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für J«ftr»U 3. parzeller tu Salta. "■ mit Flnteryallungs-Meikage „Zlluflrirle Sonntags-Zeitung" peterszaAe Nr. 1 (Barmoriie).
M 236 JuL'öcr, Samstag, den 15 Oktober 1898.
25. Jahrsiam.
Jk Unternehmer und Arbeiter.
In Berlin war in diesen letzten Tagen der Bund der Industriellen versammelt. Bei dieser Gelegenheit hat der Bund auch über ein Thema verhandelt, das das allgemeine Interesse in hohem Grade in Anspruch nimmt, nämlich das Thema von den Arbeitsnachweisen. Die Veranlassung dazu mag die Generalversammlung gegeben haben, die neulich in München von dem Verbände deutscher Arbeitsnachweisstellen abgehalten wurde; aber leider muß gesagt werden, daß die Versammlung des Bundes der Industriellen in einen bedauerlichen Gegensatz sich hineingeredet hat gegen die vortrefflichen Grundsätze, die dort in München unter allgemeinem 'Beifall als leitend für die Behandlung der ganzen ! Frage aufgestellt wurden.
In München herrschte nur eine Meinung darüber, daß die Arbeitsnachweise unbedingt ganz unparteiisch arbeiten müßten, weder im be- sondern Interesse der Arbeiter, noch auch in demjenigen der Unternehmer; aber in der Versamm- lung des Bundes der Industriellen war man anderer Meinung. Namentlich Dr. Martens, .4er Generalsekretär des Bundes, vertrat die Anschauung, man müßte über ganz Deutschland ein Netz von Arbeitgeber-Nachweisen einrichten, von deren Verwaltung die Arbeiter vollständig auszuschließen wären. Es sei eine „Anmaßung", wenn die Arbeiter Sitz und Stimme in den Arbeitsnachweisen verlangten. Zwar trat Fabrikbesitzer Weigert aus Berlin diesen Anschauungen nachdrücklich entgegen; aber das Ende vom Liede war doch, daß die von Herrn Weigert vorgeschlagene Resolution nicht angenommen wurde, in der gesagt war, daß an der Leitung der Arbeitsnachweise Arbeiter und Arbeitgeber mit gleichen Rechten und Pflichten theilnehmen sollen. Es wurde nur ein Ausschuß eingesetzt, der die Frage der Organisation der Arbeitsnachweise noch weiter studneu soll.
Mit großem Bedauern ist gegenüber dieser Haltung einer Körperschaft von Unternehmern festzustellen, daß diese beschämt wird durch die Haltung der deutschen Sozialdemokratie zu der Frage von- der Organisation der Arbeitsnachweise. In der ganzen sozialdemokratischen Presse Deutschlands war kein Widerspruch gegen die Grundsätze ausgleichender Gerechtigkeit zu finden, wie sie in München ausgestellt und anerkannt wurden; mehrere sozialdemokratischen Blätter gaben aber ausdrücklich ihre Beistimmung dazu kund, so auch der Berliner »Vorwärts". Und nicht ganz unrecht drückte der ,Vorwärts" sich aus, als er die Anschauungen, die die Herren Dr.- Martens und Genossen in der Versammlung des Bundes der Industriellen entwickelten, „brutal und trotzig" nannte.
Ist es denn wirklich wahr, was manche Leute jetzt sagen — nicht nur Sozialdemokraten! — daß neuerdings durch das deutsche Unter« nehmerthum ein Zug der Anmaßung,
In den Bergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
‘28 ------ (Nachdruck verboten.)
Lilian sah in der That ganz erstaunt erst das wiederum leere Glas und dann die Mutter an und glaubte der ungewohnt reichliche Trunk sei ihr zu Kopfe gestiegen, und als nun gar die alte Dame Lilians kaum angerührtes Glas, in der Meinung, es sei das ihrige, ergriff und wiederum an die Lippen führte, nahm sie lächelnd leise Flasche und Backwerk und stellte es in den Schrank und dann auch die leeren Gläser, um sie in die Küche zu tragen und dort die für das Mittagessen nöthigen Anstalten zu treffen.
