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Fuldaer

Zeitung

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mit Ilnterhattungs-Aeikage „IMflrirle Sonntags-Aeitung"

.12 230.

JuLöa, Samstag, den 8. Oktober 1898.

25. Jahrgang.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 8. Oktober.

Nun haben auch die Konservativen, die Leute, die thatsächlich dem Rückschritt huldigen, ihren Wahl­aufruf veröffentlicht. Wer aber von dieser Partei etwas besonders Zugkräftiges und Durchschlagendes erwartet hatte, muß sehr enttäuscht gewesen sein, denn ein lahmeres Schriftstück dürfte selten die Oeffent- lichkeit erblickt haben. Nach der selbstbewußten und zuversichtlichen Haltung, welche die konservative Presse die ganze Zeit hindurch eingenommen, hätte man aller­dings annehmen sollen, der Wahlaufruf werde wenig­stens in etwa dieser Haltung entsprechen. Statt dessen ein so inhaltsleeres und geistesarmes Produkt, daß man unwillkürlich sich sagt: wenn die Parteileitung nichts Besseres zu Stande zu bringen vermochte, hätte sie wahrlich allen Grund, auch in der Presse etwas weniger selbstbewußt aufzutreten, denn mit diesem Wahlaufruf kann sie selbst den „wohlerzogenen" Wäh­lern in Hinterpommern, die sich den Stimmzettel von ihrem Gutsherrn „erbitten", nicht imponiren. $e= Wrden, wie die feudalen Herren sind, nehmen sie Alles, was zum „Besten des Vaterlandes" in der ab­gelaufenen Landtagssession geleistet worden, für sich in Anspruch, denn das „Vaterland" sind eigentlich doch nur sie. Sie hüten sich aber wohlweislich, im Ein­zelnen aufzuzählen, was sie für das „Vaterland", für das Volk, gethan haben; denn etwas wirklich Er­sprießliches vermöchten sie kaum anzuführen. Dagegen verschweigen sie sorgfältig, was sie thatsächlich ge­leistet haben, nämlich die Angriffe, welche sie auf die Volksrechte verübten in den bekannten „Assesioren- paragraphen" sowohl, der eine „Zuchtwahl" der künf­tigen Juristen ermöglichen sollte, wie in der Vereins- gesetz-Novelle, die das ohnehin schon dürftige Vereins­und Versammlungsrecht noch weiter beschränken sollte. Das sind die Hauptthaten der Konservativen, von denen man im Wahlaufruf kein Wort liest. Das Volk steht auf die Thal en, nicht auf Worte. Und da die ThatenderKonservativen gegen diese sprechen, können ste Vertrauen nicht beanspruchen und noch weniger finden. Wenn sie im nächsten Landtag die Mehrheit hatten, würden sie die Regierung zur Wiedereinbrin- gung der erwähnten volksfeindlichen Gesetze, die dann durchgingen, veranlassen, und deshalb ist es Pflicht aller Wähler, die sich nicht selbst die Schlinge um den Hals legen wollen, Alles daranzu- mT",, um Zustandekommen einer konservativen Mehrheit zu verhindern.

Großes Aufsehen erregt ein im sozialdemokratischen .Vorwärts' veröffentlichter Erlaß des Ministers des Innern, welcher unter Berufung auf frühere Ver- fugungen den Polizei beamten zur Pflicht macht, bei öffentlichen Volksaufläufen, wenn die Menge der dreimaligen Aufforderung zum Auseinandergehen nicht Folge leistet, nicht erst Warn- oder Schreckschüsse ab­zugeben, und mit der flachen Klinge des Säbels drein­zuhauen, sondern ohne Weiteres in die Menge scharf zu schießen und scharf zuzuhauen. Die ent- standene Verwunderung und Beunruhigung wird man verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Polizeibeamte in neuerer Zeit wegen Ausschreitungen nn Amte vor Gericht gestellt und bestraft werden, so daß also weit eher eine Mahnung zu weniger schnei­digem Auftreten am Platze gewesen wäre. Dem Mi- "flEer aber scheint das noch nicht zu genügen: er verlangt bei Volksansammlungen ein noch schärferes Auftreten. Welch unabsehbare Folgen eine derartige Verfügung haben, wie dadurch auch das Leben des ruhigen, fried­lichen Staatsbürgers gefährdet, werden kann, liegt auf der Hand, und es ist daher ganz selbstverständlich, daß auch die Volksvertretung sich um die Sache kümmert und im nächsten Landtag die Regierung dieserhalb zur Verantwortung zieht. 73

