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FuUmerMZeUung

M 216.

Jutöcr, Donnerstag, den 22. September 1898

25. Jahrgang

Verantaortli«: 5ir die Bebattion I«s. tir Jnfrrate I. Parzelle» tu Fulda.

! Gesetz über den Werkehr mit küusttiche« i Sützftoffe«, welches mit dem 1. Oktober d. I.

in Kraft tritt, von Bedeutung, weil es die Ver­wendung von Saccharin als Verfälschung im Sinne des § 10 des Gesetzes über den'Nahrungs­mittelverkehr bezeichnet; es dürfte im Besonderen auf die Herstellung von Bier und Wein bessernd einwirken, weil es die Verwendung künstlicher Süßstoffe, namentlich des Saccharin, hierbei ver­bietet. In Brauereikreisen hofft man, daß es den Anfang des allgemeinen Surrogatver­bots für die Bierbereitung darstelle und daß in einer nahen Zeit ein auf das letztere be­züglicher Gesetzentwurf dem Reichstage werde vor­gelegt werden. Es läßt sich nicht leugnen, daß die bayerischen und badischen Biere in Folge des dortigen Surrogatverbots einen Theil ihres guten | Rufes erworben haben. Wenn nun, wie gewiß ist, I demnächst Württemberg zu demselben Surrogat­verbot, wie seine Nachbarn, gelangt, wird, so schreiben die ,Berl. Pol. Nachr.', die Lage der nord­deutschen Brauereien gegenüber den süddeutschen noch unangenehmer. Die verbündeten Regierungen haben auch in früher vorgelegten Gesetzentwürfen ihre prinzipielle Zustimmung zu einem solchen Verbote für die norddeutsche Brausteuergemein-

I schäft ausgesprochen; die Entwürfe scheiterten aus | anderen Gründen. Jedenfalls darf als gewiß angesehen werden, daß, wenn ein Surrogats­verbot dem Reichstage vorgelegt würde, dieser seine Zustimmung ertheilen würde.

* Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle eine vereinzelte Zeitungsmeldung verzeichn°t, wo­nach ein Gesetzentwurf vorbereitet werden sollte I über die Errichtung eines besonderen Aechnnngs i Hofes für das Ikeich. Durch eine halbamt­liche Mittheilung wird jetzt jene Meldung als unrichtig bezeichnet.

* Die ZSetrievseirmahmerr der prevßi- [ scheu Ktaalsvahuen betrugen im August d. I. ! 103,98 Millionen, d. h. 5,5 Millionen mehr als im August 1897. Auf 1 Kilometer betrugen die Einnahmen 3538 Mk., d. h. 142 Mk. mehr als im August vorigen Jahres. Aus dem Personen- und Gepäckoerkehr allein betrugen die Einnahmen ö5 Millionen, b. h. 936,000 Mk. mehr als im August vorigen Jahres, die Einnahmen aus dem Güterverkehr beliefen sich 68,96 Millionen, d. h. 4,6 Millionen mehr als im August vorigen Jahres. In der Zeit vom Beginn des Betriebs­jahres betrug die gesammte Verkehrseinnahme 491,8 Millionen Mk. (-j- 29,4 Millionen Mk.) oder auf den Kilometer 16,764 (-j- 775) Mk. Aus dem Personen- und Gepäckverkehr allein wur­den in derselben Zeit 164,58 Millionen (+ 9,1 Millionen) Mk. erzielt.

* Wie die Berliner .Neuesten Nachrichten' zu melden wissen, werden von den 53‘/z Millionen, die für das laufende Etatsjahr für Schiffsvaute« bewilligt sind, nach der jetzt feststehenden Ver­gebung der Schiffe auf den Staatswerften nur für 14'/io Millionen erbaut, während den Prioat- werften der Rest zufällt.

* Daß ein sozialdemokratisches Blatt bei einer Besprechung des Mordes in Genf die Anwendung von Prügelstrafe« gegen solche Verbrecher empfohlen hat, wurde bereits hervor­gehoben. Es ist die ,Rhein.-Westf. Arbeiter-

Instr«te:DieeiW spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Rv- Namen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

schlagen, die es systematisch zu Grunde ge­richtet haben."

