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färben (Silber auf Grün) rahmt das Ganze ein. Fünf Pergamentblätter mit 9 bemalten und be­schriebenen Seiten bilden die gesammte Adresse. Das Titelblatt mit der zu widmenden Inschrift umrahmt eine farbenprächtige Bordüre aus dem bekannten Evangelienbuche unserer Landesbibliothek und ziert ein fast die ganze Seite ausfüllendes Initial (G) aus derselben Zeit. Es stellt eine würdige Einleitung des ganzen Werkes dar. Heber die vier folgenden Seiten erstreckt sich die von Herrn Referendar Dr. Dietrich versüßte poetische Widmung. Das große Initial W (des Wortes Widmung) stammt aus dem 13. Jahr­hundert; er setzt sich aus drei wunderbar ver- schlungenenbuntenDrachenzusammen Entsprechend dem Inhalte des Gedichtes, das die fesselnde, lebendige Unterrichts weise des Herrn Geheimrathes insbesondere in der alten klassischen Literatur schil­dert, sind dann die Akropolis und das Forum Romanum nebst Kapitol nach den bekannten Re­konstruktionen von Prof. Thiersch und Prof. Gnauth, an den Seiten darüber in griechischen Verzierungen die altüberlieferten Büsten von Homer, Sophokles und Plato einerseits, Cicero, Horatius und Tacitus andererseits in Sepia-Ton mit klassi­scher Einfachheit dargestellt. Die Vignette Hrabanus Maurus mit der Umschrift Sanctus Hrabanu, Maurus Germaniae Praeceptor in mittelalterlicher Umrahmung leitet, sinnreich an den Gründer der Fuldaer Gelehrten-Schule erinnernd, zu den beiden nächsten Seiten über. Diese nebst der letzten Seite enthalten den von Herrn Amtsrichter Dr. Schultheis-Amöneburg verfaßten Text der eigentlichen Adresse und sind an den äußeren Rändern mit den beiden bekannten Minne­sänger-Bordüren im Sängersaale der Wartburg und zu Anfang des Textes mit zwei großen Ini­tialen geschmückt. Die herrlich zarte und farben­reiche Malerei, auf dem schönen Pergamente einem Gemälde auf Elfenbein ähnelnd, machen diese Leiden Blätter zu den schönsten und reichsten des ganzen Albums. Da sich nach dem Wunsche der dankbaren Schüler die Adresse als ein prächtiger Zimmerschmuck in dem Heim ihres verehrten Direktors präsentiren soll, wurde nach besonderer Zeichnung eine im griechischen Stil gehaltene, mit einem Akroterion gekrönte und in blauem Plüsch und Seidenfranzen drapirte geschmackvolle Staffelei an­gefertigt. Wie wir vernehmen, soll die Adresse in den nächsten Tagen in der A. Maier'scheu Buchhandlung auf kurze Zeit, und zwar so 'ausgestellt werden, daß nach und nach die einzelnen Blätter des Albums aufgeschlagen werden. Es war uns ein Bedürfniß, durch eine ausführ­liche Beschreibung des schönenWerkes unsereLeser zeitig auf dasselbe aufmerksam zu machen.

O Herrn Progymnasialdirektor Dr. Kaul Aramm zu Saarlouis (geb. Fuldaer) wurde von Sr. Majestät dem Könige der Rothe Adler- Orden IV. Klasse Allerhöchst verliehen.

2 Die kandwirtHschafttiche Winlerschuke zu Fulda wird, wie schon mitgetheilt, am 9. November, Vormittags 10 Uhr eröffnet. Hoffent­lich wird dieselbe auch in diesem Winter gut be­sucht. Es ist hocherfreulich, daß die Landwirthe in den Kreisen Fulda, Hünfeld und Gersfeld die Wichtigkeit der Fachbildung für ihre Söhne immer mehr erkennen und die Gelegenheit, die­selben etwas Tüchtiges lernen zu lassen, immer eifriger benutzen. Für die Lehrer ist das eine große Genugthuung und zugleich eine neue An­regung auf der betretenen Bahn fortzufahren und ihr Bestes zu thun. Anmeldungen sind unter Beifügung des Schulzeugnisses und eines Führuugs- attestes vom Bürgermeisteramt an Herrn Direktor Schoppmann in Fulda zu richten. Das Schulgeld beträgt 18 Mark. Die Gesammtkosten für das ganze Winterhalbjahr betragen ungefähr 120 Mark. Unterstützungsgelder werden auch dieses Jahr gewährt wie z. B. im Jahre 1897 un 7 Schüler je 20 Mark aus der Gräflich Bose'schen Stiftung für Schüler aus der ehe­maligen kurhessischen Provinz Fulda. Eltern erhalten auf Wunsch den Jahresbericht der

Verschulden kam, noch keine Sünde, erst, wenn ur freundlich ausgenommen und gepflegt wird, entweiht er das Heiligthum des Herzens.

