Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Krjugspreis vhne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

KuidaerMZeitung

Inserate: Die ei«- spalt. Garmond- zeüe oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit Zlnterhalümgs-Meilage „Illüsirirte Sonntags-Zeitung" “StTSr1

M 203.

JuLöcr, Mittwoch, den 7. September 1898

25. Jahrgang.

^Nochmals die Schulzustände im Großherzogthum Sachsen-Weimar.

Aus dem Großherzoglich Sächsischen Staatsministerium erhalten wir folgende Zuschrift:

Die Redaktion der,Fuldaer Zeitung" wird auf Grund des § 11 des Reichs-Preßgesetzes um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht:

Obgleich die in Nr. 197 der Zeitung aufge­stellte Behauptung, daß die evangelische Pfarrschule in Geisa auf Staatskosten unterhalten werde, durch die in Nr. 200 aufgenommene Entgegnung des Herrn Pfarrers Müller in Geisa widerlegt ist, wird in Nr. 201 ein Auszug aus der, Germania" abgedruckt, in welchem wiederum behauptet ist, die Weimarische Regierung habe an der Volksschule in Geisa eine „protestantische Abtheilung" errichtet, es würden mithin im Großherzogthum Sachsen die Prote­stanten und Katholiken mit zweierlei Maß gemessen und es herrsche in dieser Beziehung „eine schreiende Ungerechtigkeit".

Es ist deshalb zu wiederholen, daß die evan­gelische Pfarrschule in Geisa genau ebenso ein Privatunternehmen ist, wie die katho­lischen Konfessionsschulen in den vier größeren Städten des Großherzogthums, daß, wie die katholischen Privatschulen in der Hauptsache mit Hilfe des Bonifatius-Ver­eins unterhalten werden, jene evangelische Pfarrschule ausschließlich durch Mittel des Gustav-Adolf-Vereins begründet wor­den ist und erhalten wird und daß der Lehrer der Pfarrschule nicht staatlich angestellt ist.

Tie Behauptung, daß die Weimarische Re­gierung in Geisa eine „protestantische Abtheilung" errichtet habe, ist demnach unrichtig.

Weimar, den 6. September 1898, Großherzoglich Sächsisches Staarsministerium.

Departement des Kultus.

v. Pawel.

Mit dieser Berichtigung, die übrigens nur offene Thüren einrennt, geht das Großherzogl. Sachs. Ministerium an der Hauptfrage vor­bei. Was an der evangelischen Schule in Geisa geschehen oder nicht geschehen ist, kommt für die Sache, um die es sich handelt, gar nicht in Be­tracht. Es handelt sich eben um die unhalt- bareLage der katholischen Privatsch ul en im Großherzogthum, auf welche die Bischöfl. Behörde im ,Kirchl. Amtsblatt der Diözese Fulda" hingewiesen hat.

Im Interesse der guten Sache bringen wir nachstehend den vollen Wortlaut dieser amtlichen Kundgebung der Bischöfl. Behörde zum Abdruck. Dieselbe lautet:

„Während die Königlich Preußischen Re­gierungen im Bereich unserer Diözese zu Kassel und Wiesbaden in anerkennen swerther Weise be­müht sind, für die Beschulung der katho- lischenKinder paritätische Zustände zu schaffen, kann man leider dies von den Schulver­hältnissen imGroßherzogthum Sachsen- Weimar nicht rühmen. Die katholischen Schulen in Weimar, Eisenach, Jena und Apolda werden dahin nicht blos nur als Privatschulen angesehen, sondern erhalten weder von der Groß-

Arrf der Ueichswachl.

Erzählung von A. Jüngst.