Zur Kennzeichnung der Sachlage ist es noch- wendig zu wissen, wie die Konservativen den nationalliberalen Wahlaufruf beurtheilen. Dies geschieht, wie es der Aufruf nicht anders ver­dient, durch die parteikonsewative,Kreuz-Ztg/ in sehr kühler Weise. „Die nationalliberale Partei wird sich — so schreibt sie — bei der Frage, ob sie freisinnige Kandidaten gegen die Konservativen unterstützen soll, „je nachdem" verhalten. Die Kon­servativen werden ... aus dieser Haltung auch für ihre Stellung die nothwendigen Kon­sequenzen ziehen. . .« Im übrigen glaubt auch die ,Kreuz-Ztg/ noch nicht daran, daß die Nationalliberalen im allgemeinen ihren Liberalis­mus in scharfer Gegnerschaft gegen die Konser­vativen zum Ausdrucke bringen werden. Sie be- urtheilt aber jedenfalls die Sache sehr richtig, wenn sie ihre Besprechung mit folgenden Worten schließt: „Im großen und ganzen müssen wir unser Urtheil über den Wahlaufruf dahin zu- sammenfasfen, daß er keinerlei lieber« raschungen gebracht und weder eine Ver­änderung noch eine Klärung der Sach­lage herbeiführt hat."

Klagelieder, aber seine Hände waren zusammen- gesaltet wie zum Gebet, und er schauspielerte nicht; er schauspielerte auch nicht, als er sich zur Sühne für seinen wohlgemeinten, aber folgen­schweren Rath in die Weltabgeschiedenheit von Ochsengarten verbannte. —

Am Abend dieses Tages sagte Fräulein Stella zu Paul, der in einem niedrigen Sessel zurück­gelehnt auf der Veranda saß und gedankenvoll den Rauch seiner Cigarette in die milde Lust I hinausblies: „Den heutigen Tag können Sie ge­trost aus Ihrem Kalender streichen, Herr Hol­ding, denn so schlecht gelaunt wie heute sah ich Sie noch nie."

„O nein, mein Fräulein," entgegnete Paul mit einem Gesicht so lächelnd, als ob ihm etwas sehr Glückliches begegnet sei, „ich werde diesen Tag nicht ausstreichen, sondern unterstreichen und zwar mit einem dicken rothen Strich."

Man rieth hin und her, um den Grund zu erforschen, weshalb die üble Laune plötzlich in das Gegentheil umgekehrt sei, aber Paul verrieth nichts; er rauchte nur und lächelte unter beharr­lichem Schweigen.

O nein, den Grund hätte er nicht nennen mögen, denn er ruhte im Heiligthum seines Her­zens, und dies Heiligthum öffnete er Niemand, öffnete er es doch sich selber nur in besonders guten, weihevollen Stunden.

Auf dem Rückwege, ganz in der Nähe von Oetz schon war es, wo ihm das Wunder geschah. Als ungenießbarer Gesellschafter war er hinter den anderen zurückgeblieben und als er beim Friedhöfe vorbeikam, dort eingetreten. Er schritt die kleinen Hügel entlang, las die naiven Vers-

Zeitung' in Dortmund, und nunmehr kommt das genannte Blatt auf dasselbe Thema zurück. Ganz richtig schreibt dasselbe in einem Leitartikel: „Wenn Prügel wirklich zur Verhinderung von Morden dienen, so sind sie berechtigt. Der Ge­winn, den die Prügel bringen, übersteigt dann den Schaden, den sie bringen, bei weitem. Die entgegengesetzte Ansicht halten wir für verbohrte Prinzipienreiterei. . . Es kommt also darauf an, ob Prügel wirklich einen Mord zu verhindern geeignet find. Diese Frage bejahen wir, soweit es sich um anarchistische Morde handelt. So ziemlich alle anarchistischen Attentäter sind von einer unsinnigen Ruhmsucht erfüllt gewesen . . . Prügel aber entehren. Sie befriedigen nicht die Ruhmsucht, sondern bewirken das gerade Gegentheil. Sie machen einen Menschen zum Gegenstände des Spottes und der Verach­tung . . . Vielleicht schilt uns der eine ober andere in diesem Falle ,reaktionär'. Wir aber halten die absolute Heiligkeit des Menschenlebens für die primitivste Errungenschaft der Civili- fation und bedauern, daß unsere Gesetz- gebungsie nochimmernicht ausreichend schützt." Wenn man nach diesen Ausführungen des genannten sozialdemokratischen Blattes in Dortmund Schlüsse ziehen wollte, dann müßte man annehmen, daß der konservative Verein zu Bünde i. W. massenhaften Anschluß an seine Petition finden sollte, in der er den Reichstag um Wiedereinführung der Prügelstrafe für be­stimmte Verbrecher ersuchen will. Denn wenn schon aus dem sozialdemokratischen Lager heraus solche Stimmen laut werden, dann sollte man meinen, daß im übrigen sehr viel Stimmung im Volke vorhanden sein müßte für die Petition von Bünde. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß eine allgemeine Einführung der Prügelstrafe zu wünschen wäre; und jeder Freund sittlichen Fortschrittes kann nur aufs tiefste bedauern, daß Ereignisse eintreten können, die dieses unliebsame Thema von der Prügelstrafe aufs Tapet gebracht haben. Aber wie dann, wenn man wirklich zu der Erkenntniß gelangen sollte, daß Prügelstrafen wirklich helfen könnten gegen gewisse abscheuliche Verirrungen und Verbrechen?

