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FuwaerMZeitung

M 232.

Iu^öa, Dienstag, den 11. Oktober 1898

25. Jahrgang

24

(Nachdruck verboten.)

Inserat»: Die em- spalt. Garmond­zeile oder bet« Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Still und scheu wie ein ertappter Verbrecher sich umschauend, ob auch Niemand ihn erblicke, so schlich Paul, als er im Hotel angekommen war, die Treppe hinauf auf sein Zimmer. Er hatte keine Luft, Stella, die in den letzten Tagen, wo er nur ging, vor ihm aufgetaucht war, zu begegnen und ihren lachenden neugierigen Augen Rede und Antwort zu stehen. Nachdem er sich umgekleidet hatte, warf er sich auf das Ruhebett neben dem Fenster und schaute, Cigaretten rauchend, in den grauen Regenhimmel hinein.

Paul war sehr unzufrieden mit der ganzen Welt, und mit sich selbst am wenigsten. Er sagte sich, daß sein Benehmen einfach unbegreiflich und unverzeihlich gewesen sei. Wenn auch die Mutter sich keineswegs so beglückt über seine Werbung gezeigt, wie er geglaubt hatte, wenn auch Lilian im entscheidenden Moment sich zur Mutter ge­stellt hatte anstatt zu ihm, so war dies doch kein Grund, davonzulaufen ohne den Versuch einer näheren Verständigung zu wagen. Er hatte wie ein unbesonnener Knabe gehandelt und nicht wie ein reifer Mann, der das Ziel im Auge behält.

Als er gegangen war, war dies theils unter dem Einfluffe seiner verletzten Eigenliebe geschehen, welche ihm vorhielt, daß Lilian seine Liebe nicht in dem gleichen Maße erwidere, theils auch, well er sich sagte, daß es am besten sei, Mutier und Tochter allein zu lassen, weil sie unter sich gewiß am ehesten sich aussprechen und einigen würden.

verantwortlich: Lür die R-taktion Jef.35aiei, kür Inserate I. parzeller in Fulda.

z. B. deutsche Katholiken, die im Orient leben, bei dem heutigen Stande der Dinge doch stets nur bei Deutschland Schutz suchen, und ver- muthlich auch nur bei Deutschland finden.

In Berlin würde man es augenscheinlich sehr gern gesehen haben, wenn diesem natür­lichen Zustanoe der Dinge auch amtliche Aner­kennung durch den heiligen (Stuhl zu Theil ge­worden wäre. Und jedenfalls hatte Herr v. Bülow den Auftrag, in diesem Sinne in Rom zu wirken. Da aber wurde vom hl. Vater eine Abordnung von französischen Arbeiterpilgern em­pfangen, und dieser wurde vom päpstlichen Sekretär, Monsignore Prinzen von Croy, eine Ansprache des hl. Vaters verlesen, in der die Stelle vorkommt: „Es drängte euch, Uns für einen kürzlich vollzogenen Akt zu danken, durch den Wir Unsere früheren Erklärungen über euer traditionelles Protektorat im Orient be­stätigt haben. . ." Man wird kaum fehl gehen in der Annahme, daß die Abberufung des Herrn v. Bülow die Berliner Antwort darauf sein soll.

Kann man nun daraus den Schluß ziehen, daß eine ernstliche Mißstimmung zwischen dem Vatikan und Berlin eingetreten sei? Es ist kaum anzunehmen, daß eine solche Schluß­folgerung das Rechte treffen würde. Im Vatikan wird man gedacht haben, Deutschland wahrt ftdi seine natürlichen Rechte an die deutschen Katho­liken im Orient von selbst, und so wollen wir die Franzosen nicht stören in der „Tradition" ihres Protektorates. Und in Berlin wird man sich endlich auch mit den Thatsachen zufrieden geben und auf die äußere Form verzichten.

Im Vatikan ist man jedenfalls bemüht, in allem Uebrigen die guten Beziehungen zu Berlin zu erhalten, wie noch ganz neuer­dings aus den besonderen Anweisungen hervor­geht, die der Papst dem katholischen Klerus für den Empfang des Kaisers im Orient gegeben hat. Und wenn kulturkampslüsterne Blätter und Organe der italienischen Regierung sich anstellen, als witterten sie so etwas wie einen „Kampf zwischen Papst und Kaiser", so kommt das nur daher, daß ihre Feder überfließt von dem, was sie wünschen. Daß derlei wirklich eintreten werde, glauben sie aber selbst nicht.

