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mit Anterhalümgs-Aeilage „Zssustrirte Sonntags-Zeitung!' p«ter»gajse Nr. 2 (Harmonie).

JuLöcr, Samstag, den 1. Oktober 1898.

JI3. 224.

25. Jahrgang.

Wscherr-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 1. Oktober.

Die Wahlbewegung kommt nun so nach und nach in's „rechte Geleise"; an manchen Orten beginnt sie sogar fast den Charakter der Reichstags-Wahlagitation anzunehmen; so z. B. in Berlin, wo die Köpfe be­reits sehr heiß geworden und die Geister heftig auf­einander geplatzt sind — nicht etwa die Geister ver­schiedener Parteien, sondern innerhalb einer Partei, in der freisinnigen, die wahrlich am wenigsten Grund hätte, sich auch noch den Luxus von Streitigkeiten und Zänkereien in den eigenen Reihen zu gestatten. Im dritten Berliner Landtagswahlkreis, in dem zuletzt die freisinnigen Abgeordneten Virchow und Knörke ge­wählt waren, sollen diese bei den Veteranen wieder aufgestellt werden. Dagegen aber macht sich in der freisinnigen Lehrerschaft, die bei den Wahlen in Berlin eine nicht unbedeutende Rolle spielt, starke Opposition geltend, jedoch nicht etwa deshalb, weil man mit der Haltung der beiden Abgeordneten im Landtage nicht einverstanden wäre, sondern wegen der Stellung Vir- chow's im Berliner Stadtverordnete w Kollegium, dem dieser ebenfalls angehört, zu der Lehrer-Besol- dungsfrage. Hier hat Virchow nicht für 1200 Mark Grundgehalt, wie von einer Seite beantragt war, ge­stimmt, sondern nur für 1000 Mark. Das können die Lehrer aus den eigenen Reihen ihm nicht ver­zeihen, und jetzt, bei den Landtagswahlen, wollen sie es ihm dadurch entgelten lassen, daß sie ihn nicht wieder wählen, mindestens sich der Wahl enthalten wollen. Und um das Unglück voll zu machen, fangen auch noch die Juden an, Opposition zu machen; was sie schon vor den Reichstagswahlen vergeblich erstrebten, suchen sie auch wieder jetzt zu erreichen: Die Ueber- lassung einiger Landtagsmandate an jüdische Kandi­daten seitens der Freisinnigen; sonst wollen sie nicht mehr mitmachen. Es wäre für die Freisinnigen ge- nuß fatal, wenn die Juden sich in den Schmollwinkel stellen würden, aber das werden diese sich drei Mal überlegen.

Freude an all diesen Streitereien haben die Kon­servativen : die dabei im Trüben fischen, freisinnige Sitze erobern zu können hoffen. Diese Freude dürfte ihnen aber doch versalzen werden, denn das freisinnig­sozialdemokratische Berlin wird sich nicht nachsagen taffen wollen, daß es „Reaktionäre" in das Parla­ment wähle, und im letzten Augenblick daher werden die jetzt noch feindlichen freisinnigen Brüder doch ein­trächtig gegen den gemeinsamen Feind zusammenstehen. Die Konservativen ihrerseits legen bis jetzt eine Ge­schicklichkeit an den Tag, die nicht größer sein könnte, wenn fie es darauf abgesehen hätten, sich Allen und Jeden zum Feind zn machen Einerseits bemühen sie sich, durch ihre üblichen Phrasen vom „Christenthum", zu dessen Schutz Centrum und Konservative zusammen­stehen müßten, die Centrumswähler dort, wo diese dazu in der Lage sind, zur Unterstützung konservativer Kandidaten zu gewinnen, und zu gleicher Zeit ver­üben konservative Blätter die nichtsnutzigsten und ge­hässigsten Ausfälle auf den „Ultramontanismus", den „Jesuitismus" u. s. w. Und da sollen Katholiken die

's Vossenhofer Kist.

