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FuUmerMZeitung

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M 210.

JuLös, Donnerstag, den 15. September 1898

25. Jahrgang.

Encyeliea des hl. Vaters Papst Leo XIII. über den Marianischen Rosenkranz.

Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostolischen Segen! Wenn Wir im Geiste die lange Spanne Zeit überblicken, welche Wir nach Gottes Rath­schluß im Pontifikate zugebracht haben, dann können Wir nicht umhin, einzugestehen, daß Wir, obgleich dem Verdienste nach ungleich, den augen­scheinlichsten Schutz der göttlichen Vorsehung er­fahren haben. Das glauben Wir aber vorzüglich den vereinigten, so überaus wirksamen Gebeten zuschreiben zu müssen, welche wie einstmals für Petrus, so jetzt für uns, ununterbrochen von der gesammten Kirche ausgegoffen werden. Zuerst also sagen wir Gott, dem Spender aller Güter, Unseren größten Dank. Für die Uns gespendeten Wohlthaten werden Wir, so lange wir leben, ihm Dank wissen. Und dann drängt sich die süße Erinnerung an den mütterlichen Schutz der hehren Himmelskönigin auf. Auch die dankbare Gesinnung an sie werden Wir fromm und un­verletzt im Herzen bewahren und ihre Wohlthaten preisen. Von ihr nämlich kommen, wie von einem überaus ergiebigen Born, die göttlichen Gnaden­gaben: in ihren Händen sind die Schätze der Erbarmungen des Herrn (8. Job. Dam. eer. 1. de nativ. Virg.) Gott hat sie zum Ursprung alles Guten gemacht (8.Irenaens c. Valent 1. III. c. 33). In der Liebe zu dieser innig liebenden Mutter, welche Wir beständig und in von Tag zu Tag steigendem Maße zu pflegen bemüht sind, glauben Wir auch ruhig Unserer letzten Stunde entgegensetzen zu können. Da Wir aber schon längst in der vermehrten Verehrung der Jungfrau wie in einer festen Burg das Heil der menschlichen Gesellschaft sicher zu stellen suchen, so haben Wir niemals davon ab­gelassen, das Rosenkranzgebet unter den Gläubigen zu fördern, und haben zu diesem Zwecke bereits seit dem 1. September 1883 Encyclicen veröffent­licht und, wie das wohl bekannt ist, öfters De­krete erlassen. Und da durch Gottes barmherzigen Rathschluß es Uns auch in diesem Jahre ver­gönnt ist, den Monat Oktober zu erleben, welcher nach Unserer früheren Anordnung der Aller­heiligsten Jungsrau geweiht sein soll, so können Wir es nicht unterlassen. Euch anzuspornen. Wir wollen in kurzen Worten zusammenfaffen, was Wir bisher zur Förderung dieser Gebetsübung gethan haben, und die Angelegenheit mit diesem Schriftstücke weiter verfolgen, um dadurch sowohl Unser Interesse und Unsere Vorliebe sür diese Gebetsform um so offenkundiger zu erkennen zu geben, als auch den Eifer der Gläubigen anzu- fpornen, diese heilige Gebetsübung auch fernerhin fromm und vollständig fortzusetzen. Von dem beständigen Verlangen beseelt, das christliche Volk über die Kraft und die Würde des marianischen Rosenkranzes aufzuklären, hatten Wir zunächst auf den mehr himmlischen wie menschlichen Ur­sprung dieser Gebetsart hingewiesen und dann gezeigt, daß der wunderbare, aus dem englischen Gruße gewundene Kranz mit dem eingeflochtenen Gebet des Herrn und der damit verbundenen Betrachtung die vorzüglichste Gebetsform sei und

In den Sergen.

Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.

3 ------ (Nachdruck verboten.)

2.

Wo das Oetzthal seine malerischen Schön­heiten zu entfalten beginnt, unweit des Dorfes Oetz, liegt auf der Höhe der Weiler Piburg. Es sind nur wenige Bauernhäuser, die aber zum größten Theil den Eindruck der Wohlhabenheit machen und, von grünem Wald und grünen Wiesen umgeben, wie das Lächeln eines zufriedenen Gemüthes in die Welt hineinschauen.

