FutdaerMZeitimg
M 206.
JuLöcr, Samstag, den 10. September 1898.
25. Jahrgang.
Inserate: Die einspalt. Garmond- ,zeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Der „Grobian".
Ein Münchener Bild.
Der Bäcker Hartkipfl ist ein massiver Mensch! Wenn der Einem die Wahrheit sagt, nachher hat man genug gehört. Die Leute meinen, er sei grob, allein darin täuschen sie sich ganz entschieden; denn ein besseres Gemüth und einen dienstwilligeren Mann trifft man selten; nur ein bischen „resch" ist er, d. h. er kennt keine Umschreibungen, wenn ihm etwas nicht paßt, und da fährt er ziemlich derb heraus. Zu Hause fällt es Niemanden ein, sich über ihn zu ärgern: er selbst glaubt an seine Derbheit nicht, sondern behauptet, die Leute seien viel empfindlicher geworden ; man müsse jeden Rastbinder mit Glacehandschuhen anfaffen und zu jedem Saitenweib „Madaine" sagen; zu Vaters Zeiten sei das in München anders gewesen. Aber jetzt, wo man sich soviel zusammennehmen muß, daß es nicht etwa gar heißt: das ist ein ungebildeter Mensch, — da weiß man schon nicht mehr, wie man seine Worte zusammenklauben soll.
Hartkipfl hat sein Schläfchen gehalten und steht am Spiegel, um seine vom linken Ohr bis zur rechten Schläfengegend sich erstreckenden dünnen Haarsträhne zu befestigen. Jetzt ist er fertig, und nun stülpt er den hellen Filz über, nimmt den Stock zur Hand und wendet sich mit einem freundlichen „Pfüat Gott, Rofi," der Thüre zu.
Seine Rosi läßt ihn aber nicht fo ohne Weiteres ziehen. Sie prüft mit raschem Blick die Toilette des Gatten, dreht den Halskragen zurecht, zupft am Krawatterl, endlich sagt sie: „So pfüat Gott — aber halt, mir fällt was ein. Wenn der Mehlreisende kommt, was soll ich ihm sagen?"
„Was d'ihm sagen sollst? No, des wirst wohl wissen — er soll sich nimmer seh'n lassen bei mir, der Windbeutel, der Schwindler, oder ich feur' ihn auf den d' Gaffen 'naus, daß er si
aus den Reihen der Umstehenden ein kräftiges „Bravo!"
Rasch wendet sich Hartkipfl um: „Was, Bravo ? Am Buckl steigst mir 'nauf mit dein' Bravo, hätt'st es z'erst so g'macht, nachher brauchest Dir fitzt den Magen net z'v^rkält' mit dem oasältizen G'schrei!"
„Aber der is grob," — die Meisten jedoch lachen, und Hartkipfl geht seiner Wege.
Da, wo die elegante Welt im Hofgarten ihren Mokka schlürft, Zeitung liest, Nudeln ißt und Strümpfe strickt, läßt er sich nieder. „Kaffee!" Die Tasse steht da, aber kein Kellner findet Zeit, den neuen Gast zu bedienen. Hartkipfl klopft ein paarmal, und stößt einigemal ein fcharfes „Pst!" durch die Zähne, endlich verliert er die Geduld, packt einen vorübersegelnden Kellner beim Frackflügel und schreit ihm zu: „Krieg ich jetzt bald eine solche Hutzelbrüh, oder ist's vielleicht a Gnad, wenn man sich auf den Grieshaufen da hersetzen darf. Sie Troddl, Sie einfältiger?"
Der Kellner entschuldigt sich und bringt den Kaffee.
Ein am Tische sitzender Herr, offenbar ein Fremder, sieht erstaunt auf den Herrn Hartkipfl und wagt endlich die Aeußerung: „Ich finde es hier aber sehr hübsch!"
„Natürlich," entgegnete Hartkipfl, „das is a
Abends pilgert er mit seinem neu entdeckten Bekannten aus Dresden ins Hofbräuhaus. Er untersucht die schlecht gefüllten Krüge, kehrt sofort wieder um und sagt dem Schenkkellner Dinge, welche Niemand als Schmeichelei bezeichnen würde.