Die Greisin am Fenster, nachdem sie noch -einige Minuten dem Lenzstrahl zugeschaut hatte, der wie ein breiter von Arabesken durchzogener Goldftreifen sich über das noch fahle Gras des Nußgartens legte, ließ langsam die weißbefranzten Lider über die Augen sinken und schlummerte ein.
Ihre Züge waren friedlicher wie je zuvor, sogar ein Lächeln wie ein Abglanz jenes Sonnenscheines da draußen. hatte sich über ihre Züge gelagert; auch hier ein Sonnenstrahl nach langer Winterszeit.
Lilian, die mehrmals durch die Thürspalte lugte, ob die Mutter noch schlafe, nahm es wahr und freute sich darüber. So ging sie denn, nachdem sie mit der Besorgung des Mittagessens fertig war, um den Schlummer der Mutter nicht zu stören, vor deren Fenster im Sonnenschein auf und nieder. Ihre Seele war, zum ersten Male -seit vielen Monden, wieder leicht und froh; es
Ueberbebung und Arbeiterfeindlichkeit gehe? Man sollte es fast für wahr halten, wenn man solche Aeußerungen liest wie diejenigen, die Herr Dr. Martens in der Versammlung des Bundes der Industriellen abgab. Und leider stimmen auch manche anderen Anzeichen in bedauerlicher Weise damit überein. Wie lange schon schwebt die Frage von der Heranziehung der Arbeiter zur Theilnahme an der untern Grub en aufsicht. Die preußische Regierung hat mehrfach ihre Geneigtheit kundgegeben, der Behandlung dieser Frage näher zu treten; und gegenwärtig weilt Minister Dr. Brefeld in dem oberschlesischen Industrie- und Bergwerks- Revier, um weitere Studien über diese Frage zu machen. Wo aber immer Berichte erscheinen über die Stellung der Unternehmer zu dieser Frage, da liest man immer und immer wieder, daß die Unternehmer „überwiegend ablehnend" sich ausgesprochen haben oder "eine Theilnahme der Arbeiterschaft an der unteren Berg- werks-Aufsicht für „überflüssig" erklären. Und doch wäre nichts gerechter als dies, und doch könnte namentlich nichts Anderes mehr beitragen zur Befestigung des gegenseitigen Vertrauens zwischen Unternehmer und Arbeiter. * Aber es ist gerade, als wollten viele Unternehmer das Vertrauen der Arbeiterschaft gar nicht, als seien sie nur darauf bedacht, ihr Verhältniß zu jener zu stärken als das Verhältniß der Herren zu Knechten, die keine Berechtigung haben dazu, auch selbst um das sich zu kümmern, was ihr eignes Wohl und Wehe angeht. Es ist nicht zu begreifen, wie Unternehmer in solche Jrrthümer verfallen können, ohne einzusehen, daß sie durch nichts gerade das mehr stärken, was sie am meisten fürchten und bekämpfen wollen, nämlich das Umsichgreifen der Sozialdemokratie. Und doch ist leider nicht zu zweifeln daran, daß das Ueberhandnehmen solcher Unternehmer - Jrrthümer beklagenswerthe That- sache ist.
Im rheinisch-westfälischen Bergwerksbezirke ziehen gleichzeitig Wetterwolken auf. Die Kohlenbergleute streben nach einer Erhöhung der Löhne um 10vom Hundert, und außerdem haben sie auch die vorerwähnte Heranziehung von Arbeiter-Vertrete.'-» zur unteren Bergwerks-Aussicht in ihr Programm ausgenommen. Das ist wahr, daß die Löhne der Kohlenbergleute im Laufe der letzten Jahre beff-r geworden sind. Aber wenn die ganze Lage der Industrie es gestattet, warum sollten die Arbeiter nicht nach weiterer Verbesserung streben? Und jedenfalls ist es ganz falsch und thöricht, die ganze Sache mit der Bemerkung ab- lhun zu wollen, daß die Bewegung unter den Arbeitern im westdeutschen Bergwerks-Gebiete nur durch sozialdemokratische Hetzerei entstanden sei. Das ist einfach nicht wahr. Alle Arbeiter gleichmäßig streben nach Lohnerhöhung, sozialdemokratische und nicht sozialdemokratische; und ein gerechter Mann wird es ihnen nicht verdenken, daß auch sie einen kleinen Theil des großen Mehrgewinnes haben wollen, der aus der günstigen Lage der Bergweiks-Jndustrie sich ergibt.