28 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ja, ja," nickte der Alte, „ist schon was Wahres dran an dem Sprüchlein. Weißt, Base,"" fuhr er vergnüglich fort, als der Knecht wieder um die Ecke gehinkt war, „etwas Schöneres kann ich mir schon gar nicht denken, als mein einzig Kind in einem so stattlichen Anwesen wie das Hochkirchner'sche als wackere Hausfrau schalten «*nb walten zu sehen. Anfangs freilich, als der yübsche Steinmetz der Rosel nachging, wollte es mir nicht in den Sinn, daß die Nachkommen der Mevus nicht länger heroben auf dem Thurme Wacht halten sollten über Münster und Stadt, da wäre ein schlichter Handwerker-Sohn mir ge­nehmer gewesen als Tochtermann. Könnt' ja auch nicht denken, daß es dem Ziehsohn der Frau Edel­traut Ernst sei mit seiner Werbung, ich hält' in meinen kühnsten Träumen so hoch mich nimmer verstiegen und bin des Steigens doch gewohnt von Kindheit an. Was meinst Du, Base, ob Johannes das Mädel diesen Sommer noch heim­führen wird?""

„Vielleicht", nickte Muhme Gertrud, und vor chren Augen stieg ein Berg köstlicher Leinwand auf, die sie in wohlverwahrten Truhen bei Bärbels Mutter in Schlettstadt stehen hatte. Wie langer Zeit würde es bedürfen, um diese Schätze zu zerschneiden und zu verarbeiten? Mochte auch sämmtliches Linnen ihrer Mutter und Groß­mutter selig daraufgehen, Rofel sollte nicht als armes Mädchen ohne gebührende Ausstattung in

herzoglichen Regierung noch von den Gemeinden resp. Gemeindebehörden einen Pfennig Unter­stützung; alle Kosten der Erhaltung müssen viel­mehr von dem Bonifatius-Vereine aufgebracht werden. Es waren daher im Jahre 1895 bei der Großherzoglich - Sächsischen Jmmediatkom- mission für das katholische Kirchen- und Schul­wesen Schritte gethan, daß wenigstens die Ge­meindebehörden eine Unterstützung der katholischen Schulen leisten möchten, wenn auch nur als Ver­gütung des Religionsunterrichtes. Diesem An­suchen wurde Anfangs von der genannten Be­hörde wohlwollend in dem Sinne entsprochen, daß sie die Großherzogl. Schulämter anwies, im günstigen Sinne auf die betreffenden Gemeinden einzuwirken. Aber alle in Frage kommenden städtischen Behörden von Weimar, Eisenach, Jena und Apolda lehnten die so billigen An­träge der Seelsorger ab. Darauf richtete die Großherzoglich-Sächsische Jmmediatkommission an die Bischöfliche Behörde unter dem 29. No­vember 1897 die Anfrage, ob sie damit einver­standen sei, da man die Gemeindebehörden nicht zwingen könnte, Beiträge für die katholischen Schulen zu zahlen, an den Gemeindeschulen sog. konfessionelle Abteilungen zu errichten und diese in den Gemeindeschul-Organismus ein zugliedern; dafür feien Aenderungen des Schul­gesetzes durch den Landtag nicht erforderlich, sondern es genüge eine kleine vom Staats­ministerium zu genehmigende Aenderung von Art. 25 der Ausführungsverordnung zum Volks­schulgesetz, welche sie bei dem Großh. Staats­ministerium beantragen werde. Die Bischöfliche Behörde entschloß sich, diesem Plane beizustimmen, ungeachtet ernster Bedenken. Das geschah unter dem 10. Januar d. I. Da nun keinerlei Antwort oder thatsächliche Ausführung des von Großherzogl. Jmmediarkommiision ge­machten Vorschlags erfolgte, glaubte die kirchliche Behörde das Schreiben vom 10. Januar unter dem 2. Juli d. I. in Erinnerung bringen zu müssen und dies umsomehr, als die Lage der katholischen Privatschulen im Großherzogthum täglich unhaltbarer wird, da in Folge des neuen Preußischen Volksschulgesetzes Lehrer kaum mehr für diese Schulen werden zu haben sein, zumal für eine längere Amtsdauer. Zugleich war die Bitte ausgesprochen um eine staatliche Bei­hilfe für die katholischen Schulen, da wir an­nehmen konnten, daß dafür, wie allenthalben, Mittel zweifellos dem Staatsministerium zur Verfügung stehen würden.

Auf diese Vorstellung hat nun das Kultus- Departement des Großherzoglich Sächsischen Staatsministeriums folgende Entscheidung gegeben, die wir hier zum Abdruck bringen:

Großherzoglich sächs. Jmmediat-Kommission m für das katholische Kirchen- und Schulwesen. Nr. 231. In Erwiderung auf Nr. 166?.