„Aber hören Sie, mein Gutester," meinte der Dresdener begütigend.
„Da gibts kein' Gutesten net, verstanden? I will mei Maß, wie sich's o'hört, und mit de Leut muaß ma deutsch red'n!"
Sie gehen an den Arkaden entlang, um einen Platz zu finden, „'s ist keene Möglichkeit," lispelte der Elbflorenzer.
Hartkipfl begibt sich aber zum nächsten Tisch. „A Paar leids's schon noch, wann die Herr'n z'sammenruck'n. Gel'ns, rühren's Jhna auch a bißl. Sie dahinten, oder moanen's. Sie hab'n 's Hofbräuhaus alloan in Pacht? So, jetzt fetzen's Jhna her, wir hab'n Platz g'enua."
Nach einiger Zeit entwickelte sich ein politischer Diskurs. Hartkipfl findet einen ebenbürtigen Gegner. Man spricht Fraktur, so daß der biedere Dresdner ängstlich auf den Augenblick sich gefaßt macht, in dem es einschlagen wird. Aber es chlägt noch nicht ein, obschon die gewagtesten Anspielungen auch auf die gegnerische Intelligenz nur fo in der Luft herumfliegen. Es entsteht eine Pause, die Krüge sind geleert. „Jetzt trinken wir noch a Maß, weil wir so schön beisammen- itzen, aber jetzt wird von was anderem g'redt!" Ran trinkt noch eins, und endlich geleitet Hartkipfl, den etwas angeheiterten Sachsen nach Hause.
Eheste schieden, bemerkt der letztere,: „Hären Se, Herr Hardgiffl, mir war eine Zeit merklich ehr bange, denn eens muß ich Sie sagen: Sie waren stellenweise doch e bische gar zu — zu — Sie werden gitigt entschuldigen — gar zu grob!"
Das reißt den Bayer gleich um einen Schritt zurück.
„Ich grob? Da sieht man, daß sie hier fremd an! Sie solltens einmal hören, wann i grob werd!"
vermöchte? Wie die Revision des Prozesies verlaufen und ausgehen wird — wer vermöchte das zu sagen! Die Verhältnisse bei unfern westlichen Nachbarn sind eben weniger als jemals normale. Und da ist Alles möglich. Man darf nicht übersehen, daß auch in Frankreich die Abneigung gegen die Juden — nicht ohne deren Schuld — stark im Wachsen begriffen ist, und dieses Moment könnte auch auf den weiteren Verlauf der Angelegenheit leicht einen verhängnißvollen Einfluß ausüben. Das Prophezeien wäre deshalb gewagt!
In Spanien ist die Volksvertretung einberufen, um den vorläufigen Frieden, den die Regierung geschlossen hat, zu bestätigen und die Aufgabe der Oberhoheit über die seither spanischen Kolonien gutzuheißen. Daß es hierüber heiße Debatten absetzen wird, braucht nicht erst versichert zu werden. Die Opposition, namentlich die karlistische, wird diesen Friedensabschluß auf's Heftigste bekämpfen — allerdings erfolglos — und es kann als sicher betrachtet werden, daß nach erfolgter Gutheißung des provisorischen Friedensvertrags das liberale Ministerium Sagasta zurücktreten und einem konservativen Kabinet Platz machen wird.
In unserem kleinen Nachbarlande Holland ist die letzte Woche eine Festwoche gewesen, Freude und Jubel hallte durch das ganze Land. Die jugendliche Königin Wilhelmine vollendete am 30. August ihr 18. Lebensjahr, wurde damit volljährig und trat nun selbst die Regierung an, die bis dahin ihre Mutter, die Königin Wittwe Emma, in ihrem Namen geführt hatte. Nachdem ihr in den Tagen vom 30. August bis zum 3. September die einzelnen Provinzen und Stände gehuldigt hatten, hielt sie am Montag ihren Einzug in die Hauptstadt Amsterdam, der sich zu einem wahren Triumphzug gestaltete und fast die halbe Bevölkerung des Landes auf die Beine gebracht hatte. Am Dienstag leistete sie den Eid auf die Verfassung, womit der Regierungsantritt thatsächlich vollzogen war. Einen schönen Charakterzug offenbarte bei dem Regierungswechsel die Mutter. Die Holländer wollten ihr zum Dank dafür, daß sie acht Jahre lang die Regentschaft geführt hatte, ein Nationalgeschenk von zwei Millionen Gulden verehren. Sie lehnte das Geschenk aber dankend ab und bat, es zu mildthätigen Zwecken zu verwenden. Dieses Beispiel kann Andern zur Nachahmung empfohlen werden.
