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KuldaerMZeitung
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25. Jahrganf
Isrr0öa, Freitag, den 14. Oktober 1898.
M 235.
(Nachdruck verboten.)
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gerechnet. Man hatte immer gehofft, Blaron Banffy, der Leiter der sogenannten liberalen Regierung, werde ffch als ein „Hort des Kon- stitutionalismus- erweisen, als eine Stütze der parlamentarischen Rechte nämlich dadurch, daß er darauf bestände, den Ausgleich auf parlamentarischem Wege zu Stande zu bringen, nicht aber durch fortgesetzte Anwendung des Rothstands-Paragraph-n, mit dessen Hilfe in Oesterreich ohne Parlament regiert werden kann. Aber in dieser Hoffnung sind die Deutschliberalen grausam von Baron Banffy getäuscht worden. Dieser nährte die Hoffnung, so lange das in seine Pläne und in seine eignen Interessen hineinpaßte. Als aber das Letztere nicht mehr der Fall war, da warf er das Komödiespielen und damit das Kokettiren mit den österreichischen Deutschlibkralen einfach über Bord und machte mit dem Grafen Thun Geschäfte gegen die Deutschliberalen.
Das ist der deutschen Opposition recht sehr zu gönnen. Aber auch dabei ist ein Umstand sehr bedauerlich: die Veränderung in der Haltung des Baron Banffy ist vom Grafen Thun erkauft worden durch allerhand Zugeständnisse, die der österreichischen Reichshälfte zum Nutzen gereichen. Und somit wiederholt sich auch diesmal wieder das alte Spiel, daß die österreichischen Böcke wild mit den Köpfen gegeneinander rennen, der ungarische Fuchs aber den Profit davon hat.
Wird das jemals anders werden?
Orient weder Weisungen erlassen habe, sich der sranzösischen Schutzherrschaft unterzuordnen, noch auch solche Weisungen erlaffen werde. Daß der deutschen Reichsregierung eine feindselige Gesinnung gegen den Vatikan ebenfalls fern liegt, ist wiederholt sehr bestimmt versichert worden; und so kann man der weitern Entwickelung dieser Angelegenheit mit vollkommener Ruhe entgegensetzen.
* Halbamtlich wird jetzt bestätigt, daß der Tag der Aeichstags > Oröff««ng überhaupt noch nicht feststeht. Gleichzeitig wird hinzugefügt, daß er in das Ende des Monats November oder in den Anfang des Monats Dezember fallen werde. Niemand hat bisher im Ernste etwas Anderes erwartet. Früher kann der Reichstag nicht beginnen, später auch nicht, weil er sonst mit den Etats-Berathungen nicht zu rechter Zeit
mit den westlichen Provinzen und mit den Herzog- thümern im Norden haben. Wir müffen den Saum derNordsee haben. Wir müffen es wagen, Hannover zu verdauen; aber schwer wird es werden. Es hieß erst, wir wollen halb Sachsen und halb Hannover haben — ich war dagegen. Ein beraubtes Gemeinwesen bleibt immer unzufrieden. Man muß das Gemeinwesen zusammen laffen, dann gewöhnt sich das Ganze an das neue Regiment." Und in einem dieser Gespräche mit dem General v. Hartmann ist es auch gewesen, wo Bismarck sagte: „Man irrt sich, wenn man mich nach meiner Opposition vom Jahre 1848 her beurtheilt. Mit den Ansichten der ,Kreuzztg/
12.
Wochen und Monde vergingen; Sommerund Herbst war dahin, der stets gefüllte Gasthof von Tobias Haid in Oetz war leer und die waldigen Höhen ringsum waren kahl und still geworden
Auch Lrlian's Schmerz war still geworden und zuletzt ganz verstummt; die Wunde, welche die ^Zulitage ihrem unbewahrten Herzen geschlagen hatten, war geheilt und vernarbt. Manchmal, wenn sie an "den langen Wintertagen bei ihrer stillen Arbeit saß und während die Schneeflocken am Fenster vorbeiwirbelten, an den Sommer dachte, so fragte sie sich wohl, ob das, was sie diesen Sommer durchlebt hatte, Wirklichkeit gewesen sei oder nur ein Traum. Aber bei dieser Frage schmerzte stets noch die wunde Stelle, spürte sie stets noch die zusammenziehende Narbe und ste wußte dadurch, daß es kein Traum gewesen war. Ihr sanfter, gottergebener, gen Himmel schauender Charakier war nur vorübergehend aus seinem Geleise gebracht worden und fand sich wieder in die frühere Richtung zurück; in ihrer Mutter jedoch hatte eine Umwandlung stal tgefunden.