Die Sozialdemokraten hielten von Sonntag bis Donnerstag ur Stuttgart ihren jährlichenPartei- t a g. Die schwäbischen Genossen haben ihnen dort

einen glänzenden Empfang bereitet, von dem sogar die anspruchsvollen norddeutschen und Berliner Genossen überrascht waren. Der Empfang war schon mehr „bourgeois"-mäßig, mit Festspiel und lebenden Bildern und jedenfalls wenig geeignet, die „Roth der Zeit" bei den schwäbischen „Genossen" hervortreten zu lassen. Auch die Stimmung war eine sehr gehobene und zu­versichtliche, was nach den Erfolgen, welche die Partei bei den jüngsten Reichstagswahlen davontrug, übrigens durchaus begreiflich ist. Allerdings war später, in den eigentlichen Verhandlungen, die Befriedigung über den Wahlausfall keineswegs ungetheilt. Beachtens­werth ist, daß auf dem Parteitage zwei entgegenge­setzte Strömungen zu Tage traten; die eine, welche verlangte, daß die zukunftstaatlichen Endziele des So­zialismus in Zukunft mehr in den Vordergrund gestellt werden sollen, die andere, die sich mehr auf den Boden der thatsächlichen Verhältnisse stellt, den Gegen- w a r t s bedürfnissen des Volkes Rechnung tragen und um den Zukunftsstaat sich nicht weiter kümmern will. Der Gegensatz der Meinungen stellte sich als tief­gehend dar. Allerdings betonte auch Bebel, der die erstere Richtung vertritt, sehr vorsichtig, daß man sich auf eine Einzelschilderung des Zukunftsstaates nicht einlassen dürfe — die Herren fühlen, daß sie dann den Boden unter den Füßen verlieren würden, gestehen damit aber auch zu, daß sie das Volk beschwindeln, wenn sie ihm ein Paradies auf Erden in Aussicht stellen. Interessant war auch das Zugeständniß, daß die „Genossen" in katholischen Gegenden immer noch nicht viel aus richten könnten, und daß der Bauer, so lange er etwas besitze, für die Sozial­demokratie nicht zu gewinnen sei. '

In Oesterreich hat die Ausgleichs-Angelegen­heit eine überraschende Wendung genommen. Be­kanntlich ist am 26. September der Reichsrath zu­sammengetreten, der den Ausgleich parlamentarisch er­ledigen soll. Nun hatte die Regierung darauf gerechnet, daß die deutsche Opposition des Reichsraths ihre Ob- struktions-, die Widersetzlichkeitspolitik, fortsetzen und so die Verabschiedung der Ausgleichsvorlage verhindern werde. Dann wollte sie, die Regierung, nach einer mit der ungarischen Regierung getroffenen Abmachung die Ausgleichsfrage im Wege des berühmten Noth- paragraphen 14 der Verfassung durch kaiserliche Ver­ordnung erledigen, und es wäre damit Oesterreich der diesem äußerst ungünstige Ausgleich aufoktroyirt worden. Diesen Plan aber durchschaute und durchkreuzte die Opposition dadurch, daß sie gegen die Berathung der Ausgleichsvorlage keine Obstruktion treibt, sondern an derselben sich betheiligt. Die Folge davon wird die Ablehnung des Ausgleichs sein, den Ungarn auf Kosten Oesterreichs Vortheile gewähren will, und den deshalb auch ein Theil der Reichsrathsmehrheit ver­wirft. So kann der österreichische Ministerpräsident Graf Thun sein der ungarischen Regierung gegebenes Versprechen: den Ausgleich vom Reichsrath genehmigen zu lassen, nicht halten, und er müßte somit eigentlich zurücktreten. Er soll auch dem Kaiser sein Entlassungs­gesuch eingereicht, dieser aber es zurückgewiesen haben. So bewegt sich diese Unglücksfrage fortwährend in einem verhängnißvollen Kreise herum, und kein Mensch weiß, wie ein Ausweg aus dem Labyrinth gefunden werden soll. Kommt der Ausgleich in diesem Monat nicht zu Stande, so ist bekanntlich die ungarische Re­gierung berechtigt, ihr Zoll- und Abgabenwesen selbst- tändig zu ordnen. Das aber wäre für Oesterreich weniger schlimm, als die Annahme des ungünstigen Ausgleichs. Man sollte die anmaßenden Magyaren ruhig sich selbst überlassen; nicht Oesterreich, sondern ie selbst würden den größten Schaden davon haben.

