Fuldaer MIeitung
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M 204.
JuLöa, Donnerstag, den 8. September 1898
25. JahrgMg
verantwortlich: Lür Me R-datlion W llnferate X parzeller in Lulba.
mif UnterKakiungs-Meikage „Mustrirte Sonnlags-Ieitimg"
selben haben den türkischen Gouverneur benach» nchtigt, daß sofort eine abgemeine Beschießung der Stadt beginnen würde, falls noch ein einziger Schuß in der Stadt fallen sollte.
L Zur Bergwerks-Aufsicht.
Am 20. August d. I. stürzte, wie bekannt, ein Schacht der Zeche V iktoria Mathias im Dortmunder Bezirke ein und begrub fünf Bergleute und einen Steiger unter seinen Trümmern. Das Oberberg amt in Dortmund erklärte, daß kein Grund zu Bedenken vorgelegen habe bis zum 19. August. An diesem Tage seien zwei Förderwagen abgestürzt, und dieser Absturz habe den Schacht so stark demolirt, daß der Zusammenbruch bei den Reparaturarbeiten erfolgte, die am Tage darauf vorgenommen wurden.
Im Gegensätze zu dieser Erklärung veröffentlichte alsdann die .Deutsche Berg- und Hütten- arbeiter-Ztg/ ein Schreiben, daß ein Steiger Namens Kuhlemann schon im Mai dieses Jahres an den Berginspektor gerichtet haben soll. In diesem Schreiben wird nach dem genannten Blatte ausgeführt, daß der genannte Steiger !den Schacht bereits im September 1897 „in einer solchen Verfaffung gefunden habe, die feder Beschreibung spottet". Namentlich sollen Hölzer darin gewesen sei, die „man mit der Hand zerdrücken konnte". Das genannte Blatt selbst fügte hinzu, auf der Zeche seien ' Schachthölzer versiegelt worden, die bei der Verhandlung vor Gericht als Beweis dafür dienen ffollten, daß die Grubenhölzer gut gewesen seien; aber gerade diese versiegelten Hölzer seien niemals im Schachte gewesen....
Der genannte Steiger Kuhlemann war auf Veranlassung des Revier-Beamten als verantwortlicher Schachtsteiger eingesetzt worden. 'Er hat die Zeche verklagt, und somit wird dieser Fall eingehende Behandlung vor Gericht erfahren. Vorher hat er mehrfach Beschwerden bei seinen Vorgesetzten erhoben. Man hat aber auf diese Beschwerden nicht geachtet, weil man sagte, der Steiger Kuhlemann sei betrunken. Und am Ende hat man ihn entlassen. Nach der Angabe des Steigers Kuhlcmann ist er deswegen von der Zechenverwaltung entlasten worden, weil er „streng nach den bergpolizeilichen Vorschriften handeln wollte". Und die,Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung' wiederum behauptet, der König!. Berg-Inspektor habe die Beschwerden bethei- ligter Arbeiter als „von unberufenster Seite geschehen jetzt und für alle Zukunft zurückgewiesen".
Das ist der Thatbestand, so wie er von den verschiedenen Parteien dargestellt wird. Man muß unter allen Umständen zugeben, daß die Sache vorläufig sehr unklar ist. Die Angaben und Behauptungen des Steigers Kuhlemann, ebenso wie der ,Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung' lauten so klar und bestimmt, daß sie auf keinen Fall mit der Gegenbehauptung abgethan werden durften, der Steiger Kuhlemann sei ein Trinker; um so weniger, als derselbe als verantwortlicher Schachtsteiger eingesetzt war. Das ist das allgemeine Urtheil. Bei der Konservativen Korrespondenz', dem berufenen Partei-Organ der Konservativen, hat man auf keinen Fall eine Voreingenommenheit zu Gunsten der Bergarbeiter und gegen die Bergwerks-Behörde vorauszusetzen; und auch die .Konserv. Korresp.' gibt ihr Urtheil da- hin ab, es müsse „befremdend wirken, daß ein
Auf der Ueichsrvacht.
Erzählung von A. Jüngst.
29 ------- (Nachdruck verboten.)
„Um Gottes willen, Vetter, Du kannst ja nicht. Du bist seit zwei Jahren nimmer hinunter gekommen auf die Straße", entgegnete Muhme Gertrud, von einem neuen Schrecken erfaßt.