Unter diesen Häusern ist eines, welches sich gleichsam von den andern zurückgezogen hat, als ob es nicht in den Kreis der Wohlhabenden und Zufriedenen gehöre. Es liegt abseits, dem See zugeneigt, und hat dem Weiler den Rücken zu­gekehrt, so daß nur der weiße Acherkogel und die übnge ostwärts gelegene Älpengesellschaft durch me Fenster hineinschauen kann. An einem dieser Fenster saß beständig eine alte Frau; sie saß da von früh, wenn kaum die Spitze des Acherkogels wie eine weiße Flamme aus dem Morgennebel herausragte, bis abends, wenn die untergehende Sonne sie röthlich färbte, mit Ausnahme des Nachts und des Samstags - Morgens saß sie immer da. Sie war nicht so alt wie sie aus­sah, man hätte sie für eine Siebzigerin halten können, und dennoch war sie kaum fünfzig Jahre alt. Ihr Haar war schweeweiß, ihr Gesicht von vielen Gramesfurchen durchzogen, um die Augen herum geschwollen und geröthet, und die Augen selbst so trübe, gleichsam halb erloschen, als breitete

im Besonderen zur Erlangung des unsterblichen Lebens sehr fruchtreich sich erweise. Das Rosen­kranzgebet nämlich bietet nicht nur ausgezeichnete Gebete, sondern befestigt auch den Glauben und stellt uns ausgezeichnete Tugendbeispiele in den zur Betrachtung uns vorgehaltenen Mysterien vor Augen. Dasselbe ist außerdem leicht zu verrichten und dem Volksgeiste angepaßt. Dem Volke bietet die Betrachtung des Lebens der Familie von Nazareth zudem das Beispiel einer in jeder Be­ziehung vollkommenen Familie. Das christliche Volk hat noch stets erfahren müssen, daß diese Gebetsübung sich als überaus heilkräftig er­wiesen hat.

Mit diesen Gründen haben Wir hauptsächlich in Unseren zahlreichen Aufmunterungen das heilige Rosenkranzgebet empfohlen und dazu durch eine ausgedehntere Verbreitung desselben für die Majestät desselben gesorgt, indem Wir hierbei den Spuren Unserer Vorgänger folgten. Denn Sixtus V. glück­lichen Angedenkens bestätigte die althergebrachte Hebung des Rosenkranzgebetes, Gregorius XIII. setzte für dasselbe einen eigenen Festtag an, Clemens VIII. schrieb denselben dem Matyrologium ein, Clemens XI. ordnete an, daß derselbe von der ganzen Kirche beobachtet wurde, Benedikt XIII. nahm denselben ins römische Brevier auf. Und auch Wir haben zur Erinnerung an Unsere Vor­liebe für diefe Gebetsform angeordnet, daß dieser Festtag in der gesammten Kirche mit seinem Ojfizium als duplex secundae classis begangen werde, den ganzen Oktober zur Verrichtung dieses Ge­betes bestimmt und dann noch vorgeschrieben, daß der lauretanischen Litanei noch die Anrufung, Königin des heiligsten Rosenkranzes, beigefügt werde, gewisfermaßen als gute Vorbe­deutung für den Sieg in dem gegenwärtigen Kampfe.

Dann bleibt noch übrig, darauf hinzuweisen, daß das Rosenkranzgebet einen hohen Werth und Nutzen besitzt, weil es mit zahlreichen Privilegien und Rechten ausgestattet ist und vor allem an dem Schatze der Ablässe überaus reichen Antheil nimmt. Wie sehr daher allen denjenigen, die um ihr Seelenheil besorgt sind, daran gelegen sein muß, sich dadurch zu bereichern, ist leicht einzusehen. Es handelt sich nämlich um den gänzlichen oder den theilweisen Erlaß der zeitlichen Strafen, welche auch nach der Vergebung der Sünde in diesem oder aber im jenseitigen Leben verbüßt werden müssen. Sehr reich nämlich ist der Schatz Christi, der Gottesmutter und der Heiligen, aus ihren Verdiensten entstanden, in Bezug auf welchen Unser Vorgänger Clemens VI. mit Recht jene Worte aus dem Buch der Weisheit anwendete: „Unendlich ist der Schatz für die Menschen; diejenigen, welche davon Gebrauch machen, sind der Freundschaft Gottes theilhaftig geworden." (I. VII, 14). Schon haben die römischen Päpste kraft der ihnen von Gott verliehenen Gewalt den Marianischen Sodali- täten vom heiligsten Rosenkranz, welche diese Gebetsübung pflegen, die reichen Schätze dieser Gnaden erschlossen.

