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verantwortlich: Sur die Redaktion Jof. Lau«, siir Inserate I. parzeller in Sulda.

mit Zlnterhattungs-Meitage „Illustrirte Sonntags-Zeitung!' peterszaile Nr. (Larmonies.

25. Jahrgang.

Iutöcr, Samstag, den 3. September 1898.

M 200.

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung für den Monat September werde« noch fortwährend angenommen.

Woche«-Rundschau.

lRachdruck verboten.!

X Fulda, 3. September.

Ein Ereizniß hat die abgelaufene Woche aus­gezeichnet, etwas, was diese Bezeichnung im vollsten Sinne des Wortes verdient ; denn wenn ein Herr­scher, von dem man wohl eine Einladung zu Kriegs­rüstungen und Vorbereitungen zu Eroberungszügen erwartet, eine Anregung zur Abrüstung gibt und eine Kundgebung zu Gunsten eines allgemeinen Weltfriedens -erläßt, so ist das in der That ein Ereigniß, wie kein anderes. Und als solches hat denn auch der von dem russischen Minister des Auswärtigen, Grafen Mura- wieff, im Auftrage des Zaren Nikolaus an die Vertreter der Mächte gerichtete Erl aß gewirkt. Seü vielen Jahren dürfte keine Kundgebung irgend einer Regierung auch nur vergleichsweise eine solche Ueber- raschung hervorgerufen haben, wie dieser Erlaß des Zaren, Leit derselbe am 28. August, an dem Tage, an welchem in Moskau das Denkmal seines Groß Vaters, Alexander II., enthüllt wurde, veröffentlichen ließ. Während aber im letzten Vierteljahrhundert be­deutungsvolle Kundgebungen hervorragender Mächte selten ungetheilte Befriedigung hervorgerufen haben dürften, kann man von der Friedenskundgebung des jugendlichen Zaren dreist behaupten, daß sie, mit einer einzigen Ausnahme (Frankreich), überall freudige Auf­nahme und Zustimmung gefunden hat. Wie könnte es auch anders sein! Die Völk er ersehnen und wollen ja nichts anderes als den Frieden, der sie die Früchte ihrer Arbeit ungestört genießen läßt uni) ihre Wohl­fahrt verbürgt. Wie sollten sie daher nicht Alles leb­haft begrüßen, was dem Frieden dient, ihn zu er­halten und zu fördern bestimmt ist! Und dieses Ziel soll ja das Manifest des Zaren verfolgen.

Wie es ganz natürlich ist, erhebt sich von selbst die Frage nach dem Anlaß der Kundgebung. Wenn auch der Zar den Tag der Denkmals-Enthüllung aus­zeichnen und zu einem denkwürdigen gestalten wollte, so kann doch nicht angenommen werden, daß er die unmittelbare Veranlassung des hochbedeuisamen Akten­stückes sein sollte; sie muß eine andere sein. Hier nun aber eröffnet sich der Vermuthung ein weiter Spiel­raum. Während die Einen annehmen, daß die Kund­gebung lediglich aus der friedlichen, allem kriegerischen Wesen abholden Gesinnung des Zaren hervorgegangen sei und deshalb aufrichtig einen allgemeinen, dauern­den Frieden anstrebe, neigen Andere der Auffassung zu, daß die schwierige Lage, in der Rußland eben in verschiedener Hinsicht sich befindet, die eigentliche Ur­sache sei. Es ist nicht zu verkennen, daß die letztere Auslegung Manches für sich hat — womit aber die erste nicht ganz abgewiesen sein soll. DasVerhält- niß zwischen Rußland und England, deren Interessen eben in Ostasien, namentlich in China, sich scharf gegenüberstehen, hat sich derart zugespitzt, daß die Engländer den Chinesen, hinter denen Rußland steckt, bereits mit einer Flott'ndemonstration gedroht haben, zu der die betreffenden Schiffe auch schon be­stimmt sind. Einen ernstlichen Zusammenstoß aber mit England haben die Russen allen Grund, zu vermeiden, da sie ersteren zur See nicht gewachsen sind, bei einem Kriege also aller Wahrscheinlichkeit nach den Kürzeren ziehen würden. Dazu kommt, daß die von Rußland

Gin Kruzifix.