In Frankreich ist in der Dreyfus-Ange­legenheit augenblicklich insofern etwas Ruhe cin- getreten, als alles der Entscheidung des Kassations­hofes harrt, vor welcher weitere Schritte nicht ge- chehen können. Die Entscheidung wird gegen Ende dieses Monats erwartet. Inzwischen prügeln die An­hänger und Gegner der Revision des Prozesses sich in Varis herum; so am letzten Sonntag, wo sie sich eine örmliche Schlacht mit etwa 60 Verwundeten lieferten. Wenn das so fortgeht, ist es leicht möglich, daß noch vor der Entscheidung des Kassationshofes die Welt eines Morgens mit der Nachricht überrascht wird, daß die Regierung gestürzt, die Republik beseitigt und ein Militärregiment an deren Stelle getreten sei. Alle Voraussetzungen dazu sind vorhanden.

Ueber die chinesischen Umwälzungenistimmer noch nicht volle Klarheit verbreitet; man weiß nicht, ob der reformfreundliche Kaiser noch lebt, oder, wie mehrfach berichtet wird, ermordet worden ist. Alle seine Anhänger und Rathgeber in hohen Aemtern aber sind abgesetzt oder verbannt und Leute an deren Stelle gesetzt, die er früher aus ihren Aemtern entfernt hatte. Die englische Regierung, die, wohl nicht mit Unrecht, alles dies mehr oder weniger gegen sich gerichtet glaubt, scheint, nun nach den neuesten Nachrichten der neuen chinesischen Regierung sich nachdrücklich „in Erinnerung bringen" zu wollen. Sie soll eine scharfe Note nach Peking gerichtet haben, und wenn diese Note durch einige Kriegsschiffe unterstützt wird, dürfte der chine­sische Widerstand rasch ein Ende nehmen.

N? Zur Fleischnoth

bringt die halbamtliche .Nordd. Allgem. Zeitung' eine längere Darlegung auf Grund amtlichen Materials. Das Ergebniß dieser amtlichen Auf­zeichnungen richtet sich gegen diejenigen, die der Ansicht sind, oder die Behauptung aufstellen, es herrsche gegenwärtig in Deutschland „eine Fleisch­noth, welche durch unnöthige, lediglich zum Vor- theil der Landwirthschaft aufrecht erhaltene Grenz­sperren . . . verursacht werde". Nicht mit Un­rechtsagt das offiziöse Blatt: „Wenn die G renz - sperren die Ursachen eines solchen Mangels wären, so müßte sich ein entsprechender Rückgang in der Einfuhr von Schlachtvieh und Fleisch aus dem Auslande konstatiren lassen." Aber die amtliche Statistik spricht für das Gegentheil, nämlich für eine Vermehrung der Einfuhr im Jahre 1898 im Vergleiche zum Vorjahre.

Die Ziffern, die als Beweis dafür von der .Nordd. Allgem. Ztg.' angeführt werden, sind die folgenden: es wurden nach Deutschland vom Aus­lande eingeführt während der ersten acht Monate des Jahres

1897:

Ochsen, Kühe, Stiere 78477

Jungvieh 46416

Kälber 11209

Schweine 61026

Rind- und Kalbfleisch 33 881 Schweinefleisch einschl.