„Wie willst Du denn jetzt mit Deinen gichtigen Gliedern die hohe Stiege abwärts steigen?"
„Ich will und ich kann", stieß Mevus zwischen den zusammengebiffenen Zähnen hervor. „Meinst «twa, daß ich mein einziges Kind von jedem hergelaufenen Buben verschimpfiren laffen werde?"
Mochte Muhme Gertrud jammern, wie sie wollte, und selbst Thomas die besten Worte geben, der Greis beharrte auf seinem Willen. In weniger als einer Viertelstunde stand er straff aufgerichtet in dem lavendelduftigen Festgewand an der Mündung der Wendeltreppe und schickte sich trotz seinerschlotternden Kniee zu dem sauren Gange an.
„Siehst Du, Base," sagte er sich noch einmal umwendend, „man muß etwas nur ernstlich wollen, so kann man's auch. Ich habe nicht die geringsten Schmerzen mehr. Blos in meinem Kopfe" — er griff wieder, wie schon vorhin mach fernen Schläfen — „da klopft und hämmerl's, als ginge das große Rad der Jllmühle darin herum. Das dank ich dem Buben, dem Martin Na, ich werds ihm schon gehörig eintränken, wenn ich heimkomme. Geh' voran, Thomas!"
Der Knecht schritt die Stiege hinab, der Thürmer folgte, und hinterdrein schlich Muhme Gertrud, in ihrer Verzweiflung zu Gott und
Königl. Berg-Inspektor eine motivirte Beschwerde von Seiten beteiligter Arbeiter als von „unberufener Seite" geschehen, jetzt und für alle Zukunft zurückgewiesen hat". Nach der sehr richtigen Ansicht der ,Kons. Korresp.' wäre es besser gewesen, „die Zurückweisung unter gleichzeitiger Richtigstellung des Sachverhaltes erfolgen zu laffen". Denn sonst kann man sehr leicht auf den Gedanken kommen, daß es nicht möglich war, die Anklagen und Beschwerden der bethei- ligten Arbeiter richtig zu stellen.
Bekanntlich ist die Verschärfung der Bergwerks-Aufsicht schon lange der Gegenstand vieler und lebhafter Wünsche, die auch in Debatten des preußischen Abgeordnetenhauses ihren Ausdruck gefunden haben. Und tatsächlich ist auch, wie halbamtlich von neuem versichert wird, die Verstärkung der Grubenkontrolle durch Einfügung eines lokalen untern Aufsichtsrathes „von der Regierung ins Auge gefaßt. Ueber die zweckmäßigste Lösung dieser Frage find Erhebungen und Erwägungen im Gange, die . . . noch nicht zum Abschlüsse gelangt sind. Es läßt sich . . . noch nicht übersehen, ob als bergpoli- zeiliche Unterbeamten von den Bergleuten zu wählende Delegirte berufen werden sollen". Diese halbamtlichen Mittheilungen, in gutes Deutsch übersetzt, scheinen die Thatsache zu entschleiern, daß die Regierung überhaupt noch nichts Rechtes in der Sache gethan hat. Denn wenn man zunächst etwas nur „ins Auge faßt", so hat man daran doch noch lange nichts gethan; und wenn man jetzt noch in den Erhebungen und Erwägungen steckt, so ist zu ver- muthen, daß es nach der Absicht der Behörden noch möglichst lange dauern soll, bis diese Sache „sich übersehen läßt".
Das ist sehr zu bedauern. Namentlich ist zu bedauern, daß man noch nicht einmal darüber klar ist, ob man den Wünschen der Arbeiterschaft gerecht werden und Arbeiteivertreter bei der unteren Grubenaufsicht zulaffen will. Diese von der Arbeiterschaft gehegten Wünsche werden auch von sehr vielen anderen geteilt, schon im Interesse der Förderung und Erhaltung eines guten, auf gegenseitigem Vertrauen begründeten Verhältnisses. Gerade dieser neueste Fall zeigt wiederum, daß )ie Zulassung solcher Arbeitervertreter unter Umständen sehr gute Wirkungen haben kann. Denn wahrscheinlich wäre dieser ganze unerquickliche Streit unterblieben, wenn eine solche Vertreter- chaft schon jetzt vorhanden gewesen wäre. Gerade die grundsätzliche und dauernde Ablehnung von Arbeitervertretern würde der fortschreitenden Interwühlung durch die Sozialdemokratie förderlich sein. Denn sie würde als ein Zeichen des andauernden Mißtrauens aufgefaßt werden und als solches fortgesetzt verletzend wirken. Kaum etwas anderes leistet der Unzufriedenheit und damit der Unterwühlung mehr Vorschub, als ein solches Gefühl des Verletztseins Es ist sehr zu wünschen, daß die Erhebungen und Erwägungen beendet werden und die Regierung in der Einsetzung einer besseren Grubenaufsicht unter Zuziehung von Arbeitervertretern zur That schreite.
