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25. Jahrgang.

IuLöa, Montag, den 19. September 1898

M 213.

-sSÄRSSTiar- mit Zlnterhattungs-Meilage „Muflrirte Sonntags-Zeitungi' peteregage Nr. 2 (Harmonie).

Krstes Mcrtt.

cU Eine Brutstätte desAnarchismus.

Ohne Zweifel erfreuen sich die Völker roma­nischer Abstammung, die Franzosen, Spanier und Italiener, der außerordentlich zweifelhaften Ehre, bisher die ausgedehntesten Erfahrungen mit dem Anarchismus gemacht zu haben. Namentlich die sogen. Männer der That, die Scheusale, die vor der Anwendung der Sprenggeschosse und des Dolches nicht zurückbeber, gehören fast ausschließ­lich diesen Völkern an.

Aber auch unter den romanischen Volksstäm­men ist es besonders der eine, welcher mehr Anarchisten hervorgebracht hat als alle anderen: das ist der italienische Volksstamm. Vor einiger Zeit brachten Pariser Blätter nach amt­lichen Angaben Mittheilungen über die Stärke der Anarchisten in Frankreich. Danach kannte die Pariser Sicherheits-Polizei deren etwa 2000, und von diesen 2000 waren etwa 500 geborene Fran­zosen, die anderen stammten aus dem Auslande. Von den Ausländern wiederum gehörte beinahe die Hälfte (45 von 100) Italien an; 25 von 100 waren Schweizer, je 10 von 100 Deutsche und Russen, je 5 von 100 Belgier und Oesterreicher, je 2 von 100 Spanier und Bulgaren.

Diese Ziffern zeigen schon deutlich auf Ita­lien als das Land mit der Brutstätte des Anar­chismus. Und das ist es in der That. Von dort aus hat sich der moderne Anarchismus entwickelt, dort leben auch die meisten Anarchisten. Der Anarchismus der Gegenwart begann sich zu regen in der ersten Hälfte der 80er Jahre, und der erste anarchistische Kongreß, von dem man weiß, fand im Dezember des Jahres 1886 in der oberitalienischen Stadt Chiasso statt. Die Ver­sammlung war streng geheim, und es haben sich an ihr etwa 15 Vertreter aus verschiedenen ober­italienischen Städten betheiligt. Das erste anar­chistische Programm, das von dieser Versammlung aufgestelll wurde, ging in seinen Grundzügen hinaus auf Enthaltung von den Wahlen, auf anarchistischen Kommunismus und auf Benutzung jeglicher Gelegenheit, die dazu führen konnte, die öffentliche Ordnung zu stören.

Auf Anregung dieser Versammlung in Chiasso hin fand im Jahre danach der erste allge- meine Kongreß in London statt. Caserio, der spätere Mörder des französischen Präsidenten Carnot, und ein ähnliches Scheusal Namens Mala testa waren als die Vertreter des italie­nischen Anarchismus die hervorstechendsten Figuren bei diesem Londoner Anarchistenkongreß von 1887. Nachher begann die eigentliche anarchistische Unter» wühlung in Oberitalien. Daß dieselbe zum Theil in unheimlich erfolgreicher Weise betrieben wurde, dafür dient als Beleg der Ausfall der Wahlen in Livorno im März 1894. Damals stimmten nicht weniger als 3200 Wähler für den anarchi­stischen Mörder Marga. Die Stadt Livorno freilich erfreut sich von Alters her keines guten Rufes. Sie war schon in alten Zeiten der Ort, an dem sich in zahlreichen Schlupfwinkeln römische

In den Krrgen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

Am Abend des folgenden Tages fand ein Wohlthätigkeits-Concert, ein ConcertfürdieWittwe des verunglückten Heizers, im Hotel zur Post in Oetz statt. Im Birkenwäldchen beim Champagner war das Alles überleg! und besprochen worden.

Fräulein Stella und Lieutenant Ludomir hatten das Arrangement des Ganzen in die Hand ge­nommen, denn sie verstanden sich auf dergleichen am besten und hatten auch am meisten Jntereffe dafür. Er zumal war ganz Begeisterung. Dre Sorge für das edle, große Unternehmen ließ ihn die ganze Nacht hindurch nicht schlafen und schon bei der Besprechung im Birkenwäldchen war der durch Paul Holding hervorgerufene Unmuth hin­weggefegt wie von einer frischen, erquickenden Brise.

