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JuLöa, Freitag, den 23. September 1898
25. Jahrgang.
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(Nachdruck verboten.)
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& Sozialdemokratisches.
Alljährlich vor dem sozialdemokratischen Parteitage erstattet der Vorstand der sozialdemokratischen Partei einen Bericht über die Thätig- keit, die er entfaltet hat, und über die allgemeine Lage der Partei. Diesmal ist der Bericht besonders ausführlich ausgefallen; er nimmt ganze fünf Seiten in dem Berliner Parteiblatte ein. An Verdeckungen und Entstellungen politischer und wirthschaftlicher Thatsachen leistet dieser Bericht ebenso erstaunliche Dinge wie seine Vorgänger. Die Sozialdemokratie in ihrer politischen Verranntheit sieht eben alles und jedes durch die Parteibrille an und ist nur noch in vereinzelten Fällen im Stande, unbefangene Urtheile abzugeben; und dieser störende Umstand macht sich besonders geltend bei einem Parteiberichte, in dessen Bereich auch eine Neuwahl zum Reichstage liegt.
Im Ganzen genommen hat der sozialdemokratische Parteibericht nur geringfügiges Jnterefle für die Allgemeinheit. Aber zwei Punkte sind es, die uns darin besondere Aufmerksamkeit zu verdienen scheinen: das ist einmal die große Opferwilligkeit der Sozialdemokraten für die Zwecke ihrer Partei, und das ist zweitens diesmal die Thatsache, daß sich innerhalb der Sozialdemokratie von neuem sehr stark der Drang regt, „auf die Dörfer zu gehen," also von neuem es zu versuchen mit lebhafter Agitation auf dem platten Lande.
Zur Beurtheilung des ersten dieser beiden Punkte ist besonders bemerkenswerth, daß die Hauptkasse der Partei im Laufe dieses einen Berichtsjahres eine Einnahmevon315,866Mk. gehabt hat. Einzelne Drucksachen sind in hunderttausenden von Exemplaren unter die Massen ge- jchleudert worden, so eine einzelne Wahl - Flugschrift in 448,000 Stück, die Mai - Zeitung in 292,000 Exemplaren, Liebknechl's Flugschrift zur Verherrlichung der März-Revolution von 1848 in einer Austage von 30,000 Exemplaren, und so geht das durch. Man mag nun wollen oder nicht, aber man muß zugeben, daß diese Parteirührigkeit der Sozialdemokratie großartig ist und einzig bei uns in Deutschland dasteht; und man sollte sich daran ein Beispiel nehmen, das man nachzuahmen trachtet. Uebrigens ist der Vorstand der Partei gar nicht mit den eingegangenen Geldern ausgekommen. Er hat vielmehr mit seinen Ausgaben die hohen Einnahmen noch überschritten; denn die Ausgaben betragen nach dem Berichte des Vorstandes für das letzte Berichtsjahr nicht weniger als 343,105 Mark.
Auf hem platten Lande macht sich die Sozialdemokratie aufs neue Hoffnungen auf weitere Erfolge. Das ist sehr erklärlich, wenn man sich daran erinnert, eine wie starke Zunahme 'der sozialdemokratischen Stimmen die letzten Neuwahlen zum Reichstage in rein ländlichen Bezirken ergeben haben, namentlich im Nordosten Deutschlands, in Mecklenburg, Pommern und in Ostpreußen, da wo der Typus des Großgrundbesitzers am stärksten vertreten ist. Ganz augenscheinlich hatte die Sozialdemokratie selbst nicht auf eine solche Stimmenzunahme in diesen Gegen- den gerechnet; und nun erklärt es sich leicht, daß
die rothen Alpenrosen, er pflückte sich eins dieser wie Rubinen leuchtenden Zweiglein, steckte es an seinen Hut und schritt weiter.
Als er so die Hälfte des Sees fast umschritten hatte, kam er zu der Stelle, wo der Wald und die steilen Hänge aufhörten, und grüne Wiesen und blaue Flachsfelder in sanfter Steigung sich gen Piburg hinanzogen.
Dies mußte die Stelle sein, welche der Kirchendiener, von der er Namen und Wohnort seiner Unbekannten erfahren, ihm bezeichnet hatte.
