Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Bierteljährl. He,ug,preis ohneBringrrlohn «nd Bestellgeld in Fulda und aus» Warrs IM. 50 Pf.
KuldaerM-Zeitmtg
Inserate: Dicrr»- spalt. «Aarmor-S» zeile oder Oer*« Staunt 15 Pf, Reklamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsvrechend. Rabatt gewährt.
mit Nnterhattungs-Meikage „Zssuflrirte Sonntags-Zeitung"
M 215.
JuLöa, Mittwoch, den 21. September 1898
25. Jahrgang
zx Die Lagern Frankreich.
Frankreich hat nun wieder einmal etwas, woran es sich aufregen kann. Und augenscheinlich regt es sich auch gründlich auf; denn die Politischen Gemüther scheinen bis zum Siedepunkte erhitzt zu sein. Und das hat die Wiederbelebung der Dreyfus-Frage zu Wege gebracht. Der Friedensvorschlag des Zaren — Aegypten, die Vernichtung der Machbisten und Faschoda — "bet grausige Mord in Genf — die Insel Kreta — alles, alles verschwindet hinter dem einen großen Dreyfus. Und alle Welt starrt wie verzückt nach diesem Popanz!
Die fabelhaftesten Beleidigungen schleudern die Gegner einander zu. Erbärmliche Canaillen — Verräther — Minister, die nichts weiter sind als •eine Verschwörerbande — das sind so einige wenige Beispiele aus der wenig duftigen Blüthen- lese der französischen Presse in diesen letzten Tagen. Man ruft nach einem Staatsstreich. Man beschimpft den Präsidenten in geradezu unerhörter Weise; kurz, in Paris brodelt es wie in einem Hexenkessel. Und dennoch klingt aus •diesem wüsten Durcheinander ganz deutlich und stark ein ganz bestimmter Ton hervor: Frankreich sehnt sich nach einem Herrn! Man möchte einen Mann an der Spitze sehen, vor dem alles gleichmäßig sich beugen würde; und käme jetzt der richtige Mann mit der rechten Entschlossenheit, wer weiß, ob er nicht bald genug ganz Frankreich zu seinen Füßen sähe.
Daß eine Revision des Dreyfus-Prozesses kommt, ist also so gut wie beschlossene Sache. Ministerpräsident Brisson kann gar nicht mehr anders, als auf die Wiederaufnahme hinzuarbeiten. Präsident Faure hat sich vor dem energischen Brisson mit seinem Widerstande dagegen in den Schmollwinkel zurückgezogen. Der neue Kriegs - Minister aber, General Chanoine, hat darum -gegen die Revision nichts einzuwenden, weil er der Ansicht ist, daß dieselbe infolge der neuen Thatsachen eine moralische und juristische Noth- wendigkeit geworden ist. Auch General Chanoine glaubt augenscheinlich nicht daran, daß Dreyfus unschuldig sei; ebenso wenig wie sein Vorgänger Zurlinden. Aber er erkennt die Forderung als gerecht an, den Prozeß noch einmal vorzunehmen; und unter allen Umständen steht er damit auf dem moralisch einzig richtigen Standpunkte. Mag Dreyfus schuldig sein oder nicht; mag er ein Vaterlandsverräther fein oder nicht — der Prozeß muß unbedingt revidirt werden nach den Bekenntnissen des Selbstmörders Henry, der Entlarvung des Majors Esterhazy.
Leider gehen bei dem ganzen Streite die allermeisten Franzosen nicht von dieser ganz einfachen und ruhigen Erwägung aus. Bei den meisten entscheidet die Leidenschaft des Streites, so daß die wenigen Leute mit ruhiger Ueberlegung fast <?anz in den Hintergrund gedrängt sind. Und leider hat nun in dieser neuesten Zeit auch der Chauvinismus wieder eine außerordentliche
In den Sergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
•3 ------ (Nachdruck verboten.)
Ein unangenehmes Erstaunen malte sich in Stella's Gesicbt, als sie auf dem betreffenden Rasenplätze weder Tisch noch Stuhl erblickte und statt dessen die mit dem Auftrage betrauten Leute ganz ruhig an der geöffneten Kirchenthüre stehen sah.
