Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m Ausnahme der Sonn« und Feier­tage. Bierteljährl.

Kerugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus« wärt! IM. 50 Pf.

Inserate: Die«» spalt. Garmond» zeile oder der^a Raum 15 Pf Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewahrt.

mit Anterhattungs-Meikage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung!'

M 222.

JuLöa, Donnerstag, den 29. September 1898

25. Jahrgang

Mur 1 Mark 50 Pfg.

excl. Bestellgeld kostet die täglich und in großer Auflage erscheinende

Iulderer Zeitung

mit der »IUustrirten Sonntags-Zeitung'

für das 4. Quartal 1898.

W Durch Wiedergabe der amtlichen Bekanntmachungen und Holzverkäufe io- wie der vollständige« Ziehungslisten der Preußischen Klassenlotterie kommt die .Fuldaer Zeitung' einem allgemeinen Wunsche entgegen.

L Arbeits-Nachweis.

In München ist die längst angekündigte Konferenz deutscher Arbeitsnachweise zusammen- getreten. In der Konferenz sind nicht nur Ver­treter aus Deutschland erschienen, sondern auch aus Oesterreich. Es sandten solche Vertreter unter anderen die Regierungen von Preußen, Bayern und Baden, der deutsche und der baye­rische Landwirthschaftsrath, viele deutsche und österreichische Städte, mehrere preußische Land- wirthschaftskammern, der österreichische Handels­minister und andere mehr. Man ersieht also daraus, daß der Frage überall die große Be­deutung zuerkannt wird, die sie in der That hat, gegenwärtig in höherem Grade als viele andere soziale Fragen; denn ein planmäßig geregelter Ausgleich der Arbeitskräfte ist jetzt mehr noth- wendig als je vorher. Auf dem Lande, nament­lich in den östlichen preußischen Provinzen, fehlt es an Arbeitern und Gesinde, männlichem und weiblichem gleichmäßig, während in den großen Städten und in den Mittelpunkten der Industrie sehr häufig Hunderte und Tausende von Menschen ohne Arbeit sind und schwere Roth unter dieser Arbeitslosigkeit leiden. Das Thema ist noch all­gemein in frischer Erinnerung durch die ausführ­liche Behandlung, die dasselbe im Anfänge dieses Jahres im preußischen Abgeordnetenhause erfuhr. Der Centrumsabgeordnete Szmula hat das Verdienst, durch seine Anfrage an die Regierung jene Verhandlungen veranlaßt zu haben; und die Redner aller Parteien, vielleicht einige Herren von den Freisinnigen ausgenommen, waren ein- müthig der Ansicht, daß mit aller Macht ge­arbeitet werden müßte, um den außerordentlichen Mißständen auf diesem Gebiete abzuhelfen.

Einzelne Arbeitsnachweis-Stellen gibt es bei uns in Deutschland schon viele. Die ersten dieser Nachweise entstanden in einzelnen Industrie- Gegenden. Auf der einen Seite richtete die Unternehmerschaft solche Nachweise ein, auf der andern Seite thaten das die Arbeiter; aber ohne weiteres konnte man sich denken, daß solche Einrichtungen sehr bald den Einzelinteressen der­jenigen dienstbar gemacht wurden, die solche Ein­richtungen ins Leben gerufen hatten. Das war also auf keinen Fall das Richtige. In dieser Erkenntniß strebten einsichtige, für das Gemeinde­wohl bedachte Männer danach gemeinnützige Ein­richtungen zu schaffen, die zwisch n jenen beiden

In drn Kergcn.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

Wollte Paul nicht lieber Stella einen Antrag machen und sie dann diesen Winter als Gattin Heimführen? Da würde sein Haus nie zu still und einsam sein, es würde stets von Gästen wimmeln, ein Vergnügen würde das andere jagen und alles würde sich köstlich unterhalten, ohne daß er, der vielbeneidete Gatte der gefeierten Künstlerin, sich sonderlich anzustrengen brauchte.