„Ja, ohne unser Verschulden, wer kann das sagen!" klagte Lilian.

„Sei's mit, sei's ohne Verschulden, Deine Reue hat den Flecken ausgetilgt; ohne Gewissensskrupel magst Du dem Zuge Deines Herzens folgen."

„Mein Herz zieht mich nicht mehr nach jener Richtung hin. Mein Mütterchen müßte mir ja zürnen; sie war nie dafür, sondern stets der Meinung, daß ich unverheirathet bleiben und die Schuld, welche sie sich aufgeladen, nicht einer zu­künftigen Generation vererben soll."

„Mein Kind, die Seligen im Himmel denken anders, wie sie als Menschen auf Erden gedacht haben," versetzte er mit mildem Lächeln.

„Ja," sagte sie mit begeistertem Augenauf­schlag, „aber das denken Sie gewiß, was ich jetzt denke, daß alle Lust der Welt nicht zu ver­gleichen ist mit der Wonne, die Gott denen be­reitet hat, die ihn lieben. Lassen Sie mich das Ziel nicht aus dem Auge verlieren, mein Vater; es war von jeher der Ruhepunkt meiner Seele, schicken Sie mich nichts in die Welt, wo man lacht und sich freut, sie könnte mich wiederum untreu machen. Rein, lassen Sie mich dorthin gehen, wo der arme Mensch weint und in Schmerzen sich windet; dort ist meine Heimäth, dort werde ich immer an die schöne Himmelsheimath denken."

Stille war's im Walde, kein Vogel regte sich, nur die langen grauen Bärte bewegten sich leise.

„Ego te absolvo,“ tönte feierlich die Stimme des greisen Priesters und dann legte er wiederum segnend seine schmale Rechte auf den Scheitel der

Winterschule zur weiteren Aufklärung von Herrn Direktor Schoppmann zugesandt.

* Um dem Reisenden die Itegukiruvg der Wärme i« den Wage« der v-Züge inner­halb gewisser Grenzen selbst zu ermöglichen, ist eine Verbesserung der Heizungsvorrichtungen in den Personenwagen der O-Züge auf den preußi­schen Staatsbahnen in der Weise angeordnet worden, daß ohne Aenderung der vorhandenen Einrichtung für Niederdruckheizung in jedem vom Seitengang abgeschlossenen Abtheil ein kleiner Heizkörper an­gebracht wird, der unmittelbar an die Hauptdampf­leitung angeschlossen und zur Abstellung durch Reisende eingerichtet wird.

* Wie die Briefe, so sind auch die an Sol­daten bis zum Feldwebel aufwärts gerichteten Postkarte« portofrei, was vielfach nicht be­kannt zu fein scheint, da sie sehr häufig frankirt werden. Die Postkarten müssen, ebenso wie die Briefe, den Vermerk „Soldatenbrief, eigene An­gelegenheit des Empfängers" tragen. Briefe an Soldaten kosten bekanntlich erst dann Porto, wenn sie über 60 Gramm schwer sind. Die Portovergünstigung tritt nicht ein im Orts-und Landbestellbezirk des Aufgabeortes und für Ein­jährig-Freiwillige.

