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25. Jahrgang

Iuköa, Monlag, den S. Oktober 1898

JK 225

Inserate: Die em» spalt. Garmond­zeile oder dere« Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit Unterhaltungs-Beilage „IDlstrirte Sonntags-Zeitungs' Pctersgajse Nr. 2 (Harmonie).

gestiegen.

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(Nachdruck verboten.)

„Ich war im Walde," erwiderte das Mädchen mit leiser Stimme und wagte nicht von ihrer Arbeit aufzusehen, „da habe" ich ganz vergessen, ihn fortzulegen."

„So? Im Walde warst Du? Und was hast Du dort gemacht?" sprach die Mutter mit ge­dehnter Stimme.

„Nichts." Lilian stockte und erröthete wie eine ertappte Sünderin und beugte sich nur noch tiefer über ihre Malerei.

„Nichts? So ganz ohne Ziel und Zweck schlenderst Du im Walde herum?"

„Du schliefst so schön," entschuldigte sich Lilian und sandte einen bittenden Blick zu der gestrengen Richterin hinüber, „da dachte ich — ein kleiner Spaziergang — es war so schön draußen."

„Ich habe Dir schon öfter gesagt," sprach die Mutter nicht ohne Schärfe, „daß einsame Spaziergänge Deines Standes und Alters nicht passend sind; das Schwärmen und Träumen thut "icht gut, da denkst Du an alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten und gewiß nicht am wenigsten daran, wie unglücklich gerade Du es getroffen hast auf Gottes weiter Welt."

Ein dunkles Erröthen übergoß bei diesen letzten Worten das Mädchen am Fenster, doch zum Glück bemerkte die alte Dame es nicht.

Mit gesteigerter Lebhaftigkeit fuhr sie fort: „Ja, wenn Du einen bestimmten Zweck dabei verfolgst, zum Beispiel zur Bahnstation oder nach Och hlnübergehen mußt, will ich nichts sagen, aber so — nichts thun, träumen, Du weißt, das kann ich nicht leiden. Wenn Du wenigstens Erd­beeren gesucht hättest, um unser karges Mittags­mahl etwas aufzubeffern; Du weißt,"daß ich Erd-

Der Kaiser von China ermordet?

Von China trennt uns zwar eine ungeheure räumliche Entfernung. Aber die Zeiten sind vor­über, in denen es uns gleichgiltig sein konnte, was die Völker da hinten in Ostasien thun. Denn wir selbst haben uns in Kiautschou eingenistet, und die allgemeine Meinung geht dahin, daß wir damit eine Erwerbung gemacht haben, die für uns in der Zukunft sehr werthvoll werden kann. Außerdem aber liegen jetzt die Dinge so, daß ■ eines schönen oder vielleicht auch unschönen Tages die europäischen Mächte „mit eisengepanzerter Faust" in die ostasiatischen Verhältnisse eingreifen könnten; und darum fordern die Vorgänge dort doppelt unsere Aufmerkiamkeit heraus. Stand doch schon einmal die Frage von der „Auflhei- lung Chinas" im Vordergründe der öffentlichen Auseinandersetzungen — wer weiß, ob die Zeit noch fern ist, in der diese Frage brennend wird und zu bestimmten Ereignissen führt!

Als die ersten Nachrichten von der jüngsten Palastrevolution in der chinesischen Hauptstadt Peking eintrafen, hieß es in einer vereinzelten Meldung, der junge Kaiser von China sei ermordet worden. Man hielt dies zunächst für eine unwahre Sensationsmeldung, und kaum eine Zeitung war geneigt, eine solche Möglichkeit in ernsthafte Erwägung zu ziehen. Aber so ganz ohne thatsächllchen Hintergrund scheint jene Mel­dung doch nicht gewesen zu fein; und jetzt taufen gleichzeitig mehrere Drahtberichte über London ein, die übereinstimmend die Behauptung auf­stellen, der Kaiser habe unter den Händen der aufrührerischen Mandarinen ein gewaltsames Ende gefunden. Die eine dieser Meldungen will wissen, er fei durch Gift gestorben; die andere gibt an, man habe ihn aufgehängt; und gar die dritte versteigt sich zu der schaudervollen Angabe, es sei ihm ein glühendes Eisen in die Einge­weide gestoßen worden.

