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Tckcheint täglich, m Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Krzugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

Fuldaer W-Ieitung

Inserate: Die ett»c spalt. Garmond- zeile oder bereu Raum 15 Pf., Re- Namen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

^""^Jaserate I.parzeller in Saida. mit Unterhaltungs-Beilage „Zlluffrirte Sonntags-Zeitung" pcteregatte llr. 2 (Harmonie).

JuLöcr, Samstag, den 1. Oktober 1898

25. JahrgMg.

Erstes Blatt.

M 224.

Professor Andreas Schick t

Heute an dem der Muttergottes geweihten Tage, am ersten des Rosenkranz - Monats, früh 6'/, Uhr starb nach langem schweren Leiden der Hochwürdige Herr Prälat, Ehren­domherr und Professor Andreas Schick. Derselbe war geboren zu Erfurtshausen am 17. August 1834, besuchte das Gymnasium zu Marburg und wurde nach Vollendung seiner theologischen Studien am Priesterseminare zu Fulda am 29. Oktober 1857 durch den Hoch­seligen Bischof Florentius Kött zum Priester geweiht. Seine erste seelsorgliche Thätig- keit entfaltete er als Kooperator zu Hofaschenbach brs zum 31. Mai 1859. Noch oft erzählte er in späteren Jahren von den glücklichen Siunden, welche er dort verlebte. Es war ihm aber von der Vorsehung die Aufgabe zugedacht, an der Erziehung der Priester unserer Diö­zese durch mehr als 3 Jahrzehnte zuerst als Lehrer am Knabenseminar, dann als Professor der neutestamentlichen Exegese, der Moral und Sozialwissenschaften am Priesterseminar und als Subregens zu wirken.

Wir stehen noch zu sehr unter dem Eindrücke der Trauernachricht, um auch nur einiger­maßen entsprechend die Wirksamkeit des Verstorbenen auf den vkrschiedensten Gebieten zu würdigen. Mit dem Tode des Seligen ist ein Priesterleben zu Ende gegangen, das sich ganz im Dienste Gottes verzehrt hat und das noch lange in den segensreichsten Folgen seine Spuren zurücklassen wird. Professor Schick war eine unermüdlich rastlose und thätige Natur. Es war ihm nicht genug, im Priesterseminare als Lehrer und später als Professor der Moral zu wirken, dem neben einer ausgezeichneten theologischen Schulung eine große Erfahrung als gesuchter Seelenführer und Beichtvater zu Gebote stand. Die Noch der Zeit und sein energischer Charakter trieben ihn hinaus aus den stillen Räumen des Priesterseminars, um auch als Apostel im öffentlichen und sozialen Leben thatkräftig einzu­greifen.

Nicht lange Zeir nachher, als er zum Subregens ernannt war, brach der unglückliche Kulturkampf aus. Mit dem unmittelbaren politischen Kampfe gegen unsere hl. Kirche ging der geistige Kampf in der Tagespresse, in Broschüren und gelehrten Werken Hand in Hand.. Sollten diese Angriffe zurückgewiesen werden, so'müßte man zu denselben Mitteln greifen, mit denen die gute Sache bekämpft wurde. In diesen Tagen der Noth stand der Verstorbene zugleich mit dem hochseligen Bischof Georg Ignatius im Mittelpunkte des öffentlichen Lebens und der katholischen Bewegung unserer Stadt. Nicht lange dauerte es, da entstand unter seiner Mitwirkung die Aktiendruckerei-Gesellschaft, zu deren Vorstand er bis zu seinem Lebensende gehört hat. Ihre Aufgabe war es, ein täglich erscheinendes Blatt, die ,Fuldaer Zeitung', herzustellen. Das war aber dem Seligen noch nicht genug. Genau vertraut insbesondere mit den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung, gab er sich daran, ein Sonntagsblatt erscheinen zu lassen, und so predigte er denn gleichsam ein anderer Bonifatius allsonntäglich in seinem ,Bonifatiusboten' unserem katholischen Volke die Wahrheiten unserer hl. Religion, um daneben ihm noch ein Warner und Benutzer in allen Lagen des Lebens zu sein.

