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p“ahtnif llüungs- (Ige „Ilku^nrle Sonnlülgs-Aeilung" JJetersjaffe Nr. 2 (Larmonie).

25. JahrgMg.

IuLöcr, Dienstag, den 27. September 1898

M 220.

1^* Bestellungen

auf die

Fuldaer Zeitung nebst der Wochenbeilage ,Jll«strirte Sonn­tags-Zeitungs für das 4. Quartal 1898 werden zu jeder Zeit von allen Postan­stalten, den Landbriefträgem, Zeitungsträgem sowie in unserer Expediüon (Harmonie) an­genommen.

L Allerhand Koloniales.

Vergeblich sind bisher alle Bemühungen ge­wesen, hinter den Inhalt der letzten deutsch­englischen Abmachungen zu kommen. Aber ohne Zweifel beschäftigen sich dieselben in erster Reihe mit südafrikanischen Dingen. Bekanntlich sind von Anfang an in einem großen Theile der deutschen Presse Befürchtungen ausgesprochen worden in dem Sinne, daß bei diesen Abmach­ungen England dem deutschen Reiche wieder ein­mal die besten Bissen vor dem Munde wegge­schnappt hat; und namentlich werden fortgesetzt Beforgnisfe laut darüber, daß die deutsche Politik sich vom Lande Transvaal abgewandt und dieses der Bearbeitung durch die Engländer frei überlassen hat. „Was ist uns Transvaal?" — so soll Herr von Buchka, der neue Leiter der Kolonialabtheilung im Auswärtigen Amte, neulich bei einem Festessen in Hamburg geäußert haben; und vom Kaiser wird erzählt, er habe unlängst das Wort fallen lasten: „Diese un­glückliche Depesche an Krüger!" — näm­lich die Depesche, die der Kaiser zur Zeit des englischen Jameson-Beutezuges nach der Buren­republik Transvaal an deren Präsidenten Krüger sandle, um diesem seine Sympathie zu bekunden.

Ohne Zweifel haben diejenigen recht, die sagen, man müsse erst den Inhalt des deutsch­englischen Abkommens kennen lernen, ehe man dieses Abkommen kritisiren könne. Immerhin schließt das nicht aus, daß man ein aufmerksames Auge hat für Alles, was mit diesen Fragen zu­sammenhängt und dazu gehört vor allen Dingen auch eine französischeKundgebung. Ebenso wie deutsche Interessen stark in Transvaal be- theiligt sind, ist dies auch mit französischen Jn- tereffen der Fall; und zur wirksamen Vertretung dieser letzteren besteht in Paris ein „Ausschuß zur Vertretung der französischen Jntereffen in Transvaal." Dieser Ausschuß wendet sich an Delcasss, den französischen Minister des Aus­wärtigen, mit einer Darlegung, in der als noth- wendig bezeichnet wird, daß entgegen den eng­lischen Plänen die Delagoa-Bucht und die Delagoa-Eisenbahn unter der unveränder­ten Oberhoheit von Portugal und unter der Kontrolle der drei Großmächte England, Frank­reich und Deutschland für neutral erklärt werden. In einem Organe der rheinisch-west­falischen Großindustrie wird dieses Vorgehen sehr eindringlich zur Nachahmung in Deutschland em­pfohlen; denn doppelt und dreifach so groß als die französischen Interessen in Transvaal seien

In den Hergen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

; 13 ------ (Nachdruck verboten.)

6.

Am folgenden Morgen, als Paul nach dem auf der Veranda eingenommenen Frühstück ,ein Zimmer wieder auffuchte, fiel ihm ein kleines Packetchen in die Augen, das auf dem Tifche lag. Er nahm es in die Hand; es war gar sorgsam verpackt und mit klarer, fast kindlicher Schrift stand fein Name darauf geschrieben. Als er es öffnete, waren zwei Taschentücher darin, sonst nichts, keine Karte, keine Zeile.

