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mit Ilnterhaktungs-Aeilage „Zssusirirte Sonntags-Zeitung" peterrgaAe Nr. 2 (feartuonie).

25. JahrgMg

Iu0öa, Mittwoch, den 5. Oktober 1898

M 227.

* Eine hochbedeutsame Rede hat der Hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Schmitz in Köln am Sonntag bei Gelegen­heit der Einweihung des Annohauses, des Ver­einshauses für den katholischen Arbeiterverein Köln-Süd gehalten. Da die Worte des hohen Redners nicht nur für den betr. Arbeiterverein und die Kölner Erzdiözese, sondern für alle Katholiken Deutschlands von hohem Interesse sind, geben wir nachstehend den wesentlichsten In­halt der Rede nach der ,Köln. V.-Ztg/ wieder. Der Hochwürdigste Herr Weihbischof machte, nach­dem verschiedene Herren bereits geredet hatten, .folgende Ausführungen:

Wiederholt ist hingewiesen worden auf die hohe Be­deutung, welche das Anno - Haus für die Arbeiter im Allgemeinen und für den Arbeiter-Verein Köln-Süd im Besonder» hat. Letzterer ist aus dem Zustande der Un­beständigkeit und der Unsicherheit heraus- und hineinge­kommen in ein Stadium der Seßhaftigkeit und der Be­ständigkeit. Zu diesem Resultate wünsche ich Ihnen Glück. So hoch die Verdienste der Herren anzuschlagen sind, die hierzu mitgewirkt haben, die Hauptsache ist und bleibt 2>ie Treue, mit der die Bereinsmitglieder die Sache -gepflegt und vertreten haben. Wir sehen da wieder, wie Treue im Kleinen der goldene Boden ist, auf dem große Sachen sich aufbauen. Nun kommt es sehr darauf an, welcher Geist in diesem Hause herrschen soll. Herrscht in einem Palaste nicht der Geist der Ordnung und der Liebe, dann mag Niemand darin wohnen. Die Hütte aber wird zum Paradies, wenn in ihr der Geist des Frie­dens wohnt. Aus Ihrer Mitte ist ein Arbeiter ausge­treten und hat gekennzeichnet den Geist, der hier regieren soll. Er hat hingewiesen auf die erhabenen Personen des Papstes und des Kaisers und gelobt, daß Sie allezeit treue Söhne der Kirche undguteBür- ger des Staates sein wollen. Sie wollen hier stützen die Ordnung der Gesellschaft, pflegen echt rhei­nische Sitte. Indem Sie das thun, üben Sie wahre Vaterlandsliebe. In der Pflege dieser Sitte soll das Haus eine Veste werden der Treue zu Kaiser und Reichl Indem Sie das erstreben, sind Sie entschlossen, nicht zu zerstören, sondern aufzubauen auf dem Boden der Gesetzmäßigkeit und der bürgerlichen Ordnung. Und Sie haben Recht damit, denn wer sich das Niederreißen zum Prinzip nimmt, wird von den Ruinen begraben werden. Ihnen allen ist bekannt die Geschirre Stmsons, der das Haus der Philister einr.ß, damit es die Philister begrub, aber auch sich selbst Das ist die Politik der­jenigen, die den allgemeinen Kladderadatsch für die Zu­kunst empfehlen. (Sehr richtig!) Sie wollen pflegen die Wohlfahrt der Arbeiter. Damit nutzen Sie der Wohlfahrt des Vaterlandes. Je zufriedener der Arbeiterstand ist, desto fester steht der Thion des Herr­schers.

Sie haben auch Ihren Blick nach Rom zum hl. Vater hingerichtet. Dadurch bekennen Sie, daß Sie echte christliche Arbeiter sind, denn das Papstthum ist die Krönung und der Schlußstein des Christenthums. Es ist auch der Hort des Rechtes und der Freiheit in der Welt. Alle Stürme gegen die sittliche Ordnung in der Gesellschaft, welche auf der Wahrheit, dem Rechte und -der Freiheit aller gesellschaftlichen Klassen beruht, sind »on jeher gegen den Felsen des Papstihums angestürmt, ohne ihn zu erschüttern. Dieses Papstthum, Freiheit und Recht schützend, redet zu allen Völkern b.s an die Gren­zen der Erde, und wenn cs redet, horchen auf die Könige und die Bettler. Das ist die Autorität des Papstthums in der Welt. Man kann das Papstthum lästern, aber überhören kann die Welt es nicht. Sie wissen alle, in welchem Maße unser jetzt regierender Papst durch seine wunderbaren Rundschreiben, durch die geschaffenen Ein­richtungen, durch seinen persönlichen Verkehr die Arbeiter geehrt, ihr Recht und ihre Freiheit geschützt hat.