Daher haben auch Wir, in der Meinung, daß durch diese Wohlthaten und Abläffe die Krone Marias um so Heller leuchte und dadurch gewissermaßen mit den prächtigsten Edelsteinen

sich bereits der Schleier der Blindheit über diese einst so lebensprühenden Sterne. Sie sah in der That nicht mehr gut und konnte deshalb roebtr lesen noch irgend eine Handarbeit verrichten, aber sie sah noch den Acherkogel leuchten und glühen und das war ihr genug, um den Rest ihres Lebens auszufüllen, und darum saß sie auch be­ständig hier am Fenster. Gehen konnte sie ja auch nicht, denn sie war gelähmt.

Daß sie nicht zu dem einfachen Oetzthaler Völkchen gehörte, ließ sich auf den ersten Blick erkennen, denn das Gepräge der Vornehmheit war ihrer Erscheinung unfehlbar aufgedrückt, eben so unfehlbar jedoch das der Starrheit und der herben Strenge, wovon sowohl der festgeschlossene Mund wie die auffallend gerade Haltung Zeugniß ablegen zu wollen schienen.

„ Das Leben dieser Frau enthielt ja auch eine Fülle von traurigen Sachen, und ihr leidenschaft­licher Charakter machte sie unzugänglich für jeden Trost, für alles, was ihren Schmerz hätte lindern können. Als Tochter eines bei Meran begüterten Edelmanns war sie in Reichthum und Wohlleben ausgewachsen und gewöhnt, sich keinen Wunsch zu versagen. Auf der Höhe des Stilsser Joches war es, wo sie Hermann Holder, einen Forst­adjunkten und berühmten Bergsteiger kennen lernte. Sich kennen und lieben — war bei Beiden eins; sie waren ganz gleich geartete Na­turen, doch zum erstenmale sagten die Eltern Nein zu dem Wunsche der Tochter. Sie waren von altem Adel und er nur bürgerlich und zu­dem war sie von Geburt an schon einem Vetter versprochen. Einige Tage nachher war sie ver­schwunden und ließ das ganze Erbe der zwölf

geziert werde, den lange im Geiste Überdachten Plane einer Konstitution über die Rechte, die Privilegien und Abläffe, welche die Sodalitäten vom heiligsten Rosenkranz genießen, zur Reife ge­bracht. Diese Unsere Konstitution soll ein Zeugniß für Unsere Liebe zur allerhehrsten Gottes­mutter abgeben und gleichzeitig den gesammten Gläubigen ein Sporn sein und eine Belohnung für die Frömmigkeit darbieten, damit sie in der Todesstunde durch deren Hilfe erhöht werden und in ihrem Schoße süß ruhen könnten.

Das erflehen Wir von Gott aus tiefster Seele und zwar durch die Vermittelung der Königin des heiligsten Rosenkranzes. Und als Vorbedeutung und Unterpfand der himmlischen Gaben ertheilen Wir euch, ehrwürdige Brüder, dem Klerus und dem eurer Obhut anvertrauten Volke in großer Liebe den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 5. September 1898 im 21. Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Leo XIII.

H Internationale Maßnahmen gegen den Anarchismus?

„Kein Mittel wäre zu scharf, das Europa zur Ausrottung dieser Mordgesellen anzuwenden beschlösse; geht man ihnen nicht mit aller Energie an den Kragen, so werden nach kürzeren ober längeren Pausen immer roieber Verbrechen von jener Entsetzlichkeit bie Welt erschüttern, wie wir soeben eines in Genf erlebt haben" — so läßt sich bie parteikonservative ,Kreuz-Zeitung' vernehmen.

Denken wir einmal biefen Gebankengang zu Enbe, so gelangen wir zu bem „allerschärfsten" Mittel: alles was Anarchist ist, wirb burch eine neue Auflage bes bethlehemitischen Massenmorbes umgebracht, ober nach bem Vorbilbe bes fran­zösischen Hauptmanns Dreyfus unter scharfer Be­wachung nach wüsten Felseninseln gesanbt, von benen ein Entrinnen vollkommen unmöglich ist. Man muß zugeben, daß nach Anwendung eines solchen Mittels Europa für den Augenblick von der wüsten Gesellschaft befreit sein würde. Aber damit ist doch noch lange nicht bewiesen, daß man auf solche Weise wirksam und dauernd dem ganzen Anarchismus zu Leibe gehen könnte. Es könnte uns ja viel­mehr ebenso ergehen wie bem Herkules in ber altgriechischen Mythe: einen Kops schlägt man bem giftigen Ungeheuer, ber Hydra, ab; aber sofort sprossen statt bes einen Kopfes bereu zwei hervor!