„Sie hat's eilig gehabt," murmelte er, „hat gewiß gefürchtet, daß ich mir mein Eigenthum Eft wieder holen würde. Kein Grund dazu, bin der Letzte, der sich aufdrängen möchte. C* ^tte Sie, nicht wiederzukommen'," — das ^aI mit noch Niemand gesagt."

r diesen Worten ballte er den Papierum- 'chrag zu einem Knäuel zusammen und wars ihn V* bst ®“,e und schob die Taschentücher gering* 'chatzig beiseite. Jndeß, er nahm sie doch wieder zur Hand, nachdem er seine Cigarrettentasche, die iu. ’aic !r Abkommen war, in einer Rocktasche ausgestöbert hatte, und betrachtete sie längere Zeit. Sie waren ihm noch nie so frisch, so blendend weiß vorgekommen, und er legte sie zu feinen Briefschaften, anstatt zu den übrigen Waschegegenständen in seiner Kommode. Dann suchte er feine Tischgesellschaft wieder aus.

Stella brauchte sich nicht wieder über seine Ungenießbarkeit zu bektdgen, er war wiederum

nach herzlicher Verabschiedung von dem Erbprin­zen von Meiningen nach Dresden ab. Die Kai­serin Friedrich begab sich um 3l/n Uhr nach Do­rn anze, um dem Grafen und der Gräfin von Brandenburg einen Besuch abzustatten.

ft Zur SakästmafaHrt des kaiserlichen Paares wird weiter berichtet, daß die Kaiseryacht Hohenzollern und das Begleitschiff Hela erst am 2. oder 3. Oktober in Venedig erwartet werden. Einige Stunden früher als das kaiserliche Paar wird König Humbert in Venedig eintreffen, um feine fürstlichen Gäste am Bahnhofe in Venedig zu empfangen. Dem Wiener Evangelischen Ober­kirchenrath war es freigestellt worden, einen Ver­treter nach Palästina zu entsenden; er hat aber darauf verzichtet. Wahrscheinlich aber werden die Protestanten in Ungarn und in Siebenbürgen sich vertreten lassen. Die Protestanten von Hol­land und von Belgien werden vertreten sein, ebenso diejenigen der Schweiz.

* In der Bundesrathsordnung ist über den Betrieb der Bäckereien ««d Konditoreien unter anderem bestimmt worden, daß die Ge­hilfen außerhalb der zulässigen Arbeitsschichten nur zu gelegentlichen Dienstleistungen verwendet werden dürfen. Als das Entscheidende bei dem Begriff dieser gelegentlichen Dienstleistungen hat der Gewerbeminister jetzt den Umstand bezeichnet, daß sie nicht zur Befriedigung regelmäßiger Be­dürfnisse des Bäckereigewerbes dienen, sondern nur gelegentlich, d. h. ab und zu, ohne feste Regel erforderlich werden.

* Bebrüte« ohne Schulbildung waren es in Preußen im Jahre 1897/98 von den 151,348 eingestellten Mannschaften 170 ohne d. h. 11 von 10000. Im Jahre 1879/80 waren von 10000 Rekruten noch 230 ohne Schulbildung. Von den 170 kommen 43 auf die Provinz Posen, 37 auf Ostpreußen, 36 auf Westpreußen, 19 auf Schlesien, 13 auf die Rheinprovinz, 7 auf Pommern, 5 auf Brandenburg, je 1 oder 2 auf die Übrigen Pro­vinzen. Dabei ist zu bemerken, daß sich für Pommern der Prozentsatz höher stellt, als für Rheinprovinz. In der Rheinprovinz dürfte es sich überdies meist um eingewanderte Arbeiter aus dem Osten handeln.

* Nach einer Zusammenstellung der.Statistischen Korrespondenz'wurdenKrnleschädeuiuNreuße« für 1897 23 221 nachgewiesen gegen 25 448 bezw. 21985, 28126 und 30 239 in den Jahren 1896 bis rückwärts 1893. Hiervon wurden hervor­gerufen :

durch 1893 1894 1895 1896 1897 Elementar-u.Witter-

ungsverhältnifse . 25929 24038 19761 22622 19910 vom Hundert 85,8 85,5 89,9 88,9 85,7

