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M 237.

JuLöa, Montag, den 17. Oktober 1898.

25. Jahrgang.

rX Das Protektorat Frankreichs im Orient.

Die Frage von der Schutzherrschaft, dem Protektorate Frankreichs über alle Katholiken, also auch über die deutschen Katholiken im Orient will noch immer nicht zur Ruhe kommen, obwohl bei uns in Deutschland die Anschauungen darüber von Anfang an sehr klar waren und im allgemeinen auch wenig von einander ab wichen. Daß solche Leute, die nun einmal ohne dm Lärm der Kulturpauke nicht leben können, die Gelegenheit wiederum benützen würden zu Schmähungen und Verleumdungen des hl. Vaters und des Vatikans, war voraus­zusehen, war fast selbstverständlich. Aber das ist man nachgerade so gewohnt, daß kaum noch jemand darauf achtet, der diefer Sorte Leute selbst nicht angehört; und sehr zahlreich ist diese letztere ja zum Glück nicht mehr — womit freilich nicht gesagt sein soll, daß Kulturkampf-Gelüste nicht auch noch anderwärts schlummern und bei jeder neuen Gelegenheit hervorbrechen könnten.

Hier in diesem Falle handelt es sich darum nicht, sondern mehr um eine Frage des Völker­rechtes, die zum Theil in kirchliches Ge­biet hinüber greift. Das französische Pro­tektorat über die Katholiken im Orient stammt aus alter Zeit, aus einer Zeit, in der Frankreich etwas ganz Anderes war als heute. In sehr unzweideutiger Weise sprach dies in diesen Tagen ein italienisches Blatt aus, indem es aus­führte: das Protektorat habe Berechtigung gehabt, als noch christliche Könige in Frankreich herrschten; aber jetzt sei der Anspruch der Fran­zosen, allein die Schutzherrschast über die Katho­liken im Orient ausüben zu wollen, unerklärlich und nicht zu rechtfertigen. Und in demselben Sinne führt die englische Presse aus, daß es etwas Selbstverständliches sei, wenn ein souveräner Staat seine eigenen Katholiken im Orient schützen will. „Dieses Recht" - sagt die Londoner ,Times' — „kann unmöglich be­stritten werden, und Frankreich hat keine Be- fugniß, dem deutschen Konsul in einer syrischen Stadt zu verbieten, daß er seinen Einfluß zu Gunsten eines deutschen katholischen Missionars ausübt."

Deutschland selbst hat thatsächlich in neuerer Zeit seine Schutzpflichten auch immer erfüllt. „Wir deutsche Katholiken — so schreibt das Or­gan des deutschen katholischen Palästina-Vereins „Das heilige Land" — speziell der Verein vom heiligen Lande, haben bisher von der deutschen Reichsregierung eine wohlwollende und thatkrästige Unterstützung unserer Bestrebungen im heiligen Lande erfahren, namentlich in dem diplomatifchen Verkehr mit der ottomanischen Regierung. Dafür sind und bleiben wir dankbar. So lange wir von der deutschen Reichsregierung diese thatsäch- liche Unterstützung unserer katholischen Interessen im heiligen Lande erhalten, bedürfen wir des französischen Schutzes nicht." Und einem allge­meinen Gefühle gibt mit richtigen Worten das­selbe Blatt Ausdruck, indem es hinzufügt: „Das französische Protektorat ist vom hl. Vater nicht im entferntesten als eine Förderung des fran­zösischen Chauvinismus, ja nicht einmal als eine

In den Sergen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

29 ------ (Nachdruck verboten.)

So gab denn Lilian dem Weberannele die beiden Briefe zur Besorgung mit, und dies eilte so schnell nur die kleinen Füßchen es tragen konnte, damit thalabwärts nach Oetz ins Widum, wo sie der Mutter des Pfarrers die beiden Schreiben übergab mit dem Bemerken, eines sei für sie und eins für die Post.

Die ehrwürdige Matrone hatte einen Gast bei sich, den Herr Kurator von Ochsengarten.

Da nun die ein wenig an Zerstreutheit und Gedächtnißschwäche leidende alte Dame ihre Brille verlegt hatte und nirgends entdecken konnte, bat sie den ihr gegenüber sitzenden hochwürdigen Herrn, ihr das Schreiben vorzulesen und schickte das Weberannele derweilen in die Küche, wo ihr die Köchin ein Töpfchen Milch verabreichen sollte.