allen Heiligen um Hilfe rufend. Noch hatte der seltsame Zug nicht die Mitte der Treppe erreicht, als von unten heraufkommende Schritte und Stimmen laut wurden. Dieselben näherten sich rasch, da der kranke Mann trotz aller Kraft seines Willens nur mühsam Stufe um Stufe nahm.
„Laß die Fremden erst vorüber!" saate er und stützte sich auf Thomas. „Um Gott, die Bärbel!" kreischte er, als an der Wendung das Gesicht der Base aus Limersheim auftauchte. „Bärbel, was ist mit der Rosel? Ich wollte gerade hinunter zu den Hochkirchners."
„Ach, so wißt Jhr's schon, Ohm? Nein, das Unglück! das schreckliche Unglück!" keuchte die junge Frau stehen bleibend und sich verschnaufend. „Aber mich trifft keine Schuld, Ohm, gewiß und wahrhaftig nicht. Ich würd's ja nimmer geduldet haben, daß die Rosel und der Vicomte sich bei mir ihre Stelldichein gegeben, wenn sie mir nicht heilig und theuer versichert hätte, daß der Franzose es ehrlich mit ihr meine und sie zu einer vornehmen Frau machen wolle. O, die Rosel wußte so schön zu bitten, und der Vicomte erst! Man hätte ein Herz von Stein haben müssen, wenn man dem Drängen hätte widerstehen wollen. Und mit dem Hans Hochkirchner sei es schon lange aus, sagte Rosel; aus dem habe sie sich überhaupt nie etwas gemacht und er selbst sei auch ganz getröstet über den Bruch des unbedachten Verhältniffes. Und nun meinen Schrecken gestern Abend, als der Johannes Hoch- kirchner unversehens, wie das Wetter in meine Küche tritt und nach der Rosel fragt! Ich wollte ihn beschwichligen und den Gaißbuben voraus-1
£ Neue Unruhen auf der Insel Kreta.
Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß die vier Mächte, die sich um die Herstellung der Ordnung auf der Insel Kreta angenommen haben, Vorschriften vereinbart hatten über die v o r l ä u f i g e Verwaltung der Insel. Aus Eingebornen der Insel sollte eine vorläufige Regierung eingesetzt, und ebenso sollte eine Art von Parlament zusammengebracht werden; aber die Vertreter der vier Mächte behielten sich die Oberaufsicht vor. Die Kosten dieser Jnselverwaltung soll nach dem Beschlüsse der Mächte aus den Zehnten bestritten werden, die die Insel aufbringt. Die Türkei hat einen Protest nach dem anderen gegen alle diese Maßregeln erhoben; natürlich aber ohne Erfolg. Die Anordnungen der Vertreter der Mächte behielten ihre Geltung; und nach wie vor wurden die Kosten der Verwaltung aus den Zehnten der Insel bestritten.
Da plötzlich hat sich in der Stadt Kandia ein Aufstand der Muhamedaner gegen die fremden Besatzungen erhoben. Die Muhamedaner begannen auf die englischen Truppen zu schießen. Es entwickelten sich blutige Straßenkämpfe, in beten Verlauf die Straßen mit Trümmern und mit Leichen bedeckt wurden. Die Muhamedaner steckten das Hafenviertel der Stadt in Brand, und auch das Gebäude des deutschen Konsulates wurde von der Feuersbrunst ergriffen. Daraufhin machten sich sofort von Kanea aus zwei englische Kriegsschiffe und ein französisches Fahrzeug auf den Weg nach Kandia, und Dienstag Abend um 6 Uhr begannen diese Kriegsschiffe ein Bombardement der Stadt. Fast hätte es so aussehen können, als seien die Muhamedaner der Insel Kreta von Konstantinopel aus von neuem gegen die fremden Mächte aufgewiegelt worden. Und wahrscheinlich mag man ein ähnliches Gefühl auch in der kretischen Hauptstadt Kanea gehabt haben. Vermuthlich zu dem Zwecke, das Gegentheil zu beweisen, daß nämlich die türkischen Behörden in keiner Verbindung mit den Aufrührern standen, habe der türkische Militärgouverneur und Civilgouverneur in Kanea das Anerbieten gemacht, türkische Truppen zu stellen zur Unterstützung der Engländer gegen die Aufrührer.
