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mit Anlerhattungs-Weitage „JMrstrirte Sonntags Zeitung!' peterszaffe klr. L lDarmouie).

M 221.

Jrrtöa, Mittwoch, den 28. September 1898

25. Jahrgang.

Wer ein billiges, gutes, katholisches Blatt lesen will, das über alles Wissens- werthe aus der engeren und weiteren Heimath schnell und zuverlässig berichtet, der bestelle sofort bei der Postanstalt oder dem Landbriefträger seines Ortes die O Fuldaer Zeitung © mit der,Mustrirten Sonntags-Zeitung' für das 4. Quartal 1898.

Der AbonnementSpreis rxcl. Bestell­geld beträgt nur 1 Mark 50 Zffg.

LL Zur preußischen Landtagswahl.

„In Königsberg, der alten Krönur.gsstadt, gibt die nationalliberale Partei der Provinz und -dem Lande das erfreuliche Beispiel der Einigkeit des gesammten Liberalismus . . . Vergessen sind die alten Zwistigkeiten, begraben ist die Streit­axt ..." — mit solchen überschwänglichen Worten feiert die freisinnige ,Vossische Zeitung' in Berlin die bereits bekannte Thalsache, daß in Königs­berg in Preußen die Nationalliberalen mit den Freisinnigen beider Schattierungen gemeinsame Verabredungen getroffen haben über die Auf­stellung der Kandidaten für die Neuwahlen zum Preußischen Abgeordnetenhause. Schade, daß man nicht sehen konnte, wie Herr Eugen Richter diese Schwärmereien las; und daß man nicht die Mienen beobachten konnte, mit denen Herr Prof. Friedberg in Halle und andere Führer des rechten Flügels der Nationalliberalen diese Freu­densprünge der alten „Tante Voß" kritisirten. Wie vornehm und wie mitleidig mögen alle diese Herren dabei gelächelt haben!

Freilich, wären die Liberalen aller Richtungen überhaupt noch einer allgemeinen Einigung ?fähig, so müßten sie die schönen Träume der „Tante Voß" wahrmachen und gemeinsam in diesen Wahlkampf einziehen, um wirkungsvoll e die konservative Mehrheit im preußischen irdnetenhause anzukämpfen. Aber kein Mensch mehr glaubt daran, daß derlei möglich sei und aus dem einzelnen Königsberger Falle eine allge­meine Regel hervorgehen könne; und daraus gerade geht so recht deutlich hervor, daß eine solche Sammlung aller liberalen Par­teien längst eine vollkommene Unmöglich- Eeit geworden ist. Man braucht mit dieser Möglichkeit gar nicht mehr zu rechnen, und darum braucht man sich auch nicht durch die Ausfüh­rungen der Konservativen bange machen zu lassen, daß die gemeinsamen Ziele der Konservativen and des Centrums dadurch in Gefahr ge­bracht würden, daß das Centrum sich weigert, grundsätzlich und überall bei dieser Wahl mit den Konservativen gemeinsame Sache zu machen. Im Ganzen genommen wird durch die Neu­wahlen wenig aus der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses geändert werden, das ist die allgemeine Anschauung im ganzen Lande. Die Konservativen aber und mit ihnen zugleich andere

Parteien können aus dem Falle in Königsberg und aus einigen andern ähnlichen Fällen, die höchst wahrscheinlich nachfolgen werden, von neuem eine weise Lehre ziehen: nämlich die, daß eine Partei sich sehr hüten muß vor allzu großer Begehrlichkeit und allzu starker und rücksichtsloser Hervorkehrung mate­rieller Interessen. In diesen Fehler sind die Konservativen verfallen, und diesem ihrem eignen Fehler haben sie es nun zuzuschreiben, daß alle anderen Parteien von dem dringenden Wunsche geleitet werden, im neuen preußischen Abgeordnetenhause auf jeden Fall eine Mehrheit der Konservativen an sich zu verhüten. Aehnlich übrigens wie in Königsberg gehen auch die Nationalliberalen im Wahlkreise Flensburg vor. Dort ist vor fünf Jahren der freikonser­vative Bürgermeister Bunsen ohne Gegenkandi­daten in das preußische Abgeordnetenhaus ge­wählt. worden. Jetzt sind auch dort Verhand­lungen zwischen den Nationalliberalen und den Freisinnigen eingeleitet worden, um als Gegen­kandidaten den nationalliberalen Reichstagsabge­ordneten Jebsen gemeinsam dem konservativen Wahlbewerber entgegenzustellen.