Dort, wo der Fußpfad sich abzweigte, stand ein schönes hohes Kruzifix, und eine wohlerhaltene Kniebank war davor angebracht.
Waldklematis, so schön wie er sie noch selten gesehen hatte, waren wie eine Guirlande um Hände und Füße des sterbenden Erlösers geschlungen, und es mußte erst vor kurzem gewesen sein, daß eine fromme Hand diesen sinnigen Schmuck angebracht hatte, denn die Blüthen waren noch ganz groß und frisch.
Unwillkürlich kam ihm der Gedanke, daß sie es gethan haben mußte; er stellte sich vor, wie te hier kniete und wie ihre großen stillen Augen voll Innigkeit an den Zügen des leidenden Gottmenschen hingen, und er kniete selber nieder, was er seit langem nicht mehr gethan hatte, und sein Haupt entblößend betete er.
Dann nahm er das Alpenrosenzweiglein von einem Hut, legte es auf die Füße des Christus- >ildes nieder und ging weiter.
So kam er zu der Stelle, wo ein freundlicher seiner Bach ihm entgegenrieselte, um von da ab eiligen Laufes dem See zuzustreben. Vor ihm lag auf einer kleinen Anhöhe das bezeichnete
Herr Halding hatte auf der Veranda gelesen, war eine halbe Stunde auf seinem Zimmer gewesen und dann in den Wald hinausgegangen- das wußte sie am Abend und erzählte es der heimkehrenden Dame, die durch die mangelhafte Auskunft keineswegs zufriedengestellt, sich auch keineswegs bewogen fühlte, den verheißenen Lohn auszubezahlen.
Za, Paul war in den Wald gegangen und über drei Stunden ausgeblieben — aber was hatte er im Walde gemacht?
Langsam war er bergauf gestiegen, still vor llch hin lächelnd, keineswegs wie einer, der ein gewisses Ziel verfolgt, und wer ihn so dahin- lchlendern sah, wie er bald mit liebevollem Auge dem tfluge des Falters folgte, der sich zwischen Erdbeergestrüpp und Brombeerranken verlor, bald zum Wipfel einer himmelanstrebenden Buche emporschaute, als wollte er ihre Höhe messen, der härte ihm keine andre Absicht zugetraut als die, die Waldeinsamkeit und den süßen Waldesfrieden mit vollen Zügen zu genießen.
Und doch verfolgte er ein Ziel, er wollte das Fräulein vom See aufsuchen. Jnde,ß er brauchte sich nicht zu beeilen; nun er ihren Aufenthalt kannte, konnte sie ihm nicht entschlüpfen, und er wußte noch nicht, wie er ihr gegenübertreten sollte.
So wandelte er mit stillzufriedener Miene den Weg, der zum westlichen Seeufer führte, empor.
Er sah die rehfarbenen Tiroler Kühe, wie sie durch das Laubwerk strichen und an einzelnen Waldblößen friedlich weiter grasten, und der matte eintönige Klang der Kuhglocken schien ihm von der Seligkeit eines weltabgeschiedenen Glückes reden zu wollen; er betastete die Granitblöcke, die hier vom Moose bedeckt friedlich schlummerten, und fragte sich, wer wohl mehr zu beneiden sei, diese hier oder ihre Brüder in den Wiener Hof- burgmuseen, die als herrliche Säulen von allen bewundert zwischen Bildern und Statuen ein Leben fortwährenden Kunstgenusses führten.
Der Weg zum See kam ihm diesmal gar nicht lang, noch langweilig vor, es freute ihn, daß Niemand seine Einsamkeit störte, und das Lächeln, welches seine Züge überflog, entstammte gar oft dem Gefühl der Zufriedenheit, daß er seiner Tischgesellschaft heute entronnen sei, denn cs kam ihm vor, als sei er doch aus anderem Holz qe- schnitzt als sie.
Heute war der Wiener Advokat zum Philosophen und Dichter geworden.
Endlich war er auf der Höhe und der Piburger See breitete sich in seiner ganzen zauberhaften Schönheit vor ihm aus.