Nur kurz können wir hier erwähnen, daß er die Seele des katholischen Vereins­lebens in Fulda wurde und blieb. Um die Jugend zu schützen gegen die Gefahren, die ihr von allen Seiten drohten, gründete er die Jünglings-Kongregation, welche er mehrere Jahre hindurch, und wir wissen es mit welchem Geschick und Erfolg, geleitet hat. Die soziale Noch unserer Tage fand in ihm einen verständnißvollen und opferfreudigen Helfer. Noch ist es in aller Erinnerung, wie er bei der traurigen Lage unserer Landwirlh- schaft niemals fehlte, wo es galt nach Abhilfe zu suchen, und wie keine größere Versamm­lung abgehalten wurde, auf derer nicht berach.u), tröstend und ermunternd eingriff. An seiner Bahre trauert auch die hiesige Dienirmädchen - Kongregation, der er im Marienheim ein bleibendes Heim hinterlassen; hat.

Ganz besonders aber galt seine Sorge dem Heranwachsenden jungen Klerus, wohlwissend, daß von ihm und seiner Thätigkeit das geistige wie zeitliche Wohl des Volkes vor allem bedingt ist. In seinem ,Bonifatiusboten' ließ er seinen Bitrruf an das kathol. Volk ergehen, daß es zur Erziehung des Klerus sein Scherflein als Josephspfennig bei­tragen möge. Wie reichlich Gott dieses segnete, ist allbekannt. Eine Reihe junger Priester verdanken ihm Beruf und Stellung. Die Lateinschulen zu Amöneburg und Geisa sind zum guten Theil sein Werk, zur Gründung einer dritten hat er bereits alles eingeleitet, und zum Bau des herrlichen großen Knabenkoavikcs hat er reichliche Gaben beigesteuert. Daneben vergaß er seine Confratres nicht. Um das geistliche Leben zu heben, ein einheitliches gemein­sames Wirken zu ermöglichen und zugleich zur wissenschaftlichen Thätigkeit anzuregen, rief er die Pastoral-Konferenzen in's Leben, die alljährlich viermal unter seiner Leitung abgedalten wurden.

Und noch immer ist damit seine reichgesegnete Thätigkeit nicht erschöpft. Wie er einstens im Kulturkampf mit hingebendstem Opfermuihe sich der verbannten Ordensleute annahm, und den Konvent der hiesigen Benediktinerinnen und der englischen Fräulein in's Ausland be­gleitete, so war er immer ein wahrer Vater der Armen, denen er in geistiger wie leiblicher Noth seine Hilfe nie versagte. Zuletzt beschäftigte noch fein ganzes Denken der würdige Ausbau der Severikirche, für welche er Wohlthäter zu erwecken wußte, und der er selbst ein Wohlthäter wurde.

Prof. Schick war eine einfach schlichte und sinnig fromme Natur. Nie hat er im Leben nach Ehren und Auszeichnungen gestrebt, wenn sie ihm auch gerade in seiner letzten Lebenszeit durch seine Ernennung zum Ehren-Domherrn und päpstlichen Geheimkämmerer ru Theil wurden. Was seinem Leben Ziel und Richtung gab und ihn zu einer Zierde des Klerus machte, war seine glühende Gottes- und Nächstenliebe, der er nie genug thun konnte und in deren Dienste er alle seine Kräfte verzehrte. Möge Gott ihm ein reicher Vergelter fein für alles das, was er hier auf Erden für ihn erstrebt und erkämpft, für ihn gelitten und geopfert hat. R. I. P.

I Eine konservative Kundgebung.

Donnerstag ist in den Organen der deutsch- konservativen Partei der Wahlaufruf der Konser­vativen für die bevorstehenden Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause erschienen. Diese Kundgebung ist nicht nur für Preußen interessant. Namentlich eine Stelle des Aufrufes verdient Beachtung, nämlich da, wo der Aufruf es für eine Aufgabe der konservativen Partei erklärt, „im Landtage darauf hinzuwirken, daß der preußische Einfluß auf Reichsange­legenheiten im Sinne der von ihr ver­tretenen Interessen gehandhabt wird". Das ist wenigstens einmal offen gesprochen. Also vor allen Dingen dreht es sich bei den Konser­vativen um die Interessen ihrer Partei-Ange- hörigen, und die große Macht, die die Konser­vativen durch die hohe Zahl ihrer Parteimit­glieder im preußischen Landtage ausüben, wollen sie ausnützen in dem Sinne, daß Preußens Ein­fluß im Reiche gestärkt wird und Preußens Einfluß im Reiche den Interessen der preußischen Konservativen dienstbar fein soll. Die Unver­frorenheit ist kostbar, mit der hier öffentlich die konservativen Anschauungen und Ansprüche dar­gelegt werden. Die konservative Partei will durch den preußischen Landtag die preu­ßische Regierung beherrschen und dieser zu noch größerer Macht gegenüber den anderen Bundesstaaten verhelfen, und bann will auf diese Weise die preußisch - konservative Partei das deutsche Reich beherrschen und so seine Politik leiten, daß sie den In­teressen derjenigen diene, die derpreu- ßisch-konseroativen Partei angehören! Dieser Gedanke mag den Konservativen freilich sehr schön vorkommen. Aber hoffentlich kommt es ganz anders. Und wer vom Centrum noch jetzt zweifelhaft darüber war, ob es nicht be­denklich sei, hier und da mit links stehenden Leuten gegen die Konservativen bei dieser Land­tagswahl zu arbeiten, dem geht nun hoffentlich ein Licht arff, und und zwar ein recht großes und Helles: denn es würde geradezu ein Un­glück bedeuten, wenn im neuen preußischen Ab­geordnetenhause die Konservativen in sich selbst eine Mehrheit erhalten würden.