Wenn das neue preußische Abgeordnetenhaus einige Konservative und Freikonservative weniger wird aufzuweisen haben als das alte, so wird das die Folge der Fehler sein, die die Konser­vativen gemacht haben. Und nur ihren eignen Fehlern haben sie es zuzuschreiben, daß das Centrum sich wohlweislich hütet davor, den konser­vativen Wagen ziehen zu helfen; ihren eignen Fehlern und auch dem sehr geringen Wohlwollen, das die Konservativen den katholischen Forderungen des Centrums bewiesen haben. In diesem letztern Punkte hat das Centrum aller Erfahrung nach von den Konservativen um kein Haar mehr zu erwarten als von den Freisinnigen; das haben die Konservativen noch ganz zuletzt im Abgeord­netenhause bewiesen an dem Tage, als Freiherr von Heereman im Namen des Centrums bei der Berathung des Kultusetats die preußische Regierung zur Rede stellte wegen der klein­lichen und geradezu gehässigen Polizeibüttelei, mit der die Anträge auf Gewährung neuer katholischer Ordensniederlassungen behandelt zu werden pflegen. Da ertönte aus den Reihen der Konservativen auch nicht ein Wort des Wohlwollens für die gerechten Anforderungen der Katholiken. Wohl aber erhob sich einer ihrer Führer zu dem Zwecke, Herrn Kultusmini­ster D r. Bosse gegen den Freiherrn v. Heereman zu unterstützen. Und jetzt sollte das Alles schon vergessen sein? Jetzt soll das Centrum dazu hel­fen, eine Mehrheit zu schaffen gegen das, was sie selbst will, nämlich gegen die nothwendigen Reformen des Landtags - Wahlrechtes und ves Vereinsgesetzes? Das ist ein politischer Unsinn, an den die Konservativen selbst nicht glauben können.

Aber wo es etwa vorkommen sollte, daß Centrums-Wahlmänner die Wahl eines Frei­sinnigen unterstützen, so wird das ganz gewiß auch nicht geschehen an innerer Sympathie des Centrums für diesen. Es ist dann nur die W a h l des kleinen Nebels. Und daraus dürfen niemals Schlüsse gezogen werden auf politische

In den Sergen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Die beiden Neulinge folgten ihm, sorgsam zu Boden schauend, damit im Steingerölle der Fuß nicht ausgleite. Ein sonderbares Pfeifen über ihren Häuptern ließ sie emporschauen. Dort saß unter der Felsendecke auf einem vorspringen­den Stein ein großer Geier, der vermuthlich ebenfalls hier Unterkunft gesucht hatte. Drohend schaute er auf die Eindringlinge nieder und auch der Führer hemmte den Schritt und schaute angst- noll zu dem gefiederten Ungethüm empor. Da erhob es sich, reckte sich, dehnte die Flügel, -reitete sie aus, fuhr flatternd gegen die Decke und dann mit mächtigem Flügelschlage einigemale die drei Menschen, die dort standen, umkreisend, stieß er plötzlich einen gellenden, kreischenden Pfiff aus und pfeilgeschwind fuhr er ins Freie scheinbar in die "wogende, nebelige Tiefe hinab.

„Eine Tour voller Schrecknisse," sagte der Doktor. Paul nickte. „Ja eine Hochgebirgs­tour, die mir unvergeßlich bleiben wird. Wie klein fühlt sich da der Mensch, der Herr der Schöpfung," erwiderte er.

Plötzlich stieß der Führer einen Jauchzer aus, so hell und freudig, daß er an der Felswand, wovon die Kluft sie trennte, und an hundert andern ein vieltöniges Echo wachrief; damit deutete er nach dem Ausgang der Schlucht, wo «s wie ein Stern ihnen entgegenblitzte.

„Das ist der erste Sonnenstrahl, wie er am

Spiegelferner abprallt," rief er aus, „jetzt werden wir bald wieder das schönste Wetter haben."

