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* Prinzessin Keinrich von Pre«ße« wird in der Mitte des Monats November nach Kiautschou reifen, um ihren Gemahl zu be­suchen und dort mit ihm das Weihnachtsfest zu verleben. Kurz vor diesem soll die Ankunft dort im fernen Osten erfolgen.

* Gegen den Beschluß des Berliner Central- komitees zur Förderung katholischer Angelegen­heiten in Berlin, zu befürworten, daß die deutsche AatHokikeuversammtuug demnächst in Berlin abgehalten werde, bemerkt das Predigerorgan, der ,Reichsbote', in Berlin fielen alle derartigen Ver­sammlungen ab; sie verschwänden in dem unge­heueren Rahmen der Großstadt vollständig. Zu den Katholikenversammlungen gehöre aber der äußere Pomp und das Aufsehen könnten sie nur in mittleren Städten haben. — Nun, das wäre für unsere Neider ja gerade ein Grund, das Projekt einer Berliner Katholikenoersammlung zu fördern, damit sie hier „verschwinde", kein „Aufsehen" mache, nach dem, nebenbei bemerkt, wir gar nicht streben. Der Zweck der Katho­likenversammlungen ist lediglich die Berathung und Förderung unserer eigenen konfessionellen, sozialen und charitativen Angelegenheiten und dazu bedürfen wir weder des „Pompes" noch des „Aufsehens". Wenn der,Reichsbote' dann anfügt, ihm sei es ganz gleichgiltig, wo die Ka­tholiken ihre Versammlungen abhielten, so ist das eine so vernünftige Auffasfung, wie man in diesem Blatte sie zu finden gar nicht gewohnt ist. Und wenn er dazu bemerkt, vielleicht halte der „Evan­gelische Bund" demnächst seine Versammlung in Köln oder Mainz ab, so können wir ihm die gleiche Versicherung geben. Das hat für uns gar keine Schrecken. Hat man doch im vorigen Herbst in dem zu vier Fünfteln katholischen Krefeld die Generaloerfammlung des „Eoan- lischen Bundes" ertragen' trotz der wüsten Be­schimpfung der Katholiken, die auf derselben ver­übt worden ist! Im Uebrigen kann nur gewünscht werden, daß die vernünftige, gesunde Auffasfung, jede Konfession und Partei dort Versammlungen abhalten zu lassen, wo es ihr beliebt, immer mehr zum Durchbruch gelange; dann würde viele unnütze Streiterei vermieden werden.

X Am letzten Sonntag hat ein sozialdemo­kratischer Parteitag für die ProvinzB ranben« bürg ftattgefunben, und dieser hat sich unter Anderem, wie erklärlich, auch mit der Koali­tionsfreiheit der Arbeiter beschäftigt. Ein­stimmig wurde eine Resolution angenommen, die „gegen die Schaffung eines Ausnahme-Gesetzes gegen die Arbeiter protestirt", das den Streik bestrafen soll, während die Aussperrung und die oft nichtswürdigen Mittel, die die Unternehmer anwenden, straflos bleiben ..." Man sieht an diesem Beispiel wiederum, was für ein werth- voller Agitations-Stoff durch die erfolgte An­kündigung für die Sozialdemokratie geschaffen worden ist. Dieser Stoff kann ihr einzig und allein wieder entzogen werden durch die Ver­öffentlichung des Gesetzentwurfes, vorausgesetzt nämlich, daß dieser Entwurf wirklich nicht „die Koalitionsfreiheit der Arbeiter antasten will," wie offiziös versichert wird.

+ Aus der Berliner Stadtverordneten-Ver- sammlung heraus ist, wie berichtet, der Antrag an den Magistrat ergangen, aus Vertretern beider Körperschaften eine gemeinsame Kommission zu bilden, die über Mittel und Wege zur Beseitigung der gegenwärtigen Ikeischtheueruug berathen soll. Auch wenn man über die Gesichtspunkte, welche hier grundlegend sind, anderer Anschauung ist als die Antragsteller, kann man diesen Antrag nur mit Freude begrüßen; denn wenn die Be­rathung darüber eingehend und ohne Voreinge­nommenheit vorgenommen wird, dann kann sie nur in erfreulicher Weise zur Aufklärung beitragen über diesen Gegenstand, der vielfach ganz falsch beurteilt wird. Nunmehr sind auch die Behörden anderer Städte dem Berliner Beispiele gefolgt und wollen bei den zuständigen Regierungsstellen da­hin vorstellig werden, daß Schritte zur Milderung der bestehenden Einfuhr-Verbote für Schlachtvieh gethan werden. Auch das ist ganz gut. Aber die Hauptsache sollte dabei nicht vergessen werden, nämlich die Beseitigung der Zwischen­händler-Ringe, meistens aus Leuten israeli­tischen Bekenntnisses zusammengesetzt, die in nicht nur höchst überflüssiger, sondern geradezu schäd­licher Weise zwischen den Großhändler und den Metzger sich eindrängen und auf diese Weise die Preise des Schlachtviehes ganz unnöthig in die Höhe treiben. Demokratische und