Diese ungeheuerlichen Einzelheiten kann man einstweilen auf sich beruhen kaffen. Aber die ganze Sache sieht doch außerordentlich verdächtig aus. Zunächst hieß es in den amtlichen Mel­dungen, der Kaifer habe sich „in die inneren Gemächer zurückgezogen". Dann wurde berichtet, er fei „erkrankt und fein liebel verschlimmere sich". Somit kann man nunmehr ganz ernsthaft erwarten, daß die nächste amtliche Meldung lauten wird, der Kaiser sei „gestorben". Und geschieht dies, dann kann man mit ziemlicher Be- stimmtheit annehmen, daß es nicht blos Sen­

sation war, wenn gleich im Anfänge gedrahtet wurde, der Kaiser sei ermordet worden.

Ohne Zweifel ist das sehr schlimm für den jungen Kaiser und ebenso schlimm für die fana­tischen Mordbuben, die die That begingen. Aber auch das könnte uns Europäer, vom politischen Gesichtspunkte aus, noch kalt lassen. Denn trotz der Kultur, die das Reich der Mitte schon seit Jahrtausenden hat, geht man dort mit Menschen­leben und auch mit Monarchen so wenig spar­sam um wie bei einem ganz barbarischen Volke; und ein Fürstenmord mehr oder weniger bei den Chinesen hätte unter gewöhnlichen Verhältnissen wenig zu bedeuten. Aber gerade jetzt suchen bestimmte Mächte, allen voran England und Rußland, nach äußeren Veranlassungen zur Einmischung in die chinesischen Ver­hältnisse; und so wird auch schon gleichzeitig mit den Nachrichten über Ermordung des Kaisers von Shanghai aus die Meldung verbreitet, mehrere Mächte hätten die Absicht, dieses Er- eigmß als Grund für eine solche Einmischung zu benützen, die Kaiserin von der Regentschaft abzusetzen und den alten Li-Hung-Tschang als den vermuthlichen Anstifter des Mordes festzu- setzen und ihm den Prozeß zu machen.

Wenn nach solchen äußeren Veranlassungen gesucht wird, dann pflegt es ohnehin nicht lange zu dauern, bis man eine solche gefunden hat. Und thut es die eine nicht, so dient die andere dazu; und diese andere würde schon jetzt nicht mehr fehlen. Denn in Peking, wo gegenwärtig eine sehr gereizte Stimmung gegen die Engländer herrscht, wurde ein Mitglied der englischen Gesandtschaft, Mortimore nebst Gemahlin auf der Straße von Cbinesen angegriffen, be­schimpft und mit Steinen beworfen. Ebenso er­ging es amerikanischen Missionaren, und noch schlimmer spielte der Pöbel einem Landsmann mit, der in amerikanischen Diensten steht, nämlich dem chinesischen Sekretär der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dieser wurde so gewaltsam mißhandelt, daß er einen Rippenbruch erlitt.

Der junge Kaiser von China wird seine be- sondereuFteurlde Küng -Nu-Wei nnd'Tsch'aßg- N in -Hu an, gegenwärtig die fähigsten Staats­männer in China neben dem reformfeindlichen Li-Hung - Tschang, wollten das Beste für China. Denn ohne Zweifel könnte dieses nur bann gegen das Andrängen fremder Mächte sich behaupten, wenn es dem Beispiele Japans folgte und mit der Zeit fortschritte. Der Kaiser ist verschwunden, seine Freunde sind gestürzt, und nun kann es leicht sein, daß diese letzte Palast­revolution in Peking der Anfang vom Ende des chinesischen Riesenreiches ist. Uns bleibt dann nur zu wünschen übrig, daß der Zersetzungs- Prozeß des alten barbarifchen Riesen ohne Kampf und Blutvergießen zwischen allen denjenigen vor sich geht, die seine Erbschaft antreten wollen. Und wenn die vom Zaren angeregte Friedens- Konferenz nur das Eine bewirken könnte, daß die Mächte in Frieden und Freundschaft über die Grundsätze dieser Erbschaftstheilung sich einigen, damit würde allein schon sehr viel gethan sein.

beeren so gern esse, aber ein Tag nach dem andern vergeht, ohne daß ich sie zu Gesicht be­komme."

