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mit Unterhaltungs-Beilage „Assuffrirte Sonntags-Zeitung!'
218. Sfufdo, Samstag, den 24. September 1898
25. Jahrgang.
6 Im Reiche der Mitte
ist es nicht mehr geheuer. Chinesen von der alten Schule werden vielleicht glauben, die Strafe des Himmels breche über das alte Reich herein, weil dessen junger Kaiser von der Pest der Neuerungssucht angesteckt worden und zum erstenmal, seit China besteht, ein europäischer Prinz in die inneren Gemächer des alten Kaiserpalastes in^Peking eingedrungen ist. Hat es doch der junge neuerungssüchtige Kaiser über sich gebracht, vor dem fremden Europäer aufzustehen; hat er doch sogar seine kaiserliche gar nicht neuerungsfreudige Mutter dazu gebracht, daß sie zu Ehren des europäischen Prinzen tief in ihr Perlenkästlein gegriffen und ihm zwei der herrlichsten Perlenschnüre geschenkt hat, so herrlich, wie nur China sie besitzt, die eine für die deutsche Kaiserin, die andere sür die prinzliche Gemahlin selbst. Ueber alle diese unerhörten Neuerungen entstand im gesammten Mandarinenthum ein gewaltiges Schütteln des Kopfes. Und nun kam gar noch im Auftrage Japans derMarquisJto und wollte mit dem jungen Kaiser von China ein Bündniß schließen, ein Bündniß zwischen China und Japan — und Japan, das durch seine Modernisirung jedem Mandarin von altem Schrot und Korn von Anfang ein Greuel ist. Das war zu viel. Zudem wüthet ein mächtiger Ausstand in den Südprovinzen, dessen die Regierung des himmlischen Reiches bisher vergebens Herr zu werden sich bemühte, und dieser Umstand steigerte die Unzufriedenheit unter den Pekinger Palastgewaltigen dermaßen gegen den jungen Kaiser, daß dieser nun einstweilen abgesetzt und die Regentschaft wieder seiner Mutter übertragen wurde. Gleichzeitig ist der alte Li-Hu'ng- Tschang, soeben erst vom jungen Kaiser seiner Aemter und Würden als erster Beamter des Reicher entkleidet, wieder in seine ganze alte Macht eingesetzt worden. Marquis Ito aber ist von Peking nach seinem fchönern Heimathlande Japan zurückgereist.
Was haben diese Umwälzungen zu bedeuten? Zunächst bedeuten sie, daß nun vorläufig in China anzeitgemäße Reformen nichtzudenken ist. Für das Kaiserreich China ist das sehr zu bedauern; denn vielleicht nur noch solche Reformen können es vor allmählichem Untergange retten. Und für China wäre eigentlich nichts natürlicher gewesen als ein Schutz- und Trutz- bündniß mit dem stammesverwandten Japan, das die Zeit besser versteht und besser mit ihr fortzuschreiten weiß. Für die europäischen Interessen im allgemeinen ist der Vorgang weniger bedauerlich. Denn höchst wahrscheinlich hätte sich aus einem festen chinesisch-japanischen Bunde allgemach so etwas wie ein Großmongolenthum entwickelt, das voraussichtlich am Ende nichts weniger als europafreundlich geworden wäre und schließlich gar mit der großamerikanischen Partei zusammen feindselige Stellung gegen Europa eingenommen hätte.
In den Hergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
11 ------ (Nachdruck verboten.)
Als er noch über das Räthselhafte in ihrem Wesen nachdachte und zu dem Schluffe kam, daß es wahrscheinlich nur in dem Gegensatz liege, zwischen ihr und den Damen, mit denen er gewohnt war zu verkehren, fielen ihm die Worte ein, welche auf dem in dem verwüsteten Eisen- bahnkoupee aufgefundenen Zettel gestanden. Er nahm ihn aus seiner Brieftasche heraus und überlas ihn nochmals und als er ihn wieder zusammenfaltete, sagte er sich: „Wenn ich ein Maler wäre, würde ich ihr Bild malen und diese Worte statt Namen darunter setzen."