Sie wurde recht binfällig während der langen Wintermonate, und Lilian sehnte sich sehr nach dem Frühling und hoffte von Sonnenschein und frischer Luft die Kräftigung, welche sie durch aufopfernde Pflege und stärkende Nahrung vergeblich chu erreichen strebte. Besorgten Blickes schaute sie -oft von ihrer Arbeit zum andern Fenster hinüber.
wieder zum Acherkogel hinüber, wie sie stets that, wenn etwas sie schmerzlich bewegte.
„Ist Dir mein Leben nicht Antwort genug auf alle Deine Fragen? Mama, zürnst Du mir wieder?" fragte Lilian nach einer qualvollen Pause.
„Nein, ich zürne Dir nicht, mein Kind," versetzte diese weich, „ich zürne höchstens mir selbst. Aber auch das nicht einmal, mit dem Zürnen ist's überhaupt vorbei, — ich zürne nicht einmal mehr dem Schicksal. Ich fühle die strafende Hand und beuge mich; dem elenden Menschen bleibt ja sonst nichts übrig."
„Mama, soeben hast Du mich gesegnet; warum uns diese heilige Freude trüben?" Sie holte eine Flasche Wein und Backwerk aus dem Schranke und sagte lächelnd: „Es ist ja ein Feiertag heute."
„Ja, meine Mutter hat mich nicht gesegnet, fuhr Frau Holder, ohne dies zu bemerken, nut dem Kopfe nickend fort, „und das war's, was mir gefehlt hat mein ganzes Leben lang. Darum mußte ich alles, was das Leben lebenswerth macht, verlieren. Das ist so Gottes Gesetz. Auch Du wärest nicht glücklich geworden, wenn Du von nur ar gangen wärest. Glaubst Du das, Lilian.
„Ja, Mama, ich glaube es," versetzte sre nut Ueberzeugung und schenkte die Gläser voll-
„Und wirst Du niemals Deine Mutter anklagen, weder vor Gott noch vor Deinem eigenen Herzen, daß sie es verschuldet hat, daß Du unglücklich geworden bist?"
„Ich bin nicht unglücklich und werde es auch später richt sein," versetzte Lilian mit ruhigem Ernst, indem sie sich der Mutter gegenübersetzte. „Damals glaubte ich es, aber jetzt nicht mehr." Nach einer kleinen Pause, als sie den Blick der
kann man nicht regieren."
0 Mit Spannung sah man allgemein der Entscheidung des Bundesrathes in der Kippe'sche« Äugelt gerrheit entgegen. Der Bundesrath mußte sich mit dieser Sache beschäftigen, weil die Regierung von Schaumburg-Lippe mit dem formellen Gesuche an den Bundesrath herangetreten war, in die Landesgesetzgebung, genauer gesagt, in die Erbfolge von Lippe-Detmold einzugreifen. Nach Artikel 76 Absatz 1 der Reichsverfassung sind „Sreitigkeiten zwischen verschiedenen Bundesstaaten, sofern die eiben nicht privatrechtlicher Natur und daher von den kompetenten Gerichtsbehörden zu ent« cheiden sind, auf Anrufen des einen Theiles von lern Bundesrathe zu erledigen." Hier in diesem Falle hat der Bundesstaat Schaumburg-Lippe den Bundesrath wegen des Erbfolgestreites in Lippe-Detmold zwar angerufen. Aber d e r B un d e s- rath hat es, wie die.National-Zeitung^ erfährt, abgelehnt, sich mit dieser Sache zu befassen. Er hat sich für unzuständig erklärt. Denn hier handelt es sich nach dem Beschlüsse des Bundesrathes nicht um eine Angelegenheit des Bundesstaates Schaumburg-Lippe, sondern um Erbfolge-Ansprüche, die der Fürst von Schaumburg-Lippe persönlich für sich und seine Familie erhebt. Durch diesen Beschluß stellt sich der Bundesralh also auf den sehr richtigen und hier einzig gerechten Standpunkt, daß Lippe- Detmold selbst die Entscheidung in dieser Erbfolge-Angelegenheit zu treffen hat. Dies kann naturgemäß nur auf dem Wege der Landesgesetzgebung geschehen, und somit stehen jetzt auch keine formalen Bedenken mehr den Wünschen Lippe-Detmolds entgegen, diesen Streit durch die Annahme eines Gesetzes int Landtage von Lippe- Detmold aus der Welt zu schaffen.