Wurst,Speck u.Schink. 189370

1898:

Stück 70886 Stück,

„ 38242 „

„ 13241 „

„ 48 6a6 „

Doppelz. 89591 Doppelz.,

„ 388 210 „

Die Einfuhr von Fleisch und Fleisch- w aare n ist in diesem Jahre also so außerordent­lich gestiegen, daß sie den Ausfall an einge­führtem lebendem Vieh nicht nur ausgleicht, son­dern daß jwährend der ersten acht Monate des Jahres 1898 das Gesammtgewicht alles ein­geführten lebenden Viehes und aller Fleischwaaren das entsprechende Gesammtgewicht während der ersten acht Monate des Vorjahres übersteigt. Rechnet man das Durchschnittsgewicht für Ochsen, Kühe und Stiere zu 8 Centner, für Jungvieh zu 6 Centner, so ergeben die in 1898 weniger ein­geführten (7591-1-8174:) 15 765 Stück Rindvieh ein Gesammtgewicht von 54 886 Doppelcentnern Rindfleisch. Dieser Ausfall an lebendem Vieh wird aber mehr als gedeckt durch die Mehrein­fuhr von 55 710 Doppelcentnern Rind- und Kalb­fleisch in diesem Jahre. Macht man dieselbe Berechnung für Schweine und Schweine­fleisch, so erhält man das überraschende Er­gebniß, daß die Gesammteinfuhr davon für die ersten acht Monate des Jahres 1898 diejenige des Vorjabres um nicht weniger als 180 285 Doppelcentner übersteigt. Bei dieser Berechnung liegt das Durchschnittsgewicht von 3 Centnern für ein lebendes Schwein zu Grunde.

Daß die Preise im Großhandel nicht gestiegen, sondern in diesem Jahre sogartheil­weise niedriger gewesen sind als in den Jahren vorher, ist an dieser Stelle bereits ziffernmäßig dargethan worden. In der,Nordd. Allgem. Ztg.'

Der TonflnuKler und sein Kofcnkratu.

In Weidenwang, einem kleinen Dorfe der Oberpfalz, ward im Jahre 1714 ein gar talent­voller Junge geboren, Christoph Gluck mit Namen. Die schönen Tage seiner Jugend flössen in Un­schuld dahin, und seine unbemittelten Eltern — Förstersleute — erlebten nur Freude an dem Kleinen. Vorzüglich sah man denselben auch gern im naheliegenden Kloster; dort diente er mit vieler Andacht oft den Ordenspriestern am Altäre, und besonders brauchte man ihn in der Kloster- nrche als Sänger; er hatte nämlich eine wunder- uebciche, Helle Stimme, und rein wie Gold drang diese durch, mochte er im Chore der Mönche die ernsten Tagzeiten mitsingen, oder mochte er allein irgendwie den Vorsänger bilden. Oesters mußte er nämlich ganz allein die Litanei vorsingen, wahrend die Mönche und andere fromme Beter in der Kirche mit Andacht antworteten. Bald sprach man in der ganzen Umgegend von seiner engelreinen, prächtigen Stimme, und wurde ge­rade die Litanei von ihm vorgesunqen, dann eilte alles zur Klosterkirche.

Da mußte man den Knaben selbst sehen und hören, wie er namentlich die lauretanische Litanei

mit rührender Andacht vorsang; dann erklang es laut und innig: Sancta Maria, Mater Christi, Regina angelorum, und der fromme Knabe sang jeden neuen Gruß an die Gottesmutter mit stets erhöhter Andacht; ihm rannen in solchen Augen­blicken immer die Thränen freudiger Rührung über die gerötheten Wangen. Auch im weiten Gotteshause war es ganz still, und die zahlreichen Zuhörer wurden oft genug bis zu Thränen gerührt durch den herrlichen Gesang des Knaben.

Einstens sah und hörte ihn auch mit vielem Staunen ein frommer Ordensbruder; kaum war der Gottesdienst beendet, da wartete er schon auf den kleinen Vorsänger an der Kirchenthür, und als derselbe kam. drückte er ihn merkwürdig ge­rührt an seine Brust, gab ihm einen Rosenkranz und sagte:, „Sieh', liebes Kmd, dies ist Alles, was ich Dir geben kann; aber versprich mir dach, daß Du all; Tage Deines Lebens einmal diesen Rosenkranz beten willst, und ich glaube, ja, ich bin überzeugt, daß Da noch ein berühmter Ton­künstler wirst."