Der Sudan-Feldzug der englisch-egyptischen Armee hat in seinem letzten Theile ein sehr rasches Ende gefunden: schon am 2. ds. Mts. kam es zu dem entscheidenden Zusammenstoß mit dem Mahdi, dem falschen Propheten, wobei sein Heer fast vollständig vernichtet wurde. Mit einem kleinen Reste seiner Getreuen floh er, von den englisch-egyptischen Truppen verfolgt, in's Innere Afrikas. Am 3. d. M. zog der Befehlshaber der englisch-egyptischen Truppen, General Kitchener, in Omdurman, der seitherigen Residenz des Mahdi, ein und besetzte diese, sowie auch das auf dem andern Ufer des Nil gelegene Chartum, das aber nur mehr eine Ruine ist. 15 000 Derwische vom Heere des Mahdi sollen in dem Kampfe gefallen sein, während die englisch-egyptischen Truppen nur geringe Verluste, einige 100 Mann, erlitten. Die Wiedereroberung des Sudan erregt überall mit Recht große Freude und Befriedigung, denn sie bedeutet die Wieder- erschließung eines großen Ländergebietes, das unter der Herrschaft des falschen Propheten vollständig der Barbarei verfallen war, für das Christenthum und die Civilisation, die vor dem Einbruch des Mahdi dort schon schöne Wurzeln geschlagen hatten. Jetzt freilich muß die Arbeit wieder von vorne begonnen werden.
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
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würden dann bedeutend erschwert. Mehr aber wird zunächst kaum zu erreichen, an eine auch nur theil- weise Abrüstung nicht zu denken sein. Dagegen würden, soweit das Landheer in Betracht kommt, sowohl das deutsche Reich wie die Franzosen, und bezüglich der Marine die Engländer und — Rußland selbst, das eben lustig d'rauf los Schiffe baut, Einspruch erheben und an eine Verständigung wäre absolut nicht zu denken. Im Uebrigen soll darüber schon stillschweigendes Ein- verständniß herrschen, daß bestehende Verträge, also auch der Frankfurter Friede zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich, auf der Konferenz gar nicht erörtert werden dürfen, was fteilich den Franzosen schlecht schmecken wird. Was man nun auch hoffen und erwarten mag, einen moralischen Erfolg wird die Konferenz jedenfalls haben.
In Oesterreich-Ungarn ist man nunmehr dem Versuch: die schreckliche Ausgleichsfrage auf parlamentarischem Wege, wie die ungarische Regierung es verlangt, zu lösen, näher gerückt. Der österreichische Reichsrath ist auf den 26. Septbr. einberufen, aber äußerst bezeichnend für die Lage ist der Umstand, daß jetzt schon kein Mensch glaubt, der Reichsrath werde sich auf die Erledigung des Ausgleichs einlassen; denn zwei schier unübersteiglich erscheinende Hindernisse stehen dieser Erledigung entgegen: Die leidige Sprachenfrage, an deren Aufhebung die deutsche Opposition sich an keinerlei Berathung betheiligen will, und die unverschämten Forderungen, welche die Magyaren bezüglich des Ausgleichs stellen, und auf die Oesterreich nicht eingehen kann. Und es wird deshalb auch ganz offen gesagt: die Regierung hätte sich, wenn sie nicht vor Beginn irgend welcher Beralhungen die Sprachenverordnungen aufheben wolle, die Einberufung des Reichsraths ersparen können, da dieselbe ganz zwecklos sei. Der ungarische Reichsrath ist bereits am Montag zusammengetreten, und obschon der famose Ministerpräsident Banffy sich redlich bemüht hat, die Oesterreicher über's Ohr zu hauen und den Magyaren möglichst große Vortheile zu sichern, sind diese doch nicht mit ihm zufrieden, und die Opposition des Abgeordnetenhauses hat ihm „Kampf bis auf's Messer" angekündigt, weil er die Interessen Ungarns nicht genügend gewahrt habe. Die blutigste Ironie, die sich denken läßt! Wie dieses Schauspiel noch enden mag?