Es gibt kein traurigeres Zeichen für die Ver- dorbenhert eines Menschen, als wenn er so tief -gesunken ist, daß er über das, was einem an­deren heilig ist, spotten und Köhnen kann. Es ist ein Zeichen tiefer Gottlosigkeit und Laster- Hastigkeit, wenn die Religion, und was auf sie Bezug hat, verspottet werden kann, und es Leute gibt, die solchen Spott belachen oder gar dazu einstimmen.

Solches war unserem deutschen Volke lange fremd. Sein tiefes Gemüth lehrte es, das Hei­lige achten, lieben und ehren. Das ist leider in unseren Tagen auch seltener geworden, und das Spotten über Religion und göttliche Dinge kommt auch in Schwung besonders bei unseren jungen Leuten, die meinen, das sei ein Zeichen von Weisheit und erhöhe sie selbst, wenn sie das Heilige verspotten. Wenn der einzige sittliche Halt, die Religion, fehlt, dann ist Alles dahin, und der Strom der Treulosigkeit bricht reißend herein und zerstört vollends alles, was noch Gutes übrig ist. Was soll da aus dem Familienleben, aus der Ehe und Kinderzucht, aus den unsterb­lichen Seelen werden?

In den neunziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts zog das Volk nach Versailles, wo der königliche Hof war, und drang in das Schloß. Damals wurde gestohlen, und Mancher, der ba­tet war, hat sich später geschämt, ist aber seines Raubes dennoch nicht froh geworden, wie denn unrecht Gut nie gedecht, weil es den Fluch Gottes in sich trägt.

Einer, der auch dabei war, hatte unter an­

in Ostasien seit Jahren befolgte Ausdehnungs- und Eroberungspolitik dessen Finanzkraft sehr in Anspruch genommen und geschwächt hat, und dieses auch mit Rücksicht darauf ernstlichen Verwickelungen aus dem Wege zu gehen genöthigt sein dürfte. Nun sagen die Verfechter der zweiten, oben erwähnten Ansicht, diesen Schwierigkeiten, in denen Rußland eben sich befindet, solle die Friedenskundgebung des Zaren begegnen da­durch, daß sie mit ihrer Einladung zur Sicherung des Weltfriedens auf einer von allen Staaten zu beschicken­den Konferenz, wie alle übrigen Mächte, so auch England an irgend welchem kriegerischen Vorgehen zu hindern bestimmt sei. Wie dem nun auch sei: .bedeu­tungsvoll und von hohem Werth für alle Abrüstungs- und Friedensbestrebungen bleibt die Kundgebung in jedem Falle, und man braucht sich die Freude an der­selben durch keinerlei Nebenerwägungen trüben zu lassen. Namentlich für uns Deutsche, die wir die uns auferlegte schwere Kriegsrüstung kaum noch zu tragen vermögen und dabei noch fortwährend von neuen Militärlasten bedroht sind, ist sie ein werthvolles Mittel zur Bekämpfung neuer Militärforderungen, und als solches wird sie im neuen Reichstage vortreffliche Dienste leisten — zum Aerger unserer Hurrahpatrioten und Militaristen.