Im übrigen unterscheidet sich der konservative Aufruf nicht viel von der Art, die Wahlaufrufen im allgemeinen eigen zu sein pflegt. Das heißt, er ist in den meisten Stücken so allgemein ge­halten, daß ihn noch mehr Leute als allein die Konservativen unterschreiben könnten. Und nament­lich in einem Punkte von denen, die der Aufruf hervorhebt, stehen ja Konservative und Centrum ganz und gar auf einem Boden, nämlich in der Wahrung des christlichen Charakters des Staates und der konfessionellen Volksschule. In diesem Sinne sagt der konservative Wahl­aufruf : „Durch den christlichen Charakter unseres Staates wird bedingt, daß den christlichen Kirchen eine freie, den allgemeinen Interessen des Staates gegenüber richtig bemessene Stellung erhalten, insbesondere der berechtigte Einfluß auf die Erziehung des Volkes gewahrt werde .... neben der Wahrung der natürlichen Rechte der Eltern und der Gemeinden wird un­bedingt der konfessionelle Charakter der Volksschule aufrecht zu erhalten fein."

Gewiß! Aber auch hier gibt es ein Aber. War denn bisher die Haltung der Konservativen so, daß sie diesen sehr richtigen Sätzen ent­sprochen hätte? Nein, durchaus nicht. Vor allen Dingen haben bisher die Konservativen gar nicht daran gedacht, im preußischen Land­tage das Centrum in dessen Bestreben zu unter­stützen, der katholischen Kirche „eine freie, den allgemeinen Interessen des Staates gegenüber richtig bemessene Stellung" wieder zu verschaffen. Im Gegentheil haben die Konservativen stets die Regierung unterstützt darin, wenn es galt, die Freiheit der katholischen Kirche und ihre segensreichen Einrichtungen zu beschneiden; und sie haben bisher noch nicht die geringste Anstalt dazu gemacht, hilfreiche Hand dazu zu bieten, daß aus der preußischen Ver­fassung wieder diejenigen Artikel verschwinden, die durch die traurige Mai-Gesetzgebung hineingekommen waren und die Freiheit und Selbst­ständigkeit vernichtet haben, die der katholischen Kirche vordem durch dieselbe Verfassung gewähr­leistet sein sollten. Entgegen den berechtigten Interessen der katholischen Kirche und der preußischen Katholiken halsen im Kulturkämpfe die Konservativen zum Theile mit an dem Bruche der Verfaffung; und bis heute ist es noch keinem von ihnen ein­gefallen, das Unrecht, das damals begangen wurde, wieder gut machen zu Helsen. Darum ist auf die schönen Worte im konservativen Wahl­aufrufe nicht viel zu geben. Erst wollen wir Thaten bei den Konservativen sehen, die diese Worte wahr machen. So aber müssen wir annehmen, daß die Konservativen nicht ernstlich gesonnen sind.

aus der Theorie im Wahlaufrufe die entsprechende Praxis im politischen Leben entstehen zu lassen; und deswegen können auch diejenigen Stellen ihres Wahlaufrufes das Centrum nicht verlocken, die äußerlich int Einklänge zu stehen scheinen mit den politischen Grundsätzen des Centrums selbst.