Fern sei es uns, grundsätzlich Partei für die Arbeiter gegen die Unternehmer ergreifen za wollen. Aber das soll uns nicht hindern, auch bei den
war, als spüre sie in ihr den ersten Lerchenschlag.
„Mein Nachmittagsschläfchen kann ich heute nicht halten, das besorgte ich schon am Vormittag," sprach Frau Holder, nachdem sie mit besonders gutem Appetit gespeist hatte. „Ich will schreiben, Lilian, besorge mir Feder, Tinte und Papier "
Das junge Mädchen starrte sie an, als ob sie ihren Ohren nicht reckt traue. „Feder, Tmte und Papier?" wiederholte sie langsam, indem sie mit dem Ausdruck größter Verwunderung die Hände vor der Brust zusammenfaltete.
Das grenzenlose Erstaunen über ihr Begehren, welches in dem Ton und auf dem Antl tz ihrer Tochter lag, ärgerte die alte Frau und gereizt entgegnete sie: „Habe ich es nicht deutlich gesagt? Was stehst Du denn da und starrst mich an, als ob ich etwas Unsinniges gesagt hätte oder gar als ob ich nicht schreiben könnte."
„Aber Mama, seit acht Jahren hast Du ja keine Feder zur Hand genommen," wandte Lilian ein-, „Wie kannst Du denn schreiben in dieser unbequemen Stellung! Diktire mir lieber, und ich schreibe für Dich."
„Ich habe Dir schon gesagt, daß ich schreiben will," sagte Frau Holder mit Schärfe und schaute sie mit zürnendem Blicke an. „Seit wann muß ich mir gefallen lassen, daß meine Tochter mir Vorschriften macht über das, was ich thun und lassen soll?"
Schweigend gab sich Lilian daran, das Verlangte zusammenzusuchen. Es war schwer aufzu- treiben in einem Haushalte, wo so wenig geschrieben wurde, wie hier. Einige Briefbogen befanden sich noch in der Kommodenschublade, die
Unternehmern Fehler und Ungerechtigkeiten zu tadeln, wenn solche in unleugbarer Weise vorhanden sind.
X Die Lage in Frankreich
und namentlich in der Hauptstadt Paris wird von den Meldungen des Telegraphenbureaus der Regierung als ganz sicher und ruhig geschildert. Aber die Wahrheit ist anders: alle Meldungen unabhängiger Berichterstatter stimmen darin überein, daß die Lage fortgesetzt kritisch ist. Und allem Anscheine nach gilt dies nicht nur für den großen Arb.iter-Ausstand, sondern auch für die politische Lage. Unter ben Bahnarbeitern und Bauarbeitern wird fortgesetzt agitirt für den General - Ausstand, und das Syndikat der Bahnarbeiter hat in der That bereits den Beschluß gefaßt, den allgemeinen Ausstand zu verkünden. Dieser Beschluß ist allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit zu Stande gekommen, und es ist daher dieFrage, ob er in vollemUmfange praktische Bedeutung erlangen wird.
Viel wichtiger aber als die Meldungen über die Ausstands-Bewegung ist etwas Anderes: es handelt sich nämlich allem Anscheine nach um eine Verschwörung zu dem Zwecke, die gegenwärtige Regierung zu stürzen, und zwar, wie man sich schon denken kann, um eine Militär-Verschwörung gegen das radikale Kabinett Brisson. Der Schlag sollte an diesem Samstag geführt werden, wohl überlegt, denn an diesem Tage sollte der Kriegsminister General Chavome infolge einer Dienstreise von Paris ab- adwesend sein. Die starke Ansammlung von Truppen in Paris schien den Militärgegnern des Herrn Brisson sehr günstig zu sein zur Ausführung eines Gewaltstreiches; aber Herr Brisson ist noch zur rechten Zeit gewarnt worden. Der Kriegsminister General Chanoine bleibt in Paris, und für diesmal dürfte der Schlag vereitelt fein. Aber wo die Verhältniffe bereits zu solchen Umtrieben geführt haben, ist man keinen Tag mehr vor Ueber- raschungen und staatlichen Umwälzungen sicher; und wenn auch Herr Brisson in feiger Angst die ausländischen Schriftsteller aus Frankreich aus- roei'en läßt, ixe die Wahrheit berichten über die Kernfäule des gegenwärtigen republikanischen Regimentes, so kann er diesem durch solche Maßregeln doch nicht auf die Beine helfen; weder dadurch, noch durch die erlassenen Verhaltungsmaßregeln an die Gensdarmerie für den Fall, daß einer der Thronanwärter französischen Boden betreten sollte.