Aber auch noch aus einem anderen Grunde muß das Manifest des Zaren unsere hohe Befriedigung er­regen. Wir haben schon kurz bemerkt, daß die Frie­denskundgebung allein in Frankreich keine Zustim­mung gefunden habe. Das ergibt sich aus der Natur der Sache. Die Franzosen haben sich so unendliche Mühe gegeben, das Bündniß mit Rußland abzu­schließen, weil sie hofften, daß letzteres ihren Revanche­gelüsten Vorschub leisten, ihnen zur Wiedererlangung von Elsaß-Lothringen behilflich fein werde. Ist es auch eine thörichte Hoffnung, so ist sie doch das Leit­motiv bei allen ihren Handlungen. Auf diese Hoff­nungen nun ist der Erlaß des Zaren wie ein tödt- licher Reif gefallen. Derselbe Zar, der ihnen die Reichslande wiedererobern helfen sollte, fordert sie auf, abzurüsten und zu einem dauernden Weltfrieden mit­zuwirken! Heißt das etwas Anderes, als ihren Re­vanchegelüsten gegenüber dem deutschen Reiche zu ent­sagen? Wer also wird sich wundern, daß die Kund­gebung auf die Franzosen höchst niederdrückend und verstimmend gewirkt hat?! Ebenso selbstverständlich aber ist, daß dadurch die gegenseitigen Beziehungen ungünstig beeinflußt werden. Sobald die Franzosen merken, daß sie auf eine Unterstützung ihrer Revanche- beftrebungen durch Rußland in absehbarer Zeit nicht zu rechnen haben, hat natürlich auch das Bündniß mit Rußland seinen Werth für sie verloren; sie werden von demselben zurücktreten und bann ganz allein, ohne Verbündete dastehen. Was das für uns bedeutet, braucht nicht näher bargelegt zu werden: es würde damit ein Hauptgrund zu den unaufhörlichen, geradezu erschreckenden Riistungen in dem seitherigen Maßstabe fortfallen. So haben wir also, von welcher Seite man auch die Sache betrachten mag, allen Anlaß, der überraschenden Friedenskundgebung uns zu freuen. Und wenn auch die von allen Mächten zu beschickende Konferenz ein unmittelbares Resultat nicht ergeben sollte, so werden die Berathungen der Vertreter der Mächte an sich schon auf die Befürworter unausge­setzter Rüstungen abkühlend wirken und so indirekt zu Gunsten des Friedens sich äußern. Alle Freunde des Friedens aber werden die Konferenz und deren Be­rathungen mit ihren besten Wünschen begleiten.

Der glänzende Verlauf der Krefelder Katholiken- vcrfammlnng verursacht unseren Gegnern von Rechts wie von Links fortgesetzt noch große Beschwerden. Der Neid, daß sie Derartiges nicht zu Stande zu bringen vermögen, daß die verhaßten „Ultramontanen" ihnen darin so weit „über" sind, läßt sie nicht zur Ruhe kommen, und so suchen sie denn an Allem zu nörgeln. Die Katholiken seien in Krefeld mit zu großer Selbst- beren Dingen ein in ben Schmutz getretenes Kru- zufix aufgerafft und mitgenommen. Er hatte gemeint, er hätte etwas Rechtes erhascht, aber es schien ihm nichts werth unb er warf es, wülhenb, baß er sich mit bent schmutzigen Ding geplagt, in eine Ecke unter altes Gerümpel, unb ba lag es bis zum Jahre 1843, in welchem der alte Sünder, der ein Gewürzkrämer geworben war, starb.

Frau und Kinder hatte er nicht; daher ließen seine Anverwandten Hab und Gut durch einen Notar versteigern. Die Leute aus der Vorstadt kamen zusammen und die Versteigerung begann.

In dieser Vorstadt wohnte ein blutarmer, junger Maler, dem es sehr schlecht ging. Er war sehr geschickt, aber er hatte kein Geld, er hatte keine vornehmen, guten Freunde, die ihn empfehlen konnten, — ohne das geht's in Paris nicht — und er saß brodlos in feinem engen Dachkämmerlein in der Vorstadt Saint Antoine unb verzweifelte fast. Erst in der letzten Zeit hatte ein Wirth feinen Tanzsaal ausmalen lassen, unb da er saft verhungert war, so dünkte er sich nicht zu gering, ben Tanzsaal auszumalen.

Ihn hatte eine fromme Mutter früh beten gelehrt, unb die Noch, bie er litt, setzte bas gute Werk in ihm fort. Er war fromm unb blieb es, und er bewahrte ein reines, gottesfürchtiges Herz. Zwar spotteten seine Bekannten gewaltig übet ihn, daß er ben Sonntag heiligte, daß er in die Kirche ging, Gott zu verehren; aber bas machte ihn nicht irre. Er blieb bem heiligen Zuge seines Herzens treu.