Die neueste Wendung der Dinge in der Drey- fus-Frage hat in Frankreich ebenso große Ueber- raschung und Erregung heroorgerufen, wie das Manifest des russischen Zaren. Die Ereignisse haben sich förmlich überstürzt: Die Entdeckung der Fälschung des Oberstlieutenants Henry, der Selbstmord des letzteren und der Rücktritt des Kriegsministers Cavaignac. Alles das hat sich innerhalb weniger Tage abgespielt und die Erregung der heißblütigen Franzosen bis zum Siedepunkt gesteigert. Ein großer Theil der Franzosen hat von einer Revision des Dreyfus-Prozesses eine schwere Schädigung der Ehre der Armee befürchtet. Dreyfus sei verurtheilt und müsse verurtheilt bleiben; an dem Urtheile des Kriegsgerichts dürfe nicht gerüttelt werden, sonst stehe die Ehre der Armee auf dem Spiele! Nun hat sich herausgestellt, daß eines der Aktenstücke, mit denen man nachträglich das Ur- theil zu rechtfertigen suchte, gefälscht ist; es hat sich weiter ergeben, daß der Fälscher ein G e n e r a l st a b s- o ffizier war, und dieser Fälscher hat dann Selbstmord verübt. Sollten wirklich diese Vorgänge die Ehre der Armee nicht viel schwerer kompromittiren und blosstellen, als eine Revision des Prozesses, ja selbst eine nachträgliche Freisprechung Dreyfus' dies bis zum jüngsten Tag nimmer auskennt, wo er seine Boane z'sammsuch'n soll!"
„No, no," erwidert sie lachend, „i kann do net gar so grob sein mit dem Herrn!"
„Wer sagt denn, daß d' grob sein sollst?" fragt er verwundert. „D.s will i nett, aber daß d' Meinung sagst ihm, daß er weiß, wie er dran ist, und da müßt i net, was d' sonst sagen könntest."
Er geht, um sein Schaler! Kaffee zu trinken, und wandelt behäbig bummelnd seine Straße entlang. Am Maximiliansplatz angekommen, erblickt er in den Anlagen eine Menschenansammlung, und sofort steuerte er darauf los. Da ist etwas passirt, da muß er dabei sein! Richtig, auf einer Bank sitzt ein ärmlich gekleidetes Weib; über das blaffe Gesicht desselben rollen Thränen, stöhnend beugt es sich über den einen vorgestreckten Fuß. „Was ist passirt?"
„Ueberfahren ist's worden, die Frau!" „Hat sie sich etwa den Fuß brachen?" „'Jta, ab is nix, aber steh'n kann's net!" „Na, des werd'» wir gleich haben," sagt , Hartkipfl und drückt sich durch die Menge bis zur Verunglücken vor. Eine Dame spricht derselben Muth zu. i
„Suchen Sie nur so viel Kraft zu gewinnen," sagte sie, „um in die nächste Apotheke zu kommen!" Da platzte Herr Hartkipfl herein. „Schwatzen's koa so dummes Zeug, mit eanana Apothek'n — stehn's alle da und schaun'n d'rein rote d' Maulaffen, g'statt daß sich Jemand rühren thät! He da, Droschke, da her!" Ein greller Pfiff, welcher der „menschenfreundlichen" Dame durch alle Nerven bebt, und eine Droschke raffelt heran; Hartkipfl hebt das Weib hinein und ruft ihm zu: „So, jetzt fährst hoam und machst Dir Ueberschläg'; a da hast Fahrgeld" — er drückt ihr einen Thaler in die Hand — „und jetzt hörst mit Deinem dummen Gewinsel auf, es Hilst doch nix."