Uebereinftimmenb wird übrigens berichtet, daß die Umtriebe ausschließlich gegen das Kabinet Brisson, nicht aber gegen den Präsidenten Faure gerichtet seien. Dieser ist bekanntlich kein Freund der Revision des Drey- fus-Prozcffes. Und daß diese stattfinden soll, wird als der Grund angegeben für die Anzettelung der Umtriebe. So weit treibt die Gemüther die Leidenschaft, die durch die Dreysus-Angelegenheit entfacht worden ist. Und da sage noch einer, es fei ruhig und sicher in einem Lande, wo um einer solchen Sache willen Militär-Verschwörungen angezeltelt werden zum gewaltsamen Sturze der Regierung!
Tmte stand auf dem Schranke und war ganz ein« getrocknet, so daß sie erst durch einige Tropfen Wasser wieder flüssig gemacht werden mußte, und die Feder mußte mit einem Messerchen abgeschabt werden, denn sie war ganz mit Rost bedeckt.
Mit freundlichen, jedoch auch zugleich besorgten Blicken stellte Lilian dies alles auf das kleine Tischchen nieder und brachte noch ein zweites Kissen herbei, damit der Rücken der Greisin beim Schreiben der nöthigen Anlehnung nicht entbehre.
Als sie sich darauf jedoch mit einem Buche an das zweite Fenster setzen wollte, sprach Frau Holder zwar nicht unfreundlich, jedoch mit bestimmt ausgedrücktem Befehl: „Nein, Lilian, es genirt mich, wenn Du hier sitzest. Ich bedarf Deiner für die ersten drei Stunden nicht. Du kannst hinunter geh'n nach Oetz zur Nachmittagsandacht; es ist ein schöner Tag heute. — Hast Du mich nicht verstanden?" fuhr sie mit mehr Schärfe fort, als Lilian noch keine Miene machte, ihren Worten Folge zu leisten.
„Heute möchte ich doch lieber hier bleiben," wandte diese schüchtern ein.
„Und ich möchte, daß Du gehst," lautete die nachdrückliche Antwort.
So ging denn das junge Mädchen in den milden Frühlingstag hinaus und die alte Frau blieb allein.
Sie nahm die Feder und betrachtete eine Weile das spitze Ding tn ihrer Hand, welches sie feit ihrer Verheiratung, es waren mehr alt achtund- zwanzig Jahre, so selten benützt hatte; sie mußte es sogar mit der Linken zwischen die Rechte schieben und die alten steifen Finger, die das ungewohnte Werkzeug nur schwer zu führen verstanden, in
Deutsche» Reich*
Berlin, 14. Oktober.
O Zum Nachfolger des Herrn von Bülow als preußischer Gesandter beim Vatikan soll Ireiherr von Rolevhan ausersehen fein, jetzt deutscher Gesandter in Bern. Vorher war Herr von Rotenhan Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte, und noch vorher war er preußischer Geschäftsträger beim Vatikan. Nach Drahtberichten aus Rom hat sich Kardinal- Staatssekretär Rampolla am letzten Donnerstag nach der preußischen Gesandtschaft begeben und hat in einem Gespräche mit dem preußischen Geschäftsträger, der den Gesandten vertritt, diesem Aufklärungen gegeben, von denen man annimmt, daß sie in verbindlichstem Tone gehalten waren. Daraufhin dürfte nun auch den ängstlichsten Gemächern der letzte Zweifel daran genommen sein, daß die Abberufung des Herrn von Bülow keine schlimme Bedeutung hat für die weitere Gestaltung der Verhältnisse zwischen dem Vatikan und der Berliner Regierung.