Sie war indessen noch nicht bis zu ihnen gelangt, um die zurechtweisenden Worte, die ihr xnff den Lippen schwebten, anzubringen, als vom Innern der Kirche her ein Glöcklein ertönte; die Leute fielen auf die Kniee und ein Geistlicher, das heilige Sakrament unter einem weißseidenen Ueber- hang tragend, trat über die Schwelle. Voll Liebe und Wohlwollen ruhte sein Auge auf den Knieenden, er segnete sie mit dem Hochwürdigsten, und nachdem noch ein forschender Blick die im Hintergründe Stehenden gestreift hatte, ging er raschen Schrittes dem Gebirge zu.
Die Gestalt des Priesters war hoch und ehr- furchtgebletend; die spärlichen weißen Haare umrahmten fein edelgeformtes, schmales Gesicht, und die milden, ernsten Augen, welche daraus hervor- leuchteten, waren wie eine Himmelsmahnung, die sich nicht so schnell vergessen ließ.
Stella's Theatergemüth war diesem Eindruck am wenigsten zugänglich, und der Klang des Glöckchens erschallte noch in nächster Nähe, als sie bereits den Führern zurief: „So kommt ihr eurem Auftrage nach, Leute?"
„I, wo konnten wir denn anders," erwiderte
Steigerung erfahren. Zur Vermehrung desselben hat merkwürdigerweise auch der Friedensvorschlag des Zaren beigetragen. Denn durch die Besprechung desselben ist auch die Frage von der Zurückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich von neuem aufgerollt und in die Diskussion der Tagespreffe hineingezogen worden; und wie stets, so hat sich auch diesmal wieder der Revanche- Gedanke daran erhitzt.
Also die Revision des Dreyfuß - Prozesses kommt. Daran ist keinen Augenblick zu zweifeln. Jetzt liegen die Akten einer Kommission vor, die aus drei Räthen des Justizministeriums und drei Räthen des Kassationshofes besteht, also des obersten Gerichtshofes. Diese Kommission hat nur eine berathende Stimme. Sie hat nach erfolgter Berathung dem Justizminister zu berichten, und Justizminister Sarrien ist ein ausgesprochener Freund der Revision. Dieser hat zu entscheiden, und darum kann man nicht anders annehmen, als daß die Revision stattfinden wird. Alsdann wird der Prozeß vermuthlich neue Opfer fordern aus den Reiben des Generalstabes und aus den Kreisen, die diesem nahe stehen, denn es ist als wahrscheinlich anzunehmen, daß die Henry, Esterhazy und Paty du Clam noch Mitwisser, vielleicht auch Mitschuldige gehabt haben. Auf der andern Seite kann man unmöglich glauben, daß Dreyfus so vollkommen unschuldig sein sollte; denn unmöglich können alle die Beamten, Parlamentarier, Offiziere und Richter, die mit dem Prozesse vorher zu thun hatten, Schurken und Betrüger sein.
Die Gegner des Kabinets Brisson versuchen es jetzt mit zweierlei. Entweder möchten sie die Kammern einberufen sehen, oder eine allgemeine Volksabstimmung, ein Plebiszit über die Dreyfus-Revision veranstaltet haben. Das letztere wird die Regierung ohne Zweifel zu vermeiden wissen. Zur Einberufung des Parlaments ist sie aber nur dann gezwungen, wenn mindestens die Hälfte der Abgeordneten sie verlangt. Bisher haben sich aber nur gegen vierzig derselben mit diesem Verlangen gemeldet, und Herr Brisson braucht zunächst auch das Parlament nicht einzu- berufen. Herr Brisson wird sich also auch noch am Ruder erhalten. Und erst die Klärung in der Sache des Dreysus-Prozesses wird auch Klarheit darüber bringen, ob Herr Brisson mit seinen Leuten noch lange an der Spitze der Regierung bleiben wird oder nicht.
Deutsches Deich.
Berlin, 20. September.
* Nach einer Danziger Zeitungsmeldung wird der Zar am 27. d. M. bei der Enthüllung des russischen Kriegerdenkmals in Danzig erwartet. Der Kaiser wird vermuthlich von Rominlen aus ebenfalls an demselben Tage in Danzig eintreffen.
h Am 10. Oktober d. I. wird im Reichs- Justizamt nunmehr eine Kommiss ion zusammentreten, die über Abänderungen an dem Gesetze über das UrHeverrecht vom 11. Juni 1870 berathen soll. Es sind 18 Sachverständige geladen, und es werden 7 Vertreter der Regierung daran theilnehmen. Die Sachverständigen sind
unwillig der eine. „Wenn der Herr Kurat unfern lieben Herrn zu einem Sterbenden trägt, da sollen wir nicht niederknieen und für die arme Seel' ein Vaterunser beten! Wir sind doch keine Heiden!"