* Die internationale Berathung über Mlaßvahme« gegen die Anarchisten wird in Rom staltfinden; das scheint nunmehr beschlossene Sache zu sein. Von dem ursprünglichen Gedanken, die Berathung in Venedig abzuhalten, ist man abgekommen. Aber noch fehlt es, wie der ,Kreuz-Ztg/ aus Rom berichtet wird, an der Ausstellung des Programms, das der Berathung zu Grunde gelegt werden soll, lieber die Zusammensetzung der Konferenz hegt man den Plan, daß jeder Staat zwei Vertreter entsenden solle, einen Staatsmann und einen Fachmann der Polizei. Als staatsmännische Vertreter dürften in den meisten Fällen die beim Quirinal beglaubigten Botschafter und Gesandten als Mitglieder in die Konferenz eintreten. Daß es sich
ihrer Mutter nieder. Kern Laut unterbrach die feierliche Stille; schweigend legte die Greisin ihre Rechte auf ihres Kindes Haupt, doch ihre Lippen bewegten sich.
Und Lilians Herz durchzog eine wehmüthlge Rührung, als sie die Hand der Mutter auf ihrem Haupte fühlte; es kam ihr vor, als sei dies der Lohn für ihren Verzicht auf Erdenglück.
„Lilian, liebst Du mich von ganzem Herzen?" Frau Holder legte bei dieser eigenthümlichen Frage ihren Arm um den Nacken ihres Kindes, und als dieses voll zu ihr aufschauend antwortete: „Von ganzem Herzen," drückte sie einen Kuß auf deren Stirn.
„Und war ich Dir nie eine Last?"
„Niemals," versetzte Lilian überzeugt, boc; eigenthümlich durchschauert von dem Benehmen ihrer an Liebkosungen stets so kargen Mutter, die ihr nun wiederum einen Kuß auf die Stirne drückte.
„Und gab es niemals einen Moment tn Deinem Leben, wo ich Dir im Wege gestanden, wo Du gewünscht hättest, ich wäre nicht da?"
Wie mit dunkelrother Gluth übergossen, sprang Lilian auf. „Mama, warum fragst Du so?" rie sie aus.
„Weil ich's wissen will, weil mich diese Frage quält schon lange Zeit."
„Und wenn es einen solchen Moment gegeben hat," antwortete Lilian langsam, mit zu Boden gesenkten Blicken, „so war ich damals nicht zurechnungsfähig, so habe ich ihn gebüßt durc i Reue und Schmerz und Entsagung."
„Aber er war da, ich habe es mir ja gesagt, es konnte nicht anders sem." Frau Holder schaute
In den Sergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
fertig werden würde.
h Der Wechsel in der Person des Ho«ver- nsnrs vo« Kiantscho« ruft in der Presse einige Betrachtungen wach, die dem ersten Gouverneur Kapitän Rosendahl gerade nicht zum Vortheil gereichen. Herr Rosendahl soll sein Amt gar zu einseitig als Soldat ausgefaßt und kem Verständniß bewiefen haben für die wirthschaft- lichen Fragen und Interessen. Zur Entschuldigung gereicht es ihm, daß er vorher noch niemals tn Ostasien gewesen, praktisch also mit den Verhältnissen dort ganz unbekannt war. Seinern Nachfolger, Kapitän zur See I ä s ch k e, kommt zu Statten, daß er ehedem schon eine Reihe von Jahren an Bord deutscher Kriegsschiffe in Ostasien stationirt gewesen ist.