* Hohe Anforderungen an den Ge­sund h e i t s z u st a n d der Bewerber um Anstellung im Sost- ««d GekegrapHendievst stellt jetzt das Reichs-Postamt, das darüber sehr strenge neue Bestimmungen getroffen hat. Dieselben weisen die Ober-Postdirektionen an, insbesondere dahin zu wirken, daß bei der ärztlichen Unter­suchung der Bewerber die Beschaffenheit der Athmungsorgane — der Lungen und des Halses — so zuverlässig wie möglich ermittelt werde. Um festzustellen, ob die Möglichkeit einer erheblichen Belastung des Bewerbers mit der Schwindsucht oder einer Ansteckung durch Familienangehörige rc., die an dieser Krankheit gelitten haben oder noch leiden, vorliegt, sind von den Postanstalten in jedem Falle Ermittelungen vorzunehmen. Nach Umständen haben die Ober-Postdirektionen eine nochmalige ärztliche Untersuchung des Bewerbers anzuordnen und den Arzt, soweit erforderlich, von dem Ergebniß der Ermittelungen oder den sonstigen Bedenken in Kenntniß zu setzen. Bewerber, deren Athmungswerkzeuge nicht völlig gesund befunden werden, sind von der Annahme auszuschließen. Im übrigen ist es Sache des mit der Prüfung der Brauchbarkeit beauftragten Beamten, auf Grund des ärztlichen Zeugnisses und nach dem Augenschein zu beurteilen, ob der Bewerber für den Postd'enst körperlich geeignet ist. In zweifel­haften Fällen ist die Ober-Postdirektion verpflichtet, den bi reit» anderweit untersuchten Gesundheits­zustand des Bewerbers, wenn Gelegenheit dazu vorhanden ist, durch einen Post-Vertrauensarzt feststellen zu lassen.

Aus dem Nachdargediet.

* Aersfekd, 17. Okt. Heute begann hier das Lullus fest. Das Lullusfeuer wurde Mit­tags 12 Uhr in der üblichen Weise angezündet, was von zahlreichen „Bruder Lolls-Rufen" be­gleitet wurde. Am Mittwoch wird der Lullus- markt abgehalten.

* Iriedkos, 17. Okt. In unserem Dorfe herrscht seit einigen Tagen der Typhus. Bis jetzt sind 6 Erkrankungsfälle vorgekommen.

* Steina« (Kr. Schlüchtern), 17. Okt. Herr Landesgeologe Dr. Schröder hat unter den in der sogen. Teufelskaute gefundenen Knochen Gebisse von acht Wölfen konstatirt. Ferner ver- muthet der Gelehrte unter dem Schutt noch größere Mengen diluvialer Thierreste. Im nächsten Früh­jahre soll zur besseren Auffindung derselben ein wagrechter Stollen nach der Höhle geschlagen werden.

§ Somvar«, 17. Okt. Die hiesige Lehrerin­stelle, die durch die Versetzung der seitherigen Inhaberin nach Ulmback erledigt war, wurde Jungfrau, die vor ihm kniete, und sprach: „Sei gesegnet, meine Tochter; ziehe hin in Frieden, Du hast den besten Theil erwählt, der von Dir nicht wird genommen werden."

So ward denn Lilian Holder barmherzige Schwester; sie ward die eifrigste und geduldigste Pflegerin der Kranken, und je mehr ihr aufge­bürdet wurde, desto mehr fühlte sie sich in ihrem Element. Sie, die bei Freude und heilerer Lebenslust sich nie zu Hause gesunden hätte, sie ward der Sonnenschein der Verlassenen und Elenden, und etwas von der heiligen Hoffnung und dem süßen Frieden, die in ihr wohnten, ging fast immer auf die ihrer Pflege Anvertrauten über.

Auf Paul Holding blieb der im Oetzthal ver­lebte Sommertraum von nachhaltiger Einwirkung; er beeinflußte seine Lebensrichtung und auch die spätere Wahl seiner Gattin. Durch den Kurator von Ochsengarten erfuhr er von Lilians Ent­schluß, und sie, die alle Erdengüter von sich wies und jeden Lebensgenuß verschmähte, war in seinen Augen eine Heilige. Daß sie vielleicht dennoch nicht zu ihm und in seine Kreise gepaßt hätte, war ihm schon manchmal in den Sinn gekom­men. Es war eben nur ein Sommertraum gewesen.

Für Fräulein Stella indeß war jener Auf­enthalt in Oetz mehr als ein Sommertraum; die ewig heitere Operettensängerin war die Ge­mahlin des reichen Ulanenlieutenants Ludomir geworden. Heber Langeweile brauchte der Herr Gemahl nicht zu klagen; sein Haus war stets voll Gäste und es ging allzeit ungezwungen und lustig zu, so lustig, daß er nach einigen Jahren von feiner Schwärmerei fürs Theater gründlich geheilt war.

der Schulamts-Kandidatin Frl. Vonderau aus Fulda übertragen.

