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mit Ilnterhaltungs-MeUage „Zssustrirte Sonntags-Zeitungs peteroza-e Nr. tDarmonies.
M 209.
JuLöcr, Mittwoch, den 14. September 1898
25. Jahrgang.
X Anarchisten und Sozialisten.
Die grausige Mordthat in Genf ist eine ernste Mahnung — so ruft die freikonservative .Berliner Post' aus. Ohne Zweifel; sie ist eine neue und sehr ernste Mahnung. Aber nicht in dem Sinne, ivie die ,Post' es meint. Diese meint nämlich, die Mordthat sei eine Mahnung dazu, „daß endlich gegen alle umstürzlerischen Elemente, mögen sie sich blos Sozialdemokraten oder Anarchisten nennen, energische Maßnahmen getroffen werden", und mit diesen „energischen Maßnahmen" meint sie ein neues Sozialistengesetz. Nach ihrer Ansicht soll der Polizeibüttel der berufene Verbesserer sein für die Menschen, die dem Christenthum entftemdet worden sind und in- folgedeffen die Begriffe von gut und schlecht verloren haben und verroht sind. Und mit dieser Anschauung steht das Berliner Organ derer um den Freiherrn von Stumm nicht allein. Denn die Entfremdung vom Christenthum besteht nicht allein unten, sondern auch oben in der menschlichen Gesellschaft der Gegenwart, und somit fehlt es auch oben an der Einsicht dafür, daß die Hauptsache, auf die es hier ankommt, die ^Rückkehr zum Christenthum ist und die Förderung aufrichtiger christlicher Gesinnungen in allen Schichten der Gesellschaft. Die Schule ist das Feld, auf dem zu allererst gearbeitet werden muß in wahrhaft christlichem Geiste, um das Unkraut auszurotten, das solche scheußliche Blüthen treibt. Und da kann sicherlich mit der Polizei nichts ausgerichtet werden, wie sogar auch die Ge- ffinnungsgenosseu der,Post' wohl zugeben müssen.
In Deutschland hatten wir das Ausnahme- Gesetz gegen die Sozialdemokratie. Und was für Wirkungen hat es gehabt? Reißend hat sich unter seiner Herrschaft die Sozialdemokratie vermehrt; und schließlich sah die Regierung selbst es ein, daß man mit solchen Mitteln nicht erreichen kann, was man erreichen will. Ja noch mehr. Auch wir in Deutschland haben anarchistische Verschwörungen gehabt, man erinnere sich nur an den ruchlosen Anschlaa bei der Enthüllung des Riederwald-Denkmals. Aber dieser Anschlag und ähnliche Scheußlichkeiten sielen ja gerade zusammen mit der Zeit, in der wir in Deutschland das Ausnahme-Gesetz gegen umstürzlerische Bestrebungen hatten! Die Erfahrungen also, die wir mit solchen Maß^ regeln gemacht haben, sprechen so deutlich gegen deren Nützlichkeit, daß man im Reichstage sicher- lich vergebens suchen würde nach einer Mehrheit für ein neues Gesetz derselben Art.
Eine andere Frage ist es, ob nicht die Schweiz eine andere Stellung als bisher zu den zahlreichen Anarchisten nehmen soll, die in der Bundesrepublik sich aufhalten. Thatsache ist es, daß der Mörder der Kaiserin Elisabeth den italienischen Behörden bereits als ein ganz gefährlicher Mensch bekannt war, und daß er in Italien überwacht wurde als ein Mensch, von dem man erwarten konnte, daß er einen Mordversuch gegen den König Humbert unternehmen würde. Ebenso wußte man in der schweizerischen Bundeshauptstadt Bern um die Gefährlichkeit des Menschen. Aber seine Papiere waren in Ordnung, und so hatte die Berner Behörde nach
In den Sergen.
Novelle von Maria Radkersberg-Radnicki.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Vergebliche Mühe, denn der zweite Wagen, der sich mit der Seitenwand flach auf denjenigen, in welchem sie sich befanden, hingeschoben hätte, bedeckte sie ganz; sie lagen dort wie vergraben. Pauls Augen schweiften neugierig durch die kleine Klause, welche durch die seitwärtige Lage ein solch sonderbares Aussehen gewonnen harte, aber am längsten hafteten sie an der zarten Gestalt, die, den Kopf mit dem weißen Tuche umwunden, in dieser seltsamen, matten Beleuchtung wie ein verkörpertes Räthsel ihm erschien.