„Liebe Mama, verzeih' mir," sprach LiliaU in warmem Ton, „wie konnte ich nur so ver­geßlich sein! Aber morgen sollst Du sie haben, ganz gewiß Morgen ist ja Sonntag, da muß ich ohnehin in die Messe gehen, und wenn ich von Oetz zurückkehre habe ich blos einen kleinen Umweg zu machen; nicht weit von der Kohlstatt­quelle ist eine kleine Waldblöße, wo ich einmal eine Menge Erdbeerpflänzchen gesehen habe. Wie konnte ich das nur ganz und gar vergessen."

„Du bist überhaupt in der letzten Zeit sehr zerstreut und vergeßlich, mein Kind, ich habe mich manchmal gefragt, woher das kommt." Forschend schaute Frau Holder bei diesen Worten ihr Töchterchen an, doch dieses begegnete keinesfalls ihren Blicken, sondern rührte eifrig in dem Por- zellantigelchen herum, als müsse sie die Farbe dort erst noch zerreiben.

„Lilian, schau mich an."

Sie hob den Kops und schlug auch die Augen nicht nieder aber der Ausdruck, der aus diesen dunklen Sternen der Mutter entgegenleuchtete, sprach von Weh und Herzeleid.

„Lilian, bist Du traurig? Bist Du unglück­lich, daß das Schicksal Dich an eine arme hilflose Mutter gefesselt hat?"

„O Mama, wie könnte ich so schlecht, so un­dankbar fein?"

„Bist Du unglücklich, daß es Dir nichts von dem Glücke zu kosten gibt, von dem man sich einbildet, daß es die Fülle der Seligkeit ent­hält?"

Mit fremden Augen sah Lilian ihr Häuschen mnd den wohlbekannten lieben Nußgarten an als sie jetzt vor dem Gartenpförtchen Halt machte- es war ihr, als fei in dieser Viertelstunde alles ganz anders geworden. Sie hielt sich nicht auf- unverweilt ging sie ins Zimmer und setzte sich' ons Fenster nieder, wo ihr Malgeräth stets in Bereitschaft stand. Mechanisch legte sie den Hut auf die Fensterbank, anstatt ihn, wie sonst ihre Gewohnheit war, gleich im Schranke aufzuheben • mechanisch tunkte sie den kleinen Pinsel in die grüne Farbe und malte weiter an den Blättern und Ranken, welche sie diesen Morgen begonnen batte. Ihr war so weh ums Herz, wie ihr noch me gewesen war, und sie wollte, sie wäre ge- yt. en unb *n jenem Lande, wo jeder Schmerz ein Ende hat.

NaIdbm sie etwa eine halbe Stunde bei ihrer stillen Arbeit verharrt hatte, erwachte die Mutter, wie gewöhnlich, indem sie einen Seufzer ausstieß.

to d.b" Kopf und lächelte matt, doch freundlich zu ihr hinüber.

^^''Euten Tag, Mama," sagte sie, „hat das Schläfchen Dich erquickt?" a '

„Sld; was, erquickt!" erwiderte diese- mit Herzweh schlafe ich ein und mit Herzweh'wache ich auf, rote kann da von Erquickung die Rede fern!" Schweigend arbeitete Lilian weiter

„Wie kommt Dein Hut dort auf die Fenster­bank?" fragte die Mutter nach einer Pause.

In den Kergrn.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

Deutsches Weich*

Berlin, 1. Oktober.

x Durch das offiziöse Drahlbureau wird eine Mittheilung der Münchener,Allgemeinen Zeitung' verbreitet, die mit dem Gegenstände der Geyn- tzauser Kaiserrede im Zusammenhänge steht. Dieser Mittheilung zufolge soll der angekündigte Gesetzentwurf keine Aenderung der Ge­werbe-Ordnung bringen, sondern „in spezia- lifirten Bestimmungen zum Schutze der per­sönlichen Freiheit auf dem Gebiete des all­gemeinen Strafgesetzes bestehen". Es will uns scheinen, als käme es mehr darauf an, um was für Bestimmungen es sich dabei handeln soll, als darum, in welches Gesetz sie nach Ansicht der Berliner Regierung einverleibt werden sollen. So, wie die Dinge jetzt liegen, bildet die ganze Sache nach wie vor den ersten und mächtigsten Anziehungs­punkt für die bevorstehende sozialdemokratische Partei - Versammlung in Stuttgart, und das ist ganz gewiß gar nicht erwünscht oder erfreulich.