Es war zu Weihnachten 1837, am 24. De­zember. Die Glocken der Schloßkapelle von Poffenhofen in Baiern hatten eben Mittag ge­läutet, als ein Herr von hoher, echt ritterlicher Gestalt den Park verließ und elastischen Schrittes dem nahen Starnberger See zuschritt, um an dessen Ufern eine Promenade zu machen. Die männlichen Züge des Spaziergängers schienen in freudiger Aufregung zu leuchten, wie die eines Menschen, deffen Herz von einer bangen Sorge urplötzlich erleichtert wurde.

Von der entgegengesetzten Seite her kam ihm, keuchend unter der Last eines großen Bündels gesammelten Reisigs, ein altes Mütterchen ent­gegen und bot ihm ihr „Gelobt sei Jesus Christus!" „In Ewigkeit, Amen," antwortete der Begrüßte. „Na, wohin denn, gutes Frauchen," setzte er fort, „'s ist wohl recht schwer. Euer Bündel?"

„Ja, ja — 's freilich arg schwer für so a altes Weib, als wie ich. Aber, du lieber Gott, 's hat halt a Jeder sein Packer! zu tragen, der eine a großes, der andere a kleineres. Wo i hin will? Nüber nach Mairingen, zu meiner Tochter, zu meiner Toni."

„Nach Mairingen?" sagte der Herr, „da braucht Ihr Euch doch nur vom Fährmann über­setzen zu lassen!"

„O, du lieb's Herrgöttl — übersetzen lassen! Das kost ja an’n ganzen Kreuzer — das is nur was für reiche Leut'. Nein, nein, i muß schon am Ufer lang 'rumgeh'n, werd' schon immer zu­recht kommen mit meinen großen Weihnachts- pcäsentern. Hihihihi," so lachte sie recht ironisch.

„Und was sind denn das für Präsenter, wenn man fragen darf?"

„Na, hier das Reisig für die Wirthschast und hier in dem Sackerl a Gugelhopf und a paar Eier, was mir der hochwürdige Herr Pfarrer für die fünf Kinder mitgeb'n hat. 's ist gar

Kandidaten einer Partei wählen, in deren Organen sie fo „christlich" behandelt werden? Eines dieser Blätter will sogar unter dem Christenthum nur den Protestantismus verstanden haben und dieses „Christen­thum" in der Schule allein lehren und dem ganzen deutschen Volke aufzwingen! Mit diesen „konservativen Kulturkämpfern" werden natürlich die Centrumswähler ebenso verfahren, wie mit den nationalliberalen.

Zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen scheint es an einzelnen Orten zu einem Bündniß gegen die Konservativen, um eine Mehrheit der letzteren im neuen Abgeordnetenhause zu verhindern, zu kommen; wenigstens wird von einem ersten derartigen Bündniß aus dem Osten, aus Königsberg, gemeldet, und auch noch in anderen Wahlkreisen soll ein solches angebahnt werden. Im Westen, in den katholischen Laydes- theilen, werden, wie immer, alle Gegner des Centrums sich vereinigen, um das letztere zu bekämpfen; dort werden sogar die Freisinnigen mit den sonst ihnen so verhaßten Konservativen gegen das Centrum zusammen gehen, denn die Parole lautet da einfach katholisch oder nichtkatholisch. Dort verwischt der Haß gegen den Katholizismus alle Parteiunterschiede.

Die Bekämpfung des Anarchismus beschäftigt immer noch die Presse aller Parteien, aber es kommt bei der Diskussion nicht viel mehr heraus, ein Beweis, daß sie so ziemlich erschöpft ist und eingestellt werden könnte. In den Blättern derjenigen Parteien, welche umso mehr alles Heil vom Staate erwarten, je mehr sie von den Vorschriften des göttlichen Sittengesetzes sich entfernen, wird immer noch nach Ausnahmemaß­regeln gerufen, trotzdem nachgewiesen ist, daß die be­stehenden strafgesetzlichen Bestimmungen ausreichen, wenn sie richtig angewendet und gehandhabt werden, und trotzdem die mit dem Sozialistengesetz gemachten Übeln Erfahrungen von jedem weiteren ähnlichen Ver­suche dringend warnen müßten. Aber man will die unerläßliche und allein erfolgreich wirkende sittliche und religiöse Erneuerung der menschlichen Gesellschaft nicht, weil man damit zunächst bei sich selbst beginnen müßte. Auch eine Vereinbarung der verschiedenen Staaten über gemeinsam zu ergreifende Maßregeln dürfte ebenso wenig wie frühere ähnliche Versuche zu einem Ergebniß führen.