„Nein, tausendmal nein," rief er mit halb­lauter Stimme aus, indem er dies Zukunftsbild sich ausmalte. Und er dachte wieder an Lilian, voll Innigkeit dachte er an sie. Er stellte sich ihr süßes Gesichtchen vor, wie es erröthet war unter seinem Blick; er dachte an ihre schönen, sanften Augen, wie sie beim Abschied so bittend ihn an- geschaut hatte, und er fühlte, daß es Liebe, junge reine Liebe war, die sie mit leisem Hauche berührt

Und Liebe, mächtige starke Liebe fühlte er auch in seinem Herzen sich regen, Liebe, welche keine Hindernisse kennt und das eigne Ich abstreifen möchte, um sich ganz mit dem der Geliebten zu vereinen. Und wie der Mond sich allmählich aus dem Nebelgewölke herauslöste und zuletzt als strahlendes Licht ganz allein den Aetherraum be­herrschte, so stieg auch das Bewußtsein seiner Liebe immer höher und reiner empor.

„Ja ich liebe sie, und sie muß mein sein," sprach er und schaute dabei die glänzende Mond­sichel an, als wollte er sie zum Zeugen seiner

in der Mitte stehen sollten; und als erstes solches Nachweise-Bureau entstand das Bureau in Stuttgart als Gründung eines dort bestehen­den gemeinnützigen Vereins. Dies war im Jahre 1882; und als zweite solche Stelle ent­stand im Jahre 1883 die Arbeitsoermittelungs- Stelle des Centralvereins für Arbeitsnachweis in Berlin. Als dann später der Volksverein für das katholische Deutschland ins Leben gerufen wurde, ist auch dieser alsbald mit der Errichtung solcher Stellen vorgegangen; und im Laufe der Jahre sind damit viele Städte und einzelne wirthschaftliche Vereine und Körper­schaften gefolgt. Verhältnißmäßig spät erwachte die rechte Erkenntniß der Sache bei den deutschen Regierungen.

Sollen solche Einrichtungen wirklichen und dauernden Nutzen bringen, so müssen sie plan­mäßig mit einander verbunden werden und einander in die Hände arbeiten. Ohne eine solche Organisation würde das Ganze seinen Zweck verfehlen. Deswegen entstanden auch bald einzelne Verbände in Regierungs-Be­zirken und ganzen Ländern; und nunmehr hielt der allgemeine deutsche Verband der Arbeits­nachweise seine erste Versammlung in München ab.

Auch in der Folgezeit, nachdem die ersten Einrichtungen wegen ihrer Sonderinteressen als ungeeignet für die Erfüllung der eigentlichen Zwecke sich erwiesen hatten, sind noch oft Be­strebungen hervorgetreten, die die Arbeitsnach­weise einzelnen Berufsständen besonders dienst­bar machen wollten; und aller Voraussicht nach wird es auch in der Zukunft an solchen Be­strebungen nicht fehlen. Das darf aber niemals geduldet werden; und sehr richtig hat der Vor­sitzende der Münchener Versammlung in seiner Eröffnungsrede darauf hingewiesen, daß unbe­dingt die Stellen- und Arbeitsnachweise einen vollkommen unparteiischen Standpunkt im Lo hn kämpfe sich bewahren müssen. Eben­so richtig hat die Münchener Versammlung das gegenwärtig wichtige Thema in den Vordergrund geschoben: wie können die Arbeitsnachweise der Landwirthschaft Arbeitskräfte zuführen und erhalten? In einem Punkte ist vollkommene Uebereinstimmung der Ansichten erzielt worden, nämlich darin, daß man vor allen Dingen seinAugen- merk richten muß auf die Zurückführung des in den Städten vorhandenen Ueberschusses an Ar­beitskräften nach dem Lande. Das liegt auch klar auf der Hand. Schon schwieriger ist die Ausführung. Aber wenn alle Kräfte vereint an dem wichtigen Werke arbeiten, darf man sich ohne Zweifel der einen Hoffnung hingeben, daß diese Arbeit nicht ganz vergeblich sein wird. Nur darf man sich auf keinen Fall darüber täuschen, daß hier außerordentlich große Schwierigkeiten hin­dernd in den Weg sich stellen, und daß alle Be- tl)eiligten_ auch fernerhin große Geduld werden üben müssen, bis die gemeinsame Arbeit wirklich von einem guten Erfolge gekrönt sein wird.

Deutsches Reich»

Berlin, 28. September.

* In dem von Italien angeregten Plane einer internationalen Konferenz zur Mekämpfnng des Worte nehmen. „Warum sollte sie nicht glücklich sein, glücklich als mein Weib! An meinem Herzen soll sie lernen, was Glück, was Liebe ist."