Herrn von Bülow wird bald ein anderer Mann auf dem Gesandtenposten beim Vatikan folgen, und nicht lange Zeit wird vergehen bis zu dem Zeitpunkte, in dem diese Angelegenheit in friedlicher Vergessenheit begraben sein wird. So wenigstens wünschen und hoffen wir und mit uns wohl die überwiegende Mehrzahl aller beut« chen Katholiken.

l'chen Kritik zugänglich gemacht, um alle bethei- ligten Kreise rechtzeitig zu Worte kommen zu lassen. An den Verhandlungen nahmen außer den Vertretern der betheiligten Verwaltungs­ressorts Sachverständige aus den verschiedenen Gebieten der literarischen und musikalischen Pro­duktion, sowie neue Sachverständige aus dem Bereiche der literarischen und musikalischen Ver­lage theil. Die Verhandlungen haben wegen ihres lediglich informatorischen Zwecks einen ver- traulischen Charakter.

* An Ireichsmünzen sind in den deutschen Münzstätten im Monate September geprägt worden: Für 12 Millionen Mark Doppelkronen, für 8,2 Millionen Mark Kronen und zwar ledig­lich auf Privatrechnung. Außerdem wurden ge­prägt 483846 Mk. 10 Pfennigstücke, 35 525 Mk. 5 Pfennigstücke und 18 551,52 Pfennigstücke.

Gcjandtcnwechsel beim Vatikan.

Kurz und bündig meldet das halbamtliche Berliner Drahtbureau: „Der preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhle, Wirklicher Geh. Rath von Bülow, welcher sich zur Zeit au Urlaub in Deutschland befindet, wird voraus­sichtlich nicht auf seinen Posten zurückkeh- ren."

Man war auf diesen Rücktritt des Herrn v. Bülow nicht vorbereitet. Freilich war voraus­zusehen, daß er nicht mehr lange auf diesem Posten ausharren werde. Herr v. Bülow ist älter als 70 Jahre, und man nahm an, daß er bald gänzlich aus der amtlichen Thätigkeit ausscheiden werde. Aber, daß dieses Ausscheiden auf diese Art und Weise erfolgen würde, konnte man nicht vermuthen. Was für Gründe mögen zu dieser Entscheidung geführt haben?

Es wird nicht an Versuchen fehlen, den Rück­tritt des Herrn v. Bülow von seinem Gesandten­.posten in Rom in Zusammenhang zu bringen mit dem bekannten Feste, das die deutschen Katho­liken in Rom am letzten Geburtstage des deutschen Kaisers veranstalteten. Und that- sächlich versucht auch die nationalliberale Berliner ^National-Zeitung" bereits eine Täuschung in diesem Sinne, indem sie schreibt: „Herr v. Bülow hattesich . . . beim letzten Geburtstage des Kaisers won den in Rom lebenden deutschen Klerikalen (!) zur Anwesenheit bei einer Demonstration zu Gunsten iber weltlichen Papftherrschaft (!) bewegen lassen, was in Deutschland vielfach mißbilligt wurde." Jedermann weiß, daß das eine Fälschung der ^Thatsachen ist, und zwar so eine plumpe, daß man sich wundern muß darüber, wie sie begangen werden kann von einem Blatte, das ernsthaft ■genommen sein will; und das Mißfallen, das der Kaiser durch den Kanzler den Herren vom sogenannten evangelischen Bunde ausbrücken ließ, weil biese in bem Sinne berselben Fälschung bet Thatsachen den Gesanbten v. Bülow anzuschwärzen versucht hatten, war so beutlich unb unzweibeutig auszebrückt, daß man unmöglich annehmen kann, diese Angelegenheit habe noch nachträglich nach­gewirkt. Damit ist es also nichts.

Es bleibt darum nur eine einzige Frage übrig, mit der man die Abberufung des Herrn v. Bülow in Zusammenhang bringen kann und das ist die neuerdings viel umstrittene Frage von dem Protektorate über die Katholiken im Orient. Ehedem übte Frankreich lange Zeit Hindurch das Protektorat über alle Katholiken im Orient aus, gleich viel, welcher Nation sie angehörten. Dann kam eine Zeit, da kümmerte man sich in Frankreich nicht mehr sonderlich viel um dieses Protektorat, und so machte es sich ganz von selbst, daß die Frage aufgeworfen wurde, ob man denn in Frankreich überhaupt noch Werth darauf lege. Da erwachte auf ein- wal dort die Eifersucht, und man redete und schrieb sich in einen ganz unnöthigen Zorn hinein bei dem Gedanken, daß etwa das Protektorat von Frankreich genommen und auch nur theil- weise an eine andere Macht übergehen könnte. Der Zorn war ganz unnöthig, denn das allge­meine Protekorat wollte niemand den Franzosen streitig machen, und auf der andern Seite werden

Zur Landtagswahl.