Er lag so still, so strahlend da, von hohen, grünen Bergen eingefaßt und von der leuchtenden Sonne beschienen. Leise kräuselten sich die Wellen und bunte Libellen schossen über der glitzernden Oberfläche hin und her; sonst tiefe Ruhe in und über dem Wasier, aus der Ferne nur drang das Rauschen der angefchwollenen Ache an das Ohr des einsamen Wanderers.
Paul schlug den am linken Ufer entlang führenden chmalen Fußpfad ein. An den Abhängen glühten
sich unvermeidlichen Kontrast so sehr zu mildern suchen, wie es nur eben möglich ist.
Häuschen mit den grünen Fensterläden und dem verwilderten Nußgarten vor der Thüre.
Niemand war zu erblicken, nur aus einem der seitwärts gelegenen geöffneten Fenster ertönte Kindergeschrei und lautes Rufen, dazwischen das einförmige Sausen des Webstuhls. Die Fenster an der linken Seite der Thüre hingegen waren geschlossen und die grünen Jalousien vorgeschoben.
Paul ließ sich auf einem, durch hoch aufschießendes Gestrüpp versteckten Baumstumpfe seitwärts am Wege nieder und wartete, sich derweilen wiederholt die Frage vorlegend: „Mensch, wozu bist Du hierher gekommen?"
„Um sie zu seh'n und zu sprechen, mich nach ihrem Befinden zu erkundigen und — meine Taschentücher abzuholen."
Paul hätte beinahe laut gelacht beim Schluß dieser Antwort, die er sich selber gab. — Vorgestern, gegen Abend nämlich, als er die unerwartete Begegnung mit seiner Reisegefährtin gehabt hatte, war sie erröthet, was ihr ganz reizend stand, und das erste, was sie in ihrer Befangenheit zu sagen wußte, war:
„Ach verzeihen Sie, daß ich Ihnen die Taschentücher noch immer nicht zurückgeschickt habe; sie waren noch nicht gewaschen, in der nächsten Woche indeß erhalten sie dieselben ganz gewiß." Dann war sie wieder erröthet, als empfände sie das Lächerliche dieser ersten Begrüßung, und hatte sich schnell verabschiedet mit dem Bemerken, daß es bereits anfinge zu dunkeln und daß sie bis nach Hause noch einen weiten Weg vor sich habe.
Welch ein Rech: hatte er denn, sie aufzusuchen, wo sie doch ersichtlich vor ihm floh?
Dies Recht gab ihm eben ihre Befangenheit
Herrisches Keich.
Berlin, 22. September.
+ Den neuesten Meldungen zufolge handelt es sich bei der von Italien ausgegangenen Anregung um eine internationale Konferenz gegen de« Anarchismus. Diese Konferenz sol bereits im bevorstehenden Monat Oktober zusammentreten. Es sollen dabei nicht nur Maßnahmen berathen werden für gemeinsamen Schutz gegen anarchistische Umtriebe und Attentate, sondern auch Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Anarchismus in Kasernen und Werkstätten. Indessen scheint es sich nicht um eine allgemeine internationale Konferenz der Mächte zu handeln. Die von dem halbamtlichen Telegraphen-Bureau verbreitete Meldung des römischen Regierungsblattes ,Stalie' spricht nur von „mehreren Mächten"; welche Mächte das sind, ist nicht gesagt.
* Das Handwerkerorganisationsgesetz enthält bekanntlich auch neue Bestimmungen über die Inuaugsvervande. Sie sind bereits am 1. April d. I. in Kraft getreten. Dem Vernehmen nach sehen die zuständigen behördlichen Stellen streng darauf, daß die den Vorschriften über die Jnnungsverbände entsprechen- den'Aenderungen der Verbandssatzungen nunmehr bald vorgenommen werden. Einzelne Jnnungsverbände sind neuerdings aufgefordert worden, zu diesem Zwecke außerordentliche Verbandsversammlungen einzuberufen. Wenngleich solche Veranstaltungen mit beträchtlichen Kosten verknüpft sind, werden sich ihnen die Jnnungsverbände, die ihre Satzungen noch immer nicht den neuen Bestimmungen angepaßt haben, nicht entziehen können.