Damit nahm er den Türkisenreif vom Finger, hielt ihn gen Himmel und steckte ihn dann an seine rechte Hand.

Die erhabene Einsamkeit des Hochgebirges, die feierliche Stimmung feiner Seele, das zitternde Licht, das der junge Mond über ihn und über die mit dem Dämmerlichte ringenden Formen der Alpenriesen ausgoß — das Alles machte diesen Moment zu einem weihevollen und unvergeßlichen. Noch einen langen Blick warf er um sich und über sich, dann ging er hinein in die Hütte und streckte sich auf dem harten Lager aus.

Auch am andern Morgen war die feierliche gehobene Stimmung keineswegs verflogen, und der Doktor, welcher einige Male verwundert ihn anschaute und bemerkte, wie seine Augen strahl­ten und sein ganzes Wesen wie von inneilichem Glanze durchleuchtet schien, sagte nicht mit Un­recht : „Gelt, Holding, heute hat Ihre Seele mal wieder das Feiertagskleid angelegt."

„Freilich," lächelte dieser, „und ich glaube, heute trägt's sie's nicht am unrechten Orte."

Wohlgemuth schritten die drei über das Ramol- joch. Der reinste Himmel blaute über ihnen, die Sonne goß warmes Licht und Leben über die Schneefelder aus, aber sie blitzte und blendete nicht wie gestern nach dem Gewittersturme, und eine wohlthuende frische Luft, die jedoch von Kälte weit entfernt war, umsäch-lte die Wanderer.

Plötzlich hemmte Paul den Schritt und deu­tete gleichsam erschreckt nach dem Ramolkogel hin, um dessen schneeiges Gewand es sich schlang wie

Anarchismus wird der ,Kreuz-Zeitung' aus Rom geschrieben, daß schon jetzt alle Mächte den Vorschlag angenommen haben, eine Kon­ferenz abzuhalten. Dies ging nicht klar hervor aus den anderen Meldungen, die bisher darüber verbreitet wurden. Wann und wo die Konferenz stattfinden soll, ist aber auch in dieser neuen Meldung nicht angedeutet. Wahrscheinlich wer­den darüber noch diplomatische Verhandlungen zwischen den einzelnen Kabinetten gepflogen.

h Die sozialdemokratische .Rheinisch-West­fälische Arbeiterzeitung' in Dortmund hatte bekanntlich den Vorschlag gemacht, daß gegen mordende Anarchisten die Prügelstrafe ein« geführt werde. Das hatte der Leitung der sozial­demokratischen Partei nicht gepaßt und so mußte Dr. L ü t g e n a u, der Leiter des genannten Blattes, die Redaktion niederlegen nach dem bekannten Worte des alten Liebknecht: „Wer nicht parirt, der fliegt hinaus." Oeffentlich wird aber nicht zugegeben, daß dies sich so verhalte; vielmehr wird gesagt, Dr. Lütgenau lege die Redaktion nieder „wegen seiner erschütterten Ge­sundheit", geradeso als wenn ein boher Be­amter „aus Gesundheitsrücksichten" in den Ruhe­stand sich begibt, oder ein Parlamentarier, den seine Wähler nicht mehr mögen, „aus Gesund­heitsrücksichten" sein Mandat niederlegt! Es ist augenscheinlich den Herren Genossen unangenehm gewesen, daß dieser Fall ein so Helles Schlag­licht warf auf die angebliche „Gedankenfreiheit" bei den Sozialdemokraten, von der thatsächlich auch nicht die Spur vorhanden ist; und da hat man zu dieser kläglichen Heuchelei seine Zuflucht genommen. Schön ist das an sich nicht. Aber bei den Herren Genossen macht das einen doppelt erbärmlichen Eindruck, weil ja angeblich bei der Sozialdemokratie alles ohne Heuchelei und ohne Versteckenspiel abgehen soll.