Darum haben wir alle uns Sie, die Arbeiter im besondern, ein hervorragendes Interesse daran, daß der Papst ungehindert, unbedrängt und unbe- kästigt, auch nicht beschränkt durch eine finanzielle Nothlage seines hohen Amtes in der Welt walten kann. Ich habe darauf eingehender in Krefeld auf der Katho-

In den Kergen.

'Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

19 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nein, es ist Wahrheit, Lilian; ernste, heilige Wahrheit. Ick liebe Dich und werde Dich ewig lieben. Du bist mein sehnlichster Wunsch und mein höchstes Glück."

Damit hatte er ihre herabhängende Hand er­faßt und mit Küsten bedeckt.

Sie trat einen Schritt zurück und nachdem sie sich erst mit den Händen über die Augen ge­fahren war, als wollte sie sich wecken, sagte 'sie mit leiser süßer Stimme, wie zu sich selbst redend: ^Jch bin ganz wach — ich kann doch nicht ver­zaubert sein?" Dann faltete sie die Hände in einander und preßte dieselben vor die Brust, in­dem sie fortfuhr: „Ich war doch gestern im Wald und da habe ich Sie mit einer wunderschönen Dame gesehen, und mit meinen eigenen Augen habe ich gesehen, daß diese Dame sie ganz ange- fchaut hat, so wie eine Frau nur denjenigen an­schauen kann, den sie liebt und von dessen Gegenliebe sie überzeugt ist; — ich dachte, es sei Ihre Braut.«

„O Lilian, wie konnte solch ein Gedanke in Dir aufsteigen," rief er aus. „Jene Dame liebt mich nicht, und ich liebe nicht sie, fondern nur Dich, Dich allein auf Gottes weiter Welt, und wenn Du mich nicht ausschlägst, wirst nur Du meine Braut." Er hatte sich ebenfalls erhoben und „Lilian, könntest Du auch mich lieben", -tönten feine Flüsterworte ihr in's Ohr.

„Ja," hauchte sie leise, fast unhörbar, und

liten - Versammlung hingcwiesen und aufgefordert, den hl. Baler durch den Peterspfennig in der Gegen­wart ganz besonders zu unterstützen. Es Hal sich an meine damaligen Ausführungen eine lebhafte Erörterung in der Presse angeknüpft. Kirchenfeindliche Blätter haben die Folgerung gezogen und ausgenutzt, der Papst besitze einen Millionen-Fonds, aus dem er eine Jahres­rente von drei Millionen beziehe. Ich habe von einer Jahresrente nicht gesprochen. Ich will aber hier noch ausdrücklich konstaliren, daß der angebliche Millio­nen-Fonds, aus dem der hl. Vater eine feste Jahres­rente von drei Millionen beziehen könnte, nicht vor­handen ist. Die Tendenz derartig entstellter Berichte ist ersichtlich. Man will glauben machen, der Papst be­dürfe des Peterspfennigs nicht. Wir alle wissen, daß der Papst seines weltlichen Besitzthums und der daraus folgenden Einkünfte vollständig beraubt ist. Nichts, kein Vertrag und keine Zeitdauer kann diese Beraubung sanktioniren — res clamat Dominum — fremdes Gul schreiet nach seinem Herrn. (Sehr richtig! i

In Folge dieser Beraubung ist der hl. Vater zur Bestreitung der für das Kirchen-Regiment nöthigen Aus­lagen auf die Gaben der Gläubigen angewiesen, die vor allem durch die Michaels-Bruderschaft und den Peterspfennig zusammengebracht werden. Für seine Person bedarf der hl. Vater außerordentlich wenig. Jeder auch der geringste Arbeiter hat über die Bedürf- nißlostgkeit des hl. Vaters gestaunt, als in weitern Kreisen bekannt wurde, daß wenige Franken für seinen Tisch täglich ausreichen. Aber das Kirchen - Regiment erfordert große Auslagen und wenn dieselben auf sieben Millionen angegeben werden, dann ist das in Anbetracht der von einer weltumspannenden Kirche zu lösenden Aufgabe eine lächerlich kleine Summe.