Der Herr Kurator von Ochsengarten nahm die beiden Briefe z ir Hand. „An Frau Elisa von Breunmg geborene von Ellerfort in Briren" las er zuerst.

„Das ist wohl für die Post bestimmt," sprach er mit milden Lächeln; „der Brief ist ja, wie ich sehe, an meine Schwägerin."

„So? Von Frau Holder! Was mag sie ihr zu schreiben haben?" sagte die alte Dame sinnend. „Frau Holder?" Er zuckle zusammen und öffnete dann den andern Brief, um ihn vorzulesen. Als sie die kurze traurige Meldung vernommen hatte, brach die alte Dame in Wehklagen aus.

„Das arme, arme Fräulein rief sie aus.

Unterstützung politischer Tendenzen Frankreichs im hl. Lande und im Orient gedacht." Dieses Letztere, obwohl es selbstverständlich ist, findet noch be­sondere Bestätigung in einer Kundgebung der ,Augsburger Postzeitung', die man möglicherweise auf die Münchener Nuntiatur zurückführen kann. Danach erkennt der Vatikan ausdrückkich die Abmachungen an, die über die Schutzherr­schaft der Deutschen im Orient zwischen der Türkei und Deutschland getroffen worden find, so daß thatsächlich schon jetzt keine Meinungs­verschiedenheiten darüber zwischen der Kurie und der deutschen Reichsregierung zu bestehen scheinen.

Zwar wird die Nachricht, der Kardinal- Staatssekretär Rampolla habe einen Besuch in der preußischen Gesandtschaft gemacht, bestritten. Aber mit großer Sicherheit kann man darauf rechnen, daß nur kurze Zeit vergehen wird bis zu dem Tage, an dem auch der äußern Form nach zwischen Rom und Berlin vollkommene Uebereinstimmung erzielt sein wird über die Schutzherrschaft der deutschen Katholiken im Orient im Allgemeinen und insbesondere im hl. Lande.

* Die Pariser Militärverschwörung scheint nicht gerade gefährlich zu sein. Jeden­falls können die Generäle Boisdeffre, ehedem Chef des Generalstabes, und Zur linden, Militärgouverneur von Paris, nicht die Leiter einer Verschwörung sein, die am letzten Sams­tag ausbrechen sollte. Herr Boisdeffre ist nämlich krank und mußte sich gerade in diesen Tagen einer Karbunkel-Operation unterziehen; und General Zurlinden läßt einen Tagesbefehl ver­öffentlichen, den er kurz vorher nach ausdrück­licher Besprechung und Vereinbarung mit dem Ministerpräsidenten Brisson an die Prooinz- regimenter erließ, die angesichts der großen Pariser Ausstandsbewegung für alle Fälle nach der Hauptstadt beordert worden waren. In diesem Tagesbefehl werden die Truppen ermahnt, die Anordnungen der Regierung mit pünktlichem Gehorsam zu befolgen, und nach allgemeinem Urtheile ist Genera! Zurlinden nicht der Mann, daß Wort und That bei ihm in fo schroffem Widerspruche zu einander stehen könnten. Mit dieser Militärverschwörung ist es also ganz augenscheinlich nichts. Aber daraus kann man noch nicht den allgemeinen Schluß ziehen auf die Sicherheit und Festigkeit der politischen Lage in Frankreich im Allgemeinen. Daß die Verhält- niffe unsicher sind und die Regierung mit Aengstlichkeit gegen alles vorgeht, was ihr nur irgendwie schädlich werden könnte, beweist die fortgesetzte Ausweisung von Journalisten. Nach Herrn v. Jagow ist nunmehr einitalienischer Schrift­steller aus Frankreich ausgewiesen worden, Herr Marini, Mitarbeiter des Mailänder ,Corriere della Sera'. Warum so ängstlich, wenn alles sicher wäre? Und warum plötzlich die Ver­haltungsmaßregeln an die Gendarmerie für den Fall, daß einer der französischen Thronanwärter das Land betreten sollte? Solch' bestimmte Maß­nahmen trifft man nicht, wenn man nicht ganz bestimmte Ereignisse im Auge bat, gegen die man Vorkehrungen treffen will. Augenblicklich

„So ganz hilflos, so ganz allein und verlassen dort oben! In dieser traurigen Lage! Wenn ich könnte, ich ginge selbst hinauf und bliebe bei ihr. Was fängt sie nun an? Sie glauben gar nicht, welch ein liebes, gutes Kind sie ist, Hochwürden." Damit flössen ihre Lippen über von Lilians Lob und in der lebhaften Weise, die ihr bis ins achtzigste Lebensjahr treu geblieben war, erzählte sie von Lilian und von ihren Verhältnissen alles, was sie nur wußte.