In Oesterreich-Ungarn wird eben der letzte Ver­such gemacht, den sogenannten Ausgleich, das politisch-wirthschastliche Uebereinkommen zwischen den beiden Reichshälften auf normalem, parlamentarischem Wege zu erledigen. Der österreichische Reichsrath ist zu diesem Zwecke am Montag zusammengetreten, aber die Hoffnung, daß das angestrebte Ziel erreicht werde, ist in allen Lagern sehr gering. Das alte Elend der völligen Zerklüftung trat gleich schon bei der Präsi­dentenwahl zu Tage, die bereits erkennen ließ, daß dieser neueste parlamentarische Arbeitsversuch ebenso erfolglos bleiben wird, wie die frühere. Zum Präsi­denten wurde der Abg. Fuchs von der katholischen Volkspartei; zum ersten Vizepräsidenten ein Slovene, zum zweiten ein Rumäne gewählt. Die deutsche Linke gab weiße Zettel ab, was etwa so viel heißen will, als daß sie an den parlamentarischen Arbeiten aktiv sich nicht betheiligen will, so lange die verhängniß- vollen Sprachenverordnungen nicht aufgehoben sind. An ein Nachgeben soll die Opposition gar nicht denken wollen. Und da auch die Majorität fest Zusammen­halten will, ist nicht »bzusehen, wie eine Verständi­gung erreicht werden soll, abgesehen davon, daß, selbst wenn eine solche erzielt würde, der ungarische Aus­gleichsvorschlag noch lange nicht gerettet wäre, der,

große Armuth, Jammer und Noth in die Hütten drüben. Der Tochtermann ist kurz erst aus dem Spital kommen — die Toni selbst is a nicht recht g’funb, und die Kinder sind alle noch ganz jung. Ja, ja, gnä' Herr — bei Ihnen wird sich 's Christkind'! wohl ganz anders ein­stellen."

„Da könnt Ihr Recht haben. Das Christ­kindel hat sich sogar schon heute in aller Frühe bei mir persönlich eingestellt. Meine liebe Frau hat mir ein solches bescheert!"

„Ah so! ich begreif’ schon; is denn a Bua oder a Madel?" fragte die Alte neugierig.

„Es is a Madel!" erwiderte der Herr lächelnd, „und zwar so a arg sauberes Madel, das Lisl!"

„Was?" rief die alte Bäuerin, „das Kind hat schon seinen Namen und is noch kein Tag alt?"

„Ja," erwiderte der glückliche Vater, „in unserer Familie ist das halt schon so Mode — war's a Bub geworden," setzte er mit einem leisen Seufzer bei, „so hätte er Maxrl geheißen."

„Na, da wünsch' ich recht viel Glück, Euer Gnaden — und wünsch', daß, wenn das Madel erst groß ist, daß sie auch an recht guaten Mann kriegt, der’s auch ordentlich ernähren kann."

„Nun, das wollen wir hoffen," sagte der Herr lächelnd, „und nun, gute Frau, nehmt wieder Euer Bündel auf; da habt Ihr einen Silbergulden und laßt Euch getrost vom Fährmanne übersetzen. Und wenn Ihr im Dorfe bei Eurer Tochter an­gelangt seid, so sagt Ihr, daß das Christkindel heute gar so viel zu thun und noch keine Zeit hat, hinüber zu kommen über’n Starnberger See, sie möchte sammt ihren fünf Kindern noch heute herüberkommen nach dem Schloß — und soll nach dem Christkind'l, dem Lisl von Possenhofen, fragen, da wird ihr schon Bescheid zu theil werden."