"Die Ueberzeugung, daß die finanzielle Bedrängniß des hl. Vaters in der Gegenwart außerordentlich groß ist, und daß wir alle b.rufen sind, durch unsere Gaben zum Peterspfennig helfend einzutreten, Hal im katho­lischen Volke Platz gegriffen. Bereits haben verschiedene Bei eine Sammlungen unter ihren Mitgliedern veran­staltet. Der katholische Gesellenverein in Berlin hat den Anfang gemacht. Das hat mich ganz besonders gefreut. Da haben die Berliner Katholiken gezeigt, daß sie Intelligenz besitzen und sich durch sagenhafte Be­richte von einem Millionenfonds nicht irre machen lassen. So wie es dort geschehen ist, wird es hoffentlich aller Orten geschehen. Ich finde es außerordentlich schön, daß der Geselle und der Arbeiter von dem Verdienste seiner Arbeit einen Groschen erübrigt und ihn dem hl. Vater spendet. Dieser durch den Schweiß der Arbeit geweihte Opferpfemiig ist ein lauter Protest gegen die Beraubung des hl. Stuhles: er ist eine Offenbarung der Ueberzeugung, daß das Recht und die Freiheit des Arbeiters durch den Papst geschützt wird in der Welt. (Bravo!)

Wer die Freiheit und das Recht des Papstes nicht schützt, der achtet auch nicht das Recht und die Freiheit des Arbeiters. (Sehr richtig!) Dieselben Mächte, welche nicht Halt machen vor dem durch die Geschichte geheiligten Rechte des Papstes, mache» auch nicht Halt vor dem Recht, welches die Gerechtigkeit und Menschen­achtung auf die Schwelle jeder Arbeiterhütte geschrieben hat. I» keinem Lande in Europa ist der Arbeiterstand so verelendet, wie in Italien. Wir wollen die Ueber­zeugung stets in diesem Hause pflegen, daß die Sache des Arbeiters an die Sache des Papstthums gebunden ist.

Es ist hingewiesen woiden, wie passend für dieses Haus die Bezeichnung Anno-Haus ist, wie dieser Heilige ein Mann des Volkes war durch und durch. Wir thun gut daran, wenn wir diesem Heiligen nacheifern in der Liebe und der Fürsorge für das Volk der Arbeit.

Dieses Haus ist zu Stande gekommen durch die Vereinigung von Kapital und Arbeit: es steht da als ein steinerner Zeuge, der redet von der Vereinigung der verschiedenen Stände der Gesellschaft. Nicht wie im Heidenthum soll das Gold die Stände trennen, sondern sie verbinden. DerGeist der Zusarnm engehörig- keit soll in diesem Hause walten, alle beseelen. Das ist der wahre soziale Gedanke in der Gegenwart, der am meisten verletzt wird. Tragen Sie diesen Gedanken der Gemeinsamkeit der Interessen hinaus in das Leben. Wir gehören zusammen, die Liebe zu einander soll mächtiger in uns sein als das Gold. (Lebhafter Beifall).

Der Geist der thatkräftigen Mitwirkung soll hier gepflegt werden. Das ist nothwendig, besonders

die Gluth fühlend, die sie ganz übergoß, ließ sie beschämt den Kopf auf die Brust niedersinken.

Jndeß, sie duldete es, daß er den Arm um sie schlang und sie an sich zog und daß er ihre Wangen küßte. Doch als er nun ihren Kopf emporheben und ihren Mund küssen wollte, machte sie sich von ihm los und ihn mit einem Blicke anfchauend, der aus Seligkeit und Traurigkeit zusammengesetzt zu sein schien, sagte sie bittend: „Nein, nein, es ist genug. Das ist so süß und selig, daß ich's gar nicht beschreiben kann. Aber es hat mich wie ein Taumel erfaßt; — Zeit und Ort und alles habe ich vergessen, — es kann nicht recht sein." Damit wandte sie sich ab, und indem sie ihr glühendes Gesicht in dem schleier­artigen Blättergewirre einer jungen Birke verbarg, die am Abhange wachsend ihre Krone ihr ent- gegenbreilete, brach sie in Schluchzen aus.