Paul wartete und wartete; der heiße Tag, sein lauschiges Versteck, die Waldesruhe, das Rieseln des Baches zu seinen Füßen — alles chirkte wie ein Emschläferungsmitlel; er nickte ein und schlief, bis das Knarren einer Thüre ihn weckte. Er riß die Augen auf und vermeinte noch zu träumen; sein grünes Wald- quartier, der blaue Himmel über ihm, dort das halbverfallene Häuschen und die Gestalt auf der Schwelle — das war ja alles wie ein Traumgebilde.
Es war Lilian, sie trug ein Körbchen mit Wäsche unter dem Arme und hatte die Aermel emporgestreift und die im Sonnenlicht schimmernden weichen Arme schienen an Weiße mit dem blendenden Linnen im Korbe wetteifern zu wollen. Eine große weiße Schürze bedeckte fast das ganze Kleid, welches ein wenig aufgeschürzt war, so
Im besonderen aber bedeutet dieser Umschwung in China eine Niederlage der englischen Diplomatie und einen Sieg der Russen. Denn Herr Li-Hung-Tschang ist ein ausgesprochener Ruffenfteund, und was an ihm liegt, das wird sicher geschehen, um dem russischen Ein- fluffe in China und überhaupt in Ostasien zum denkbar besten Wachsthum zu verhelfen.
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Den neuesten Meldungen zufolge gewinnt es den Anschein, als sei Li-Hung-Tschang doch noch nicht wieder in seine Aemter und Würden eingesetzt worden. Aber es ist höchst wahrscheinlich, daß das alsbald geschieht. Das liegt in der Lust. Und wahrscheinlich kann sich die Kaiserin- Mutter in ihrem Sinne an keinen bessern und geschickteren Mann wenden als gerade an diesen. Bald wird man genauen Aufschluß erhalten darüber.
Deutsches Keich.
Berlin, 23. September.
+ Das Kaiserliche Saar ist heute (Freitag) Mittag nach Stettin gereist zur Eröffnung des neuen Hafens. Bei dieser Feierlichkeit beantwortete der Kaiser die Begrüßungsrede des Ober- bürgermeisters mit einer Ansprache, in der der Monarch u. A. sagte: „Sie haben in frischem Wagemuthe angefangen ... Sie haben nicht gezögert, es zu thun in echt pommerscher Rücksichtslosigkeit und Starrköpfigkeit. Es ist Ihnen gelungen, und es freut mich, daß der alte pom- mersche Geist in Ihnen lebendig geworden ist .. . Unsere Zukunft lieg tauf dem Wasser..!"
* Reichskanzler Iürstza Hohenlohe ist am letzten Donnerstag von Aussee wieder nach Berlin zurückgereist.
* In den deutschen offiziösen Zeitungen finden sich fortwährend Artikel über das deutsch e«g- lische AvKomme«, welche anscheinend vom Auswärtigen Amte inspirirt find. Man sucht darin die deutsche Regierung gegen den Vorwurf zu vertheidigen, die Buren England preisgegeben zu haben. In einem Berichte der.Frankfurter Zeitung' heißt es, es scheine festzustehen, daß die 1890 an Großbritannien überlassene Oberhoheit über die Insel Sansibargleichfalls einen Theil der getroffenen deutsch-englischen Übereinkunft bildet und voraussichtlich neu geregelt werden wird. Thatsache sei, daß die Engländer seit etlichen Monaten alle von ihnen auf Sansibar begonnenen Straßen- und Leuchtthurmbauten unvollendet gelassen, gewissermaßen deren Beendigung aufgegeben haben, als wenn sie ein Interesse an der Fertigstellung dieser Unternehmungen nicht mehr besitzen. Man schließe in Sansibar aus diesem Vorkommniß, daß die gegenwärtige britische Herrschaft über die den deutschen Besitzungen in Ostafrika vorgelagerte Insel wieder aufgegeben werden wird, und daß Sansibar eines der Objekte bildet, welche als Ausgleich für die seitens Deutschlands hinsichtlich der Delagoa - Bai in Zukunft zu beobachtende Politik in Betracht kommen. — Diese Nachricht ist einstweilen mit der größten Vorsicht aufzunehmen. Die ,Berl. Neuest. Nachr.' bemerken zu diesen Mittheilungen, daß nach ihren Informationen die Abtretung Sansibars an Deutsch-
daß man die in Halbschuhen steckenden kleinen Füße und schneeigen Strümpfe sah.