Natürlich wird es hier und da vorkommen, daß bei der bevorstehenden Neuwahl zum preußischen Abgeordnetenhause Centrumsstimmen einem konser­vativen Wahlbewerber zufallen. Das hängt ja ganz von den einzelnen Personen ab, die dabei in Frage kommen. Aber im allgemeinen wird es naturgemäß auch dem Centrum vor allen Dingen darauf ankommen müffen, das preußische Abgeord­netenhaus vor einer konservativen Mehrheit zu bewahren. Und es ist das alte falsche Spielchen, wenn konservative Partei-Organe die Sache so darzustellen suchen, als werde diese Anschauung nur von einem bestimmten Theile des Centrums gehegt, nämlich von dem sogenannten demokratischen Centrums-Flügel, von dem merkwürdigerweise nur andere Leute etwas wissen, nicht aber das Centrum selbst.

Wollen die Konservativen, daß es in Zukunft anders werde, so haben sie es ganz und gar in der Hand, das zu bewirken. Sie brauchen nur ein wenig ihre Fehler abzulegen. Dann wird sich die Abneigung des Centrums von selbst verlieren, gegen die jetzt alle Ueberredungskünste der Konser­vativen vergeblich aufgeboten werden.

Deutsches Deich*

Berlin, 30. September.

X Das kaiserliche jSpaar wird am 17. Oktober in Konstantinopel eintreffen und am Paläste Dolma Bagdsche an's Land steigen, em­pfangen vom Sultan. Von dort wird die Fahrt nach dem Uildiz-Palaste, wo das kaiserliche Paar wohnen wird, zu Wagen gemacht werden. Am 19. Oktober wird der Kaiser eine Fahrt nach Jedikule zur Besichtigung der Festungsmauern machen, die Kaiserin inzwischen dem Harem einen Besuch abstatten. Am Tage danach wird eine gemeinsame Uacht-Fahrt im Bosporus bis Kaoak veranstaltet, am 22. Oktober wird die Abfahrt nach Konstantinopel erfolgen. Auf den dringen­den Wunsch des Sultans werden der Vizekönig von Aegypten und sein Bruder Mehmed Ali Pascha während der Anwesenheit des kai­serlichen Paares in Konstantinopel ebenfalls dort sich aufhalten. Der Reisemarschall der Königin von England, Herr Söffe, wird dem Kaiser auf dessen Fahrt nach Jerusalem voraufgehen, und zwar mit ausdrücklicher Einwilligung der Königin Viktoria. Vier Kunstmaler werden sich im Gefolge des Kaisers befinden, die Herren Professor Knackfuß und Marinemaler Saltz- mann, der Orientmaler Max Rabes und Ismael Gentz.

* Reichskanzler Jürg zu Koheulohe trifft am Samstag wieder in Berlin ein und über­nimmt von diesem Tage ab wieder die Leitung der Geschäfte.

st Wie mehrfach angekündigt, soll in diesen Tagen das Schema eines «eueu Zolltarifs vom Reichsschatzamt fertig gestellt werden. In den ersten Tagen der nächsten Woche soll es halbamtlicher Mittheilung zufolge zur Prüfung an die Bund esregierungen versandt wer­den. lieber die andere Eintheilung des Schemas ist bereits vor einiger Zeit Mittheilung gemacht worden, lieber die Veränderungen in einzelnen Zollsätzen wird, wie sich von selbst versteht, vor­läufig Stillschweigen beobachtet.

-}- In Handelsreisen werden die Bemühungen gegen den Plan fortgesetzt, die Werwattung des Masseröaues in Preußen dem Land- wirthschafts-Ministerium zu übertragen. So beschäftigte sich erst wieder das Aeltesten- Kollegium der Berliner Kaufmannsschaft am letzten Donnerstag mit dieser Angelegenheit. Man be­schloß, so bald als möglich den zuständigen Stellen eine Eingabe gegen diesen Plan zu­gehen zu lassen und barhr die Einrichtung eines selbstständigen Wasserba u-Ministeri­ums zu befürworten; denn „Handel und In­dustrie hätten gegen den bezeichneten Plan der Regierung die schwersten Bedenken". Es ist schwerlich anzunehmen, daß die Eingabe be- sondern Eindruck machen wird, wenigstens dann ist das nicht anzunehmeu, wenn die genannte Körperschaft mit dieser Eingabe allein vorgeht. Dieselbe erfreut sich weder bei der Regierung noch in Volks kreisen besonderer Beliebtheit. Uebrigens läßt Staatsminister v. Miquel durch einen seiner Leiboffiziosen erklären, er fei der Ansicht, daß die Kanal-Vorlage vom neuen preußischen Abgeordnetenhaufe mit guter Mehr­heit werde angenommen werden. In der That spürt man m dem konservativen Wahlaufrufe von Opposition gegen diese Pläne „kaum einen Hauch". Was sollten auch die Herren anfangen