Nach den letzten Drahtmeldungen brach der Aufruhr los beim Zehnten-Bureau in Kandia. Ein Haufen von Muhamedanern wollte sich den ergangenen Anordnungen nicht fügen. Die englischen Soldaten griffen, um Ordnung zu schaffen, zu den Waffen; und daraufhin brach der Ausland los. Die Sage scheint sehr ernst zu fein. Der furchtbare Brand hat Hunderte von Häusern eingeäschert, das ganze Hafenviertel, sowie viele christliche Häuser außerhalb desselben wurden ein Raub der Flammen. Mehr als 150 Muselmänner sind getödtet worden. Denn die englischen Soldaten haben schließlich blindlings mitten in eine wehrlose Menge hinein gefeuert. Von den englischen Truppen und Matrosen sind ebenfalls mehr als 60 Mann gefallen. Auch der englische Konsul Calokerino ist getödtet worden, ebenw je ein Beamter vom österreichischen und englischen Konsulat.
Nach und nach sind neun Kriegsschiffe vor Kandia eingetroffen. Die Kommandanten bes
chicken, die Ahnungslosen zu warnen, aber er fand sich schon aus und schlug den Weg nach dem Rebhügel ein. Kaum ist er zur Thür hinaus, kommt noch einer, sein Diener, wie er sagt, fährt mich an mit groben Worten und läuft ihm nach, ich hinderdrein, mein Mann und der Bub' ebenfalls; aber wie wir den Weingarten erreichen, ist das Unglück geschehen. Der Hans bricht vor unfern sichtlichen Augen zu Tode getroffen zusammen.
Die Base hatte, ohne ein einziges Mal abzusetzen, ihre schlimme Mär berichtet, und ferne? hatte die Kraft gefunden, sie nur mit einem Worte zu unterbrechen. Als sie jetzt inne hielt, um Äthern zu schöpfen, wandten aller Blicke sich mit scheuer 2lngft- auf den Thürmer. Der stand kerzengrade, das Haupt in den Nacken gebogen, das vorhin krebsrothe Gesicht leichenblaß, die Augen starr vor sich hin gerichtet, die Hände krampfhaft um den Treppenriegel geballt.
„Und Rosel?" fragte er endlich tonlos.
„Ach Gott ja, die Rosel! Bei mir kann sie nimmer bleiben. Die Leute im Dorfe hätten sich beinahe an ihr vergriffen gestern Abend. Und zurück hier nach Straßburg darf sie wohl auch nicht. Der Johannes Hochkirchner soll ja wirklich ein großer Herr gewesen fein, vornehmer noch als der Franzose. Wenn nur der Vicomte sie gleich Heimchen wollte und mitnehmen thäte nach Paris, das wäre das beste. Aber der feine Herr hat sich wohlweislich in Sicherheit gebracht, sprengte davon, ehe die That noch überall ruchbar geworden, und ließ das arme Mägdelein in halber Verzweiflung zurück."
„Meine Rosel also wirklich pflicht- und ehr-
Deutsches Reich»
Berlin, 7. September.