Pflanzenkrankheiten

u. schädl. Pflanzen 1157 1 802 635 1 017 1 895

vom Hundert 3,8 6,4 2,9 4,0 8,2

schädliche Thiere . . 3149 2 277 1 580 1 801 1405

vom Hundert 10,4 8,1 7,2 7,1 6,1

andere Ursachen . . 4 9 9 8 11

vom Hundert 0,01 0,03 0,04 0,04 0,03

Die größte Zahl der Schadenfälle ist 1897 sowohl wie in den zum Vergleich gestellten Vor­jahre durch Elementar- und Witterungsverhältnisse, im Besonderen durch die Dürre verursacht worden; nur im Jahre 1894 überwiegen die Schadenfälle durch Hagel. Zieht man die durch Nässe entstandenen verschiedenen Arten von Schadenfällen (Auswuchs,

dort die deutschen. Aber solche gemeinsame Mandate von Großmächten haben immer ihre bedenklichen Schattenseiten. Das lehren die Bei­spiele von Samoa, von Kreta und vieles Andere mehr; und es ist wohl kaum anzunehmen, daß gegenwärtig solche Bestrebungen und Anregungen noch int Stande sein könnten, die mit England getroffenen Vereinbarungen noch zu beeinflussen.

Auch davon ist in der Presse die Rede ge­wesen, daß England für das Entgegenkommen des deutschen Reiches in Südafrika diesem letztern Sansibar zurückzugeben versprochen habe. Die Nachricht war — so bemerkt dazu ein national­liberales Berliner Blatt — zu gut, als daß sie hätte wahr sein sollen. Und so ist sie denn auch von London aus bereits als unwahr bezeichnet worden. Und endlich wird die Vermuthung aus­gesprochen, Deutschland solle belohnt werden durch eine Auftheilung der Samoa-Inseln zwischen England, Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika; Deutschland solle alsdann die eine Samoa-Insel Upolu erhalten. Auch das klingt an sich höchst unwahrscheinlich; denn der Gedanke, die kleine Gruppe der Samoa-Inseln auch noch unter drei Großmächte theilen zu wollen, ist an sich ungeschickt. Und außerdem wird sich doch wohl Deutschland kaum damit zufrieden geben können, daß es für Zugeständnisfe in Afrika durch einige kleine Gefälligkeiten in der fernen Südsee abgespeist werden sollte. Außerdem spricht auch die ganze bisherige Haltung der Vereinigten Staaten von Nordamerika in der Samoa-Frage gegen die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ab­kommens.

Wir müssen uns also immer noch weiter in Geduld fassen und so lange warten, bis die Re­gierungen in Berlin und London selbst mit dem Inhalte der Abmachung an die Oeffentlichkeit treten werden. Die Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten war in der neueren Zeit so, daß ihr, wie sattsam bekannt, im verflossenen Winter durch den letzten Reichstag in Uebereinftimmung fast aller Parteien dessen Vertrauen und Aner­kennung ausgesprochen wurde. Somit ist die Hoffnung einigermaßen berechtigt, daß trotz des Personenwechsels in der Leitung der Kolonial­abtheilung in den Grundzügen dieser Politik keine wesentliche Aenderung eingetreten ist und darum auch keine wesentlichen Gründe vorhanden sind dazu, die uns gegen die Leitung unserer aus­wärtigen Angelegenheiten mißtrauischer machen sollten als bisher.

* Im Dreyfus-P-ozcsse

hat nunmehr der französische Ministerrath Montag Nachmittags einstimmig beschlossen, daß eine Revision des Prozesses statt­finden soll. Die Sitzung des Ministerrathes hat unter dem Vorsitze des Präsidenten Fanre stattgefunden; die Gegner der Revision können also nicht mehr Herrn Faure als Gesinnungs- ger,offen für sich in Anspruch nehmen. Noch in letzter Stunde nahm der Verlauf der Dinge eine überraschende Wendung. Die Kommission nämlich, der die Angelegenheit zur Vorberathung überwiesen war und die aus je drei Rächen des Kassationshofes und des Justizministeriums be-

ber lustigste, anregendste Gesellschafter. Aber das Sehnen in seinem Herzen war darum doch nicht tobt; es ließ ihm keine Ruhe, besonbers wenn er allein war, unb eben barum wollte er nicht allein sein unb eben barum war er so lustig. Er machte keine einsamen Spaziergänge mehr, er fonberte sich nicht mehr ab von ben anbern, nur einmal, als ber Piburger See bas Ziel ihres Ausfluges war, ba blieb er zurück unb ging statt besten Forellen fangen mit bem alten Schuler.

Der alte Schuler war ein urwüchsiger Tiroler, ein Oetzthaler von echtem Schrot unb Korn, ber trotz seiner sechzig Jahre noch auf bie Gemsjagd gegangen wäre, wenn nicht ein Fußleiben ihm bies verwehrt hätte. Er war ber Besitzer eines alten Wirthshauses, besten wunberliche Bauart unb alterthümlichen Fresken förmlich jeben Fremben aufforberten, hineinzugehen. So hatte Paul ihn kennen gelernt unb fein frisches Wesen hatte ihm so gefallen, baß er gerne ein Stünbchen mit ihm verplauderte.