Weimar, den 17. August 1898.

M Ew. Hochwürden und Hochwohlgeboren Schreiben vom 2. Juli ds. Js. haben wir dem Kultus-Departement des Großherzoglichen Staats­ministeriums nochmals Vortrag erstattet. Von diesem sind wir jedoch beauftragt worden, Ew. Hochwürden und Hochwohlgeboren mitzutheilen, daß es Bedenken trage, die Schwierigkeiten, das stolze Haus der altangeseffenen Bürger treten.

„Ich muß doch gleich in den nächsten Tagen einmal hinaus und nachsehen", murmelte die Greisin vor sich hin und wollte eben in die Küche zurückkehren, als ihr Blick auf den jüngsten Hilfs­glöckner fiel, der mit bleichem, verstörtem Gesicht in der nach der Plattform führenden Thür stand.

„Nun Martin, was gibt's?" rief sie dem Burschen zu. „Bist Du wieder die Stiege so schnell hinaufgelaufen, daß Dir der Odem ver­gangen ?"

„Gut Ding will Weile haben," meinte der Thürmer, „wirst das Langsamgehen auch schon noch lernen. Was bringst?""

„O etwas Schreckliches"", keuchte der Andere, „etwas ganz Furchtbares."

„Na, wird wieder was Rechtes sein," höhnte Thomas, der inzwischen den Thurm umkreist und alles in Ordnung gefunden hatte. „Brennen thut's wenigstens nicht auf zehn Stunden im Umkreise.«

„So laß doch den Martin reden," sagte Mevus verdrießlich. „Wir brauchen Deine Witze nicht."

„Er ist tobt, ganz tobt. Heute Morgen haben sie bie Leiche gebracht,'.' stieß bet noch immer nach Athem Ringenbe hervor.

„Wer ist tobt? Wen haben sie gebracht?" „Den Hans! Hans Hochkirchner!" „Hans?!"

Das gleiche Wort, ber gleiche Schrei aus brei Kehlen. Die Pfeife entfiel bem Munde des Thür- mers und lag zerbrochen auf den Steinen. Muhme Gertrud sanken die Arme kraftlos herab,

die dem Bischöflichen Stuhle zu Fulda infolge der Erhaltung besonderer Konfessionsschulen in den Städten des Großherzogthums erwachsen, zum Ausgangspunkt für eine einschneidende Aenderung des diesseitigen Schulgesetzes und der dazu erlassenen Ausführungsvorschriften zu machen, zumal die Zahl der in Betracht kommenden Schulkinder eine verhältnißmäßig geringe sei. Auch stände« Mittet, cns de«e« de« katho­lische« Z^rivatschttle« eiueAeihilfe gemährt werde« kö««1e, diesseits nicht zur Ver­fügung. Aoitert.

An

das Kapitular-Vicariat zu Fulda."

j? Abenteuerliche Gerüchte

sind gegenwärtig wieder einmal in Umlauf über die auswärtige Politik des deutschen Reiches und auch persönlich des deutschen Kaisers. Schutz- und Trutzbündniß mit Eng­land, Ueberlieferung von ganz Südafrika an die Engländer, deutsche Besiedelung von Klein­asien .... nun fehlt nur noch ein Kriegszug Deutschlands zur Eroberung des Feuerlandes, um dort Abkühlungs-Stationen zu errichten für die Leute, aus deren hitziger Phantasie alle diese wundersamen Mären entspringen. Daß gegen­wärtig für irgendwelche auswärtige Aufregung auch nicht der allergeringste Grund vorhanden ist, geht schon daraus hervor, daß Reichskanzler Fürst Hohenlohe von München aus nach Altaussee und Staatssekretär v. Bülow in aller Gemüths- ruhe wieder nach seinem Ferienaufenthalt am Semmering abgedampft ist. Und daraus können fchon lange keine besonderen Schlüsse gezogen werden, daß Kaiser Wilhelm bei der Parade am letzten Sonntag in Hannover die Königin von England hoch leben ließ und der britischen diplomatischen Agentur in Kairo Glückwünsche sandte zu dem glänzenden Siege des Generals Küchener über die Derwische bei Omdurman. Genau dasselbe hat Kaiser Wilhelm auch im Frühjahr dieses Jahres gethan, als General Kitchner am Karfteitag seinen ersten großen Sieg über die Mahdisten am Atbara-Flusse erfocht. Auch damals sandte Kaiser Wilhelm Glückwunsch- Telegramme nach London und an die britische diplomatische Vertretung in Kairo; aber Niemand verfiel damals deswegen auf den unsinnigen Ge­danken eines deutsch-englifchen Schutz- und Trutz- bündniffes im Allgemeinen.

