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mit Ilnterhaktungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung." ■“XXX.'TXS"*"'
M 223.
AuLöcr, Freitag, den 30. September 1898
25. Jahrgang
Lkhte Ammer Les Gmlals.
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A Papst Leo XIII. und das franMsche Protektorat im Orient.
Das Antwortschreiben des heil. Vaters auf den Brief des Kardinal - Erzbischofs Langönieux von Reilys in Sachen des französischen Protektorates im Orient hat in einem Theile der ausländischen Presse eine durchaus falsche, stellenweise geradezu böswillige Auslegung gefunden. Obwohl der heil. Vater weit weniger von den Rechten .Frankreichs, als vielmehr von den Pflichten spricht, die Frankreich aus dem Protektorate erwachsen, haben französische Blätter, nachdem sie schon geraume Zeit von weitgehenden Plänen des deutschen Reiches in Bezug auf die Schutzherrschaft über die Katholiken im Orient gefabelt hatten, den Anschein zu erwecken gesucht, als schaffe das päpstliche Schreiben ein neues Recht zu Gunsten Frankreichs im Gegensatz zu den (angeblichen) deutschen Aspirationen; sie lasen und lesen aus dem Schreiben heraus, Papst Leo Xlll. habe Frankreich das ausschließliche Schutzrecht zugestanden und Mitgliedern der römisch - katholischen Kirche im Orient, gleichviel welcher Nationalität, nunmehr Re strenge Verpflichtung auferlegt, Frankreich in jedem Falle als Schutzmacht anzuerkennen und seine Hilfe, wenn nöthig, anzurufen. Die katholische deutsche Preffe ist diesen Bemühungen französischer Organe, die Worte des hl. Vaters im national - französischen Sinne auszubeuten, sofort mit Entschiedenheit und Erfolg entgegengetreten, indem sie (vergl. .Germania' Nr. 209, 3. Bl. vom 13. September er.) an der Hand des päpstlichen Schreibens selbst und der darin erwähnten Erklärung der Kongregation der Propaganda vom 22. Mai 1888 schlagend nachwies, daß der heil. Vater, weit entfernt, eine Neuerung treffen zu wollen, nur den status quo festgelegt habe und sich auf die Anerkennung des französischen Schutzrechts beschränke — dovunque ö in vigore, wo es in Kraft ist, d. h. soweit es auf Grund internationaler Verträge thatsächlich besteht. Diese Auffassung ist von der katholischen Presse Roms als die richtige bestätigt worden. Und damit ist auch Len Unterstellungen antikatholischer italienischer Blätter der Boven entzogen, die mit Freuden die französischerseits dem päpstlichen Schreiben gegebene Deutung sich zu eigen gemacht hatten, um den regierenden Papst als einseitigen Förderer französischer Interessen zu Ungunsten der deut- chen Katholiken hinzustellen. So hatte z. B. die ,Opinione' den Brief des hl. Vaters als eine Beleidigung und Benachtheiligung der Katholikeu Deutschlands, als eine Kriegserklärung des päpstlichen Roms an das deutsche Reich u. s. w. bezeichnet — natürlich nicht aus Mitgesühl für die gekränkten Deutschen, sondern weil sich eine will- kommene Gelegenheit zu bieten schien, Uneinigkeit
In den Sergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
3.6 ------- (Nachdruck verboten.)
Paul schaute die Beterin so unverwandt an, daß ihm zuletzt so zu Muthe war, daß er selber beten mußte. Das Glöckchen läutete zum Sanktus. Die Frau im Rollstuhl neigte den Kopf und flüsterte der neben ihr Knieenden einige Worte zu. Darauf erhob sich diese, reichte der Mutter das Riechfläschchen, welches sie stets bei sich trug, wenn sie dieselbe zur Kirche führte, und schob sie -einige Schritte nach rückwärts neben die geöffnete Thüre.