* Auch in diesem Jahre wollen sich die deutsche« ^ostunleröeamten wieder mit einer Petttion an den Reichstag wenden, um ihre Lage zu verbessern. Es wird u. A. gewünscht: Die Beseitigung der Wohnungsnoth durch Bereitstellung außerordentlicher Etatsmittel, die Erweiterung der Laufbahn der Postunterbeamten durch Erschließung besser dotirter Stellen an befähigte Kräfte, Anrechnung der Militärzeit bei Militäranwärtern als Diätariat, Fortgewährung der Jnvalidenpension an im Unterbeamtendienst angestellte Militär-Invaliden, Reform des Strafverfahrens und Zubilligung des Prädikats „Herr" an Unterbeamte bei Zustellung amtlicher Schriftstücke.
X Bei der Versammlung der Naturforscher und Äerzte in Düsseldorf hat Prof. Kruse aus Bonn einen Vortrag gehalten über die MeHr- säßigkeit der Leute in den Städten und auf dem Lande und ferner über die Entwickelung des Menschengeschlechtes jetzt und in alter Zeit. Jedenfalls richtig ist es, wenn Prof. Kruse sagt, früher feien die Menschen im Allgemeinen auch nicht größer gewesen als jetzt. Aber wie steht es denn mit der Widerstandsfähigkeit gegen allerhand Unbilden? Davon hat Herr Kruse wohlweislich geschwiegen. Und daß es mit der Wehrfähigkeit in den Städten viel
die Parteibegehrlichkeit der Herren Genoffen aufs neue dem platten Lande sich zuwendet, das sie schon einmal durch ihre ganze Feindschaft und Verachtung erfreut hatten, weil das platte Land ihne» durchaus kein freundschaftliches Verständniß entgegen brachte. Dies zeigt sich schon darin, daß unter den Anträgen, die für den sozial- demokrattschen Parteitag eingelaufen sind, feit drei Jahren wieder zum ersten mal solche sich befinden, die mit der Agrar-Frage sich befassen. Freilich, sehr zuversichtlich äußern sich auch diesmal die Anträge nicht. Der eine Antrag erkundigt sich nach der Kommission, die vom Breslauer Parteitage vor drei Jahren eingesetzt wurde, um die Agrar-Frage zu studiren; und die übrigen Anträge in diesem Sinne stimmen darin überein, daß sie dem nächstjährigen Parteitage eine „Agrarisches Aktions-Programm" vorgelegt wiffen wollen. Aber immerhin sieht man, daß sich ein neuer sozialdemokratischer Vorstoß auf das platte Land vorbereitet; und in welcher Richtung dieser Vorstoß etwa unternommen werden wird, darüber kann man wiederum einigen Aufschluß erhalten aus dem Jahresberichte des ParteivorstandeS. Das mit dem Bauernstände selbst etwas von der Sozialdemokratie anzufangen fei, das glaubt diese trotz aller Großsprecher im entgegengesetzten Sinne selbst nicht. Anders aber steht es mit der ländlichen Arbeiterbevölkerung. Schon die letzten Reichstagswahlen zeigen, wie oben dar- gethan, daß der ländliche Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie der großen Hauptsache nach von ländlichen Arbeitern herrührt; und in diesem Sinne sagt auch der Jahresbericht des Vorstandes: „Hinaus aufs Land! wird also nach wie vor unsere Parole bleiben. Wir können aber auch dort unsere Erfolge nicht als Bauern-, sondern nur als Arbeiterpartei erzielen." Und daß man sich vor allen Dingen weitere Hoffnung macht auf die Arbeiterschaft und auf das Gesinde der Großgrundbesitzer, mehr als auch das Gesinde der Bauern, das wird in dem Parteiberichte durch folgendes ausgedrückt: „Ueber die Lohn-, Arbeits- und Wohnverhältnisse der Arbeiter auf den Gütern des Großgrundbesitzes haben wir mehrfach authentische Mitthcilungen, die häufig ein erschreckendes Bild über die dortigen Zustände geben. . . . In manchen bäuerlichen Gegenden lebt das Gesinde unter Verhältnissen, die den schlimmsten Zuständen auf den ostelbischen Gütern in nichts nachstehen. Wenn diese Zustände bisher weniger in die Erscheinung traten, so wohl nur aus dem Grunde, daß der Bauer häufig fast ebenso schlecht lebt und wohnt wie das Gesinde, also der Kontrast fehlt, den das Herrenhaus der Junker und die Lehmhütte der Arbeiter bietet. . . "
Das ist nun natürlich wieder übertrieben in der Schilderung. Aber der Kernpunkt der Sache ist ohne Zweifel richtig getroffen; und damit ist für die anderen, die es etwas angeht, der beste Fingerzeig gegeben, wie sie am wirksamsten der sozialdemokratischen Gefahr auf dem platten Lande begegnen können: nämlich dadurch, daß sie durch milde Behandlung ihrer Arbeiter, wie sie einem wahren Christen und auch wahren Edelmann geziemen, jenen an
In den Sergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
schlechter bestellt ist als auf dem Lande, daß ist eine Thatsache, die auch die allergelehrtesten Herren nicht wegleugnen können. Warum denn auch?