Freudig hob sich die Brust der beiden sturm­gehetzten Wanderer; sie wagten bereits einen Blick in die schauerliche Tiefe zu ihrer Linken zu werfen und fanden auch dort die Worte des Führers be­stätigt, denn es schwebte und wogte dort bereits wie Elfenreigen, wie Schleier, welche zerflattern und zerstieben, und eine wilde zackige Felswand nach der andern hob sich aus dem Nebel empor. Jetzt war das Ende der-Schlucht erreicht, aber noch trennte ein wildes zerklüftetes Trümmerfeld sie von der Höhe, wo die Ramolhütte stand.

Fest in der Rechten den Stab mit der schar­fen Eisenspitze, fest in der Linken das Seil, das sich um ihren Leib schlingt, so ziehen die Drei bergauf. Es ist ein garstiger, gefährlicher Weg; meistens kleines Steingerölle jäh am Abhang, das sich unter ihren Füßen verschieben und sie in die Tiefe reißen will, dann spitz aufsteigende Schol­len, die ihr Fuß betreten muß und die aussehen, als ob sie unter dieser Last nimmermehr das Gleichgewicht halten könnten, jetzt ein Wall von Steinen neben ihnen, vor ihnen, durch den sie sich durchzwängen, den sie übersteigen müssen, dann wieder eine kleine Schlucht, über welche sie hinübersetzen müssen mit kühnem Schwünge, daß das lockere Gestein unter ihren Füßen sich ablöst und kollernd in die Tiefe rollt.

Endlich sind sie oben und ein Ah der Be­wunderung entströmt ihrer Brust. Wie eine Wunderwelt thut sich's vor ihnen auf; wie schneeige Wolken umgibt es sie rings von allen Seiten, wie schaumgekrönte Meerwellen erhebt es sich um sie herum und im Wellenschaum flimmert's wie

Grundsätze und Ueberzeugungen des Centrums selbst. Wer das doch thun wollte, der würde einen großen Jrrthum begehen.

Deutsches Deich*

Berlin, 27. September.

* Reichskanzler Iürst z« Koheutohe hält sich gegenwärtig in Baden-Baden auf und wird erst nach einigen Tagen wieder hierher nach Berlin zurückkehren. Es wird angenommen, daß sowohl tr als auch der Staatssekretär des Aus­wärtigen von Bülow Ende dieser Woche wieder in Berlin sein werden.

* Am 24. Oktober wird der Kokoniakrath zu einer neuen Sitzung zusammentreten. Zum ersten Mal wird in ihm Herr v. Buchka den Vorsitz führen, der neue Leiter der Kolonial- abtherlung des Auswärtigen Amtes. Die Sitzungen des Kolonialrathes werden im Reichs­tage stattfinden, nicht mehr, wie früher, im Aus­wärtigen Amte. Zunächst werden dem Kolonial- rathe die Etatsvoranschläge der Schutzgebiete zur Vorberathung vorgelegt werden.

O Das Verhalten der «ationalkiverake« Partei bet den bevorstehenden Neuwahlen zum preußischen Abgeord etenhause nimmt bereits jetzt die Gestalt an, die an dieser Stelle als die voraussichtliche gekennzeichnet war: das heißt, ein Theil der Natwnalliberalen macht gemeinsame Sache mit den Freisinnigen, ein an­derer mit den Konservativen. Am letzten Sonn­tag hat in Ditschau eine Versammlung der nationalliberalen Vertrauensmänner aus West­preußen statlgefunden, und bei dieser Gelegenheit hat es sich herausgestellt, daß in der ganzen Provinz Westpreußen bei den Nationalliberalen der Wunsch den Ausschlag gibt, gegen eine kon­servative Mehrheitsbildung anzukämpfen durch Wahlbündnisse mit den Freisinnigen. Im Wahl­kreise Graudenz - Rosenberg ist in diesem Sinne schon eine bestimmte Verabredung getroffen worden, ähnlich wie in Königsberg in Ostpreußen. Ganz anders aber werden sich allem Anscheine nach die Dinge in vielen Wahlkreisen der west­preußischen Provinzen gestalten. So z. B. hat schon jetzt der Vorstand des nationalliberalen Vereins in Elberfeld den Beschluß gefaßt, der Generalversammlung die Erneuerung des bisherigen Kompromisses mit den Freikonservätiven zu empfehlen. Allerdings soll die Erneuerung dieses Kompromisses nur unter der Bedingung empfohlen werden, daß der freikonseroative Kan­didat von Knapp sich verpflichtet, mit allen Kräften eine Abänderung des Kommunalabgaben- Gesehes anzustreben. Aber gar so tragisch wird es wohl mit diesem letzten Theile des Beschlusses nicht gemeint sein; und außerdem ist von den Hauptsachen in dem Beschlüsse gar keine Rede, nämlich von der zeitgemäßen Umbildung des Landtags-Wahlrechtes und des Vereinsgesetzes.