Sie fuhr zurück, als sie aus dem dunkeln Hausflur in den vollen Sonnenschein trat, und beschattete dann mit der Rechten ihre Augen und schaute nach dem See hin, als ob sie ausspähte, ob von dort Niemand käme. Darauf trat sie rasch in den Schatten der Nußbäume und begann an den dort ausgespannten Schnüren ihre Wäsche aufzuhängen.
Sie hatte kaum damit begonnen, als es hinter dem Hause raschelte und knackte, wie wenn Jemand über dürres Reisig steigt. „Ich will helfen, ich will helfen, Fräulein!" scholl eine helle Kinderstimme und ein etwa sechsjähriges, nur mit Hemd und Röckchen bekleidetes Kind stürmte eiligen Laufes auf sie zu.
„Das wird schwerlich gehen, Annele," sagte das Mädchen, indem es dem Kinde die glühenden Wangen streichelte und die ins Gesicht fallenden blonden Löckchen hinter die Ohren strich; „Deine Händchen sind keinesfalls sauber genug, als daß meine Wäsche ihre Berührung vertragen könnte." „O doch, Fräulein, darum habe ich sie ja bis über die Ellbogen in den Zuber gesteckt," rief das Kind fröhlich aus und hielt dabei die noch nassen Hände und Arme zur Besichtigung ausgestreckt. Die Augen hingen gespannt an Lilians Zügen, und als diese durch ein lächelndes Kopfnicken ihre Befriedigung zu erkennen gab, klatschte es in die Hände, daß die Tropfen absprangen, und nahm dann behutsam ein Stück Wäsche nach dem andern aus dem Korbe, um es dem Fräulein anzureichen, welches es über die Leine hing. Stillschweigend gingen die beiden
land in dem deutsch-englischen Abkommen leider nicht vorgesehen sei.
O Die Sache mit dem Deichs - Derstche- rrmgs Gesetz beginnt die Gestalt der altberühmten Seeschlange anzunehmen. Denn das Hin und Her und Für und Wider der Meldungen über die Entwickelung dieses so lange schon an« gekündigten Gesetzentwurfes geräth allgemach in eine Mannigfaltigkeit, wie sie nicht häufig zu finden ist. Der Vollständigkeit wegen sei nun aber auch die jüngste Meldung barilber verzeichnet. Der.Zeitschrift für Versicherungswesen' zufolge ist nämlich der Entwurf den verschiedenen Bundesregierungen noch nicht zugegangen, und auch das soll nicht richtig sein, daß im Oktober der preußische Verstcherungs-Beirath sich noch einmal mit dem Entwürfe befassen soll.
* Für das deutsche Reich hat die Schatz««- des Kr«1eertrags ergeben, daß der Winter- roggen vom Hektar einen Ertrag von 15,3 Doppelzentner gegen 13,8 Doppelzentner im Vorjahr geliefert hat. Der diesjährige Ertrag an Winterroggen stellt sich nach den auf Grund der ersten Drusche vorgenommenen Schätzungen mit 15,3 Doppelzentner auf den Hektar um 10,8” pCt. höher, als ihn die gleichartigen Schätzungen des Vorjahres bezifferten und übertrifft um 8,5 pCt. den aus den Septemberschätzungen für die letzten fünf Jahre berechneten Mittelwerth. Um die Mitte September war (im Vergleich mit dem August), wobei Nr. 1 sehr gut, Nr. 2 gut, Nr. 3 mittel bedeutet, der Stand der Kartoffeln 2,7 (2,6), Klee 2,5 (2,3), Wiesen 2,8 (2,4).
* Nach einer dem Reichskanzler kürzlich zu- gegaugenen Mittheilung haben einige Zollbehörden amerikanische Schrvemesseischwaare« zur Einfuhr zugelaffen, ohne die Vorlegung der vor- geschriebenen Untersuchungszeugniffe zu verlangen. Es ist deshalb von Seiten der Centralfinanzbehörden eine Verfügung an die Nachgeordneten Zahlstellen ergangen, in welcher die unbedingte Anforderung und Vorlegung der Untersuchungs- zeuguisse bei der Einfuhr amerikanischer Schweine- fleischwaaren in Erinnerung gebracht wird.