4- Für den sozialdemokratische« Partei­tag in Slnttgart sind nicht weniger als 90 An­träge eingelaufen. Breslau, Königsberg und Heidel­berg beantragen, es möge auf die Tagesordnung des Parteitages gesetzt werden: „Die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen." Ohne Zweifel wird der Antrag angenommen, und dann wird es bei der Besprechung desselben ebenso unzweifelhaft heiße Köpfe geben; dies um so mehr, als nicht weniger als 11 weitere An­träge vorliegen, die sich mit der Taktik der Sozialdemokratie bei den Landtagswahlen be­schäftigen. Einige davon wünschen, daß der Ham­burger Beschluß aufgehoben und durch einen andern ersetzt werde. Aber darüber, was nun an seine Stelle treten soll, gehen die Ansichten vollkommen auseinander. So verlangt Calbe-Aschersleben, es solle beschlossen werden, „schon bei der Urwahl für bürgerlich-oppositionelle Wahlmanns-Kandi­daten einzutreten", und umgekehrt verlangt ein anderer Antrag, es solle wiederholt beschlossen werden, daß die Sozialdemokraten „keinerlei

einen Hymnus anstimmen, das wird durch die Erde zu ihm bringen unb ihm Freude machen. Er ist im Grunde boch eine Heldengestalt."

„Ruh n in Frieden alle Seelen." Fräulein Stella fang das schöne Schubertsche Lied mit einer solch warmen, lebensvollen Stimme und mit einem solchen Ausdruck von Gefühl, daß alle davon ganz ergriffen wurden.

Fragend ruhten Pauls Augen auf dem schönen Mädchen. „Empfindet ste's wirklich? Ist es hr eigenes Herz, was aus den Tönen spricht? ?at sie überhaupt eins!" fragte er sich unb »ätte diese Frage entweder mit Ja beantwortet oder doch sie unbeantwortet gelassen, hätte er nicht die beifallheischenden Blicke bemerkt, die sie noch während des Singens langsam vom einen zum andern gleiten ließ.

„O Du edle Schauspielkunst," dachte er und latschte, nachdem sie geendet hatte, begeistert in )ie Hände. Die andern folgten seinem Beispiele, rotzdem ein gerührtes Schweigen vielleicht chmeigelhaster gewesen wäre.

„Da sage einer, daß die Welt kein Theater ei, sogar in den entlegensten Tiroler Bergen wird geschauspielert," murmelte er leise.

„Was meinen sie Herr Holding," fragte Stella, die offenbar ihm ihre Huld beweisen wollte.

„O nichts, gnädiges Fräulein; ich prägte mir nur ihre Worte von vorhin ins Gedächtniß ein," entgegnete er und dachte an den Kreisen Kurat, auf den sie Bezug gehabt hatten.

Jrn Geiste sah er die hohe Gestalt, ihn, der an dem Familiendrama einen, wenn auch neben« achlichen Antheil gehabt hatte, hier an dem ein« amen Grabe stehen. Er fang dem Todten keine |

chen, die an einem jeden der eisernen Kreuze an­gebracht waren, und lächelte über die ebenfalls bei keinem fehlende Darstellung, wie der Oetz- thaler und seine Frau bei der Himmelspforte anklopfen, er auf einem Schemel kniend und sie auf der Erde; und wie er fo die friedlichen Ruhestätten entlang schritt, nicht ohne das Be­wußtsein seiner Ueberlegenheit, hatte er sie erblickt, sie, seine unbekannte, bereits halbvergessene Mit­reisende, die bei einem von den andern verschie­denen Grabhügel in der Ecke beschäftigt war.