„Mein Gott — mein Gott, a richtiger Sllber- gulden!" rief die Alte ein über das andere mal — „ist's denn möglich! Ja, thut's Ihnen denn nicht weh, fo viel Geld zu verschenken? . . . ."

wie schon mehrfach hervorgehoben, für Oesterreich un­annehmbar ist. So sind die Aussichten auf eine Bei­legung des unseligen Streites heute noch ebenso trost­los, wie sie vor Monaten waren.

In Frankreich gibt es fortgesetzt selbstredend nur eine Frage: die Dreyfus-Frage. Das Mini­sterium hatte die Revisions-Kommission des Justiz­ministeriums mit der Prüfung der Dreyfus-Angelegen- heit betraut. Diese Kommission indeß hatte die Re­vision des Prozeffes mit Stimmengleichheit abgelehnt, weil ihr das vorliegende Material dazu nicht aus­reichend erschien. Gleichwohl hat der Ministerrath beschlossen, dem Kassationshof das Gesuch um An­ordnung der Revision des Dreyfus-Prozesses zu unter­breiten, und von diesem Gericht nun hängt es ab, ob die Revision stattfindet. Dasselbe soll noch vor dem am 25. Oktober erfolgenden Zusammentritt der Kam­mern seinen Beschluß fassen, dem natürlich mit Span­nung entgegengesehen wird. Es fragt sich nur, ob es gelingen wird, so lange die Ruhe im Lande ober wenigstens in Paris aufrecht zu erhalten, denn die Feindschaft zwischen Anhängern und Gegnern der Re­vision und die allgemeine Aufregung haben einen solchen Grad erreicht, daß jeden Augenblick blutige Zusammenstöße erfolgen können. So sehr kann in Frankreich eine einfache Rechtsfrage, die mehr als jede andere in Ruhe erörtert werden müßte, die Leiden­schaften erregen und die Gemüther erhitzen.

Auf Kreta ist auch noch nicht Ruhe geschaffen. Die Entwaffnung der türkischen Aufftändischen in Kandia ist zwar soweit beendet, aber die Zurückziehung der türkischen Truppen, ohne welche an eine dauernde Beruhigung nicht zu denken ist, ist noch nicht erfolgt. Als äußersten Termin für die Zurückziehung haben die Mächte den 15. Oktober bestimmt; ist sie dann nicht erfolgt, so sollen alle Städte mit türkischer Be­satzung zu Wasser und zu Land blokirt, eingeschlossen werden. Da Engländer und Russen inzwischen noch weitere Truppen nach der Insel gezogen haben und die Türkei einzusehen beginnt, daß nunmehr Ernst gemacht werden soll, soll sie die Zurückziehung ihrer Truppen bis zum 15. zugesagt haben. Es wird sich da zu zeigen haben, ob es ihr damit ernst ist, oder ob fie nur, wie seither, Zeit gewinnen will in der Hoffnung, daß sich doch noch ein anderer Ausweg finden lassen werde. Die Zurückziehung der Truppen würde wohl auch eine Auswanderung der türkischen Bevölkerung von der Insel zur Folge haben.

Der plötzliche Umschwung in China, der Rücktritt des Kaisers und die Wiedereinsetzung der Kaiserin- Wittwe in die Regierungsgewalt, hat alle Welt über­rascht, blos wahrscheinlich die Russen nicht, die bei der Umwälzung allem Anschein nach die Hände im Spiel haben, denn der entthronte Kaiser ist ein Freund der Engländer, deren Rathschlägen er ein geneigtes Ohr schenkte. Die Kaiserin-Wittwe dagegen neigt mehr nach der russischen Seite hin, und so ist der ganze Vorgang eigentlich als ein geheimer Kampf zwischen England und Rußland zu betrachten, in dem für den Augenblick letzteres den Sieg davongetragen hat. Ob dauernd, kann erst die Zukunft zeigen, denn die Engländer werden die diplomatische Schlappe, die sie hier erlitten haben, nicht so ruhig hinnehmen. Sie sollen sogar schon einige Kriegsschiffe zum Auslaufen in die chinesischen Gewässer bereit gestellt haben, wo­mit allerdings noch nicht gesagt ist, daß es gleich zu ernsten Verwickelungen kommen müsse.