Indem er sich zum Gehen wendet, erschallt
Wochen-Rundschau.
(Rachdruck verboten.)
X Fulda, 10. September.
Die Friedenskundgebung des Zaren: seine Anregung zur Abrüstung, sowie zur Berufung einer Konferenz, in welcher die entsprechenden Maßnahmen be- rathen werden sollen, hat die ganze Woche hindurch die öffentliche Diskussion beherrscht und zu den verschiedenartigsten Betrachtungen Anlaß gegeben. Das Erfreulichste dabei ist die Einmüthigkeit, mit welcher die Anregung allenthalben ausgenommen und begrüßt worden ist — mit Ausnahme der unbedingten Ver- theidiger des Militarismus und der fortgesetzten Heeres- vermehrungen in Frankreich sowohl wie bei uns. Bei den Franzosen kann man das allenfalls noch begreifen. Halb verrückt, wie sie sind, halten sie immer noch an der fixen Idee der Wiedererlangung von Elfaß-Loth- ringen fest, zu welchem Zwecke sie ein starkes Heer unterhalten zu münen glauben. Aber daß es auch bei uns im Deutschen Reiche Leute gibt, die dem der höchsten Anstrengungen würdigen Ziele der Erhaltung und Sicherung des Weltfriedens widerstreben und von fortgesetzten Heeresvermehrungen das Wort reden unter dem Vorgeben, daß eine möglichst starke Armee die beste Friedenssicherung sei, sollte man nicht für möglich halten, wenn man nicht wüßte, daß diejenigen, die so begeistert für den Militarismus eintreten, dies aus höchst persönlichem Interesse thun. Es sind zum weitaus größten Theile sogen. „Edelste der Nation", die das Heer als ihre Domäne betrachten, als eine Versorgungsanstalt für ihre Söhne, mit denen sie nichts mehr anzufangen wüßten, wenn die Armee vermindert würde und damit auch Offiziersstellen in Wegfall kämen. Es find zwar nur verhältnißmäßig kleine Kreise, die von fo „edlem Patriotismus" erfüllt find; gleichwohl ist es aber doch beschämend für uns, daß es überhaupt Leute gibt, die sich nicht scheuen, ihre persönlichen Interessen über den allgemeinen Welt- ftieden zu setzen. Die vom Zaren angeregte Konferenz darf als gesichert gelten. Es stand überhaupt die Theilnahme von nur zwei Mächten in Frage: von Frankreich und von England. Beide haben nun ihre Bereitwilligkeit zur Beschickung der Konferenz geäußert.
Es werden nun die Aussichten der Konferenz eifrig erörtert: wird auf derselben etwas zu Stande kommen und was wird erreicht werden? Alles, was darauf geantwortet wird, sind natürlich nur Vermuthunger. Allzugroße Erwartungen allerdings wird man nicht hegen dürfen, und wer etwa glauben wollte, es würde alsbald schon eine allgemeine, wenn auch nur theil- weise Abrüstung beschlossen werden, könnte schwer getäuscht werden. Es wäre schon viel erreicht — und darüber wird man kaum hinauskommen — wenn alle Mächte im Prinzip anerkännten, daß in der seitherigen Weise auf die Dauer nicht weiter gerüstet werden dürfe, wenn nicht Länder und Völker gänzlich ruinirt werden sollen und daß daher ein gewisser Stillstand in den Rüstungen eintreten müsse. Durch eine solche Erklärung allein schon, die eine gewisse Beruhigung zur Folge hätte, würde die Konferenz sich ein Verdienst erwerben, denn neue Heeresforderungen, wie sie beispielsweise bei uns fast Jahr für Jahr erscheinen,
Staatsplatzl, so was gibts in der ganzen Welt nimmer und den ausgezeichneten Kaffee, wissens . ." Und nun erzählte er feinem Nachbar von den Schönheiten und Annehmlichkeiten Münchens; schließlich erbietet er sich, den Herrn Abends ins Hofbräuhaus zu begleiten, jetzt aber muß er heim, weil er beim Dampfl-Anmachen dabei sein möchl.
„Kellner, zahl'n!"
Der Kellner flog herbei.