„Lilian, liebe, süße Lilian, beruhige Dich," flehte er. „Daß ich Dich liebe, daß Du mich liebst — wie kannst Du das ein Unrecht nennen. Die Liebe ist ja das Schönste, Heiligste auf der Welt, eine Himmelsgabe, die Gott den Menschen­kindern verlieh, um die Zeit ihres Erdenwallens auszuschmücken. Jetzt kennst Du sie noch kaum, Lilian, aber wenn Du erst mein Weib bist, wirst Du seb'n, wie süß sie ist und wie glücklich sie macht."

„Dein Weib!" sagte sie und wandte ihm ihr unter Thränen lächelndes Antlitz wieder zu. „Und ich habe ganz meiner Mutter vergessen, die doch allein zu entscheiden hat, ob ich Ihr Weib werden darf oder nicht! Und wie darf ich glücklich sein wollen, wo sie so unglücklich ist!"

„Deine Mutter wird wieder glücklich werden

auch hier in Köln. Alle müssen mitthun. Jeder muß da eingreifen; jeder soll auch sagen dürfen, wie und was er gebessert haben will. Wenn Bestrebungen her­vortreten, den Arbeiter mundtodt zu machen, dann sagen wir, daß derjenige seine eigene Sache verloren gibt, der de» Arbeiter im politischen Leben mundtot machen will. Wir wolle», daß der Arbeiter heraustrete mit seinen Wünschen, daß er es sage, was er für seine Wohlfahrt verlangt. Niemand kann wünschen, daß der Arbeiter mundtodt gemacht werde. (Bravo.) Sind die Forderungen ungerecht und unausführbar, dann werden wir unfern Mann stellen. Nicht mit Gewalt, sondern mit der Macht der Ueberzeugung werden wir den Geg­ner überwinden. (Stürmischer Beifall)

Das soll der Geist sein, der in diesem Hause herr­schen soll. Vergessen Sie nicht, daß Sie mitthun müssen. Wer nicht will rosten, darf nicht rasten, sagt ein wahres Sprüchwort. Darum hinaus mit dem Geiste der Ver­flachung, hinaus mit dem Geiste des Drohnen- thurns, hinaus mit dem Geist des Schlaraffen- thums, hinaus mit dem Geiste der ungeregelten Vergnügungssucht, die am Marke des Volkes frißt und es unempfänglich macht für die Ideale.

Im Glauben, im katholischen Sinne, im Geiste der Ordnung, in der Liebe und Bereinigung aller Stände, in der christlichen Freundschaft soll das Haus bestehen bis in die fernsten Zeiten. Gott segne das Anno-Haus. (Lang anhaltender Beifall.)

Deutsches |ktdj*

Berlin, 4. Oktober.

si Nach der vereinzelten Meldung eines rheinischen Blattes soll die Darstellung der Lon­doner .Daily News' über den Empfang des Kefavdle» von Transvaal im Berliner Auswärtigen Amte „vollständig erfunden" sein. Und zwar wird dies versichert auf Grund einer Erkundigung „an zuständigster Stelle". Umgekehrt wurde, wie bereits berichtet, von an­derer Seite versichert, daß die Londoner Darstel­lung der schroffen Zurückweisung des Herrn Dr. Leyds im Auswärtigen Amte durch Herrn Ge­heimrath von Derenthall „genau richtig" sei; und diese Versicherung sollte ebenfalls aus „zuverlässigen Mittbeilungen von berufener Seite" beruhen. Schroffste Widersprüche stehen hier eiyAnder un­mittelbar gegenüber. Sollte nicht eine der vielen offiziösen Federn, die dem Auswärtigen Amte zur Verfügung stehen, so viel Zeit haben, hier­über die Otffentlichkeit einigermaßen aufzuklären. Reichskanzler Fürst Hohenlohe und Staatssekretär von Bülow weilen seit zwei Tagen wieder in Berlin. Es müßte sich derlei also außerordent­lich leicht bewerkstelligen laffen, ohne daß der Inhalt des deutsch-englischen Abkommens auch nur mit einer einzigen Anspielung gestreift würde.