leicht vibrirender Stimme; „ich hätte mir in der That nicht zu helfen gewußt; ich war nur auf eine kleine Reise vorbereitet, und dies ist das einzige Tuch, welches ich bei mir führe." Mit diesen Worten deutete sie auf das Tuch, welches sie gegen die Stirn gepreßt hielt und welches bereits über und über mit Blutflecken bedeckt war. Paul ließ es sich nicht nehmen, auch diese Wunde, welche sich von der Schläfe bis zur oberen Stirn hinaufzog, zu untersuchen und mit Hilfe von Jodoformgaze und eines zweiten Taschentuches zu verbinden.

„Wie gut Sie sind zu mir, einer völlig Frem­den," sagte das Mädchen.

„Ah, da ist keine sonderliche Güte dabei und Sie sind mir auch keine völlig Fremde mehr," versetzte er. „Ich sage Ihnen, mein Fräulein, solch eine Viertelstunde, wie die jetzige, bringt bie Menschen einander näher wie zehn Jahre ober­flächlichen Verkehrs."

„Ja, es war eine große Gefahr; wir müssen Gott danken, daß uns nichts geschehen ist," sprach das Mädchen und dabei fügten sich ihre Hände ineinander.

sozialdemokratische Blätter in Nürnberg und in München sind es gewesen, die für die Schlacht­höfe dieser Städte die Schäden dieses überläftigen Zwischenhandels beleuchtet haben. In vielen an­deren Städten geht es natürlich genau ebenso zu, und hier sollten die zuständigen Stadtverwaltun­gen vor allen Dingen bessernd eingreifen und zum Wohle der Bevölkerung diesen Schlachthaus- Schmarotzern das Handwerk legen. Die neuer­dings verhängte Viehsperre gegen die Schweiz ist so gut begründet durch die Viehseuche, welche dort in ungewöhnlich starkem Maße herrscht, daß da­gegen vernünftigerweise keine Einwände erhoben werden können.

Ausland.

* Wie«, 12. Sept. Keine vierzehn Tage mehr trennen uns von der Wiederaufnahme der Verhandlungen im österreichischen Reichs­rat he. Die Sturmzeichen dafür mehren sich aber mit jedem Tage, so daß, wenn das so for geht, der Sturm vielleicht schon wieder am ersten Tage der Verhandlungen losrasen wird. Vor allen Dingen ist zu beachten, daß die Regierung für ihre Ausgleichs-Abmachungen mit Ungarn noch gar nicht einmal der vollen Zustimmung der Rechten sicher ist. Die katholische Volkspartei wird vermuthlich allerhand Abänderungsanträge dazu stellen, bestimmt, einige Bestimmungen da­raus zu beseitigen, die Härten für Oesterreich bedeuten; und ebenso wird berichtet, daß die Südslaven und die landwirthschaftlichen Vertre­ter unter den Jungtschechen eine Reihe von Ein­wänden gegen die Ausgleichs - Vorlagen erheben werden. Wenn es also auch feststeht, daß die Rechte die parlamentarische Berathung der Aus­gleichs-Vorlagen an sich fördern will, so ist es ebenso zweifellos, daß diese Berathung nicht glatt verlaufen wird — vorausgesetzt nämlich, daß die deutsche Opposition es überhaupt bis zur Be­rathung kommen läßt. Die Tschechen verwahren sich schon im Voraus in sehr kräftiger Tonart gegen Aenderungen der Sprachenverordnungen zu Gunsten der Deutschen. Die tschechiche Par­teileitung hat eine Kundgebung veröffentlicht, in der die Drohung enthalten ist, das die Tschechen „alle Konsequenzen ziehen würden" aus jedem solchen Versuche — d. h. dieselbe parla­mentarische Obstruktion beginnen würden wie vordem die Deutschen. Und dann würden aber­mals alle Versuche parlamentarischer Berathung vergeblich sein. Eine gewisse Hoffnung auf gegen­seitige Verständigung laßt sich vorläufig nur daraus schöpfen, daß die deutsche Opposition durch ihr Verhalten möglichst der Regierung nicht wieder das verfassungsmäßige Recht dazu geben wollen wird, ohne Parlament und mit dem Noth- paragraphen zu regieren. Denn wird die parla­mentarische Berathung der Ausgleichs-Vorlagen durch neue Obstruktion der deutschen Opposition verhindert, dann gibt diese letztere selbst der Re­gierung volles Recht dazu, ohne Parlament zu wirthschaften.