„Dös ist der Kaffee und da a Fünfer! Trinkgeld, aber wanu's mir's nächstemal wieder so lang warten laßt's, ös Affen, ös frisirte, nachher werd i’ grob."
lieber das Unmaß von Bergnü' gungen und Festlichkeiten
hat der Rheidter Oberbürgermeister dieser Tage in einer öffentlichen Ansprache sehr beherzigens- werthe Worte gesprochen. In der That sind diese übermäßigen Festlichkeiten in wirthschaft- licher und sittlicher Beziehung für das Volk nachtheilig oder gar verderblich. In ihnen ist ein nicht geringer Theil des Elendes begründet, daS in manchen Familien des Kleinbürgerthums und besonders der Arbeiter herrscht, indem sie zur Verschwendung, zum übermäßigen Alkohol-Genuß und zur Arbeits-Versäurnniß Anlaß geben.
Die über Gebühr zahlreichen Volks- und Vereinsfeste, die noch neben der althergebrachten Kirmes gefeiert werden, sind ein wahrer Krebsschaden für das Volk. Denn neben den fast an jedem Sonntag gebotenen geräuschvollen und kostspieligen Vergnügungen in Karussells, Schaukeln, Schießbuden, Kunstreitereien u.s.w. gibt es eine Menge von anderen Festen, die entweder auf altem Herkommen beruhen, wie z. B. die Schützenfeste, oder Veranstaltungen neuerer Zeit sind, wie die Sänger-, Krieger- und sonstigen Vereinsfeste. Auch die Sport-Wettkämpfe nehmen mehr und mehr Raum im öffentlichen Vergnügungsleben des Volkes ein. Alles das hat eine förmliche Vergeudung der kleinen Vermögen zur Folge, indem ein zu großer Theil des Einkommens der Arbeiterkreise für solche Vergnügungen ausgegeben wird und der Sparsinn des Volkes nothleidet. Gegen eine angemessene Zahl und Art von Vergnügungen soll und kann natürlich kein Einwand erhoben werden.
Unter den Stimmen, die in der Oeffeittlichkeit jüngst gegen den Unfug der Kirmesfeiern und sonstiger Feste laut wurden, sind die Jahres- Berichte einiger Handelskammern zu nennen, von denen diejenige in Düsseldorf dem Gegenstände eine eingehendere Thätigkeit im Jahre 1897 gewidmet hat, indem sie förmliche Erhebungen über die wirthschaftliche Bedeutung der Kirmesfeiern für die Arbeiterschaft ihres Bezirks veranstaltete. Sie berichtet darüber wie folgt:
„Zum Bews.se der wohlberechtigten Wünsche der Industrie, eine Beschränkung dieser Festlichkeiten eintreten zu lassen, haben wir eine Umfrage bei 48 hiesigen Werken, die zusammen 12,900 Arbeiter beschäftigen, gehalten. Von diesen Arbeitern wurden zusammen bei der Hauptkirmes 229,690 und bei den Kirmessen in Vor- und Nebenorten 89,895 Arbeitsstunden versäumt. Demnach entfallen an versäumter Arbeitszeit auf den einzelnen Arbeiter bei der Hauptkirmes etwa 18 Stunden, und bei den Nebenkirmessen etwa 7 Stunden. Berechnen wir nun in Anbetracht des Umstandes, daß sich unter den Arbeitern auch Arbeiterinnen befinden, deren Lohn geringer ist, als der der männlichen Arbeiter, die Arbeitsstunde mit dem gewiß niedrigen Durchschnittslohn von 24 Psg. so hatjeder der in den Werken beschäftigten Arbe iter einen Lohnausfall von 4,27 Mark bei der HauptkirmeS und von 1,68 Mark bet den Nebenkirmessen. Abgesehen hiervon versäumten noch an den auf die Kirmestage folgenden Tage 1744 Arbeiter (also etwa 13'/, pCt. der gesammten Arbeiterzahl) zusammen 19,125 Stunden. Auf jeden dieser Arbeiter entfallen demnach noch weitere
mit Zlnterhattungs-Weitage „Muflrirte Sonntags-Zeitung!'