Stella schonte sich nicht; ihr Name stand auf den meisten Nummern des Programms; sie fang Arien aus dem „Vogelhändler" und dem „armen Jonathan" und Lieder voisi Schubert, Schumann und Brahms; Lieutenant Ludomir begleitete sie dazu auf dem Klavier. Zwei hübsche junge Damen waren für Klavier-Vorträge gewonnen worden; die eine trommelte eine ungarische Rhapsodie von Liszt recht keck und tapfer herunter, während die andere in einem Notturno von Chopin vor lauter Gefühlsinnigkeit fast ersterben zu wollen schien.

Paul Halding hatte sich bestimmen laffen, einen Vortrag über Eisenbahnunglücke zu hallen. Dieser bildete den Schluß und nach ihm folgte

Verbrecher zu verbergen suchten, und in wüstem Andenken steht noch die entsetzliche Mefferbande des Livornesers Scholla, die zur Zeit des letzten Großherzogs von Toscana wüthete und 700 Menschen ums Leben brachte.

Oberitalien ist also die eigentliche Brutstätte des Anarchismus. Aber leider nur zu bald sind auch kleinere Herde dieser Seuche entstanden. Zunächst war es die französische Schweiz, also auch ein Land mit romanischer Bevölkerung, wo eine zweite, wenn auch kleinere Brutstätte entstand; und zwar ist es von Anfang an die Stadt Genf gewesen, in deren Nähe die licht­scheue Gesellschaft ihr Unwesen trieb. Dort war es auch, wo der unheimliche russische Umstürzler und Bombenmann Fürst Kropotkin seine Agitation entfaltete. Schon im Jahre 1883 schätzte Kra- potkin seine geheime Anhängerschaft auf etwa 2000 Köpfe. Später hielten auch dort die Anarchisten einen Kongreß ab, und dort war es, wo zum erstenmal so etwas wie ein allgemeines Anarchisten-Programm aufgestellt wurde. „Unser Gebieter — so heißt es darin — ist unser Feind. Wir Anarchisten, d. h. Männer ohne Vorgesetzte, bekämpfen alle diejenigen, die sich irgend eine Gewalt angemaßt haben ober sich dieselbe anmaßen wollen. Unser Feind ist der Besitzer ... der Fabrikant . . . und jede Art von Staat. . . Unser Feind ist jeder Gedanke an Autorität . . . Wir wollen den Grund und Boden zurückerobern, den Staat und seine Oberhäupter vernichten, und wir ver­abscheuen dabei alle gesetzlichen Mit­tel . . ."

Von einem russischen Regierungsblatts ist in diesen Tagen auf die italienifche Brutstätte des Anarchismus hingewiesen und dabei gleichzeitig die Forderung erhoben worden, dieses Nest aus­zuräumen. Es wäre eine große Wohlthat für die Menschheit, wenn dies geschehen könnte. Leider hat das russische Blatt vergeffen, geeignete Mittel und Wege anzugeben, durch die man zu diesem erwünschten Ziele gelangen könnte; und es wird wohl auch gar keine geeigneten Mittel wissen. Leider haben sich eben bisher noch alle Staats­gelehrten vergebens die Köpfe darüber zerbrochen, wie das zu machen wäre. Denn noch immer sträubt man sich gegen die Erkenntniß, daß die weltliche Macht allein nicht ausreicht dazu, um diese Pestbeule der menschlichen Gesellschaft aus­zumerzen.

Vic Skisktzmg btt Mitin Mstdch.

Wien, 17. September.

Kaiser Franz Joseph in der Uniform feines Preußischen Kaiser Franz Garde-Grenadier-Re­giments mit dem Bande des Schwarzen Adler­ordens traf 20 Minuten vor der Ankunft des Deutschen Kaisers in einer offenen Hofequipage vor dem Nordbahnhofe ein und begab sich in den schwarz drapirten Hofwartefalon, woselbst die Mitglieder der deutschen Botschaft, Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der heute früh hierselbst ein» getroffen war, und Staatsminister von Bülow die Ankunft des Kaisers Wilhelms erwarteten. Punkt 1 Uhr fuhr der Zug in die Halle ein. Kaiser Wilhelm, welcher die Uniform eines das fegenfpenbenbe Sammeln, ganz diskret in einem Beutelchen, welches die Heldin des Abends, Fräulein Stella selbst in die Hand nahm.