X Der Streit der Berliner Lehrer gegen die Leitung der freisinnige« Mokksparlei hat bereits sehr erregte Formen angenommen. Für uns an dieser Stelle ist der Streit nicht des­wegen interessant, weil es ein häuslicher Zwist im Lager der freisinnigen Volkspartei ist. Denn solche Zwistigkeiten können uns naturgemäß ziem­

lebende Diamanten und die Wolken blitzen und leuchten, daß sie mit der Hand die Augen be­schatten müssen, weil sie das blendende Licht, das die Sonne über das Hochgebirge ausgießt, nicht vertragen können. So stehen sie, von andachts­vollem Schauer ergriffen, schweigend vor der Majestät der Alpenwelt und sie hatten wirklich das Gefühl, als ob sie sich losgelöst von der Erde auf einem Wolkenstrome sich befänden und nur die Arme auszustrecken brauchten, um den Himmel zu erfassen. Der vorhergegangene Schnee- stmm hatte ja Alles mit weißem Flaum bedeckt und nirgends kam die Erde zum Vorschein.

Es war bereits 4 Uhr, als sie die Ramol­hütte, in der sie übernachten wollten, erreichten.

„Ein Wetter rote heute, das ist für die jetzige Jahreszeit etwas Unerhörtes," meinte der Führer.

„Wir sind beim Berggeist gut angeschrieben, denn er wollte uns erst seine Macht zeigen, um desto glänzender seine Herrlichkeiten vor uns auf­rollen zu können. Was meinen Sie, Doktor, ohne den Schneesturm wär's doch lange nicht so präch­tig gewesen und der Eindruck würde kein so nach­haltiger sein." So sagte Paul, als sie in der schützenden Hütte beim frugalen Imbiß faßen.

„Ja," entgegnete der Doktor, „für die zweite Vorstellung der Berggeist-Künste würde ich mich aber doch höflichst bedanken."

Einige Stunden später lagen der Doktor und der Führer bereits in festem Schlafe, während Paul, seine Ermüdung nicht spürend, noch einmal in's Freie trat, um an dem Anblicke der hehren weißen Welt mit einsamer Seele sich zu erlaben.

In majestätischer Starrheit lag sie vor ihm, denn die Sonne, welche Leben und Bewegung

t lich kalt lassen. Vielmehr zeigt dieser Fall wiede einmal recht deutlich, wie falsch es ist, wenn die Lehrer sich einbilden, ihr materielles Wohl sei am besten aufgehoben bei den Vertretern des Liberalismus in den Parlamenten. Als im preußischen Abgeordnetenhause das Lehrerbe­soldungs-Gesetz vorgelegt wurde, da ereiferten sich die Herren Virchow, Langerhans und Knörcke von der freisinnigen Volkspartei gegen das in dem Gesetze verlangte Mindestgehalt von 900 und verlangten, daß als Mindestgehalt auch „in besonders billigen Orten" die Jahressumme von 1200 Mark eingesetzt werde. Das war die Theorie, berechnet auf den Lehrer- und damit Stimmenfang. Nun aber kam die Praxis; und diese gestaltete sich ganz, aber auch ganz anders. Denn als nach Erlaß des Gesetzes die Stadt Berlin ihre Lehrergehälter ordnen wollte, da stimmten ganz dieselben Herren für ein Grundgehalt von 1000, schreibe eintausend Reichsmark für die Lehrer in der Stadt Berlin. Und das ist doch wahrhaftig nicht „ein ganz billiger Ort", sondern ein recht theuerer, einer der theuersten im ganzen Reiche. Aehnlich schlechte Erfahrungen haben die Lehrer auch mit dem liberalen Regiment in anderen Städten gemacht, und es ist deswegen gar nicht merkwürdig, daß ihnen die Augen auf­gehen über die wahre Natur der sogenannten „Lehrerfreundlichkeit" der Liberalen.

