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für Inserate"j. parzeller in Fulda. ' mit Anterhaltungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgalle Nr. i tvarmonie).

M 228.

JuLöcr, Donnerstag, den 6. Oktober 1898

25. Jahrgang

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auf die

Fuldaer Zeitung nebst der Wochenbeilage ,Jll«strirte Sonn­tags-Zeitungs für das 4. Quartal 1898 werden zu jeder Zeit von allen Postan­stalten, den Landbriefträgem, Zeitungsträgern sowie in unserer Expedition (Harmonie) an­genommen.

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K Nochmals der Waffengebrauch der Polizei.

Die Anordnungen des Herrn Ministers von der Recke über den Waffengebrauch der Polizei lauten ganz allaemein. Es ist nicht darin gesagt, in welchen Fällen etwa zunächst Milde zu walten habe, wie die Polizei sich verhallen soll, ehe sie von der Waffe Gebrauch macht. Vielmehr wird zunächst die Erfurter Polizei getadelt, daß sie bei den Straßen - Aufläufen nicht so­fort von derWaffe wirksamen Gebrauch gemacht habe; und nachher wird gesagt, daß bei „der­artigen bedauerlichen Vorgängen. . . .unter keinen Umständen ein Zweifel darüber ge­lassen werden darf, daß die Polizei - Behör­den . . . . von den gesetzlichen Machtmitteln mit voller Entschiedenheit Gebrauch machen". Es soll „sofort wirksamer Gebrauch von der Waffe gemacht werden", nachdem die her­kömmliche dreimalige Aufforderung, sich zu ent­fernen, keinen Erfolg gehabt hat. „Muß von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden, so hat dieses auch in vollem Maße einzutreten, und sind vor allen Dingen auch die sogen. Schreckschüsse über die Köpfe der Volksmenge hinweg zu unter­lassen . . . . Die Polizei-Beamten haben bei der Anwendung der Hiebwaffe nicht mit flacher, sondern mit scharfer Klinge einzuhauen."

Ohne Zweifel gibt es Fälle, in denen die Sicherheits-Mannschaften im vollen Umfange von ihren Waffen Gebrauch machen müssen. Auch 'n den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die sich so gern damit rühmen, daß sie das freieste Land der Erde seien, kommt man ohne diesen Waffengebrauch nicht aus, und gerade dort pflegt man besonders „wirksam" die Waffen anzuwen­den, wenn das überhaupt nothwendig wird. Aber dagegen soll hier nichts gesagt sein. Aber der 'Erlaß des Herrn Ministers des Innern geht an Schärfe über die Bestimmungen hinaus, die für solche Fälle beim Militär und bei der Gensdarmerie gelten; und außerdem ist seine Gntstehungs - Geschichte nicht unbedenklich.

Der Herr Minister sandte seine Anordnungen über den Waffengebrauch der Polizei zunächst nur an die Regierung in Erfurt, weil nach seiner Ansicht oder nach den ihm vorliegenden Berichten die Polizei nicht schneidig genug gegen die Erfurter Muhestörer vorgegangen sein sollte. Aber im Laufe der Gerichts - Verhandlungen, die den Erfurter Straßenunruhen folgten, hat sich eher das Gegen- theil davon ergeben; und sehr glaubwürdige Zeugen, so z. B. der protestantische Pastor K ö h -

In den Sergen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

20 ------ (Nachdruck verboten.)

„Jetzt gleich schon ?" erwiderte Lilian erschrocken, .„nein, heute noch nicht. Die Mutter könnte nicht einverstanden sein und ich wäre dann nur eine Stunde glücklich gewesen."

„Glaubst Du, Deine Mutter könnte nicht einverstanden sein? Was könnte sie gegen meinen Antrag einzuwenden haben?"

„Nichts, gar nichts," sagte sie hastig; „ich sage mir ja selber, daß es nicht sein kann, daß sie es auffassen muß wie ich, als ein Glück so proß und unerwartet, daß man gar nicht zweifeln kann, daß der liebe Herrgott selbst es mir gesandt hat. Aber weißt Du," sprach sie, indem sie stehen blieb und ihn mit innigem Blick anschaute, „wenn das Glück gar so unendlich und gar so unerwartet ist, so fürchtet sich das Herz doppelt, daß es nicht entschwinde. Laß mir Zeit, mich an Gedanken zu gewöhnen."

