in die Wohnräume eindrangen und
lauer Oberlandesgerichtspräsidenten v. Kunowski, die lakonisch besagt, daß Einzahlungen für das Denkmal da und dort einzuzahlen seien. Diese Verfügung hatte zu zirkuliren vom ersten Senatspräsidenten an bis zu dem Gerichtsboten, und der Niederschlag dürfte sich in den nächsten Quittungen zeigen.
Ausland.
* Sern, 24. Okt. Bei der Eröffnung der außerordentlichen Session der Bundesversammlung sprachen die Präsidenten beider Räthe ihre Entrüstung über das Attentat Lucchenis aus. Beide Räthe erhoben sich zum Zeichen der Sympathie mit dem österreichischen Kaiserhause und Volke von den Sitzen. Voraussichtlich wird im Nationalrath der Antrag eingebracht werden, der Bundesrath solle den Niederlassungsvertrag mit Italien kündigen, damit durch einen neuen Vertrag der Schweiz das Recht eingeräumt werden könne, von den in der Schweiz sich aufhaltenden Italienern die Beibringung eines Leumundszeugnisses zu verlangen.
* Saris, 24. Okt. Morgen werden st r enge Maßregeln ergriffen werden, um den in Aussicht gestellten Kundgebungen vor dem Palais Bourbon zu begegnen. Auf öffentlichen Wegen werden keine Ansammlungen geduldet werden; jede Zusammenrottung soll sofort auseinander getrieben und Jedermann, der aufrührerische Rufe ausstößt, verhaftet werden.
* Wien, 24. Okt. Die Politische Korrespondenz berichtet in einer Zuschrift aus Kairo, die Entdeckung des gegen Kaiser Wilhelm II. von Anarchisten geplanten Attentats sei dadurch erfolgt, daß einige Tage vor der Festnehmung der Anarchisten in den Kleidern eines von einem Franzosen ermordeten Italieners ein Portefeuille mit belastenden Briefen gefunden wurde. Bei der in der Wohnung des Ermordeten vorgenommenen Haussuchung seien dann Beweise dafür gefunden, daß von den Anarchisten eine Verschwörung gegen das Leben des Kaisers eingeleitet war. Auf Grund dieser Entdeckung sei es gelungen, sämmtlicher Verschwörer habhaft zu werden.
* Madrid, 24. Okt. Die Bahnhöfe werden sorgfältig überwacht, weil die Ankunft mehrerer bekannter Anarchisten angekündigt ist. — Kriegsminister Correa hat die Absicht, seine Demission zu geben; er wird dies aber thatsächlich erst thun nach einer auf heute Vormittag anberaumten Besprechung mit Sagasta. Die Anhänger des Ministeriums hoffen, daß es Sagasta gelingen werde, die Krisis zu beseitigen.
* Konstantinopel, 24. Okt. Unter den Geschenken des Sultans an Kaiser Wilhelm befinden sich auch zwei Gemälde, welche die Schlacht bei Domokos und die Kämpfe am Meluna-Paffe darstellen, sowie verschiedene türkische Erzeugnisse. Nach dem Selamlik überreichte der Sultan dem deutschen Kaiser eine kostbare Tabatiöre mit der Inschrift in türkischen Zeichen: „Zur Erinnerung an die Truppenrevue während des zweiten Besuches Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm"; auf der anderen Seite trägt die Tabatiöre den Namenszug des Sultans. Der Kaiser und die Kaiserin
manches werthvolle Stück rettete. Bald aber wurde dieses Wagniß dem immer weiter vordringenden Feuer und dem erstickenden Rauche gegenüber zu gefährlich, und man beschränkte sich auf die Erhaltung des Brauhauses, das allein noch unverletzt war.
„Aennchen, Aennchen," tönte auf einmal der ängstliche Ruf durch die hin und herdrängende Menge. „Barmherziger Gott, Schwester, wo bist Du?"
Händeringend und in halber Verzweiflung brach Ottilie sich Bahn und suchte die Kleine, fand sie aber nicht.
Eine Frau trat auf sie zu. „Ist das Kind noch nicht da? fragte sie. Es wird ihm doch nichts passirt sein! Vor ein paar Minuten kam ich mit einem Arm voll Sachen die Treppe herunter, da rannte Anna an mir vorüber nnd rief weinend: ,Mein Vogel, mein Vogel!' Ich konnte sie nicht aufhalten, denn meine Hände waren nicht frei."
Ottilie wankte, sie brach fast zusammen. Doch mit Gewalt drängte sie die Schwächeanwandlung von sich. „Aennchen ist noch im Hause," kreischte sie mit bebender Stimme, „vielleicht schon erstickt. Sie darf nicht verbrennen, lieber gehe ich selbst in den Tod."
Einzelne Flammen schlugen bereits zu den Fenstern heraus. Das Eindringen ins Innere schien ohne höchste Lebensgefahr nicht mehr möglich zu sein. Deshalb suchten auch die Umstehenden das Mädchen von ihrem Vorhaben zurückzuhalten. Aber Ottilie riß sich los und stand im Begriff vorwärts zu stürmen, da trat ihr ein Mann in den Weg — Theodor Freihofer.
haben für die Armen und für wohlthätige Zwecke 16,000 und 40,000 Franks gespendet. Alle Blätter veröffentlichen herzliche und warme Abschiedsartikel.