+ Dieser Tage brachte ein Londoner Blatt, die ,Daily News', eine Aufsehen erregende Meldung aus Berlin. In Berlin bemühte sich neuerdings der Gesandte von Hransvaak, Dr. Leyds, um eine Audienz beim Kaiser. Diese wurde ihm nicht zu theil. Im Auswärtigen Amte wurde ihm vielmehr bedeutet, der Kaiser wünsche ihn nicht zu empfangen, und man verübele es der 'Republik Transvaal sehr, daß diese sich deutscher Blättern bediene, um gegen das jüngste Ab­kommen zwischen Deutschland und Eng­land Stimmung zu machen. Dr. Leyds soll sich gegen diesen Vorwurf nachdrücklich verwahrt haben. Ader er soll damit nicht den geringsten Eindruck hervorgebracht haben. Angenommen, diese Dar­stellung des Sachverhaltes sei wahr, so würde sie natürlich nichts anderes bedeuten als eine voll­kommene Schwenkung der südafrikanischen Politik der Berliner Regierung. Zunächst setzte man in der gefammten deutschen Presse, so weit diese sich darüber äußerte, der Londoner Meldung starke Zweifel entgegen. Aber jetzt behauptet die Berliner ,Aosfische Zeitung', diele Meldung fei, rpie ihr von uni errichteter Sette mitgetheilt werde, „buchstäblich wahr"; und nunmehr bedürfte es doch schon einer ganz unzweideutigen Berichtigung in einem amtlichen Organe, wenn man nach wie vor annehmen sollte, es fei nichts Wahres an der Sache. Verhält diese sich so, dann wüßte man weiter annehmen, daß England außerordent­liche Zugeständnisse an Deutschland in afrikanischen Dingen gemacht hat; und noch mehr als vorher wird die öffentliche Neugier nach dem Inhalte des deutsch-englischen Abkommens auf die Folter gespannt. Angeblich sollen dem Kolonialrathe, der am 24. Oktober zusammentritt, nähere Mit­theilungen gemacht werden über einen Theil des Abkommens. In der That ist dergleichen noih- roenbig. Sonst könnte sich leicht in weiten Kreisen eine ausgesprochene Abneigung festsetzen gegen ein Abkommen, das so ungewöhnlich lange im Dunkel des tiefsten Geheimnisses gehalten wird.

* lieber das deutsch englische Abkommen wird in der Londoner ,Fortnightly Review' mit« getheilt, die beiden Staaten hätten unter sich ein Recht auf Vorkguf mit Bezug auf alle

(^»fortwährend werden noch Bc- ftellnngen auf die Fuldaer v7 Zeitung für das 4. Quartal von allen Postanstalten und Land­briefträgern angenommen.

FRF* Die Auflage der Fuldaer Zeitung ist im neuen Quartal

portugiesischen Kolonien in Afrika ge­theilt. Sobald Portugal seine Kolonien aufgebe, feien die beiden die gemeinsamen Erben und batten Vorsorge gegen einen Zusammenstoß der Interessen getroffen, wenn es an die Theilung der Erbschaft gehe. Im Ganzen handele es sich um 914,000 englische Quadratmeilen. Das erste Ergebniß dieser Abmachung sei die Verpachtung der Delogoabai an England. Also England er­hält gleich ein Stück der Erbschaft, wir erhalten einen Wechsel auf die Zukunft. Unsere Kolonial- freunde sind mit diesem Ergebniß sehr unzu­frieden, vor allem auch deshalb, weil die braven Buren, für die wir ein sehr unrealistisches Faible haben, im Stich gelassen werden sollen. Heißt es doch in dem Artikel der englischen Zeitschrift, der Vertrag werde einen „beruhigenden Einfluß" auf die Haltung Transvaal gegenüber der „sou- zeränen Macht" ausüben; Präsident Krüger habe sich mehrere unheilvollen Illusionen hingegeben über die Haltung Deutschland Transvaal gegen­über; diese Täuschungen werde er wahrscheinlich jetzt aufgeben. — Ein Urtheil über das Ab­kommen läßt sich erst fällen, wenn man es kennt; aber es wäre doch wohl bald Zeit, daß es amt­lich bekannt gegeben würde. Nach der ,Tägl. Rundschau' soll der Direktor der Kolonial- abtheilung, v. Buchka, bei der Berathung des Abkommens gar nicht hinzugezogen worden fein. Wir möchten annehmen, daß er in Kolonialfachen auch noch zu sehr Neuling ist, um darin wichtigen Rath zu geben.