7^ Iukda, 11. Okt. Die Vertrauens­männer der Centrumspartei desWahl- $ reifes Hünfeld-Gersfeld waren gestern im Saale der „Harmonie" dahier zusammeuge- kommen behufs Aufstellung eines Kandi­daten für die bevorstehende Landtags­wahl. Herr Rob. Kircher wurde zuP Vorsitzenden gewählt. Derselbe machte zunächst Mittheilung von einem Schreiben des bisherigen Landtags- abgeorbneten für Hünfeld-Gersfeld, des Herrn Kaplans Dasbach-Trier, welcher auf eine Wiederaufstellung feiner Kandidatur für diesen Wahlkreis verzichtet. (Derselbe ist in Trier als Kandidat auf. estellt worden.) Herr Kircher berichtete bann über bie Schritte, welche ber Centralwahl­ausschuß in Verbinbung mit ben Lokalkomitees ber beiben Kreise unternommen habe, um einen geeigneten neuen Kandibaten ausfindig zu machen. Eine größere Anzahl von Personen find dabei in Betracht gezogen worden. Nach reiflicher Prü­fung aller Verhältnisse empfiehlt der Wahlaus­schuß den Vertrauensmännern, den Herrn Ober­förster Kunde-Burghaun als Kandidaten auf­zustellen. Herr Kaude, der als tüchtiger Beamter und als treuer Centrumsmann bekannt ist, hat sich bereit erklärt, die Kandidatur anzunehmen. Bet der Diskussion über diese Kandidatur sprachen eine große Anzahl ber Vertrauensmänner ihre Anschauungen aus unb schließlich wurde Herr Oberförster Kaude einstimmig als Kandidat proklamirt. Derselbe erschien bald nachher in ber Versammlung, bankte für bas ihm barge­brachte Vertrauen unb erklärte, baß sein Pro­gramm bas allbekannte unb bewährte Programm der Centtumspartei sei; er werde sich bestreben, des ihm entgegengebrachten Vertrauens sich würdig zu erweisen. Nachdem man bann noch über bie Agitation sich schlüssig gemacht, würbe die Ver­sammlung geschlossen. — Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß von mehreren Ver­trauensmännern unter dem lebhaften Beifall der Versammlung die großen Verdienste des bis­herigen Abgeordneten, des Herrn Dasbach, betont wurden. Einstimmig wurde beschloffen, solgendes Telegramm an Herrn Dasbach abzusenden: „Reichstagsabgeordneter Dasbach, Trier. Die Vertrauensmännerversammlung des Wahlkreises

»Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Kesug» preis ohne Bringerlohn unb Bestellgeld in Fulda und aus- . «är» IM. 50 Pf.

In den Kergrrr.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

ber für Dich solche Qualen erleibet, biese Bitte nicht ab, komm zu jenem Plätzchen hinter ber Kohlstatt-Quelle, wo Du am Sonntag mir gesagt hast, baß Du meine Liebe erroiberft. Komm, einzig Geliebte, ich erwarte Dich bort auf jeben Fall. Bestimme bie Zeit, ber Bote soll auf Ant­wort warten.

Dein Dich unaussprechlich liebenber, unglück­licher Paul."

Wohl litt Paul unter ber unerwarteten Ent­täuschung, welche ber heutige Morgen ihr ge­bracht hatte, aber Lilian litt taufenbmat mehr.

Sie hatte wohl gehört, als er gegangen war; sie hätte auffpringen unb ihn zurückhalten mögen, aber fester nur drückte sie sich gegen das Kreuz unb merkte es nicht einmal, baß ber kantige Kopf des Nagels, welcher die Füße des Heilandes durchdrang, sich in ihre Stirne bohrte unb sie verwunbete.

Was hatte sie Paul auch sagen können? Durste sie ihm sagen: „Bleib!" Nein, ihr blieb nichts anders übrig, als ihr Herz als ein zucken­des, jedoch williges Opfer zu Füßen desjenigen niederzulegen, der so unendlich viel gelitten hatte.

Endlich erhob sie sich. E.n schmerzvoller Blick glitt über die Stelle, wo er gestanden und die nun leer war. Mechanisch stellte sie die Stühle wieder auf ihren gewohnten Platz und ging zur Mutter, die noch immer in derselben Stellung am Fenster saß.