0 „Mit den Ansichten der ,Kre«zztg.' kann man nicht regieren" — ohne Zweifel ein sehr richtiger Ausspruch. Aber die ,Kreuzztg." und ihre konservativen Parteigenossen werden "eine sonderliche Freude daran haben, und noch weniger, wenn sie erfahren, von wem dieser Ans- pruch stammt. Kein anderer als Fürst Bismarck hat ihn geihan, und zwar zu einer Zeit, als er noch einfacher Herr v. Bismarck, aber doch chon preußischer Minister-Präsident war. Dies geschah auf dem böhmischen Schlachtfelde im Jahre 1866, und zwar zu dem damaligen Divisions- General v. Hartmann. Dieser sandte aus dem Feldzuge eine Reihe von Briefen an seine Gattin, und diese hat eine Sammlung aus besagten Briefen unter dem Titel „Briefe aus dem Feldzuge 1866" erscheinen lassen. Der verstorbene General von Hartmann war ein Mann, dem man unbedingt Glauben schenken kann; und deswegen verdient die Schrift jetzt ganz besondere Beachtung unter alle dem Wust von Bismarck-Literatur, mit dem wir augenblicklich überschüttet werden. Außerdem muß man daran denken, daß man Briefe des Generals an seine Frau vor sich hat, die ursprünglich gar nicht für die Veröffentlichung geschrieben und zu keinem besondern Zwecke bestimmt waren. General v. Hartmann war geborener Hannoveraner, und es war darum sehr natürlich, daß das Gespräch zwischen ihm und Bismarck um Hannover und feine künftige Behandlung sich drehte. „Hannover," sagte Bismarck in einem dieser Gespräche, „ist ein harter, schwer verdaulicher Klumpen in unserem Schlunde. Aber wir mußten es haben .... wir müssen die territoriale Verbindung
& Zur Lage in Oesterreich-Ungarn.
Die österreichische Ministerkrise scheint durch den Austritt des deutschliberalen Handelsrntmsters von Baemreit her aus dem Kabinet beseitigt Morden zu fein. Kaiser Franz 3ofef bat ganz entschieden abgelehnt, über einen Rucktntt des Ministerpräsidenten Grafen Thun auch nur tn «Erwägungen einzutreten, und Herr von Baern- reither ist ersetzt worden durch Baron Dipauli, bisher einer der Führer der katholischen Volks- Par$ie Hauptfrage ist nun in Oesterreich die wie stellt sich die Rechte im Parlament, rote stellt «ch Baron Dipauli selbst zu den Abmachungen, die in Ischl und Wien zwischen dem leitenden ungarischen Minister Baron Banffy und dem Grafen Thun über den Ausgleich getroffen Wurden? Die Blätter verschiedener Parteien der Parlamentarischen Rechten versichern, tn unveränderter Form seien diese Abmachungen unan- mehmbar; und auch innerhalb der katholischen Volkspartei sollte nach verschiedenen Press emtt- theilungen starke Opposition gegen diese Form des Ausgleichs vorhanden sein. Jetzt ist es wieder M geworden davon, und neuerdings wird versichert, Baron Dipauli sei in das Ministerium -unter der Bedingung eingetreten, daß er der un- weränderten Annahme der Ausgleichsoorlagen zu-
Gesetzt den Fall, die deutschkatholischen Parteien, so weit sie der parlamentarischen Rechten anaehören, würden einig mit dem Grafen Thun, so würden damit ncch lange nicht alle Schwierigkeiten beseitigt fein. Die Tschechen, die ihre oaitze Politik je länger desto mehr nach Gesichtspunkten eigensüchtiger Begehrlichkeit em- richten, haben dem Grafen Thun eine Liste der- ienmen Punkte unterbreitet, durch deren Bewilligung er sich Oie Unterstützung der Tschechen erkaufen soll. Nach übereinstimmenden Berichten soll die Zahl dieser Forderungen nicht weniger <rls drei Dutzend betragen, ganz abgesehen natürlich von der Haupt- und Generalforderung, daß es bei den Badent'schen Sprachenoerordnungen sein Bewenden haben soll. Aber ein Gegner dieser letzteren ist auch der neue Minister Baron Dipauli - wo ist der Ariadne-Faden, der aus diesem neuem Labyrinth hinausfuhrt zu Licht und Klarheit?