+ Paris, 12. Sept. Ganz merkwürdige Dinge gehen in der französischen Republik vor. Cavaignac ist gegangen, General Zurlinden ist Kriegsminister geworden. Aber nun will auf einmal auch Zurlinden nichts mehr von einer Wiederaufnahme des Dreyfus-Prozeffes roiffen. Der Stimmungswechsel hat sich sehr schnell bei ihm vollzogen. Es sind noch keine acht Tage vergangen, seit es zu allererst hieß: der Ministerrath hat einstimmig die Revision des Prozesses beschlossen. Dann folgte unmittelbar die Berichtigung: nein, die Revision ist noch nicht beschlossen, wird aber unfehlbar sofort beschlossen werden. Dann verbreitete sich wieder das alte geheimnißvolle Dunkel über der ganzen Sache, und es wurde als Entschuldigung dafür gemeldet: General Zurlinden ftubirt die Dreyfus-Akten. Nun hat er sie ftubirt, und barauf erfolgt ganz unvermuthet auch bei ihm die Weigerung, in bie Wiederaufnahme des Prozesses zu willigen. Also wird wohl unmittelbar auch sein Rücktritt bevor- stehen. Was wird dann werden? Mit einem andern General wird es der Kammerpräsident kaum versuchen wollen. Denn allem Anscheine nach würde er keine andere Wirkung damit er­zielen. Also er wird möglicherweise das Kriegs­ministerium einstweilen selbst verwalten müssen. Einige Pariser Zeitungen stellen in Aussicht, daß noch einige andere Minister dem General Zur­linden sich anschließen werden. Wenn das wirk­lich so kommen sollte, dann würde die ganze

„Nichts geschehen?" erwiderte er mit spöt­tischem Lächeln.

„Aber das ist ja gar nichts, wenn man be­denkt, was hätte geschehen können." Sie er­schauerte. „Und was hätte meine arme Mutter angefangen?" entfuhr es ihren Lippen.

„Sie haben für eine Mutter zu sorgen?" fragte er, begierig, etwas über ihre Person zu erfahren.

„Ja," bestätigte sie, ohne ihn anzuschauen, mit ernsthaftem Kopfnicken, „sie hat nur mich und ich habe nur sie." Weiter sagte sie nichts und beide schwiegen. So saßen sie eine Weile stumm in dem Halbdunkeln, wie ein Wrack aufgethürmten Wagenabtheil und lauschten auf das aus Jam­mern, Sprechen, Schreien und Pochen zusammen­gesetzte Geräusch, welches wie aus der Ferne an ihr Ohr drang.

Im anstehenden Koupee ertönten weinende Kinderstimmen, bann eine weibliche Stimme, bie biefe beruhigen zu wollen unb eine männliche, welche durch Rufen und lautes Pochen sich be­merkbar machen zu wollen schien.

(Fortsetzung folgt.)

Lage von Neuem sehr kritisch werden, und dann würden diejenigen recht bekommen, die diesem Ministerium Briffon ein sehr kurzes Dasein prophezeiten.

* London, 12. Sept. Neue Unruhen drohen auf den Philipp in neu auszubrechen. Wie der ,Times' aus Manila berichtet wird, haben bie Aufständischer fast bie ganze Insel Luzon in ihre Gewalt gebracht. Die ganze Insel mit Aus­nahme von Manila, Cavite unb einen kleinen Theil ber Provinz Albay wirb von ihnen ver­waltet. Die Aufständischen haben sich großer Mengen von Waffen und Munition bemächtigt.