„Wenn Du es wünschest," antwortete er, „will ich Dir gehorchen, obschon ich nicht einsehen kann, daß es bester sei."

„Unb auch für Dich ist es besser," fuhr sie eifrig fort, „Du kannst Dich während dieser Tage noch prüfen und überlegen, ob Dein Herz auch dem, was Du in überwallendem Gefühl mir ge­sagt hast, voll und ganz zustimmt und es halten kann voll und ganz. Ich bin nur ein armes, schlichtes Mädchen jetzt, eh' Du Mama gefragt hast, ist's noch Zeit, den Jrrthum einzusehen, aber wenn die Ueberlegung und die Reue zu

ler und der Gemeinde - Aelteste Kramm in Erfurt, haben in ganz bestimmter Weise aus­gesagt, daß die Polizei-Beamten rücksichts­los auf Alles losschlugen, auch auf ganz harmlose Leute. In dem Erfurter Falle scheint es doch also die Sicherheits- Mannschaft gar nicht an der erforderlichen Schneid haben fehlen zu lassen, und wenn man den Erlaß der preußischen Herrn Ministers des Innern mit dieser Thatsache in Zusammenhang bringt, so gelangt man zu dem Schluß, daß dem Herrn Minister auch dieses „schneidige" Vorgehen der Polizei in Erfurt noch nicht „schneidig" genug war. Augenscheinlich ist es auch erst nach den Erfurter Gerichtsverhandlungen gewesen, daß der Erlaß des Ministers verallgemeinert wurde für alle Behörden. Also trotz der überraschenden Zeugenaussagen in Erfurt erging der Erlaß nachträglich an alle Behörden. Er wurde ver­allgemeinert, obwohl der Herr Minister die Erfurter Gerichtsverhandlungen kennen mußte, nicht etwa ohne Kenntniß dieser Verhandlungen. Und dieser Umstand sieht bedenklich aus.

Das andere Bedenkliche ist die außer­ordentliche Schärfe des Erlasses selbst. Nochmals sei es betont, daß hier nicht entfernt dem Grundsätze widersprochen werden soll, daß in einem geordneten Staatswesen unbedingt die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten werden muß. Aber man wild mindestens eigenthümlich von der Thatsache berührt, daß derartige Ver­ordnungen eines Civilministers sogar die mili­tärischen Bestimmungen für solche Fälle an Schärfe noch übertreffen. Diese Bestimmungen stammen aus dem Jahre 1837 und waren der damaligen Schußwaffe angepaßt, die in ihren Wirkungen lange nicht so verheerend war, wie die Schußwaffe der Gegenwart; und deswegen erheben sich heutzutage stets von neuem bedenk­liche Stimmen mit der immer dringenderen Frage, ob jene alten Bestimmungen von 1837 für das Militär angesichts der neuen Schußwaffen nicht ein?r Aenderung bedürfen. Und da erscheint nun der preußische Minister des Innern auf dem Plane und gibt für die Polizei An­ordnungen über den Gebrauch der Waffen, die an Schärfe diejenigen für das Militär noch übertreffen. Namentlich wird in diesen militärischen Bestimmungen die sehr ver­ständige Anordnung getroffen, daß „der Zeit­punkt, wenn der Waffengebrauch eintreten soll und die Art und Weise einer Anwendung von dem handelnden Militär jedesmal selber erwogen werden muß." Von der Nothwendig- keit, in jedem einzelnen Falle erst genau die maß­gebenden Umstände zu erwägen, ehe man den Säbel hauen und die Flinte schießen läßt, weiß dagegen die Verordnung des Herrn Ministers v. d. Recke kein Wort zu sagen. Danach soll in allen Fällen sofort von der Waffe „wirksamer Gebrauch" gemacht werden, und diese rücksichtslose Verallgemeinerung ist das zweite Bedenkliche an der Verordnung des Herrn Ministers.

Diese ist, es sei hier nochmals gesagt, ganz der Art, daß sie eingehende parlamentarische Be­sprechung unmittelbar herausfordert.

spät käme, so müßten ja Mamas Worte wahr werden, daß das höchste Glück nur die Quelle der größten Schmerzen ist.