Dabei fiel ihr Auge auf Paul, der in nächster Nähe von ihr stand; da sah sie seinen warmen Blick auf sich gerichtet mit einem Ausdruck, der ihr Herz schneller schlagen machte und einen warmen Strom durch alle Adern jagte. Sie rmete wieder nieder, aber es war ihr, als sei sie ln Sonnenschein, Glanz und Glückseligkeit 4anz emgehüllt. Sie schaute unverwandt auf den Ä.tar, aber es schimmerte vor ihren Blicken und als nun der Priester die hl. Hostie in die Hohe hob, da standen ihre Augen voll Thränen. Sie senkte den Kopf, senkte ihn so tief, daß niemand sehen konnte, wie es über ihre Wangen herunterrann, schluchzte in sich hinein und 'ihr Herz sand keine anderen Worte, um dem Gott auf dem Altäre seine Huldigung darzubringen, als indem sie immer wieder und wieder ausrief: „O Gott, wie gut, wie gut bist Du!"
Frau Holder liebte es nicht, zugleich mit der ländlichen Bevölkerung von Piburg die Kapelle
zwischen den Katholiken Frankreichs und Deutschlands zu säen und bei den Letzteren Mißtrauen gegen den heiligen Stuhl wachzurufen.
Unter diesen Umständen dürfte den Lesern unserer Zeitung ein Artikel der „Voce della veritä“ von Interesse sein, der sich gleicherweise gegen die Mißdeutungen des päpstlichen Schreibens sowohl seitens französischer wie italienischer Blätter berichtet. Er lautet:
„So schmerzlich es ist, aus dem Munde des Papstes selbst zu hören, daß die Interessen des Katholizismus im heiligen Lande leiden und bedroht sind, ebenso er- muthigt die freimütige Entschiedenheit zu neuen Hoffnungen, mit der seine mahnende Stimme zunächst' die französischen Katholiken und sodann die übrigen antreibt, mit Eifer und Selbstverleugnung vorzugehen, um der Kirche an den Orten, an denen sich die Geheimnisse der Erlösung vollzogen haben, den alten Glanz wieder zu verleihen.
Das Protektorat Frankreichs im Orient besteht seit Jahrhunderten, und es könnte kein vernünftiger Grund angeführt werden, das Bestehende zu vernichten, bevor man nicht einen würdigen und gleichwerthigen Ersatz geschaffen hätte. Die Erfahrung hat gezeigt, wie nützlich die Einheit des Handelns hinsittlich des Schutzes der katholischen Missionen und Institute ist, deren Seher überdies, welcher Nation sie auch angehören, regelmäßig (das trifft allerdings, wie sich wiederholt gezeigt hat, nicht zu. D. Red.) bei den Vertretern Frankreichs ein Wohlwollen und eine Fürsorge gefunden haben, wie sie es schwerlich selbst bei den Diplomaten ihrer Nation größer suchen würden. Ihr eigenstes Interesse läßt sie die Fortdauer des überkommenden Standes der Dinge wünschen, den, ohne die Verantwortlichkeit ihres Thuns zu begreifen, nur die Erreger der nationalen Leidenschaften und jener äußersten Rivalität zwischen Völkern und Staaten sehnlichst zu zerstören verlangen, die aus Europa ein ungeheueres Feld des Kampfes und der Vernichtung gemacht haben.
Der Beruf und die Aufgaben, sowohl der Individuen wie der Völker, drängen sich mit Gewalt auf, werden nicht in dreister Weise übernommen und ergeben sich nicht aus einer bloßen Laune. Warum also Frankreich verhindern wollen, seine guten Dienste den Missionaren und Instituten zu leihen, die darum nachsuchen?