+ Daß die DötHignttg zum Streik auch heute schon ziemlich hart bestraft werden kann, ohne ein neues Gesetz mit noch härteren Straf­bestimmungen dageg-n, dafür liefert den Beweis eine Verhandlung der 4. Strafkammer des Berliner Landgerichts I. Vor dieser Strafkammer stand am Dienstag als Angeklagter der Maurer Hoppe unter der Anklage der Nöthigung. Auf einem Berliner Neubau war im April d. Js. ein Maurer-Streik ausgebrochen, und Hoppe gehörte zu denjenigen, die aufpaßlen darauf, ob nicht etwa andere Maurer an dem Neubau arbeiten würden. Da sah er den Maurer Töpper kommen, der in der That diese Absicht hatte, und nun hat der Hoppe diesen letztern von der Ausführung seiner Absicht abzuhalten gesucht. In der Leb­haftigkeit des Gespräches hat er den Regenschirm gegen Töpper erhoben und hat diesen auch von dem Bürgersteige hinuntergedrängt; aber eigent­liche Mißhandlungen hat er sich nicht zu Schulden kommen lassen. Da er aber aus gleichem An­lasse schon eine Vorstrafe erhalten hat, wurde er von der genannten Strafkammer zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt.

X Ein neuer Beweis dafür, wie wenig bei den bevorstehenden Neuwahlen zum preußi­schen Abgeordnetenhause von einer Samm- kuug aller Liberaler» die Rede sein kann, wird durch die Vorgänge in Posen geliefert. Der ein purpurnes Band. Er schaute zur Sonne empor, sie stand hoch und freundlich über ihnen und dachte noch gar nicht daran, der Erde den glühenden Gutenachtkuß zu geben.

Verwundert schaute nun auch der Doktor nach euer Richtung hin, nur der Führer war mit >ieser Naturerscheinung vertraut und erklärte ihnen, )aß dies bloß Infusorien feien, welche wie rother Schnee sich auf den Firnen lagern.

Vom Ramoljoch stiegen sie über den blauen glitzernden Gletscher abwärts gen Obergurgel; sie tauben am Gurgler Eissee und sahen grüne Eis- ilöcke darin herumschwimmen wie riesige Smarag­den; sie sahen noch viel Schönes und Großartiges, und als es Abend war, fanden sie sich beim Karat in Zwieselstein wieder ein, wo sie die Nacht zu­brachten.

Am folgenden Tage gegen 4 Uhr waren sie wieder in Oetz.

Lilian hatte wohl den Fremdling gebeten, nicht mehr wiederzukommen, aber damit war ihr keineswegs gelungen, sein Bild aus ihrer Erinne­rung zu bannen. Mit einem gewissen Schmerze empfand sie es sogar, daß er ihrem Wunsche nach­gekommen war, und manchmal, wenn sie ihre Hausarbeit gethan hatte und die Mutter schlief, aß sie auf der Bank unter den Nußbäumen, wo ie mit ihm gesessen hatte und spähte nach dem Ausgange zu, ob er nicht vielleicht dennoch des Weges tarne. Sie schmähte sich selbst dieserhalk, aber sein Bild stand dennoch beständig vor ihr, sei es, daß sie am Nachmittage über ihre Malerei gebückt am zweiten Fenster saß und mit dem Platinastifte auf allerlei Holzsachen künstliche Ara­besken und Blumen einbrannte und dann bemalte.

frühere Abgeordnete Jäckel verzichtet auf ein, Wiederwahl. Da einigten sich Nationalliberalx und Freisinnige auf den Justizrath Lewinsky. Abe. die Leitung der freisinnigen Volkspartei ist an' derer Ansicht und hat veranlaßt, daß ein befon: derer Wahlbewerber der freisinnigen Volksparte ausgestellt wird. Und angesichts solcher Thatsachen schwärmen manche Leute von denen, die nie alle werden, von einem neuen Bunde aller Liberalen! Es gehört ein ausnahmsweise kindliches Gemüth und ganz außerordentlich viel Bescheidenheit dazu, um das fertig zu bringen. Aber freilich haben ja die Liberalen allen Grund dazu, immer be­scheidener zu werden. Ihr Einfluß geht von einem Jahre zum andern mehr zurück; und da begreift es sich, daß auch kleine Veranlassungen große Freude verursachen.