„Lilian, liebst Du mich wirklich, daß Du so zu mir sprechen kannst," fragte er stehenbleibend.

„Ja, ich liebe Dich so sehr, daß ich vor mir selbst erschrecke," antwortete sie und in den sanf­ten dunkeln Augen, die sie voll auf ihn gerichtet hielt, schimmerten Thränen.

„Wenn ich Dich lassen müßte, müßte ich mein ganzes Erdenglück lassen, aber der Gedanke an Erdenglück hat mir stets so fern gelegen, wie ein unerreichbarer Stern, und nie hätte ich ge­glaubt, daß er sich auf mein Haupt hernieder­lassen würde. — Auch diesen Ring darf ich hier an meinem Finger nicht tragen, eh' meine Mutter ihr Jawort gab," fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, „aber trennen mag ich mich drum doch nicht von ihm. Hier neben der Marien- medaille, die ich im Pensionat erhielt, soll er hängen," damit zog sie ein blmseidenes Bänd­chen, an welchem eine silberne Medaille mit dem Bildniß der Muttergottes, ein Symbol der Marienkinder, hing, am Halse hervor, löste die Schlinge und nachdem sie den Ring daran ge­schoben hatte, schob sie das Ganze wieder hinein. „Hier soll er ruh'n, und die Muttergottes soll ihn schützen."

Als sie an die Stelle kamen, wo der Weg rechts zurück nach Oetz und links am See vorbei rach Pieburg führt, sagte sie:

„Geh' Du jetzt hier hinab, ich eile nach Hause so schnell mich meine Füße tragen."

„Und wann soll ich kommen, um Deine Mutter um Deine Hand zu bitten?"

Deutsches Deich.

Berlin, 5. Oktober.

h Der kaiserliche Kofhatt, der bekanntlich aus Gesundheitsrücksichten das Neue Palais bei Potsdam zunächst verlaffen muß, wird nach der Rückkehr des kaiserlichen Paares aus dem Orient nach dem Stadtschloß in Potsdam verlegt werden. Es sollen demnächst Arbeiten unter­nommen werden, um den Grundwasser-Spiegel am Neuen Palais tiefer zu legen. Man hofft diese Arbeiten mit vollem Erfolge ausführen zu können. Das Neue Palais mit seiner Umgebung ist in jeder Beziehung so wunderschön, daß diese Wünsche allgemein getheilt werden. Wien und Paris haben nichts aufzuweisen, das dem Neuen Palais und seiner Umgebung an Schönheit gleichkäme.

-s-Die Nachricht von der Kttlferrdrmg eines deutsche« Kriegsfahrzeuges von Kian« tschou nach Taku ist richtig gewesen. Taku liegt an der Mündung des Flustes Pei-Ho und damit auch der Zufahrt zur Hauptstadt Peking. Der deutsche Gesandte in Peking, Baron Heyking hat um die Entsendung eines Kriegsschiffes dorthin gebeten und hinzugefügt, daß er die Anwesenheit einer Abtheilung deutscher Marinesoldaten in Peking für nothwendig erachte. Von Kiautschou ist daraufhin der Kreuzer „Kaiserin Augusta" nach Taku entsandt worden.