Gestern leistete er deshalb feinet Einladung zu einem Forellenfang beim „Stadel" Folge, und während Stella mit ihrer Gefolgschaft zum Pi­burger See hinauf wanderte, lag er am Bach unter einem knorrigen Apfelbaume und ließ sich in der Kunst des Forellenfanges unterrichten. Dabei laufchte er lächelnden Mundes den Er­zählungen des alten Oetzthalers, die meist in Jugenberrinnerungen schwelgten, vom Scheiben­schießen, bann er stets ben ersten Preis gewon­nen, erzählten, von ben Gemsen, bie auf ben höchsten Bergspitzen Hausen, unb von ber herr­lichen Eiswelt, ber schönsten im ganzen Land Tirol, die sich im Süden des Oetzthales aus­

stand, hatte mit drei gegen drei Stimmen durch die Entscheidung ihres Vorsitzenden sich dahin schlüffig gemacht, daß die Revision nicht statt­finden dürfe. Die Kommission hatte natürlich nur nach rein juristischen Gesichtspunkten zu urtheilen. Man kann also sagen, daß das Ur- theil dieser Kommission von neuem den Beweis geliefert hat dafür, daß die Frage fehr zweifel­haft ist, ob die Revision nach dem Buchstaben des Gesetzes stattfinden muß oder nicht.

Die neuen Thatsachen indessen: das Ge- ständniß und der Selbstmord des Oberstleutnants Henry, die Flucht des ehemaligen Majors Ester­hazy und anderes mehr zwingen jeden vorurtheils- denkenden Mann dazu, eine Wiederaufnahme des Prozesses zu wünschen, und der Ministerrath hat nur dem Grundsätze der ausgleichenden Gerechtig­keit entsprochen dadurch, daß er für die Wieder­aufnahme desDreyfus-Prozeffes sich entschieden hat.

Zu allem Voraufgegangenen kommen nun noch ausführliche Meldungen aus London über höchst verdächtige Mittheilungen des Majors Esterhazy an andere Personen. Danach hätte dieser auf Befehl eines Vorgesetzten, des Obersten Sand- herr, ebenfalls Schriftstücke gefälscht, die in dem Prozesse eine sehr wichtige Rolle spielen, nament­lich das vielgenannte Bordereau. Unb außerbem soll Esterhazy mitgetheilt haben, baß nur „moralische Beweise" gegen ben früheren Hauptmann Drey- fus vorlägen. Thatsächlich ist bie Verurtheilung bes Dreyfus ber Hauptsache nach erfolgt auf Grunb des von Henry gefälschten Schriftstückes unb bes anbern, von bem nunmehr Esterhazy behauptet haben soll, baß es ebenfalls gefälscht worben sei. Aber Esterhazy ist ein, etwas zweifel­hafter Ehrenmann. Unb ehe man vollkommen an bie Wahrheit seiner Mittheilungen glaubt, muß man boch genauere Aufschlüsse barüber ab warten unb ben Verlauf ber erneuten Prozeß-Verhand­lungen selbst. Dies ist um so dringlicher geboten, als gleichzeitig gemeldet wird, Esterhazy habe an den Kriegsminister Chanoine ein Telegramm ge­richtet, in dem er bie Mittheilungen aus London, er habe Geständnisse gemacht, als falsch bezeichnet.

Deutsches

Berlin, 26. September.

* Die Kaiserin Iriedrich ist am Sonntag Abend 11 Uhr von Breslau nach Berlin abge- teift. Zur Verabschiedung waren der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen - Meiningen, der Fürst unb bie Fürstin Hatzfeldt, sowie bas Offizierkorps auf bem Bahnhofe anwesend. Die Prinzessin Heinrich war bereits um 11 Uhr Abends nach Livadia abgereift. Gestern Vormittag empfing die Kaiserin Friedrich noch den Abschieds-Befuch des Großherzogs und der Großherzogin von Hessen und der Prinzessin Heinrich von Preußen. Um 12'/, Uhr fuhr die Kaiserin Friedrich bei dem Fürstbischof Kardinal Kopp vor, besuchte darauf in dessen Begleitung den Dom und nahm um 1 Uhr bet dem Kardinal das Dejeuner ein, an welchem auch der König von Sachsen, der Erb­prinz und die Erbprinzessin unb Prinz Ernst vo > Sachsen-Meiningen, sowie ber Oberpräfibent Fürst Hatzfelb unb bas Domkapitel theilnahmen. Um 3 Uhr 20 Min. reifte ber Köniz von Sachsen