„Ob wohl Menschenleben zu Grunde gegangen sind?" fragte sie, der das Stillschweigen unbehaglich zu werden anfing, nach einer Weile.
Er zuckte mit den Achseln. „Es wäre leicht möglich, nach der Heftigkeit des Anpralles zu urtheilen."
„Glauben Sie, daß es lange dauern wird, bis wir aus dieser Situation befreit werden?" fragte sie hastig. „Wir können doch von der Station Oetzthal nicht mehr weit entfernt sein."
Er zuckte wiederum mit den Achseln. „Das wohl kaum, aber was ist Station Oetzthal? Welche Hilfe wäre da zu tequntren? Und dieser Wagen liegt unten ; wir werden jedenfalls die Letzten fein, die man erlöst."
„Glauben Sie?" Sie schien aufs Unangenehmste berührt von dieser Sachlage, während er sich eher darüber belustigte.
„Ich bin hungrig, eigentlich mehr durstig
schweizer Gepflogenheit keine Veranlaffung dazu, die Behörden desjenigen Kantons auf Luccheni aufmerksam zu machen, in dem dieser sich aufhielt. Die Genfer Polizei wußte also thatfäch- lich nicht, daß ein so gefährliches Subjekt in ihrem Kanton sich umhertrieb; und sie wußte das deswegen nicht, weil sie von der Behörde in Bern trotz deren genauer Keuntniß der Sachlage nicht so unterrichtet worden war, wie es sich gehört hätte. Eine so außerordentlich mangelhafte Beaufsichtigung des fremden Gesindels, von dem die Schweiz so reichlich heimgesucht wird, ist ganz entschieden zu tadeln.Auf äußere Zucht und Ordnung muß unbedingt gehalten werden; und man kann nicht sagen, daß das geschehe, wenn der eine Kanton der Schweiz sich nicht mehr um einen gefährlichen Menschen kümmert von dem Augenblicke an, in dem dieser Mensch einen andern Kanton zu seinem Aufenthalte sich wählt. Möglicherweise hätte der Mord der Kaiserin Elisabeth verhindert werden können, wenn die Behörde in Genf von derjenigen in Bern in entsprechender Weise unterrichtet worden wäre, und man kann dem Verlangen, das jetzt von Petersburg aus erhoben wird, nur zustimmen, daß nämlich die Schweiz anders als bisher gehen die Anarchisten verfahre, die ihr Gebiet zum Aufenthalt sich auserwählen.
Die sozialdemokratische Presse thut ein klebriges, um den Mörder Luccheni und die übrigen anarchistischen Mordgesellen von sich und von aller Gemeinsamkeit der Gedanken und Anschauungen mit der sozialdemokratischen Partei abzu- schütteln. Man kann zugeben, daß man heutzutage Sozialdemokratie und Anarchismus nicht zusammen in einen Topf werfen darf. Aber die Wurzel, aus der beide hervorgegangen sind, ist doch gemeinsam, und es ist auch wissenswerth, daß der Heimathsort der Mutter des Luccheni, Borgo San Donnino, das Hauptquartier der Sozialisten in der Po-Niederung ist. Luccheni selbst hat sich als Heranwachsender Bursche viel in dem genannten Orte aufgehalten.
* Zur Ermordung der Kaiserin von Oesterreich.
* Genf, 13. Sept. Am Montag Nachmittac fand die Aufbahrung der Leiche statt. Der Sarg ist offen gelassen, mit einem weißen Schleier bedeckt und auf einen Katafalk gestellt, um den zahllose Kranze niedergelegt sind. Das Sterbezimmer ist vollständig schwarz ausgeschlagen, in den Stoff, der den Plafond bedeckt, sind silberne Sterne eingewebt, an den Wänden erblickt man silberne Urnen, von silbernen Kreuzen überragt. Die Kaiserin ruht in einem mit weißer Seide ausge- schlagenen Metallsarge, der wiederum in einem braunen Eichensarge mit schweren bronzenen Beschlägen steht. Die Leiche ist mit einem schwarzen Seidengewand bekleidet. Die gefalteten Hände halten einen Rosenkranz und ein Kreuz; große silberne Leuchter mit brennenden Wachskerzen gießen ein mattes röthliches Licht auf den Sarg. — Die Trauerkundgebung der Bevölkerung von Genf machte einen erhebenden Eindruck. Alle Magazine, Bureaux, Cafes, wie auch die Börse waren geschloffen, sämmtliche Glocken der Stadt ließen ihre Todtenklage erschallen. An der Spitze
nach dem gehabten Schrecken," sagte er nach einer Panse, „und ehe ich etwas bekommen werde, wird es, wer weiß, vielleicht Abend fein."