Den Lorbeerkranz welcher gerade zur rechten Zeit aus Innsbruck angekommen war, am Arme, schritt sie durch die Reihen, mit holdseligen Lächeln grüßend und dankend, wie ein Engel der Liebe und Mildthätigkeit anzuschauen.

Man war allgemein sehr befriedigt und die Jugend begehrte zu tanzen, um den schönen Abend zu einem vollkommenen zu gestalten.

Ein taktfester Klavierspieler war bald entdeckt und weil es im Saale selbst zu eng und zu warm war, wurde die nebenanliegende große Veranda zum Tanzsaal auserkoren.

In beinahe ausgelassener Lustigkeit drehten sich dort die Paare im Kreise, während einer weißen Riefenflamme gleich der vom Mond be­schienene Acherkogel wie ein himmlisches Wahr­zeichen hineinschaute.

Wenige bemerkten es, doch zu diesen wenigen zählte Paul Halding. Ihm war ernst und weh- müthig ums Herz, und trotzdem ihn Fräulein Stella mit ihrer ganz besonderen Huld beehrte, vermochte er es doch nicht, sich an der allgemeinen Lustigkeit zu betheiligen. Ihm war zu Muthe, als gehöre er nicht dazu, und Unwohlsein vor- fchützend zog er sich früher als alle Anderen in fein Zimmer zurück.

Seine unbekannte Mitreisende wollte ihm nicht aus dem Sinn, und es verursachte ihm ein förmliches Behagen, daß er in allem Frieden hier im Mondschein am Fenster sitzen und träumen und an sich denken konnte, während das Lachen,

österreichisch - ungarischen Generals der Kavallerie mit dem Bande des Stefansordens trug, war bereits am Fenster sichtbar und entstieg eiligst dem Wagen. Kaiser Franz Joseph schritt dem Kaiser entgegen. Die Monarchen schüttelten sich zweimal die Hände, nahmen die Helme ab und küßten einander dreimal auf das Herzlichste. Beide Kaiser waren tiefbewegt. Die Umgebung bemerkte, wie Kaiser Wilhelm dem Kaiser von Oesterreich, welcher sich wiederholt dankend ver­beugte, seine herzlichste Antheilnahme ausdrückte. Die Monarchen fuhren nach erfolgter Vorstellung der Suite in die Hofburg. Mit dem Zuge, mit welcher der deutsche Kaiser ankam, trafen auch zwei prächtige Kränze ein, der eine von Kaiser Wilhelm und der andere von seiner erlauchten Gemahlin. Beide Kränze legte der Kaiser Wil­helm sofort nach Ankunft in der Hofburg auf dem Sarge der Kaiserin Elisabeth nieder.

Um 6 Uhr Abends findet auf der deutschen Botschaft ein Diner statt, an welchem Kaffer Wilhelm mit Gefolge Theil nimmt. Der Kaiser verweilt dort bis gegen 8 Uhr, worauf die Ab­reise erfolgt.

Seit dem frühen Morgen herrschte auf sämmtlichen Straßen und Plätzen unbeschreib­liches Leden. Gewaltige Menscheumaffen strebten in ununterbrochenem Strome dem Centrum der Stadt zu und suchten in den Straßen, welche der Leichenzug passiren sollte, Aufstellung zu nehmen. Die sämmtlichen in Wien einlaufenben Eisenbahnzüge waren schon gestern überfüllt ge­wesen, und die Morgen- und Vormittagsstunden brachten immer neue Massen nach der Metropole. Noch düsterer, als die Tage vorher, erschien der Trauerschmuck Wiens. Von fast allen Gebäuden wehten lange Trauerfahnen, Fenster und Balkons waren mit schwarzem Tuch umhüllt; auch die Be­völkerung hatte in der Mehrzahl Trauer angelegt.

In den ersten Nachmittagsstunden wurden die Straßenlaternen angezündet und breite, mächtige Flambeaus flammten zum Himmel em­por. Hinter den svalierbildenden Truppen harrte lautlos die dichtgedrängte Menge.