* Im Frühling dieses Jahres hatte der deutsche Fleischeroerband eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in der um die A«sHev««g der Diehsperren gebeten und das Ersuchen hinzugefügt war, der Reichskanzler möge eine Abordnung des Verbandes in Audienz empfangen. Damals war dem Verbände erwidert worden, der Reichskanzler sei zu seinem Bedauern, nicht in der Sage, eine solche Abordnung zu em-' pfangen. Auf den eigentlichen Gegenstand der Eingabe war in der Erwiderung gar nicht ein« gegangen. Nunmehr richtete der Fleischerverband aufs neue eine Petition an den Reichskanzler in demselben Sinne, und darauf ist dem Verbände vom Reichsamte des Innern ein Bescheid zugegangen, der zunächst auf jene Erwiderung vom Frühjahre zurückverweist. Außerdem aber wird darin bemerkt, daß „beiden gegenwärtig schwebenden Verhandlungen übet eine einheitliche Gestaltung der Fleischbeschau und über die Behandlung der aus dem Auslande eingehenden Fleischwaaren auch die von dem Fleis ch er verbände dar- gelegten Verhältnisse zur Erörterung
ihrer Beschäftigung nach, und wenn der stille Beobachter im Waldgestrüpp auch das liebliche Bild voll Interesse beobachtete, so wünschte er doch Annele dort, wo der Pfeffer wächst.
Der Zufall schien seinem Wunsche nachkommen zu wollen, denn gleich nachdem er ihn ausgesprochen hatte, ließ hinter dem Hause her eine kräftige Weiberstimme ein lang gedehntes durchdringendes „Annele, Annele!" ertönen.
„Laufe flink, Annele," sagte Lilian zu diesem, „wenn die Mutter ruft, muß ein Kind stets alles fteh'n und liegen lassen und zu ihr eilen".
Das Kind war hinter dem Hause verschwunden und Paul, welcher bemerkte, daß die Wäsche im Korbe saft alle war, sagte sich: „Jetzt ist's Zeit."
Behutsam, daß kein Geräusch ihn verrathe, trat er aus dem Dickicht auf den jenseitigen Weg, spannte seinen Schattenspender auf und schlenderte langsam, die Augen zu Boden gesenkt, die Höhe hinan, ganz wie einer, der von ungefähr des Weges kommt.
Der Nußgarten lag abseits vom Wege, aber als Lilian Schritte wahrnahm, wandte sie den Kopf. — Er hob den seinen, gerade zur rechten Zeit, und grüßte sie mit einem tiefen, ehrfurchtsvollen Gruße. Dann blieb er stehen, als fei er unschlüssig, ob er seinen Weg weiter verfolgen solle oder nicht, und schwenkte darauf ab nach der Richtung hin, wo sie stand.
Sie zog schnell das aufgeschürzte Kleid herunter und die emporgestreiften Aermel dis zu den Handgelenken hinab; sanfte Röthe überzog ihr Gesicht, wie wenn der erste Morgenstrahl über ein Schneegebirge streicht, und ihr Herz schlug so laut, daß sie Klopfen zu hören vermeinte.
gelangen werden". Namentlich beklagt man sich darüber, wie bekannt, daß die Einfuhr von Schweinen infolge der Sperrmaßregeln während der letzten Jahre außerordentlich abgenommen hat. Das ist richtig. Die Einfuhr von Schlachtschweinen aus den Nachbarländern hat sich sehr stark vermindert. Während dieselbe im Jahre 1892 im Ganzen 861253 Stück betrug, sank sie allmählich auf 345594 in 1895, 108091 in 1896 und 89826 in 1897. Gleichzeitig ist aber die Einfuhr auf dem Seewege, namentlich aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika, während derselben Zeit in demselben Verhältnisse gestiegen. Beide Thatsachen muß man gleichzeitig ins Auge fassen, wenn man diese Sache einigermaßen richtig beurteilen will.