Er hatte bis jetzt jede Nacht auf einem Stroh- sack ohne Leintuch geschlafen, weil feine Armuth

zufriedenheit und Siegeszuversicht aufgetreten, obschon sie doch nur die Minderheit im Lande bildeten. Das fei eine Herausforderung der Protestanten, auf welche diese nicht schweigen könnten. Das verlangt auch Nie­mand von diesen: sie mögen ruhig thun, was sie nicht lassen zu können glauben. Nur sollen sie bei Allem, was sie thun, das Beispiel der Katholikenversammlung sich vor Augen halten, auf der kein verletzendes Wort gegen Andersdenkende fiel, und genau ebenso handeln: Anstand und Nächstenliebe nicht verletzen. Dann werden sie unliebsame Kritik nicht zu fürchten haben. Aber das eben ist es, was fie nicht fertig bringen: sie können nicht zusammenkommen, ohne hämische, pha­risäische Blicke in des Nachbars Gebiet zu werfen und über „römische Anmaßung und Arglist" Jagdgeschichten zu erzählen. Und da Aehnliches bei uns gar nicht geschieht, die Katholiken vielmehr lediglich mit ihren eigenen Angelegenheiten sich beschäftigen, sind die Selbst­gerechten auf der anderen Seite ärgerlich, daß unsere Versammlungen ihnen keinen Anlaß zu Angriffen bieten. Dafür sucht man sich dann, wie schon bemerkt, durch kleinliche Nörgelei zu entschädigen, klammert sich an Aeußerlichkeiten und sucht daran sein Müthchen zu kühlen. Nun, wenn's unseren „Freunden" Freude macht — wir wollen sie nicht darin stören; uns schadet es nicht. Festgestellt aber muß werden, daß diese Nörgelei von Blättern, die konservativ und christlich fein wollen, in weit höherem Maße betrieben wird, als von liberalen und sozialdemokratischen. Das ist sehr bezeichnend für die Gesinnung dieser Art „christ­lichen" Blätter. Dabei sind sie so kurzsichtig und sehen nicht ein, daß sie gerade durch ihre kleinliche Mäkelei Zeugniß für uns und unsere Kundgebungen ablegen. Der Haß und der Neid machen eben blind.

In Oesterreich-Ungarn wird immer noch über den Ausgleich verhandelt, der immer mehr zur See- schlange zu werden droht. Volle acht Tage haben die beiderseitigen Minister in Pest mit einander berathen, um eine Vereinbarung zu Stande zu bringen, lieber das Ergebniß ist zwar noch nichts in die Oeffentlich- keit gedrungen, aber man kann ganz ruhig annehmen, daß eine Verständigung ebenso wenig erreicht worden ist, wie bei den früheren Verhandlungen. Es wird zwar versichert, man sei soweit übereingekommen, den österreichischen Reichsrath wieder einzuberufen, um zu versuchen, mit seiner Hilfe auch den Ausgleich in Oesterreich auf parlamentarischem Wege zu Stande zu bringen. Die Einberufung solle um die Mitte Sep­tember erfolgen. Aber selbst wenn das geschieht, sind die Aussichten kaum gebessert, da, wie neuerdings ge­meldet wird, die Magyaren sich weigern, die von Oesterreich verlangte höhere Quote (Beitrag zu den gemeinsamen Staatskosten) zu zahlen. Von dieser Forderung aber kann und wird der österr. Reichsrath nicht abgehen. Wie also soll eine Einigung zu Stande kommen? Am Montag und Dienstag nun sind die beiderseitigen Ministerpräsidenten und Handelsminister sowohl, wie auch die gemeinsamen Minister des Aus­wärtigen und der Finanzen wiederholt vom Kaiser empfangen worden, und inzwischen wurden auch die Verhandlungen noch fortgesetzt. Und das Ergebniß? Abermalige Vertagung der Entscheidung. Es soll erst der österr. Reichsrath einberufen und versucht werden, ihn zur Erledigung des Ausgleiches zu bewegen — was aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gelingen wird, wenn nicht vorher die unseligen Sprachenver­ordnungen aufgehoben werden. So bewegt man sich fortgesetzt in einem bösen Kreise herum und kommt immer wieder an der Stelle an, von der man ausge­gangen ist.