* Ira«kf«r1 a. W., 17. Okt. Nachdem die hiesige Strafkammer eine ganze Reihe Buch- und Papierhändler wegen Verbreitung „unsitt­licher Postkarten" verurtheilt hat, verlangt die Polizei, daß auf allen Ansichtspostkarten Drucker und Verleger angegeben werden. Mehrere Händler riefen gegen diese Forderung richterliche Entscheidung an und das hiesige Schöffengericht verurtheilte jeden der Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe. Auf Ansichtskarten jeder Art müffen also Drucker und Verleger ange­geben fein.

* Aastek, 17. Okt. Kommenden Mittwoch und Donnerstag, den 19. und 20. Oktober, jedesmal von 9 Uhr Vormittags ab, werden auf dem Forst bei Kassel 180 ausgemusterte Dienst- pserde verkauft werden.

* Kschwege, 17. Okt. Gestern ist hier Herr Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Heinemann im Alter von 65 Jahren an einem Herzleiden gestorben.

* Marvvrg, 17. Okt. Heute Mittag ist hier die Genehmigung eingetroffen zum Bau einer Eisenbahn von Marburg durch den Ebs- dorfer Grund nach Londorf.

* Mainz, 18. Okt. Ein frecher Schwindel wurde hier ausgeführt. In ein Teppichgeschäft kam am Samstag ein elegant gekleideter Mann und wünschte eine Auswahl werthvoller Teppiche, die man in die Wohnung eines Pfarrers bringen möge. Als der Hausbmsche die Teppiche in die Wohnung des Pfarrers tragen wollte, begegnete ihm der Fremde und bat ihn, der Teppiche zu einem andern Pfarrer zu tragen. Die Hausbursche that dies. In dem Geschäfte schöpfte man, als der Hausknecht die Sache erzählte, Verdacht. Als man nach den Teppichen fragen ließ, erfuhr man mit Schrecken, daß ein elegant gekleideter Herr dieselben schon abgeholt hatte mit dem Be­merken, dieselben seien irrthümlich abgegeben worden. Der Schaden soll über 800 M. betragen.

* Mrau«schweig, 17. Okt. In dem Kessel­hause des städtischen Gaswerkes erfolgte am Samstag Abend eine Gasexplosion, bei der drei Personen verschüttet und die Nach­barhäuser stark beschädigt wurden.

Vermischtes.

* Mannheim, 17. Okt. Für einen thö richt en Streich muß der Kaufmann Gustav Nutzinger aus Heidelberg schwer büßen. Als im April d I. fern für die Zeit vom 7. April 1897 bis incl. 6. April 1898 aus­gestelltes Kilometerheft abgelaufen war, hatte er noch ca. 80 Kilometer unbenutzt. Er änderte die Daten 7 bezw. 6 April in 17. und 16. April um und fuhr das Heft noch bis auf 986 Kilometer ab. Bei der Rückgabe des Heftes, die vorgeschrieben ist, wenn auf den Rabatt von 1 Mark Anspruch erhoben wird, wurde die Fälschung entdeckt. Wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde, durch welche der Eisenbahnfiskus um einen Betrag von 2 Mk. 50 Pfg. geprellt wurde, erhielt der bisher unbescholtene junge Mann heute vor dem Schwur­gericht fünf Monate Gefängniß.

* Aurgthan«, 17. Okt. Einen feit en en Tod starb vor einigen Tagen der 6ljährige Schuhmacher Scharrer von hier; derselbe war in letzter Zeit zwar etwas unwohl, arbeitete aber und verrichtete immer fein Geschäft. Nun begab er sich am Tage vor seinem Tode in eine hiesige Wirthschaft und als er ging, verab­schiedete er sich auf immer, indem er sagte, daß er das letzte Mal da sei, da er morgen — sterben werde. Am folgenden Morgen stand er wieder auf, zog seine Kleider an und bat seine Hausfrau, sie wolle ihm einige Personen holen lassen, denn er hätte vor seinem Tode noch einige Angelegenheiten zu regeln. Die Frau erfüllte ihm diese Bitte, worauf die gewünschten Leute erschienen. Als er bann, wo man immer noch nicht glaubte, daß die Sache so einst fei, feine Sachen geordnet hatte, bestieg er ganz allein fein Bett, wo er denn auch innerhalb weniger Minuten ruhig und sanft verschied, wie er vorher gesagt hatte.