Den verdienten Lohn für ihre verbohrte Haltung bekommt jetzt die deutsche Opposition von Ungarn. Diese deutsche Opposition und in Gemeinschaft mit ihr die gesummte rerchs- deutsche liberale Presse liebäugelten immer nut Vorliebe mit den Ungarn. Sie konnten nicht genug ihrer deutschnationalen Gesinnung sich rühmen; aber mit den Ungarn hielten sie es stets, blos desweaen, weil das sogenannte liberale -Regiment in Ungarn kirchenfeindlich ist. Und wer kirchenfeindlich ist, den nehmen diese Leute zu ihrem Freunde, ganz gleichgiltig, ob er daheim in seinem Lande der allerschlimmste und allerbrutalste Feind allen Deutschthnms ist. Auch bei dem Parlaments-Streik im österreichischen Abgeordnetenhaufe und überhaupt in ihrer Stellung gegen die österreichische Regierung hat diese deutsche Opposition auf Beistand aus Ungarn
Deutsches R^ch.
Berlin, 13. Oktober.
x In Bestätigung der Anschauungen, die vor einigen Tagen an dieser Stelle geäußert wurden," schreibt hochoffiziös die Morddeutsche Allgemeine Zeitung': „In verschiedenen Zeitungsmeldungen aus dem Auslande (und Jnlande! Red.) begegnet uns die sonderbare Auffaffung, als ob der ASftecher S. W. des Kaisers «ach Aegyple« infolge ausländischer Schritte ober Einflüsse aufgegeben worden fei. Mit Recht werden solche Vermuthnngen als Fabeln bezeichnet. Sie entbehren jedes thatsächlichen Inhaltes. Wir wiederholen, daß der Verzicht auf den Besuch Aegyptens lediglich aus . . . Erwägungen der inneren Regierungs- politi'k hervorgegangen ist.
4- Alle Anzeichen bestätigen die erfreuliche Aussicht darauf, daß die ASVerutnug des (Kesandte« v. A«rorv von feinem Posten beim Vatikan keine erhebliche Bedeutung hat in dem Sinne, daß nunmehr das Verhältniß zwischen der Kurie und der Berliner Regierung fortgesetzt ein unerquickliches sein sollte. Man gibt sich im Gegentheil auf beiden Seiten ernstlich Mühe, die Sache zu beiderseitiger Zufriedenheit in Ordnung zu bringen. Aus Rom wird berichtet, daß demnächst der Beweis dafür erbracht werden würde, daß die Betonung des französischen Schutzrechtes im heilig«.n Lande durch die Aussprache des Papstes an die französischen Pilger nicht durch irgendwelche feindselige Gesinnung gegen Deutschland veranlaßt worden sei; und von anderer Seite ergeht die Versicherung, daß der hl. Stuhl an die deutschen Missionshäuser im
wo Fran Holder nicht mehr stramm und aufrecht wie sonst in ihrem Lehnstuhle saß, sondern vielmehr gebückt in sich selbst zusammengesunken zu sein schien. Sie verdoppelte ihre liebevolle Aufmerksamkeit ; sie machte sich selbst Vorwürfe, daß sie dies verschuldet habe, aber sie wußte nicht, daß auch die Mutter sich Selbstvorwürfe mache und daß hauptsächlich tn diesen der Grund ihrer geistigen und körperlichen Erschlaffung zu suchen war.
So war der Winter vergangen und als es Ostern geworden war, gegen Ende April, hie! auch in "dem winterholden Oetzthaler Gebiete der Lenz seinen Einzug.
Am Weißen Sonntag brachte Lilian der Mutter vom Kirchgänge einen großen Strauß Schneeglöckchen heim. .
„Schneeglöckchen," murmelte bewegt Die Greisin. „Schneeglöckchen, die gebühren ihm. Lilian, Du weißt das doch, warum hast Du nicht dem Vater die ersten Schneeglöckchen gebracht?"
„Ich that es, Mama," antwortete diese; „dec Strauß war beinahe doppelt so groß, da theilte ich ihn zwischen ihm und Dir. Er sah wunderhübsch aus zwischen dem dunkeln Epheu."
„Du bist mein liebes, gutes Kind, Du weißt und thnst stets alles, wie ich's liebe," sprach Frau Holder mit einer Zärtlichkeit, die an ihr gänzlich ungewohnt war. „Bald wirst Du's nicht mehr zu theilen brauchen. Du denkst ja daran, daß später nur ein Hügel fein soll. Komm' her zu mir, Lilian, ich will Dich segnen."
Erschrocken schaute Lilian ihre Mutter an, doch ohne weiter ein Wort zu sagen, willfahrte sie ihrem Begehr und kniete neben dem Lehnsessel
mit Anterhaktungs-Metlage „Illnsirirte Sonntags-Zeitung"