Sie lächelte und suchte nach ihrem Hand- täschchen. Daraus holte sie eine in weißes Papier eingehüllte Buttersemmel hervor, welche sie ihm mit freundlichen Blicken reichte.
„Sie zur Hälfte und ich zur Hälfte, bann nehme ich mit Dank Ihre Gabe an," entgegnete er, indem er die Hand nach der Semmel ausstreckte und die Hälfte davon abhob.
Sie schüttelte verneinend den Kops. „Nehmen Sie das Ganze," sagte sie, „ich werde früher zu effen bekommen wie Sie."
„Und wie wollen Sie das anstellen?" fragte er belustigt.
Sie legte das Büchlein, in welchem sie vor der Katastrophe gelesen hatte und das sie auf dem Boden wiederfand, in die Handtasche und versetzte ernsthaft: „Ich werde mir einen Ausweg suchen."
In stummer Verwunderung, als hätte et nicht recht gehört, sah er sie noch an, als sie fortfuhr:
„Der Waggon liegt nicht flach auf dem Boden, sondern nur angelehnt; das Licht, welches ein* bringt, zeigt, daß irgendwo eine Spalte frei fein muß; ich bin klein unb schmal, ich werbe durch- schlüpfen können."
„Wie können Sie nur solch einen Gedanken fassen, Fräulein! Leuchtet Ihnen denn nicht ein, wie gefährlich bas ist, zumal jetzt, wo bie Befreiungsarbeiten schon begonnen haben muffen. Die Last braucht sich nur um einige Zentimeter zu verschieben unb Sie liegen darunter, zerschmettert."
bes Zuges befanb sich eine Abtheilung Gensbarmen unb Huissiers in roth-gelben Mänteln. Dann folgten bie Mitglieder bet Regierung, bet Gerichtsbehörben, das Konsularkorps, bet Große Rath unb bie städtischen unb Munizipalbehörden. Ihnen schlossen sich an bie Maires aller Kommunen bes Kantons mit ihren Rächen, die Universität, das Konsistorium, die Pastoren und Lehrer. Dann folgte eine ungeheure Anzahl von Bürgern, im Ganzen mindestens 15,000 Personen. Rechnet man die Zahl aller um den ganzen Platz und auf dem Quai Versammelten hinzu, so kann man die Theilnehmer an der Manifestation auf etwa 40,000 Personen schätzen. Der Zug dauerte fast 2lI» Stunden.
4- Genf, 13. Sept. Die Beobachtung des Mörders Luccheni ergibt fortgesetzt nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, daß man es mit einem Irrsinnigen zu thun habe. In einem Briefe, den er in sehr schlechtem Italienisch an einen Mailänder Zeitungsherausgeber gerichtet hat, unterschreibt er sich: „Luccheni, ein überzeugter Anarchist." Er verwahrt sich in dem Briefe dagegen, daß auf ihn die Lehre Lom- brofo's vom „geborenen Verbrecher" angewandt werde, und ebenso bestreitet er ganz entschieden, etwa durch Noch zu der scheußlichen That getrieben worden zu sein. Seiner That ist Luccheni unumwunden geständig, und von Reue ist bet ihm auch nicht die Spur vorhanden. Er rühmt sich vielmehr fortgesetzt, daß er durch feine That die anarchistische Sache gefördert habe. Aus Mailand wird gleichzeitigvonanarchistischenKundgebungen berichtet. Aufrufe wurden vertheilt die unterschrieben waren das Revulutions-Komitee; und als die Polizei einen als Anarchist bekannten Mann Namens Carlo Siles verhaftete, brach dieser in den Ruf aus: „Es lebe die Anarchie, Tod dem Könige!"