„Mama," sagte sie mit rührender Sanftmuth, „er ist fort, — es ist aus. Ich bleibe bei Dir."

Kali schaute Frau Holder sie an und lang­sam und trocken, als wollten die Worte nicht von den Lippen erwiderte sie: „Warum denn?

, h Den neuesten Meldungen aus Kiel zufolge ! wird die Ariuzesfin Keinrich dennoch in ber - zweiten Hälfte dieses Monats bie Reise zum

Besuche ihres Gemahls in Ostasien an treten. I Augenscheinlich legt man also ben Vorgängen in • ber chinesischen Hauptstadt vorläufig keine beson- 1 bete Bedeutung bei. — Nach Meldungen aus : russischer Quelle ist der junge Kaiser nicht er« 1 mordet worden, sondern regiert nach wie vor als Kaiser, aber unter der Oberaufsicht seiner

I energischen Pflegemutter.

* Im Stadtschlosse zu Potsdam fand gestern Vormittag in Anwesenheit des Kaisers nnd der Kaiserin die Nagelung und Weihe der Jahve des dritte« Seevalailkous statt. An ber Feier nahmen u. a. theil Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Staatssekretär v. Bülow unb Staatssekretär Tirpitz. Eine Aborbnung Marine- Infanterie war auch zur Theilnahme an ber Feier erschienen. Der Kaiser, welcher bie Uniform des Seebataillons trug, schlug ben ersten Nagel in bie Fahne ein, ben zweiten, bie Kaiserin, banach folgten bie kaiserlichen Prinzen unb bie anberen anwesenden Fürstlichkeiten, ferner Staats­sekretär Tirpitz, Admiral v. Knorr u. A. Im Anschluß an die Feier fand im Mormorsaale die kirchliche Weihe der Fahne durch den evan­gelischen Feldprobst statt. Die Fahne wurde sodann nach dem Lustgarten gebracht, woselbst ein kombinirtes Bataillon des 1. Garderegiments zu Fuß Aufstellung genommen hatte. Es erfolgte hierauf ein zweimaliger Vorbeimarsch vor dem Kaiser.

* Schon mehrfach wurde in der Presse ange­deutet, daß große Derstärkuttge« des Keeres beabsichtigt seien. Neuerdings wird bestimmt ver­sichert, nach dem neuen Plane sollten die neuen Infanterie-Brigaden zur Formation neuer Armee­korps zusammengezogen werden, und zwar von nicht weniger als fechs Armeekorps. Diese Vermehrung der Infanterie würde eine Ver­mehrung der übrigen Truppengattungen nach sich ziehen. Sodann sei beabsichtigt, unter Mitver- roenbung ber 5. Eskabrons ber Kavallerie-Regi­menter 23 neue Kavallerie-Regimenter zu bilben. Diese Maßnahme würbe bebingen eine Mehr- einstellung an Rekruten von 15,000 Mann. Danach würbe also bie Heeresverstärkung 30,000 bis 40,000 Mann umfassen. — Das würbe mit ben Erklärungen des Kriegsministers in schroffstem Widerspruch stehen.

* Im Reichsjustizamte traten heute wegen ber Uevifio« des Urheberrechts bie einge« labenen Sachverstänbigen zusammen. Der Staats- fefretär bes Reichsjustizamts Nieberbing eröffnete bie Verhanblungen mit einer Ansprache, in ber er hervorhob, es hanble sich vorerst um bie Rechls- verhältniffe ber literarischen unb musikalischen Probuktionen Erst nach deren Neuordnung solle )er Schutz ber Werke ber bitbenben Kunst unb ber Photographienschutz einer Revision unterzogen werben. Der Staalssekretär betonte, bie gegen­wärtigen Verhandlungen könnten bei ber Mannig- altigkeit ber in Betracht kommenben Interessen 'eine abschließenben sein. Weitere Verhanblungen mit ben einzelnen Interessentenkreisen seien in Aussicht genommen. Der bemnächst aufzustellenbe Gesetzentwurf werbe voraussichtlich auch ber öffent- ehr gekränkt, mich um meine ganze Besinnung gebracht?! Liebst Du mich benn nicht, bin ich )enn nicht Dein Glück, baß Du mich so leichthin aufgibft? Unb ich setze selbst ben Fall, baß Deine Mutter ihren Entschluß nicht änbern wirb: Du darfst ihrem Eigensinn Dich unb mich nicht zum Opfer bringen wollen; auch mich nicht, hörst Du wohl, Lilian; bas wäre nicht nur Thorheit, bas wäre auch Unrecht, ein Unrecht an bem heiligsten Gefühl, welches Gott selbst in unfern Busen ge­legt hat. Ich verehre unb schätze Deine Mutter, weil sie Deine Mutter ist, aber wenn sie ihren Lebensweg nicht mit bem unfern vereinen will, o barf sich barum boch ber unsere nicht trennen. Wir werben stets ihre treuen Kinder sein, die in > Allem für sie sorgen werden. Die treueste, zu- : verlässigste Person, ein Herz wie Gold will ich . auskundschaften, daß sie bei ihr sein unb ihr nach I kräften bie Tochter ersetzen soll. Süße Lilian, i iehst Du bas ein ? Siehst Du ein, baß Du nicht agen barfst „es ist alles aus", fonbern baß Du 1 mein werben mußt nach bem Zuge unserer Her- i zen, nach Gottes Fügung unb seinem Gesetze? i