* Dortmund, 17. Okt. In eine üble Lage ist unsere Stadt gerathen. Sie hat für 3'^Millionen ein Elektrizitätswerk errichtet, ohne sich vorher mit der Aktiengesellschaft für Gasbeleuchtung aus- einanderzusetzen, die ein Privilegium bis zum Jahr 1907 besitzt. Zwischen Stadt und Gasgesellschaft ist es zu einem Prozeß gekommen, der in zweiter Instanz zu Ungunsten der Stadt entschieden ist. Die Stadt darf keine Elektrizität für Beleuchtungszwecke abgeben, ja, sie hat nicht einmal das Recht, ihre eigenen Räume elektrisch zu beleuchten. Gegen das Erkenntniß ist Re­vision eingelegt, im Februar kommt die Sache vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. Inzwischen klagte die Gesellschaft auf Erlaß einer Verfügung, die es der Stadt unmöalich mache, jetzt noch weiter elektrisches Lichl nbzumben. Das hiesige Landgericht hat den An­trag abgelehnt, da eine Verdunkelung der Angelegenheit zwecks späterer Regelung der Entschädigungsfrage nicht zu erwarten fei. Heute hat das Oberlandesgericht Hamm aber gegenteilig entschieden, die Stadt darf keine Elektrizität für Lichtzwecke abgeben bei 1000 Mk. Strafe für den einzelnen Fall.

* Budapest. 17. Okt. Am Samstag wurde die hiesige Polizei von der Troppauer Polizei davon ver­ständigt, daß dort ein Individuum Namens Manquette verhaftet worden sei, bei dem man 28 gefälschte englische Pfundnoten gefunden habe und das ein postlagerndes Telegramm nach Pest abgesandt habe. Als sich nun auf dem hiesigen Postamte ein Mann nach dem Telegramm erkundigte, wurde derselbe verhaftet. Nach längerem Leugnen gab er an, er heiße Leopold Schwalbe und wohne in der Andrassy- straße. In seiner Wohnung fand die Polizei eine junge elegante Dame,welche sich ge borne Gräfin Westerfield, verehelichte Joking, nannte und in der Nähe Oxfords ein Majorat zu besitzen behauptete. Bei der alsbald vor­genommenen Durchsuchung des Hauses wurden 200 Pfd. Sterling in falschen Noten, mehrere unvollendete Falsi­fikate, Platten und Werkzeuge vorgesimden. Die Polizei stellte ferner fest, daß Manquette Schwalbe und dessen Geliebte, Frau Joking, in welcher die aus Poellau ge­bürtige unverehelichte Josefine Yobsch ermittelt wurde, in einem Hause in der Dembinskyaasfe eine vollkommen eingerichtete Notenfabrik hatten. Bei Schwalbe wurde ein geladener Revolver, beider Yobsch ein scharfgeschliffener Dolch vorgefunden. Beide Personen sagten aus, daß sie längere Zeit in London, Berlin und München gelebt hätten. Unter den bei Schwalbe beschlagnahmten Schrift­stücken wurden mehrere Artikel gefunden, in denen bet Anarchismus verherrlicht wird.