Schweigend hörte der Pfarrer von Ochsengarten ihr zu, wenn er auch der Erzählerin durch keine Miene verrieth, wie sehr dies alles ihn interessirte. Ec wußte von seines Bruders Frau, damals in ihrer größten Herzensnoth, nach dem Tode ihrer Tochter, hatte ste's ihm gestanden, daß sie eine Schwester habe oder gehabt habe, die gegen den Willen der Eltern geheirathet habe. Ihr Name sei Holder und sie sei verschollen, vielleicht längst gestorben, denn sie habe nichts mehr von ihr gehört.

Wohl hatte die Art und Stunde, in welcher seine Schwägerin ihm dies mittheilte, schon einigemale den Verdacht in ihm geweckt, als ob sie sich in dieser Hinsicht nicht frei von Schuld fühle, aber wie diese Gedanken kamen, so waren sie auch gegangen, bis die Adresse jenes Briefes sie wieder wachriefen.

Als die alte Dame mit einem „was ist zu machen? Man müßte nach Sautens schicken um den Arzt, und ob dieser zu Hause ist, das ist erst unwahrscheinlich," ihren Bericht schloß, erhob er sich und sagte:

„Wenn Ihr Herr Sohn nichts dagegen einzu­wenden hat, so möchte ich hinausgehen. Sie wissen.

übrigens ist in Paris selbst im allgemeinen die Lage ruhiger geworden, denn auch die Ausstands­bewegung scheint keine Fortschritte mehr zu machen. Namentlich ist der geplante Streik aller Bahnarbeiter nicht zu Stande gekommen, und es scheint auch, als würde die Bewegung unter den Erdarbeitern und Bauleuten bald wieder abflauen.

Deutsches R^ch»

Berlin, 15. Oktober.

+ Ein Auarchiste«Atte«ta1 gegen Kaiser Wilhelm soll in der ägyptischen Stadt Alexandria geplant gewesen sein. So wird von einigen Zeitungen berichtet. Ob die Nachricht zutrifft, steht nicht ganz fest. Thatsache ist, daß in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag in der ge­nannten Stadt neun italienische Anarchisten ver­haftet worden stad, oder doch Personen, die in dem dringlichen Verdachte anarchistischer Umtriebe stehen. Darunter befindet fich der Besitzer eines Cafss, der der Polizei schon als Anarchist be­kannt roar. In seinem Hause sollen zwei Spreng­bomben gefunden worden sein und außerdem Schriftstücke, die auf die Absicht schließen lassen, einen Mordversuch gegen den deutschen Kaiser auszuführen. Die Londoner Presse bespricht diesen Attentats-Plan als eine Thatsache, an der gar nicht zu zweifeln ist, und es liegt ja gar nicht außerhalb der Möglichkeit, daß es sich wirklich so verhält. Die sozialdemokratische Presse ist ja freilich schnell bei der Hand, die Meldung in das Reich der „Polizei-Phantasie" zu verweisen; denn ihr wird immer unbehaglicher und unheimlicher bei dem Gedanken^ daß die ursprünglich aus der Sozialdemokratie hervorgegangene Mordbande der Anarchisten neuerdings wieder in so starkem Maße mit Mordanschlägen und Fürstenmorden hervor­tritt. Aber eine Bande, die nicht zurückschreckt vor dem Gedanken, meuchlings ein wehrloses Weib niederzudolchen, das niemals politisch her­vorgetreten ist, nur um Propaganda für den Anarchismus zu machen, warum sollte diese nicht auch den Plan faffen können, einen Mordausfall auszuübcn gegen den deutschen Kaiser? Eigent­lich läge der Gedanke ziemlich nahe. Denn ein solches Attentat konnte man in Alexandria leichter oorzubereiten und auszuführen hoffen als in Berlin oder in einer andern europäischen Stadt; und wenn es sich um die „Propaganda der That" handelt, so würde ein solcher Mord, wenn er in Alexandria ausgeführt worden wäre, noch mehr Aufsehen erregt und die Gemüther noch mehr erschüttert haben, als wenn der Ueberfall unter gewöhnlichen Umständen erfolgt wäre. So sehr es zu wünschen ist, daß die Angelegenheit schließ­lich in weniger unheimlicher Weise sich aufklärt, so sollte man doch, jetzt nach dem ruchlosen Morde in Gens, nicht grundsätzlich die Augen verschließen wollen und sagen: das kann nicht sein. Wie die Sache sich thatsächlich verhält, wird man ja wohl bald erfahren. Amtliche Nachrichten darüber liegen bis jetzt nicht vor.