* Wie«, 13. Sept. Die Leiche der Kaiserin trifft hier Donnerstag den 15. Sept., Abends um 10 Uhr, auf dem Westbahnhofe ein. Der Sarg wird in einem schwarzen achtspcinnigen Gala-Trmierwagen nach her Hofburg geführt, in der Hofburgpfarrkirche auf einen Katafalk gestellt und in geschlossenem Sarge exponirt. Am Freitag und Samstag wird dem Publikum der Zutritt zur Exposition in der Hofburgpfarrkirche gestattet sein. Das feierliche Leichenbegäng- uiß und die Beisetzung in der Gruft der Patres Kapuziner erfolgt Samstag kei 17. Sept., Nachmittags um 4 Uhr, mit dem großen Gepränge, den das spanische Hofceremoniell vorschreibt. Auf Anordnung des Kaisers wird die Hoftrauer durch sechs Monate getragen. — An den Bürgermeister von Wien ging folgende Drahtkundgebung des Magistrats und der Stadtverordneten zu Berlin ein:
„Wir sprechen der Bevölkerung Wiens über den unersetzlichen Verlust der verehrten Kaiserin unser innigstes Beileid aus".
Der Bürgermeister dankte sofort herzlich. — Die spanische Deputirtenkammer beschloß, eine Bei- leidsadresse an den Kaiser von Oesterreich zu richten.
X Wie«, 13. Sept. In Oesterreich hat die Schandthat des Luccheni mehrfach Krawalle gegen die vielfach beschäftigten italienischen Arbeiter zur Folge gehabt. Namentlich ge-
Sie sah ihn mit ihren großen braunen Augen fragend an, als wollte Sie ergründen, ob er wirklich die Wahrheit rede; als er aber bann ihre oerbunbene Hand ergriff unb inbem er bie* selbe fast zärtlich anschaute, lächelnb sagte: „Darum habe ich nicht mit meiner Joboformgaze unb mit meinem ganzen Aufwand von Sorgfalt und Kunst Ihr Leden gerettet, daß Sie's jetzt frevelhaft aufs Spiel fetzen," zuckte sie zusammen. Sie entzog ihm ihre Hand und sagte vorwurfsvoll: „Versuchen Sie nicht, mich zu galten; meine Mutter ist ganz hilflos und kann nicht länger warten."
Seine Stirn zog sich in krause Falten.
Sie bemerkte es und es that ihr leib. „Ah, Ihre Taschentücher habe ich noch," sprach sie leise; „ich banke Ihnen sehr, ©obalb sie gewaschen sinb, würde ich sie Ihnen zurückschicken, wenn ich nur wüßte, wie Sie heißen und wo Sie wohnen."
„In der That, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Verzeihung, in außergewöhnlichen Momenten vergißt man selbst die gewöhnlichsten Formeln der Höflichkeit," erwiderte er mit leichtem Spott. „Ich bin der Advokat Paul Haiding aus Wien und wohne für die nächsten vier Wochen bei Tobias Haid in Oetz."
Ein erstauntes und zugleich freudiges „Ah" entfuhr ihren Lippen, doch eben dies schien sie auf's Neue in ihrem Vorhaben zu bestärken, denn anstatt ihm daraufhin ihren Namen zu nennen, gab sie sich daran, so eilig, als ob Gefahr im Verzüge wäre, die noch im Fensterrahmen steckenden Glasstücke herauszubrechen.
Er half ihr nicht dabei; er schwieg, innerlich
schah dies in Triest und in Laibach. In der letztgenannten Stadt mußte Militär aufgeboten werden, um einigermaßen wieder die Ordnung herzustellen. — Zum Leichenbegängniß der Kaiserin Elisabeth wird Kaiser Wilhelm selbst nach Wien reifen. Die bestimmte Nachricht, daß dies geschehen werde, ist heute (Dienstag) Mittag beim Oberhofmeisteramt in Wien eingetroffen. Auch der König von Sachsen wird sich zu den Leichenfeierlichkeiten nach Wien begeben. — Im Laufe dieses Mittwochs soll der Sonderzug mit der Leiche der Kaiserin von Genf abgehen. Pro- feffor Schott, der in Bad Nauheim die Kai- ferin behandelte, hat mitgetheilt, daß die Kaiserin mit einer ausgesprochenen Herzerweiterung nach Bad Nauheim kam, aber vollkommen davon geheilt Nauheim wieder verließ. Prof. Schott ist der.Ansicht, daß der Kaiserin noch ein sehr langes Leben in Aussicht gestanden hätte.