X Sehr angenehm berührt wird man von einer Nachricht, die geeignet ist, manche Bedenken und Besorgnisse zu zerstreuen, die in weiten Volkskreisen gegen den neuesten Afrika-Kurs unserer Reichsregierung sich zu regen begannen. Herr Dr. Leyds nämlich, der Gesandte der Trans­vaal-Republik, trifft am heutigen Mittwoch hier in Berlin ein, um sein Beglaubigungs­schreiben zu überreichen; und er wird zu diesem Zwecke vom Kaiser empfangen werden. Herr von Bülow, der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, wird dieser Audienz beiwohnen, wodurch angedeutet wird, daß ihr eine politische Bedeutung beigemessen wird. Ein solcher Em­pfang des Vertreters von Transvaal durch den deutschen Kaiser selbst ist der beste Beweis dafür, daß die Berliner Reoierung nicht die Absicht hat, die südafrikanische Republik vor den Kopf zu stoßen, und daß die Darstellung von der schroffen Abweisung des Dr. Leyds durch Geheimrath von Derenthall im Auswärtigen Amte entweder falsch gewesen ist, oder mindestens solche Be­handlungsweise des Gesandten nicht von der maßgebenden Leitung unserer auswärtigen Politik beabsichtigt war. — In Transvaal selbst rüstet man sich augenscheinlich auf außergewöhn­liche Ereignisse. Der ,Volksraad' von Trans­vaal beschäftigte sich am letzten Dienstage mit dem Militärgesetze, das Transvaal und der Oranje-Freistaat im Falle eines Angriffes gegen eines der beiden Länder zu gegenseitigem bewaffnetem Beistand verpflichtet. General Jou­bert befürwortet warm die Annahme dieser Militär - Konvention, denn es könne „niemand wissen, welche Verlegenheiten der Republik in nächster Zeit beschieden sein könnten. Der,Volks- raab' hat danach auch beschlossen, die Konven­tion einstweilen anzunehmen; und man bringt

lieber Lilians Gesicht huschte ein Schatten. „Heute ist Sonntag, Mitte der Woche vielleicht."

„Noch drei volle Tage! Das halte ich nicht aus, bann muß ich Dich unbebingt inzwischen noch sehen und sprechen. Sage, wann unb wo, liebe, süße Lilian, sage mir."

Er hatte ihre Hand erfaßt und fein Gesicht war ganz nahe bei dem ihrigen.

Sie kämpfte einen schweren Kamps; sie ver­langte ja selbst mit allen Fibern ihres Seins nach den Seligkeiten, wie tue jetzt vergangene Stunde ihr gebracht hatte, aber doch sagte sie nein. „Nein, Paul, es darf nicht sein; komme einen, komme zwei Tage früher zur Mutter, aber so wie heule dürfen wir uns nicht mehr wieder- seh'n."

Damit drückte sie feine Hand aufs innigste, sah ihm zärtlich in die Augen und wollte fort, doch er riß sie an sich und drückte sie fest an fein Herz, bis sie entrüstet und doch glücklich über Stock und Stein dem Seeufer zuflog.

9.

Fräulein Stella befand sich auf dem Balkon, welcher an ihr Zimmer anschloß und von wo man eine entzückende Aussicht auf das schmale, von der wildschäumenden Ache durchströmte Wiesenthal genoß.

Sie hatte dort einen Riesenschirm aufstellen lassen in der Art, wie ihn die Obsthöckerinuen haben, die an den Straßenecken ihre billigen Leckerbissen feilbieten. Das machte sich originell und höchst effektvoll, zumal wenn nicht eine dicke Frau „Sopherl vom Naschmai kl," sondern eine gefeierte Sängerin darunter steckte. Stella thronte ja auch keineswegs, wie jene gethan haben würde.

diesen Beschluß mit Befürchtungen in Zusammen­hang, daß Verwickelungen wegen der Delagoa- Bai entstehen könnten. Es wird berichtet, daß England die Verwaltung der Zölle, Tele­graphen und Eisenbahnen im Gebiete der Delagoa- Bai binnen neun Tagen übernehmen werde. Die Sitzungen des Vottsraads sind geheim ge­halten woroen. Gleichzeitig ist die Republik mit einem Vertreter des Bankhauses wegen einer Anleihe von 120 Millionen Mark in Unter­handlung getreten.

* Nach einer Meldung aus halbamtlicher Quelle ist nunmehr in Berlin die Einladung Italiens eingetroffen zur Theilnahme an einer Konferenz öeHnfsAvrvehr der anarchistische« Gefahr. Aber auch in dieser amtlichen Ein­ladung sind keine Vorschläge enthalten über Ort, Zeit und Programm der Konferenz.