Mit diesen Worten entfernten sich Beide brummend und heftig gestikulirend, während die Herren, ermüdet von dem weiten beschwerlichen Wege, sich längs der Mauer des Widums in's Gras niederwarfen.
Stella, welche nicht müde war, spazirte zierlich wie eine Bachstelze auf und nieder.
„Dieser Kurat hat auch nicht immer in einem elenden Tyroler Hirtendorfe gelebt," rief sie, ihrem Gedankengange Ausdruck gebend, plötzlich aus, und deutete auf die westwärts gelegene Höhe, von woher der Klang des Glöckleins leise und melancholisch herüberdrang. „Da sage einer, daß die Well kein Theater fei. Sogar in den entlegensten Alpendörfern, sogar am Bette eines sterbenden Sennen wird geschauspielert."
„Pardon, Fräulein Stella," sprach Paul, indem er sich aus feiner liegenden Stellung aufrichtete. „Die Tyroler Geistlichen sind eher alles Andere als Schauspieler. Von diesem hier hörte ich bereits in Oetz; er war viele Jahrzehnte hindurch in Brixen, die rechte Hand und ein besonderer Liebling des Bischofs; mehrere Werke von gutem Klang entstammen feiner Feder. Urplötzlich vor drei Jahren kam feine Versetzung in diese Einsiedelei; ob hier eigener Wunsch oder höhere Be- nimmung maßgebend war, weiß Niemand. — Er ist ein Räthsel, aber er thut auch hier vollkommen seine Schuldigkeit."
„Nun, mir deucht," entgegnete Stella, „abgesehen von der schauerlichen Einsamkeit, die ja
ausgewählt aus den verschiedenen intereffirten Berufskreisen. Leider ist der ganze katholische Buch- und Kunsthandel ebenso wie die ganze katholische Presse unvertreten dabei geblieben.
+ Der bekannte national-soziale Pastor Naumann hatte, wie seinerzeit berichtet, in einer Berliner Versammlung die Mittheilung gemacht, Bayern habe auf die Umfrage des Staatssekretärs Grafen Pofadowsky über die Koalitionsfreiheit der Arbeiter geantwortet, daß Mißbräuche dieser Freiheit in Bayern nicht vorgekommen seien. Nach einer halbamtlichen, von München aus verbreiteten Meldung soll diese Mittheilung unrichtig ft in. Die Berichtigung erfolgt fo spät, daß man annehmen muß, sie fei erst durch eine von Berlin aus erhobene Beschwerde ergangen. Der bayrischen Regierung hätte danach selbst wenig an der Berichtigung gelegen, was sehr gut zu begreifen wäre, wenn nämlich die hier ausgesprochene Vermuthung richtig ist.
X Die Sozialdemokratie fährt fort, die erfolgte Ankündigung von bevorstehenden Be- fchneidungsoersuchen der Koalitionsfreiheit der Arbeiter für ihre Wühlzwecke auszubeuten. Am Abend des letzten Montag haben in Berlin gleichzeitig acht Maffenversammlungen von Arbeitern ftattgefunden, die alle miteinander einstimmig eine Resolution annahmen, in der „ein- müthig Protest erhoben wird gegen die von der Regierung geplanten Verschlechterung des Koalitionsrechtes der Arbeiter". Die Versammlungen waren äußerst stark besucht und bewiesen schlagend, daß den Herren „Genossen" nichts Willkommeneres kommen konnte als diese Ankündigungen. Namentlich für den bevorstehenden Sozialdemokratentag in Stuttgart wird besagtes Thema ganz besonders wirkungsvoll sein. "Die Regierung aber sollte schon aus diesem Vorspiele die einzig richtige Lehre ziehen und ihren Gesetzentwurf unter den Akten begraben, dort wo sie am tiefsten sind.