h. Vor amerikanischen Schuhwaarerr ist vor einiger Zeit gewarnt worden. Von verschiedenen Seiten, namentlich aus dem freisinnigen und aus dem sozialdemokratischen Lager heraus, wurde der Berliner Regierung aus dieser Warnung ein Vorwurf gemacht. Wie angebracht indessen diese Warnungen waren, geht deutlich daraus hervor, daß von n ordamerikanischen Behörden selbst jetzt zugegeben wird, daß viel amerikanische Schundwaare auf den deutschen Schuhmarkt gebracht wird — was zu beweisen war!
4~ „Von zuverlässiger Seite" will die konservative ,Kreuz-Zeitung' „erfahren" haben, daß sich „die nichts weniger als eutmulhigt zeigen, sondern das Deutschthum nach wie vor aus allen Punkten entschieden angreifen". Soeben erst — das wird als Beweis für diese Behauptung angeführt — hat die Polnische Ansiedelungsbank ein Rittergut gekauft, um es „im Interesse der polnischen Propaganda auszutheilen u. s. w." Zunächst braucht man derlei doch nicht „von zuverlässiger Seite" zu erfahren, was jedermann beobachtenkann, wenn er feine Augen aufmacht. Und dann ist es außerordentlich kindlich, daß man von den Polen verlangen will, sie sollen sich fo ohne weiteres abschlachten und verdrängen lassen. Eine Ansiedelungsbank zu gründen steht den Polen doch frei. Und wenn sie sich wehren gegen die Vernichtungs-Maßregeln, die der Hakatisrnus gegen sie im Schilde führt, so kann man gerechterweife so lange nicht das Mindeste dagegen haben, als dies auf gesetzmäßige Weise geschieht.
* Als das Aeneste vom „grove« Hl«s«g" bringt das ,Volksblatt für Halle' folgende Mittheilung: So ziemlich der Rekord in der Anwendung des berühmten § 360, 11 des Straf- Gesetzbuches dürfte damit erreicht fein, daß dem Steinsetzer May in Giebichenstein eine Klage auf groben Unfug zugegangen ist, weil er am Stich- wahlentag emen gegnerischen Wahlzettel ^rissen und die Papierstücke des auf den Ge- »eimrath Tugend lautenden Stimmzettels dem Äertheiler derselben, dem Schulhausmann Henze, vor die Füße geworfen hat. Nächsten Montag indet vor dem Halleschen Schöffengerichte die Verhandlung statt.
x Die Sterbefälle in Folge der Krank- jeiten, welche man unter den Bezeichnungen „Schwindsucht" ttnb „Tuberkulose" zusam- menfaßt, sind während der letzten Jahre weni- zer zahlreich geworden — fo lautet das er- reuliche Ergebniß von Untersuchungen, die das Kaiser!. Deutsche Gesundheitsamt in Berlin an- gestellt hat. Diese Unterfuchungen erstrecken sich nicht nur aus das Deutsche Reich, sondern auch auf diejenigen außereuropäischen Staaten, in denen regelmäßig statistische Zufammenstellungen über die Sterblichkeit und ihre Ursachen veröffentlicht werden. JnBayern, Sachsen und Preußen int) verhältmßmäßig die meisten Personen an Tuberkulose im Jahre 1890 gestorben, also in der Zeit der ersten großen Influenza - Epidemie. Die Jahre 1891 und 1892 waren günstiger; dann wurde es in 1893 und 1894 wieder schlechter.
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