Die Herrschaft des Mahdi im egyptischen Sudan dürfte in aller Kürze ein Ende nehmen. Volle 18 Jahre haben unter dem Titel Mahdi (Heerführer) drei fanatische eingeborene Häuptlinge ihr grausames Regi­ment in Chartum geführt und jenen Theil des Sudans, welcher hauptsächlich durch katholische Ordensleute

der Kultur und dem Christenthum verheißungsvoll er­schlossen war, wieder vollständig der Barbarei über­liefert. Nun sind die englisch-egyptischen Truppen, die schon vor Jahresfrist den Feldzug gegen die wilden Horden der Derwische unternahmen, den letzteren so nahe gerückt, daß der Entscheidungskampf unmittelbar bevorsteht. In den ersten Tagen des September er­wartet man ihn, und bis Mitte des Monats hoffen die Engländer den Mahdi und seine Macht vollständig niedergeworfen und Chartum und das auf der andern Seite des Nil gelegene Omdurman, die beiden Haupt- stützpunkte der Derwische, besetzt zu haben. Hoffentlich trifft die Berechnung zu, damit die blutige Herrschaft des Halbmonds in jenem Gebiete des schwarzen Erb- theils ein Ende nimmt.

Zu den amerikanisch-spanischen Friedensverhand- langen haben die Amerikaner ihre Delegirten, unter denen sich auch ein Katholik befindet, bereits ernannt, die Spanier dagegen noch nicht. Hier scheint die Sache einige Schwierigkeiten zu bereiten; einzelne der in Aussicht genommenen Persönlichkeiten lehnen ab, was leicht erklärlich ist, denn es kann Niemandem angenehm sein, an der Zerstückelung seines Vaterlandes Mitar­beiten zu sollen. Die spanische Regierung beabsichtigt, die Volksvertretung einzuberufen, um deren Zustim­mung zu den Friedensbedingungen einzuholen. Auch da dürfte es noch harte Kämpfe abfetzen, ehe dieses Ziel erreicht ist.

Die Kauern unter der Herrschaft der Geistlichkeit «nd der Klöster im

Mittelalter.

Immer und immer wieder liest man in akatho- lischen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern jene Märchen, wie die Bauern im Mittelalter durch die Geistlichkeit und die Klöster geknechtet worden seien. Wie sehr diese Behauptung auf Unwahr­heit und Schwindel beruht, sollen uns im Fol­genden nicht etwa katholische, sondern prote­stantische und liberale Autoren beweisen.

Da sei denn zunächst angeführt der Rechts­historiker Georg Ludwig v. Maurer, bis zu seinem Tode Staatsrath in München. In feiner „Geschichte der Frohnhöfe und der Hofes - Ver­fassung in Deutschland" (Band 3, 277) sagt dieser Gelehrte: „Die geistlichen Grundherrschaften zeich­neten sich sehr vortheilhaft vor den weltlichen Herrschaften aus . . . Daher war es auch unter demKrummstabe gut wohnen." Mit diesem Unheile Maurer's stimmen alle wirklichen Kenner des Mittelalters überein. So sagt W. Roscher („System der Volkswirthschaft" 2, Seite 338, § 105, 7. Auflage): „Das Sprüchwort „Unter dem Krummstab ist gut wohnen", ist allerdings Wahrheit." Der selbst von Lasalle gerühmte Rechtshistoriker und Germanist Professor W. Ar- nolo schreibt: „Die bischöfliche Herrschaft war ungleich milder, als die der weltlichen Herren, so daß es stets als wahre Befreiung begrüßt wurde, wenn die Gerichtsbarkeit in einer Stadt durch kaiserliche Privilegien vom Grafen auf den Bischof überging. Unter dem Krummstabe war von jeher gut wohnen. Die Bischöfe waren keine Herren, die auf Unterdrückung ausgingen, sondern Väter der Stadt, die auf jede Weise für deren Empor­kommen folgten." („Das Aufkommen des Hand­werkerstandes." 1861, Seite 16.) Ueber die Klöster speziell sagt Arnold: „Ehe es Städte gab, sind die Klöster die ausschließlichen Träger der Kultur gewesen. Im Innern Deutschlands ist die