+ In den preußischen Ostprovinzen mehren sich die Fälle freiftnnig • «ationaMSeraker Lrompromitz Deraörebnugen für die preu­ßischen Landtagswahlen. So hat auch der Nationalliberale Wahlverein in Breslau einen Antrag seines Vorsitzenden mit 20 gegen 8 Stimmen angenommen, wonach die national- liberale Partei bei den Landtagswahlen gemein­same Sache mit den Freisinnigen machen, oder doch wenigstens Schritte thun will, um dazu zu gelangen. Die konservative Presse ist wüthend über diese Wendung der Dinge und namentlich das freisinnig-nationalllberale Wahl-Kompromiß in Königsberg verursacht der ,Kreuz - Zeitung' heftigen Aerger. Sie vermuthet, daß der national- liberale Adg. Dr. Krause dieses Kompromiß angestiftet habe und sie deutet an, daß nunmehr die Konservativen den genannten Herrn nicht mehr zum Vizepräsidenten im Abgeordnetenhause wählen würden. Schon b im letztenmal hätten sie das nur „um des lieben Friedens willen" gethan. Gleichzeitig ist in „Hannover heftige Fehde zwischen den Konservativen und Nationalliberalen ausgebrochen. Die Natio­nalliberalen beklagen sich, daß die Konservativen mit der Unterstützung von Behörden darauf hin­arbeiten, einen Theil des bisherigen national­liberalen Besitzstandes an Landtags-Mandaten an sich zu reißen: „endlich die Fahne entrollt!" — so ruft der,Hann. Kurier' ans. Diese Landtags­wahlen können d o ch noch interessant werden!

X Einer vereinzelten Meldung zufolge soll nunmehr der Entwurf für die Umgestaltung des Aeilnngs-I'ofl Garifes beendet fein. Die leitenden Grundsätze darin sollen fein Berück­sichtigung des Gewichtes und Häufigkeit des Erscheinens. Zunächst soll nach dieser Meldung der fertig gestellte Entwurf noch die zuständigen Verwaltungs-Instanzen zu durchlaufen haben und dann alsbald an Bundesrath und Reichstag ge­langen. Ist die Meldung zutreffend, bann würde also endlich die Reichspost-Verwaltung sich dazu entschlossen haben, alte Mißstände zu beseitigen, die schon lange schwer auf dem reellen Zeitungs­wesen gelastet haben und sehr dazu beigetragen haben, daß die Schleuderer und Ramschverleger mit ihren sogenannten farblosen und parteilosen Blättern Oberwasser bekamen. Es ist dringend zu wünschen, daß es bei dieser Meldung bleibt, und daß diese nicht von neuem als ein schönes Trugbild sich erweist.

Ja, sie schmähte sich selbst, aber damit hatte ie die Sachlage noch nicht geändert.

„Fräulein, wollen wir Freunde sein?" hatte er ihr gesagt. Ja, sie hatte keine befreundete Seele in der weiten Welt, wie schön müßte es sein, eine solche zu besitzen, und welche Seligkeit erst, ihn, gerade ihn zum Freunde zu haben. Bei diesem Gedanken ergriff sie solch' ein Sehnen und solch' ein wonniges, lebensvolles Gefühl, daß sie erschrocken wurde über sich selbst und einen angst­vollen Blick herüber schickte zu ihrer Mutter am Fenster und bann zu bem Kruzifixe, bas hier wie in allen Tyroler - Stuben mit einem Palmzweige geschmückt quer in der Ecke hing.

Indessen die Frau am Fenster bemerkte nicht, was im Herzen ihres Kindes vorging; sie lebte nur in der Vergangenheit, und das Äuge, womit sie die Gegenwart betrachtete, war halb erloschen. Lilian hingegen, die bis j tzt meistens auf die Zu­kunft geschaut hatte, auf das Land, wo die, welche hier meinen, ewig sich freuen, Lilian fühlte mit einem Male alle Lust und Qual ihres jungen, liebebedürftigen Herzens.

Piburg hatte eine kleine Kapelle. Dos Bild der schmerzhaften Mutter, wie sie den gemarter­ten Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoße hält, war der Hauptschmuck des Altares, und mit großen blumengeschmückten Lettern stand conso- latrix afflictorum im Sogen ringsherum. In diesem Kapellchen, welches nur ab und zu von einer trostbedürftigen Seele ausgesucht wurde, wirb jeben Samstag eine Messe gelesen, bamit die Alten, Schwachen und Kranken, diejenigen, die nicht mehr in's Thal hinabsteigen konnten, die Trostmittel der Religion nicht gänzlich zu ent-