X Wie alljährlich vor dem fozialdemokrati- fchen Parteitage, fo ist auch diesmal um dieselbe Zeit der Bericht des sozialdemokratische« Warteivorkandes erschienen. Leider muß man sagen, daß der Bericht, ebenfalls wie seine Vorgänger, Erkleckliches leistet an Verdrehungen und Entstellungen. Aber das ist man ja schon gewöhnt. Nach diesem Berichte verfügt die Partei jetzt über 68 Parteiblätter im Reiche; der Berliner .Vorwärts' zählt 52,000 Bezieher. Die Einnahmen der Partei betrugen 315,867 Mk., wovon zwei Dritttheile für die Wahlen zum Reichstage ausgegeben wurden.
x Der «aliouaMverake Wahlaufruf für die preußischen Landtagswahlen ist nunmehr in den nationalliberalenParteiblätterr erschienen. Er entspricht den Ankündigungen, die ihm in der nationalliberalen Presse vorangingen, und er enthält darum keine Ueberraschungen mehr. Ebenso wie der Aufruf der freisinnigen Volkspartei ist der Aufruf reich an Worten. Der Grundgedanke ist: Sammlung liberaler Elemente gegen die Konservativen und gegen das Centrum. Aber ob alle Angehörigen der nationalliberalen Partei von einem Kampfe gegen die Konservativen etwas wissen wollen, das ist eine andere Frage. Das wollen mir einmal abwarten.
nicht für Alle so abschreckend ist wie für mich, muß das hier im Ochsengarten nicht so schwer fein. Er hat ein bequemes Leben, ist ein Gott in feinem Reiche und das dumme Volk betet ihn an."
„Nun, über das bequeme Leben, das die Dorf- geistlichen hier führen, kann ich als Doktor auch ein Wörtchen darein reden, und obschon ich kein Freund der Pfaffen bin, muß ich hier als ihr Vertheidiger auftreten. Sobald dem Dörfler etwas fehlt, schickt er zum Geistlichen, und, da die meisten unter ihnen auch etwas Medizin verstehen, erst wenn dieser es anräth, zum Arzte. Wegen einer Kleinigkeit holt man ihn vom warmen Ofen fort in das gräßlichste Unwetter hinein. Aus dem Bette holt man ihn heraus und in dunkler Nacht im wildesten Schneegestöber muß er oft Stunden weit in's Gebirge, auf Pfaden, wo jeden Augenblick der Fuß ausgleitet und jeder unbedachte Tritt den Tod bringen kann. Das ist doch ein ernsteres Leben, als man im luftigen Wien sich träumen läßt." A Wtz
„Ach ja," fiel Stella ein, „'s gibt nur a Kaiferstadt, 's gibt nur a Wean, nicht wahr, Herr Haiding, nur ein Wien?" Sich graziös hin- und herwiegend stimmte sie erst leiser, dann lauter den Donauwellenwalzer an, in welchen allmählich die ganze Gesellschaft mit Ausnahme von Paul, der kein Sänger war, einftimmte, und ihr lustiges La la vermischte sich mit dem fernen Klange des Glöckleins, welches jetzt, als die hohe Gestalt des Ochsengartener Kuraten auf dem nächst- gelegenen Höhenkamm auftauchte, noch einmal deutlich herüberdrang.
Mittlerweile waren Tisch und Stühle herbeigeschleppt worden und „das Mädchen für alles"
+ Theilweife unrichtige Nachrichten mache" ihren Rundlauf durch die Presse über ein6 Brandstiftung, die in Spandau bei Berlin gegen einen Schuppen versucht worben ist, in dem itatieuische Arveiter für die Nacht untergebracht werben. In Spandau gibt es Maurer-Streik; und um die in diesem Sommer notwendigen Bauten auszuführen, hat der Militärfiskus diese fremden Arbeitskräfte herangezogen. Da wurde neulich in der Nacht der Versuch gemacht, das Nachtquartier der Italiener in Brand zu stecken. Man vermuthete dabei einen Racheakt, ausgeübt durch einen irregeleiteten Streik-Fanatiker; und leider hat sich diese Vermuthung vollauf bestätigt. Man hat-den Thäter schnell genug erwischt: es ist ein junger Mann, der Sohn eines Spandauer Maurers, selbst schon seit Jahren auf Bauten thätig. Nun wurde die Auffassung verbreitet und namentlich von der sozialdemokratischen Presse ausgebeutet, daß der junge Mann es gar nicht mit den ausständigen Maurern hält, sondern