anders es nicht zuließ. Nun halte er an dem Ausmalen Geld verdient und wollte es nützlich anwenden. Er hörte von der Versteigerung in feiner Nachbarschaft und fand sich bd der­selben ein.

Auf solchen Versteigerungen, die alle Tage zu Hunderten in der großen Stadt Vorkommen, geht's manchmal wunderlich zu. Sind viele Liebhaber da, dann wird das alte Gerümpel theuer; fehlts daran, bann kommt das Gute um einen Bettel weg.

So war's bei der Versteigerung des alten Gewürzkrämers auch. Unser guter Maler steigerte das Bett nebst dazu gehörigem Weißzeug sür das Wenige von 75 Francs. Sogleich bezahlte er und ließ sich alles in seine Wohnung tragen. Niemand war reicher und glücklicher wie et! Es blieben ihm noch fünfundzwanzig Francs.

Geh' noch einmal auf die Versteigerung, sagte er zu sich selbst, vielleicht kannst du noch etwas, was du brauchen kannst, wohlfeil an dich bringen. Gedacht, gethan!

Er geht wieder hin; aber die Versteigerung ist fast zu Ende. Nur noch altes Gerümpel, was in der Ecke des Speichers liegt, wird unter Spott und Lachen ansgeboten.

Da kommt auch ein Kruzifix, das gnz mit Staub und Schmutz bedeckt ist, an die Reihe. Es geht von Hand zu Hand in der Versammlung.

„Es ist von Blei!" ruft einer; ich gebe einen halben Franc dafür."

Den Maler durchrieselte es eiskalt. Entzieht der Rohheit das Bild des Heilandes, das Zeichen des Kreuzes! dachte er und bot laut fünf Francs!

Der Notar reichte es ihm mit einer spöttischen

Verbeugung; aber der Maler zahlt fein Geld, nimmt unter allgemeinem Lachen fein Kruzifix in Empfang und geht voll Aerger und Ingrimm über die Rohheit und Entartung dieser Men­schen heim.

Seine Wirthin hat ihm unterdessen sein Bett frisch überzogen und eingerichtet. Er stellt sein Kruzifix auf einen Ecktisch, macht noch einen Spaziergang, legt sich bann bei Zeiten nieder unb schläft wie ein König.

Als er am andern Morgen erwacht, fällt sein Blick auf das schwutzbedeckte Kruzifix

Er denkt: Reinige es einmal!

Nun nimmt er eine Bürste und beginnt, von dem Fuße desselben den Schmutz zu entfernen.

Da sieht er Buchstaben. Er reinigt sie vollends und — es ist der Name: Benvenuto Cellini, ben er mit großem Erstaunen lieft.

Benvenuto Cellini war in Florenz in Toskana geboren und ein sehr kunstreicher Mann, beson­ders in getriebener Arbeit. Es war ein hochge­ehrter Künstler, der meist nur für Fürsten unb Könige arbeitete, unb ba seine Arbeiten alle wahre Kunstwerke waren, so wurden sie alle ungemein lheuer bezahlt. Da er ursprünglich Goldschmied war, so arbeitete er meist in Gold und Silber. Auch dieses Kruzifix war durch eine Kömgin von Frankreich nach Paris unb bann in das Schloß von Versailles gekommen, wo es bei bem schon gebuchten Ueberfall des Volkes ein Dieb stahl, der es auf ber Straße im Gedränge wahrschein­lich verlor. Vom Straßenschmutz bedeckt fand es ber Gewürzkrämer, nahm es mit, unb ba er es für nnwerth hielt, warf er es in die Rumpel­kammer.