In ber Entrüstung gegen bie Genfer Greuelthat unb gegen ben ganzen Anarchismus wissen wir uns eins mit der ,Kreuz-Zeitung'. Aber auf keinen Fall ist zuzugeben, daß mit der fortlaufenden Vernichtung oder Beseitigung aller lebenden Anarchisten das richtige Mittel gesunden sein würde, um uns von dem ganzen giftigen Ungeheuer zu befreien.

Die ,KreuzZeitung' steht nicht allein da mit der Forderung, daß die Regierungen mit Schärfe gegen die Anarchisten vorgehen, und die Gelegenheit benützen, um der Polizei die denk­bar weitesten Machtmittel dazu in die Hand zu geben. Die Polizei solle jeden ausländischen

Jahre jüngeren Schwester zurück. In aller Stille wurde sie mit dem Manne ihrer Wahl in einer kleinen Kirche getraut und für die Eltern war sie verschollen. Sie war glücklich, so viel ihre leidenschaftliche Natur dies gestattete, denn sie vergötterte ihren Mann und war froh, ihn für sich allein zu haben, insofern als feine Stel­lung als Forstabjunkt ihm als Aufenthaltsort meist kleine, im Gebirg gelegene Dörfer anwies. Hier begleitete sie ihn auf feinen Streifzügen so viel sie konnte unb schreckte vor keinem Hinderniß zurück. Drei Kinder hatte der Himmel ihnen ge­schenkt, doch die beiden ältesten Knaben waren gestorben, kurz bevor ihr Mann nach Oetz versetzt worden war. Ihre jüngste Tochter, dies kleine Geschöpschen, welches so sanft und zart war, als fei es gar nicht aus ihrer eigenen Rasse ent­sprungen, gab sie zu den englischen Fräulein in Pension, denn es konnte ihr die hoffnungsvollen Buben ja doch nicht ersetzen; ihre Erziehung wäre in Oetz mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen, und sich selbst damit zu befassen, dazu fehlte ihr jetzt vollends alle Lust und Laune.

So lebten sie denn in Oetz wieder für sich allein, ganz wie in der ersten Zeit ihrer Ehe. Ja wie in der ersten Zeit ihrer Ehe, aber doch auch wieder ganz anders. Ihre leidenschaftliche Liebe war dieselbe geblieben, aber sie verlangte auch dasselbe, verlangte, daß ihr Mann ganz glücklich sei mit ihr allein. Er aber war es nicht. Der Verlust seiner Söhne war ihm über­aus nahe gegangen, und er zürnte insgeheim seiner Frau, das sie das einzige übriggebliebene Kind von sich gegeben hatte. So war er manchmal chwermüthig, manchmal mißgestimmt und gereizt

Anarchisten ausweisen und seinem Vater­lands zuführen, damit jedes einzelne Land sich mit seinen eigenen Anarchisten befasse — so verlangt die,Köln. Zeitung': die Freizügig­keit der Anarchisten möge doch durch einfaches diskretionäres Eingreifen der Polizeibehörden aufgehoben werden. Das ist nun schon ein bestimmter Vorschlag. Aber wie bestimmt man dann darüber, ob Jemand Anarchist sei oder nicht? Es ist viel leichter gesagt als bewiesen, daß Jemand Anarchist sei; und in einem geord­neten Staatswesen soll doch Niemand feiner staats­bürgerlichen Freiheiten beraubt werden können ohne einen klaren Beweis dafür, daß er diese Strafe verdient, lieber einen Menschen wie Luccheni können Zweifel nicht entstehen; und in vielen anderen Fällen wird man ziemlich ebenso klar sehen. Aber sicherlich würden auch sehr viele weitere Fälle eintreten, in denen gar nicht be­stimmt gesagt werden kann, ob ein Mensch dem Anarchismus verfallen istoder nicht; dieEntscheidung darüber sollte durchaus nicht dem „einfachen diskretionären Eingreifen der Polizeibehörde" über­lassen bleiben. Denn höchst wahrscheinlich würde das alsbald die Folge haben, daß allerhand Leute, die der Polizei unbequem sind, als „An­archisten" gekennzeichnet und dann auch danach behandelt werden. Außerdem vergißt die.Köln. Zeitung', daß wir in Deutschland, wenn wir wollen, auch ohne neue polizeiliche Machtbefugnisse ausländ ischer Anarchisten uns jetztschon entledigen können. Denn heute genügt zur Ausweisung die sehr einfache Formel, daß ein Ausländer „sich lästig" gemacht habe. Die Macht unserer Polizei in diesem Sinne ist also schon jetzt sehr groß; und es ist kaum einzusehen, auf welche Weife sie denn noch größer gemacht wer­den sollte.