Er hatte sie wiedergesehen, er hatte sie ge­sprochen und sie war erröthet, als er so plötzlich vor ihr stand.

Hatte er auch nur wenig Worte mit ihr ge­sprochen, so wußte er doch, wie sie hieß unb wo sie wohnte, und darum war er so glücklich und die Leere seines Herzens war mit einem Male ausgefüllt.

5.

„Wir fahren heute nach Umhaufen," rief Stella ihrem Wiener Freunde zu, als er, später als alle andern, beim Frühstückslifch auf der Veranda erschien.

Sie trug ein blau und weiß gestreiftes Kleid von bosnischem Krepp und sah reizender aus als je. Paul, der sonst ein solch aufmerksames Auge für ihre äußere Erscheinung hatte, bemerkte es heute gar nicht, antwortete indeß fröhlich und offenbar angenehm berührt: „Das ist fürwahr eine gute Idee; der Weg ist bequem und doch ohnend, und der dortige Wasserfall einer der chönsten im ganzen Land Tirol. Da werden Sie — denn ich vermulhe, daß Sie erst Nachmittags zum Wasserfall gehen werden — fehen, wie sich

A Der nationalliberale Wahlaufruf ist nach dem Urtheile der freifinnigen ,Vossischen Zeitung'„langundschwerfälligund alles eher als darauf angelegt, Begeisterung in der Wähler­schaft zu entfesseln". Das ist ohne Zweifel richtig geurtheilt; und auch andere freisinnige Blätter haben darüber dieselbe Ansicht. „Daß der Wahlaufruf besonders packend ist — so bemerkt Eugen Richter's,Freisinnige Zeitung' — wird niemand behaupten." Aus diesen beiden übereinstimmenden Steuerungen kann man ferner entnehmen, daß die Freisinnigen in dieser Kundgebung der nationalliberalen Partei zu den preußischen Landtagswahlen nichts erblicken, das ihnen die Nationalliberalen politisch näher brächte. „Der Aufruf bringt — fo fritifirt die frei­sinnige Zeitung' weiter — scharfe Wendungen gegen den Ultramontanismus. Der be­treffende Abschnitt ist der einzige, in welchem eine Kampfesstimmung hervortritt. Warum dies gerade in dem Wahlaufrufe geschieht, ist um so weniger ersichtlich, als es äußerst wenige Wah kreise gibt, die zwischen Centrum und Nationa liberalismus streitig sein können. . . . Sehr be­scheiden wird erinnert an die dringliche Reform des Wahlrechtes. . . . Sehnsüchtig wird wieder nach dem Miquel'schen Automatengesetz verlangt .... Nirgends aber ist die nachtheilige Ein­wirkung der konservativen Parteien auf die Ge­setzgebung hervorgehoben. . . . Der Auftuf hat diesmal nicht gegen die freisinnigen Parteien pvlemistrt; dagegen hat der Aufruf auch ein Zu­sammengehen aller Liberalen nicht proklamirt. Wir wollen nunmehr abwarten, wie die Konser­vativen und Freikonservativen dieses Diplomati- siren aufnehmen."

Man sieht also sehr deutlich, wie berechtigt die Zweifel daran waren, daß die nationalliberale Landesversammlung und der von ihr beschlossene Wahlaufruf vom Geiste des Kampfes gegen die Konservativen durchweht sein würden, wie die »National-Zeitung' und andere Organe des linken Flügels der nationalliberalen Partei vorher glauben machen wollten. Wohl aber regt sich schon inner­halb der nationalliberalen Reihen sehr deutlich die Opposition gegen Anschlüsse nach links. Die .Frankfurter Oder-Zeitung' zum Bei­spiel schreibt in einem Artikel mit der lieber« schrist „Das liberale Bürgerthum" unter anderem folgendes: „Es ist selten mit einem politischen Schlagworte so viel Mißbrauch getrieben worden, wie mit dem Worte, das liberale Bürgerthum!.. Die Fortschrittspartei hat es verstanden, einen Theil ihrer Anhänger an die Sozialdemokraten, einen andern nach rechts zu verlieren, und sie hat blos einen sehr geringen Bruchtheil übrig be­halten ... Die Wahlen von 1898 haben ihre Niederlage von 1893 bestätigt; und darum darf man in ihnen wohl ein endgiltiges Ur­theil der Volksmeinung über die Politik der Fortschrittspartei sehen . ..." Das genannte Blatt warnt vor der Politik der Linksliberalen, der sie die Schuld an dem Zerfall des Liberalis­mus zuschreibt: „Wenn also das liberale Bürger­thum auf absehbare Zeit hinaus eines

maßgebenden Einflusses beraubt ist, so mögen sich diejenigen reuig an die Brust

trförätf täglich, m. Ausnahme der Sonn« und Feier­tage. Bierteljährl.