X „Gegenüber der Macht des Katho­lizismus kommen wir verzweifelt wenig vorwärts", so hat am letzten Montag der Herr Genosse Hofsmann aus Bielefeld beim sozialdemokratische« Parteitage in Stutt­gart seine Erfahrungen gekennzeichnet, die er bei der Bearbeitung der Massen gemacht hat. Diese Machtlosigkeit der Sozialdemokratie gegen den Einfluß der katholischen Kirche kann nach des Herrn Hoffmann Meinung nicht vertuscht werden; und Herr Hoffmann weiß ohne Zweifel ganz genau, was er sagt. Er bezeichnet damit die­selbe Erfahrung, die schon sehr viele andere der Herren „Genoffen" vor ihm gemacht haben; uns sreilich sagt er damit nichts Neues. Aber den Herren, die noch immer nicht die Kulturkampf-

in unserm Glück, im Glück ihrer Kinder," ent- gagnete er und erfaßte ihre Hand und fuhr lieb­kosend mit der seinen darüber hin. „Sie wird bei uns wohnen in dem schönen lachenden Wien; dort sind die besten Aerzte der ganzen Welt, und die Elektrizität hat in den letzten Jahren ganz wunderbare Heilerfolge erzielt. Vielleicht wird sie dort wieder ganz gesund, jedenfalls muß es gelingen, ihr Augenlicht wieder gänzlich herzu­stellen. Was meinst Du, Lilian, liebes, thörichtes Kind? Die Mutter kann ja nicht nein sagen wollen, zu unserer Liebe, zu unserem Glück."

Sie nickte, aber ein schwerer Seufzer entfuhr dabei ihrer Brust. Er küßte die Thränentropfen ab, die noch in ihren Augen lagen, und als sie mit den Worten: „Meine Erdbeeren," sich zu erneuertem Sammeln anschickte, kniete er auch auf den Boden nieder und half ihr dabei.

So pflückten sie schweigend mit zitternden Händen die rothen Beerchen alle ab, und als sie damit fertig waren und sie sich erheben wollte, hielt er sie bei der Hand zurück und sprach: „Eine kleine, kleine Weile nur laß uns hier aus- ruh'n, Lilian; schau, die Welt ist so schön und eine Stunde wie die jetzige kehrt nie mehr zurück, das ganze Leben nicht."

Zaghaft leistere sie seiner Aufforderung Folge und ließ sich neben ihm am Abhang nieder.

Es war in der That wunderschön; vor ihnen lag die Welt noch in unentweihter Morgenfrische, und die Bergwände entlang schwebten noch die aus den Wohnungen der Menschen emporsteigen­den Dampffäulen wie goldig schimmernde Schleier ; zu ihren Füßen lag das idyllische Habichen mit seinen weißen Häuschen und dem krystallklaren,

Pauke ruhig in der Ecke stehen laffen können, den Gegnern der Kirche in den Reihen derer „von Besitz und Bildung" — manchmal auch von Besitz ohne wahre Bildung — hat nun auch einer der sozialdemokratischen Parteigrößen selbst diese Wahrheit gesagt, die so unangenehm an ihr Ohr klingt und die sie so außerordentlich gern aus der Welt schaffen möchten. Sie fürchten, am Ende könnte doch auch einmal den Regie­rungen die richtige Erkenntniß kommen, für die große Macht, die der katholischen Kirche als Schutzwehr gegen den Umsturz innewohnt, und so sehen wir sie niemals eifriger an der Arbeit, als dann, wenn es gilt durch allerhand Spitz­findigkeiten diese Wahrheit vor den Augen der Welt zu verschleiern. Den „Genoffen" Hoffmann aus Bielefeld aber wollen wir uns nun merken als weiteren zuverlässigen Zeugen gegen jene und für diese Wahrheit, die eines Tages ohne Zweifel siegreich sein und durch neue Thatsachen alle ihre Feinde aus dem Felde schlagen wird. Zu wünschen ist nur das Eine, daß diese Wahr­heit an den richtigen Orten erkannt ist, ehe ihre Verleugnung gar zu viele Opfer gefordert und gar zu großen Schaden angerichtet hat.