Ohne Zweifel freilich sind während der letzten Tage bestimmte Abmachungen zwischen Deutschland und England zum Abschlüsse gelangt, und ebenso richtig wird es sein, wenn in der Presse als Thatsache verzeichnet wird, daß das Verhältnis zwischen Deutschland und England gegenwärtig ein so gutes ist, wie seit langer Zeit nicht. Jeder ehrliche Deutsche wird darüber ohne Zweifel eine sehr angenehme Genugthuung empfinden. Denn ob es nun England oder ein anderer Staat ist — es ist immer recht angenehm, mit anderen Leuten gut Freund zu sein. Aber aller Voraussicht nach haben die getroffenen Vereinbarungen gar nicht eine so außerordentliche Bedeutung, wie sie manche ihnen beilegen möchten; und dann stand es vor­

und selbst Thomas beschlich ein heimliches Grauen.

„Bube, Du lügst! Du irrst Dich!" stotterte Vater Mevus endlich, mit kläglichem Blick von einem zum anderen schauend. „Sage, daß Du gelogen hast, und ich will Dir den Schrecken, der mir durch alle Glieder gefahren, vergeben. Mein Gott, was soll meine Rosel beginnen, wenn--"

„Das ist es ja gerade", platzte Martin her­aus, und die Worte sprudelten dem Gereizten ohne Aufenthalt, „bie Rosel ist an Allen schuld. Hätte nicht bie Rosel schön gethan mit bem Vicomte be Lapenbiore unb heimliche Stellbichein mit ihm gehabt bei ber Bärbel in Limersheim, bas Unglück wäre nicht geschehen. So aber hat ber arme Hans Hochkirchner sie mit bem Fran­zosen betroffen, unb wie er ihn zur Rebe gestellt, hat der Elenbe ihm feinen Degen in bie Brust gestoßen."

„Unb das soll ich glauben?" schrie der Thürmer aufspringend und die geballte Faust gegen den Burschen erhebend. „Ha, wenn ich auch ein alter gebrochener Mann bin, so viel Kraft habe ich noch, Dir das ungewaschene Maul zu stopfen."

„So fragt doch nur die Muhme oder den Thomas", betheuerte der Bursche, dem Schlage ausweichend. „Thomas wird wohl Bescheid wissen, hat ja oft genug Botschaften hin und )er getragen, als der Vicomte noch hier auf der Citadelle lag."

Der Greis war ächzend in seinen Stuhl zurückgesunken.

„Unmöglich, ganz unmöglich. Base Gertrud,

her mit der Freundschaft zwischen Deutfchlan und England so wenig gut, daß eine Aufbesserung des Verhältnisses im beiderseitigen Interesse nicht nur erwünscht, sondern beinahe nothwendig war- Und damit auch das letzte Anzeichen nicht fehle dafür, daß die jüngsten diplomatischen Unter­handlungen zwischen dem deutschen Vertreter in London und dem dortigen auswärtigen Amte ohne allgemeine politische Bedeutung, ohne Be­deutung für die Stellung der Mächte zu einander sind, wird aus Petersburg halbamtlich kundgethan, daß diese Unterhandlungen in Petersburg voll­kommen kalt lassen.