* Kanec, 12. September. Die Sage auf Kreta ist noch immer sehr gespannt. Von den Schutzmächten hat nunmehr England den Anfang gemacht, die erforderlichen Maßnahmen anzu­ordnen, um neuen Ausbrüchen des muhamedanischen Fanatismus einen Damm entgegenzustellen. Das Ultimatum für bie Entwaffnung ber Bevölkerung unb bie Räumung Kandias seitens ber türkischen Truppen lief mit Samstag ab. Um ben Forde­rungen desselben Nachdruck zu verleihen, sind am Sonnabend zwei englische Panzerschiffe mit fünf­hundert Mann vor Kandia eingetroffen, nachdem schon am Freitag der englische Admiral sich dort­hin begeben hatte. 500 Engländer unb ein Bataillon Russen würben bereits in Kanbia aus­geschifft. Es scheint wenig wahrscheinlich, baß bie Mahamedaner bie Forderungen des Ulimatums erfüllen. Um allen Eventualitäten gewachsen zu sein, hat die englische Regierung ein Bataillon wallisischer Füsiliere von Kairo nach Kreta be­ordert. Dasselbe ist bereits gestern dort abge­gangen. An sonstigen Meldungen ist heute nicht viel Neues zu berichten. Nach Meldungen aus Sitia soll eine große Anzahl Christen in die Stadt eingedrungen sein und sich mit Gewalt in den Besitz der Petroleurnbehälter gesetzt haben; bie Aufständischen sollen bie Stadt umzingelt haben unb die b drängten Muselmanen sollen angefangen haben, sich auf Schiffe zu flüchten. Einer Athener Meldung zufolge übersandte der Kaiser von Rußland 9000 Rubel für die Kre- tenfer. Die Angaben über die Zahl der Opfer ber Revolte stnb auch heute noch sehr schwankend. Nach betn Berichte des russischen Consuls in Con- stantinopel sind in Kandia 400 Personen getöbtet worben. Der Kommanbant von Kandia, Edhem Pascha, macht folgenbe Angaben über bie Ver­luste : Getöbtet würben 3 türkische Soldaten, 19 Mahamedaner und 30 Christen. Verwundungen erlitten 2 türkische Soldaten, 17 Muhamedaner und 4 Christen. 6 Häuser und 135 Geschäfts­magazine wurden eingeäschert.

* Wakparaiso, 12. Sept. Drohende Ver­wickelungen scheinen in Chile bevorzustehen. Die Verhandlungen der GrenzkoMmission sind abgebrochen worden und Argentinien weigert sich, sich in der Frage der Grenzregulirung dem Schiedssprüche Englands zu unterwerfen. Der Präsident unterzeichnete am Sonnabend ein Dekret, welches 50,000 Mann zu den Waffen einberuft und erklärt, daß die gegenwärtig in der Einübung begriffenen 30,000 Mann nicht zu entlassen sind. Nähere Nachrichten über bie Be- roeggrünbe, welche ben Präsidenten zu bieser Maßnahme bestimmten, werben abzuwarten fein.

® 3um Lebensbilde des hochjel. Erz­bischofs Dr. Georg Ignotins Komp.

Die Leser der ,Fulbaer Zeitung' wirb es ge­wiß inteteffiren, wenn an bieser Stelle noch ein­mal bes Mannes gedacht wird, ber als Bischof zuletzt so segensreich den Hirtenstab des hl. Stur­mius geführt hat, unseres unvergeßlichen hochsel. Erzbischofs Dr. Georg Ignatius Komp. Als echt katholischer Bischof war Dr. Komp nicht nur dem Weltklerus ein väterlicher Freund und hellleuchtendes Vorbild aller priesterlicher Tugenden, sondern er verdient auch ein besonderer Beschützer unb liebevoller Berather der Ordensleute ge­nannt zu werden, die in ber Diözese Fulba leben unb arbeiten. Hier hätten nun bie hochw. PP. Franziskaner, bie ehrw. Benediktinerinnen unb )ie geliebten Töchter bes Hochseligen, bie Vincen- inerinnen das Wort. Ich weiß aber, baß sie alle bem obigen Satze zustimmen werben. Ich möchte nur auf bie eine Thatsache näher Hinweisen, mit welchem Wohlwollen unb mit welch väterlicher Liebe ber eble Heimgegangene bie hochw. PP. Oblaten ber unbefleckten Jungfrau Maria, bie in Hünfelb bas Missionshaus St. Bonifatius jauen, in feine Diözese auf genommen hat. Mögen bie folgenben Zeilen ein haftender Kranz dank­barer Erinnerung fein, ber auf bem Grabe bes Hochseligen nicht bie letzte Stelle einnehmen soll.