Das Beste wäre, wenn Frankreich selbst, um sein Protektorat aufrecht zu erhalten und zu sichern, seinen fruchtbaren Eifer verdoppelte, seine katholischen Einrichtungen im Orient zu vermehren; wenn ihrerseits die deutschen Katholiken ihm nachahmten, nicht sowohl des internationalen Wettbewerbes willen, sondern um sich den protestantischen Landsleuten gegenüber eine feste Stellung zu schaffen, und wenn alle katholischen Völker, einig in heilsamer Arbeit, sich wechselseitig besser schätzen und unterstützen lernten angesichts der Rivalität der andersgläubigen Kulte.
Das ist die Frucht, welche die katholische Welt von dem gegenwärtigen Schritte des Papstes zu Gunsten des französischen Protektorats im Orient wünscht und erwartet.
Die Unredlichkeii, mit der die .Opinione' die Absichten und die Schritte des Papstes verkehrt, in so weit sie auf den Brief des Kardinals Langsmeux Bezug haben, ist überaus abscheulich.
Man begreift übrigens, wohin ihre krankhaften Kritiken zielen, darauf nämlich, Eifersüchteleien und Uneinigkeit zwischen den Katholiken Frankreichs und Deutschlands zu schaffen, zu dem Zwecke, daraus Nutzen für ihre Ideale zu ziehen, die durchweg darin bestehen, dem hl. Stuhl Schwierigkeiten zu bereiten, indem man ihn für Personen und Dinge voreingenommen erscheinen läßt.
Aber wie geschickt das Manöver der .Opimone' auch ist, es fällt doch gegenüber der außerordentlichen Durchsichtigkeit der Thaisachen nicht ins Gewicht. In Sachen des Protektorats ist keinerlei Neuerung eingetreten. Langenieux ist nicht der Vorkämpfer von Parteigängern. Er ist einfach eine Person, die stets einen großen Eifer für die Angelegenheiten des Orients gezeigt hat. Er war es, der 1894 dem eucharistischen Kongresse in Jeru- sam präsidirte, und der sich jeder Zeit für die dringendsten Bedürfnisse der lateinischen Katholiken, sowohl derer, die der Pforte unterstehen, wie den andern, interesstrt
zu verlassen; die neugierigen ober mitleidigen Blicke waren ihr unausstehlich, noch unausstehlicher Worte der Theilnahme oder der Unterhaltung, und darum kam ihr Rollstuhl auch immer erst, wenn alle anderen Kirchenbesucher außer Sicht waren. Heute jedoch zögerte Lilian noch länger wie gewöhnlich, sich von den Kuieen zu erheben, und erst als die Mutter ihr zuraunte, was sie diesmal so lange zu beten habe, machte sie das Kreuzzeichen und stand auf.
Als sie den Rollstuhl vorsichtig vor sich her schiebend, ins Freie trat, konnte sie doch Nicht unterlassen, mit ihren Blicken wie suchend nach nach allen Richtungen umherzuschweifen. Sie sah nicht, wie das Thal zu ihrer Linken in bunter, morgenfrischer Schönheit glänzte; sie sah nicht, wie die thauschweren Alpenrosen gleich Rubinen durchs Dickicht leuchteten, sie sah nur, wie dort, wo der Waldweg steil abwärts geht, über Haderlohn nach Oetz, jemand in hellgrauer Lodenjoppe stand. _ Er schien der schönen Landschaft mehr Interesse entgegenzubringen wie sie, denn er stand gegen den schlanken Stamm einer Fichte ange- lehnt, und betracht, te das aus grünen Wiesen- grund hingelagerte Pieburg mit dem liebevollen Auge eines Naturfreundes." Da sah er das junge Mädchen kommen, da grüßte er sie und sie grüßte wieder, und in diesem Gruße lag alles.
Die Augen der Mutter aber waren halb erloschen; sie sah wohl, daß dort jemand grüßte, aber sie glaubte, es sei einer von den Bewohnern von Oetz oder Piburg und nickte ebenfalls herablassend mit dem Kopfe. Den Ausdruck, der das Gesicht ihrer Tochter verklärte, als sie dem Grüßenden dankte, hatte sie ja nicht wahrgenommen.
hat. Gleichwohl war es sehr natürlich, daß angesichts gewisser Polemiken, die sich gegen den Papst richteten, dieser, zumal in einer schon entschiedenen Sache, nicht anders antworten kor.nte, als er geantwortet hat.