(♦) Kleine Machrichten. Paderborn. Bis zum Schluffe des Jahres 1897 hat der Bonifatiusverein zur Errichtung bezw. zur Erhaltung früher errichteter Kirchen und Schulen die Gesammtsumme von 23053662.93 Mark ausgegeben. — München. Für die bayerischen Jäger-Bataillone ist nun die versuchsweise Ein­führung des Schneeschuhlaufens in Aussicht ge­nommen. Jedes Bataillon erhält zunächst zwölf Schnee­schuhe norwegischer Konstruktion, mit deren Beschaffung das Bekleidungsamt des J. Armeekorps betraut ist. — Straßburg. Der neunzehnjährige Bauernbursche A.Heine'svon Kötzingen rief, als er betrunfen war, auf der Dorfstraße: „Vive la France!“ Et erhielt wegen Ausstoßens aufrührerischer Rufe zwei Monate Ge­fängniß. — Biersen. Die in dem Fabrikgeschäfte der Firma Diergardt als Lageristin beschäftigte Gertr. Nehlen feierte ihr 50jähriges Arbeitsjubiläum welches eine ihrer noch tätigen Mitarbeiterinnen bereits früher feiern konnte. Auch haben verschiedene Handweber derFirmaihr goldenes Arbeitsjubiläum gefeiert. — Essen. Ein gräßliches Unglück ereignete sich in der Krupp'schen Fabrik. Ein zwanzigjähriger Arbeiter wurde dort total zermalmt. — Budapest. In der Ungarer Kaserne erschoß aus Unvorsichtigkeit ein diensttuender Korporal den Lieutenant Julius Bacskay. — London. Die große Druckerei und Verlags- Handlung von Sealy Bryers und Walker in Dublin ist, durch Feuer zerstört worden. Der Schaden beträgt über300000 Mk. — Kaiserslautern. Die Giebel­wand eines Neubaues Ecke Moltke-und Königsstraße stürzte ein. Die herabfallenden Trümmer erschlugen den Maurerlehiling Forsch und verletzten einen Arbeiter. — Merzig. Der Mühlenbesitzer Basenach wurde durch einen unglücklichen Schuß von seinem Freunde auf der Jagd erschossen. Da die Schrotladung dem Ge­troffenen in die Herzgegend gegangen war, trat der Tod nach wenigen Minuten ein. — Mülheim a. Rh. Ein Riesenkabel von 120000 w Länge wird im hiesigen Hafen in ein Schiff verladen. Zur Beförderung dieses Kabels von der Fabrik bis zum Rheinufer waren zwei Eisenbahnzüge, jeder aus 14 Doppelwaggons bestehend, nötig. Das Kabel geht über Holland nach der Nordsee.— Emmerich. Der Polizei gelang es, auf dem Perron der Eisenbahnstation im letzten Augenblick vor Abgang eines Zuges nach Holland einen Mädchenhändler abjufaffen, welcher im Begriffe stand, ein von ihm über­redetes Mädchen nach dort zu entführen. Der Mensch tritt äußerst nobel auf, ist Israelit und nennt sich Levy. Seinem gegenwärtigen Opfer hatte er vorgespiegelt, es würde durch seine Vermittelung in Holland eine Stelle als Plätterin gegen 900 Mark Lohn erhalten. — Ufingen. Eine sonderbare Kapitalanlage machte ein älterer Junggeselle aus Eschbach. Derselbe vergrub seine Er­sparnisse im Betrage von ca, 16Q Mark unter einen Bqym im Walde. Da er indessen öfter hinging, um sich an dem Anblick seines Schatzes zu erfreuen und wahr­scheinlich dabei beobachtet wurde, so mußte er eines Tages die betrübende Erfahrung macken, daß es nicht gut sei, die Schätze der Ecke anmverlrauen, denn sein Depositum war von unbefugter Hand erhoben worden. — Solingen. Der 15jährige Sohn einer hiesigen Familie hatte seineHühneraugen so tief beschnit­ten, daß die Zehen bluteten. Nach einiger Zeit schwoll zunächst der Fuß, dann das ganze Bein an. Der hinzu- gerufene Arzt konstatirte Blutvergiftung, vermochte aber nicht mehr zu helfen, da dieselbe bereits zu weit um sich gegriffen hatte. Der junge Mensch starb unter gräßlichen Schmerzen. —Leipzig. Vor geladenem Publikum wurde int Buchhändlerhause die vom Centtalverein für das gesammte Buchgewerbe veranstaltete Bismarck-Aus­stellung eröffnet. Sieumf aßt die gesammte Bismarck­literatur, soweit sie noch im Buchhandel vorhanden ist, und die Sammlung von Bildnissen des Fürsten Bismarck aus den Jahren 1834 bis 1891. Die Ausstellung besteht aus 354 Werken und 263 Bildnissen. — Berlin. Der ehemalige Oberfaktor der Reichsdruckerei, Grünenthal, der sich bekanntlich wegen seiner Verbrechen demnächst vor dem Schwurgericht verantworten sollte, stürzte sich freiwillig vom Treppenhaus des Untersuchungs­gefängnisses in die Tiefe und war sofort tobt.