Glockengeläute verkündete den Harrenden mit dem Schlage der vierten Stunde, daß die Svitze des Trauerzuges sich in der Hofburg in Be­wegung setzte. Hier war der Sarg durch die Kammerdiener und Leiblakaien vom Schaubette gehoben und nach nochmaliger Einsegnung nach dem im Schweizerhof harrenden Leichenwagen ge­tragen worden. Dem Sarge schritten voran: zwei Hofkommissäre, ein Kapellendiener mit dem Kreuze, zwei offiftirenbe Hoskapläne unb ber Hof- unb Burgpfarrer mit brennenden Kerzen unb ein Hof- Ober-Kommiffär. Unmittelbar hinter bem Sarge, der rechts unb links von Edelknaben mit bren­nenden Wachsfackeln, freieren und ungarischen Leibgarden, Trabanten-Leibgarden und Leibgarde­reitern unter Vortritt ihrer Chargen geleitet wurde, folgte der Hofstaat der verblichenen Kaiserin.

Als die Spitze des Leichenzuges auf dem Michaeler Platze erschien, entblößten die Harren­den ihre Häupter unb eine tiefe Bewegung ging burch die Menge.

Der Leichenzug würbe von einer Abtheilung Kavallerie eröffnet. Den Reitern schloß sich eine Anzahl sechsspänniger Hoswagen an mit ben

Jauchzen unb Tanzen ber Gesellschaft bort unten rote aus weiter Ferne an fein Ohr drang.

Diese tanzte und lachte jedoch noch lange, tanzte und lachte, bis das dämmernde Morgen- grau sich mit ber Monb scheinbämmerung verschmolz, lachte unb tanzte, während bie Frau, für welche bies alles geschah, in thränenlofem Jammer vor bet verstümmelten Leiche ihres Gatten kniete unb mit Grauen bem nahenden Tage, ber ihr auch biefe nehmen würbe, ins Antlitz sah.

4.

Beinahe eine Woche weilte Paul Halbing in Oetz unb Stellas Zauber hatte ihn mehr und mehr umsponnen. Er liebte sie, wie er stets das Schöne unb Anmuthige, bas Anregende uub Heitere geliebt hatte, unb wenn sie nicht ba war ober in anbrer Gesellschaft sich unterhielt, hatte er stets das Gefühl, als ob ihm etwas fehle. Wohl war sie nicht neu für ihn, er kannte sie ja bereits von Wien her, aber was ihn bort in ber Hauptstadt inmitten feiner Arbeiten nur vorüber­gehend gestreift hatte, das machte hier in der Sommerfrische, in dem arbeitslosen Schlender­leben, das er führte, einen nachhaltigeren Eindruck auf fein Gemüth.

Von all den erholungsbedürftigen Stadt­kindern, denen ber Gasthof zur Post in Oetz Obdach und Nahrung bot, gefiel ihm keine fo gut wie sie; keine kam ihr nur annährend gleich, weder an Liebreiz der äußern Erscheinung, noch an sprühender Unterhaltungsgabe, noch an Chic und Luxus in der Toilette. Unb bann das Wiener Temperament brach immer durch bei ihr, unb in diesem gemeinsamen Element paßten sie wunderbar gut zusammen.

Obersthofmeistern, ben beiben Palastdamen unb dem Obersthofmeister der Kaiserin. Hinter diesen Wagen schritten paarweise die Leiblakaien, dann folgten Abtheilungen der Leibgarde-Infanterie und der Leibgardereiter. Nun kam der von acht Rappen gezogene, schwarz drapirte Leichenwagen heran; der Sarg verschwand säst unter der Fülle der prachtvollen Blumenspenden. Zu beiden Seiten des Wagens schritten Leiblakaien unb Edelknaben mit brennenden Wachsfackeln. Arcieren- und Trabantenleibgarden leisteten rechts, ungarische Leibgarden und Leibgardereiter links bie Neben­begleitung. Dem Sarge folgten Abtheilungen ber freieren unb ber ungarischen Leibgarben zu Pferbe. Den Schluß bilbeten eine Kompagnie Infanterie unb eine Eskadron Kavallerie. — Der Zug nahm seinen Weg über den inneren Burg­platz, den Michaeler- und den Josephsplatz durch die Augustinerstraße und bog sodann in die Te- getthofstraße gegen den Neuen Markt ein, wo in der Gruft unter dem Kirchlein ber Kapuziner bie Mitglieber des Kaiserhauses zur letzten Ruhe ge­bettet werden. Von der Augustinerkirche an traten dem Trauerzuge die Bruderschasten, die Geistlichkeit, der Magistrat, ber Landesausschuß, bie Räthe ber Ministerien unb bie Hofbeamten

voran.