So fallen alle liberalen Muthmaßungen von Begünstigung, von Gefälligkeiten und Aehulichem, deren vielleicht andere fähig wären, aber nicht die Würdenträger der Kirche, am allerwenigsten der oberste Hirte der Katholiken, der auch bei dieser Gelegenheit nichts Anderes gethan hat, als feierlich ein Herkommen zu bestätigen, das sich den Interessen seiner Kinder und dem Frieden der Christenheit als nützlich erwiesen hat."
* Königin Luise von Dänemark f.
Im Schloß Bernstoiff bei Kopenhagen ist, wie wir schon gestern unter.Neueste Post' meldeten, Donnerstag früh die Königin Luise von Dänemark im Alter von 81 Jahren gestorben. Alle Welt war auf den Tod der Königin vorbereitet, und so war ihr Sterbelager umgeben von fast allen ihren Angehörigen. Die nunmehr verstorbene Königin hat in der europäischen Politik eine sehr bedeutsame Rolle gespielt; und als Fürst Bismarck einmal sprach von den „vielen politischen Fäden die von zarten Frauenhänden gesponnen, amKopenhagenerHofe zusammenlaufen", da meinte er die politische Thätigkeit der Königin Luise selbst. Diese Thätigkeit fand eine starke Stütze in den außerordentlich weit verzweigten Familienbeziehungen der Königin, Beziehungen, die ihr auch den für sie so ehrenvollen Beinamen der „Schwiegermutter von Europa" eingetragen haben. Ihre drei Töchter verheirathete sie an den Prinzen von Wales, an den nachmaligen Zar Alexander 11b. und an den Herzog von Cumberland; ihr zweiter Sohn, Prinz Christian Wilbelm, bestieg als Georg I. den griechischen Königsthron. Sie selbst war i.J. 1817 als eine Prinzessin von Hessen-Kassel geboren und vermählte sich mit dem Prinz-n Christian von Schleswig - Holstein - Sonderburg- Glücksburg, dem späteren König Christian IX. von Dänemark am 26. Mai 1842. Glänzende äußere Erscheinung, reiche geistige Begabung und bestrickende Liebenswürdigkeit im Umgänge mit Menschen machten aus ihr eine Fürstin, wie sie selten zu finden sind —„jeder Zoll eine Königin". In früheren Jahren war sie in Dänemark wenig beliebt. Später ist diese Stimmung vollkommen zu ihren Gunsten umgeschlagen, und jetzt wird sie in Dänemark schmerzlich vermißt werden. Für ihre Kinder, Schwiegerkinder und Enkel hegte und bethätigte sie stets große Zuneigung und Liebe, und namentlich sehr bekannt ist die Steigung, mit der Zar Alexander III. diese Gesinnungen seiner Schwiegermutter erwiderte. Das Leben der Königin war reich an Freude; aber, wie man weiß aus der Lebensgeschichte mehrerer ihrer Kinder und Schwiegerkinder, es war ebenso reich an Trauer und Leid. Für die große Familie der Königin ist ihr Tod ein großer und unersetzlicher Verlust.
Deutsches Keich.
Berlin, 29. September.