* Zur Hrienlreise des kaiserliche« Haares wird geschrieben: Die Ueberfahrt des Kaiser­paares von Venedig nach Konstantinopel wird nahezu vier Tage in Anspruch nehmen. Die Ab- ich habe fast drei Jahrgänge Medizin studirt, ehe ich mich zur Theologie wandte, und ich könnte den Arzt wohl in etwa ersetzen, denn derartige apoplektische Anfälle sind mir in letzter Zeit wieder­holt vorgekommen. Ich nehme außerdem gleich den lieben Heiland und auch das heilige O-l mit; die Tröstungen der Religion dürften der Kranken vielleicht willkommen und nöthiger sein, als ärztliche Hilfe."

„Wollten Sie das wirklich thun?" sprach die Greisin hocherfreut; „meinem Sohne werden Sie dadurch gewiß einen Dienst erweisen, denn die Gicht im linken Fuße plagt ihn entsetzlich und der Kooperator ist gerade heute nach Au hinauf­gegangen. Grüßen Sie mir das liebe Kind recht herzlich und schauen Sie auch, daß jemand um sie ist, wenn Sie fortgehen. Es wäre doch schrecklich, wenn sie allein sein müßte in der Nacht bei der sterbenden Mutter."

„Ich bleibe selbst schon dort, so lange es noch thut; der Meßner soll nur bei mir bestellen, daß man sich wegen meines Ausbleibens keine Sorgen macht."

Mit diesen Worten empfahl sich der hochwürdige Herr von Ochsengarten und nachdem er das Nöthige geholt hatte, folgte er dem Weberannele gen Piburg hinauf. Der kecke Frühlingswind spielte mit seinen weißen spärlichen Haaren und mit den Falten seines weiten Mantels; die knospenden Zweige streiften seine hohe Gestalt und zogen ihm das Käppchen vom Kopfe, als wollten sie ihn necken, und die jungen Halme, die aus dem Boden hervor­lugten, schienen ihn fragen zu wollen, weshalb er so nachdenklich durch den Frühlingstag dahin schreite, aber er merkte nichts davon.

reise von der Lagunenstadt ist fast genau zu der programmmäßig festgesetzten Stunde erfolgt; da­nach darf auch die Ankunft in Konstantinopel schon am Montag den 17. erwartet werden, und zwar nach dem Programm, Vormittags 11 Uhr. Am Abend findet im Yildizpalais Galatafel statt, an welcher die Mitglieder der deutschen Botschaft, des deutschen Generalkonsulats, die in türkischen Diensten befindlichen Deutschen, sowie die No- tabeln der deutschen Kolonie theilnehmen. Am 18. ist Frühstück auf der deutschen Botschaft, Empfang der Deputation der deutschen Kolonie sowie Besuch der Kaiserin im Harem. Am 19. folgt ein Ritt um die Stadtmauer, Empfang des diplomatischen Korps, Boporusfahrt auf der „Hohenzollern" oder der „Sultanie" und Abends Theatervorstellung im Yildizpalais. Am 20. folgt eine Fahrt auf der anatolischen Eisenbahn nach der kaiserlichen Teppichfabrik Hereke. Am 21. findet Parade der Truppen vor dem Talim Hane Kioks statt und nach dem Selamik, welchem Kaiser Wilhelm nicht beiwohnt, Abends Gala­tafel für das diplomatische Korps im Yildizpalais. Am 22. erfolgt nach einem Frühstück im kaiser­lichen Palais von Dolma Bagtsche die Abreise der Majestäten. Viele Hunderte deutscher Tou­risten find bereits in Konstantinopel eingetroffen.