x Die Meichskommisfio« für Arveiter- statistik wird im bevorstehenden Monat No­vember zu einer Berathung zusammentreten. Da ein Theil der Mitglieder der Kommission vom Reichstage gestellt wird, muß dieser Theil nach jeder Neuwahl zum Reichstage von neuem gewählt werden. Aber für diese Berathung im Monat November gilt noch die alte Zusammen­setzung. Erst nach seinem Zusammentritte kann der neue Reichstag seinen Theil Mitglieder neu in die Kommission entsenden. Im Allgemeinen bleibt es natürlich bei den alten Vertretern, so weit dies angeht und diese eine Neuwahl dazu annehmen. Es handelt sich nur um den Ersatz für solche Herren, die entweder nicht mehr in den Reichstag gewählt wurden oder ein neues Man­dat für die Kommission für Arbeiterstatistik ab­lehnen. Der andere Theil der Kommissionsmit- glieber wird vom Bundesrathe entsandt, den Vor­sitzenden ernennt der Kaiser.

* An den preußischen Universitäten ist am 1. Oktober die bekannte Verordnung in Kraft getreten, daß der medizinische Doktorgrad fortan nur an approbirte Aerzte verliehen werden darf. Die anderen deutschen Bundes­staaten gedenken darin nachzusvlgen. Zunächst hat der bayerische Kultusminister die medizi- schen Fakultäten der drei bayerischen Hochschulen zu einem Gutachten darüber aufgefordert, ob es zweckmäßig sei, den Midizinern die Erwerbung des Doktor-Titels erst nach absoloirtem Staats­examen zu gestatten. Die Antworten lauteten übereinstimmend dahin, daß es wünschenswerth sei, nur approbirte Arzte zum Doktor - Examen zuzulassen. Um indessen gewisse Härten zu ver­meiden, wird in Bayern die neue Bestimmung in diesem Wintersemester nach nicht in Kraft treten.

* lieber die Sersonakreform im innere» Sostdieuste werden jetzt nach Informationen von amtlicher Stelle folgende Mittheilungen ge­macht: „Die Annahme van Postgehilfen erfolgt künftig nur in beschränktem Maaße; die Be­werber müssen int Besitze des Einjährig-Frei- willigen-Zeugnisses sein. Sie legen nach vier Jahren die Sekretärprüfung ab, werden bann zunächst als Assistent diätarisch beschäftigt, später etatsmäßig angestellt und schließlich nach Bedarf in Obersekretär-, Postmeister- und Oberpost- direktions-Sekretärstellen befördert. Die bereits

höchst behäbig und ehrbar auf einem hohen Stuhl inmitten ihrer Maaren, sondern schaukelte sich aufs anrnuthigste in einer Hängematte, welche an zwei Seitenpfählen des hohen hölzernen Balkongelän­ders angebracht waren.

In diesem Augenblicke dachte Stella indeß nicht an Effekt. Sie war unzufrieden; sie war ärgerlich; das verriethen ihr zusammengezogenen Lippen und die krause Slim. Sie nahm den kleinen Handspiegel, der in ihrem Schooße ruhte, wiederum auf und sah hinein; richtig, sie waren da, sowohl in der Nähe der Mundwinkel wie an den Schläfen, kleine, fast unmerkliche Fältchen, grausame Fältchen, die wie ein unerbitterliches Urtheil dorthin geschrieben hatten, daß die Zeit der Jugend und mit ihr auch die der Triumphe ihrem Ende entgegen gehe. Diesen Morgen beim Erwachen schon war sie in unliebsamer Weise daran erinnert worden; eine Jugendfreundin hatte ihrer treuen Stella einen warmen Glück­wunsch gesandt zu ihrem dreißigsten Geburtstage; einen Glückwunsch, worüber sich Stella so ärgerte, daß sie gleich aufgesprungen war und ihn an der Kerze verbrannte, damit niemand, niemand davon erfahre, selbst ihre Gesellschaftsdame nicht.

Deshalb blieb sie am heutigen Morgen un­sichtbar für ihre Verehrer und lag statt dessen in der Hängematte und grübelte.

Noch stand sie auf der Höhe ihrer Triumphe, noch hatte kein gleichgiltiger Empfang, kein ge­langweiltes Gesicht des Publikums bei ihrem Auf­treten sie darüber belehrt, daß es Zeit fei zu ent­schwinden, aber sie machte sich selber kein Hehl daraus. Jetzl roat’s Zeit, Abschied zu nehmen von ihrer Bühnenlaufbahn, einen ehrenvollen Ab»