Um was es sich nun eigentlich handelt, weiß man noch nicht. Aber recht wahrscheinlich klingt die Meldung eines aus London sonst recht gut bedienten Berliner Blattes, daß die Salaga- Frage zum Abschlüsse gebracht worden sei. Mancher Leser wird dieses Wort vielleicht hier zum ersten Mal in seinem Leben vernehmen; und allein schon aus diesem Umstande ist zu ent­nehmen, daß es sich nicht um politische Verträge von welterschütternder Bedeutung handelt. Bei dieser Salaga-Frage handelt es sich um die Theilung eines bisher neutralen Landstriches im Niger-Gebiete in Westafrika, über die bereits seit zwei Jahren verhandelt wird; und schon vor einigen Monaten wurde angekündigt, daß eine endgiltige Einigung darüber zwischen Deutschland und England beoorstehe. Das war damals, als in Paris das englisch-französische Niger-Abkommen unterzeichnet wurde. Damals wurde gleich darauf hingewiesen, daß nunmehr auch zwischen Deutsch­land und England ein festes Niger-Abkommen bevorstehe.

Außerdem mögen noch einige andere diploma­tische Fragen geregelt worden sein. Aber auf keinen Fall wird es sich dabei um fo etwas wie um eine Auslieferung von ganz Süd­afrika an die Engländer gehandelt haben. Eine solche aber würde es sein, wenn die Dela- goa-Bai unb der Hafen vonLourenso Mar­ques den Engländern überlassen werden sollte, wie englische Zeitungen zu behaupten suchten; da­mit würde Transvaal vollkommen unter die eng­lische Botmäßigkeit gerathen. Daß aber Deutsch­land derlei durchaus nicht haben will, das hat es vor einigen Jahren sehr klar und bündig dar­gelegt. Es ist dies geschehen im Beginne des Jahres 1895, als damals Staatssekretär von Marschall dem deutschen Botschafter in Lon­don feine Anweisungen darüber ertheilte.

Die deutschen Interessen — so hieß es damals — fordern unbedingt, daß Trans­vaal als ein selbstständiger Staat erhal^ ten bleibt und daß in den Verhältnissen im Ge­biete der Delagoa-Bai nichts verändert wird. Was vor 3 Jahren als maßgebend für Deutschland erachtet wurde, das hat ohne Zweifel auch heute noch seine Geltung. Und es ist zu hoffen und anzunehmen, daß alle Behauptungen vom Gegentheil nichts Anderes sind als Aus­geburten unerfüllbarer englischer Wünsche.

Deutsches Deich.

Berlin, 6. September.

h Das deutsche Aia«tscho«-Heviet ist, wie berichtet, zum Freihafen erklärt worden;

habe Du Erbarmen mit mir und sage, daß ich träume, daß es bei dem Martin im Oberstübchen rappelt, oder daß ich selber verrückt bin. Alles, nur das nicht, daß mein einziges Kind eine pflicht- und ehrvergessene Dirne ist!"

Aber die Muhme hatte das bunte Fürtuch vor's Gesicht geschlagen und weinte still in sich hinein, und Thomas war langsam zur Seite ge­hinkt und sah starr hinab auf das alte Zünftler­haus, um beffen Treppe noch fortwährend ein neugieriger Schwarm sich drängte. Seltsam, nun er die ersehnte Gewißheit hatte, daß der tödtlich Gehaßte für immer unschädlich gemacht sei, war er weit entfernt davon, die gehoffte Be­friedigung zu empfinden. Blutrothe Flecken, tanzten in dem grellen Sonnenlicht vor feinen Augen, und aus dem Gekreisch der hin und her schwirrenden Schwalben tönte deutlich das Wort: „Mörder! Mörder!"

„Ihr schweigt? Ihr wisset nichts zu ant­worten? O, warum habt Ihr geschwiegen, als es noch Zeit war, zu reden! Mein Kind! Meine Rosel! Wo ist sie?"

Er blickte Martin fragend an.

„Weiß nicht, Meister; sie wird sich wohl hüten, jetzt nach Straßburg zu kommen. Die Leute sagen--.“ Er machte eine Pause in

dem Bewußtsein, seine Zuhörer mit noch einer ungeheuerlichen Nachricht überraschen zu können.

„Mensch, so sprich doch! Spanne mich nicht länger auf die Folter!"

„Die Leute lagen, der Hans Hochkirchner fei ein reicher hcchg-.oorener Herr, ein Edelmann, fo gut wie nur einer im Reich. Die Pracht feiner Pferde und Kleider fei schier unglaublich, fein