-r;«g»prri, ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 5V Ps.

In den Sergen.,

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

„Und hier dies Grab hält jetzt die beiden Liebenden vereint," sagte Stella, indem sie auf die niedrigen Holzstaketen zufchritt, welche diesen Theil von dem übrigen Rasen trennten.

„O nein, nur er; sie ist sehr schön begraben in Brixen in der Familiengruft; der Kurat hier, der ihr Onkel und Pathe war und ebenfalls gegen die Heirath gestimmt haben soll, hat sie selbst ein­gesegnet und es muß ihm sehr nahe gegangen fein. Um diesen hier," mit einer geringschätzigen Geberde deutete der Sprecher auf das Grab, „hat sich jedoch nie eine Menschenseele gekümmert, er scheint gar keine Familie zu haben, oder sie hsit sich feiner geschämt; und wer des Abends hier vorbeikommt, der schlägt ein Kreuz und eilt so schnell er kann von hier fort." Mit diesen Worten entfernte sich der Führer, um die Reit­tiere herbeizuholen.

„Grausame Ironie des Schicksals, ein eie« ganter Offizier, ein Don Inan, und ruht im Ochsengarten. Die Erde sei Dir leicht, Herr Kamerad," sprach Ludomir.

„Er hat ein junges unerfahrenes Mädchen, was gewiß fein eigenes Herz kaum verstand, zu Grunde gerichtet und eine ehrenwerthe Familie unglücklich gemacht; er war kein Ehrenmann," sagte Paul. „Ich kenne die Geschichte."

„Sie urtheilen allzu philisterhaft, Herr Hal- ding," entgegnete Stella; „er ist für seine Liebe in den Tod gegangen, wir wollen ihm lieber

Deutsches Reich-

Berlin, 21. September.

* Wie der ,Hamburger Korr.' meldet, ist der Vorentwurf zum Texte des nette« jsjoff- tarifs noch bis vor wenigen Tagen den ein­zelnen Regierungen nicht zugestellt gewesen. Die vor ein paar Wochen durch die Blätter gegangene Mittheilung, daß dies schon geschehen sei, war also die Vorwegnahme einer Thatsache. Das Blatt hofft, daß von der Regierung die einzelnen Jnteressenten-Vereinigungen über die Wünsche, die sie bei der Ausgestaltung des Textes des Zoll- tarifes haben, befragt werden. Es komme ja nicht auf die Zollsätze allein an, auch die Fest­setzung des Textes der einzelnen Positionen sowie die Einleitung der letzteren habe die größte Be­deutung für das Geschäftsleben. Ebenso hänge beispielsweise von der Einbeziehung mehrerer Maaren in eine Position das Zollschicksal der einen Waare später von dem der anderen ab. „Die Geschäftswelt weiß nun am besten, ob die Zusammenlegung einzelner Waarenkategorien zweck­mäßig ist oder nicht. Schon deshalb wäre es gut, wenn man die einzelnen Interessentenkreise über die verschiedenen Tarifabtheilungen befragte." Wie späterhin, wenn die einzelnen Regierungen den Entwurf wieder an die zuständige Stelle der Reichsverwaltung geschickt haben werden, sich die Befragung der Interessenten gestalten soll, ist heute | noch nicht entschieden.

* Eine vortheilhafte Neuerung soll für das Apotheker Wese« in Preußen eingeführt werden. In dem nächsten preußischen Etat soll eine For­derung enthalten fein für die Stelle eines Apo­theken - Dezernenten im Kultusmini­sterium. Dieser Posten soll besetzt werden mit dem gegenwärtigen Vorsitzenden des Deutschen Apotheker-Vereins.

* Für das allgemeine Gebiet der Herstellung dec Nahrungs- und Genußmitteln ist auch das

mit Unterhaltungs-Anlage „Alkustrirte Sonntags-Ieitung"