„Darüber beruhigt Euch, Frauchen, und thut so, wie ich Euch sagte .... Grüß'Gott, guter Weg!"

„Vergelt's Gott tausendmal!" stammelte die Alte.

Einige Stunden später stellte sich pünkilich die Gangelhuber Toni im Poffenhofener Schlosse ein und in ihrer bäuerlichen Einfalt fragte sie in der That direkt nach dem Christkinde!, dem Lisl von Possenhofen. Ein reich galonirter Diener, welcher von der Sache unterrichtet fein mußte, führte die Frau fammt den ängstlich sich an die Mutter haltenden Kindern nach einem im Parterre ge­legenen glänzenden Saal, in welchem sich eine Dame und ein etwa sechsjähriges allerliebstes Mädchen befanden. Die Dame sagte, daß das Christkinde! heute noch nicht zu sprechen sei, es habe aber sein Schwesterchen hier beauftragt, die Frau und ihre Kinder zu beschenken. Und fo ge­schah es, und zwar in ausgedehntestem Maße, so daß sich die arme Frau und die Kinder vor Freude und Staunen kaum zu fassen wußten. Gleichzeitig wurde ihnen auch ein hübsches Sümmchen blanker bayerischer Doppelgulden eingehändigt.

„Ja, Du mein Jesus, wem dürfen wir denn auf unseren Knieen dafür danken, daß wir auf lange Zeit aus aller Noth errettet sind?" fragte die Bäuerin mit Thränen in den Augen.

„Auf den Knien danken dürst Ihr nur jenem, dessen heiligen Namen Ihr soeben ausgesprochen," erwiderte ein junger stattlicher Herr, welcher unbemerkt in den Saal getreten war.

„Ja, aber sonsten," erwiderte die arme Frau, „wer ist denn eigentlich das gute, liebe Poffen­hofener Lisl und wer ist denn der Herr, der uns herbestellt hat, und wer ist denn hier das schöne, gute Mädchen — und wer sind Sie' gnädiger Herr?"

„Ihr wollt zwar viel wissen, liebe Frau, aber trotzdem will ich Eure gerechtfertigte Neu-

K> Uom Anbau der Gerste.

Von A. K.

Die vielen Klagen der Brauereien, daß die inländischen Braugersten bei der jetzigen Kultur und Düngung minderwerthiger geworden seien (was dadurch begründet ist, daß die Körner meist durch zu schwache Wurzel und Halmbildung nicht zur völligen Reife und Ausbildung gelangen können), lassen es angebracht erscheinen, eine von einem einfachen, praktischen Landmann langjährig erprobte, sehr einfache aber gründliche Saat- aufbesserungSmethod e im Interesse der Landwirthschaft und Brauereien zur Nachahmung zu empfehlen.

Beim Gerstenbau ist es zunächst nothwendig, eine wirklich reine Saat von langjährig konstan­ten den verschiedenen,Boden- und Kulturverhält- niffen sich anpaffenden Sorten zu schaffen. Lang­jährige Versuche haben gezeigt, daß die schot­tische Chevalier und Perlgerste sich am schnellsten und leichtesten zu einer feinen Brau­gerste auch auf weniger gutem Gerstenboden heranziehen läßt.