Beachtenswerter schon ist eine Kundgebung, bie am letzten Dienstag auf dem Drahtwege aus Düsseldorf an den Kaiser abgesandt worden ist. Diese Kundgebung ist von dem bekannten Centralverbande deutscher Industrieller und einigen anderen ähnlichen Vereinigungen ausgegangen, deren Vertreter in der genannten Stadt ver­sammelt waren. In der Kundgebung heißt es: „ . . . wir wiflen uns einig mit Ew. Majestät in dem Gefühle der Pflicht, den Versuchen, unsere Religion, unsere Liebe zu unserem erhabenen Herrscherhause und zum Vaterlande zu vernichten, mit allen Mitteln strengster Gesetz­gebung entgegenzutreten . . ." Alsdann sagt die Kundgebung, daß ihre Veranlasser schon im Vor­aus mit jeder Maßnahme in diesem Sinne sich einverstanden erklären, auch ohne sie zu kennen; und daran erkennt man wiederum, daß auch hier den Absendern der Kundgebung das Gefühl der Entrüstung mit ihrem Verstände durchgegangen ist. Auf solcher Grundlage darf man doch aber niemals Gesetze aufbauen. Aber hier hat man doch schon wenigstens auch an die Hauptsache gedacht, an die Religion.

Endlich sei eine Aeußerung des amtlichen Petersburger ,Regierungsboten' er­wähnt, in der die Hoffnung ausgesprochen wird, daß „die europäischen Regierungen noch­mals ihre Aufmerksamkeit auf das schreckenerregende Anarchisten-Nest richten und energische Maßnah- R————M ohne Grund, und sie konnte ihm das nicht ver­zeihen; sie war wiederum gereizt, und so kam es nicht selten zu unfreundlichen Scenen in dem freund­lichen Häuschen am Piburger See. Es war dasselbe Haus, welches sie jetzt noch bewohnte, nur sah es damals nicht so traurig und verwahr­lost aus, und sie bewohnte es damals für sich allein, während jetzt eine arme Weberfamilie die eine größere Hälfte inne hatte.

Nach einer solchen kleinen häuslichen Scene, in welchem sie ihm noch vorgeworfen hatte, daß er sie nicht mehr so liebe wie sonst, war es, daß er auf die Acheralpe hin auf gestiegen war. Es war im Mai und es lag noch viel Schnee in den Bergen, jedoch er mußte hin, um zu sehen, ob die jungen Bäume, die im vorigen Herbst dort gepflanzt worden waren, um den Ver­heerungen der Mur in etwa entgegenzuarbeiten, nicht zu viel gelitten hatten während des Winters. Sie hatte vorgehabt ihn zu begleiten, aber sie that es nicht, aus Trotz. Es wurde Abend und Nacht, aber Hermann Holder kam nicht nach Hause zurück. Sie stand stundenlang 'am Fenster und starrte zum Acherkogel hinüber, der noch purpurn in den stillen Himmel hineinlohte, während sich bereits Dämmerung im Thale ausbreitete. Wohl brachte sein Berus es mit sich, daß er manchmal des Nachts von Hause abwesend fein mußte, aber diesmal war gar keine Veranlassung dazu, und die unglückliche Frau verbrachte eine entsetzliche Nacht.

Mit zwei des Weges kundigen Leuten machte sie sich am anderen Tage auf, um ihn zu suchen. Aus der Acheralp sanden sie ihn nicht, sogar bie Spuren waren verwischt, denn auf den Höhen