Deutsches Keich*
Berlin, 13. September.
x Der Kaiser hält sich gegenwärtig nicht, wie sonst, im Neuen Palais bei Potsdam, sondern im Marmorpalais bei Potsdam auf. Dort nahm er auch heute die fälligen Vorträge entgegen. Das Neue Palais wurde bereits im Frühjahr d. Js. oerlaffen, weil es für ungesund erachtet werden mußte, unb bie Erkrankung des kleinen Prinzen August Wilhelm wirb ebenfalls mit ben hygienischen Verhältnissen bes Neuen Palais in Zusammenhang gebracht. Friedrich der Große, der bekanntlich das Neue Palais nach dem siebenjährigen Kriege errichten ließ — ein prachtvoller Bau inmitten herrlichster Umgebung — hatte sich eingebildet, das Erdgeschoß des Palais müsse so angelegt werden, daß man ohne Treppe in das Freie gelangen könne; unb alle Gegenvorstellungen bes Baumeisters, daß das Erdgeschoß aus gesundheitlichen Rücksichten höhev gelegt werden müsse, halfen nichts. So leidet nunmehr der herrliche Bau ab unb zu in bebenk- licher Weise unter ben ungünstigen Grunbwasser- Verhättniffen; genauer gesagt, bie Bewohner bes Baues leiden darunter, wenn sie nicht rechtzeitig ein anderes Heim aufsuchen.
X Je länger, desto deutlicher tritt es zu Tage, wie willkommen den Sozialdemokraten die Ankündigung eines Z«chtHa«s- Hesetzes gewesen ist. Jetzt planen die Genossen Massenversammlungen in allen größeren Städten, um auf Grund dieser Ankündigung eine Agitation in großem Stile zu entfalten. In Bielefeld hat eine solche Protestversammlung bereits stattgefunden; für L eipz i g ist eine Riesenversammlung am 18. d. M. in Aussicht genommen. Herr Liebknecht wird in derselben als Redner auftreten.
st Vor etwa acht Tagen war berichtet worden, daß Rußland den Wunsch ausgesprochen habe, die vom Zaren angeregte Iriede«s-Ko»fere«z möge in Kopenhagen abgehalten werden. Von dort aus wird jetzt festgestellt, daß die dänische Regierung davon nichts wisse. Inzwischen ist bekanntlich bereits berichtet worden, neuerdings sei Brüssel als Ort für die Konferenz in Aussicht genommen. Es kommt ja weniger darauf
empört über ihre Halsstarrigkeit, unb sah mit gerunzelter Stirne unb zusammengepreßten Lippen ihrem Thun unb Treiben zu.
Jetzt war sie fertig; sie streifte ben Hut und bas Täschchen an ben linken Arm unb ihm ihre oerbunbene Rechte barreichenb, sagte sie mit zaghaftem Blick unb Ton: „Behüt' Sie Gott! Ich banke Ihnen nochmals. Unb sei'n Sie mir nicht böse; ich kann nicht anbers."
„Behüt' Sie Gott," sagte auch er, unb als sie bann vom Fensterrahmen herunterglitt und gleich darauf ein Knacken des Strauchwerks ihm anzeigte, daß sie den Boden gefunden hatte, rief er ihr noch nach: „Wenn Sie keinen Ausweg finden, so lassen Sie's mich wissen, damit ich Ihnen behilflich sein kann, wieder hinein zu kommen."
Er lauschte gespannt. „Es wird gehen," hörte er noch ihre Stimme antworten, bann noch ein Knacken ber bünnen Aeste, ein Rascheln im Laub, wie wenn Jernanb kriechenb sich burchwinbet, und bann nichts mehr.
Wie sehr hätte er gewünscht, sie hätte ihn gerufen, hätte ihn gebeten, ihr behilflich zu sein ober sie zu begleiten, unb baß sie bas nicht that, ärgerte ihn ungemein. Gar zu gern hätte er benfelben Weg eingeschlagen, sowohl um bei ihr zu fein, als um feinem unfreiwilligen Kerker zu entrinnen; bas Unternehmen kam ihm gar nicht mehr so waghalsig vor, aber jetzt, nachdem ihm ein Mäbchen benfelben gezeigt, ihm trotz feiner Abmahnunq vorangegangen war und ihm dazu gleichsam Muth gemacht hatte, nein, das konnte er nicht, das wollte er nicht, sowohl aus Trotz, wie aus verletzter Eigenliebe. Er hätte sich ge-