* Beim Einzuge in Jerusalem wollen unfern Kaiser auch die Vertreter des A«de»1H«ms festlich willkommen heißen. Wie die Jüdische Presse mittheilt, haben die Oberrabbiner der Äschkenasim und Sephardim um die Erlaubniß nachgesucht, einen eigenen Triumphbogen errichten und darunter den kaiserlichen Gast mit den Thorarollen erwarten und begrüßen zu dürfen. An der Spalierbildung werden sich vollzählig auch die Zöglinge der beiden jüdischen Wohl- thätigkeitsanstalten betheiligen, die unter deutschem Schutze stehen, das dentsch-israelitsche Waisenhaus und die damit verbundene Schule. Auf dem Wege von Haifa nach Cäsarea wird die Kara­wane des Kaisers auch eine der jüdischen Kolonien, Sichron Jakob, berühren.

0 Im nächsten Winter soll, wie einigen Zeitungen berichtet wird, dem Reichstage eine Novelle zum Wilitärpevfions-Gesetze zu­gehen. Am 21. März d. Js. hatte der Reichs­tag in einstimmigem Beschlüsse das Ersuchen an den Reichskanzler gerichtet, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, in dem Rücksicht ge­nommen wird auf die berechtigten Wünsche der Militär-Invaliden, und ihre Bezüge abzumessen nach den steigenden Kosten der Lebensunterhaltung, namentlich auch bei der Versorgung der Witwen und Waisen. Der Bundesrath hat sich dem Standpunkte des Reichstages angeschlossen, und somit ist die Regierung an die Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfes gegangen. Jetzt ist dieser Entwurf, wie berichtet wird, in seinen Grundzügen fertig gestellt.

+ Die angekündigte Novelle z«m Atters- «ttd Invariditäls-Nerftchernngs-HeseHe soll nach halbamtlicher Ankündigung „in allernächster Zeit dem Bundesrathe zugehen". Das kann man ohne weiteres glauben. Etwas weniger ver­trauensselig wird sich die öffentliche Meinung zu der Versicherung desselben Offiziosus stellen, wenn dieser hinzufügt, das Gesetz werde „einen

Er dachte an das Ziel seines Ganges und an diejenige, die voll Sehnsucht und Herzensangst wahrscheinlich seiner harrte.

Weberannele öffnete ihm die Thüre und die Kinderaugen lugten voll Scheu in das dunkle Zimmer hinein.

„Gelobt sei Jesus Christus," sagte der Ein­tretende.

Lilian erhob sich, den Gruß erwidernd, von ihren Knieen neben dem Bette der Mutter, ohne deren kalte Hand fahren zu lassen.

Die Lähmungserscheinungen hatten in der vergangenen Stunde noch zugenommen und das erfahrene Auge des Geistlichen erkannte sofort, daß das Ende nicht mehr ferne sei. Nachdem er bei der Kranken einige belebende Mittel angewandt, bat er Lilian, ihn mit ihr allein zu lassen.

Sie ging erst einige Minuten im Nutzgarten auf und nieder und versuchte zu beten; sie ver­mochte es nicht, immer wieder erfüllten die herab- gelaffenen Fensterläden sie mit einem Gefühl eisigen Schauders; sie ging ins Haus hinein, aber kaum war sie im Nebenzimmer, so zwang ein Gefühl unsäglicher Uebelkeit und Schwäche sie wiederum, die frische Luft aufzusuchen. Sie hüllte sich in ein Tuch und schritt vor dem Hause auf und nieder. Dann wandte sie sich nach dem Pfade, der zum See hinabführte. Da schimmerte es wieder zu ihr hinauf, jenes stille liebliche Waffer, welches sie seit jener Stunde, da sie voll Herzensqual an seinem Ufer gesessen, stets vermieden hatte, so sehr sie konnte. Jetzt ruhte der rothgoldene Abend- strahl daraus und längliche Eisschollen schwammen wie grünliche krystallene Barken durch die schim­mernde Fluth..