Je nach Größe des Gerstenbaues genügen zur Auswahl der Elitesaat, von der dann immer weiter gebaut wird, einige Quadratruthen Land. Diese wenigen Quadratruthen Land sind jedes Jahr folgendermaßen zu behandeln. Sobald sich die Aehre gebildet hat, die Knotenbildungen des Halmes also aufhören, schneide man zunächst alle zu schwachen und diejenigen Halme aus, die unter sechs Knoten im Halme haben. Je mehr Knoten ein Halm hat und je kürzer folg­lich dann die Jnternodien sind, desto widerstands­fähiger ist der Halm gegen Sager und desto länger und vollkörniger werden schließlich dann die Aehren. Bei allen Versuchen mit sorgfältig aus- gewählten sechsknötigen Halmen und guten Aehren, zeigte sich, wie das Stroh immer zarter und da­bei fester und naturgemäß das Korn auf dem zarten Stroh ebenso zarthülsiger wurde. Nach mehrjähriger sorgfältiger Auswahl sechsknötiger Halme zeigten die Halme schließlich sieben Knoten und als auch diese konstant waren, wurden die Aehren entsprechend länger und vollkörniger.

Daß die Knotenzahl auf gleichen Bodenver­hältnissen sich vererbt, ist mehrfach erwiesen, u. A. hat dies auch der verstorbene Prof. Liebscher be­stätigt.

Bezüglich des vollständigen Ausreifens der Körner und der weiter damit verbundenen Fein- hülsigkeit ist das Elitesaatfeld während der Reife­zeit sorgfältig und genau zu beobachten. Man hat darauf zu achten, daß die Aehren und Körner die bei der Gelbreife erhaltene zarte hellgoldgelbe Farbe bis zur Voll- und Todtreife beibehalten und schneidet weiter nun alle die Aehren aus, die diese gelbe Farbe wieder verlieren und stattdessen grauweiß oder gar grau, also glasig werden. Die auf einem vielknotigen Halm und in einer vollständig ausgereiften Aehre fo gewonnenen golbgelbigen Körner haben sich den Boden und

gierde befriedigen. Das Poffenhofener Lisl, das ist diejheute am heili jtfn Abend geborene Prinzessin Elisabeth von Bayern, und der Euch her- bestellt hat, ist ihr Vater, der Herzog Max in Bayern; hier das Mädchen, welches Euch die Geschenke reichte, ist die Schwester des Christ- kindleins, die Prinzessin Amalie und ich — nun, wenn Jhr's wissen müßt, ich bin der Prinz Luitpold von Bayern!"

Der 24. Dezember 1837 war für die Familie Gangelhuber in Mairingen ein wahrer Glücks­und Segenstag, denn von da an war die Armuth für alle Zeit aus ihrer Hütte gewichen.

Als das Poffenhofener Lisl älter geworden, unternahmen die beiden Prinzessinnen gar oft einen kurzen Ausflug hinüber nach Mairingen und besuchten dort die Gangelhubersche Hütte; ja, sie veranlaßten, daß deren fünf Kinder auf den herzog­lichen Gütern Anstellung und Untertun ft fanden, und noch später, als das schöne jugendliche Haupt des Poffenhofener Lisl's schon längst die Krone der Kaiserin von Oesterreich und das ihrer Schwester die Krone des Königreichs Neapel zierte, unterließen es die beiden Schwestern niemals, bei ihrer Anwesenheit in Possenhofen, auch in der Gangelhuber'schen Hütte zu Mairingen vorzu­sprechen, um ihren Gruß abzugeben und eine Erfrischung zu nehmen.

Das lieft sich so schön, und's Poffenhofer Lisl war so gut und lieb. Aber gleichwohl ist sie eine unglückliche Frau geworden, eine von schwerem nagenden Leid heimgesuchte Fürstin, die auf den glänzenden Höhen des Lebens dessen dunkelste Schatten und herbste Schickungen kennen lernte. Nun hat ein elender Verbrecherbube sie, die nur Edles und Schönes athmete, nur Liebe und Wohl- thun übte, meuchlings ermordet. Wer möchte nicht, vom innigsten Herzeleid überwältigt, ihrem An­denken eine Thräne des Mitgefühles und ein Gebet für ihre Seelenruhe weihen? Die Poffen­hofener gewiß!