* Am letzten Dienstage hat im Kurhause zu Oeynhausen eine Prunktafel für die Provinz Westfalen stattgefunden, in deren Verlauf der Kaiser einen Trinkspruch auf die Provinz Westfalen ausbrachte. Es kommt darin die nachfolgende Stelle vor: „Der Schutz der deutschen Arbeit, der Schutz desjenigen, der arbeiten will, ist von mir im vorigen Jahre in der Stadt Bielefeld feierlich versprochen worden. Das Gesetz naht sich seiner Vollendung und wird den Volksvertretern in diesem Jahre zu geh en, worin jeder, er möge fein, wer er will, und heißen wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre seine Arbeit zu vollführen, daran zu verhindern sucht ober gar zu einem Streik anreizt, mitZuchthaus bestraft werden soll. Die Strafe habe ich damals versprochen, und ich hoffe, daß das Volk in seinen Vertretern zu mir stehen wird, um unsere nationale Arbeit, so weit es möglich ist, zu schützen. . " Der Wortlaut aus der kaiserlichen Rede ist nach der Fassung hier angeführt, wie sie von dem offiziösen Telegraphenbureau verbreitet worden ist. Man kann nicht wissen, ob der Wortlaut genau berichtet ist. Aber etwas kann man ziemlich sicher voraussehen, daß nämlich im Reichstage keine Mehrheit ein Gesetz finden wird, das die Anreizung zum Streik mitZuchthaus bestrafen soll.
* Der Reichskanzler Mrst z« KohenkoHe wird etwa vierzehn Tage in Auffee bleiben und alsdann zu kurzem Aufenthalte nach Baden- Baden gehen. Ende September wird er nach Berlin zurückkehren.
* Der ,Voff. Ztg.' zufolge soll für die Ki«. Üerusnng des Ileichslages in den maßgebenden Regierungskreisen bis jetzt noch kein Termin ernstlich in Aussicht genommen worden fein. Es schwanken die Meinungen darüber, ob der Zusammentritt des Reichstags Ende November oder Anfang Dezember erfolgen soll. Die feste Bestimmung wird sich hauptsächlich danach richten, wann die Landtagswahlen beendet fein werden, und wie die Gesetzentwürfe, zuvörderst der Etat, fertig werden. Der Bundesrath wird höchst wahrscheinlich vor Anfang Oktober feine Thätigkeit nicht wieder aufnehmen.
* Schon mehrfach ist der Gedanke aufgetaucht, die Generakversammtnug der Katholiken Denlschkands einmal in Berlin abzuhalten. Das Central-Komitee zur Förderung katholischer Angelegenheiten in Berlin, in welchem hauptsächlich die katholischen Vereine der Reichs- Hauptstadt vertreten sind, hat nun einstimmig den Wunsch ausgesprochen, „daß der große Katholikentag bald, womöglich im Jahre 1900, in Berlin stattfinden möchte. Der Vorsitzende wurde beauftragt, diesen Wunsch der in Vereinen organifitten Katholiken Berlins dem Herrn Propst Neuber zu unterbreiten." Hiermit wäre der erste offizielle
vergessen! Meine Rosel!" — Eine dunkle Blut- welle übergoß das bleiche Antlitz, ein heftiges Zittern erschütterte die hohe Gestalt. „O Gott, sei mir Sünder gnädig!" rang es sich qualvoll aus der in schweren Athemzügen sich hebenden Brust.
Der Greis wankte, taumelte, die Hände lösten sich, und mit einem letzten Röcheln sank Andreas Mevus in die Arme der Muhme. Ein Schlagfluß hatte feinem Leben ein Ende gemacht.
XVI.
Anno 1701. 2. Juni. ist. der. Bläser, mit. einem.Schlagfluss, hir. Ilgen, bliwen. mit. Namen. Andreas. Mevus. Hat. den. Dienst, versehen. 41. Jahr.
So stand und steht es noch heute im Aufgange des Thurmes zu lesen. Und zu Füßen des Münsters reckt ebenfalls noch immer das alte Zünftlerhaus feinen stattlichen Giebel empor, nistet auf dem Dachfirste Jahr um Jahr ein klapperndes Starchenpaar. Aber der Name Hochkirchner ist erloschen lange schon. Die alles gleichmachende Zeit ist darüber hinweg gegangen mit Wolken- schatten und Sonnenglanz und hat sein Gedächt- niß verwischt. Und wenn auch die Störche Generation auf Generation die alte Geschichte dem jungen Nachwuchs erzählen, die Menschen verstehen ihre Sprache nicht mehr. Es gab jedoch eine Zeit, daß jedes Kind in Straßburg den Namen kannte, jeder Arme, jeder Kummervolle ihn nicht anders aussprach, als mit einem Segensworte auf den Lippen.
Ein ganzes Menschenalter hindurch bis in ihr achtzigstes Jahr hinein hat Gefina Hochkirchner im Schatten ihres geliebten Münsters gehaust.