* Aever das jetzt so oft genannte Iafchoda bringt der ,Globus' einige interessante Angaben: Am linken Ufer des Weißen Nils unter 10 Grab nörbl. Br. in einer sumpfigen Gegend gelegen, gelangte es unter egyptischer Verwaltung zu Bedeutung, bis die Mahdisten hier ihre Herrschaft ausbreiteten. Früher befand sich an dieser Stelle die Residenz der Schilluk-Neger. Diese führte, weil sie sich lang an den Ufern des Nils hinzog, bei den durchreisenden Nubiern den Namen „Denab", d. h. Schweif. Im Jahre 1867 wurde Faschoda die südlichste Grenzfeste der Egypter und Gouvernementsstadt mit dem Sitze eines Obermudirs, in welcher griechische Händler sich niederließen und den vorgeschobenen Posten europäischer Gesittung vertraten, sei es auch nur, baß einige Flaschen Bier, einige Kleider und etwas Seise sich in ihren Läden befanden. Bon größerer Bedeutung war damals der schwunghaft betriebene Sklavenhandel. Dazu war Faschoda egyptische Verbrecher-Station, namentlich wurden die politisch unbequemen Untertanen hierher geschickt, um sie in dem Fieberklima binnen wenigen Monaten dem sichern Tode zu überantworten. Auch die Stelle eines Gouverneurs galt einer Strafe gleich, und als Dr. Wilhelm Junker 1876 durchreiste, war der dortige Mudir Kurdi ein „rechter Lump", der in Ketten dahin gekommen und nach der Ermordung seines Vorgängers zu seiner Würde erhoben wurde. Seiner Sünden, Unten schleife, Gewaltthätigkeiten sollte es über Legionen geben. Faschoda besaß ein Kastell, in welchem sich das Regie­rungs-Gebäude, der Divan, die Amtswohnung des Mudir, Kasernen und dasHospital befanden, alles innerhalb der Umfassungsmauer nahe am Nil. Abseits von der egypti- schen Station liegt das sehr bevölkerte Dorf der Schilluk- Neger. Im Jahre 1883 wurde die egyptische Garnison von Faschoda zurückgezogen und der Ort feinem Schick- fale überlassen. Die Mahdisten rückten als siegende Macht ein und traten von hier aus ihre Märsche gegen Süden an, wo auch Emin Pascha, von Egypten aufgegeben, sich selbst überlassen war. Zur Aequatorial-Provinz des letzteren hat aber Faschoda nicht gehört.

* Ein Oeldampfer, nämlich ein Dampfer mit flüssiger Feuerung hat seine Probefahrten, bei welchen er eine Geschwindigkeit von 201/2 Meilen erreichte, bestanden und wird nach der ,Köln. Volksztg/ dem­nächst nach Ostasien abgehen. Es ist dies der auf der Werft von Armstrong, Withworth u. Co. für Rechnung einer Londoner Firma gebaute Dampfer „Haliotis", welcher 248 Fuß lang, 40 Fuß breit und 18 Fuß tief ist und zwei Compound-Maschinen nebst Kesseln für Oelfeuerung besitzt. Den Feuerungen wird das Oel aus den völlig öldichten Bunker-Räumen, welche in­dessen auch Kohlen aufnehmen können, durch Duplex- Pumpen zugeführt, deren Thätigkeit dem jeweiligen Bedarfe leicht angepaßt werden kann. Ter Voriheil, welcher in dem Wegfällen des Herbeischleppens der ungeheuren Mengen Kohlen für die Heizung der Dampfkessel liegt, ist unschwer zu erkennen. Es ist das erste Mal, daß ein Dampfer mit flüssiger Feuerung eine so weite Reise wie die nach Ostasten unternimmt.

' Mmlchrieven. A.: „Dem Ueberzieher ist ja voll Schmutz." — B.: „Er ist mir gestern Abend, als ich vom Wirthshaus heimging, in den Straßengraben gefallen." — 21.: „Warum hast Du chn denn nicht besser gehalten— B.: „Weil ich ihn an hatte."

* Auch eine Ausrede. „Marie, auf dem Clavier liegt der Staub von mindestens sechs Wochen! — Aber, gnädige Frau, bas ist boch die Schuck meiner Vor­gängerin ! Jch> bin ja erst seit drei Wochen hier!"