Anläßlich ber Bestattung ber Kaiserin Elisa­beth sind alle Bureaus Geschäfte unb Werk­stätten in ber Umgebung ber Straßen, durch bie ber Trauerzug fährt, bis fast in bie entferntesten Theile ber Stadt, geschlossen. Strahlender Sonnenschein ergoß sich über bie trauergeschmückte Stabt. Vor ber Albrechtstraße war eine große, trauergefdjmüdte Tribüne errichtet. Alle Fenster längs des Weges, ben ber Trauerzug nahm, waren dicht besetzt. Trotz bes lebensgefährlichen Ge- bränges herrschte überall eine musterhafte Ord­nung. Nach dem Zeremoniell löste sich der in den Straßen eingepferchte Menschenknäuel lang­sam auf, während die Truppen in die Kasernen abrückten. Bereits vor 4 Uhr fanden sich bie österreichischen unb fremden Fürstlichkeiten, ber gefammte Hofstaat, ferner Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, Staatssekretär, Staatsminister v. Bü­low, zahlreiche Vertreter ber auswärtigen Sou­veräne, bie Spitzen ber Geistlichkeit, bie Minister, bie Präsidenten ber beiden Parlamente unb ber Lanbtage, bie Generalität, bie Bürgermeister rc. in ber Kapuzinerkirche ein. Der Sarg würbe unter Vorantritt ber Geistlichkeit in bie Kirche getragen unb in bereu Mitte auf einer Bahre niebergelaffen, wo ihn brennenbe Kerzen umgaben. Nach Absingen bes Libera würbe ber Sarg unter Trauergebeten ber Kapuziner, bie ihn mit Fackeln begleiteten, in bie Gruft getragen. Hinter dem Sarg schritt Kaiser Franz Joseph, Erzherzog Franz Salvator, die Prinzen Leopold und Georg von Bayern, die Herzöge Karl Theodor und Ludwig in Bayern. In der Grust erfolgte die letzte Ein­segnung der Leiche. Nach Beendigung der Ge­bete übergab ber erste Oberhofmeister bem Guarbian ber Kapuziner ben Schlüssel des Sarges unb empfahl ihn seiner Obhut.

In imposanter Weise gab zu ber Stunde, m der in der Kapuzinergruft zu Wien bie ungarische Königin zur ewigen Ruhe geleitet würbe, bie Hauptstabt Ungarns ihre Trauer zu er-

Es war Samstag Mittag.

Zwei Pferbe mit Damensätteln standen an bem Brunnen, ber seitwärts von ber Eingangs thüre des Gasthofes lag, unb nachdem sie sich satt getrunken hatten, betrachteten sie ihre großen Köpfe bie sich int Wasserbehälter wiederspiegelten, unb warteten gebulöig.

Tiefe mittägige Ruhe rings auf ber ganzen Gaffe, sogar bie Hühner wühlten sich träge m bas Stroh, welches vor bem Scheunenthore ver­streut lag; nur bas Lämpchen, welches hoffte, weil es Samstag war, vor bem an ber Spitze bes Brunnenpfeilers angebrachten Muttergottes- bilbe brannte, knisterte ab unb zu, unb ber aus ber Röhre hervorsprudelnde Wasserstrahl plat» scherte unaufhörlich unb riefelte bann freundlich durch die Abflußrinne abwärts über bie Fuße ber gebulbigen Gäule.

Da knarrte bie Hausthure. Die Pferde wandten den Kopf. Doch nein, das war nicht bie elegante Gesellschaft, bie sie erwarteten, bas war bloß bie Magd, welche ein paar Forellen in ber Hand, zum Brunnen kam, um sie zu putzen. Sie jagte bie Pferbe, welche ihr nn Wege stanben, zurück unter bie breitastige Lmbe, daran sie angebunden waren, und begann mit Eifer ihr Geschäft. ,

Sie war kaum damit fertig, als em lautes Lachen unb Plaubern hörbar würbe, bie Pferbe hoben roieberutn bie Köpfe unb diesmal waren es die Erwarteten, so baß bas jüngere als Will­kommensgruß ein lautes Gewieher ausstieß.

Fräulein Stelli war es mit Frau Kesmety, ihrer Gesellschaftsdame, einer jungen Wittwe in ben dreißiger Jahren, und vier Herren. Es