Der kleine Christoph versprach in kindlicher Einsalt und Folgsamkeit, er wolle gern den Rosenkranz täglich beten, und darüber freute sich

der arme Ordensbruder gar sehr. Und merk­würdig, als der Knabe größer wurde, da fügte es Gott stets, daß derselbe trotz der Armuth seiner Eltern den besten Unterricht in der Musik erhielt; gleichsam immer im Dienste anderer stehend hatte er doch die schönste Gelegenheit zur eigenen Fortbildung. Längere Zeit war er in Prag bei einem vorzüglichen Lehrer der Musik; dieser er­nannte bald die herrlichen Anlagen seines Zög­lings und bildete ihn mit vieler Freude so weit aus, daß er fast seinem Lehrer gleichkam. Da reifte ein hoher Würdenträger der Kirche nach Rom, um dort herrliche Stücke der Kirchenmusik zu sammeln, und — o glückliche Fügung! — er nahm als Sekretär den jungen Christoph mit.

Dieser war nun unvermuthet in die ewige Stadt versetzt und damit an die Wiege der Herr­ichen Künste; er konnte täglich die Werke der berühmtesten Tonkünstler studiren und den Unter­richt ausgezeichneter Meister hören, und das that er mit solchem Erfolge, daß er bald selbst die herrlichsten Stücke herausgab und dadurch schon damals seinen Namen berühmt machte.

Doch ihm gefiel die zu dieser Zeit in Italien herrschende leichte Richtung nicht, er kehrte nach Deutschland zurück und wurde der Vorkämpfer

wird nunmehr ein ausgiebiges Material beige­bracht als Beweis für die Richtigkeit dieser An­gabe. Als Grund für die gegenwärtige Agitation wird angeführt, daß „das Fleischergewerbe die Einfuhr von Fleisch anstatt oott lebendem Vieh nicht gern sieht. . . Die Fleischer erleiden in demselben Maße eine Ein­buße an Arbeit und Verdienst, in welchem markt­fertiges Vieh vom Auslande eingeführt wird." Vor der Hand aber darf nach der erwähnten halbamtlichen Darstellung an die Oeffnung aller Grenzen für die Einfuhr lebenden Viehes nicht gedacht werden. „Eine Aufhebung der Schutzwehr gegen Einschleppung neuer Krankheits-Keime würde das deutsche Volk sehr schnell um das Erreichte bringen und dann wohl die Fleischnoth ... in Wahrheit herbeiführen."

Vermischtes.

* Was koket jdre Vernichtung der Seide« spanifchen Itotten? Diese interessante Frage — vom Ordonanz-Amt der Vereinigten Staaten nach den an- gestellten Erhebungen dahin beantwortet, daß die Kosten der bei der Zerstörung der beiden Flotten aufgewendeten Munition nicht ganz die Summe tum 150000 Dollars erreichen. Davon entfallen gegen 100 000 Dollars auf die Zerstörung sder Flotte Cerveras. Welchem furcht­baren Hagel von Geschossen diese ausgesetzt war, ergibt sich daraus, daß das Schiff „Brooklyn" 100 8zöllige, 473 Szöllige, 1200 sechspfündige und 200 Ipfündige Ge­schosse abfeuerte. Zur selben Zeit überschüttete die „Oregon" die spanischen Schiffe mit 36 13zölligen, 145 8zölligen, 41 6zölligen, 1564 6pfündigen und 141 1 pfun­digen Kugeln. Die „Iowa" schleuderte 31 12zöllige 35 8zöllige, 251 4zöllige 1056 6pfündige und 100 Ipfün­dige, die „Texas" 8 12zöllige, 97 6zöllige, 400 6pfündige und 331 Ipfündige Geschosse. Das Boot „Gloucester", welches die beiden spanischen Torpedoboote zerstörte, feuerte 589 6pfündige und 783 3pfündige Kugeln ab.