Zu dem diesjährigen praktisch sozialen Kursus zu Straßburg i. Els, abgehalten im Katholischen Vereinshause (Kellermannstaden 8) vom 9.—15. Oktober 1898 ist folgende Tages-
Am Nachmittag, als die Mutter schlief, saß Lilian, es war schier das erste Mal, nicht bei ihrer Arbeit. Mit tausend Fäden hatte es sie hinausgezogen in den Wald; sie hatte ja niemand, mit dem sie sprechen, den sie fragen konnte, was das sei, was in ihr wogte und fang und jauchzte, und woher es käme, daß die Erde, die sie bis- heran für eine Durchgangsstation, für ein Thränen- thal gehalten habe, plötzlich ein Himmelreich zu sein schien. Ihrem Liebling, dem murmelnden Bächlein, wollte sie's erzählen; für ein halbes Stündchen nur wollte sie in den Wald hinein, auf dem versteckte» Plätzchen, welches sie stets so sehr lockte, wenn sie ins Thal hinunterging, ein Weilchen sich niederlassen und darüber träumen, wie das sein mag, wenn der Mensch so ganz und gar glücklich ist.
So eilte sie leichtfüßig wie ein Reh den bekannten Weg hinab, die sonst so blaffen Wangen leicht geröthet, die sonst so stillen Augen leuchtend und den Hut am Arme, denn sie wollte, daß die frische Wcüdluft ihr die heiße Stirne kühle. Als sie zu der Stelle kam, wo das dem Pikmrger- fee entronnene Bächlein in sanftem Kaskadengefälle zu Thale eilt, bis es sich in einer von Brombeergestrüpp überhangenen kleinen Schlucht dem Auge entzieht, schwang sich das Mädchen leichten Fußes hinüber auf die andere Seite, wo oberhalb des Gefälles ein niederer Felsblock wie ein Aussichtsthron hingelagert war. Alpenrosen wuchsen an dem Fuße des Steines, Alpenrosen rechts und links um Lilian herum, sie saß wie auf einem königlichen Sessel und königlich sroh war ihr ums Herz.
Sie pflückte Alpenrosen und warf sie ins
ordnung festgesetzt: Sonntag, 9. Oktober, Abends 8 Uhr: Begrüßung der Gäste im kathol. Vereinshause. Montag, 10. Oktober, Vormittags 8 Uhr: Feierliches Heiliggeistamt im Münster mit Pontifikalaffistenz. Vormittags 9’/s Uhr: Vorträge. Prof. Dr. Müller-Straßburg: Klerus und soziale Frage. Prof. Dr. Hitze-Münster: Die Arbeiterfrage im Lichte der neuesten Berufsund Betriebsstatistik. I. Nachmittags 3'/z Uhr: Referate zur Diskuffion: Redakteur Eckard-Stuttgart und Stadtpfarrer Celty-Mühlhausen: 9leue Aufgaben der katholischen Arbeitervereine. Abends 8 Uhr: Abendunterhaltung im katholischen Vereinshause, veranstaltet vorn „Arbeiterverein", der „Arbeiterstube" und dem „Gesellen - Verein". Dienstag, 11. Oktober, Vormittags 9 Uhr: Vorträge. Prof. Pesch-Exaeten: Der Sozialismus mit besonderer Berücksichtigung seiner neuesten Entwickelung. I. Prof. Dr. Hitze-Münster: Die Arbeiterfrage im Lichte der neuesten Beruf«- und Betriebsstatistik. II. Dr. Frhr. von Kölh - Sörgenloch: Bauernvereine. Nachmittags 3l/a Uhr: Referate zur Diskussion: Vikar Müller- Düttlenheim: Ländliche Darlehnskassen-Vereine. Dr. Srauven-Straßburg: Ländliche Absatz- und Bezugs- rc. Genossenschaften. Abends 8 Uhr: Abendunterhaltung im katholischen Vereinshause, veranstaltet von der Gesellschaft „Katholischer Leseverein", den Männervereinen „FidelitaS" und „Leo-Verein", sowie dem katholischen kaufmännischen Verein „Argentina". Mittwoch, 12. Oktober, Vormittags 9 Uhr: Vorträge. Prof. Dr. Hitze-Münster: Die Arbeiterfrage im Lichte der neuesten Berufs- und Betriebsstatistik. III. Rechtsanwalt C. Trimborn-Köln: Kommunale Sozialpolitik. Prof. Dr. Pesch - Exaeten: Der Sozialismus mit besonderer Berücksichtigung seiner neuesten Entwickelung. II. Nachmittags: Besichtigung der Stadt sowie der Kaiser!. Tabakmanufaktur Straßburg und der Elsässischen Maschinenfabrik zu Grafenstaden. Abends 8 Uhr: Generalversammlung des Volksvereins für das kathol. Deutschland im kath. Vereinshause. Es werden sprechen die Herren Reichstagsabgeordneten Spies, Winterer, Gröber und Trimborn, sowie Generalsekretär Dr. Pieper. Donnerstag, 13. Oklober, Vormittags 9 Uhr: Vorträge. Landgerichtsrath Gröber - Heilbronn: Soziale Bedeutung des neuen Handelsgesetzbuches. Landesrath Brandts-Düsseldorf: Wohnungsfrage. Direktor Dr. Geisenberger - Straßburg: Die Organisation des Handwerks. Nachmittags 3'/« Uhr: Generalversammlung des Verbandes „Arbeiterwohl". Tagesordnung: Arbeitskammern. Abends S1^ Uhr: Kommers im kath. Vereinshause, veranstaltet vom kath. Studentenverein „Frankonia". Freitag, 14. Oktober, Vormittags 9 Uhr: Vorträge. Prof. Rösler - Mautern: Frauenfrage. Dr. Werthmann-Freiburg i. B.: Neuere Bestrebungen auf dem Gebiete der katholischen Charitas. Dr. Pieper - M.-Gladbach: Volksbildungsbestrebungen. Nachmittags 3’/a Uhr: Referat zur Diskuffion. Prof. Dr. Hitze-Münster: Vincenz- vereine. Abends 8 Uhr: Abschiedszusammenkunst im katholischen Vereinshause. Samstag, 15. Oktober, Vormittags 8 Uhr: Vorträge. Prof. Dr. Lang-Straßburg: Bedeutung der Alkoholfrage für unsere Zeit. Dr. Pieper-M.-Gladbach:
Waffer hinein, und dachte, daß sie den Weg finden würden nach Oetz; sie pfiff den Eichkätzchen zu, welches über ihr den höchsten Gipfel zu erklimmen suchte; sie ahmte das Gezirpe der kleinen Vöglein nach, welche ihre Köpfchen aus dem Neste herausstreckten; die Welt schien ihr ganz wunderschön, voll Glanz und Sonnenschein. Sie war mit einem Male, und nur dies eine Mal in ihrem Leben, das was sie nie gewesen war, — ein ausgelassenes Kind.
Sie gab sich keine Rechnung von ihrem Gefühl, sie fragte sich nicht, woher es käme, und wohin es führe, sie wollte nur fühlen, wie das durch und durch glücklich sein ist, und beim Nachdenken hätte es jedenfalls von feinem Zauber verloren. Da hörte sie Stimmen aus der Ferne, bann hörte sie Schritte, welche sich näherten. Sie machte sich ganz klein, damit niemand vom Wege aus sie erspähe. Eine Gesellschaft von Herren und Damen kam bergauf.
Sie sah einen Herrn in lichtblauer Uniform, welcher mit dem weißen spitzenbesetzten Sonnenschirm, den er in der Hand hielt, dem neugierig vorspringenden Strauchwerk die Köpfe abhieb, neben ihm ging eine etwas beleibte Dame in grellrothem Kleide, einen Strauß Waldblumen in der Rechten, dann kam ein Herr in langem dunklem Vollbart, die Hände auf dem Rücken gekreuzt, und dann in einer kleinen Entfernung hinter ihm kam wiederum ein Paar. Die Dame in rosenfarbenem glänzendem Kleide erschien der kleinen Lilian gar wunderschön; sie war schlank und doch voll, ihr G° sicht war weiß und rosig und ihr Haar, welches in neckischen Löckchen sich über Stirn und Nacken stahl, war wie goldige Seide.