behne. Als sie aufftanben, hatten sie sich, trotz- bem sie nur brei Forellen heimbrachten, köstlich unterhalten unb bem jungen Stadtherrn war's zu Muthe, als habe seine Seele ein erfrischenbes Bab genommen.

Die Säuberungen des Alten hatten ihn ge­reizt, ffelbst einen Ausflug in jene Wunderwelt ber Alpen zu unternehmen. Am folgenben Tage schon führte er ihn aus unb ber Doktor, welcher schon längst ben gleichen Plan hegte, schloß sich ihm an. Sie waren beide froh, daß keine von ben Damen bas Gleiche that unb Lieutenant Lubomir freute sich barüber ebenfalls. Stella selbst hätte zwar große Lust gehabt, bie Hochgebirgs - Tour mitzumachen, aber es hatte sie verbroffen, baß Paul seinen Plan gemacht hatte, ohne sie zu fragen, unb barum schmollte sie.

In einem leichten offenen Wägelchen fuhren bie beiben Touristen bis Selben.

Das Oetzthal steigt in mehreren Terrassen empor unb eine jebe ist durch einen vorspringen­den Bergriegel gleichsam zu einem abgeschlossenen Thale verrammelt, so daß nur die wildschäumende Ache sich durchzuzwingen vermag. Aus der ersten Thalstufe, wo eine fast südliche Vegetation vor­herrscht, bringt man durch das Gsteig, so heißt der erste Bergriegel, in bie zweite, beren Haupt­ort Umhausen ist. Schon hier macht sich ein rauheres Klima bemerkbar unb weit mehr noch, wenn man auf wildromantischem Wege durch die Maurocher Schlucht bis Längenseid vorgedrungen ist. Den Wanderer grüßen bereits viel ernste Bergeshäupter, deren Scheitel in ewigen Schnee getaucht sind, und Riesenblöcke, die in dem engen Thale zerstreut umherliegen und es manchmal ab­

sperren zu wollen scheinen, erzählen von mäch­tigen verheerenden Gewalten.

Beim Kurat in Zwieselstein fanden die beiden Bergsteiger Unterkunft und Pflege. Sie verplau­derten dort einen angenehmen Abend, unb je mehr ihr geistlicher Wirth ihnen von ben Wundern ber Eiswelt erzählte, bie aufzusuchen sie gekommen waren, besto mehr entflammte sich ihr Herz ba= für. Die wagehalsigen Unternehmungen ber Berg­fexen, über bie sie als vernünftige Leute oft ge­lächelt hatten, erschienen ihnen in ganz anderem Lichte, benn sie waren bereits von ber gleichen Begeisterung an gesteckt.

Unter Leitung eines kundigen Führers machten sie sich am andern Morgen auf gegen Vent. Von Zwieselstein aus theilt sich nämlich bas Thal in zwei Hälften, bie eine geht bis Vent, bie anbere bis Gurgl, boch von ba ab hinbert eine Welt ewigen Eises weiteres Vorbringen. Der Weg, welcher von einem biefer beiben Dörflein zum anbern führt, geht über bas Ramoljoch unb ben an biefen anschließenben Gletscher, unb diesen wollten sie überschreiten.

Sie hatten manche Schwierigkeiten, welche der Führer spielend, der Doktor als wetterfester Mann leichter, jedoch Paul, der Neuling und verwöhnte Städter, weitaus schwerer überwand. Jndeffen je mehr sie vorwärts schritten, besto mehr fühlte er feine Kraft erstarken, besto mehr empfand er ben wohlthätigen erfrischenden Einfluß der Berg­luft auf Geist und Körper. Bereitwillig folgten beide Wanderer bem Rathe des Führers, sich an das ©eil anbinben zu lassen, ba ein Beschreiten ber Schneeregion immerhin mit Lebensgefahr Der» bunben sei. Wie nöthig dies war, stellte sich