Ich will jetzt weiter nicht schreiben, alles i Anbere will ich Dir münblich sagen, vor Allem aber immer wieder das Eine, daß ich Dich liebe, ' unsäglich liebe unb ohne Dich nicht leben kann, i Heute will ich Dich noch nicht wiebersehen, es 1 wirb besser fein für Dich unb mich, daß ich Dir । Zeit lasse, in aller Ruhe zu denken und unsere 1 Sache mit Deiner Mutter zu ordnen. Aber morgen, morgen muß ich Dich sprechen auf jeden Fall. Ich würde zu Dir nach Haufe kommen, aber viel ieber möchte ich Dich vorerst allein sprechen; ich liege vor Dir aus den Knieen, Lilian, schlage mir, :

Deutsches Deich.

Berlin, 10. Oktober.

* Der Entschluß d es Kaisers, die Aeise «ach Aegypleu aufzugeve« unb von Palästina unmittelbar roieber heimzukehren, ist nach einer ;albamllichen Mittheilung nicht in bem Kron- rathe am letzten Freitag, fonbern nachträglich ganz fei bftftänbig vom Kaiser gefaßt worden. Vermuthlich wird nunmehr bie Rückkehr zwischen bem 15. unb 18. November erfolgen.

Jnbessen schon unterwegs sagte er sich, baß er einen Fehler begangen habe, unb nach jeher Cigarette, die er rauchte, ward ihm dies klarer und klarer. Unb wie er sich bann ihr süßes Ge­sichtchen vorstellte unb ben Seelenschmerz, ber in ihren großen stillen Augen so beutlich geschrieben staub, als sie ihn anschaute — bamals zum letz­ten Male — so schalt er sich hartherzig unb grau­sam unb begriff sich selber nicht. Er sprang auf, schleuderte die Cigarette zum Fenster hinaus unb eilte mit wilbenSchritten burch's Zimmer. Dann stanb er roieber still unb stierte zu Boben unb zu guter Letzt nahm er bie Taschentücher, welche sie gewaschen hatte, aus ber Labe, betrachtete sie zärtlich, küßte sie unb bann legte er sie vor sich aus ben Tisch, legte ben Kops barauf unb weinte.

Als seine Erregung sich etwas beruhigt hatte, schrieb er: „Lilian, füße, einzig geliebte Lilian. Du hast mir gesagt: „Es ist Alles aus." Ich kann nichts beulen, nichts fassen, als nur dies (ine Woit, ich kann es nicht begreifen; — ich bin ganz närrisch davon. Närrisch war ich auch, als ich ohne weitere' Aufklärung fortgerannt bin. Jetzt bin ich hier und höre immer nur dies eine und sage mir immer wieder: es kann nicht sein. Du liebst mich ja, es kann nicht aus fein. Deine Mutter sagt, daß sie ihr Haus nicht verlassen, daß sie nicht mit uns gehen wird. Ich hoffe, es war nur im ersten Augenblicke, daß ihr dies ent­fahren'ist; ich hoffe, daß sie ihren Entschluß ändern wird oder fchon geändert hat. Sie wird das Glück ihrer Tochter einer Schrulle nicht opfern wollen; sie kann, sie darf es nicht. Ganz sicher, es ist fo, es kann nicht anders fein. Warum hast Du durch Dein „Es ist Alles aus" mich fo

mü Zlnkerhaktungs-Aeitage „IMstritte Sonntags -Reifung“