* Gin Hut für 20 Markt In Hönefos, einem bekannten Ausflugsorte unweit der norwegischen Resi­denz, wurde kürzlich mit obrigkeitlicher Genehmigung ein auf 100,000 Mark eingeschätztes Gut verloost. Ein armer Arbeiter in Drontheim, der mit seinen Ersparnissen ein Loos zum Preise von 20 Mark erstanden hatte, ist der glückliche Gewinner.

* AeKraste Hntmitttzigkeit. Bertheidiger (zum Angeklagten): „Was meinen Sie, habe ich nicht für Sie gesprochen, als ob Sie mein eigener Sohn wären?" — Angeklagter: „Ist das auch so ein Lump?"

* Wißverftändnitz. Gnädige Frau: „Was sehe ich, Heinrich, Sie setzen sich mit der Ziehharmonika zwischen die Gartenbeete?" Diener Heinrich: „Gnädige Frau haben mir doch gesagt, ich habe auch für die Unterhaltung der Beete Sorge zu tragen."

* Schön verglichen. Unteroffizier: „Maier, morgen zieh'n Sie zum ersteninale auf Wache am Pulverthurm. Wie der Koloß von Rhodus gewissermaßen steh'n Sie da mit einem Fuß im königlichen Dienst, mit einem im Arrest und mit einem im Jenseits! — Also aufgepaßt!"

* Eine praktische Frau. Bettlerin: „Haben Sie nicht vielleicht einen alten Hut für mich?" — Hausfrau: „Die lege ich zurück, bis sie wieder modern werden."

* Verlockend. Bauer (beim Kirchweihfest, zum jungen Landarzt): „Herr Doktor, spenden S' a Faßt Freibier — nacha sollen S' sehen, was es für a Meng' Patienten gibt."

Gottesdienstordnmrg in Fulda.

Sonntag, 9. Okt. Dom. 5'/-, 6, 6^/« u. 7'/-Uhr hl. Meffen, 6'-'s Uhr hl. Messe und Kommunion der Christenlehrschülerinnen, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, ll/i Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Predigt und Andacht in der Marienkapelle. Dompf. Mütter - Verein. Während der 6 Uhr - Messe hl. Kom­munion, 23 < Uhr Andacht und Predigt. — Stadtpfarr­kirche. 51/« Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 91;, Uhr Hoch­amt und Predigt, 11 und 1'/- Ubr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn, 8 Uhr Abends Rosenkranzandacht. — Michaels Kirche 10 Uhr hl. Messe. — Pfarrkirche pim ht. Geiste. 8 Uhr Hoch­amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Sodali- dät ’/slO Uhr. — Frauenberg. 5 und 6'/- Uhr hl. Messen, 8 Uhr hl. Messe mit Rosenkranzandacht, 9 Uhr Hochamt, l’/i Uhr Krcuzwegandacht mit Predigt.

gegen die auch in Deutschland herrschende aus- geartete italienische Opernmusik.

Bald erreichte Gluck, seit 1754 Kapellmeister am Hofburgtheater zu Wien, seinen höchsten Ruhm, und fand — neben vieler Bekämpfung — auch große Bewunderung; feine neuen Stücke wurden mit stets steigendem Beifall ausgenommen.

Aber der Künstler verlor bei aller Weltehre nicht den frommen Sinn der Jugend; oft fah man ihn im Hause Gottes und am Tische des Herrn tnieen; täglich betete er auch den Stofen« ranz, wie er vor vielen Jahren dem armen Klosterbruder bei der Klosterkirche feiner Heimath es versprochen hatte.

Merkwürdig, der Astronom, welchem stets der gestirnte Himmel die Herrlichkeit Gottes verkündet, und der Tonkünstler, den die lieblichen Weisen )er Musik zur Andacht stimmen, sie sind oft romme Seelen, die Gott und das Gebet lieben.

Gluck war 63 Jahre alt geworden und noch ganz rüstig. Er hatte die heiligen Sakramente empfangen; gesund legte er sich Abends zu Bett, aber der Tod kam gleich dem Diebe in der Nacht; man sand den großen Künstler am andernMorgen nur mehr als Leiche. In den gefalteten Händen hielt er noch den Rosenkranz, ihn betend war er gestorben.