Sobalb einmal den Patres Oblaten bie lautliche Genehmigung zu einer Niederlassung in )er Diözese Fulda ertheilt war, nahm Bischof Dr. Komp die Ordensleute, die auf ber Suche nach einem geeigneten Orte für ihr Kloster nach Fulba kamen, mit großer Liebe und Herzlichkeit auf. An feinem Tische mußten sie Platz nehmen, und ausführlich erkundigte er sich über bie Ge- chichte, ben Geist unb bie ausgedehnte Wirksam­en ber Ordensgenossenschaft. Jedem dieser Be- ucher ist bie wahrhaft väterliche Aufnahme, bie er im Bischofshause auf bem Michaelsberge ge- unben, unvergeßlich geblieben. Das warme In- ereffe bes Hochseligen, feine bei solchen Gelegen- jeiten gesprochenen Worte unb fein liebreiches Entgegenkommen reben genügsam nnb lassen an einer wahren Gesinnung gegen bie Patres keinen Zweifel aufkommen. Aber es wollte ber Heim­gegangene auch schriftlich diesen Gesinnungen Ausdruck verleihen. Von weiterem Interesse

mag das folgenbe bischöfl. Schreiben an die Patres fein. Dasselbe hat folgenden Wortlaut:

Fulda, den 24. März 1895.

Ew. Hochwürden beehre ich mich den Empfang Ihres gefl. Schreibens vom 21. d M. nebst Anlage ergebenst anzuzeigen. Wie ich bereits mündlich und schriftlich mitgetheilt habe, sollen mir die hochwürdigen Patres Oblaten von der unbefleckten Jungfrau Maria hier recht willkommen sein. Ich würde ja nicht ein kirchlich treuer Bischof sein, wenn ich dieselben, so viel es an mir liegt, nicht fördern wollte.

Wenn der Hochwürd. P. Provinzial sich mir vor­stellen will, so ersuche ich Wohldenselben, bei mir seine Wohnung nehmen zu wollen. In der Osterwoche und vom 4. Sonntage nach Ostern bis Christi Himmelfahrt werde ich auf Firmungsreisen mich befinden.

Ich hoffe, daß unsere Diözesan-Patrone, die heiligen Bonifatius und Sturmius, auch Ihr Miffionswerk und das hiesige Missionshaus unter ihren Schutz nehmen werden.

Mit dem Ausdrucke einer vorzüglichen Verehrung und in der Liebe Jesu Christi

Ihr ergebenster t Heorg Ignatius, B. v. F.

Aus einem solchen Schreiben geht gewiß klar hervor, baß bie PP. Oblaten bem hochwürbigsten Herrn ganz unb gar willkommen waren. Im Herbste bes Jahres 1895 kamen bie ersten Mitglieber ber Kongregation an; ihre kleine Zahl hatte im Hünfelber Rathhause bank ber Bereitwilligkeit bes Herrn Bürgermeisters Beutling unb ber Stabt- oerorbneten ein vorläufiges Heim gefunben. Un­verzüglich hatte man mit bem Bau bes neuen Missionshauses begonnen. Mit großer Aufmerk­samkeit verfolgte ber Bischof bie Fortschritte bes Baues; er erschien selbst auf bem Bauplätze unb sparte auch in ber Folgezeit bie Ermuthigungen unb ben klugen Rath nicht. Er ging weiter. Am Weihnachtsfeste 1896 überreichte er bem hochwürdigen P. Provinzial ein eigenhänbig ge­schriebenes Empfehlungsschreiben folgenben In­haltes :

„Gruß im Herrn I Der hochw. P.Scharsch, Provinzial der deutschen Ordensprovinz der PP. Oblaten der un­befleckten Jungfrau Maria, erbaut zu Hünfeld in der Diözese Fulda ein großes Missionsseminar, welches dem hl. Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, geweiht werden soll.