* Mit welcher ZlnverfrorerrHeit die tißc- rake treffe aröeitet, beweist wiederum der folgende Fall. Mit großem Lärm verkündigen seit einigen Wochen die liberalen Blätter, der Bischof von Regensburg habe seinen Theologen den Besuch der Würzburger Universität verböte», und zwar aus dem Grunde, weil dort Professor Schell dozire, welcher ein Feind der Jesuiten sei. Ein wunderbar kurzes Gedächtniß müssen, wie die ,D. Reichsztg.' schreibt, diese Liberalen haben, denn es ist noch gar nicht lange her, da meldeten dieselben Blätter mit sichtlichem Vergnügen, der Bischof von Regensburg habe seinen Theologen die Universität Innsbruck verboten, an der be­kanntlich Jesuiten doziren, und sie folgerten daraus mit stillem Behagen, sogar Bischof Senestrey könne die Jesuiten nicht leiden. Unter­dessen erfolgte durch das .Regensburger Morgen­blatt' ein Dementi. Die,Franks. Ztg.', welche sich aber den fetten Bissen nicht gern entgehen lassen will, schreibt in ihrer Sonntags-Nummer also:

Die Meldung eines Münchener Blattes, wonach der Bischof von Regensburg den Theologie-Studirenden seiner Diözese den Besuch der Universität Würzburg verboten haben solle, wird vom.Regensburger Morgenblatt' für „unbegründet" erklärt. Dem Wortlaute nach ist dieses Dementi richtig; inhaltlich aber ist die Münchener Mel­dung nicht anzufechten. Es wurde thatsächlich kein spezielles Verbot der Würzburger Universität erlassen, dagegen ist schon seit Jahren den Theologen der Regens­burger Diözese der Besuch sämmtlicher deutscher Univer­sitäten verboten. Ihre Ausbildung mußte am Regens­burger Lyceum und an dem von Jesuiten geleiteten Kol­legium Germanikum in Rom geschehen, wo Bischof Sene­strey von Regensburg selbst seine Studien gemacht hat. Seit kurzer Zeit ist der Besuch der Universität München erlaubt; einige Theologen aber, die ihr Doktor-Examen in Würzburg machen wollten, wurden mit ihrem Ge­suche in Regensburg abgewiesen. Daß das nicht mehr und nicht weniger als ein Verbot der Universität Würz­burg bedeutet, wird wohl auch das »Regensburger Morgen­blatt' nicht bestreiten wollen. Die Folgerungen hieraus

hineingebracht hatte, begab sich bereits zur Ruhe und halte durch ein dichtes schwarzes, jedoch theil- roeife zerrissenes Wolkengewand ihre Schönheit verhüllt. Doch wie Paul gen Osten schaute, ent­zündete sich ein Licht auf dem Ramolfirner, als wenn der letzte Abendflrahl sich in Fensterscheiben spiegelt; weiter und weiter sprang das Licht und bald standen all die blauen Gletscher im leuchtendsten Glanze da, indeß die weißen Bergeshäupter noch im ruhigen Ernst auf sie hernieder schauten. Doch plötzlich war's, als erzitterten auch diese; ein rosiger Schein schwebte höher und höher, ward dunkler und dunkler und eine intensive Rothe bedeckte sie ganz und gar. Ein purpurner Glanz umarmte ringsum die schneeweiße Welt — und — war verschwunden. Die Sonne hatte durch einen Riß ihres Schleiers hindurch noch einen Liebes­blick ihr zugesandt und dann die Augen geschlossen. Nun stand auch die Gegend wie im Halbschlummer da, nur die höchsten Spitzen leuchteten noch.

„Das kam wie die'Liebe," murmelte Paul und dachte an Lilian.

Auch in ihm hatte es geglüht, geblitzt und geleuchtet, ja noch immer leuchtete es und wollte sich nicht beruhigen laffen.

Fester wickelte er sich in seinen Plaid und schritt der Hütte zu.

Aufschauend gewahrte er über sich im rott) und grünlich schimmernden Aether die zarte junge Mondessichel. Es war der erste Tag, daß sie sich zeigte, und mit einem Gefühl des Schreckens er­innerte sich Paul, daß er den vorigen Mond ja auch benitd hier im Oetzthal gegrüßt hatte. Er war freilich im letzten Viertel gewesen, aber immer­hin war die Zeit, die er für feinen Aufenthalt