>< Nicht ohne Erheiterung lieft man jetzt die verschiedenen Betrachtungen über die bevorstehende preußische Landtagswatzk und über die Stel- lung und Behandlung des Centrums. In allen Tonarten und auf alle nur erdenkliche Art suchen die Organe der sämmtlichen Parteien dem Centrum klar zu machen, daß Heil für das Centrum und Heil für das Land nur dann erblühen könne, wenn das Centrum Hand in Hand mit der Partei in den Wahlkampf zieht, der nun gerade das eine oder andere Blatt angehört. Die Freisinnigen stellen sich an, als wäre es ihr innigster Wunsch, das Centrum so stark wie möglich in das neue Prachtheim des preußischen Abgeordnetenhauses einziehen zu sehen; und nicht minder sind ihre Gegenfüßler, die Konservativen, auf's eifrigste bemüht, dem Centrum zu beweisen, daß nur mit den Konservativen zusammen dem Centrum Glück erwachsen könne. Am lustigsten ist das Gebühren der parteikonseroativen,Kreuz- Zeitung'. Diese versucht es mit dem System des Zuckerbrodes und der Peitsche. In einem Athem schmeichelt sie dem Centrum damit, daß sie dasselbe „die wegen ihrer Klugheit berühmte Partei" nennt, und bezichtigt auch die Centrumspresse „dreister Entstellungen des wahren Sachverhaltes," wie sie die,Kreuz- Zeitung' „nicht einmal in der freisinnigen und sozialdemokratischen Presse gefunden haben will. Wenn die,Kreuz-Ztg.' so fortfährt, wird sie es schwerlich zu einer Berühmtheit wegen ihrer Klugheit bringen. Ist man denn im konservativen Lager wirklich so überraschend naiv oder „rückständig", daß man glaubt, mit solchen abgebrauchten Mätzchen auch nur die Stimme eines einzigen Centrumsmannes vor den konservativen Wagen zu spannen? Ohne Zweifel werden Fälle eintreten, wo das Centrum auch mit den Konservativen gemeinsame Sache machen wird. Aber ebenso wird es nicht fehlen an der Unterstützung freisinniger Wahlbewerber dort, wo sich dies mehr empfiehlt. Denn genau so wie bei der Reichstagswahl und noch mehr als bei dieser muß als etwas ganz Selbstverständliches für das Centrum der Grundsatz gelten, daß es bei der Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause nicht überall nach einem bestimmten Schema, sondern in jedem einzelnen Falle nach besonderen Erwägungen vorgeht. Würde es anders handeln, dann würde es das Kompliment ja gar nicht verdienen, daß es „wegen feitet Klugheit berühmt" fei!
„Grüß Gott, mein Fräulein!" redete Paul sie an, „Sie sind vorgestern, als ich mich so sehr freute, Sie wieder zu sehen, mir so schnell entschlüpft, daß Sie heute, wo mich der Zufall wiederum in Ihre Nähe führt, mir schon erlauben müssen. Sie zu begrüßen und mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen."
Voll und fragend hatten bei dem Worte „Zufall" ihre Augen ihn angeschaut, so daß er die seinen senkte; als er geendet hatte, sagte sie: „Es war schon spät vorgestern, es war die höchste Zeit, daß ich nach Hause eilte."
„Und Sie sind damals ganz glücklich unter dem umgestürzten Eisenbahnzug durchgeschlüpft?" fuhr er fort. „Und Ihre Wunden sind bereits ganz geheilt?" Damit erfaßte er ihre Hand und betrachtete die rothe Schramme, die sich darüber hinzog.
Sie nickte. „Es hatte ja nicht viel zu bedeuten," sprach sie, indem sie ihm dieselbe entzog und wiederum erröthend sich niederbeugte, um den Korb aufzunehmen, der an ihrer Seite stand.
Es war ein solch eigenthümliches Gefühl über ihr Herz gekrochen, als er ihre Hand erfaßte und betrachtete; sie fürchtete, fürchtete vor sich selber. Sie wollte ins Haus.
„Und es geht Ihnen gut?" fuhr er fort, herz- lich und eindringlich.
„Gut?" wiederholte sie im Fragetone, als müsse sie sich selbst noch um die Antwort befragen. „Ja gut, — viel zu gut eigentlich." Damit harre sie sich dem Hause zugewandt und dadurch dem Besucher angedeutet, das er sich empfehlen dürfe.
Dieser jedoch beeilte sich keineswegs, dem Folgx