4- Nach einer Mittheilung der amtlichen Leipziger Zeitung' hat allerdings der Plan be­standen, den litterarische» Nachlaß des : Iirrsterr Aismarck der Universität Leipzig zu sichern. Dieser Plan ist noch bei Lebzeiten : des Fürsten erörtert worden. Das Material sollte dann in Leipzig wissenschaftlich verwerthet : werden durch eine besondere „Bismarck-Professur", ; und „Bismarck-Professor" sollte Dr. Horst Kohl werden. Hernach aber zerschlug sich dieser Plan, : und zwar geschah dies alles schon vor einem ■ Jahre, nicht erst jetzt. Daraus läßt es sich exs. klären, daß man jetzt in Leipzig nichts davon wußte. Inzwischen ist durch den Pros. Aegidi, ■ und zwar in der Deutschen Rundschau', eine neue Veröffentlichung über bismarckische Politik erfolgt, die namentlich für das katholische Deutschland von großem Interesse ist. Dadurch wird nämlich ganz unwiderleglich klar die alte Thatsache von neuem erwiesen, daß niemand an­ders als Fürst Bismarck selbst der eigent­liche Vater des Kulturkampfes gewesen ist. Zunächst ging Bismarck mit der Aufhebung der katholischen Abtheilung im preußischen Kultusministerium vor. Diese Abtheilung war ihm deswegen unbequem, weil sie Einsicht in die Akten der Regierung haben mußte. So hat Fürst Bismarck zu Aegidi selbst geäußert, der damals die Vertrauensstellung eines Preffe- dezexnenten im Kanzleramte innehatte — nament» lich unter Bismarck und nach dessen Idee eine ganz besonders wichtige Stellung und man er­sieht daraus, wie sehr Abg. Dr. Windthorst recht hatte, als er im prellst'schell Abgeordnetetr- hause am 28. Januar 1886 aussührte, daß man „diese katholische Abtheilung nur deswegen auf»

„Wenn ich Deinem Herzen etwas bin Mama, das ist Glück genug für mich."

„Alle Gedanken von Glück sind Täuschung, hörst Du wohl, Lilian, Täuschung, nichts als Trug und Hirngespinst," fuhr die alte Dame mit gehobener Stimme fort „Das Leben ist ein trauriges Geschenk und je eher es zu Ende ist, desto besser; leider dürfen wir Nicht selbst den Faden abschneiden, denn zum Leiden ist der Mensch in die Welt gesetzt, damit er sich durch fein Leiden ein Anrecht auf spätere Freuden er­werbe. Und das, was die Menschen auf Erden Glück nennen, das ist gerade das Schlimmste, das ist die unseligste Gabe, die einem zu theil werden kann, das läßt sich so süß, so wonnig an, aber es erwachsen Leiden daraus, — Leiden, sag' ich Dir, so groß wie der Acherkogel dort, und so tief wie der See, und so brennend, so schneidend, daß das Herz davon ganz zerbrannt und zerschnitten wird. Darum freue Dich, daß dies gleißende Glück keinen Zutritt findet in Deine Einsamkeit, und sollte es sich je Dir nahen, so fliehe es, fliehe es wie die Pest. Und wenn Du unruhig bist, und es hier drinnen wogt, das ist schon ein schlimmes Zeichen, dann schließe die Augen und verstopfe Dir die Ohren und schreie „hinweg von mit". Dann kommst Du noch viel­leicht zu Dir selbst zurück, dann bist Du vielleicht noch zu retten, und kannst einst Dein Herz ge­sund mit in den Sarg hinein nehmen."

Lilian lauschte den Worten der erregten Mutter: sie arbeitete nicht, sie hatte den Kopf in die Linke gestutzt und die Rechte unwillkürlich auf das Herz gelegt, als wollte sie das Wogen und Wallen dort zum Stillstand zwingen. (F. f.)