4- Weiteres Material zur Beurtheilung der Frage, ob gegenwärtig eine Ikeisch-Werterimg besteht oder nicht, liefert eine Zufammenstellung der Schlachthaus-Preise für Rinder und Kälber in Berlin in diesem Jahre und in dem vorauf­gegangenen Jahre 1897. Nach dieser amt­lichen Zusammenstellung ist in diesem Jahre der Preis für derlei Schlachtvieh nicht höher als im voraufgegangenen Jahre. Es kosteten

Rinder Kälber

August 1897 Rm. 122 120

Septbr. „ „ 120 124

Juli 1898 „ 115 116

August „ „ 120 118

für den Doppelzentner Schlachtgewicht. Für den Monat September dieses Jahres konnte der Durchschnittspreis noch nicht festgestellt werden. Gegen die Vorjahre, allein das Jahr 1896 aus­genommen, ist sogar ein erheblicher Rückgang des Preises zu verzeichnen, und zwar seit 1894 ein regelmäßig fortlaufender Rückgang, allein, wie gesagt, das Jahr 1896 ausgenommen. So be­sagt der amtliche Ausweis.

O Die Gegner der sorgfältigen Pflege un­seres Kanal-Wetzes erleben gegenwärtig an der Regrerungs-Presse gar keine Freude. Jetzt bringt wieder die oberosfiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg.' eine ziemlich ausführliche Darlegung über die Nothwendigkeit eines Großschifffahrts­weges von Stettin nach Berlin: „Die Herstellung einer neuen leistungsfähigen Groß- schiffsahrts-Straße von Berlin nach Stettin," so schreibt das genannte Blatt, „ist ein unver­kennbares Bedürfniß, und die Staats­regierung istin die Vorbereitung eines bezüglichen Planes nach der technischen, wirthschaftlichen und finanziellen Seite einge­treten ... Sie wird, wenn es demnächst zu einer Kredit-Vorlage für den Kanal kommen wird, in der Lage sein, im Landtage vollständige Auskunft über die Vorzüge und Nachtheile beider Linien (nämlich der West- und der Ostlinie) geben zu können. Hoffentlich werden die Vorbereitun­

kleinen See. Tiefe, süße Ruhe ringsum, kein Holzhacken im Walde, kein Dengeln der Sense im Thal, es war ja heute der Tag des Herrn, und nur aus der Ferne, von Sautens her, schallte ein zum Gottesdienst rufendes schwaches Geläute durch die sonntägige Stille.

Auch den beiden jungen Menschenkindern hier auf einsamer, sonnbeschienener Halde war's ganz feierlich zu Muthe. Ihre Hände ruhten inein­ander, doch während Lilian mit verklärtem Blick und Lächeln nur auf das blumendurchwirkte Thal zu ihren Füßen niedersah, schaute er wiederum nur auf sie. Am liebsten hätte er sie umarmt, sie wieder und wieder umarmt als seine Braut, aber er fürchtete, sie zu verscheuchen, und darum umschloß seine Hand die ihre nur mit demselben gleichmäßigen festen Druck, und darum zwang er die Gluth seines Herzens zurück und dämpfte so­gar das Feuer seiner Augen als sie jetzt sich zu ihm wendend sagte: „Ich kann noch immer nicht begreifen, daß es wirklich kein Traum sein soll, daß ich so glücklich, so unendlich glücklich sein darf. Daß ich hier neben Dir sitzen darf, meine Hand in der Deinen, ganz allein, und daß es doch kein Unrecht ist."

Er schaute sie an, noch immer lächelnd, nach­dem sie längst geendet hatte, denn was sie sagte und wie sie es sagte, schien ihm unendlich lieblich.

„Und jene Dame, ich kann's noch immer nicht glauben, mit der Du gestern im Walde warst, hat wirklich kein Anrecht an Deine Liebe, Du liebst sie nicht?" fuhr sie fort.

„Warum kannst Du's nicht glauben, warum fragst Du- nochmals?" erwiderte er mit sanftem Vorwurf.