ein Streikbrecher sei, und zwar ein Individuum, das sich vollkommen dem Schnapstrunke ergeben und die That jedenfalls im Zustande der Betrunkenheit ausgeführt habe. Das ist jedoch nicht wahr. Die genaueren Untersuchungen haben vielmehr alle Anhaltspunkte dafür ergeben, daß der junge Mann die Brandstiftung versuchte aus fanatischer Wuth gegen die italienischen Arbeiter, deren Heranziehung den Spandauer Maurer-Ausstand zum großen Theile wirkungslos macht. Schon vorher, ehe die Italiener ankamen, hat der Mann häufig seinem Haffe gegen das ganze Unternehmerthum in blindwüthiger Weise Luft gemacht; und ebenso nun hat er bei den Verhören ganz unumwunden selbst jugef anben, daß er bei feinem Branbstiftungsversuche von dem Hasse gegen die fremden Arbeiter geleitet war. Er haßte die Fremden als Streikbrecher, weil sie den einheimischen Maurern das Brot nähmen und auch die Bauarbeiter um ihre Beschäftigung brächten. Das ist der wahre Sachverhalt. Nur ist nicht recht einzusehen, wie man daraus eine Begründung herleiten will für die Nothwendigkeit eines besonderen Strafgesetzes mit ausgesucht scharfen Bestimmungen gegen Streiker und solche, die andere zum Streik anreizen wollen. Hier liegt ganz klar ein Fall von Brandstiftung vor unter den erschwerendsten Umständen, und somit kann gar keine andere als Zuchthausstrafe erfolgen. Der junge Fanatiker hat unumwunden zugegeben, daß es ihm gleichgiltig gewesen wäre, wenn nach gelungener That die Italiener in dem Brande umgetommen wären. Die That ist also möglicherweise auch als eine That wider das Leben gekennzeichnet — kurz, es ist jede Handhabe zu schwerster Bestrafung geboten; und es ist durchaus nicht einzusehen, warum in einem Theile unserer Presse der wahre Thatbestand verschleiert oder gar absichtlich entstellt wurde.
* In verschiedenen Blättern des Rheinlandes wird aus Anlaß der Besetzung der durch den Abgang des Herrn Geheimrath Hasius frei gewordenen Präsidentenstelle beim Landgerichte Duisburg die Rarität im preußischer» Instiz- dieuste beleuchtet. Im Bezirke des in der Mehrheit seiner Bevölkerung katholischen Oberlandesgerichtsbezirks Hamm (es stehen 1,570,879 Pro-
erhob sich, um bas Mahl herzurichten, wobei Fräulein Stellas Gesellschafterin hilfreiche Hand leistete. Diese selbst ließ sich neben Paul Haiding nieder und versuchte, ihn in ein Gespräch über seine Vaterstadt Wien hineinzuziehen, und erzählte allerhand lustige Erlebnisse. Doch obschon sie ihr ganzes, heiteres Konversationstalent an ihn verschwendete, er ging nicht wie sonst mit dem ihm eigenen Humor darauf ein, und sie verließ ihn zuletzt mit der Bemerkung, er hätte sich lieber fchlasen legen sollen, da er für die Gesellschaft heute ganz ungenießbar sei
Längs der "Wand des Widums war der Tisch hergerichtet und alle, sogar Holding, der Philosoph, wie ihn Stella soeben getauft hatte, ließen sich dos Mahl aus kaltem Fleisch, Backwerk, Obst und Wein bestehend, trefflich munden. Es hätte auch kein ernstes Thema fernerhin an die allgemeine, heitere Harmonie zu rütteln gewagt, wenn nicht zu guter Letzt, als bereits vom Aufbruch die Rede war, Stellas Gesellschaftsdame die unglückliche Idee gehabt hätte, sich nach der Bedeutung des an einer Ecke der Kirchenmauer auf- gemalten großen Kreuzes zu erkundigen. Traurig und unschön hoben sich die dicken schwarzen Striche von der weißgetünchten Wand ab, und das kaum zwei Meter in der Länge messende Rechteck davor, welches mit einem niedrigen rohen Holzgitter umgeben war, machte den Eindruck, als fei es ein Kaninchenstoll.
Auf die Frage der jungen Wittwe sahen die leiden Führer einander an und zögerten mit der Antwort. Endlich sagte der eine, nicht ohne einen cheuen Blick hinüberzuwerfen: „Der Metafi liegt »ort begraben."