Die Pest in Wien.
Die Bevölkerung der Hauptstadt Oesterreichs an der blauen Donau ist durch das schreckliche Gespenst der indischen Pest in die größte Aufregung versetzt, welche, wie sich nicht leugnen läßt, in unverantwortlich leichtfertiger Weise dortselbst eingeschleppt wurde. Allgemein fragt man sich, wie kommt diese furchtbare Krankheit nach Wien, nach dieser im Herzen des Festlandes gelegenen Stadt, die von keinem der Schiffe, welche aus dem Lande des schlimmen Pestherdes, aus Indien, kommen, berührt wird, zu einer Zeit, wo in keinem europäischen Hafen von einem Pestfalle etwas bekannt geworden ist? Das ist eine gar merkwürdige Geschichte. Es sind diesmal nicht die Krankheitsträger, welche sonst die Epidemien verbreiten, Menschen, Thiere oder Kleidungsstücke, sondern die Leute selbst, welche berufen sind, die Verschleppung zu verhüten, die Aerzte.
Die österreichische Regierung hatte vor zwei Jahren eine Expedition ausgerüstet, die den Auftrag erhielt, nach Bombay zu gehen und die dort wüthende Pest wissenschaftlich auf ihre Entstehung, Entwickelung und Bekämpfung hin zu untersuchen. Diese Expedition ist inzwischen wohlbehalten nach Wien zurückgekehrt und hat aus der indischen Pest-Stadt Bazillen - Kulturen mitgebracht, die sie zu weiteren Experimenten in der Heimath verwendete. Ist nun eine derartige Verpflanzung von gesundheitsschädlichen Stoffen, so unendlich wichtig sie für die moderne Wiffen- schaft ist, schon an und für sich gefährlich, selbst unter Anwendung der allergrößten Vorsichtsmaßregeln, so war sie für die Verhältnisse, welche im Wiener allgemeinen Krankenhause herrschen, dem Orte, wo die Bazillen - Kulturen untergebracht wurden, geradezu unverzeihlich leichtfertig.
In dem genannten Krankenhause herrschen laut der.Neuen Freien Presse' die denkbar ungünstigsten Zustände. Gerade bei derartigen Studien können den vom Wissensdrang Beseelten nicht die nöthigen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, die zu den gefährlichen Versuchen unbedingt nothwendig sind. Mit den primitivsten Anlagen müssen sie sich behelfen. Noch vor ganz kurzer Zeit waren die Thiere, an denen Versuche mit Einimpfung von Pestbacillen gemacht wurden, in einem elenden, kleinen verfallenen Stalle untergebracht, der glücklicherweise jetzt dem Erdboden gleichgemacht worden ist. Unter diesen Umständen war es gar nicht mög- lich.strengeVorsichtsmaßregelnvorzu« schreiben/ geschweige denn einzuhalten. Ganz unglaublich aber klingt, was über das Verhalten des von der Pest dahingerafften Dieners Bari sch erzählt wird, ein Verhalten, das an Fahrlässigkeit seines Gleichen sucht und durch keine noch so mangelhafte Einrichtungen entschuldigt werden kann. Barisch hatte die infizirten Thiere zu füttern und zu pflegen, er reinigte auch den Stall, und wenn ihm ein Thier entkommen wollte, so fing er es mit den Händen wieder
„Halt, Fräulein!" rief er, „das ist keine Arbeit für Sie. Ich will die Rettung Ihrer Schwester versuchen und hoffe, daß sie mit Gottes Hilfe gelingt. Bescheid weiß ich ja."
Er eilte fort, gefolgt von einem Gemurmel der Angst und des Schreckens der Menge, die für den kühnen Mann das eigene Verderben voraussah.
Auch Freihofer erkannte die furchtbare Gefahr. Das Dach war völlig durchgebrannt und auch das oberste Stockwerk. Von dem glimmenden Balkenwerke fielen Feuerfunken auf ihn herab. Der ungeheure Qualm erstickte ihn fast.
Gleichwohl drang er, die Hand auf den Mund drückend, aufwärts.
Er sah die Thüre des ihm bekannten Zimmers vor sich. Neben derselben lag bewußtlos das Kind, dessen eine Hand noch den Tragring des Vogelkäfigs umschloß.
Rasch hob er die Ohnmächtige auf und stürmte mit der sür ihn nicht schweren Last oie Treppe hinab und ins Freie, wo ihn die in athemloser Spannung harrende Menge mit Jubelrufen empfing.
Er hörte sie nicht mehr und ebenso wenig die innigen Dankesworte Ottiliens, welche vor der Schwester niedergekniet war.
Auch Freihofer hatte das Bewußtsein verloren und lag regungslos neben dem geretteten Kinde.
Der anwesende Arzt waltete seines Amtes und nach kurz-r Zeit kamen sowohl Anna, als auch Theodor wieder zu sich.
Fast im gleichen Augenblicke brach das Dach des Wirtschaftsgebäudes zusammen, und der