* Der in den Ruhestand tretende preußische Gesandte am Vatikan, Htlo von Aükow, ist am 28. Februar 1827 in Frankfurt a. M. geboren. Als Einjährig-Freiwilliger wurde er im Jahre 1848 im Straßenkainpse in Berlin schwer verwundet. Im Jahre 1858 wurde er als Hilfsarbeiter ins Auswärtige Amt berufen, 1867 zum vortragenden Rath ernannt. Seit 1872 begleitete er den Kaiser Wilhelm I. ständig als Vertreter des Auswärtigen Amtes auf Reisen und blieb mit diesem Amte betraut, auch nachdem er 1881 zum preußischen Gesandten in Stuttgart und 1882 zum deutschen Gesandten in Bern ernannt worden war. 1892 erfolgte feine Ernennung zum Vertreter Preußens am päpstlichen Stuhle.
* Aussehen erregt die Verleihung des rottjen Adlerardens zweiter Klasse an den sogenannten „Spinnerkönig" v. Katzker in Augsburg. Herr v. Haßler ist bekanntlich der Anstifter des Dankes- telegramms, welches vor einigen Wochen ein Ring von „liberalen" Großindustriellen, der sich aus verschiedenen Theilen des Reiches zusammensetzte, an den Kaiser wegen der viel erörterten Rede desselben über den „Schutz der Arbeitswilligen" mit der Androhung von Zuchthausstrafe für die Bedrohen der Arbeitswilligen und die Anreizer zum Streik — abgesandt hat.
4- Die.National-Zeitung" widerruft ihre gestrige Meldung von einem angeblichen Beschlüsse des Bundesrathes in Sachen des kippesche« Kröfokgestreites. Der Bundes- rath hat sich in dieser Sache nicht „unzuständig ertlärt" und überhaupt noch gar keinen Beschluß gefaßt. „Gegen einen solchen Beschluß — so berichtet nunmehr die ,National- Zeitung" —sind inzwischen von anderer Seite die lebhaftesten Anstrengungen gemacht und es war versucht worden, für eine ter ersten Sitzungen des Bundesrathes die Angelegenheit auf die Tagesordnung zu bringen, um einen Beschluß im Sinne der Zuständigkeit herbeizuführen." Diese Bemühungen aber sind vorläufig vergeblich gewesen, und insofern Haden in der That die Befürworter der Zuständigkeit ihre Absicht nicht erreicht. Gegenwärtig soll nach dem die richtige Ordnung bringen. Mitleidig lächelte sie über sich selbst, und bann tunkte sie die Feder ein und schrieb:
„Schwester! Kommt es Dir nicht vor, als ob die Todten auferstehen, da dieses Wort so plötzlich vor Dich hintritt? Du hast mich ja schon längst zu den Todten gerechnet, aber bevor ich es wirklich bin, null ich roch einmal zu Dir reden. Wenn ich noch die Alte wäre. Du hättest niemals etwas von mir vernommen, bis wir uns im Jenseits wiederum begegnet wären, aber ich bin in letzter Zeit schwach und mürbe geworden, und es will mich bedünken, daß es doch gut wäre, die irdischen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen; ich fürchte, derjenige, der gesagt hat „Liebet Euch untereinander" mochte mich nicht aufnehmen, wenn ich mit Haß und Groll aus diesem Leben schiede. Und Haß und G-oll hegte ich gegen Dich und Deine Sippe, wenn ich es auch mir selber nicht eingestehen wollte, und Haß und Groll würden auch ferner in mich hineinfressen, wenn ich hier schwarz auf weiß mich nicht Dir gegenüber ausspräche, hier schwarz auf weiß nicht bestätigte, daß ich Dir verzeihe. Fast dreißig Jahre haben wir uns nicht gesehen, wenn Du wolltest, Du hättest meinen Auseuhalt erforschen können; Du hast es nicht gethan. Du hast Dich von mir los- gefagt. Wie ich erfahren habe, fall die Mutter aus Schmerz über meine Handlungsweise gestorben fein, und der Vater ist dahin gegangen, ohne mir verziehen zu hoben; wäre es nicht der Fall gewesen, Du hättest unverzeihlich an mir gehandelt. Aber auch so hast Tu nicht schwesterlich gethan. Wohl habe ich voll Erbitterung darüber, daß der Vater mir v.orwarf, Herrmann strebe nur nach