In demselben werden 150—200 Alumnen ihren höheren Studien obliegen und zwar zwei Jahre hindurch den philosophischen und vier Jahre den theologischen Diszi­plinen. Augenblicklich befinden sich dort 30 Pyilosophre- studirende.

Die Studien scheinen mir wohlgeordnet und die Er­ziehung nach den durch längere Erfahrung erprobten Grundsätzen eine gediegene zu sein. Es berechtigt uns dies zu der Erwartung, daß die in diesem Seminar herangebildeten Missionäre sehr befähigt sein werden, auf dem weitausgedehnten afrikanischen Arbeitsfelde die reichlichsten Früchte einzuernten.

Aus diesen Gründen fühle ich mich veranlaßt, den obengenannten P. Provinzial und das von ihm unter­nommene Werk Allen und besonders denjenigen ein­dringlichst zu empfehlen, welche über die für das afrikanische Missionswerk gesammelten Almosen verfügen.

Fulda, 25. Dezember 1896.

t Georg Ignatius Komp, (L. 8.) Bischof von Fulda.

Am 23. Juni 1897 bezogen bie PP. Oblaten ben fertiggefteßten Theil ihres neuen Klosters. Einen Monat später erschien Bischof Dr. Komp in Hünfelb, um bie hl. Firmung zu fpenben. Bei bieser Gelegenheit ertheilte er zwölf Alumnen des Missionshauses bie Tonsur unb bie nieberen Weihen. Am Mittag wollte er Gast im Kloster sein. Während der Mahlzeit, die der hochwürdigste Herr im Refektorium mit der (Kommunität ein­nahm, erhob sich der hochw. P. Provinzial unb brückte in herzlicher Weise seine Freude aus über den ehrenvollen und hohen Besuch. Er sei glück­lich, endlich einmal im eigenen Hause Gelegenheit zu haben, Sr. bischöflichen Gnaden für all die Liebe unb Güte zu banken, die Hochdieselben den Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria vom ersten Augenblicke ihres Eintrittes in die Diözese erzeigt. „Ja, Liebe und Dankbarkeit," so sprach er, „trägt bie ganze Kongregation Ihnen, hoch- roürbigfter Herr, entgegen, ganz befonberS die deutsche Orbensprovinz. Diese hat in Ew. Bischöfl. ©naben nicht nur einen Gönner und Wohlthäter, sondern einen wahren Freund und Vater." Der Segen, den der hochwürdigste Herr dem großen und schwierigen Werke gespendet, habe' reiche Früchte getragen, denn wahr bleibe immer: „Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser!"

In einfachen aber zu Herzen gehenden Worten antwortete der Bischof: „Voll Freuden, von ganzem Herzen habe er diesem Werke seinen Segen ertheilt. Ein großes Werk sei es: die Erziehung von Ordensleuten und Missionären. Die Größe der Aufgabe wisse er wohl zu schätzen. Er selbst sei früher viele Jahre Regens des Priester­seminars gewesen und er wisse somit aus eigener Erfahrung, welch sorgfältige Leitung ein solches Haus bedürfe, wie viel von der Leitung abhinge und welche Früchte man erwarten dürfe. Sein Herz empfinde Freude und Dankbarkeit gegen Gott beim Anblick so vieler jungen Ordensleute, bie sich einem großen Zwecke gewidmet hätten. Er banke für die von Herzen kommende Aufnahme, die er hier gefunden, und wünsche aus ganzer Seele dem Hause des hl. Bonifatius ein fröhliches Gedeihen." Noch beim Abschiede sprach er den Wunsch aus, später recht vielen jungen Oblaten die Hände auflegen zu dürfen, „denn das," so meinte er lächelnd, „verbrüdere und sichere die Verwandtschaft."

Leider sollte dieser sein Herzenswunsch nur noch einmal in Erfüllung gehen, wenn auch in reichem Maße. Gerade' 3/< Jahre später, am Weißen Sonntag, 17. April 1898, hielt der Hochselige die erste große Ordination, die im St. Bonifatiuskloster gefeiert wurde, für ihn die letzte seines Lebens. Es war nebenbei bemerkt die größte, die er je vorgenommen hat. An 50 Alumnen nahmen an derselben Theil, 9 Diakone wurden zu Priestern geweiht. Während der bei-